Match die Offense: Wie geht das mit der Pattern Read Cover 3 Defense?

Die eine Hälfte der NFL dreht wegen Analytics am Rad, die andere wandert fröhlich auf die Covid-Liste (gestern über 20 Positiv-Tests). Seit gestern übrigens auch das Gesicht der NFL Antiwaxxer, Cole Beasley, der damit fürs erste 10 Tage unschädlich gemacht wird.

Zeit für uns, mal auf etwas Spieltaktisches zu schauen.

Defense ist das Schlagwort der laufenden NFL-Saison – und so lass uns kurz vor Weihnachten mal wieder in die Reihe Football erklärt kramen und einige schematische Besonderheiten herausarbeiten. Heutiges Thema ist die Pattern-Read Cover 3 Defense – in kurz: Match Cover 3 Defense.

Ich übergebe das Wort wieder an Alexander Brink.


Nachdem wir die Ideen von Pattern Match Coverage beleuchtet haben und dabei den Spot kursorisch über ein paar Beispiele gelenkt haben, schauen wir heute einmal etwas intensiver auf eine Coverage, nämlich auf Cover 3 und insbesondere auf Nick Sabans Ausprägung davon (RIP/LIZ).

Receiver Nummerierung

CB = Cornerback, Ni = Nickelback/Slot-Defender, M = Middle Linebacker, W = Weakside Linebacker, FS = Free Safety, SS = Strong Safety

Zunächst einmal aber wieder einige Grundlagen. Bei allen Pattern Read Konzepten werden die Receiver nummeriert:

  • Entweder von 1-5 von der Strongside zur Weakside (oder in umgekehrter Reihenfolge)
  • Oder wie im obigen Bild von 1-3 auf der Strongside und 1-2 an der Weakside (Strongside ist dabei die Seite, auf der sich der Tight End aufstellt)

Darauf basierend werden die Verteidiger zugeordnet. Das ähnelt einer Man Coverage. Allerdings orientiert man sich bei Pattern Match nicht an der Aufstellung vor dem Snap, sondern wie das obige Bild bereits andeutet an der Routenentwicklung.

In der Praxis führt dies zu einer „No Cover Zone“, einem Bereich im Spielfeld von etwa 5 Yards, beginnend an der Line of Scrimmage (je nach Down and Distance) in denen die Receiver ihre Routen laufen dürfen und erst dann greift die Zuordnung. Das bietet den Vorteil, dass Rub Routes, (Routen, bei denen ein Receiver versucht den Weg für einen anderen freizublocken) oder Crossing Patterns wesentlich weniger effektiv sind, einfach weil die Defense nicht darauf reagieren muss.

Schauen wir uns als nächstes einmal die Aufgaben der einzelnen Positionen in Match Cover 3 an, beginnend mit dem Cornerback.

Die Aufgaben des Cornerbacks

Der Cornerback kann nur sehr schwer Press-Coverage spielen, weil er die tiefe Zone verteidigen muss. Außerdem ist jede Hilfe zur inside route weit entfernt. Weil außen der Spielfeldrand eine Hilfe ist, stehen die Cornerbacks meist innen vom Receiver und einige Meter weit weg (off coverage).

WR geht tief = CB spielt Mann. Grundsätzlich spielen sie eine Manndeckung, wenn der Receiver tief geht. Das ist relativ logisch: Der Outside-Receiver bringt sie in ihr tiefes Drittel, wo es kaum weitere Verteidiger gibt. Es ist mehr oder weniger in jeder Cover 3 gleich: Auf tiefen Routen (z.B. Go Route) ist sie de facto Manndeckung.

WR geht nicht tief = CB spielt Zone. Geht der Wideout allerdings nicht tief, läuft beispielsweise eine Slant, dann droppt der CB in sein tiefes Drittel und wartet auf den nächsten Receiver, der in seine Zone läuft. Somit werden so genannte „Chair“ oder „China“ Konzepte, bei denen der Slot-Receiver tief geht (bspw. auf die Corner-Route), ineffektiv.

Hier denken wir an die oben eingeführte Nummerierung: Zieht der Wideout (Outside-Receiver) nach innen und der Slot tief nach außen, wird der Slot die „Nummer 1“ (da er am Ende der Route außen läuft).

Das macht auch Double-Moves ineffizient. Denken wir an Slant/Corner, dann wird klar, dass dadurch der Cornerback beim Nach-Innen-Ziehen des Receivers auf die Outside wechselt und ins tiefe Drittel geht und damit der Receiver den ganzen Zinnober betreibt, nur um am Ende doch wieder beim CB zu landen.

Kommt allerdings kein Receiver in sein tiefes Drittel, dann kann der Cornerback auch mit dem Outside-Receiver mitgehen; dadurch wird unter anderem die mögliche Routenkombination der Double Post Route kontrollierbar. Wichtig dabei ist, dass der Cornerback immer genug Tiefe hat um alles was in sein tiefes Drittel kommen könnte abzufangen.

