NFL Sonntagsvorschauer 2021 – Woche 8

[Update]

Guten Morgen. Vorab die Warnung: Der morgige achte Spieltag findet nach der Zeitumstellung heute eine Stunde früher statt als gewohnt – also Frühschicht um 18h, Spätschicht ab 21h und das Sunday Night Game um halb 2. Grund: Die USA stellen erst nächste Woche ihre Uhren um.

Damit sollte dieser Spieltag *eigentlich* cool sein, aber wir haben heute ein Problem: Die Ansetzungen sind wie schon letzten Sonntag nicht so sexy.

Rund um die NFL

Dafür ist das Treiben rundherum heavy. Zum einen wirft die nahende Trade Deadline (Dienstag 21h unserer Zeit) schon ihre Schatten voraus, was u.a. am sehr laut diskutierten potenziellen Trade von Deshaun Watson liegt. Watson soll angeblich alle Destinationen außer die Miami Dolphins blockieren.

Was Houston für Watson verlangt, ist nicht ganz klar – soll sich aber im Bereich von etwa drei 1st Roundern plus X befinden. Über eine potenzielle NFL-Sperre herrscht weiterhin Unklarheit. Zwar betonten NFL-Verantwortliche unter der Woche mal wieder, Watson ohne klare Beweise oder Verurteilung nicht sperren zu wollen, aber a) wäre das Vorgehen mit Blick auf in Summe weniger krasse Fälle wie Jameis Winston, Zeke Elliott oder Ben Roethlisberger maximal inkonsequent und b) müsste es im Fall Watson schon mit einer Verschwörung extremsten Ausmaßes zugehen, wenn an den 22 kolportierten Fällen nichts dran sein sollte.

Ist die Liga deswegen so zögerlich, weil sie es gerade mit einem Sexual-Harrassment-Fall im eigenen Haus zu tun hat? Die E-Mail-Affäre, die Jon Gruden vor einigen Wochen den Kopf kostete, schwelt weiter und wirft ununterbrochen Fragen auf, was die NFL im eigentlich unter der Lupe stehenden „Fall Washington Redskins/Football Team“ vertuschen möchte. Beim Quartalstreff der NFL-Owner wurden die Fragen von offizieller Ligaseite gekonnt umschifft.

Goodells Statement nimmt auch deswegen niemand ernst, weil auf Seite der Anklage niemand nach „Protection“ gefragt hat.

Niemand, wirklich niemand, glaubt, dass Washington-Owner Dan Snyder nichts mit der Kultur der Frauenbelästigung zu tun hatte. Aber ohne weitere Beweise wird es bei der temporären Sperre Snyders für das operative Geschäft bleiben. Verkauf der Franchise? Aktuell nicht notwendig.

Goodell arbeitet mit seiner Blockade-Kommunikation derweil alles im Sinne seiner Arbeitgeber – und rechtfertigt damit wohl sein kürzlich durch die NY Times öffentlich gewordenes Monstergehalt von etwa 128 Mio. über zwei Jahre.

Zum Sportlichen.

Hier die Liste der heutigen Spiele:

  • Atlanta Falcons – Carolina Panthers (18h)
  • Buffalo Bills – Miami Dolphins (18h)
  • Chicago Bears – San Francisco 49ers (18h)
  • Cleveland Browns – Pittsburgh Steelers (18h)
  • Detroit Lions – Philadelphia Eagles (18h)
  • Indianapolis Colts – Tennessee Titans (18h)
  • New York Jets – Cincinnati Bengals (18h)
  • Houston Texans – Los Angeles Rams (18h)
  • Los Angeles Chargers – New England Patriots (21h05)
  • Seattle Seahawks – Jacksonville Jaguars (21h05)
  • Denver Broncos – Washington (21h25)
  • New Orleans Saints – Tampa Bay Buccaneers (21h25)
  • Minnesota Vikings – Dallas Cowboys (01h20)

Das interessanteste 18h-Spiel ist das Duell der beiden AFC-South-Favoriten Colts (3-4) und Titans (5-2). Indianapolis braucht händeringend einen Sieg, will es im Divisionsrennen noch eine Chance haben.

Die Colts haben sich nach üblem Saisonstart in die Spur zurückgegroovt und in den letzten Wochen immer wieder streckenweise gute Offense gespielt. So langsam findet das Personal zusammen. Letzte Woche waren z.B. OG Quenton Nelson und WR TY Hilton wieder zurück. Auch wenn QB Carson Wentz nicht besonders gut spielt, so wird er doch wenigstens einigermaßen schnell den Ball los und vermeidet die Sack- und Turnover-Orgie des letzten Jahres. Ich bin durchaus gespannt, wie das gegen die langweilige, aber in den letzten Wochen nicht hoffnungslose Titans-Defense ausschauen wird.

