Sind die Indianapolis Colts eine Topmannschaft?

Tampa Bay war für viele Experten der Gewinner der verrückten NFL Woche 9 – und zwar, weil die Buccaneers spielfrei waren.

Schauen wir auf das EPA/Play Chart, so sehen wir, dass sich in den vordersten Tiers zwar noch einiges im Kleinen verschoben hat, aber grosso modo bleiben dieselben Teams wie in den letzten Woche vorn:

  • Cardinals
  • Bills
  • Buccaneers
  • Rams
  • Cowboys

Erst dahinter beginnt das Knäuel an fast identisch einzuschätzenden Mannschaften mit mit den Chiefs, die mit einer mittlerweile nur noch am Rande der Top-10 operierenden Offense und einer nach wie vor enttäuschenden Defense nur noch im Mittelmaß ranken:

Dieses wie andere Grafiken hier: von rbsdm.com

Eine der größten Auffälligkeiten beim Blick auf dieses Chart: Die Indianapolis Colts. Die sind sensationellerweise an #6 in Offensive EPA/Play gerankt.

Der detailliertere Blick auf die Offense in Pass und Lauf offenbart: Indianapolis hat die zweitbeste Rushing-Offense und eine leicht überdurchschnittliche Passing-Offense nach EPA/Play. Natürlich hat das eine Spiel gegen den desaströsen Jets letzte Woche geholfen, aber wir konnten schon in den letzten Wochen immer wieder konstatieren: Die Colts haben offensiv durchaus ihre Momente.

Colts-Playcalling

Analysieren wir das Situational-Playcalling, so sehen wir: Frank Reich ist durch und durch optimiert. In 1st Down traut er sich mit Carson Wentz leicht überdurchschnittlich viel Passing-Game zu (positiv). In 2nd & long ist er sehr passlastig (positiv).

In 2nd & short ist er sehr lauflastig (teilweise positiv). Er verzichtet damit zwar auf etwas Big-Play-Potenzial (Deep Shots in 2nd&short ist ein sneaky guter Weg um explosive Plays zu kreieren), aber bewegt die Ketten.

In 3rd&short ist er brutal lauflastig – und bewegt damit die Ketten (Laufspiel hat dort höhere Success-Rate).

Passing-Offense

Die Colts kriegen zwar kein herausragendes Play von Wentz (PFF-Grade #24), aber die Passing-Offense ist trotzdem effizient. Sie charakterisiert sich durch fünfthöchsten Einsatz von Scheming-Elementen wie Play-Action oder Screenpässen (45%) und ist trotz weniger explizit herausragender Receiver (#25 Receiving-Grade bei PFF) die #14 Offense in EPA/Dropback.

Wichtig dabei: Wentz hat in den letzten Wochen eine herausragende Stärke als Provokateur von Defensive Pass-Interferences bei unterworfenen tiefen Bällen entwickelt. Im strömenden Regen bei den 49ers hat dieser Trick allein den Colts das Spiel gewonnen – nur sieben QBs hatten in Woche 7 eine insgesamt bessere Performance nach EPA/Play als Wentz auf seinen unterworfenen tiefen Bällen allein (+9.7 EPA/Play). Auch vor zehn Tagen gegen Tennessee war er damit wieder mehrfach erfolgreich.

Rushing-Offense

Aber Star der bisherigen Show ist RB Jonathan Taylor als Trigger hinter der #2 Rushing Offense. Die Colts haben die jeweils zweitmeisten explosiven Runs über 20 Yards und über 10 Yards.

Taylor hat bislang auch verletzungsbedingt längst kein ideales Blocking bekommen, aber seine Rushing Yards over Expected pro Carry gehen durchs Dach:

Ben Baldwin

Diese Grafik verdeutlicht nur das, was ich letzte Woche schon angedeutet habe: Taylor, nicht Derrick Henry, ist der Star der bisherigen Rushing-Szene in der Saison 2021. Ein Vorteil für Taylor: Er wird recht selten über das A-Gap geschickt – häufig kriegt er Rushing-Lanes hinter den Guards oder über die Flanken, wo er mit Platz und Speed zu Big Runs ansetzt.