Die Aufgaben des Slot-Verteidigers

Also: Die Aufgabe von Outside-Linebacker, Nickelback oder Safety. Wer auch immer der Gegenspieler des Slot-Receivers ist, priorisiert die Seam-Route, zwingt den Slot-Receiver durch stumpfes Im-Weg-stehen zu reagieren und geht so lange tief mit, bis ein Offensivspieler in der Flat auftaucht.

Hier differieren die Ausprägungen von Match Cover 3 tatsächlich, also nicht wundern, wenn das im Detail einmal anders aussieht. Allgemein wird aber 1st to flat gespielt, es wird also auf den ersten Receiver in der Flat reagiert. Das kann ein Runningback aus dem Backfield sein, genauso wie der Slot Receiver, der Wideout oder ein Crosser von der anderen Seite.

Der Verteidiger reagiert aber nur auf die Flat, wenn auch tatsächlich ein Receiver dort auftaucht. Das ermöglicht ihm, falls dem nicht so ist immer mehr Tiefe unterhalb von 1 und 2 zu erlangen und alle Comebacks zu verteidigen. Geht der 2er Receiver nach innen, wird er an den Inside Linebacker übergeben und man orientiert sich an den Wideout.

Die Aufgaben des Middle Linebackers

Die Middle Linebacker verteidigen die „final 3“, also den Spieler, der am Ende in der Spielfeldmitte auftaucht. Das kann eine 10&in sein, genauso wie eine Curl des TEs oder aber sie gehen mit der Seam mit, der Go Route des 2er Receivers.

Das ist dann auch ein kleiner Knackpunkt von Match Cover 3, denn dass ein Linebacker einen Slot tief in der Seam verteidigen muss, ist nicht unbedingt ein ideales Matchup, auch wenn es Safety Hilfe over the top gibt. Hier gibt es innerhalb der Match Cover 3 viele Variationen – einige davon sind Man-Coverage-lastig.


Match Cover 3 = Hybrid aus Cover 3 und Cover 1


Grundsätzlich kann Match Cover 3 gut als Hybrid aus Cover 3 und Cover 1 verstanden werden. Immer, wenn die Offense versucht die Lücken in Cover 3 zu attackieren, verwandelt die Defense in Man Coverage, und immer wenn die Manbeater ausgepackt werden ist es magisch wieder eine Cover 3 (also Zone).

Schwachstellen von Match Cover 3

Damit aber zu den Schwachstellen.

#1 Oben hatte ich es schon genannt: Dass die Linebacker Verantwortung für die Seam haben, ist ein Matchup Problem.


#2 Ebenso kann es außen kritisch werden. Hier kann es passieren, dass ein Elite WR ein 1vs1 nach dem anderen gegen einen mittelmäßigen CB läuft – nicht ideal.


#3 Und dann besteht noch das Problem mit kurzen Routen des Wideouts. Wir erinnern uns, der CB ist immer „over the top“. Das hilft gegen tiefes Passspiel, erschwert aber die Verteidigung der Comeback-Route.

Eventuell muss der äußere Cornerback in Match Cover 3 besonders viel Tiefe gewinnen für den Fall, dass der Slot-Receiver tief geht.  Für den Flat-Defender wiederum ist der Weg weit bis zum Receiver.

Deshalb spielen einige Teams Spezialvarianten von Match Cover 3. Die Seahawks haben in ihrer Blütezeit beispielsweise kein wirkliches Match gespielt, sondern „Buzz“ technique. Das heißt: Der Flat-Defender liest nicht, sondern sprintet mit dem Snap in die Flat-Zone. Trade-Off dieser Aktion: Der Inside Linebacker muss die Beine in die Hand nehmen um zum 2er Receiver zu kommen.

Anyhow: Besonders problematisch sind Konzepte, bei denen beide Receiver kurze Routen laufen, weil der CB out of position ist um ein Play zu machen und der Flat-Defender gleichzeitig beschäftigt ist.


#4 Letzter Knackpunkt ist die Kommunikation. Fehleranfällig wird das ganze System immer dann, wenn schwierige Entscheidungen anstehen: Tauschen die Receiver 5.5 Yards tief – ist das dann noch „No Cover Zone“ oder nicht? Wie wird mit dem Runningback umgegangen? Entscheidend ist, dass die Verteidiger alle auf die gleiche Art und Weise die Offense lesen. Didaktisch ist das eine Herausforderung. Misslingt die Kommunikation auch nur für einen Spielzug, laufen gerade in der NFL in Windeseile meterweit offene Receiver über das Feld.

Im nächsten Teil geht es dann um die sagenumwobene Rip/Liz-Coverage von Alabamas Trainerlegende Nick Saban, eine Art Spezialvariante des oben Geschriebenen.

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