Date am Donnerstag – Woche 6: Philadelphia Eagles – Tampa Bay Buccaneers

Auftakt zum sechsten NFL-Spieltag 2021 heute mit dem Donnerstagsspiel Philadelphia Eagles (2-3) – Tampa Bay Buccaneeers (4-1).

Die Favoritenstellung ist deutlich: Die Bucs sind in den Wettbüros mit 7 Punkten vorn, und das als Auswärtsteam.

Tampa fühlt sich trotzdem in diesen ersten Wochen ein bisschen unterhalb von Volllast an. Das dürfte vor allem an den vielen Verletzungssorgen liegen. Gerade die Defense kroch mehrere Wochen lang auf dem Zahnfleisch und ließ sich in einigen Partien böse ausspielen.

Philadelphia hat bislang zwei Siege in den Büchern stehen – einen deutlichen Auftaktsieg gegen Atlanta und einen eigentlich kaum zu glaubenden Comeback-Sieg am Sonntag gegen Carolina in einem Spiel, in dem man sich zweieinhalb Stunden lang hoffnungslos anfühlte, ehe Sam Darnold in übelste Jets-Zeiten verfiel und die Jalen-Hurts-Offense doch noch ein bisschen in Schwung kam.

Aber insgesamt fühlen sich die Eagles durch die beiden Siege wie ein überschätztes Team an. Die Defense sieht gegen bessere Offenses kein Land (Kansas City z.B. hat in sechs von sieben Drives Touchdowns gescort) und die Offense hat nicht bloß negative EPA/Play in Rushing, sondern ist auch haarscharf an negativer EPA/Play in Passing-Offense:

Offense nach EPA/Play, Quelle: rbsdm.com

Jalen Hurts

Und das, obwohl QB Jalen Hurts bis jetzt durchaus eine positive Erscheinung ist. Er hat im Vergleich zur letzten Saison einen deutlichen Sprung gemacht. Hurts ist nicht mehr der Ballhalter&Playmaker-QB der letzten Saison, dessen Stats-Profil sich überhaupt nicht nach einem NFL-QB anfühlte.

Hurts hat heuer richtig gute Würfe in seinem Spiel. Zwar wirft er überproportional viele kurze Pässe (z.B. fast 19% Targets hinter der Line of Scrimmage) und nicht allzu häufig tief (nur 11% Targets über 20 Yards), aber er rangiert im Mittelfeld nach fangbaren Pässen, wirft den Ball deutlich schneller als letztes Jahr und ist einer der besten Scrambler.

Auffällig bei Hurts allerdings auch: Aus Clean Pocket ist er nur Mittelmaß. Richtig stark ist er nur in den Pressure-Downs – das sind die Spielzüge, die bei Quarterbacks üblicherweise wenig stabil sind.

Gehen wir nach PFFs Passer-Grading, so war der Hurts der ersten Wochen im Gesamtpaket allerdings ein durchaus vernünftiger QB, der besser spielte als es die Effizienz nach EPA/Play vermuten ließe (wie übrigens auch Tom Brady auf einen natürlich insgesamt deutlich höheren Niveau):

Quelle: Ben Baldwin/PFF

Phillys Support-Cast

Auch Hurts‘ Receiving-Corps ist recht cool: Devonta Smith ist zwar nicht vollständig konstant und hat gerade mit physischen Gegnern noch seine Probleme, aber wenn er nur etwas Platz hat, sind fast alle Traits aus seinem College-Tage sichtbar. Jalen Reagor, letztes Jahr als 1st Rounder gefloppt, hatte auch lichte Momente. Und Quez Watkins hat als Speedster schon mehrere richtig fette Big-Plays gemacht.

Auffällig: Smith und Reagor stehen über 80% außen. Watkins ist der Slot. Smith hat einen aDOT von über 14 Yards, Big Play Maschine Watkins von „nur“ 11 Yards, Reagor von etwa 8 Yards. Prinzipiell ist das Trio momentan noch etwas mehr „flashes“ als konstante Production. Aber es wird. Langsam.

Eine mögliche Problemzone ist seit kurzem die Offensive Line, wo RT Lane Johnson wegen familiärer Probleme möglicherweise länger ausfällt. Auf jeden Fall ist man sich in Philly nicht sicher ob Johnson heuer noch einmal aufläuft.

In Johnsons Abwesenheit stellten die Coaches zuletzt interessanterweise die O-Line um, schoben den teuren Ex-Rugby-Spieler Jordan Mailata von links nach rechts um als LT den gefloppten 1st Rounder Andre Dillard einzubauen. Bis jetzt sah das überraschend passabel aus – aber heute trifft man auf einen potenziell starken Passrush.

„Potenziell“ ist dabei durchaus ein Schlüsselwort, denn so ganz zündet die D-Line noch nicht. Jason Pierre-Paul ist seit Wochen sichtbar nicht fit. Bei Vita Vea wechselten hellste Moment mit Phasen des Abtauchens. Shaq Barrett und Devin White als Blitzer haben die meisten Pressures im Team. Gefühlt könnte das eine Partie werden, in der Tampa mehrere Drives lang Hurts verunsichern könnte.

Tampa kriecht aber in Coverage noch immer auf dem Zahnfleisch. So fällt jetzt auch LB Lavonte David für längere Zeit aus – was den Eagles-Tight Ends Goedert/Ertz durchaus entgegenkommen sollte.

Tampa Bays Offense

Aber selbst wenn Hurts wieder Plays macht: Ich erwarte, dass Tampas Offense über die Eagles-Defense drüberfährt. Es ist eine Defense, die in erster Linie von ihrem Passrush lebt, aber Tampa hat alle Mittel um das zu kontern:

  • Die O-Line ist eine der fünf besten in der NFL
  • Und Tom Brady führt seinen sensationellen Split zwischen aDOT und Time-to-Throw aus dem letzten Jahr fort, wirft die sechsttiefsten und gleichzeitig zweitschnellsten Pässe.

Da kommt der Passrush nicht dran. Wenn dann vielleicht auch noch irgendwann das Drop-Problem der Tampa-Receiver nachlässt, sehe ich auch bei weiteren Ausfällen von TE Gronkowski und trotz Bradys Daumenverletzung wenig greifbare Anhaltspunkte, wie Philly diese Offense heute kontrollieren kann.

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