Er ist dazu auch der #4 Runningback in Yards/Route im Passing-Game, und das, obwohl Wentz auf kurzen Routen mit Target hinter der Line of Scrimmage nur erbärmliche 87% fangbare Pässe geworfen hat.

4th Downs

Dazu kommt Frank Reichs seit Jahren sehr gute Aggressivität in 4th-Down-Situationen. In jedem Jahr als Colts-Headcoach gehörte Reich zu den intelligentesten Playcallern in 4th Downs – und 2021 ist keine Ausnahme:

Schedule

Natürlich haben die Colts bislang auch keine allzu schwierigen Schedule an gegnerischen Defenses gespielt – siehe hier Schedule nach acht Wochen vor dem Spiel gegen die desaströsen Jets (Quelle: ich glaube Moo):

Und natürlich sind die Colts in der Gesamtsumme gerankt als borderline Top-5 Offense überschätzt.

In Summe

Aber ich sehe hier eine hervorragend gecoachte Unit, die von ihren Coaches in jeder Situation des Spiels in „Winning-Position“ gebracht wird, die ihrem Quarterback die notwendige Unterstützung gibt um funktionabel auszuschauen, und die es qua Scheme und Talent bis jetzt als eine der wenigen Rushing-Offenses schafft, wirklich produktiv zu performen.

Wie groß das Potenzial ohne ein richtiges Elite-Passing-Game ist, daran bestehen berechtigte Zweifel. Aber Frank Reich hat eine Unit mit „hohem Floor“ beisammen.

Nach vorne projected würde ich, wenn sie wirklich bei Wentz auf QB bleiben, vielleicht die #12 bis #15 Offense für den Rest der Saison erwarten – das Passing-Game ist einfach nicht stabil genug für wesentlich mehr.

Wohin führt der Weg

Die Colts-Defense ist maximal Mittelmaß, und wir können uns auf etwas Regression beim Penalty-und Turnover-Glück einstellen.

Wentz hat mit über 220 Yards an Strafen aus Defensive Pass-Interferences extrem viel Hilfe bekommen – und sein EPA durch DPIs ist eklatant.

Auch seine Interception-Quote (1.0%) ist wesentlich niedriger als seine Rate an Turnover-würdigen Plays (2.5%), auch wenn in letzterer Zahl auch Fumbles mit inkludiert sind.

Aber auch die gesamte Mannschaft hat von Turnover-Glück profitiert – nämlich bei Fumbles: Von 14 kullernden Fumbles am Feld haben die Colts 10 recovert = 71% Recovery-Rate, niemand hat mehr.

Aber trotzdem wird den Colts trotz ihrer 4-5 Bilanz zwischen 24% (bei PFF) und 28% (beim ESPN FPI) Playoff-Chance gegeben. Es wäre vielleicht der Weg ins längerfristige Mittelmaß, denn der Verlust des 1st Round Picks ist durch die hohen Snap-Zahlen von Wentz nur noch Formalität.

Aber Playoffs wären eben auch Testament eines sehr cleveren Trainerstabs.

Kansas City Offense Update

Der immer lesenswerte Seth Galina hat gestern bei PFF einen weiteren Artikel der Marke „what’s wrong with the Chiefs Offense“ geschrieben und die Probleme noch einmal genauer analysiert.

Nach Galina setzt sich die Antwort aus zig verschiedenen Zutaten zusammen.

Einmal sehen die Chiefs mit weitem Abstand die meisten „two deep shells“ – also Defenses mit zwei tiefen Safetys, die in erster Linie auf die Verteidigung des tiefen Passspiels ausgelegt sind. Die Chiefs sind nicht imstande, darauf mit dominantem Laufspiel zu antworten – gegen middle of the field open (MOFO) Aufstellungen sind sie nur #25 in Rushing EPA/Play.