Auf der Gegenseite wissen wir, was wir bekommen: Die Titans spielen den immergleichen Stiefel mit eintausend Derrick-Henry-Runs um die Defense an die Line of Scrimmage zu locken und dann mit 1-vs-1 außen über Julio Jones und A.J. Brown aus Play-Action zu überrumpeln.

Wird das Rezept gegen die sehr abwartende Colts-Defense aufgehen? Die spielt straight 4-man Rush und dahinter viel two high und engmaschige Zone-Defense. Es ist keine überragende Defense, aber ein durchaus unangenehmes Matchup für eine Offense wie jene von Tennessee, denn ein Mann wie DT DeForest Buckner ist im Alleingang ein echter Bolzen gegen Henrys Laufspiel. So können die Colts den Lauf ganz ordentlich kontrollieren ohne ständig die Box mit acht Mann zuzustellen – und entsprechend mehr Ressourcen in die Verteidigung der brandgefährlichen Crossing-Routes stecken.


Bei Atlanta-Carolina stehen beide QBs im Fokus. Sam Darnold ist in Carolina so gut wie verbrannt – Matt Rhule erklärte am Montag bereits, Darnold nur aus Schutz vor den Medien nicht früher auf die Bank gesetzt zu haben.

Falcons-QB Matt Ryan spielt derweil klammheimlich gute letzte 2-3 Wochen. Eins fällt aber extrem auf: Ryan wirft nur noch 7% tiefe Pässe – kein QB hat eine geringere Rate, noch nichtmal Jimmy Garoppolo. Der Eindruck, dass Ryans Arm gefährlich „shot“ ist, scheint nicht zu täuschen.

Der andere Mann im Mittelpunkt des Interesses ist TE Kyle Pitts, der in den letzten zwei Spielen gegen allerdings miese Defenses (Washington, Jets, Dolphins) ordentlich gefeeded wurde und extrem viele und auch schwierige Catches machte. Pitts scheint schneller als gedacht der Anker im Passing-Game zu werden – und übertüncht damit die enttäuschende Saison von Calvin Ridley, der null Separation kreiert.


Bei Buffalo gegen Miami sind die Favoritenstellungen klar verteilt. Die Bills sind in den Wettbüros mit 2 TD vorn. Bei den Dolphins fokussiert man sich schon auf 2022 – entweder mit dem Trade für QB Watson. Oder eben mit dem Versuch, doch noch etwas aus Tua Tagovailoas Karriere zu machen.

Tua hat die letzten zwei Spiele nicht ganz mies gespielt. Wir dürfen zwar nicht vergessen, dass Tua mit 50% RPO/Play-Action/Screenpassing so viel Scheme-Hilfe bekommt wie kaum ein anderer QB, aber er wirkt souveräner als letztes Jahr.

Was ihn runterzieht: Seine Bullshit-Momente. JT O’Sullivan hat es in seinem Breakdown ganz gut erklärt: Bei RPOs und schnellen Entscheidungen ist Tua stark, aber die Probleme beginnen, wenn er Standard-Dropback-Passing spielen muss. Er will dann zuviel. Außerdem ist sein Arm schlicht nicht kräftig genug – und so wirkt Tua in vielen Situationen wie ein QB ohne „margin for error“.


Bei Pittsburgh – Cleveland sollte eigentlich die alte Rivalry aus der AFC North im Fokus stehen, aber wer unter der Woche Mike Tomlins Ansage in Richtung USC-Job gehört und vor allem gesehen hat, der wird tagelang von diesen Augen geträumt haben:

21h05 Chargers – Pats, das Duell der QB-Jungspunde. Die Chargers sind mit 5.5 Punkten favorisiert, aber vielleicht ist die Partie sneaky interessant.

Die Bolts hatten in der Bye-Week nun zwei Wochen Zeit um sich von dem Debakel in Baltimore zu erholen und ihre Rückschlüsse zu ziehen. Ihre Late-Down-Dominanz war in Baltimore überhaupt nicht zu sehen – und so ist ihre Magie aus den ersten Wochen damit erstmal ein bisschen verflogen.

Ich bin gespannt, wie Bill Belichick gegen Justin Herbert spielen wird. Herbert hatte bis zum Ravens-Spiel ein geniale Saison gespielt und das ideenlose Scheme von OffCoord Joe Lombardi ganz gut übertüncht.

CB Jonathan Jones ist raus, aber Belichick könnte trotzdem einen alten Klassiker auspacken: WR2 (Mike Williams) vom CB1 (J.C. Jackson) bewachen lassen, WR1 (Keenan Allen) doppeln. Könnte spannend werden bei einer Defense, die bis jetzt unter den Erwartungen performt.

