Der Kommentar zum Auftakt im NFL-Trainerkarussell 2022

Das NFL-Headcoach-Karussell ist gestern mit mehreren Entlassungen in Schwung gekommen: Vier Cheftrainer wurden dem Arbeitsmarkt zugeführt.

Die einzelnen Fälle und GMs behandle ich gleich. Vorab nur die Info, dass auch Detroits OffCoord Anthony Lynn gefeuert wurde. Lynn passte nicht mehr in das Konzept von Dan Campbell.

Es war ein Abschied auf Raten, denn schon seit Woche 11 hatte Campbell das Playcalling von Lynn übernommen. Mit In-Season-Splits ist immer aufzupassen, aber seit Campbell die Plays callt, hat sich die Lions-Offense von #31 auf #17 in EPA/Play verbessert – ohne allerdings besonders viel passlastiger geworden zu sein.

In welche Richtung es jetzt gehen soll, ist noch nicht ganz klar. Campbells erste Saison hat insgesamt eher positive Reaktionen hervorgerufen, und es waren ein paar Aspekte in seiner Arbeit, die echt Mut gemacht haben. So ist das Team nicht auseinandergefallen, obwohl es mehr als die Hälfte der Saison ohne Sieg geblieben war – und so war Campbell einer der aggressivsten Coaches in 4th Downs.

Freilich wissen wir damit noch immer nicht, was Campbell als „Team-Builder“ draufhat – und ob er seinen aggressiven Stil im In-Game-Management auch beibehalten wird, wenn es mal wirklich um die Wurst und nicht nur um die Goldene Ananas geht. Aber die ersten 12 Monate unter MCDC waren auf jeden Fall besser als befürchtet.

Dass die letzten 12 Monate besser als befürchtet waren, kann man nicht von jedem Headcoach behaupten, wie die folgende Aufstellung beweist.

Denver Broncos

Headcoach Vic Fangio wurde schon am Sonntag gefeuert. Meine Verschwörungstheorie für Denver lautet jetzt, dass GM George Paton sehr wohl wusste, warum er im April keinen Quarterback gedraftet hat. Er wollte „seinen eigenen Headcoach“ einstellen, und das lässt sich nun mal am einfachsten mit Losing-Seasons vom Vorgänger begründen.

Fangio hatte keine Chance, mit zweitklassigen Quarterbacks irgendwas zu reißen. Er hatte in drei Jahre keine Winning-Season, ging 19-30, während seine Quarterbacks Drew Lock, Joe Flacco oder Teddy Bridgewater lauteten.

Fangio und Paton sollen sich nicht verfeindet gegenübergestanden haben, aber die Broncos spielen in der gleichen Division wie Patrick Mahomes und Justin Herbert, und werden langfristig nur dann Land sehen, wenn sie nicht ihre Offense in den Griff kriegen. Von daher erwarte ich als nächstes einen Headcoach mit Offense-Hintergrund und QB-Suche mit Nachdruck.

Zu Fangio: Bauernopfer. Seine Zeit als Headcoach ist nicht vernünftig zu bewerten, denn mit einer der konstant schlechtesten Quarterback-Situationen kannst du in der NFL nix von deinem Coach erwarten. Freilich war die Defense dann auch nicht dominant genug um an dieser Stelle Elogen auf Fangio zu schreiben und seine Entlassung zu verdammen.

Am Ende hatte Fangio einfach Pech. Sollte er sich mit über 60 Lenzen nochmal irgendwo als Headcoach bewerben, sollte er drauf achten, dass die QB-Situation gesettelt ist. Wenn nicht, dann ist er bestimmt einer der besten DefCoord-Kandidaten, denn „seine“ Two-High-Defense macht in der NFL momentan weit verbreitet Schule.

New York Giants

Es gab gestern noch einige Verwirrung um den Verbleib von Giants-Headcoach Joe Judge. Die letzten Infos deuten darauf hin, dass Judge tatsächlich bleiben darf, auch wenn die Owner-Familien Mara/Tisch noch keine Bestätigung dessen rausgelassen haben.

