Montagsvorschauer – NFL Woche 10: Rams @ Niners

Abschluss vom 10ten NFL-Spieltag 2021 heute mit dem Monday Night Game San Francisco 49ers (3-5) vs. Los Angeles Rams (7-2). – Achtung, leichter Spoiler.

Die Rams werden wohl schon gleich mal mit dem neu geholten WR Odell Beckham jr. auflaufen, der unter der Woche verpflichtet wurde. Damals dachte man noch – „oh wow, jetzt geht OBJ von einem Wide-Zone-Team zum nächsten, kann ja nur gut gehen wenn er statt WR1 jetzt nur mehr WR4 ist“… aber am Freitag hat sich WR Robert Woods mit Knieverletzung für den Rest der Saison in Krankenstand verabschiedet.

Und plötzlich ist OBJ eine Notwendigkeit bei den Rams.

Cooper Kupp ist die #1, Van Jefferson hat auch eine gute Entwicklung genommen, aber die erhoffte krasse 10-Personnel-Spread-Offense wird Sean McVay jetzt wohl doch nicht spielen können, denn so viele Hochkaräter gibt es nach der Entlassung von Desean Jackson und der Verletzung von Woods auch nimmer.

Wie wird das also aussehen heute Nacht für QB Matthew Stafford, der letzten Sonntag eine richtig miese Performance abgeliefert hat – die erste im neuen Trikot? Gegen eine der enttäuschenderen Defenses in der NFL, deren D-Line vor allem über die Mitte nichts gebacken kriegt und deren Defensive Backfield zu den offensten Scheunentoren in der NFL gehört?

Auf der anderen Seite sind die 49ers, bei denen Headcoach Kyle Shanahan immer stärker in die Kritik gerät. An Shanahans Kompetenz als Offensive-Playdesigner und Playcaller gibt es nach wie vor keine großen Zweifel, aber Shanny als Talentevaluator ist nahezu verbrannt.

Dieser Artikel von Ringers Benjamin Solak beschreibt viele Probleme der Shanahan-Ära eigentlich ganz gut: Shanahan neigt immer wieder dazu, für unbekanntere Spieler überzubezahlen und diese schnell wieder wie die sprichwörtliche heiße Kartoffel fallen zu lassen, bevor sie sich wirklich im System eingefunden haben.

Das geht nun schon vier Jahre lang so. Bislang wurde Shanahan mit seiner negativen Sieg-Bilanz vielfach mit Verletzungspech entschuldigt, aber ehrlicherweise sind wir jetzt in Jahr 5, Shanny ist zum vierten Mal unterwegs zu sub .500. Es wird langsam Zeit…

Zumal Shanahans Handling der QB-Position Fragen aufwirft. Eigentlich war QB Trey Lance dazu prädestiniert, den Zyklus zu durchbrechen und als Playmaker endlich mal mehr anzubieten als Jimmy Garoppolos ewige Oszillation zwischen Krankenstand und graue-Maus-mit-angeflanschter-Linebacker-Interception-Status.

Aber Lance haben wir bis jetzt so gut wie nicht gesehen – und wenn, dann sah das nicht zwingend „gut“ aus. Gehen wir mit der jüngsten Geschichte, können wir Shannys nonexistente Vote of confidence schon als leichtes Alarmsignal bewerten – zumal die Berichte nicht aufhören, dass er eigentlich Mac Jones wollte, dem wir momentan bei den Patriots förmlich dabei zuschauen können, wie er den Kinderschuhen entwächst.

Wenn Lance floppt, wird das bei den Niners schnell hässlich, und uns steht ein Köpferollen bevor. Sicher noch nicht bei Shanahan, der erst kürzlich um mehrere Jahre verlängert hat. Aber wahrscheinlich im Trainerstab und vielleicht auch schon auf dem GM-Posten, wo John Lynch bis jetzt mehr als eine Art Gute-Laune-Onkel fungiert denn als echter Sparringspartner (weswegen ich die Lance/Mac Debatte auch nicht nachvollziehen kann).

