Sonntagsvorschauer 2021 – NFL Week 14

Vorschau auf den 14ten NFL-Spieltag.

Wir sind etwa zwei Wochen vor Weihnachten. Ich muss mich noch dran gewöhnen, dass das Finale der NFL-Regular-Season noch satte vier Wochen entfernt ist. Meine innere Uhr ist mit dem 18ten Spieltag ordentlich durcheinandergewirbelt worden.

Es fühlt sich auch komisch an, erst jetzt über konkrete Playoff-Clinchings zu sprechen. Aber it is what it is.

Drei Teams – Arizona (10-2), Green Bay (9-3) und Tampa Bay (9-3) – können dieses Wochenende ihr Playoff-Ticket lösen. Arizona kann es aus eigener Kraft schaffen mit einem Sieg (morgen MNF gegen die Rams). Unabhängig von der eigenen Performance ist Arizona zum ersten Mal in der Kyler/Kliff-Ära fix in den Playoffs, wenn z.B. die 49ers und Vikings verlieren.

Die Packers brauchen zusätzlich zu einem eigenen Sieg Niederlagen von Saints und 49ers. Die Buccs sind bei eigenem Sieg und Niederlagen von Saints und Panthers dabei.

Das sind die Szenarien zumindest ohne Remis. Alle weiteren gibt es hier zu finden.

Nicht clinchen, aber ihre Playoffhoffnung am Leben halten können übrigens heute auch noch die Detroit Lions, und zwar so:

Die Spiele von heute

  • Cleveland Browns – Baltimore Ravens (19h)
  • Tennessee Titans – Jacksonville Jaguars (19h)
  • Kansas City Chiefs – Las Vegas Raiders (19h)
  • New York Jets – New Orleans Saints (19h)
  • Washington – Dallas Cowboys (19h)
  • Carolina Panthers – Atlanta Falcons (19h)
  • Houston Texans – Seattle Seahawks (19h)
  • Denver Broncos – Detroit Lions (22h05)
  • Los Angeles Chargers – New York Giants (22h05)
  • Cincinnati Bengals – San Francisco 49ers (22h25)
  • Tampa Bay Buccaneers – Buffalo Bills (22h25)
  • Green Bay Packers – Chicago Bears (02h20)

Disclaimer: Text stammt von gestern Vormittag. Etwaige neueste Verletzungs-Entwicklungen sind nicht berücksichtigt.

Vor zwei Wochen lieferten sich die Baltimore Ravens und Cleveland Browns ein unansehnliches Sunday Night Game. Die Ravens schickten die Browns mit 16:10 in die Bye-Week. Cleveland kehrt aus dieser schöpferischen Pause heute zurück mit… dem Rückspiel gegen die Ravens. Nicht nur diese Ausgangslage macht das heute in der 19h-Schicht versteckte AFC-North-Duell besonders reizvoll – sondern natürlich auch das Division-Standing:

  1. Baltimore 8-4
  2. Cincinnati 7-5
  3. Pittsburgh 6-6-1
  4. Cleveland 6-6

Beide Teams qualifizieren sich ungeachtet ihres Records für den Terminus „Krisenkinder“. Die Ravens finden von zahllosen Verletzungen in Offense und Defense einfach nicht zu einer Identität und kranken jede Woche an neuen Problemen. Die O-Line ist nicht gut genug um dominantes Laufspiel durchzudrücken, im Receiver-Corps wirkt Rookie-WR Bateman immer wieder wie ein Fremdkörper, und QB Lamar Jackson hat eine Serie an unterirdischen Passing-Performances hinter sich.

Gegen die Browns interessiert heute insbesondere, wie die O-Line gegen Clevelands wuchtige Defense-Front gegenhalten kann. Ist Jackson, der gerne lange den Ball hält, wieder permanent zum Improvisieren gezwungen, ist schwer vorstellbar, dass die Baltimore-Offense ausgerechnet heute zurück in die Spur findet.

