Samstagsvorschauer – NFL Week 18

Heute Abend beginnt der letzte Spieltag der heurigen NFL Regular Season. Es gibt zwei Spiele. Beide haben mittelhohe Relevanz.

  • Denver Broncos – Kansas City Chiefs (22h30)
  • Philadelphia Eagles – Dallas Cowboys (02h15)

Broncos – Chiefs

22h30 schließen die Broncos und Chiefs ihre Regular Season. Für das letzte Woche ausgeschiedene Denver geht es um nichts mehr – aber Kansas City kann mit einem Sieg seine Chance auf den #1 Seed noch zumindest bis morgen aufrechterhalten (wenn Tennessee dann verliert, wären die Chiefs #1) bzw. auf jeden Fall den #2 Seed fixieren.

Der #2 Seed ist im aktuellen Playoff-Setting nicht mehr so viel wert wie früher, als er noch eine spielfreie Playoff-Woche bedeutete. Dafür ist der #1 Seed umso wertvoller.

Ich erwarte, dass die Chiefs ernst machen und in voller Montur auflaufen werden. Über die letzten Wochen hat Kansas City seine größten Probleme gefixt und war zuletzt wieder die Offense-Walze früherer Tage. Gegen Defenses vom Schlage der Denver Broncos – viel 2 high, viel Zone-Coverage, wenig Blitzing – hatte Patrick Mahomes in seiner Karriere am ehesten Probleme, aber zuletzt gab es wieder diese Momente, in denen nicht mal mehr das half.

Mahomes hat entgegen dem allgemeinen Narrativ in dieser Saison nicht mehr Fehler gemacht als in vorherigen Jahren: Seine Rate an Turnover-würdigen Plays ist mit 2.7% praktisch identisch mit jener der letzten drei Jahre. Aber er hat nur 3.5% Big-Time-Throws gemacht. Das ist in etwa die Hälfte der letzten drei Jahre.

Am Narrativ, dass viel Zone-Defense, viele two-high-Aufstellungen und viele Coverage-Defender durch wenig Blitzing Mahomes zu vergleichsweise konservativem Play reduziert haben, ist was dran. Die Chiefs-Offense hat 2021 schlicht kürzere Pässe geworfen als in den Jahren zuvor, wie die Entwicklung seines aDOT zeigt:

  • 2018: 9.6 Air-Yards/Pass
  • 2019: 8.5 Air-Yards/Pass
  • 2020: 8.5 Air-Yards/Pass
  • 2021: 7.8 Air-Yards/Pass

Auffällig ist, dass Mahomes deutlich weniger tiefes Passspiel bringt. Seine Rate an 11% Deep-Shots (über 20 Yards downfield) ist zwar in etwa gleichgeblieben wie letztes und vorletztes Jahr, aber Passspiel mit Anspielstation über 10 Yards das Feld runter ist deutlich zurückgegangen:

  • 2018: 35.7% Pässe über 10 Yards downfield
  • 2019: 32.7%
  • 2020: 33.6%
  • 2021: 28.4%

Im Vergleich zu den letzten Jahren hat Travis Kelce eine kleinere Rolle in der Chiefs-Offense gespielt. Kelce hat rund 3% weniger Target-Share (er war heuer nur in 22.1% der Chiefs-Pässe die Anspielstation), und ist deutlich kürzer angespielt worden als in den letzten Jahren. Dort lag sein aDOT immer um die 9 Yards. Heuer: 7.5 Air-Yards pro Pass. Kelce hat dank Yards after Catch pro Catch in etwa gleich viele Yards gemacht wie früher, aber weil er offenbar deutlich weniger Routen gewinnt, hat er viel weniger Bälle gesehen und damit zum ersten Mal seit sechs Jahren weniger als 2 Yards pro Route erzielt.

Lässt Kelce mit 32 Lenzen langsam nach? Oder ist es das von Seth Galina beschriebene Timing-Problem? 3% weniger Targets klingt nicht nach viel, aber im Schnitt sprechen wir von ca. 1 Anspiel weniger pro Spiel.

Performance-Check Travis Kelce (Daten: PFF)

JahrTarget%aDOTYAC/CatchYards/CatchYards/Route
201825.8%9.35.713.02.24
201924.0%9.14.212.42.15
202025.2%8.95.413.12.59
202122.1%7.56.312.41.91

Ähnliches gibt es beim anderen Superstar-Receiver der Chiefs zu vermelden: Tyreek Hill. Auch hier: Niedrigerer aDOT als früher, aber hier auch niedrigerer YAC. Hill ist in der heurigen Offense wohl auch dank der nachlassenden Form bei Kelce viel mehr Bälle gesehen als früher (26.6% Target-Share), aber pro Catch nur 11.2 Yards gemacht. Für den besten Deep-Threat in der NFL ist das ein niedriger Wert.

