AFC Wildcard Preview: Buffalo Bills – New England Patriots

Lass uns das nächste der Wildcard-Games previewen. Bengals-Raiders hatte ich schon gestern in der Vorschau. Heute folgt das Saturday Night Game mit zwei Divisionsgegnern aus der AFC East: Buffalo Bills – New England Patriots (ab 02h15 heute Nacht). Die Partie haben wir in der abgelaufenen Saison schon zweimal gesehen.

Und nur eins von den beiden hat unter „normalen“ Bedingungen stattgefunden – nämlich das zweite, als Bills-QB Josh Allen das Spiel in Foxboro komplett in die eigene Hand genommen und dominiert hat um den letztlich entscheidenden Sieg zum Divisionsgewinn zu holen. Dank dieses Siegs haben die Bills heute Heimrecht.

Das „Windspiel“ von Buffalo hatten die Bills dagegen Anfang Dezember noch verloren – wenn auch eher unglücklich. Es war die Partie, aus der wir eigentlich nur mitnehmen konnten, dass Bill Belichick wenn nötig nach wie vor in die Extreme geht – und dass er eventuell seinem QB Mac Jones dann doch noch nicht uneingeschränkt vertraut.

Wenn die Patriots den Ball haben

Die Pats spielen eine auf vielen old school-Prinzipien aufgebaute Offense: Es gibt viel Laufspiel der Geschmacksrichtung „hartes Power Rushing“, recht wenig fancy Zone-Running, der Quarterback ist als Game-Manager mit nur gelegentlichen Deep-Shots verantwortlich dafür, den Ball bloß nicht unnötig herzugeben.

Das Playcalling ist konservativ (Belichick ist unter den Coaches mit den wenigsten 4th Downs) und auf Field-Position-Game ausgerichtet. In den besten Momenten in dieser Saison, als die O-Line dominierte, die Receiver-Rädchen ineinandergriffen und Rookie-QB Jones am oberen Ende seiner Leistungsfähigkeit performte, sahen die Patriots damit eine zeitlang aus wie ein echter AFC-Contender.

Aber in den letzten Wochen ist das alles dann doch eine Spur harziger geworden. Jones ist dann doch nicht so super-präzise wie angenommen (vier der letzten sechs Spiele mit weniger als 75% Adjusted Completion Rate), hält den Ball mittlerweile deutlich länger (vier der letzten sechs Spiele über seinem Saisonschnitt von 2.6 Sekunden pro Snap) und hat das „Ceiling“ der Offense dann doch beträchtlich gedeckelt.

Im Prinzip ist New England mit einer Ball-Control-Offense einigermaßen abhängig vom Game-Skript: Können sie ihren risikolosen Stiefel runterspielen, weil das Laufspiel die Early-Downs gewinnt, Jones die gröbsten Böcke vermeidet und ihre Defense gut gegenhält, sind die Pats ein durchaus gefährliches Team. Aber mit schnellen oder größeren Rückständen gehen sie nicht wirklich gut um.

Das Gute für die Pats: Buffalos Defense ist nicht wirklich für diesen Stil Offense gebaut. Buffalo spielt recht gerne seichte Boxen und viel Zone-Defense um das Passspiel zu stoppen – sie wurden gebaut um Patrick Mahomes zu stoppen, nicht Rhamondre Stevenson oder Damien Harris. Die D-Line ist voll von starken Passrushern mit suspekter Run-Defense. Ihre Linebacker sind rangy, aber mit Ausnahme von vielleicht Matt Milano nicht wirklich an soundem Tackling interessiert.

Das Gute für die Bills: Run-Defense lässt sich im Schnitt leichter fixen als Pass-Defense, weil man „einfach“ ein paar Ressourcen mehr an die Line stellen muss. Man würde Jones das Werfen damit erleichtern, aber in der Form der letzten Wochen ist das vielleicht sogar etwas, das man als Defense will.

Die Bills haben auch das Glück, dass New Englands Offensive Line in den letzten Wochen nicht den ganz dominanten Eindruck machte, den es braucht um einen Gameplan mit 25-30 Carries wirklich kompromisslos durchzuziehen – und heute fällt OT Isaiah Wynn aus.

Sollten die Pats zum Werfen gezwungen werden, wird vieles über den TE Hunter Henry und über die WRs Jakobi Meyers (121 Targets) und Kendrick Bourne (2.0 Yards/Route) gehen. Diese drei Jungs haben keine weltbewegenden Stats, aber Henry ist mit seiner Physis ein unangenehmes Matchup und Meyers ist ein richtig guter Separator. Zweifellos haben sie alle das Potenzial, um gegen eine Bills-defense ohne CB1 Tre’Devious White Nadelstiche zu setzen. Aber im Normalfall ist die Bills-Coverage flink und diszipliniert genug um sich von einer nur durchschnittlichen Passing-Offense nicht komplett eiskalt erwischen zu lassen.

