NFL Thanksgiving Vorschau 2021

Der NFL viel zu danken gibt es zum heutigen Thanksgiving-Spieltag nicht.

Die Ansetzungen sind ziemlicher Horror:

  • 18h30: Detroit Lions – Chicago Bears
  • 22h30: Dallas Cowboys – Las Vegas Raiders
  • 02h20: New Orleans Saints – Buffalo Bills

Lions – Bears ist an Irrelevanz kaum zu überbieten. Detroit hat nach dem Texans-Upset am Sonntag gegen Tennessee mittlerweile schon 1.5 Spiele „Vorsprung“ im Rennen um den #1 Draftpick und kann sich sogar einen Ausrutscher in Form eines Sieges „leisten“. Dass sowas heuer noch passiert, ist aber eher unwahrscheinlich – und eigentlich fast irrelevant, denn natürlich sind die Lions grottenschlecht ausgerechnet in einem Jahr, in dem es keinen hochkarätigen QB-Prospect gibt.

Immerhin kehrt nach einem Intermezzo von einem Spiel von QB Tim Boyle – der als NFL-QB starten durfte, obwohl er noch nichtmal als College-QB annähernd durchschnittlich performte – QB Jared Goff ist die Startaufstellung zurück. Dass wir Goff noch einmal als klares Upgrade bezeichnen, hätte man nach diesem Saisonverlauf auch nicht mehr gedacht. Anyhow: Welcher QB in Detroit auch immer startet, er wird den Ball oft an RB Swift abgeben und zweitklassige Receiver anwerfen. Viel wird offensiv also nicht mehr passieren.

Die Bears müssen den verletzten QB Justin Fields vorgeben – somit wird noch einmal Andy Dalton starten. Dalton hat am Sonntag nach seiner Einweckslung den berühmten „Spark“ in der Offense ausgelöst, aber es reichte nichtmal um den B-Quarterback der Ravens zu schlagen. Heute hat Dalton immerhin gegen eine Horror-Defense die Chance, sich weitere Jahre als hochbezahlter Backup-QB zu erspielen.

Auch im Fokus: Bears-Headcoach Matt Nagy. Anfang der Woche gab es sehr konkrete Hinweise auf seine bevorstehende Entlassung. Sie wurden zwar gestern vehement dementiert, aber überraschen würde ein Nagy-Aus niemanden.

Sie wäre zu logisch. Es kann nach der stagnierenden Entwicklung eigentlich nicht mit der kompletten sportlichen Leitung GM Ryan Pace/Nagy weitergehen, und nachdem Nagy ein kommunikativer Autist Richtung Medien ist und Pace ein Überlebenskünstler, der Bears-Ownerin McCaskey sogar Schimmelbrot als genießbare Angelegenheit zu verkaufen scheint, ist ein Bauernopfer Nagy eigentlich die denkbarste aller Möglichkeiten. Deshalb: Verlieren die Bears heute gegen diesen kaputten Gegner, rechne ich mit einer Entlassung.


Spiel 2 ist bissl Krisenduell. Die Raiders sind spätestens seit Anfang November im Sturzflug. Da waren wohl zu viele Unruhen mit dem Abgang des Headcoaches und den Rauswürfen der beiden 1st Rounder 2020 innerhalb weniger Tage. Im November haben die Raiders nur noch die #28 Offense nach EPA/Play.

Das einzig Hoffnungsvolle: Dallas kaspert auch an ein paar Problemen rum. Am Sonntag lieferte die Offense in Kansas City die zweite unterirdische Offense-Performance innerhalb von drei Spieltagen ab – aber sie konnte teilweise entschuldigt werden.

WR Amari Cooper fehlte ungeimpft wegen Covid, WR CeeDee Lamb war nach wenigen Plays verletzt draußen. Weil die Cowboys mit einem WR1 Cedrick Wilson im Lineup überhaupt keine Chance hatten, Mann-gegen-Mann Duelle zu gewinnen, konnten die Chiefs von DefCoord Spagnuolo QB Dak Prescott fröhlich ausblitzen – und Dallas fand über das komplette Spiel keine Antwort. Hat einfach die intuitive Beziehung Dak/Cooper gefehlt?

Cooper soll heute nochmal fehlen, aber wahrscheinlich kann Lamb wieder spielen. Auch LT Tyron Smith könnte wieder auflaufen – und damit die größte (und eventuell sogar einzige) Stärke der Raiders-Defense (Passrush) neutralisieren. Gegen eine ebenso sture wie starre Raiders-Defense gibt es also gute Chancen für einen Bounceback.