Bleibt Judge Giants-Headcoach, ist auch nicht mehr heikel, was eine Qualifikation zum NFL-Headcoach betrifft, denn viel weniger Argumente als Joe Judge für eine Anstellung als NFL-Headcoach kann man an diesem Zeitpunkt nicht mehr anbieten.

Judge ist ein an diesem Punkt der Geschichte ein Joke – und das kein guter.

Den ehrenvollen Abgang schon hinter sich hat GM Dave Gettleman, der seinen Rücktritt aus freien Stücken selbst verkünden durfte. Ich hab die Figur Gettleman in den letzten Jahren ganz sachte zu schätzen gelernt. Einmal dafür, weil er trotz aller gegenteiliger Evidenz so strikt an seinen altertümlichen Vorstellungen festhielt, dass er damit auf komikhafte Art wieder wunderbar in die heutige Zeit passt.

Und dann natürlich, weil „sein Weg“ uns zeigte wie eine Mannschaft ausschaut, die Analytics nicht bloß missachtet, sondern aktiv verspottet. Gettleman hat eine 19-46 Bilanz als GM eingefahren und in Judge einen der übelsten Headcoaches der gegenwärtigen NFL eingestellt.

Fazit: Einen viel schlechteren Job als Dave Gettleman bei den Giants kann man nicht machen. Aber mit „Siehe Dave Gettleman“ hat er uns die Standardantwort auf alle Hater geliefert, die unsere Zeilen mit dem Verweis verbrennen, dass die da drüber schon etwas besser wissen wie man eine Footballmannschaft baut.

Gettlemans Vermächtnis ist auch, einen extrem unattraktiven Posten zu hinterlassen. Die Giants haben zwar zwei 1st Rounder im nächsten Draft, aber eine trübe QB-Situation, einen dead man walking auf Headcoach, eine schlechte Cap-Situation und eine Ownerschaft, die Werte schätzt, die zuletzt in den Vierziger Jahren gefragt waren.

Chicago Bears

Headcoach Matt Nagy und GM Ryan Pace wurden gestern gefeuert. Das war die kleineste Überraschung des Tages.

Pace war einer der wenigen GMs, die in Punkto Schlechtigkeit an Dave Gettleman heranreichten, wenn auch auf eine komplett andere Art und Weise. Wo ein Gettleman einfach jede noch so unwichtig gewordene Old-School-Argumentation heranzog, um das Verschleudern von horrenden Gehältern für Defensive Tackles oder Top-Draftpicks für Runningbacks zu begründen, stand Pace in anderen wichtigen Aspekten des Managements total neben den Hufen.

Gettleman z.B. tradete im Draft fast nie. Pace dagegen war ein Meister des Up-Trades. Er verkaufte Haus und Hof für jeden Prospect, an dem er einen Narren gefressen hatte. Pace ist auch einer der wenigen GMs, der es geschafft hat, nach einer kapitalen Quarterback-Fehlentscheidung (Mitchell Trubisky über Patrick Mahomes und Deshaun Watson zu draften und dafür auch noch einen Up-Trade zu bezahlen) eine Chance auf einen zweiten QB zu bekommen (natürlich nicht ohne teuren Up-Trade).

Pace verkaufte zwei 1st Rounder für ein Jahr dominante NFL Defense angeführt von Khalil Mack. Das war 2018 – das eine Jahr, das Bears-Fan rund um den Globus die Sinne vernebelte, weil es trotz horrendem Quarterbacking in die Playoffs führte (wo man gegen Nick Foles mit 15 Offense-Punkten ausschied). Danach verrannte sich Pace in die „one piece away“ Falle und den Irrglauben, Trubisky mit Investitionen in die Infrastruktur fixen zu können.

Konnte er natürlich nicht. Nix ist gefährlicher als ein QB-Bust, der gerade genug Potenzial andeutet, dass Naivlinge noch an ihn glauben.

Ok, eins schon: Die Kombination aus einem solchen QB-Bust und einem Naivling auf GM. Ein Paar wie Trubisky und Pace.

