Zum Stand in der NFL nach Woche 6

Ein Drittel der NFL-Saison ist gelaufen. Nachfolgend noch ein paar Gedanken, die bei mir zu diesem sechsten Spieltag hängen bleiben.

Baltimore Ravens

Die Ravens haben ihren Status als heißer AFC-Contender zementiert. Obwohl mittlerweile klar ist, dass LT Ronnie Stanley für den Rest der Saison ausfällt, können wir so ein Kantersieg über einen anderen vermeintlichen Contender wie die Chargers nicht ignorieren.

Letzte Woche brauchte es gegen die Colts noch ein dickes 19-Punkte-Comeback und eine grandiose Passing-Performance von Lamar Jackson. Diese Woche war Jackson noch nicht mal makellos – weit gefehlt, Jackson lieferte u.a. eine echt hirnrissige Interception. Und trotzdem rollte die von eigentlich überalterten Street-Free-Agents wie Devonta Freeman, Latavius Murray oder LeVeon Bell (noch dazu mit der ungewohnten Rückennummer 17) auf Runningback angeführte Rushing-Offense die hoffnungslose Chargers-Front.

Die Ravens dominierten nicht nur offensiv; auch mit ihrer Defense würgten die die Bolts ab. Justin Herbert wurde in 33% der Dropbacks geblitzt – eine sehr hohe Quote für diesen QB. Immerhin in 11 Snaps stand er unter Druck. Resultat in diesen Plays: 2 Completions, 2 Sacks.

Natürlich gilt für die Chargers jetzt: Nicht durchdrehen! Es war eine Schlappe auf ganzer Linie, keine Frage. Aber es war zu einem bestimmten Grad auch eine Re-Indirizzierung. Dieses Team ist eben doch noch nicht ganz auf dem Elite-Level. Es gab Regression in 3rd Down (3 von 12 verwertet) und 4th Down (eins von vier verwertet nachdem man zuvor 7/8 gegangen war), und in Early Downs bleibt die Offense unterdurchschnittlich (#25 in EPA/Play).

Positiv: Brandon Staley blieb sich treu. Wie schon letzte Woche gegen die Browns, als er mit einem recht früh ausgespielten 4th Down tief in der eigenen Hälfte das Comeback einläutete, ging er auch diesmal bei 6-24 Rückstand schon im dritten Viertel auf 4th Down – und scheiterte. Sie spielten vielleicht kein weltbewegend grandioses Play-Design, aber es war die einzige logische Entscheidung.

Ich habe nachher was gelesen von wegen „kannst du nicht machen“ oder „ging volles Risiko“. Bullshit. 4th & 1 ausspielen ist ein kleineres Risiko als 4th & 1 wegpunten (70% Conversion-Rate in einer Zeit und gegen einen Gegner, in der Ballbesitz mehr wert ist als Feldposition) – und bei 18 Punkten Rückstand gibt es keine Frage, dass es die richtige Entscheidung war.

Für viele Coaches geht es darum, in solchen Situationen die Niederlage so knapp wie möglich zu behalten. Für Brandon Staley ging es aber wie schon letzte Woche noch darum, die kleine Siegchance so groß wie möglich zu halten. Das ist das richtige Mindset.

Der Anti-Staley

Das komplette Gegenteil ist mittlerweile jemand, der einst als Rolemodel in Punkto Aggressivität gefeiert wurde: Ex-GOAT Bill Belichick. Es ist schon seit Jahren bekannt, dass Belichick immer konservativer coacht – aber selten war es so offensichtlich wie am Sonntag, als Belichick die 4th Downs gleich in Serie wegpunten ließ – und als er vor der Halbzeit mehr als eine halbe Minute von der Uhr abkniete, als seine Patriots mit knapper, sehr glücklicher Führung gegen Dallas an den Ball kamen. Das sind unverzeihliche Game-Management-Bolzen, die letztlich auch zurecht bestraft wurden.