Heute Nacht sind die Rams mit 3.5 Punkten favorisiert – und die Niners haben bis jetzt alle drei Heimspiele verloren. Letzte Nacht haben sich die Chiefs ihren Frust endlich mal von der Seele geschossen. Kann der einstige Superbowl-Gegner San Francisco es Mahomes und co. heute gleich tun? Es wäre für Shanahan ein notwendiger Befreiungsschlag.

11 Kommentare zu “Montagsvorschauer – NFL Woche 10: Rams @ Niners

  1. Zu der beschriebenen Defense der Titans: Ich finde, dass du der D-Line Unrecht tust. Sowohl Simmons als auch Autry haben als IDL über 40 Pressures. Simmons führt IDL mit 42 Pressures sogar an.

  2. Das glaubst du doch selber nicht.

    Shanahan hat in San Francisco alles unter seiner Fuchtel, das letzte Wort über alles, und dann hat nach dem Verkauf von drei 1st Roundern plötzlich ein anderer die wichtigste Entscheidung der letzten Jahre über Shanahans Kopf hinweg getroffen?

    Oje.

  3. Ganz toller und unterhaltsamer MNF Football – in der ersten Hälfte.
    Die Rams stehen einem hochmotivierten Gegner gegenüber und dieser kann selbst mit Risiko nicht ausgetrickst werden, im Gegenteil.
    SF spielt einen trockenen, effizienten Stil mit dem Glück des Tüchtigen zur Seite.
    Gespannt wie die Rams den 14 Punkte-Vorsprung der 49ers kontern wollen

  4. Es ist die Ironie dieser absurden Saison, dass die 49ers die Rams abschießen, genau nachdem du diesen Artikel postest. 😂

    Ich stimme dir trotzdem in der Analyse zu 100% zu. Shanahan ist ein guter OC; ein guter Headcoach ist er leider nie geworden.

    Danke für den Ringer-Artikel. Der ist fantastisch.

  5. Woher nimmst du denn die Überzeugung, dass Shanahan wirklich Jones wollte? Klar gab und gibt es einige „Berichte“, aber mehr als Spekulatius stellt das auch nicht dar? Oder ist es die Auffassung, dass Shanahan in der Vergangenheit eher diesen QB-Typ bevorzugt hat? Das gegenwärtig dieses Thema wieder hochkommt, hat ja letztlich auch nur damit zu tun, dass Jones aktuell abliefert und Lance eben noch nicht in diese Rolle gekommen ist. Das steigert ja doch aber nicht den Wahrheitsgehalt der (alten) Spekulationen aus Draft-Zeiten?

  6. Witzig finde ich, dass der Trade Stafford/Goff wahnsinnig Wellen geschlagen hat und aktuell nicht so recht die Erwartungen erfüllt. Stafford ist „hopp oder top“ und Goff hat „oblique injury“ (Weiss jemand was das sein soll?).

    Komödienpotential hat Detroits neuer Starting QB „Tim Boyle“. College-stats? 12TDs 26INTs, 55%Completions. Zwei Jahre bei den Packers, zwei Kurz-einsätze: im ersten dreimal abgekniet für -3 Yards. Im zweiten drei Pässe für 15yards.
    Und der soll jetzt in Detroit starten?
    Echt jetzt?
    Zum Vergleich: ein QB, der vor nicht allzulanger Zeit die Liga verlassen musste, weil er keinen Vertrag angeboten bekommen hatte: 72TDs, 30INTs, 13Rushing TDs, 5,1Yards pro Rush.
    Der, dessen Namen man nicht aussprechen darf, würde Boyle heute noch outperformen. Selbst wenn sie ihn zur Halbzeit aus dem Publikum holen würden.
    Ich hoffe, sie zerfetzen den armen Boyle in Detroit nicht. Seine Situation scheint mir so gar nicht beneidenswert.

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