Pace machte mehr Fehler als das. Der Nick-Foles-Trade war einer der gröbsten Böcke der Corona-Offseason, und Pace machte alles nur noch schlimmer, als er den einstigen Superbowl-MVP Foles mit einem fetten Vertrag ausstattete um ihm zum notwendigen Standing zu verhelfen.

Pace hinterlässt einen ausgebluteten Kader, aber immerhin auch einen jungen Franchise-QB-Prospect in Justin Fields, der genug Hoffnung angeboten hat um es mit ihm nochmal ein Jahr zu versuchen.

Nagy war Kollateralschaden. Nagy ist schwer zu bewerten, denn mit Konsorten wie Trubisky, Dalton und Foles in einer an Ressourcen dezimierten Offense kannst du keine Wunderdinge erwarten. Angeblich sollen die Bears-Offenses besser geworden sein, als Nagy das Playcalling an OffCoord Bill Lazor abgab. Ob man ihm solche Einsicht positiv oder negativ auslegen sollte? I don’t know. Fix ist nur: Das Problem #1 in Chicago war bestimmt nicht Nagy.

Nagy/Pace waren letztes Jahr lame ducks. Sie konnten sich nicht bloß nicht retten, sondern reihen sich nun in eine mittlerweile recht lange Riege an lame ducks ein, die quasi direkt nach der Einberufung eines Rookie-QBs gefeuert wurden.

Ich kann nicht behaupten, dass ich das schlecht finde. Für Nagy und Pace war Justin Fields einzig und allein Instrument auf dem Weg zum Joberhalt. Der Moment, an dem Führungspositionen nur noch an den eigenen Stuhl denken, ist der späteste Moment, an dem ein Führungswechsel zwingend ist.

Was ist eigentlich der Benefit, solche krassen lame ducks zu behalten?

Minnesota Vikings

Headcoach Mike Zimmer und GM Rick Spielman sind gemeinsam gefeuert worden. Die Trennung war auch hier alternativlos, auch wenn Zimmer/Spielman einen wesentlich besseren Job gemacht haben als ihre Kollegen in Chicago.

Welches Regime auch immer die Nachfolge übernimmt: Es wird einen Weg finden müssen, sich so schadlos wie möglich von QB Kirk Cousins zu trennen. Cousins ist die zweitgefährlichste Art Quarterback (nach dem teuren QB-Bust mit genug angedeutetem Potenzial): Er spielt unter Veteran-QB-Contract, hat helllichte Momente mit brillanter Effizienz, reicht aber nicht konstant an Top-10 Level heran.

Anders: Cousins ist der Weg schnurstraks ins NFL-Fegfeuer. Zu gut um den Tankjob einzuleiten. Zu instabil um wirklich oben anzugreifen.

Die Vikes sind im Anschluss an die magische Saison 2017 dem Trugschluss zum Opfer gefallen, dass ein guter Durchschnitts-QB sie over the top und straight in den Superbowl bringen würde. 

Zugegeben: Eine 13-3 Saison mit Qualifikation fürs Conference Finale ist kein einfacher Moment um einen kompletten Umbruch zu wagen. Die NFL ist als Gesamtkonstrukt nicht dafür gemacht, solche Umbrüche zu belohnen – zumindest nicht mit Jobsicherheit derjenigen, die sie einfädeln.

Zimmer & Spielman haben unter dieser Prämisse im Rahmen ihrer Möglichkeiten ganz gute Arbeit geleistet: Spielman hat über Jahre gut gedraftet und die besten Talente langfristig an die Mannschaft binden können. Zimmer hat exzellente Defenses aufs Feld geschickt, die Grundstein für mehrere Playoff-Runs waren. Die Vikings von Zimmer/Spielman haben zwei Divisionstitel in acht Jahren in der NFC North mit Aaron Rodgers gewonnen und waren nie schlechter als 7-9.

Aber sie haben zu oft non-Premium-Positionen teuer verlängert und sich zu sehr an einen „sicheren“ Floor geklammert anstatt mit Mut nach den Sternen zu greifen.