Diese MOFO/two deep Aufstellungen sind natürlich in erster Linie als Verteidigung von WR Tyreek Hill und dessen tödliche tiefe Routen gedacht – also sollten sie TE Travis Kelce auf den underneath Routen nutzen.

Aber Kelce spielt seine schwächste Saison gegen 1-vs-1 Manndeckung seit vielen Jahren. Er braucht viel länger um offen zu werden. Er wird natürlich weiter offen, weil er noch immer ein Elite-Player ist – aber dann ist Mahomes hinter der zu schwachen Offensive Line schon längt am wilden Scrambeln.

O-Line passt auf Center und Guard, aber die beiden Flanken sind von Offensive Tackles abgesichert, die entweder zu unerfahren (RT Njang/Remmers) oder schlicht noch nicht auf der Höhe (LT Orlando Brown) sind. Ich hab das mal rausgesucht: In true pass sets ist Remmers als #38 OT klassiert, LT Brown als #44 und Njang als #65.

Worauf Galina auch hinweist: Kelce wird oft von Defensive Holdings behindert, die nicht gepfiffen werden. Er erwartet Regression im Schiedsrichter-Glück.

Dazu kommen natürlich der fehlende WR3, das fehlende Turnover-Glück und natürlich am allerwichtigsten: Mahomes, der einfach mental in den letzten Wochen nicht mehr ganz auf der Höhe ist.

Es ist die Verkettung dieser Umstände, die Kansas Citys Offense spätestens seit dem Titans-Spiel in ein so tiefes Loch gebuddelt hat, dass es ganz einfach eine der spannendsten Geschichten ist, ob die Mannschaft da noch einmal rauskommt.

Mein Tipp: Etwas Geduld walten lassen. Die Defense ist eh schon dabei sich zu finden. Die Offense hat zu viel Potenzial. In einer AFC, in der heuer keiner will (bzw. keiner kann), bleiben die Chiefs für mich erstmal sichererster Superbowl-Tipp und damit vorerst noch die #1.

OBJ

OBJ ist gestern ohne „Claim“ durch die Waiver-Wire gegangen und damit Free Agent. Er kann unterschreiben wo er will. Seine Favorit sollen die Packers sein, die aber bis jetzt nur lauwarmes Interesse an dieser Receiver-Diva gezeigt haben sollen.

Mögliche weitere Ziele: New England oder Seattle. Kansas City wäre aus Fan-Sicht recht geil.

Scheiß auf Regeln

Die NFL hat die Strafen für Packers und Aaron Rodgers in der Causa Covid ausgesprochen. Keine Draftpick-Abzüge. Keine Sperre. Die Packers müssen 300k an die NFL zahlen, Rodgers und Allen Lazard jeweils weniger als 15k. Message dahinter: Scheiß auf unsere Regeln.

Dalvin Cook

Gestern sind Anschuldigungen wegen häuslicher Gewalt von Vikings-RB Dalvin Cook gegen dessen Partnerin bekannt geworden. Die kolportierten Bilder sind hässlich…

…und die veröffentlichten Screenshots aus den privaten Chats verheerend…

… Der Fall soll sich schon vor einem Jahr zugetragen haben. Es ist ohne weitere Information schwierig aus der Ferne zu urteilen – aber noch schwieriger finde ich solche Tweets wie jene von Adam Schefter, der einfach mal das erste Statement von Cooks Agent – „Dalvin ist das Opfer seiner Frau!“ unhinterfragt raushaut:

Es ist nicht das erste Mal, dass Schefter sich sofort als Steigbügelhalter für die Mächtigen anbiedert. Cook ist 5’11 und NFL-Profi. Die Frau ist 5‘5. To be continued.

16 Kommentare zu “Sind die Indianapolis Colts eine Topmannschaft?

  1. ad OBJ: „Sein Favorit sollen die Packers sein“
    IMHO als Packers-Fan: bitte sag dass das nicht wahr ist. Die Diva auf QB reicht mMn völlig.