Football Outsiders‘ Aaron Schatz hat es recht gut aufgezeigt: Belichicks Game-Management ist etwa um 2012 plötzlich eine ganze Ecke konservativer geworden. In den letzten Jahren hat er sich (entgegen meinem Gefühl) wieder etwas konsolidiert, aber im Vergleich zur rapide Analytics-getriebeneren NFL fällt er trotzdem immer deutlicher ab:

2021 treibt Belichick die Entwicklung plötzlich auf die Spitze. Es ist so offensichtlich, dass man sich fragt ob und wie lange Belichick denn überhaupt noch Lust auf Coachen hat. On the Beat hat Evan Lazar Belichick falsche Abbiegung im Game-Management ausführlich analysiert und nach Hintergründen gesucht.

Frappierend, wie abgeschlagen Belichick mittlerweile in 4th-Down-Situationen rangiert. Er hatte heuer 14 Chancen, mit einem 4th Down seine Siegerwartung zu vergrößern. Er ist nicht ein einziges Mal gegangen. Da sind selbst Pete Carroll oder Mike Zimmer reinste Aggressoren dagegen:

Quelle: rbsdm.com

Dallas Cowboys

Dallas gewann die Partie erst in der Overtime 34-28, aber war über die komplette Spielzeit drückend überlegen. Die Cowboys machten über 30 1st Downs, hatten 0.13 EPA/Play mehr als die Patriots (über 82 Offense-Plays!), aber begingen unter anderem zwei Turnover an der Goal Line (Fumble und 4th Down).

Dak Prescott spielte eine überwältigende Partie und ist mittlerweile nicht zu Unrecht in der MVP-Konversation. Prescott hatte über 400 Passing-Yards und scorte 0.26 EPA/Play trotz Interception, Goal Line Fumble und einem gescheiterten 4th Down.

Belichick erkorte WR Amari Cooper zur #1, die aus dem Gameplan zu nehmen war. Das nutzte CeeDee Lamb aus für ein gigantisches Spiel mit 9 Catches für 149 Yards und 2 TD gegen eine hoffnungslose Defense. Fazit einmal mehr und wie schon vor der Pause angekündigt: Du kannst Manndeckung gegen Prescott vergessen.

CB Trevon Diggs: Phänomen. Sechs Spiele, sieben Interceptions – und in jedem Spiel mindestens eine. Aber gleichzeitig mit 419 aufgegebenen Yards die zweitmeisten der Liga kassiert und schon sechs Defensive-Strafen begangen. Der neue Cromartie.

Tennessee Titans – Buffalo Bills

Bills – Titans war echt unterhaltsam. Grandiose Performance von Derrick Henry, der der Konkurrenz einmal mehr auf allen Ebenen enteilt:

  • 162 Carries (51 mehr als der nächstmeiste)
  • 4.8 Yards/Carry trotz 37% Snaps gegen 8-Mann-Boxen (unter allen Backs mit mindestens 60 Carries hat nur Mark Ingram mehr gesehen)
  • 10 Touchdowns, doppelt so viele als die #2
  • Henry hat mehr Yards after 1st Contact als der zweitmeiste Runningback Total Rushing yards

Und so weiter. In praktisch allen Total Stats ist Henry der Konkurrenz meilenweit enteilt. In den meisten Rate-Stats ist er irgendwo in den Top-10 zu finden. In die MVP-Diskussion gehört er trotzdem nicht – z.B. in 3rd Downs steht meist ein anderer Back am Feld, und als Receiver hat Henry nicht allzu viel beizutragen.

In der einen Partie aber war Henry einer der Matchwinner. Das Spiel war auch ein Highlight, weil die Bills kurz vor Schluss ganz nah vor der Goal Line ein 4th & 1 ausspielten, als sie mit einem Fieldgoal Ausgleich und Overtime hätten erreichen können. Aber Sean McDermott ging auf Sieg – und scheiterte.

