Establish the Review – NFL Week 13

Ein paar Gedanken zu NFL Week 13.

Justin Herbert: Ferrari in der Garage

Das Spiel hat im Kleinen viel von dem geboten, was beide Teams im Großen charakterisiert. Beide können – aber sind nicht konstant. Beide haben Potenzial für Upsets, aber sind nicht komplett genug um ihren Shit von A bis Z durchzuziehen. Beide sind nicht ganz stabil. Am Sonntag haben wir von allem ein bisschen gesehen.

Ich habe schon direkt im Liveblog ein bisschen was dazu geschrieben.

Justin Herbert hat diesmal ein paar Deep-Shots mit eingebaut – 7 Stück um genau zu sein. 5 davon waren complete für fast 190 Yards. Insbesondere WR Mike Williams war einmal mehr downfield unschlagbar.

Herberts Pass-Chart sah diesmal schon um einiges vernünftiger aus als in den letzten Wochen:

Passchart Herbert Week 13 – Quelle: Next Gen Stats

Aber noch immer fallen die Zillionen Dump-Offs und Checkdowns auf. Noch immer lief wenig über die Mitte. Noch immer habe ich bitterböse Flashbacks an das, was der jetzige Chargers-OffCoord Joe Lombardi damals bei den Lions veranstaltet hat.

Vor dem Spiel fragte ich mich, ob vielleicht Herbert selbst eine zu konservative Ader in seinem Spiel hat. Schließlich war er auch 2020 abseits der Big-Play-Momente ein „low aDOT“ QB gewesen.

Dieses Spiel hat wenig Aufschluss zu dieser Frage geboten. Herbert ging siebenmal über 20 Yards, ohne seine Orgie an Checkdowns aufzugeben. Als Herbert die Deep-Shots verwertete, wirkte die Bolts-Offense extrem mächtig. Als er sie nicht mehr warf, ging fast zwei Viertel lang praktisch gar nichts – und Herbert tauchte mit seiner ganzen Mannschaft ab.

Die beste Erklärung momentan: Die Chargers-Offense ist strukturell an den Talenten dieser Mannschaft und ihres QBs vorbei designt. Aber der QB selbst ist auch einen Tacken zu schüchtern, gemessen an dem, was sein könnte.

Efficiency Chart

Hier der Start mit Stand Abpfiff des Sunday Night Games.

Arizona und Tampa sind in der NFC enteilt. Die Cards sind das insgesamt kompletteste Team in der NFL. Sie haben den QB um vernünftige Passing-Offense zu spielen. Sie haben eine starke Passing-Defense und sind defensiv gut gecoacht.

Meine Bedenken an Arizona sind faktisch kaum zu belegen und eher in einer Art mulmigem Gefühl begründet – meine Skepsis gegenüber Kliff Kingsbury ist noch nicht weg, der Mannschaftskern fühlt sich trotz etlicher Veterans noch in der Findungsphase, und Tampa Bay wirkt einfach abgewichster.

Stichwort der Stunden = „wirkt“.

Tampas 44-jähriger QB-Methusalem Tom Brady spielt weiter auf dem vielleicht höchsten QB-Niveau der Saison, und das ohne den umstrittenen Antonio Brown im Line-Up. Tampas Receiver-Corps hat diese Saison noch nicht oft in Bestbesetzung miteinander gespielt, und dennoch haben die Bucs die effizienteste Passing-Offense nach EPA/Play. Wenn sie es wieder schaffen zu den Playoffs gesund zu sein, dann kann ich Arizona auf dem gleichen Feld nicht über die Bucs favorisieren.

Die AFC bleibt beautiful mess. An der Colts-Positionierung in dem Chart muss man mangels Schedule-Adjustment einiges mit Vorsicht genießen, denn in der AFC South zu spielen ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil.


Bei den Chiefs ist die Defense-Regression wie erwartet eingetreten – nach EPA/Play sind die Chiefs schon jetzt auf einer Höhe mit Raiders, Browns, Ravens, Seahawks und – Achtung!! – Steelers.