  2. „Scheiß auf Regeln
    Die NFL hat die Strafen für Packers und Aaron Rodgers in der Causa Covid ausgesprochen. Keine Draftpick-Abzüge. Keine Sperre. Die Packers müssen 300k an die NFL zahlen, Rodgers und Allen Lazard jeweils weniger als 15k. Message dahinter: Scheiß auf unsere Regeln“

    Yep, absichtlich hinters Licht geführt. Sich nicht an alle Regeln gehalten, ohne Maske zur Halloween Party gegangen. Verschwörungsbullshit verbreitet. *klapps auf die Finger*. Na da muss man such nicht mehr wundern.

    @Adam Schefter
    Man sollte meinen das er sich nach dem „Editor Gruden“ Zwischenfall erstmal zurückhält und gerade sowas meidet,aber wohl nichts gelernt. Zugegeben – warum auch wenn man keine Konsequenzen abbekommt. 🤷🏽‍♂️

  3. Diese Wentz-DPI durch Unterwerfen… das kann doch unmöglich Absicht sein? Dreht sich der CB nach dem Ball um ist es eine INT… welcher QB würde dieses Risko eingehen?
    (Vielleicht hat Wentz „Balls of Steel“ 😀 )

    Auf PFT wird gemutmaßt, dass OBJ zu den Saints gehen sollte. Cap durch Umstrukturieren freischaufeln, OBJ Incentives und Bonuszahlungen bieten, die erst nächstes Jahr gegen das Cap zählen. OBJ bekommt dafür einen Top-Coach und den WR1-status mit für ihn designten Plays.
    Was bin ich froh, dass Drew Brees in Rente ist, sonst wären meine Saints tatsächlich attraktiv für Mr. Kicking-net.

    Die Packers sollen ihm wohl nur das Mindestgehalt angeboten haben… 😀 Darüber hinaus: kein Glamour-standort, kein Top-coach, kein Contender sobald der Homöopath weg ist… Ich denke, Green Bay ist sicher vor OBJ.

  4. @Dizzy
    Es wird halt drauf ankommen was OBJ will. Wenn er einen Ring will sind Packers und Chiefs sicher die beste Adresse dieses Jahr aus den genannten Interessenten.
    Mit dem Ring im Gepäck könnte er dann im Sommer nochmal abkassieren, da macht es dann keinen Unterschied ob die Packers 2022 noch contender sind oder nicht

  5. @Dennis
    Stimmt schon, aber er sieht sich ja teils als das Nonplusultra. Ob er sich mit kleinem Vertrag zufrieden gibt oder das gleich als Beleidigung sieht..

    „The Catch“ hat sich im Endeffekt denke ich negativ auf ihn ausgewirkt, da er über Nacht wie blöd abgefeiert wurde.
    Für mich einer der Spieler den ich unter „verschenktes Potential“ verbuchen würde. Teils sieht man förmlich wie er versucht Pässe zwanghaft mit einer Hand zu fangen, obwohl er alle Zeit hätte beide zu nutzen. Dabei halte ich ihn durchaus für richtig gut.

  6. „Scheiß auf Regeln
    Die NFL hat die Strafen für Packers und Aaron Rodgers in der Causa Covid ausgesprochen. Keine Draftpick-Abzüge. Keine Sperre. Die Packers müssen 300k an die NFL zahlen, Rodgers und Allen Lazard jeweils weniger als 15k. Message dahinter: Scheiß auf unsere Regeln“

    Man stelle sich nur mal vor das wäre bei den Patriots gewesen….

  7. „Man stelle sich nur mal vor das wäre bei den Patriots gewesen….“

    Oh, die armen Patriots wurden ja so benachteiligt.

  8. Komisch, die Rams hatte in der causa OBJ keiner so recht ganz vorn gesehen. *sich das Popcorn hol* Let the games begin.

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