Der verzweifelte Kampf der alten Garde gegen die neue Zeit im College Football

Dass bekannte College-Footballer ihre Bowl-Games aussitzen, hat sich in den letzten Jahren zu einer netten Tradition entwickelt. Dem Haupt-Broadcaster ESPN schmeckt das natürlich nicht.

Und so ist es wenig überraschend, dass ein völlig fertig wirkender ESPN-Frontman Kirk Herbstreit mit seinem Compagnon Desmond Howard in der „GameDay“ Folge heute Nachmittag mal wieder die Moralkeule von wegen „die heutige Jugend liebt Football nicht mehr“ und „diese Spieler wollen nicht competen“ und so weiter ausgepackt haben.

Die Argumentation dieser alten Garde war so bezeichnend wie vorhersehbar:

Herbstreit ist ein Angestellter von ESPN. ESPN braucht Quote – schwierig, wenn die Spieler gecheckt haben, wo der Public noch hinterherhinkt: Das eh korrupte Bowl-System ist quasi wertlos geworden. Viele Spieler mit NFL-Ambitionen riskieren allenfalls noch für die College-Playoffs ihre für den Draft-Scouting-Prozess so wichtige Gesundheit und lassen andere die Knochen hinhalten, damit sich irgendwelche Bonzen in der Provinz die Taschen vollstopfen können.

Die College-Football-Postseason ist nicht nur deswegen kaputt, weil auch die gestrigen beiden Playoffspiele Langweiler epischen Ausmaßes waren. Dinner for One war spannender als die Kantersiege von Alabama und Georgia auf dem Weg zum zweiten reinen SEC-Duell im National Championship Game innerhalb von fünf Jahren.

Sie ist auch deswegen kaputt, weil alle anderen Bowls als Jux mit Freundschaftsspielcharakter längst Muster ohne Wert geworden sind, oft gecoacht von Interimstrainers in halbleeren Stadien ohne jedwede Relevanz auf das finale Ranking. Möglichkeiten, sein Talent zu zeigen, gibt es anders als früher heute quasi jede Woche während der Regular Season – die Übertragungsquote von FBS-Spielen liegt jenseits der 95%.

Spieler, die die Bowl-Season aussetzen, haben ein besseres Gespür für Business als Old-Schooler wie Herbstreit oder Howard, die mit ihrer alteingesessenen Meinung keine qualifizierten Experten mehr sind, um den College Football der heutigen Zeit zu erklären.

Oder wie hat es Michael McCann heute so schön gesagt: Wären die Spieler Angestellte, könnte man ihnen einen Opt-Out mit Pönalen untersagen. Aber die Spieler sind Studenten, und das System weigert sich auch nach Gewerkschaftskämpfen und NIL-Deals, sie als Angestellte anzuerkennen. Und als Studenten machen sie das, was Studenten eben so machen: Sie bereiten sich auf die Arbeitswelt (ergo: professionellen Football) vor.

4 Kommentare zu “Der verzweifelte Kampf der alten Garde gegen die neue Zeit im College Football

  1. Der College-Football ist dem europäischen Fußball ähnlicher als die NFL: letztendlich geht es um Konzentration auf wenige Teams, weil der Markt ziemlich ungezügelt zu Werke gehen darf und Größe belohnt.
    Diese Teams schaffen sich dann ihre Wettbewerbe, die darauf angelegt sind den Status Quo zu zementieren. Ich persönlich mag Mannschaftssport, wenn er geschickte Manager, gute Coaches und Mannschaften mit Teamgeist belohnt – Klopps erstes Meisterteam in Dortmund, Eberl in Gladbach, Cincinnati in den College Playoffs. Ob das jetzt kommerziell ausgeschlachtet oder verwertet wird ist mir erstmal egal. Bei vielen aktuellen Entwicklungen geht es aber eben wegen der Vermarktung darum, diese Momente aus dem Sport zu nehmen. Wenn da keine neuen Ideen kommen wird sich das System in 20 Jahren überlebt haben.

    Aber bevor die NFL als bessere Welt erscheint: Im professionellen Football gab es diesen Effekt einfach schon in den 50ern und 60ern, niemand kommt an der NFL vorbei nachdem AFC und NFC ihre Kräfte gebündelt haben. Eine ähnliche Entwicklung sehe ich aktuell für College und europäischen Fußball.

  2. haben sich diese Dinosaurier eigentlich auch so aufgeregt als Coaches mitten in der Saison fürs Geld den job gewechselt haben? und das sind Erwachsene mit $$$ aufm Konto und erwatung langer zukünftiger Karrieren nicht Teenager die vielleicht genau 1 Vertrag für $ unterschreiben werden.

  3. Der Ole Miss QB Matt Corrall der bei einigen als möglicher 1. Rounder gehandelt wird, hat sich gestern übrigens beim Bowl Game verletzt, so viel zu dem Thema they don’t care.

  4. Pingback: Sonntagsvorschauer – NFL Week 17 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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