NFL Sonntagsvorschauer – Woche 6

Guten Morgen. NFL-Sonntag #6 verspricht ein guter zu werden.

Ich liebe es, wenn die NFL die besten Spiele nicht in die Nacht legt, sondern uns Europäern sehr freundlich gesinnt in den Abendstunden serviert. Los geht es aber wie letzte Woche schon am Nachmittag.

Kaffeekränzchen um 15h30

  • Jacksonville Jaguars – Miami Dolphins

Das zweite London-Spiel dieser Saison kommt in einer Zeit, in der sich NFL-Deutschland schon auf die nächste Saison freut, in der es praktisch sicher eine Partie entweder in Düsseldorf, München oder Frankfurt gibt. Liegt der Grund, dass Berlin nicht in der Verlosung ist, an dem neuen Horror-Flughafen, oder hatte die Hauptstadt von vorneherein keine Chance gegen die Footballhistorie in Frankfurt oder die Wiesn-Combo?

Egal.

Jags – Dolphins ist ein Spiel Not gegen Elend. Jacksonville ist 0-5, Miami ist 1-4. Der Fokus beider Teams liegt im Prinzip auch schon auf 2022, wobei beide Coaches aufpassen müssen, nicht noch heuer der Axt zum Opfer zu fallen, wenn sich nicht entweder die Stimmung (Urban Meyer) oder die sportliche Leistung (Brian Flores) drastisch verbessern.

In Jacksonville kann man ein Auge auf die Entwicklung von QB Trevor Lawrence werfen, der bei allem Arm-Talent noch viel zu viele Rookiemomente hat. Ich sehe Lawrence zwar weit positiver als z.B. den verschreckten Mac Jones, der nicht mehr macht als den Ball zu verwalten (und das nicht immer gut), aber wenn du in jedem Spiel 1-2 Interceptions riskierst, muss auf der Habenseite schon extrem viel Positives stehen, um wirklich Positives zu kreieren.

Miamis Defense wurde in den letzten Wochen zwar ziemlich entzaubert, aber Jacksonvilles Offense könnte ein gefundenes Fressen sein um wieder in die Spur zu finden.

Wo Jacksonville mit seinem jungen QB schon in die Zukunft blickt, bleibt auch den Fins nur mehr die Hoffnung, dass sich Tua Tagovailoa heuer zu einem vernünftigen Starting-QB entwickelt. Tua kehrt heute nach mehreren Wochen Ausfall zurück. Seine ganze Profikarriere war bislang ein Flop, weswegen es nun Imperativ ist, dass zumindest in den nächsten drei Monaten ein Leistungssprung kommt.

Andernfalls landet Miami am Ende des Jahres in den Top-10 der Draftpick-Reihenfolge… ohne die Früchte des Abstinkens ernten zu können, denn ihr Pick ist wegen des Jaylen-Waddle-Trades schon jetzt in Philly.

Frühschicht um 19h

  • Baltimore Ravens – Los Angeles Chargers

Dieses Spitzenspiel habe ich schon gestern ausführlicher analysiert.

  • Chicago Bears – Green Bay Packers
  • Detroit Lions – Cincinnati Bengals
  • Indianapolis Colts – Houston Texans
  • New York Giants – Los Angeles Rams
  • Washington – Kansas City Chiefs
  • Carolina Panthers – Minnesota Vikings

Die anderen Spiele bieten wenig Aufregendes. Bears – Packers ist der vierte Start von QB Justin Fields, der bis jetzt einmal Horror gegen Cleveland, einmal Schulhof-Football gegen Detroit und dann einmal vernünftigen Football gegen Las Vegas gezeigt hat. Fields hält gerne den Ball zu lange und „Konstanz“ ist noch keine passende Beschreibung für sein Spiel, aber er ist eine ständige Big-Play-Bedrohung.

Die Packers müssen schauen, irgendwas an ihrer Offense von Davante Adams wegzubekommen. Letzte Woche ging wieder mal gar nix, bevor Aaron Rodgers verzweifelt begann, Adams mit Zillionen Targets zu füttern – was Adams gegen die schwache Bengals-Defense zu mehr als 200 Yards verwertete. Gegen Chicagos druckvolle Front wird das aber eine schwierigere Aufgabe.