Das einzige Glück für die Ravens: Die Browns-Offense ist auch total aus dem Tritt gekommen. Auch dort waren einige Zeit zahlreiche Verletzungen in der O-Line und auf Runningback das Problem – und natürlich bei QB Baker Mayfield. Bei dem ist aber nicht ganz sicher, ob seine stagnierende Entwicklung wirklich nur an seinen Schulterproblemen hängt, oder ob er einfach einer dieser QBs ist, die am Durchbruch als verlässlicher Langzeit-Starter scheitert.

Was heute vielleicht spannend sein könnte: Kommt Baker gegen die dezimierte Ravens-Defense wieder in Schwung? Bei Baltimore fehlen nach dem Saison-Aus von CB Marlon Humphrey und drei der Top-5 Defensive Backs (die anderen sind die schon länger verletzten S Elliott und CB Marcus Peters) – wenn die Ravens schematisch bei ihrer Manndeckungs- und Blitz-lastigen Defense bleiben, dann deckt ab sofort CB4-Material die gegnerischen Top-Receiver.


Washington (6-6) vs. Dallas (8-4) könnte die Ausgangslage in der NFC East noch einmal spannend machen, weil Washington mit dem ersten von noch zwei direkten Duellen den Anschluss herstellen kann.

Inhaltlich reizt mich die Partie aber nicht wirklich. Die Cowboys-Offense hat sich in den letzten Spielen immer mehr verfahren, aber Washingtons Defense ist nicht automatisch eine gute, nur weil sie in den letzten Spielen Stotter-Offenses wie Seattle oder Las Vegas eingedämmt hat.


Auch das dritte halbwegs interessante 19h-Spiel ist ein Divisionsduell: Chiefs (8-4) vs. Raiders (6-6). Jedes kleine Kind weiß mittlerweile, wie man der Chiefs-Offense von 2021 den Zahn zieht: Mit viel Zone-Coverage und Two-High-Aufstellungen in der Defense. Damit verhindert man Big Plays und zwingt Mahomes zu methodischem Ausspielen der Drives.

Richtig „mies“ sind die Chiefs dabei nicht, denn trotz aller Interceptions, Fumbles und Drops rankt die Offense noch immer an #6 in EPA/Play und ist die beste, was Drive-Success-Rate (bzw. im Neudeutschen Series Conversion Rate) angeht.

Aber richtig gezündet hat die Offense in den letzten zwei Monaten nur ein einziges Mal. Schau selbst, wer damals der Gegner war:

Rüschtüsch. Die Raiders, die unter DefCoord Gus Bradley vor ein paar Wochen dachten, jetzt lass mal mit dem Two High Scheiß. Wir ziehen unseren Stuff durch. Ergebnis as you can see above.

Wir werden heute Abend sehen, ob Bradley aus dem Desaster gelernt hat und auf dem Wissensstand aller Hobbyscouts vor dem ersten Raider-Chiefs-Spiel angekommen ist, oder ob er aller Welt zeigen möchte, dass er doch Recht hatte.


Die anderen 19h-Spiele kommen aus der Hölle. Bei Panthers – Falcons wird Joe Bradys Nachfolger erst dann kein Messer mehr im Rücken spüren, wenn der 30te Run gecallt ist. Bei Texans-Seahawks versucht Houston mit dem zum Fixstarter ernannten Rookie-QB Davis Mills, Russell Wilson Kontra zu geben, während Wilson sich schon genötigt fühlt, im Tagesrhythmus Treueschwüre zu Seattle zu bekunden um den Abwanderungsgerüchten ein Ende zu setzen. Richtig erfolgreich ist das nicht.

Wie grausig Titans – Jaguars wird, zeigt die Tatsache, dass ein auf dem Zahnfleisch kriechendes Tennessee mit 8.5 Punkten gegen ein Jacksonville favorisiert ist, dessen Coach Urban Meyer quasi wöchentlich zu einer immer größeren Punchline wird.

