Sonntagsvorschauer 2021 – NFL Woche 10

Guten Morgen zum 10ten Spieltag der NFL-Saison.

Es ist die Saison der Überraschungen. Letzte Woche hat die letzten Konventionen zum heurigen Jahr über den Haufen geworfen – und am Donnerstag ist es mit dem Slugfest-Win der Dolphins über den vermeintlichen AFC-Favoriten Baltimore im Ton der letzten Spieltage weitergegangen. Gerade in der AFC hat sich bis jetzt kein Team als wirklich verlässlich herauskristallisiert.

Aber kann ja noch werden.

In der NFC ist die Spitze dichter. Im Ranking der NFL-Offenses sehen wir ganz weit rechts und ganz weit oben eigentlich nur NFC-Mannschaften vorn – Cardinals, Buccaneers, Rams, Cowboys sind die Teams mit sehr guten Passing-Offenses und brauchbaren bis guten Laufspielen:

Quelle: rbsdm.com

Zebra-Football

Sonst waren die Schiedsrichterentscheidungen die einzigen größeren Aufreger der letzten Tage. Das Thema mit der Taunting-Rule schwelt schon die ganze Saison, wurde aber am Montag noch einmal in den Fokus gerückt, als Bears-DL Cassius Marsh nicht bloß aus fadenscheinigen Gründen geflagged wurde, sondern Referee Tony Corrente Marsh auch noch übers Kreuz legte:

Das ist dann schon next level Verarsche. Aber nicht nur bei der Definition von Verhöhnung des Gegners sollte die NFL noch einmal nachschrauben. Was zunehmend ein Problem wird, ist die bizarre Auslegung der Defensive Pass Interference, wo bei Quarterbacks wie Wentz quasi jeder unterworfene Ball (und es gibt einige davon), bei dem ein Cornerback auf einen Receiver aufläuft, mit Flagge für teilweise große Raumstrafen geworfen wird. Das kann nicht im Sinne der Erfinder sein.

Ebenso unschön: Zahllose Roughing the Passer-Strafen, bei denen der Schutz für QBs als Franchise-Millioneninvestments deutlich übertrieben wird.

Ich will nicht sagen, dass Regelwerk/Schiedsrichterei meinen NFL-Genuss deutlich (oder deutlicher als in anderen Spielzeiten) trüben, aber das sind schon ein paar Dinger, die nochmal Drehen von ein paar Stellschrauben erfordern.

Zu den heutigen Spielen noch kurz.

Spielplan NFL Woche 10

  • Dallas Cowboys – Atlanta Falcons (19h)
  • Tennessee Titans – New Orleans Saints (19h)
  • Indianapolis Colts – Jacksonville Jaguars (19h)
  • New England Patriots – Cleveland Browns (19h)
  • New York Jets – Buffalo Bills (19h)
  • Pittsburgh Steelers – Detroit Lions (19h)
  • Washington – Tampa Bay Buccaneers (19h)
  • Arizona Cardinals – Carolina Panthers (22h05)
  • Los Angeles Chargers – Minnesota Vikings (22h05)
  • Denver Broncos – Philadelphia Eagles (22h25)
  • Green Bay Packers – Seattle Seahawks (22h25)
  • Las Vegas Raiders – Kansas City Chiefs (02h20)

Das Spitzenspiel der Frühschicht ist Patriots – Browns. Beide sind 5-4. Für die Browns ist die Bilanz eher eine Enttäuschung, aber die Pats werden sicherlich nicht unzufrieden sein, zu diesem Zeitpunkt nur knapp hinter den Bills im AFC-East-Rennen zu liegen.

New England hat sich dabei mit unspektakulärer, fehlerarmer Offense und stetig besser werdender Defense in die Saison gecarvt. Die Pats-Defense ist fast sicher durch zwei Spiele gegen die horrenden Jets und ein Spiel gegen Sam Darnold überschätzt, aber wir dürfen auch festhalten, dass sie gegen Tom Bradys Buccs, Justin Herberts Chargers und auch Dak Prescotts Cowboys gut bis teilweise sehr gut gegengehalten hat.

Bei den Browns geht die Erzählung ein bisschen anders: Im Oktober hatte man viele Probleme mit Verletzungen. Baker Mayfields Schulter. Die Offensive Tackles. Dazu das OBJ-Problem. Jetzt hofft man, langsam auskuriert zu sein – und dass die Offense ohne OBJ tatsächlich besser läuft.

