NFL Team-Rankings vor dem Weihnachtswochenende 2021

Ein wilder Vorweihnachtsspieltag hat unser Bild von der NFL-Saison 2021 gleich viel durcheinandergeschüttelt wie präzisiert.

So haben die Tampa Bay Buccaneers mit der unterirdischen Vorstellung beim 0-9 zuhause gegen die Saints einen ordentlichen Kratzer bekommen. Tampa war so grausam schlecht, dass die Buccs-Offense, letzte Woche noch deutlich an #1 in EPA/Play weit vor allen anderen gerankt, mit nur einem einzigen Spiel hinter Green Bay auf den zweiten Platz zurückgefallen ist.

Allgemein wird immer offensichtlicher, was ich seit Wochen schreibe: Die NFC ist nicht so viel hochwertiger als die AFC. Das „High End“ der NFC ist sie etwas besser, aber die Conference ist als Gesamtpaket ähnlich undurchsichtig und wahrscheinlich insgesamt spätestens ab Mittelfeld sogar dünner besetzt.

Hier der nicht nach Schedule adjustete Graph für Offensive und Defensive EPA/Play nach den Sonntagsspielen (exklusive Monday Night Games):

Tier 1

Grob gibt uns der Graph, der bekanntlich nicht nach Schedule adjustet ist, jetzt ein recht klares Bild von der Gesamtstärke der einzelnen NFL-Mannschaften 2021. Im ersten Tier sind all die Teams, die tendenziell rechts und oben klassiert sind, mit drin:

  • Packers (11-3)
  • Buccaneers (10-4)
  • Cardinals (10-4)
  • Cowboys (10-4)
  • Patriots (10-4)
  • Chiefs (10-4)
  • Rams (9-4) (spielen heute Nacht)
  • Bills (8-6)
  • Colts (8-6)
  • 49ers (8-6)

Eventuell gehören dank des famosen QBs Justin Herbert und des fast gleich famosen Headcoaches Brandon Staley auch noch die Chargers (8-6) in dieses Top-Tier.

Das größte Vertrauen in dieser Gruppe hege ich weiterhin zu dem Team, das die Chargers am Donnerstag eigentlich hätten schlagen müssen: Die Chiefs. Sie sind mittlerweile Favorit auf den #1 Seed in der AFC, haben ihre Defense in den Griff bekommen und sind offensiv effizienter als die Optik vermuten ließe.

So ist Kansas City weiterhin die #1 in Offensive Drive-Success-Rate (oder von Moo Series Conversion Rate) getauft:

Die Chargers sind übrigens dort die #2.

Bei Tampa zweifle ich noch, allzu viel in die eine Performance am Sonntag hineinzulesen. Das gegen die Saints war natürlich gar nix, aber nicht jeder Gegner ist von Sean Payton gecoacht, der es irgendwie jedes Jahr schafft, Bruce Arians wie einen Anfänger ausschauen zu lassen. Die Buccs verlieren nun aber WR Chris Godwin für den Rest der Saison. Ob der umstrittene WR Antonio Brown, von Arians mit offenen Armen zurückempfangen (und aus sportlicher Sicht ist das nicht unverständlich), allein die Godwins Lücke nicht bloß schließen, sondern den strauchelnden Receiver-Corps wieder zurück auf 2020/21-Level hieven kann?

Hand ins Feuer legen würde ich dafür nicht.

Was der Kreuzbandriss für Godwin bedeutet, bin ich gespannt. Godwin wird Free Agent und er wird wohl keine zweite Franchise Tag sehen. Allen Robinson hatte vor ein paar Jahren ein ähnliches Szenario, als er nach ACL auf den Transfermarkt kam. Er kassierte damals 3 Jahre für 42 Mio/Jahr, also einen sehr, sehr guten Deal.

In dem ganzen Tier 1 sind die Colts vielleicht das interessanteste Team. Sie sind extrem mächtig und fassungslos gut gecoacht. Aber QB Carson Wentz hat am Samstag mal wieder gezeigt, warum man ihm einfach nicht trauen kann. Wentz hatte dank der Dominanz des Colts-Rushing-Games nur 12 Passversuche, aber satte 3 (!) davon wurden bei PFF als „Turnover-würdig“ klassifiziert.