Offensiv ist das aber weiter broken. Gegen Denver gab’s mal wieder eine abgefälschte INT und etliche Drops. Aber die waren nicht allein das Problem. Mahomes hatte um die 30 Dropbacks und keine 200 Passing-Yards. TE Kelce hatte 3 Targets. Die gedroppte INT war ein unpräziser Mahomes-Pass.

Tiefes Element hat man weiter zuletzt im Jänner 2021 gesehen.


Die Ravens werden auch langsam problematisch. Ich habe keine Einwände gegen John Harbaughs Entscheidung, in letzter Minute die 2pts-Conversion gegen die Steelers auszuspielen. TE Andrews war frei und hätte nur einen 5m-Pass fangen müssen und Baltimore hätte gewonnen.

Tat er nicht. So siegte Pittsburgh.

Grundsätzlich finde ich es noch besser, wenn der Außenseiter diesen 2pts-Trick in der letzten Minute versucht, aber ich habe auch beim Favoriten kein Problem. Ist halt schief gelaufen. Spiel verloren, aber der Prozess stimmt nach wie vor.

Der ganze Rest stimmt schon lange nicht mehr. Es ist kein Zufall mehr, dass Baltimore seit Wochen im grauen Liga-Mittelfeld nach EPA/Play rangiert. Die Passing-Offense ist komplett kaputt. WR Bateman war diesmal nur WR4. Lamar Jackson hatte ein paar vernünftige Scrambles und bleibt als Playmaker ein X-Faktor, aber der ganze Rest war unansehnlich.

Mit dem Saison-Aus von CB Marlon Humphrey wird jetzt auch die Defense immer kritischer. Baltimore ist heuer quasi seit Saisonbeginn waidwund – es wirkt einfach wie eine dieser Spielzeiten, in denen es nicht sein will.

Pittsburgh: Sieg geholt, in der AFC North jetzt mit 6-5-1 Bilanz am Ball geblieben, aber mehr nicht.

Insgesamt war die Partie wie erwartet nur noch ein matter Abglanz alter Steelers-Ravens-Tradition.


Miami ist jetzt 6-7 und hat damit wieder leise Wildcard-Hoffnungen. Aber auch das Spiel gegen die Giants war kein „confidence booster“ in Tua und Co.

Das ist reinstes RPO-Kurzpassgewichse, und die Analysten haben alle Recht, wenn sie Tuas Entwicklung kritisch sehen. Ich meine: Tua ist jetzt #15 in EPA/Play und hat Entschuldigungen noch und nöcher – kaputte O-Line, dünnen Receiver-Corps, 1st year OffCoords, und so weiter.

I get it.

Aber sowohl Ben Solak als auch Derrik Klassen haben die Limitierungen in Tuas Spiel zuletzt deutlich herausgearbeitet. Das Anschauen der Tua-Offense ist einfach streng. Jeder Spielzug wirkt anstrengend. 1000x der gleiche Stiefel – und nie kommt ein Befreiungsschlag in Form eines Big Play.

Das allein ist noch kein Deal-Breaker. Aber Tua ist noch nicht beständig genug um das Maximum herauszuholen. Die Kurzpässe sind nicht genau genug um YAC zu holen. Die Variabilität ist nicht da. Alles übern ersten Read hinaus ist ein Problem.

Tua hat sich mit den letzten Wochen fast sicher ein weiteres Jahr als Starter in Miami erspielt und „smart money“ ist, dass Miami in der Offseason Investments in etablierte O-Liner vornehmen wird. Aber wir haben noch einen recht weiten Weg bis zur QB-Spitze vor uns.


Lions: Erster Sieg. Fühlte es sich gut an? Zweifellos. Es war ein überfälliger Sieg für eine gebeutelte Mannschaft. Ich habe es auch Dan Campbell gegönnt. Er ist eine erfrischende Erscheinung, bei allen Schwächen die seine generelle Herangehensweise hat.