Ganz überzeugt bin ich von allem Geschriebenen nicht. Auch die Pats-Offense wirkt mir noch zu eindimensional um wirklich viele Yards und Punkte gegen die schnelle, vor allem im Defensive Backfield tief besetzte Browns-Defense aufzulegen. Das könnte ein Defense-dominiertes Spiel werden.


Cowboys – Falcons ist das Wiedersehen von Dan Quinn mit seinem Ex-Team. Die Cowboy-Defense war einer der Gewinner der ersten Saisonhälfte, aber zuletzt hat sich auch gezeigt, dass man sich noch nicht auf die Unit verlassen kann, wenn CB Trevon Diggs seine wöchentliche Interception mal nicht fängt.

Die Falcons sind für einige in den letzten Wochen zu einem Playoff-Kandidaten geworden und nach NFC-Ranking mittlerweile auch die letzte Wildcard. Matt Ryan hat ein bissl zu sich gefunden. TE Kyle Pitts und WR/RB Cordarelle Patterson spielen seit einigen Wochen in Hochform, auch der WR3 Olamide Zaccheus hat sich in Abwesenheit von Calvin Ridley ganz gut gemacht. Arthur Smiths Offense scheint langsam zu greifen.

Aber dann ist da auch Smiths krampfhaftes Festhalten an einer „balancierten“ Run/Pass Ratio. Atlanta liegt im Mittelfeld nach Early-Down-Passing-Rate, obwohl nur die drei Horror-Offenses Dolphins, Jets und Texans in 1st und 2nd Down noch ineffizienter laufen, und es nur fünf bessere Passing-Offenses gibt:

Da muss ein Trainerstab eigentlich reagieren – noch dazu, wenn es mit einer eigenen Wackel-Defense gegen Dak Prescott und Co. geht. Wie soll Atlanta die Cowboy-Offense stoppen? In A.J. Terrell hat man einen Cornerback gegen CeeDee Lamb – aber gegen die anderen?

My oh My.


Titans – Saints ist schematisch nicht unspannend, weil Tennessee eine Woche nach den Rams wieder auf eine starke Rushing-Defense trifft. Letzte Woche musste die Offense nicht viel machen, weil die überraschend starke Titans-Defense Stafford und co. komplett abgewürgt hat.

Bei Colts – Jaguars trifft Urban Meyer auf das Team, das nicht nur zwei Welten besser gecoacht ist, sondern kürzlich auch den Gameplan umgesetzt hat, den Meyer so nachdrücklich anstrebt: Über 250 Yards Passing und über 250 Yards Rushing (Colts vs. Jets).

Bei Steelers – Lions kann Pittsburgh mit Sieg die durchaus überraschende Divisionsführung übernehmen. Die Steelers sind mit dem Geist von Big Ben auf QB bestimmt kein „high ceiling“ Team, aber mit dieser giftigen Defense reicht Fehlerminimierung in der Offense oft genug zum Sieg um per Siegbilanz keine Lichtjahre von der AFC-Spitze entfernt zu sein.


Ab 22h05: Cardinals – Panthers. In Carolina herrscht Vorfreude auf das Comeback von Rückkehrer Cam Newton, der unter der Woche verpflichtet wurde, weil Sam Darnold a) verletzt ist und b) wenn er nicht verletzt wäre, wegen seiner unterirdischen Leistungen auf die Bank gesetzt worden wäre.

Das Experiment Darnold ist zu Ende.

Schauen, was Newton noch im Tank hat. Letzte Saison war das in New England nicht immer schön, aber es gab auch kaum Anspielstationen. Ich bin nicht ganz sicher ob Newton heute schon spielen kann, aber prinzipiell ist er die Chance für OffCoord Joe Brady, seinen schwindenden Ruf zu retten.

Arizona spielt wieder mit Kyler Murray.

Auch 22h05: Chargers – Vikings. Die Bolts haben miserable Rushing-Defense trotz einigermaßen diszipliniertem Gameplan, aber ob Minnesota in den Tagen nach dem häusliche-Gewalt-Skandal um Dalvin Cook das ausschlachten kann, muss man abwarten. (PS So nebenbei finde ich es durchaus bezeichnend, dass der Spast Adam Schefter noch immer keine Rüge bekommen hat)


Bei Packers – Seahawks dreht sich natürlich alles um die Quarterbacks. Aaron Rodgers ist prädestiniert dafür, es eine Woche nach der Corona-Hyperventilation aller Welt zu zeigen. „grudgy“ Rodgers ist immer ein sportlich gefährlicher Rodgers.