Dass es die richtige Entscheidung war, steht außer Frage. Der Baldwin-Bot schätzt, dass das Ausspielen die Siegchance der Bills um satte 12% (!) erhöhte. Ich glaube, das ist zu optimistisch. Aber auch wenn es nur die Hälfte dessen gewesen wäre oder die Bills als Favorit in die Overtime gegangen wären: Erfrischend, dass Coaches heutzutage die Eier haben, solche Dinger auszuspielen.

Overtime ist, die Favoritenstellung herausgerechnet, bis zum Münzwurf grob 50/50. Es kann nicht erfolgversprechender sein, sich in die Verlängerung zu retten, wenn man 22 Sekunden vor Schluss mit einem Timeout auf der Uhr einen 70%-Play zum Sieg macht.

Das Play selbst war allerdings echt interessant. Timo Riske hat es auf Twitter gepostet: Josh Allen sneakte den Ball über die halblinke Seite der Offensive Line – direkt rein in die massiert von den Titans aufgestellte D-Line um DT Jeffery Simmons. Simmons machte entsprechend auch den Stop.

Aber Timo hat es schön herausgearbeitet: Vier der vorherigen fünf QB-Sneaks in dieser Saison gingen genau über diese linke Seite. Die Titans wussten das, weil sie vorbereitet waren, und stellten die Seite zu:

Wie sehr die Titans auf den Sneak nach rechts spekuliert haben, sieht man auch hier:

Ich frage mich, ob Allen das hätte sehen müssen. Wir hatten erst kürzlich in einem Ravens-Spiel auch so eine interessante Sneak-Situation, als Lamar Jackson über rechts einfach Off-Tackle ging – dorthin, wo schlicht kein Verteidiger stand. Es war die einfachste Conversion überhaupt. (Ich weiß leider nicht mehr, ob das diese Woche war oder letzte)

NFL Tier Ranking

So. Kurz noch bissl allgemein zum Stand in der NFL.

Das EPA/Play Ranking von rbsdm.com sieht so aus:

Quelle: rbsdm.com

Meine ersten Gedanken dabei:

  • Müssen wir die Cardinals schon zu den absoluten Topfavoriten zählen? Sie sind 6-0 und haben die Bilanz gegen den 10t-schwersten Schedule nach PFF erzielt. Bei PFF sind sie mittlerweile auch schon an #4 gerankt.
  • Und die Cowboys? Eine der besten Offenses und eine opportunistische Defense, die gut genug ist um Dallas in jedem Spiel drinzuhalten.
  • Wie gut sind die Saints wirklich?
  • Sind Chargers und Ravens vielleicht doch als Topteams überschätzt?
  • Cleveland: Meine Fresse. Die Browns rangieren nur im Mittelfeld.
  • Wie gut können wir Kansas City einschätzen als Team mit Top-3 Effizienz in der Offense, aber der schwächsten Defense im Lande?

Ich mache es nicht zu wissenschaftlich. Meine „Tiers“ in AFC und NFC nach sechs Spieltagen sind folgende:

TierAFCNFC
1Chiefs, BillsBuccaneers
2Ravens, Browns, ChargersCowboys, Rams, Packers, Cardinals
3Titans49ers, Seahawks, Saints
4Bengals, Broncos, Patriots, Steelers, Colts, RaidersVikings, Panthers, Eagles, Washington, Atlanta, Bears, Giants
5Dolphins, Texans, Jaguars, JetsLions

Die AFC ist für mich in der absoluten Spitze einen Ticken potenter besetzt, aber nach den Big Five wird es schnell dünn… und wenn wir ganz streng sind, dann könnten wir vielleicht schon jetzt darüber diskutieren, die Chargers und Browns aus den AFC Top-5 rauszunehmen.

Schließlich ist L.A. richtig entzaubert worden und die Browns riskieren mit der Formkrise / temporären Ausfall von Baker Mayfield vielleicht sogar schon das Mittelmaß (heute läuft z.B. Case Keenum gegen Denver auf). Auf der anderen Seite: Cleveland ist momentan einfach waidwund. Am Sonntag fielen beide Starting-OT aus. RB Chubb war nicht spielfähig. WR Beckham wurde zwischenzeitlich ausgeknockt. Baker biss sich mit immer ernster werdenden Schulterproblemen irgendwie durch.

