NFL Montagsvorschauer 2021 – Woche 13: Bills vs Patriots

Gemessen am Verlauf der gegenwärtigen NFL-Saison ist das heutige Monday Night Game Buffalo Bills (7-4) – New England Patriots (8-4) ein echtes Spitzenspiel.

(sorry, ich hatte vorhin die Records vertauscht. Danke an LinkHawk für den Hinweis)

Es geht mindestens um den Gewinn der AFC East und damit um das Heimrecht im ersten Playoffspiel. Buffalo hat ein halbes Spiel Vorsprung und bei noch zwei ausstehenden direkten Duellen mit den Pats einen nur minimal einfacheren Spielplan. Aber theoretisch könnte sogar der #1 Seed auf dem Spiel stehen. Im weit offenen AFC-Rennen haben beide Teams mehr oder weniger dieselbe Chance: 1/5.

Ich hege durchaus Sympathien für die beiden Franchises. Was Bill Belichick in der Brady-Ära geleistet hat, muss nicht weiter ausgeführt werden, und die Bills haben als ewige Loser-Franchise auch einen Platz in meiner Herzkammer fix – insbesondere die aktuelle sehr smarte sportliche Leitung, die viele Stellhebel gedreht hat um den Sprung nach oben zu schaffen.

Bills-Offense 2021: Personnel Shifts

Aber die Ausgaben der beiden Teams 2021 reißen mich einfach nicht mit. Die Bills haben viel von ihrem Offense-Flair der letzten Saison verloren – man lasse sich da mal nicht zu sehr von den Top-5 Platzierungen in Offensive EPA/Play und Success-Rate blenden. Das Buffalo hat wirklich graupenschlechte Teams wie die Jacoby-Brissett-Dolphins, die Jets und Texans oder die Washington-Defense bespielen dürfen – und hat selbst gegen Jacksonville nur 6 Punkte zustande gebracht.

Die Coaches haben zwar über die Saison heftigst manövriert und nach dem Auftaktdebakel gegen die Steelers von 18% 10-Personnel auf weniger als die Hälfte dessen heruntergeschraubt. Die Bills spielen heute gleich viel 21-Personnel wie 10-Personnel – das wäre erst letzte Saison noch undenkbar gewesen.

Nötig gemacht hat diese Umstellung der defensive Paradigmenwechsel. Die Bills werden ähnlich wie die Chiefs immer stärker mit Two-High-Shells und viel Zone-Coverage bekämpft. Das Motto lautet: Zwinge QB Josh Allen zu Geduld. Nimm ihm die Big Plays und lade die Bills zum Laufen ein.

Die Ergebnisse sind durchaus eindrucksvoll: Rechnen wir das eine Monsterspiel gegen die hilflosen Jets raus, hat Allen dieses Jahr gleich viele Big-Time-Throws wie Turnover-würdige Plays. Das sah vor einem Jahr noch ganz anders aus.

Pats-Offense 2021: Zurück in die Zukunft

Auf der anderen Seite sind die Pats. Ich meine, es ist durchaus zu bewundern wie es Belichick und OffCoord Josh McDaniels geschafft haben, mit einer Retro-Offense aus den frühen 2000ern effiziente Offense zu spielen, die mittlerweile in den Top-12 nach Passing EPA/Play und Overall Efficiency rankt – und gar #6 in Success-Rate.

Seth Galina hat bei PFF schön herausgearbeitet, wie altbacken die Pats eigentlich spielen. Gelaufen wird vor allem Power, kaum Zone. Es gibt keine RPOs, dafür viele Snaps mit Fullback in der Aufstellung, und hohe Play-Action-Quoten um die Defense auf Trab zu halten.

Im Vergleich zur letzten Saison spielen die Pats eine Spur längeren Ball aDOT von 7.2 Yards auf 7.7 Yards) – was zu erwarten war, angesichts Jones‘ Profil als nicht überaus hyperakkurater Short-Field-Thrower.