Die Pats-Offense dürfte ground & pound auspacken. Die Chargers-Defense ist darauf ausgelegt, das tiefe Passspiel zu verteidigen, aber Mac Jones wirft eh nie tief. Dafür ist die Bolts-Front unterirdisch gegen den Lauf. Die Patriots lieben es zu laufen.

Ich habe in Vorbereitung auf ein anderes Spiel vor 1-2 Wochen bei Seth Galina/Dionte Lee in deren Podcast reingehört und dabei nebenbei als Schnipsel mitgenommen, dass die Bolts schematisch gar nicht so üble Run-Defense spielen. Sie haben einfach nur nicht die notwendigen Spieler um ihre per Design seichte Box zu kaschieren.

Letztes Jahr gewannen die Pats das gleiche Duell in L.A. 45-0. Damals musste die Offense interessanterweise überhaupt nichts beisteuern. Diesmal sind die Chargers mit 5.5 Punkten favorisiert.


Das beste Spiel der Spätschicht ist das NFC-South-Duell Saints (4-2) – Buccaneers (6-1). Es ist das Jameis-Winston-Revenge Game, wenn auch noch nicht in Tampa.

Es ist auch das Duell der Headcoaches, Sean Payton und Bruce Arians. Payton hat Arians in den letzten beiden Jahren ziemlich in die Hosentasche gesteckt, aber in den Playoffs schied man mit einem komplett kaputten QB Drew Brees und mausetoter Offense schließlich aus. In der Regular Season hatte man noch beide Duelle deutlich gewonnen, einmal sogar 38:3 in einem regelrechten Massaker.

Beide Teams haben positive Bilanz, obwohl sie in den letzten Wochen auf dem Zahnfleisch krochen. Bei den Saints kehren mehrere Spieler langsam zurück. Vielleicht spielt sogar Michael Thomas zum ersten Mal. Bei den Buccs soll u.a. TE Gronkowski wieder fit sein.

Ich bin gespannt, wie die Saints-Offense spielen wird. Tendenziell ist man diese Saison mit „ball control“ und homöopathischen Dosen von QB Jameis Winston am besten – vielleicht, weil man damit Winstons Triebe nach aggressiven Plays etwas unterdrückt. Aber gegen Tampas monströse D-Line, gegen die man nicht laufen kann, ist ground & pound wahrscheinlich keine gute Idee… auch nicht, wenn man den kürzlich von den Texans heimgeholten RB Ingram feeden will.

Auch Tampas Offense wird interessant. Sie hatte gegen die Saints letztes Jahr immense Probleme. Antonio Brown ist nicht einsatzfähig, und dann gibt es da noch das stets hitzige Duell zwischen Mike Evans und CB Marshon Lattimore. Lattimore hat in vielen Momenten größeren Namen als seine Leistungen vermuten lassen. Nicht aber so gegen Evans, den er nie zur Entfaltung kommen lässt.

Die Bucs sind auswärts mit 5 Punkten favorisiert. Sie können mit Sieg zu den 7-1 Cards und Packers aufschließen. Die Saints brauchen den Sieg im Wildcard-Rennen und vielleicht, um die Division noch einmal bissl spannend werden zu lassen. Ich rechne in diesem Spiel mit allem und wäre von einem Saints-Sieg nicht überrascht.


Das Sunday Night Game Minnesota – Dallas ist in den Momenten, in denen ich diese Zeilen schreibe (Freitag Mittag) kaum zu previewen. In der Früh haben sich die Lines in den Wettbüros krass in Richtung Vikings verschoben, so als ob ein Einsatz von Dak Prescott ernsthaft gefährdet wäre. Mit dem Status von Dak in der Schwebe ist es sinnlos, größere Preview zu schreiben.

[Update Sonntag 90h00] Dak Prescott wird wohl game time decision sein…

…mit Tendenz zu „Prescott Start“.

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2 Kommentare zu “NFL Sonntagsvorschauer 2021 – Woche 8

  1. Also, künftig wenn es um die höchsten Jahresgehälter der NFL geht, kann Mahomes mit 45mio einpacken.
    Roger Goodell: 64mio. 100% guaranteed. Kein Verletzungsrisiko. 100%ige Jobsicherheit.

    Da fragt man sich doch, welche Qualifikation der Mann eigentlich hat. Und natürlich, was genau sein schrecklich schwieriger Job ist, dass er so ein Gehalt als Ausgleich braucht.

  2. Gehalt goodell: hat Medien Vertrag verhandelt. 6 Mrd $ pa. 1% davon als jährlicher Bonus sind 60 Mio. $ pa für chefverhandler goodell.

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