Nach Moos Aufstellung war Wentz‘ Performance eine der schwächsten eines Winning-QBs seit Beginn der PFF-Aufzeichnungen vor über 15 Jahren:

Tier 2

Auch Tiers 2 hat mit diesen Teams Gestalt angenommen:

  • Titans (9-5)
  • Bengals (8-6)
  • Ravens (8-6)
  • Vikings (7-7)
  • Broncos (7-7)
  • Saints (7-7)
  • Browns (7-7)
  • Eagles (6-7) (spielen heute Nacht)
  • Seahawks (5-8) (spielen heute Nacht)

Nur die Seahawks fühlen sich dort etwas falsch platziert an – zumindest in der Verfassung der letzten 2-3 Wochen. Heute Nacht werden die Hawks mit B-Anzug wohl auch nicht viel ausrichten können.

Die Bengals haben an guten Tagen Tier-1-Potenzial, aber sind einfach zu wenig konstant – und so sind sie nicht ohne Grund hinter

Theoretisch sind die Bengals auf einer Linie mit den Chargers klassiert. Ich traue dem Coaching der Bolts etwas mehr – und würde im Zweifelsfall Justin Herbert über Joe Burrow nehmen.

Tennessee ist als 9-5 Team das Team mit dem besten Record in dieser Gruppe, aber wahrscheinlich das momentan in Summe schwächste von allen. Wir wussten schon, dass die Titans fake sind, als sie 8-2 waren. Seither: Drei von vier verloren, massive Probleme in allen Belangen. Jetzt bleibt bloß zu hoffen, dass die Genesung der Star-Skill-Player nicht allzu lange auf sich warten lässt, und dass diese Spieler dann auch keine lange Aufwärmphase nach dem Comeback brauchen.

Die Eagles sind vielleicht überraschend hoch. Auch sie sind etwas zu eindimensional, hatten aber an lichten Tagen extrem gute Offense-Performances. Die Saison war von Jalen Hurts wohl so gut, dass Hurts erstmal ein weiteres Jahr als Starting-QB erarbeitet hat.

Die Saints halten sich mit einer hervorragenden Defensive in diesem zweiten Tier, aber mit ihrer Offense ist es quasi unvorstellbar, dass da mehr als ein etwaiges Playoff-Upset dabei rumkommt.

Ravens und Browns sind die beiden AFC-North-Teams, die der Common-Sense wahrscheinlich einen Tick höher ranken würde, aber EPA/Play lügt nicht. Beide Teams sind durch und durch Mittelmaß, und seien wir ehrlich: Tyler Huntley war als Passer am Sonntag nicht schwächer als das, was Lamar Jackson in den letzten Wochen geboten hat.

Ich bin eigentlich am meisten enttäuscht von John Harbaughs 2-pts Conversion Management am Sonntag. Ich werde wohl hohe Erwartungen an Harbaugh hegen, aber ich hatte mir ehrlich erhofft, dass er das Ding mit den beiden Conversion auf die Reihe kriegt. Aber Harbaugh hat die falsche 2-pts Conversion ausspielen lassen.

Cool ist aber: Kurz vor Ende des Jahres 2021 können wir erstmals darüber schreiben, dass uns ein NFL-Headcoach mit so einer Entscheidung enttäuscht hat. Sowas nennt sich Fortschritt.

Tier 3

  • Pittsburgh (7-6-1)
  • Las Vegas (7-7)
  • Miami (7-7)
  • Washington (6-7) (spielen heute Nacht)
  • Carolina (5-9)

Tua war am Sonntag bei PFF nur minimal besser bewertet als Carson Wentz. Da waren schon in den ersten zwei Drives ein paar *wilde* Tua-Würfe mit drin. Bei PFF sieht Seth Galina trotzdem etwas Hoffnung – vor allem wegen der starken Performance der Man-Coverage-Defense und wegen des simplen Rest-Schedules.