Bei Seattle gibt es Gerüchte, dass Russell Wilson zurückkehrt. Ich schreibe diese Zeilen hier am Samstag. Ganz sicher ist Wilsons Comeback noch nicht.


Sunday Night Game – Chiefs @ Raiders. Las Vegas ist als Team in einer turbulenten Saison mit Headcoach-Rücktritt und dem Rauswurf beider 2020 1st Rounder, und in den letzten Wochen ist die anfangs heiße Offense doch merklich abgekühlt. Gegen die Chiefs hat Derek Carr in den letzten zwei Jahren aber häufig fette Vorstellungen aufgelegt. Das riecht schon nach ein paar tiefen Bomben today.

Die spannendere Frage ist aber was die Chiefs-Offense machen wird. Deren Probleme sind rauf- und runterdiskutiert. Sie sieht heuer extrem viel two high an Defense (mit 147 Snaps sind es fast 40 mehr als jedes andere Team) – ein Schema, das gegen den tiefen Pass konzipiert wurde. Aber die Raiders spielen unter Gus Bradley vor allem Cover-1 und Bradley hat nicht den Eindruck erweckt, dass er bereit ist, sein Scheme auf den Gegner anzupassen.

Cover-1 und Cover-3 sind super gegen den Lauf, aber anfällig gegen tiefe Bomben auf Tyreek Hill. Und die Chiefs sind eh schon schwach im Laufspiel gegen leichte Boxen (#23 nach EPA/Run). Werden die Raiders umstellen? Oder kriegen die Chiefs unverhofft die Chance, gegen ihre Lieblingsaufstellung single high zurück zum Groove zu finden?

Das kann ein echt nettes Spiel werden.

4 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer 2021 – NFL Woche 10

  1. Mal schauen ob die Lions gegen die Steelers ihren ersten Sieg holen. Die treten ohne Roethlisberger (Corona) an und spielen mit Mason Rudolph. Gönnen würde ich es ihnen.

  2. Es ist ja nicht nur Darnold – such Bridgewater hat letztes Jahr underperformed ; das ist ein Problem wenn deine Qbs nicht besser aussehen als woanders und: auch letztes Jahr ist die offense Mitte der Saison eingebrochen und das ganze obwohl eigentlich das Receiving Coprs als überdurchschnittlich Bewertet wird.

  3. Zu den Panthers: Fand, dass die O-Line gegen die Patriots teilweise echt übel aussah. Da tat mir Darnold trotz aller Fehler, die auf seine Kappe gehen, echt etwas leid. Von daher bin ich auch mal gespannt, wie sie bei so einer Leistung der O-Line Cam Newton effektiv als Rusher einsetzen wollen.

    Zu den Patriots: Wird sicher ein interessantes Spiel heute Abend! Fand es defensiv gegen die Panthers auch schön zu sehen, dass sie mal etwas von Cover 1 weggegangen sind und mehr Zone-Coverage gespielt haben. In den Spielen davor hatte ich bisweilen den Eindruck, dass sie hier zu vorhersehbar waren und Teams die Man-Coverage gezielt mit Crossing-Routes attackiert haben. Da kamen dann individuelle Fehler auch mehr zum Tragen. Offensiv rechne ich fast damit, dass sie weiterhin versuchen werden viel zu laufen – hat ja zuletzt auch gut funktioniert, aber ich habe trotzdem die Sorge, dass Mac auf Dauer so zum Game-Manager verkommt bzw. nicht darüber hinauswachsen kann. Vermutlich muss man ihm hier aber auch noch mehr Zeit lassen. Spannend wird evtl. auch, wie die O-Line mit Garrett und Clowney fertig wird. Die letzten Spiele war die O-Line ja stabiler, aber die Rushes über die Edge waren dieses Jahr schon öfter mal eine Schwachstelle. Vielleicht hilft hier ja die Rückkehr von T Trent Brown. Und zu guter Letzt bin ich auch mal gespannt, wie sehr die 4th Down-Aggressivität eine Rolle spielen könnte. Diesbezüglich treffen sich hier ja die zwei absoluten Gegenpole.

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