Letztlich symptomatisch bzw. entscheidend an ihrem Scheitern war ihr Handling der Quarterback-Position. Sie haben Ressourcen investiert (Bridgewater-Einberufung im Draft, Bradford-Trade, Cousins-Vertrag), aber blieben glücklos. Manche Fehler waren einfacher vorherzusehen (Bradford & Cousins), andere weniger (Bridgewater galt in vielen Kreisen als exzellenter Prospect, ehe er sportlich enttäuschte und sich dann alle Bänder im Knie riss).

Weil Zimmer schon über die ganzen letzten Jahre nicht mehr den Eindruck machte, einer größeren Offense-Revolution mit Wohlwollen gegenüberzustehen, ist die Trennung jetzt unvermeidlich.

Jetzt braucht es ein mutiges und unbelastetes Regime. Eines, das keine Angst hat, den Laden auseinanderzunehmen und nicht mit Blick 2022, sondern 2024 zu denken. Cousins kann kein Teil der Lösung sein – sein Abgang ist der Anfang, nicht das Ende. Der Vikes-Owner war in meiner Zeit als NFL-Fan allerdings noch nie einer, der für allzu originelle Spassetten zu haben war, insofern bin ich erstmal vorsichtig pessimistisch.

Miami Dolphins

Der Schocker des Tages war die Entlassung von Headcoach Brian Flores. Das hatte wirklich niemand kommen sehen, und entsprechend waren gestern auch die Reaktionen, die irgendwo zwischen Unverständnis, Wut und Rassismus-Vorwürfen oszillierten (NB: Auch Grier ist Schwarzer).

Flores zu feuern ist in der Tat ein kurioser Move, denn bei allen Problemen im gescheiterten, groß angelegten Dolphins-Umbruch schien Flores das geringste zu sein.

In Flores‘ erstem Jahr trat Miami mit kaum NFL-tauglichem Kader an, aber die Mannschaft fiel trotz 0-7 Start nicht auseinander, sondern holte im Gegenteil am Ende eine 5-11 Bilanz, die zu gut war um sich die Rechte am erhofften #1 Pick zu sichern.

Damit ging den Dolphins Joe Burrow verloren, aber als sie an der Reihe waren, lag das ursprüngliche Ziel des Tank-Jobs noch auf dem Servierteller: Tua Tagovailoa. Den draftete Miami schließlich auch, und Tua bekam als Rookie auch erste Einsätze. Sagen wir so: Er hätte dabei glücklicher aussehen können.

Was die Auftritte der Dolphins-Offense von 2020 so brutal machte, waren die Momente, in denen der „andere“ QB Ryan Fitzpatrick aufs Feld kam. Fitzpatrick versuchte Pässe, an die Tua nichtmal dachte, und Fitzpatrick musste immer wieder die Kohlen aus dem Feuer holen und Miami aus Löchern herausziehen, die Tua gegraben hatte.

Eine solche Situation muss extrem unangenehm für einen Headcoach sein. Du musst dein Rookie-Investment validieren und gleichzeitig dem Team den Willen zum Gewinnen verkaufen – Flores versuchte beides simultan, auch wenn ihm die Tua-Offense sichtlich widerstrebte. Ich fand damals, dass Flores diese Situation insgesamt ordentlich gelöst hat – wenn auch kommunikativ immer etwas zugeknöpft.

Miami ging 10-6 und verpasste die Playoffs nur knapp. Es war wie schon im Jahr davor eine Bilanz, die die wahren Kräfteverhältnisse der Mannschaft nicht korrekt wiedergab. Das Team hatte erneut „overachieved“. Das ist nicht nett, wenn wir über „wahre Stärke“ einer Mannschaft reden – aber ein dickes Lob für den Coach.

Die heurige Saison war die ernüchternste. Miami ging nach 1-7 Start noch 9-8, aber es war kein 9-8, mit dem man sich wohlfühlen kann. Aber wiederum fühlte sich Flores nicht als das Problem an. Seine Defense performte einigermaßen anständig – der Knackpunkt war die extrem limitierte Offense.

Flores ging in drei Jahren 24-25. Keine Bilanz für Luftsprünge, aber gemessen an den Umständen doch mehr als okay, und so dürfen wir nicht in Flores‘ Performance-Check stöbern, wenn den Grund der Entlassung suchen, sondern müssen die einzige alternative Erklärung geben: Es war ein Machtkampf, und der nicht als begnadeter Kommunikator bekannte Flores hat ihn verloren.