Detroit bleibt trotz des Sieges auf Kurs #1 Draftpick. Die Pundits hypen schon EDGE Aiden Hutchinson von der nahe liegenden University of Michigan zu den Lions. Ich weiß nicht wie man NFL gucken kann und zum Schluss kommen kann, dass man heutzutage einen Verteidiger als #1 Pick draften sollte, aber es ist bezeichnend, dass die Lions ausgerechnet in einem Jahr abstinken, in dem es keinen vernünftigen QB gibt.

Und sonst?

Joe Brady ist gefeuert. Ich hab keine gesonderte Meinung mehr dazu. Brady war das Mastermind hinter der revolutionären LSU-Offense von 2019, aber wir wissen heute auch, dass diese Offense von individuell grandiosen Einzelspielern mindestens gleich stark getragen war wie vom Scheme.

Gegen Brady als Wunderknaben spricht auch, dass Teddy Bridgewater zumindest vor dem NFL Week 13 Spiel gegen die Chiefs meist vernünftiger aussah als letzte Saison in Carolina.

Oder dass Sam Darnold nach drei Wochen Saisonstart nicht besser aussah als unter dem verhassten Adam Gase bei den Jets.

Ich würde Brady trotzdem nicht aufgeben. Er hat schon gezeigt, dass er Space kreieren und attackieren kann. Er wäre nicht der erste Coach, der von horrendem Quarterbacking zurückgehalten wurde. Es ist einfach tough in der NFL, stabil vernünftige Offense zu spielen, wenn dein QB Sam Darnold heißt und noch nichtmal die Basics an NFL-QBing drauf hat. Brady dürfte längst nicht fertig sein. Er wird einen guten Offense-Coach-Posten irgendwo bekommen und seinen Ruf schnell aufpolieren. In der NFL wäre Cincinnati mit Burrow und Chase richtig cool – aber auch Chargers.

Aber wir haben auch gelernt, dass die (auch: meine) Hype-Maschine um Brady wohl zu laut war.

Und wir lernen on the fly, dass die Probleme in Carolina tief gehen. Sehr tief. Headcoach Matt Rhule wollte wohl eine Art Run-basierte Offense „mit mindestens 30-33 Carries pro Spiel“ sehen. Viel tiefer kann man als NFL-Coach im Jahr 2021 nicht sinken. War Joe Brady also ein Bauernopfer? Oder was sehen „Analytics“ Rhule und „Analytics“ Owner David Tepper so famoses an ihrem Plan?

3 Kommentare zu “Establish the Review – NFL Week 13

  1. Ein paar Gedanken zu Herbert und der Feldmitte:
    Zumindest bei der tiefen Feldmitte kann die Defense ganz gut entscheiden ob man da hin werfen kann oder nicht. Bei Cover 1/3 (teils auch 4) ist die tiefe Mitte einfach ganz lange dicht und wird erst ganz spät in der routenentwicklung anwerfbar – wenn überhaupt. Nicht Umsonst ist der Saban Term dafür „middle of the Field closed“.
    Man müsste also mal gegenchecken ob sich Herbert a) nicht traut, b) das playdesign/read Abfolge das Problem ist oder ob c) defenses einfach die Mitte dicht machen.

    Etwas anders sieht es mit der flache(re)n Mitte aus. Auf dem Linebacker Level braucht es vor allem Mut und die Fähigkeit Defense zu lesen…

  2. Rhule ist einfach nur noch traurig- gut dass es ein 7 Jahres Vertrag ist…

    Offense sah nun wirklich nicht gut aus und auch die Entwicklung hat nicht gepasst – kann aber halt genauso sein, dass es mit den Vorgaben von Rhule zusammen hängt- ist halt von außen schwer zu beurteilen.

  3. Ist ja jetzt auch nicht so ungewöhnlich, dass Leute mit nem Ferrari damit bloß zur Eisdiele fahren …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.