Und trotzdem war Cleveland gegen eins der besten Teams der Liga bis Mitte drittes Viertel einigermaßen dran:

Wir können nicht wegleugnen, dass die Browns Glück mit ihrem Hail Mary TD hatten und vielleicht nur deswegen noch im Spiel waren. Aber sie sind bei allen momentanen Problemen gut gecoacht, aggressiv und haben feisty Defense.

Bei Cardinals und Cowboys bin ich drauf und dran, sie hoch in Tier 1 zu setzen. Arizonas Sieg in Cleveland war nicht die erste eindrucksvolle Performance der Cards. Kyler Murray hatte ein weiteres fantastisches Spiel, und diesmal war auch die Run-Defense auf der Höhe.

Dallas hat mir noch das eine oder andere Coaching-Fragezeichen zu viel – und die Defense wird ihren Turnover-Level nicht ewig beibehalten.


Die spielfreien Saints bleiben ein interessantes Team. Defense ist auf der Höhe, und die Offense hat irgendwie die #8 Passing-Offense nach EPA/Play zustande gebracht, obwohl Jameis Winston nicht immer konstant spielt und der WR1 Marquez Callaway lautet:

Quelle: rbsdm.com

Seattle ist ohne Russell Wilson verloren – aber Wilson wird irgendwann zurückkehren. Bei San Francisco hängt vieles an der QB-Frage. In Dropback EPA/Play sind die Niners aber trotz echt wackeligem QB-Play weiter ein Top-10 Team.

Die Panthers sind mittlerweile auch ziemlich entzaubert. Gegen Minnesota ist mal wieder offensiv bis auf wenige Momente gar nix zusammengelaufen. Dann kommt am Ende aus dem Nichts ein Drive von Sam Darnold, der wieder alle seine Fans auf die Agenda bringt. Aber das ist mir nicht genug um Darnold noch irgendwas zu glauben. Auch die ganzen Kommentare aus dem Trainerstab lassen mich erschaudern:

K-k-k-k-k-e-i-n-e F-i-n-g-e-r-n-ä-g-e-l m-e-h-r:

Minnesota ist so ein Team, das sich mit 3-3 Bilanz unterbewertet anfühlt, aber andererseits sprechen wir über ein extrem konservativ gecoachtes Team, das seine #1 Waffe Jefferson nur ungern von der Leine lässt, dessen QB Cousins immer dann aufgeschmissen ist, wenn er ohne Firlefanz wie Play Action udgl. auskommen muss, und das damit generell gegen jeden Gegner egal welcher Qualität einen One Scorer hinlegt. Das endet dann üblicherweise in 8-8… oder jetzt eben 8-9 oder 9-8.

Cincinnati fühlt sich mit einer der schwächsten Early-Down-Offenses und extrem konservativem Coaching wie ein „fraud team“ an, das am Sonntag von Baltimore exposed werden dürfte. Burrow to Chase ist genial – der ganze Rest eher meh. Trotzdem wahrscheinlich AFC #7.

Und Miami ist einfach deprimierend. Tuas Comeback war eher negativ zu bewerten, und das lag nicht nur an dem einen horrenden Pick. Miami hätte Jacksonville locker kontrollieren müssen und verpasste es, eine klar dominante erste Halbzeit in eine entsprechende Pausenführung umzuwandeln – und wurde dann für Passivität bestraft und kassierte eine weitere Pleite. Die Fins sind nun 1-5, die Fans suchen verzweifelt Ausreden für Tuas Stagnation – und wenn wir Nicolas Martin bei den Sofa-QBs glauben können, wirkten sämtliche Protagonisten auf der Pressekonferenz in London ratlos, espritlos und führungslos.

Vielleicht hilft das gestern von John McClain verbreitete Gerücht um einen bevorstehenden Trade für QB Deshaun Watson um etwas Optimismus zu verbreiten:

Auf der anderen Seite: Wie excited bist du mit einem QB Watson nach all den bitteren Offseason-Geschichten? Sind Siege echt alles worauf du was gibst?