Tier 4

  • Falcons (6-8)
  • Giants (4-10)
  • Bears (4-10)
  • Jets (3-11)
  • Lions (2-11-1)

Mein Schedule-Adjustment setzt die Detroit Lions fast auf eine Höhe mit den Steelers und Panthers. Möglicherweise sind die Lions als das Team mit dem momentan zweitschwächsten Record etwas überschätzt. Ich schreibe hier mal kurz meine Gedanken zu diesem „meinem“ Team nieder.

Ja, der #1 Pick ist mit dem Überraschungssieg gegen Arizona fast weg. Ich bin trotzdem nicht böse. Der #1 Pick ist extrem wertvoll, wenn es einen guten Quarterback-Prospect für die nächsten Jahre zu haben gibt. Allem Anschein nach gibt es so ein Asset im Draft 2022 nicht.

Mir war 2021 immer solange recht, solange die Lions Entwicklung zeigen und wir am Ende des Jahres von einem vernünftigen Kern ausgehend ein Grundgerüst für eine neue Mannschaft haben. Das deutet sich schön langsam tatsächlich ab.

Klar: Spiele wie jenes am Sonntag bergen die nicht zu unterschätzende Gefahr, dass die Lions-Verantwortlichen auf Jared Goff als Langzeitlösung hereinfallen. In dem Fall wäre der Coup gegen Arizona maximalster Pyrrhussieg, denn Goff hat eintausend Mal gezeigt, dass ihm nicht zu trauen ist.

Aber der ganze Rest in diesem Team ist nicht ungeil.

Dan Campbell hat mit seinem in-Game-Management bei mir einen ganz dicken Nagel im Brett. MCDC liefert mehr an coolen Calls als 90% der NFL-Coaches. Ich kann diese Zeilen noch bereuen, wenn Campbell in die Steinzeit zurückfällt, sollte es vielleicht mal tatsächlich um etwas Relevantes gehen, aber soweit sind wir noch nicht.

Campbell callt gemessen an dem, um was die Lions spielen, richtig famose Spiele (4th Downs, Suprise Onside Kicks, 2pts Conversions), und das taugt mir. Ich habe Spaß, diesem Team zuzuschauen.

DIESEM COACH ZUZUSCHAUEN.

ICH DRÜCKE DIESEM COACH DIE DAUMEN.

Das ist weit mehr als ich vor elf Monaten gedacht hätte. Wir sind an einem Moment angelangt, in dem die Entwicklung der Mannschaft im Hintergrund wichtiger ist als der Draftspot in einem Jahr, in dem man ernsthaft über einen Passrusher als #1 Pick diskutiert.

Und dort sehen wir seit vielen Wochen, wie ein paar zarte Pflänzchen wachsen. Anfangs verhinderten noch Last Second 66-yds Rekordfieldgoal von der Stange ins Netz die Früchte. Jetzt gewinnen die Lions mit kaum NFL-tauglichen Skillplayern schon überzeugend gegen ein Team, dessen QB noch vorgestern als MVP gehypt wurde und das vor zwei Wochen noch Favorit auf den #1 Seed der NFC war.

Tier 5

  • Jaguars (2-12)

Zweimal gegen die Texans verloren, ein Wahnsinn an Schlechtigkeit, aber all das reicht nicht, um auch nur in Sphären der Houston Texans in EPA/Play über die Saison zu ranken.

Tier 6

  • Texans (3-10)

Und daran sieht man, wie unterirdisch die Texans eigentlich 2021 sind. Dass sie schon drei Siege geholt haben (und ausgerechnet gegen die Patriots einen vierten hätten holen können), ist eigentlich ein Treppenwitz und Symbol wie bizarr diese Saison verläuft.

Ein Schedule-Adjustment würde den Gap zwischen Texans und dem Rest der NFL nur weiter vergrößern – und Houston eher in ein „Tier 7“ verschieben als in eine den Jaguars ähnliche Region.

Abschluss von NFL Week 15

Uns steht eine NFC-Kampfnacht bevor. Beide Spiele finden parallel um 1h statt:

  • Los Angeles Rams (9-4) – Seattle Seahawks (5-8)
  • Philadelphia Eagles (6-7) – Washington (6-7)

Rams – Seahawks ist hergerichtet für allerlei Kontroversen, nachdem die Partie vom Sonntag auf Dienstag geschoben wurde, weil die Rams einen Covid-verspreadeten Locker-Room hatten. Jetzt haben wir Dienstag, und jetzt sind die Seahawks durchseucht.

