Fourth Down Analytics hat gewonnen

Ich hab nicht viel Zeit, daher nur in ganz kurz: 4th Downs sind King.

Nie ist mir die moderne NFL so krass aufgefallen wie am Sonntag in der Frühschicht im Redzone-Kanal, der phasenweise eine Aneinanderreihung – nein: Orgie – an ausgespielten 4th Downs war. Browns, Chiefs, Eagles, Colts, Bears, Texans, Cowboys (!), ja sogar Vikings (!!) gingen teilweise mehrfach ohne mit der Wimper zu zucken aufs Ganze.

Der Trend setzte sich in den Spielen danach fort – mit dem Höhepunkt Chargers, die im Monday Night Game bei deutlicher Führung mit mehreren Scores ohne auch nur eine Sekunde zu zögern ein 4th Down in der eigenen Platzhälfte ausspielten.

Analytics ist eben doch kein theoretisches Konstrukt, und wenn die Lawine einmal angeschoben ist, dann ist sie nicht aufzuhalten. Dieser Zeitpunkt ist jetzt, auch wenn das Wissen um die Vorteile des Ausspielens schon bekannt war, als ich auf diesem Blog vor zehn Jahren gerade die ersten Zeilen schrieb.

Nur einige Coaches verweigern sich des Trends. Joe Judge ist einer von ihnen. Judge schoss am Sonntag mehrmals kurze Fieldgoals kurz vor der Endzone – und wurde trotzdem belohnt.

Aber nicht alle waren so glücklich. Eagles und Chiefs lieferten sich z.B. einen offenen Schlagabtausch, in dem die Chiefs bsp. In sieben ihrer acht nennenswerten Drives mit Touchdown abschlossen. Aber so viel besser waren die Chiefs bei genauem Hinsehen gar nicht. Denn die Marge beim 42-30 Sieg der Chiefs können wir am Ende auch an drei Positionen festmachen, in denen die Philadelphia Eagles auf ein ausgespieltes 4th Down verzichteten.

  • 29 Yards Fieldgoal bei 4th&3 an der KC 11
  • 25 Yards Fieldgoal bei 4th&7 an der KC 7
  • 31 Yards Fieldgoal bei 4th&Goal von der KC 13

Nicht jede dieser Entscheidungen ist eine klare Analytics-Fehlentscheidung. Aber wir sind längst bei Schritt 2 angekommen: Situational Awareness. Du bist klarer Außenseiter gegen den Titelverteidiger Topfavoriten mit seiner Monster-Offense, die auf jede erdenkliche Weise – explosive Plays, unendliche Geduld in langen Drives, QB-Pässe oder QB-Scrambles – und in quasi jedem Drives Touchdowns scort.

Da gilt es, die Hemmschwelle für ausgespielte 4th Downs weiter zu senken.

9 Kommentare zu “Fourth Down Analytics hat gewonnen

  1. Ja, das war wirklich sehr auffällig an diesem Wochenende. Ich bin allerdings gespannt, wieviele Coaches so aggressiv bleiben, wenn es ein paar Mal scheint geht mit dem Ausspielen.

    P.S.: Die Chiefs sind nicht der Titelverteidiger. 😉

  2. Meine Browns hatten ja mit den vierten Versuchen bei den letzten beiden Spielen keinen Erfolg wenn mich die Erinnerung nicht trügt. Trotzdem fand ich die prinzipielle Entscheidung gut.
    Allerdings mir schleierhaft (vor allem wenn ich als Playscaller sehe, dass Baker eh nicht „comfortable“ in den Spielen aussah – Stichwort Situational Awareness) warum dann Baker ohne RB steht und die Verteidigung weiss, dass ein Pass kommt. Glücklicherweise wurden die Spiele trotzdem gewonnen, aber es waren die Bears und die Vikings.

  3. „Titelverteidiger Chiefs“ passt zu den Ergebnissen: Sind die Bucs so schwach (trotz Mega-personal) oder die Pats so stark?
    Klar: Belichick kennt Brady und hat ihm gameplan-technisch sicher jede Menge Steine in den Weg gelegt. Brady war wohl auch nervös.
    Aber zwei Punkte Differenz und ein verschossenes FG? Trotz Rookie-QB, schwacher O-line, etc.? 😮
    So wirken die Chiefs tatsächlich wie der Titelverteidiger.

  4. @dizzy: Hä? Wenn ich mich nicht irre, sind auch die Chiefs nicht ganz überzeugend bis jetzt. Ihr 2-2 Record kommt auch nicht aus dem Nichts.

    Speziell die Defense ist ja teils absurd und auch Mahomes (so gut er auch ist) hatte seine Wackler.

    Da nehmen sich Bucs und Chiefs bis jetzt kaum etwas.

  5. @RamsFan: Upppppppsss… da sollte eigentlich „Topfavorit“ stehen 🙂

    Buccs zeigen halt, dass sie mit entsprechendem Verletzungspech auch nur *eins von mehreren* Topteams sind und nicht *das* Topteam schlechthin.

    Chiefs sind auch nicht restlos überzeugend, aber ihre Offense ist schon extrem effizient, obwohl sie sich immer noch nach Luft nach oben anfühlt.

    Defense würde ich z.T. nicht überbewerten, auch nicht bei den Chiefs, denn sie haben halt auch hervorragende Offenses (Browns, Ravens) oder Super-QBs (Chargers) gesehen.

  6. Schade, dass es Bill Belichick erfolgreich verhindert hat, in diese Riege des Lobs aufgenommen werden zu dürfen. Im zweiten Quarter mit 2 Minuten auf der Uhr bei 4th & 2 an der gegnerischen 44 zu punten, fand ich schon etwas seltsam. Die Bucs hatten noch zwei Timeouts und dass sie trotz guter Patriots-Defense durchaus für das ein oder andere tiefere Play gut waren, hat man ja auch gesehen. Und das Field Goal am Ende war mir auch schleierhaft bei 4th & 3 von der gegnerischen 38. Folk hat sich ja durchaus als solider Kicker zuletzt bewiesen, aber bei diesem Wetter dann auf so ein langes Field Goal zu gehen… Schwierig. Na ja, Bill ist halt auch noch von der alten Schule. 😉

  7. Ja, Belichick ist bei 4th Downs in den letzten Jahren hinter dem Rest der NFL zurückgeblieben.

    Das waren noch Zeiten, als die Pats gegen Peyton Manning in der eigenen Hälfte Crunchtime-4th Downs ausspielten.

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