Klaro: Kommt Watson, wäre zwar plötzlich sportliche Perspektive da – insbesondere, sollte er weiterhin nicht von der Liga gesperrt werden. Aber das fühlte sich dann alles hohl an.

Wenn nicht, dann sieht das aus wie schon letzte Woche geschrieben: Miami hat seinen 1st Rounder für 2022 schon verkauft, hält nur noch denjenigen der 49ers (aber der eigene droht mit 1-5 ein sehr hoher zu werden), und könnte im Winter ein Fall für eine weitere Radikalkur sein.

Der angeblich bevorstehende Watson-Trade ist meine elegante Überleitung ins Thursday Night Game, denn möglicherweise könnte es sich um einen three way trade handeln, bei dem auch Denver involviert ist. Objekt der Begierde: Ausgerechnet der dann in Miami obsolete Tua.

Bridgewater 2.0

Das von Allbright aus welchen Motivationen auch immer ins Spiel gebrachte Dreiecksgeschäft mit Denver/Tua wurde gestern zwar ebenso schon heftig dementier, ebenso wie ein mögliches Einsteigen vom Washington Football Team. Aber hinter den Kulissen scheint Bewegung in die Sache gekommen zu sein.

Heute Nacht

Broncos @ Browns. Lassen wir alle Spekulationen mal Spekulationen sein. Teddy Bridgewater gegen Case Keenum. Beide Teams treten schwer angeknockt an. In Cleveland wird nicht nur Baker Mayfield ausfallen, sondern auch Nick Chubb und seit Sonntag auch der auf IR geschobene andere RB Kareem Hunt. Beide Tackles und Center Tretter sind angeschlagen und neben dem bereits als „out“ deklarierten WR Landry könnte auch der am Sonntag echt starke WR Beckham im laufenden Spiel verletzte Beckham fehlen. Kevin Stefanski wird eine famose Coaching-Leistung brauchen, wenn die Backup-Offense viele Punkte auflegen will.

Die Browns-Hoffnung ist, dass auch Denver mit Ausfällen kämpft. WR1 Sutton ist zwar topfit, aber mit Jerry Jeudy, K.J. Hamler und Albert O sind auf IR, und Bridgewater plagen nach wie vor Fußprobleme. Weil das Broncos-Laufspiel gar nichts zustande bringt, wird Teddy entweder mehr Last schultern müssen als ihm lieb sein wird, oder die Defense muss einen richtigen Stand hinlegen.

Entsprechend erwarte ich auch nicht allzu viele Punkte.

14 Kommentare zu “Zum Stand in der NFL nach Woche 6

  1. Kann man eigentlich den Wert der interceptions von Diggs gegen die aufgegebenen Yards rechnen? Sprich: gibt es ein Modell das ein Gefühl dafür gibt ob es Sinn macht so aggressiv auf den Ball zu gehen wie Diggs das macht?

    Ich bin mir nicht sicher ob das auch so eine Diskussion wie Pressures vs Sacks ist, bei der man am Ende lieber den Defender mit mehr Pressures hat, obwohl Pressures nicht so spektakulär sind. Da die INT mit dem Wechsel des Ballbesitzes wertvoller ist als der Sack glaube ich dass sich Diggs Stil auszahlen könnte, aber das ist nur ein Bauchgefühl und damit gefährlich…

  2. Was erscheint eigentlich wahrscheinlicher. Dass sexuelle Belästigung, Vergewaltigung oder das brutale Verprügeln von (deutlich) Schwächeren näher am Kavaliersdelikt stehen als nicht nationalistisch (genug) zu sein oder dass die sportliche Erwartung an einen Kaep letztlich einfach zu gering ist (war)?