Das Nachtspiel klang mal sexy, aber jetzt no more. Am Sonntag wurden beide Teams von ihren Gegnern überlaufen: New Orleans kassierte fast 250 Rush-Yards von den Eagles, die Bills sogar 264 von den Colts. Buffalo ist jetzt sogar ein halbes Spiel hinter die Patriots gerutscht – und damit ist sogar die längst eingetütet geglaubte AFC East wieder in Gefahr.

Die Saints sind zwar mit 5-5 theoretisch noch mittendrin im Wildcard-Rennen, aber die Offense hat einfach mit QB Trevor Siemian nicht genug Waffen um ihre krassen Limitierungen zu überwinden. Da sieht man doch mal wieder, wie allgemein unterschätzt ein Jameis Winston eigentlich ist, denn Winston hat mit demselben bzw. teilweise schwächeren Support-Cast die #2 in EPA/Play aufgelegt. Die engmaschige Bills-Defense sollte das Ding locker kontrollieren.

Die Bills-Offense ist eine andere Geschichte. Sie ist zwar nach wie vor in den Top-10 in EPA/Play klassiert, aber wie dürfen nicht vergessen gegen welche Gegner: Jets, zweimal Dolphins, Washington, Chiefs in Auflösungserscheinungen – und gegen Jacksonville sogar keinen Stich gemacht.

Die Offense versuchte lange krampfhaft, weiter in der Spread-Welt der letzten Saison zu leben, aber Gegner haben über die Offseason einfach aggressiv reagiert, haben keine Probleme das Laufspiel zu verteidigen und stellen das Feld mit Zone-Deckung und vielen Defensive Backs zu.

Buffalo hat in den letzten Wochen immer mehr 12- und 21-Personnel eingebaut, um das Problem zu umgehen, aber es gibt nicht genug Saft um das Schicksal mit Kraft zu biegen. Es gibt keine Big-Plays, wenn es nicht grad gegen die unterirdische Jets-Defense geht. Alles sieht unangenehm angestrengt aus. QB Josh Allen ist (nicht unerwarteterweise) auch nicht mehr auf dem Level von 2020 – und so sprechen wir eigentlich noch stärker als bei den mehr beachteten Chiefs von einer strauchelnden Offense auf der Suche nach einer neuen Identität.

Die Saints-Defense ist eigentlich top besetzt – aber sie wurde 2021 schon einige Male ausgekontert. Richtig zuversichtlich bin ich nicht, dass die Bills-Offense ausgerechnet heute Nacht das Ruder herumreißt, und deswegen erwarte ich nicht unbedingt ein schönes Spiel.

7 Kommentare zu “NFL Thanksgiving Vorschau 2021

  1. Anstrengend ist das richtige Wort zur Bills Offensive, selbst bei den klaren Siegen, war man beim zuschauen körperlich Anstrengend, weil alles irgendwie gequält wirkt.

  2. Könnte mir gut vorstellen, dass Nagy auch ohne Niederlage nach dem Spiel gefeuert wird (je nach Spielverlauf).

  3. @Öwi
    Wenn er nicht gefeuert wird, würde ich nicht verstehen warum überhaupt. Ich mein ich verstehe natürlich warum man ihn feuern will, aber was soll ein Sieg gegen die Lions denn aussagen das ihm den Job sichern könnte?
    Oh toll du hast das 0-9-1 Team besiegt. 🤷
    Ist das ein Grund aufzuatmen? Das du das Team das am kompletten Ende der Rangliste steht besiegt hast? Wäre für mich halt unverständlich. Kündigt ihn egal was passiert oder behaltet ihn egal was passiert.
    Aber das abhängig vom Ergebnis gegen die Lions zu machen würde ich lächerlich finden und eher einiges über die Owner aussagen.

    lt. NFL.com heißt es aktuell „Bears unlikely to move on from Matt Nagy midseason“. Wir werden sehen.

  4. Bei DAZN sagten sie vorhin dass die Bears seit ihrem Bestehen noch nie einen Coach mitten in der Saison gefeuert haben….und sie glauben dass es auch so bleibt und Nagy erst nach der Saison fliegt

  5. Zwei Nachträge zu den Thanksgiving-Spielen:

    Cowboys – Raiders war mit Einschaltquote von fast 39 Mio. das meistgesehene Regular-Season-Spiel seit über 30 Jahren.

    Und Bills-CB Tredevious White erlitt im Nachtspiel einen Kreuzbandriss. Pyrrhussieg.

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