Allgemein kann man ein Auge drauf werfen, ob Rodgers endlich etwas Konstanz in seine Leistungen bringt.


Lions – Bengals ist nicht wirklich aussagekräftig. Detroits Offense hat bald keinen anspielbaren Receiver mehr, aber das Team beißt sich trotzdem weiter rein. Letzte Woche hatte man nach einer verrückten Schlussphase völlig unerwartet die Vikings am Rande einer Niederlage, nur um schon wie gegen Baltimore in allerletzter Sekunde durch ein 50+ Yards Fieldgoal noch zu verlieren.

Entsprechend fertig war auch Headcoach Dan Campbell, dem man bei allen Pleiten schon einmal zugutehalten kann, dass sein Trupp zumindest Gas gibt und erfrischender auftritt als befürchtet:

Das größte Problem an den Lions ist aber ihre nicht NFL-taugliche Defense. Joe Burrow muss eigentlich über 100 Yards auf Ja’Marr Chase auflegen. Einzig ein zu konservativer Approach von Headcoach Zac Taylor kann hier einen Bengals-Sieg verhindern.


Colts – Texans klingt lahm, könnte aber sneaky interessant sein, wenn die Offenses so spielen wie letzte Woche. Bei den Colts bewegte QB Carson Wentz am Montag gegen Baltimore mehr als zwei Viertel lang den Ball erstaunlich gut. Die Texans hatten gegen New England sowas wie den Breakout von QB Davis Mills – nur um am Ende nach zahlreichen Knieschüssen doch noch zu verlieren.


Giants – Rams hat leichtes Upset-Potenzial, wenn die Giants-Defense die Räume gegen Matthew Stafford eng machen kann und QB Daniel Jones seine starke Individualperformance diesmal auch in gute Stats am Feld verwerten kann.

Aber aus Giants-Sicht gibt es zwei Sollbruchstellen. Einmal hat Jones wegen Gehirnerschütterung keine Einsatzgarantie. Und dann ist da noch die hundsmiserable Offensive Line, die jetzt gegen Aaron Donald antreten muss. Das kann auch ganz schnell zu einem Stinker führen.


Bei Washington – Chiefs sehe ich nicht, wie die bislang unterirdische Washington-Defense gegen Patrick Mahomes und seine Armada gegenhalten kann. Das ist fast eine Garantie für über 30 Chiefs-Punkte.


Panthers – Vikings ist das Duell zweier NFC-Mittelklasseteams, die mit etwas Glück die letzte Wildcard abgreifen könnten. Dafür müssen sie aber Spiele wie dieses gewinnen. Die Panthers z.B. haben letzte Woche einen ganz üblen Kollaps gegen die Eagles hingelegt und nach schweren Sam-Darnold-Patzern eine unmögliche Niederlage kassiert – sehen sich aber weiter im Win-Now-Modus, nachdem sie „in-season“ für Cornerbacks wie C.J. Henderson oder Stephon Gilmore getradet haben.

Die Vikes sind 2-3 und kommen von zwei echt enttäuschenden Offense-Performances. Eigentlich müsste das alles besser aussehen. QB Kirk Cousins rockt in den guten Momenten und WR Justin Jefferson ist eine nicht zu bremsende Naturgewalt – aber die Coaches setzen viel zu gern auf elendiges Establish the Run.

Spätschicht ab 22h

  • Cleveland Browns – Arizona Cardinals (22h05)
  • Denver Broncos – Las Vegas Raiders (22h05)
  • New England Patriots – Dallas Cowboys (22h25)

Browns – Cardinals habe ich schon gestern ge-previewed. Zum Stand an dem ich diese Zeilen schreibe, ist noch nicht bekannt, wie fit Kyler Murray heute sein wird und ob Chandler Jones spielen kann.

So ein geiles Spitzenspiel in Cleveland, aber die anderen beiden Partien sind eher meh. Bei Broncos – Raiders wird sich nach wie vor alles um Jon Gruden drehen, den Raiders-Headcoach, der unter der Woche seiner Entlassung durch einen Rücktritt zuvorkam.