  3. @milaidin:
    Ein Modell habe ich leider nicht, aber meine Einschätzung dazu😅:
    Es kommt auf die offense an: ist die generische offense potent, dann sind turnovers viel wichtiger als hie und da ein bigplay. aufzugeben. Auch wenn die eigene offense zuverlässig die turnover verwertet -> nimm den Turnover.

    Siehe big12!

    Bei schwacher offense könnte es hingegen sinnvoller sein auf fehlervermeidung zu spielen. Soll der Gegner doch seine Fehler selber machen anstatt, als dass ich es ihm mit überaggressivität einfach mache.

  4. Gibt es eigentlich inzwischen irgendeine realistische Einschätzung wie hoch eine Sperre bei watson ausfallen würde?

    Zeke hat für einen fall 6 spiele bekommen, selbst wenn man nur 4 spiele pro fall ansetzt wäre man bei 88 Spielen, also 5 Seasons inkl. Playoffs.

    Ein jahr sperre wäre weniger als 1 spiel pro fall. Würde ich immer noch für extrem wenig halten, zumal ein Großteil (das er masseuse zu masseuse gehüpft und mindestens mit einigen gevögelt hat) ja unstrittig ist.

    Hab stimmen gehört, die ernsthaft von 6 spielen insgesamt gesprochen haben, allerdings war das bevor das ganze Ausmaß bekannt geworden ist.

    Und ich kann mir einfach nicht erklären, wieso es keine bedeutenden Stimmen gibt, die lautstark anzweifeln, wie man dem typ nochmal eine franchise anvertrauen kann.

    Und er war bis märz mein Lieblings-qb unter den relativ neuen Gesichtern

  5. Schlabbo:
    – Ja, Watson ist auf dem Feld eine Augenweide. Beste Wurfbewegung in der Liga. (wobei die von TB12 auch erstaunlich flüssig geworden ist)
    – Ich glaube nicht, dass die NFL eine Sperre von mehr als einer Saison für irgendetwas aussprechen würde. Sie würden sich einen Superstar nehmen und somit weniger Geld verdienen.
    – Das ist das Land, das „Grab em by the p..sy“ Donald Trump-Daniels gewählt hat. Wobei der gute Donald natürlich weiss ist. Hmmmm… nein, ich bleibe dabei: Da hängt soviel Geld dran, länger als eine Saison wird die Sperre der Liga mMn nicht.

  6. @Schlabbo: Na ja, Gerüchten zufolge hüpfte Julian Reichelt von Mitarbeiterin zu MItarbeiterin seiner Redaktion und er wurde 2 Wochen suspendiert. War konsensual und in D damit für die Springer AG ok. Wurde erst gefeuert, als er interne Ermittler angelogen hatte. Das auch zum Verweis auf US-Kultur. US ist oft härter als D bzgl sexuellen Grenzüberschreitungen.
    Multiplikation von Fällen beim Strafmaß finde ich schräg als Konzept. Wiederholungstäter beim Diebstahl bekommt x MOnate, bei 50 Fällen 50mal x MOnate? Bei genügend Fällen lebenslänglich? Nein. Nein.

  7. @ahmser das konzept, dass sich nicht alle maximalstrafen zu einer gesamtstrafe addieren lassen, ist mir auch durchaus bewusst. Hab ja schon vier statt sechs spiele genommen und mir ist auch klar das er nicht 5 saisons gesperrt werden wird. Ich fordere es auch nicht wirklich.

    Aber irgend ein Verhältnis zwischen den unterschiedlichen strafen muss es ja schon geben.

    Eine nur 4 mal höhere Strafe wie für deflategate, selbst wenn man da schuld unterstellt, bei 22facher sexueller Belästigung. Da käme ich mir als brady noch mehr verarscht vor als ohnehin schon. Zeke das gleiche. Von josh gordon gar nicht erst anzufangen.

    Mir ist auch klar, dass da viele dinge in einen topf geworfen sind, aber zumindest zeke ist ja grundsätzlich ähnlich gelagert und da war die Empfehlung eigentlich Freispruch. War ab nicht auch deswegen gesperrt?