Performance-Check Tyreek Hill (Daten: PFF)

JahrTarget%aDOTYAC/CatchYards/CatchYards/Route
201824.2%15.95.716.62.44
201917.7% (*)11.94.714.32.25
202023.0%12.95.614.72.27
202126.6%11.04.111.22.15

(*) 2019 verpasste Hill ein paar Spiele.

Die Chiefs vermissen nach wie vor wirklich verlässliche Waffen hinter dem Spitzen-Duo. Die Konsorten Pringle oder Robinson haben sich in den letzten Wochen zwar erfangen, aber ihnen voll zu trauen scheinen weder Mahomes noch Andy Reid.

Folge: Mahomes hat als Folge die niedrigsten Yards/Pass seiner Karriere und die niedrigste EPA/Play, und die Chiefs laufen Gefahr, nach drei #1 Seeds hintereinander zum ersten Mal schon in der Wildcard-Runde antreten zu müssen.

Mahomes Yards/Pass und EPA/Play pro Saison:

JahrNY/AEPA/Play
20188.10.35 (#1)
20197.80.33 (#1)
20207.50.30 (#3)
20216.90.21 (#2)

Die Broncos laufen dagegen Gefahr, nächstes Jahr mit neuem Headcoach anzutreten, denn Vic Fangio soll einer der ersten Entlassungskandidaten sein. Dass freilich weniger die Defense das Problem war, sondern die seit Jahren ungelöste Quarterback-Baustelle, will in der Ownerschaft niemand hören.

Aber ich kann verstehen, dass der letztes Jahr installierte GM George Paton „seinen“ Guy als neuen Headcoach will. Paton ist der GM, der im letzten Draft mit zwei QBs am Board (Justin Fields, Mac Jones) einen Cornerback gedraftet hat. Dass seine erste Saison im Nirvana endet, darf niemanden überraschen – im Sommer hatte ich geschrieben:

Die Denver Broncos sind am Arsch.

Und das ist schade, denn der Kader dieser Mannschaft gäbe einiges her. Aber nach einer völlig bizarren ersten Offseason unter dem neuen GM George Paton wird Denver zum Case-Study „wie weit kommt man in der NFL 2021 mit Quarterbacking vom Bodensatz?“.

Wir kennen die Antwort bereits.

[…]

Selbst wenn Bridgewater besser spielt als letztes Saison, ist das was Denver diese Offseason gemacht hat das schlimmste was man in der NFL tun kann: Den Weg ins Mittelmaß anstreben.

Manchmal gehen auch „einfache“ Saison-Prognosen in die Binsen. Im Fall Broncos 2021 nicht. Fields‘ Rookiesaison in Chicago war schwach genug um Paton fürs erste für diese spezielle Entscheidung ein bisschen aus dem Kreuzfeuer zu nehmen, und Mac Jones muss erst noch beweisen, langfristig viel mehr als ein Game-Verwalter zu sein.

Aber Paton muss wissen: Quarterback is King. Kriegt Denver die Position nicht in Griff, ist auch jeder Headcoach-wechsel für die Fische.

Eagles – Cowboys

Nachtspiel ist Eagles – Cowboys. Es geht nicht um sonderlich viel. Beide sind für die Playoffs qualifiziert. Dallas kann in Freak-Szenarien mit einem Sieg noch hoch auf #2 springen, aber in ca. 95% der Simulation wird es für die Cowboys der #4 Seed.

Philly wird entweder #6 oder #7. Vieles wird davon abhängen, ob die 49ers morgen gewinnen oder verlieren, denn Philly gewinnt den Tie-Breaker auf 9-8 gegen die Saints, aber verliert den Tie-Breaker auf 9-8 gegen die 49ers.

Dass also ausgerechnet die Ansetzung den prominenten US-Primetime-Spot bekommen hat, ist nur mit TV-Ratings zu erklären.

Ich weiß nicht, ob Dallas voll spielen wird. Wenn ja, dann hat ein PFF-Analyst gestern eine interessante Grafik gepostet, die zeigt, wie QB Dak Prescott Probleme mit „Coverage-Rotations“ in der Secondary hat: Ohne Rotation ist Prescott super-effizient. Mit Rotation… eher weniger:

Das deckt sich mit dem Eindruck, den Prescott in den letzten Monaten und Jahren vermittelt hat: Sind alle Waffen fit und der Game-Flow intakt, kann Prescott wie zu Saisonbeginn Defenses serienweise in Schutt und Asche spielen. Aber wenn nicht, dann reicht Prescott einfach nicht ganz an die Elite der NFL-QBs heran.