Die Rede ist von massiven internen Verwerfungen mit dem GM und dem QB. Owner Stephen Ross, der wohlgemerkt seine Geschäfte nicht vor Ort in Miami abwickelt, sondern unterm Jahr in New York residiert, fühlte wohl, dass eine der Parteien gehen musste – und wählte im Coach das oftmals schwächste Glied.

Vielleicht hat Flores den Machtkampf aber auch verlieren wollen. Flores wollte Tua schon Mitte der Saison durch Deshaun Watson ersetzen, und wenn wir die moralischen Bedenken einer solchen Verpflichtung mal ausklammern, wer will ihm diesen Move verdenken? Zu viele Headcoaches sind – siehe Minnesota, siehe Denver – schon gescheitert, weil sie suboptimales Quarterback-Play durchschleifen mussten. Und ohne Aussicht auf eine vernünftige QB-Lösung tickt für einen Headcoach in der NFL immer die Zeit.

Das Fehlen der „richtigen“ QB-Lösung zieht immer weitere Kollateralschäden nach sich. Im Dolphins-Fall z.B., dass Flores auf der Suche nach Schadensbegrenzung in drei Jahren drei verschiedene Offensive Coordinators verschliss (eigentlich sogar vier, denn heuer waren es deren zwei). Das Rad hätte sich wahrscheinlich so weitergedreht.

Das spannende am „Fall Flores“ bzw. „Fall Dolphins“ ist ja: Burrow war 2020 zwar weg, aber als die Dolphins an #5 Tua drafteten, hätten sie auch noch einen anderen QB am Board gehabt, der in manchen Kreisen extremen Hype bekam, landläufig aber als extremes Risiko galt: Justin Herbert.

Manchmal kannst du mit einer einzigen falschen Entscheidung praktisch alles zerstören, was du ansonsten an guter Arbeit leistet. Interessant dabei: Letztverantwortlich für jenen Pick war nicht Flores, sondern GM Grier – also der Mann, der jetzt den Machtkampf gewann. Das Einschlagen eines QB-Picks ist immer mit einer gehörigen Portion Glück verbunden, weswegen es in der Retrospektive immer schwierig ist, auf die Handelnden von damals draufzuhauen.

Aber in der vorgeblichen „Meritokratie“ NFL liest sich das Statement zur Flores-Entlassung des Dolphins-Owners schon sehr merkwürdig:

Als Nachfolger wurde gestern ebenso schnell Jim Harbaugh (Michigan) gehandelt wie diese Gerüchte von Dolphins-Seite dementiert wurden. Dass die Personalie Harbaugh mit einem Dementi vom Tisch ist oder erstmal aus politischen Gründen (Rooney Rule) platziert wurde, bleibt abzuwarten, doch lass mich den einen Gedanken noch loswerden: Wie attraktiv ist eine Franchise, in der der Mann, der für die schlechten Rahmenbedingungen letztverantwortlich war, bleiben darf, während derjenige, der aus der Situation noch das beste machte, der Axt zum Opfer fällt?

Ein Mann vom Format eines Harbaugh, der schon in San Francisco einen lauten Machtkampf verlor (und wo die Owner heute wissen, dass sie den falschen Mann rausgeworfen haben), wird deutlich machen, unter welchen Umständen er in ein solches Haifischbecken (bzw. Delfinbecken, harhar) wechselt: Grier würde seinen Platz fast sicher verlieren.

Es bleibt also echt abzuwarten, welche Richtung diese Mannschaft jetzt einschlagen wird. Oder auch, was aus Tua wird (Watson wird wohl nicht mehr dorthin gehen, Flores soll der Hauptgrund gewesen sein, warum Watson dorthin gehen wollte).