Rookie-QB Mac Jones ist weiß Gott kein Playmaker vor dem Herrn, aber die Coaches haben ihm eine stabile Offense hingestellt, in der Jones seinen Stiefel trocken runterspielen kann ohne vom Gefühl, zu viel machen zu müssen, übermannt zu werden.

Jones ist #13 nach EPA/Play und ist in den Top-10 in Fehlervermeidung klassiert. Er fühlt den Rhythmus (nur drei QBs werfen den Ball schneller), wirft einen total fangbaren Ball (extrem niedrige Drop-Rate, siehe hier diese Datenstudie) und ist die #6 in CPOE.

Die Pats-O-Line hat sich über die Wochen zu einer der besseren gemausert, der Support durch das Laufspiel ist vor allem in Form des aggressiven RB Stevenson gegeben, Tight End Hunter Henry ist eine tolle Waffe geworden, und dahinter gibt es nicht viele Schwachstellen auf der Receiver-Position was Fangen und Blocken angeht.

Die Krux: Es mangelt an Big Plays. Das „Ceiling“ dieser Offense wirkt ziemlich limitiert. Das ganze System ist irgendwo darauf ausgerichtet, dass die Pats nicht zu weit in Rückstand geraten, denn dann ist Ende im Gelände. Diese Offense steht für Stabilität – aber nicht für Explosivität.

Und heute Nacht?

Ich bin durchaus gespannt. Dem Wetterbericht zufolge könnten Windböen ein echter Faktor werden. Windchill-Faktor soll um die -10°C betragen. Das könnte vor allem tieferes Passspiel total erschweren.

Die Patriots matchen aus verschiedenen Gründen gut mit der Bills-Ausgabe 2021. Offensiv, weil New England als Power-Rush-Team entweder gegen die soften Bills-Boxen (spielen viel Zone und Two-High) laufen kann, oder, wenn Buffalo einen Safety nach vorn zieht, eine Secondary ohne den bis Saisonende verletzten Star-CB Tre’Devious White und ohne Support durch den zweiten Safety attackieren kann.

Nicht vergessen: Buffalos CB1 hört jetzt auf den Namen Levi Wallace.

Und auf der anderen Seite des Matchups ist Belichick gefürchtet dafür, des Gegners größte Stärken wegzunehmen und ihn zu zwingen das zu machen, was er nicht will. Im Falle von Josh Allen ist das wie oben angedeutet: Geduldig zu spielen.

Die Pats waren über Jahre ein Manndecker-Team, aber heuer spielen sie viel mehr Zone-Defense als früher. Sie sind zurückgekehrt zu ihrem Stil einer bend but don’t break Defense, die die Offense unterwegs machen lässt, aber dann in der Redzone die Schotten mit gutem Matchup-Football dicht macht.

Das lässt sich auch an den Zahlen ablesen. Hier mal die Drive-Stats der Pats-Defense:

  • #16 in Plays per Drive
  • #18 in Time of Possession per Drive
  • Aber #3 in Starting Field Position
  • #1 in Turnovers per Drive
  • #2 in Redzone-Defense per Drive
  • #1 in aufgegebene Punkte pro Drive

Richtig. Die Pats sind die beste Scoring-Defense, wenn wir nach Anzahl gespielter Drives adjusten. Im heutigen Fall ist zu erwarten, dass Belichick mit oder ohne Wetterkapriolen die Bills so gut es geht zum Laufen einladen wird, und gleichzeitig alles machen wird, dass Allen keine gigantischen Big Plays bekommt.

Die Chance steht hoch, dass dieses Spiel kein ästhetisch schönes wird – mit oder ohne Wind. Da werden beide Offenses grinden müssen. Große Raumgewinne wird es nur selten geben. Das spricht gegen ein Punktefestival – aber lässt wiederum auf ein knappes Spiel hoffen. Könnte also trotz meiner fehlenden Präferenz für die Optik dieser Offenses durchaus unterhaltsam werden.

2 Kommentare zu “NFL Montagsvorschauer 2021 – Woche 13: Bills vs Patriots

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