Wir merken uns also fürs erste für die Playoffs: Prescott, dem der Erfolg unbedingt zu vergönnen ist – schließlich wurde sein Potenzial lange nicht erkannt und dann verletzte er sich inmitten von hitzigen Vertragsdiskussionen schwer, ehe er das Geld trotzdem bekam – braucht stabile Infrastruktur.

Sicher ausfallen tut heute LT Tyron Smith. Der Mann ist auf der Covid-Liste.

Ebenso dort gelistet: EDGE/LB Micah Parsons.

Parsons ist der haushohe Favorit auf den Preis des Defensive Rookie of the Year, und er war lange Kandidat auf den Defensive Player of the Year. Dort hat er mit den 21.5 Sacks von T.J. Watt wahrscheinlich knapp verloren, aber das ändert wenig an dem herausragenden Impact, den der eigentlich als Off-Ball Linebacker gedraftete Parsons in der Cowboys-Defense hatte. Parsons hat grob nur 55% seiner Snaps als Box-Linebacker gespielt. Rund 40% stand er als echter Edge-Rusher an den Flanken. Herausragend hat er in beiden Rollen gespielt.

Seine 67 Pressures und 14 Sacks sind jeweils Top-10 Werte. Seine 53 Defensive-Stops sind Top-5 Wert. Dazu hat Parsons die beste Passrush-Win-Rate der ganzen NFL und 3 forcierte Fumbles. Einen viel besseren All-Around-Defender gibt es in der NFL nicht.

Parsons war auch deshalb so vital, weil die Cowboys die ganze erste Saisonhälfte auf EDGE Demarcus Lawrence verzichten mussten. Sein Einsatz als Edge-Rusher war eigentlich nur aus dieser Not heraus geboren und könnte sich langfristig als extremer Gewinn herausstellen. Mit ihm, Lawrence, Randy Gregory, Osa Odighizuwa und Konsorten haben die Cowboys eine Top-5 Pressure Rate trotz nur durchschnittlicher Blitz-Rate verzeichnet.

Das ist ein extrem wichtiger Aspekt der Cowboys-Defense, die heuer als #1 nach EPA/Play rankt, aber nur die #21 in aufgegebenen Yards/Pass ist. Anders: Die Boys geben viele Yards auf, aber lassen wenige Punkte zu.

Die beiden wichtigsten Faktoren dabei: Pressure/Sacks und Turnovers. Dallas hat allein 25 Interceptions gefangen (zwei mehr als jedes andere Team) und 8 Fumbles recovert. Die 33 Turnovers dieser Defense sind gleichauf mit den Colts die meisten in der NFL.

Phillys Offense wäre dagegen ein spannendes Matchup, denn die Iggles spielen eine der untypischeren Offenses der Saison. Nur Tennessee hat mit 54% Dropback-Quote noch etwas weniger Passspiel gecallt als die Iggles. Und sie sind erfolgreich. Sie sind eins von fünf Teams in der NFL, das positive EPA/Run erzielt.

Als Passer ist QB Jalen Hurts freilich noch nicht über jeden Zweifel erhaben. Wenn beide Units in Bestbesetzung gegeneinander spielen würden, hätten wir hier ganz geilen „Clash of Cultures“: Ein scrambelnder Hurts, der lange den Ball hält um Deep-Shots zu nehmen und dabei trotzdem wenige Sacks kassiert, gegen die Big-Play-Defense der Cowboys.

Allein: Ich bin mir nicht sicher, ob es dazu heute Nacht kommt.

7 Kommentare zu “Samstagsvorschauer – NFL Week 18

  1. Kann man Daniel Jones nicht als „Kann ganz gut improvisieren, aber ist ist sonst ganz schön schlecht“ interpretieren?

  2. Was ich an der Grafik merkwürdig finde: rotieren bringt nix (!!). QB sind genauso gut in epa/play mit oder ohne Rotation. Also keinerlei Verwirrung produziert… (annahme: rot gestrichelte Linien sind durchschnitte)

  3. @ahmser:
    Vlt ein wenig zu pauschal- immerhin 0.01 Abweichung und vor allem eben eine ganze Reihe von qbs die schlechter werden.
    Bei Mahomes würde ich es gerne nutzen wollen.

    Aber insgesamt hätte ich mir auch mehr erhofft

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