    Heute gehört, dass texans intern davon ausgegangen wird, dass die nfl ihn gar nicht sperren wird, weiß aber die quelle nicht mehr.

    Ich würde ihn halt schlicht und einfach nicht in mein team holen. Wie soll ich das denn meinen weiblichen Angestellten vermitteln und was signalisiert dass denn meinen anderen Spielern?

    Bei so nem fall wie vick bin ich total für 2. Chancen, aber man kann das doch nicht mit sechs spielen sperre unter den tisch kehren

    Für mich einfach Wahnsinn, dass Leuten wie andy dalton viel mehr hass entgegen schlägt, nur weil er seinen job nicht so einfach abgeben will.

  8. Tyreek hill macht mich immer noch fassungslos, dass über ihn gesprochen wird, als wäre er einfach nur das explosivste menschliche wesen auf dem Planeten und dass die ganzen anderen Vorfälle nie passiert wären. Big ben das gleiche

  9. Schlabbo: Hättest Du an dieser Stelle nicht Tyreek Hill ergänzt, hätte ich es getan. Ich erhöhe noch um einen Joe Mixon. Inklusive Videobeweis.

    Zu „man kann das doch nicht mit sechs spielen sperre unter den tisch kehren“: Ich fürchte, die NFL wird genau das versuchen: Vergleiche, außergerichtliche Einigungen, Zurückziehen von Anzeigen. Zumal sie jetzt noch Gruden am öffentlichen Pranger verbrennen können. Nebenkriegsschauplätze sind immer gut.

  10. Das Problem in der NFL: ich bin sehr dafür, Menschen zweite Chancen einzuräumen… Aber zweite Chancen in der NFL fühlen sich zu oft an wie „Augen zu und weitermachen“. Ich möchte aber auch nicht behaupten, dass ich es immer richtig machen würde. Bestrafung durch den Arbeitgeber ist extrem schwierig.

    Aber die NFL hat gesellschaftliche Verantwortung und im Jahr 2021 liegen genug Informationen und Forschung zu Rassismus, Diskriminierung, sexueller und/oder körperlicher Gewalt usw auf dem Tisch, da kann niemand mehr behaupten das Problem wäre isoliert und ginge einen nichts an. Und diese Erkenntnis fehlt der NFL völlig.

    @alexander: immerhin bin ich mit meinem Bauchgefühl nicht alleine. Ich denke, dass irgendwo in der defense ein Spieler der spekuliert sehr wertvoll sein kann. Aber nicht überall, und die Frage ist wem man die Spekulationen erlauben sollte.

  11. Man sollte sich auch bewusst sein das „zweite Chance“ nicht gleich „zweite Chance“ ist.
    Wenn jemand wie ich eine zweite Chance bekommen würde – vor allem nach einer kriminellen Aktivität – bin ich dennoch halbwegs gearscht.
    Wenn ein NFL Player, vor allem im QB Bereich, eine zweite Chance bekommt, werden ihm MILLIONEN in die Tasche gesteckt.
    Geld das andere Menschen in ihrem gesamten Leben nicht verdienen werden, geschweige denn in Summe je auf dem Konto haben werden.

    Das ist eine verdammt lukrative „zweite Chance“ die man aus Sicht von uns Normalsterblichen kaum als echte Konsequenz bezeichnen kann….oh die Konsequenz war das er 5 Millionen statt 10 verdient hat.
    Ich spiele mal eben auf der kleinsten Violine der Welt um sein hartes Schicksal zu betrauern, während er sein Dom Pérignon White Gold Champagner schlürft und mit Blattgold umwickeltes Wagyū Steak mit Trüffel-Kaviar Soße isst und danach mit seinem fünften Porsche in eine der drei Villen am privaten Strand fährt.

    Ich weiß jetzt schon das ich schäumen werde vor Wut wenn Watson getradet und am Besten noch einen schicken neuen Vertrag bekommt, der bei den Kosten an investierten Picks ja Pflicht sein wird, und damit noch mehr seine Taschen füllt.