Und bei Jets-Saints quarterbacken wohl Zach Wilson und Taysom Hill.


Die Spätschicht hat zumindest zwei interessante Spiele dabei.

Die ist einmal die Reminiszenz an die Achtziger mit Cincinnati Bengals (7-5) – San Francisco 49ers (6-6). Spannenderweise ist in den Spiel das Heimteam trotz des besseren Quarterbacks nur Außenseiter: Die 49ers sind über die Bengals mit 1.5 Punkten favorisiert.

Wenn wir auf die Team-Tiers schauen und uns dazudenken, dass die Bengals den einfacheren Schedule hatten, dann kann man vielleicht ein bissl nachvollziehen, warum:

Die Niners-Offense scheint ihre Krise aus der ersten Saisonhälfte überwunden zu haben und ist in den letzten Wochen bis auf einen Stolperer gegen Arizona auf durchaus respektablem Niveau unterwegs. Freilich dürfen wir nicht vergessen, dass die gespielten Defenses nicht zu den allerbesten gehörten, aber dafür waren die Niners auch nicht gerade die gesündeste Mannschaft im Skill-Corps:

Ich hatte über das Thema vor kurzem schon geschrieben, aber man kann es nur noch einmal betonen: Kyle Shanahan hat seinen Groove als Play-Caller wieder so a klein wenig gefunden. Es ist wieder eine typische Shanny-Offense.

QB Jimmy Garoppolo hat nur den 20t-höchsten aDOT und die 31t-höchste Rate an Big-Time-Throws, aber dank zahlloser Yards after Catch bringen seine Pässe die fünfmeisten EPA/Play.

Jimmy-G wirft extrem viel in die Mitte (59% Targets between the hashes sprengt fast die Skala), aber fast nie tief. Er ist gut, wenn er wie gewohnt im Rhythmus wirft, aber problematisch, wenn Druck über die Flanken kommt.

Tja, und tief geht Jimmy-G nach wie vor nur genau dann, wenn sich eine quasi sichere Anspielstation bietet – und dann trifft er Superbowl-unlike dieses Target auch mit hoher Sicherheit. Kein QB hat einen kleineren Gap zwischen Intended Air-Yards und Completed Air-Yards:

Die Niners O-Line hält besser als gedacht, und die Playmaker haben trotz aller Formkrisen und Verletzungen in der ersten Saisonhälfte mittlerweile zu sich gefunden. Am Sonntag dominierte TE George Kittle das Geschehen. Allerdings ist nicht klar, ob der fantastische Deebo Samuel heute wieder auflaufen kann.

Der Bengals-QB ist das krasse Gegenteil. Joe Burrow spielt mutig, aber fehleranfällig. Er hat mit 14 Stück die meisten Interceptions der Liga geworfen. Er wirft eher selten in die Spielfeldmitte (weniger als 40%), hat keine Angst vor dem tiefen Ball (acht-tiefste Würfe im Schnitt) und hat dem Gefühl nach einen mächtigen Sprung gemacht.

Bloß: Es hakt noch mit der Konstanz. Weil wir heute schon bei netten Passing-Charts sind, schauen wir mal auf Passing- und Rushing-EPA/Play bei den Bengals Woche für Woche. Wo wir bis auf die Ausnahme des Fumble-trächtigen Chargers-Spiels am Sonntag entgegen aller Erzählungen bemerkenswerte Bedeutungslosigkeit des Bengals-Laufspiels sehen, hängt das Schicksal der Bengals-Offense ausschließlich an der Power der Passing-Offense:

Brutal reduziert kann man die Story der Bengals-Offense an der Connection Burrow to Ja’Marr Chase erzählen. Als Chase zu Saisonbeginn und Mitte der Saison zündete und einen Big Play nach dem anderen aus dem Ärmel schnackelte, gab es Siege.