Noch haben die Rams mehr Ausfälle. Aber mehr als eine Handvoll Spieler kann sich heute Nacht noch freitesten, während die Richtung bei den Hawks in die genau gegensätzliche geht. Die Aufstellung der gestern noch „gesperrten“ Spieler gibt es bei SB Nation. Es kann also noch alles passieren…

…wir überhaupt bei Rams-Seahawks seit Jahren alles passieren kann. Schon die Jeff-Fisher-Rams haben Russell Wilson in der Blüte der Seahawks-Dominanz mehr als einmal zur Verzweiflung gebracht. Jetzt treten die Rams auf alle Fälle mit dem negativ getesteten CB Jalen Ramsey an, und wenn der die einzige ernsthafte Waffe der Hawks, WR DK Metcalf, kontrollieren kann, dann wird ein Upset richtig, richtig schwer.


Philly – Washington ist grob umrissen wie ein Ausscheidungsspiel, welcher NFC-East-Teilnehmer noch ins Rennen um die letzte NFC-Wildcard eingreifen kann. Der Gewinner hält grob 1/3 bis 2/5 Playoff-Chance, der Verlierer fällt auf unter 10%.

Kurz zusammengefasst haben die Cowboys und Packers das Ticket gelöst und die Tampa Bay Buccaneers, Arizona Cardinals und Los Angeles Rams über 99% Chance. Dahinter halten die 8-6 49ers grob eine 80%ige Playoffchance und sind überwältigender Favorit auf die zweite Wildcard (Restprogramm: @Titans, Houston).

Favorit auf den letzten Platz sind momentan mit ca. 45% die Saints (7-7), dann kommen mit etwa 30% die Vikings (7-7). Der Sieger aus Eagles-WFT wird auch 7-7 sein und schiebt sich mit ca. 35% – 40% Chance zwischen dieses Duo. Das impliziert zumindest der 538-Kalkulator, der zwar nicht die allerhöchste Kunst der Playoffrechnerei ist, aber das momentan einzige verfügbare mir bekannte Instrument zum selbst Klicken.

Eagles-WFT ist wie Rams-Hawks wegen des Omikron-Ausbruchs in Washington auf heute Nacht verschoben worden. Washington bleibt auch heute extrem dezimiert und muss nicht bloß auf sieben Assistenzcoaches verzichten, sondern auf das halbe Starting-Lineup. Gerade in der D-Line ist man auch nach der gestrigen kurzfristigen Aktivierung von DL Matt Ioannidis noch immer nur mit einer B-Truppe unterwegs, was sich ganz schlecht macht gegen eine Eagles-Offense, deren größte Stärke Power-Rushing mit zahlreichen QB-Options hinter einer mächtigen Offensive Line ist.

Ich sehe ehrlich gesagt nicht, wie Washington da gegenhalten soll – und schaue dabei noch nichtmal auf andere Mannschaftsteile wie QB (wo alle drei Top-Optionen gestern noch auf der Covid-Liste waren) oder Receiver.

4 Kommentare zu “NFL Team-Rankings vor dem Weihnachtswochenende 2021

  1. Die Drive Success Rate müsste aber auch etwas anderes sein als die Series Conversion Rate oder? Ersteres misst den Anteil an erfolgreichen Drives insgesamt, zweiteres die Rate an Downs welche zu einem neuen First Down konvertiert werden (wie konstant werden die „Ketten bewegt“)?

  2. Nein ist das gleiche außer dass Moo die Conversions noch auf die Downs ausweist und vielleicht FO und Moo nicht die gleichen Drives ausschließen.

  3. Stimmt, gerade bei FO nachgelesen, my bad!
    Sollte ich nächstes Mal vielleicht gleich machen anstatt hier Blödsinn zu verbreiten.. 😑

  4. Die Lions machen wirklich Spaß, Dan Campbell ist vielleicht kein COTY Kandidat, aber was er mit dem Team gemacht hat ist echt beachtlich. Vielleicht ist er ja doch der Richtige 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.