  12. @Garosh:
    Kann ich irgendwo verstehen, aber ganz so einfach ist es dann ja auch nicht. Geld macht per se nicht glücklich und die Liste der bankrotten Exprofis ist nicht gerade kurz…

    Und die idee moralische Beurteilung an die Einkommensmöglichkeiten zu binden ist sicher auch nicht unproblematisch.

  13. „die Liste der bankrotten Exprofis ist nicht gerade kurz…“

    Sollte nicht das Problem der Gesellschaft sein wenn sie nicht mit Geld umgehen können. Ich weiß hört sich arschig an, aber ich habe dieses Argument nie verstanden denn die Liste der bankrotten Normalverdiener wird nicht kürzer sein.
    Gerade in Amerika wo ein Krankenhausaufenthalt mal schnell einer Familie das Genick brechen kann und sämtliche Altersvorsorge komplett vernichtet. Ja selbst die Schulbildung der Kinder nachhaltig schädigen kann.
    Aber ich soll nun um Ex-Millionär trauern der wundervolle Jahre hatte und diese aber so richtig voll ausgelebt hat. Aber SO RICHTIG!
    Was andere nie konnten? Warum?

    Nein Geld macht alleine nicht glücklich. Aber es gibt Freiheiten. Wenn der zweifachen Mutter ihr Job nicht gefällt, hat sie Pech gehabt. Entweder sie macht weiter oder sieht zu wie sie ihre Kinder den Monat durchfüttert und neue Klamotten kauft.
    Wenn ein Watson morgen kein Bock mehr auf die NFL hat, setzt er sich hingegen an den Pool und lebt sein Leben gemütlich weiter. Vielleicht nicht in unendlichem Luxus…aber verdammt gut. Und so eine Freiheit kann einen von vielen Sorgen befreien.
    Es wird immer vom Burnout der armen Promis und Athleten gesprochen…das Ding ist…das selbe erleben Normalverdiener auch. Sie können dann im Gegensatz zu reichen Menschen aber nicht einfach aufhören…weil sie dann auf der Straße landen. Sondern dann wird weitergemacht bis man umkippt. Und dann ist man wieder bei Punkt 1…dem Krankenhausaufenthalt in Amerika.

    „Und die idee moralische Beurteilung an die Einkommensmöglichkeiten zu binden ist sicher auch nicht unproblematisch.“

    Stimmt da gebe ich dir vollkommen recht.
    Genau das geht aber auch in die andere Richtung.
    Warum soll ein armer Typ nachdem er bestraft wurde als „zweite Chance“ mit Mühe und Not noch ein Job bei der Frittenbude bekommen, der Reiche aber schön weiter mit Millionen gefüttert werden? Denn das geschieht ständig so.
    Meist mit haarsträubenden Begründungen wie „Er hat ja noch Chancen im Leben, die man ihm nicht nehmen darf.“ W…T…F?!

    Die zweite Chance wäre das er eben nicht mehr als Profi arbeitet, sondern halt woanders eine zweite Chance bekommt.
    Gib ihm ein halbwegs guten Assistenz Job in der NFL. Verdient seine 100-200k im Jahr. Mit monatlich über 8000$ immer noch ein verdammt gutes Gehalt das man in der oberen Einkommensschicht ansiedeln kann. Das ist die zweite Chance. Und durchaus etwas das man eine echte Konsequenz nennen könnte.

    Und bei der NFL ist der Begriff „zweite Chance“ sowieso sehr weit gesteckt. Wie viel zweite Chance hat ein Josh Gordon mittlerweile? Ist es die 5? 8? 10. zweite Chance.
    Wenn ich regelmäßig bekifft bei meinen letzten zwei Arbeitgebern aufgetaucht war und deshalb gefeuert wurde, da kann ich sicher sein das ich danach wohl nicht mehr in der Branche arbeiten werde und die Arbeitszeugnisse selbst mit der Wohlwollenspflicht eher beschissen daherkommen werden.

  14. Pingback: NFL Montagsvorschauer – Woche 7 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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