In den Spielen, in denen Chase abgetaucht ist oder wie am Sonntag sichere Touchdowns wegdroppte, war Sand im Getriebe. Saisonfazit ist für mich eigentlich schon jetzt klar: Die Bengals sind einen deutlichen Schritt weiter als letzte Saison, aber die Mannschaft ist weder gefestigt genug noch komplett genug für ganz oben.

Ich hab übrigens unter der Woche ein Goodie im PFF Podcast gehört, das mir so nicht bewusst war, das aber eine kleine Red-Flag bei Burrow ist: Seine extrem hohe Sack-Zahl trotz durchschnittlicher Pressure-Rate. Burrow hat eine Pressure-to-Sack Rate, die nicht mehr weit von denen eines Justin Fields entfernt ist:

Das Spitzenspiel des Tages ist sicher Tampa Bay Buccaneers (9-3) – Buffalo Bills (7-5). Die Bills fühlen sich freien Fall an, was vielleicht dramatisch für ein Team klingt, das 3-3 in den letzten drei Spielen gegangen ist. Aber die offensiven Probleme sind seit Wochen nicht mehr zu übersehen – und sie wurden am Sonntag auch nicht vom Wind einfach weggeblasen.

Im Gegenteil.

Wie die Chiefs hat Buffalo mit QB Josh Allen einen eher aggressiven Offense-Style, der mit Two-High-Coverages und auf Zeit spielende Defenses nicht wirklich zurecht kommt. Wie die Chiefs sind die Bills in EPA/Play nicht unterirdisch schwach: Sie sind #7 in EPA/Play. Aber es ist doch klar, dass man dieser Offense den Zahn ziehen kann.

Tampa Bay ist diesbezüglich ein interessanter Gegner. Die Buccs sind unter DefCoord Todd Bowles keins dieser Teams mit Two-High-Fetisch. Sie spielen viel Single-High, unterstützten vorne bissi gegen den Run und hoffen, Gegner mit solider Run-Defense und opportunistischer Spielweise ein paar Turnovers per Interception oder Fumble zu entlocken.

Gegen die Bills kann das ins Auge gehen, denn deren Coaches haben mehrfach gezeigt, dass sie auf „Balance“ scheißen und keine Probleme haben, Allen 40x werfen zu lassen, wenn das Matchup es verlangt.

Genau das hat übrigens am Sonntag auch der Gegenüber gemacht. Ich habe bei Buccs-Falcons nur kurz reingeschaut, vielleicht den ersten oder zweiten Drive. Ich habe nicht einen einzigen Buccs-Run gesehen. Der erste Drive bestand aus 13 Pässen. Alles Dropbacks von Tom Brady.

Und somit ist auch Bucs-Offense vs. Bills-Defense aus Play-Calling-Sicht achtbar. Die Bills laden Gegner förmlich zum Laufen ein, und die Buccs-Coaches um den oft zu konservativen OffCoord Byron Leftwich nehmen solche Einladungen immer mal wieder allzu gerne an um „Lenny“ Fournette mit Verve in eine Mauer des Schweigens zu treiben.

Bloß könnte die Bills-Defense, nach EPA/Play eine Top-3 Unit, nach dem Ausfall von CB Tre’Devious White jetzt auf Cornerback finally so kaputt sein, dass auch ein Leftwich nimmer anders kann um Brady auch gegen einen guten Gegner von der Leine zu lassen.

Ich bin bei dem Spiel also echt gespannt, wie die beiden Mannschaften das angehen werden. Die Buccs sind auf jeden Fall mit 3.5 Punkten favorisiert, aber das Ding fühlt sich so an, als könnte Allen mit der Bills-Offense da was reißen und dann von zu großer Passivität der Buccs-Playcaller profitieren.


Sunday Night Game Packers – Bears klingt nach guten Ratings. Obwohl ich die Packers in der landläufigen Meinung für etwas überschätzt halte, erwarte ich da aber kein allzu spannendes Spiel. Green Bay ist mit 12.5 Punkten vorn.

Ein Kommentar zu “Sonntagsvorschauer 2021 – NFL Week 14

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