Was sich langfristig als Gewinn herausstellen wird, dürfte kurzfristig Potenzial haben, die Raiders-Saison in den Abgrund zu reißen. Der Interimscoach Rich Busaccia wird keine leichte Aufgabe haben.

Bei Pats – Cowboys wird es für New England um zwei Dinge gehen:

  • Kann die bislang derbe enttäuschende Patriots.Defense irgendwas gegen die an allen Fronten runde Dallas-Offense ausrichten? Sie spielt viel Manndeckung, aber gegen Dak Prescott ist das die schlechteste aller Ideen:
  • Gelingen Mac Jones endlich ein paar Big Plays? Oder versucht er überhaupt so etwas? Jones ist der bislang effizienteste aller Rookie-QBs, aber diese Effizienz kommt zu einem Preis: Er spielt so „low risk“, dass es quasi keine Upside mit seinem Spielstil gibt.

Das reicht gegen bessere Gegner normalerweise nicht – und Dallas ist momentan einer der bestmöglichen Gegner.

Nachtschicht ab 2h20

  • Pittsburgh Steelers – Seattle Seahawks

Das Sunday Night Game ist offensiv wirklich übel: Ben Roethlisberger gegen Geno Smith. Da habe ich null Vertrauen in konstante Drives. Die Steelers haben zudem Verletzungssorgen auf Receiver, aber ich traue Ben einige Big Plays gegen eine kaputte Seahawks-Secondary zu.

Geno Smith dagegen traue ich gar nix gegen die starke Steelers-Defense zu. Ich wäre schon verblüfft, wenn Seattle da ein Coup gelänge.

8 Kommentare zu “NFL Sonntagsvorschauer – Woche 6

  1. Busaccia Kennt als Special Teams Coach alle Spieler und die mögen ihn.

    https://theathletic.com/2890503/2021/10/15/raiders-rich-bisaccia-loved-every-second-of-his-38-year-journey-to-becoming-a-head-coach/?source=user_shared_article

    Es sollte also von Seiten des Locker Rooms keine Probleme geben.
    Nur ist die Frage wie gut der OC ohne Gruden klar kommen wird. Die D# war eh ohne große Einmischung von Gruden, da sollte sich wenig ändern.

    Gruden soll für die ganzen 1st Round Picks verantwortlich sein. Mayock für den Rest. Nun hat er 51% der Kontrolle.

    Dazu glaube ich nicht das Gruden gefeuert worden wäre. Zumindest nicht ohne Deal, dass er die restlichen 70M nicht bekommt.

  2. Ich weis nicht wie die NFL es seit Jahren schafft jede Saison ein bottom 5 Spiel der Saison für den Europabesuch zu finden.

  3. Wundert mich auch immer das man nur solche Katastrophenspiele für London hat…
    Werbung ist das nicht grade.

    Ran Kommentaroren auch wieder völlig planlos.

    Geskin im FF … kriegt man auch Zustände.

    Wird Zeit das es 19 Uhr wird.

  4. Bin eigentlich gegen pauschales Ran-Bashing. Aber was da heute wieder läuft, ist schon fast deprimierend. Man muss ja nicht zwangsläufig Analytics-affin bzw affirmativ sein, aber die beiden Kommentatoren zeigen, dass sie noch nicht Mal Kenntnis des Diskurses haben. Das klingt echt einfach nach Expertise aus den 90ern

  5. Na ja das Spiel ist nicht schlecht es sind nur zwei lausig langweilige Teams mit denen nicht NFL Fans überhaupt nichts anfangen können.

  6. @King

    Hab früher als Einsteiger gerne Ran geschaut. Aber das ist inzwischen schon frech. Der Motzkus redet wirklich nur Blödsinn. Wie oft die nicht auf der Höhe des Spiels sind ist schon hammerhart. Das hat dann noch nicht mal mit Analytics zu tun ..
    Das kann DAZN inzwischen deutlich besser.

  7. Pingback: NFL Week 6 im Liveblog: Baltimore Ravens – Los Angeles Chargers | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  8. Pingback: Zum Stand in der NFL nach Woche 6 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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