Um Flores würde ich mir keine Sorgen machen. Er dürfte vernünftige Angebote bekommen – sollte aber wählerisch sein. Viele Headcoaches bekommen einen zweiten Job, aber kaum welche einen dritten, und Flores hat um den Wert von Top-Quarterbacking gelernt. Houston wurde schnell kolportiert, weil Houston = Caserio/Easterby = Flores/Patriots Connection. Ich hab keine Ahnung was mit so einem Gerücht anzufangen – einen Watson würde auch er nicht mehr in Houston halten können, und viel mehr haben die Texans nicht anzubieten.

Flores hat definitiv besseres als das verdient.

Zusammenfassung

Flores und Fangio fühlen sich wie Bauernopfer an, und zumindest Flores ist ein absoluter Schocker, weil ich seine Arbeit in Summe gemessen an den Umständen doch deutlich positiv bewertet hätte.

Bei Zimmer/Spielman war es einfach Zeit. Bei Pace/Nagy fühlt sich der Rauswurf ebenso unvermeidlich wie nachvollziehbar an.

Wir haben also momentan fünf offene Headcoach-Posten (Broncos, Bears, Vikings, Dolphins, Jaguars), einen möglichen sechsten (Raiders, wo ein Interimstrainer coacht) – und dann gibt es auch noch Gerüchte in Houston, wo David Culley unter Umständen gehen muss.

Und wir haben drei offene GM-Posten (Bears, Vikings, Giants).

8 Kommentare zu “Der Kommentar zum Auftakt im NFL-Trainerkarussell 2022

  1. Ich kann einfach nicht verstehen, wie Matt Rhule nicht auf der Straße sitzen kann. Das ist doch reine sunk cast fallacy.

    Es ist ja nicht so, dass es nur die analytics sind, die er nicht hinbekommt, da sind auch genug konventionelle Argumente:
    – der bizarre Zeitpunkt für die Brady Entlassung
    – schlechter record in beiden Jahren – mit 7gameloosing streak am Ende
    – nach der Brady Entlassung ist die offense keinen deut besser geworden
    Es wird keine Verantwortung übernommen
    – letztes Jahr werden schlechte FA oliner überbezahlt nur um jetzt überraschend festzustellen, dass es ein großes invest in die line benötigt…
    – cap Management
    – qb handling
    – Fans und Lokalpresse stehen auf den Barrikaden
    – die Demontage von Franchise Ikone Newton- gleich mehrfach (Newton durfte die letzten beiden Spiele jeweils genau einen snap spielen; komischerweise nicht ein 4&1 ander goal line…)
    -Vetternwirtschaft (wobei das Inder nfl fast normal ist)

    Alles keine Totschlagargumente, aber in Summe ergibt es einen Trainer der für einen schnellen Umbruch geholt wurde, aber nach zwei Jahren noch kein Stück vorwärts gekommen ist, der mit den Mechanismen und Gepflogenheiten der Liga nicht vertraut ist und der nicht wirklich den Eindruck macht eine gute Führungskraft zu sein.

    Und dann kommt noch dazu wie er zu Analytics steht.

  2. Ich habe ja etwas Angst dass – sollte Pete Carrol in Rente gehen – Zimmer da Nachfolger wird.

  3. Bei den Gerüchten um Harbaugh in Miami gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt: Stephen Ross ist Alumnus der University of Michigan und hat der Uni wohl schon mehr als eine halbe Milliarde Dollar gespendet. Unter anderem daher kamen auch die Gerüchte um Harbaugh, aber Ross ließ verlauten, dass er Harbaugh liebe, aber dass er nicht derjenige sein wird, der Michigan Harbaugh wegnimmt. In dieser Klarheit klingt das glaubhaft, wenn es den Gedanken doch gäbe, würde man das sicherlich anders formulieren, zumal es mit Ross‘ gut dokumentierter inniger Beziehung zu Michigan auch nochmal mehr Sinn ergibt.

    Ist aber natürlich auch ein zweifelhaftes Signal an die eigene Organisation, wenn man deutlich macht, dass man sich im Zweifelsfall eher für die Alma Mater als für das Franchise entscheidet.

  4. Mit der Joe-Judge-Entlassung ist nur noch ein Coach im Amt, der sich in den letzten zwei Jahren nicht für die Playoffs qualifiziert hat: Matt Rhule.

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