Wenn die Bills den Ball haben

Die Bills-Offense 2021/22 ist Josh Allen, Josh Allen und Josh Allen. Allen nach seiner sensationellen Saison 2020 von der erwarteten Regression eingeholt worden, aber weil praktisch alle Konzepte dieser Mannschaft über ihn laufen, ist er trotzdem ein Dreh- und Angelpunkt, wie es selbst für QBs im Jahr 2022 nicht die Regel ist.

Allen hatte heuer satte 724 Dropbacks (mit 51 Scrambles) und hat dort noch einmal 71 designte QB-Runs oben draufgelegt. Allen hat als Passer zwar nur 6.3 NY/A zustande gebracht, aber als Runner macht er viele seiner 6.3 Yards/Carry nach dem Erstkontakt und ist mit insgesamt 0.18 EPA/Play trotzdem die #8 aller QB.

Buffalos O-Line ist shaky, weswegen Allens designtes Laufspiel in manchen Spielen quasi als Ersatz für das Standard-Rushing-Game fungiert. Schön ist das nicht immer – aber zumindest haben die Bills mit der Methode heuer die meisten schwachen Gegner im Schedule früher oder später an die Wand gespielt, und konnten in einigen kritischen Spielen (wie eben dem Spiel in New England) souverän den notwendigen Gang hochschalten.

Also: Die Bills-Offense ist nicht „stabil“. Sie hat kein überzeugendes Deep-Passing-Game, weil sie ähnlich wie Kansas City noch keine 100%igen Antworten gegen die abwartenden Two-High-Defenses gefunden hat. Aber mit WR1 Stefon Diggs hat sie eine verlässliche #1 Waffe (Diggs ist z.B. 14x im zweiten „Rückspiel“ angespielt worden, und auch wenn sein Privatduell mit CB J.C. Jackson nur remis ausging, so hat er trotzdem wichtige Plays gemacht).

Als #2 fungieren je nach Verfügbarkeit Emmanuel Sanders oder Gabriel Davis (Sanders könnte eventuell wieder fit sein), die beide um die 60 Targets gesehen haben. Und als #3 ist Slot-WR Cole Beasley nach einer wechselhaften Saison rechtzeitig zu den Playoffs wieder zurück.

Die Pats-Defense hat in Allen in Woche 16 ihren Meister gefunden, aber war ansonsten in den meisten Spielen in dieser Saison recht verlässlich. Ihre starke Front gegen den Run wird gegen die Bills, die eh nicht gut laufen, wohl nicht den „normalen“ Nutzen bringen, aber dafür hat man eine variable Pass-Coverage um CB1 Jackson – und natürlich den besten Schemer der Liga in Belichick.

In den meisten Fällen ist diese Defense in der Lage, sich an den Gegner anzupassen, auch wenn der maue Passrush ein Problem bleibt. Matt Judon hat eine schwache Saisonschlussphase hinter sich und DT Christian Barmore wird wenn, dann limitiert spielen.

Ausblick

Die Bills sind mit ca. 4 Punkten favorisiert, wohl weil sie die insgesamt potentere Offense haben, die dank des physischen Wunders Allen einen oder zwei Wege mehr hat die notwendigen Plays herauszugrinden.

Im Normalfall ist das ein „Bills game to lose“. Aber in Spielen, in denen die Bills auf beiden Seiten der Lines physisch dominiert werden, reicht Allen allein nicht aus. Die Bills werden dann eindimensional, pressen, begehen unnötige Strafen und Special-Teams-Bolzen und lassen einfache 4th Downs fallen.

Mit Blick auf die heurige Saison war es schwierig zu prophezeien, wann diese „schlechte“ Version auf den Plan tritt – es ist sogar gegen Jacksonville passiert! Definitiv aber ist die Chance höher, dass es gegen ein trockenes, physisches Team wie die Pats passiert.

Das Wetter soll kalt sein, aber nicht windig. „Kalt“ mag sogar eine Untertreibung sein: NFL Weather spricht von 4° Fahrenheit, was etwa -15° Celsius entspricht. Mit der leichten Brise soll es runter auf -20° Celsius gehen. Das ist dann schon Definition von „saukalt“.

Üblicherweise ist Wind der viel wesentlichere Faktor in der Beeinflussung von Standard-NFL-Gameplans, aber bei solcher Kälte ist es dann schon extrem schwer, seinen Level wie unter Normaltemperaturen zu halten.

Temperaturen und Covid-Bürokratie sollen auch verantwortlich dafür sein, dass die Bills, die eines der rabiatesten Publikume haben, unter der Woche Probleme hatten, das Stadion vollzukriegen.

In Summe ist das eines der offeneren Spiele des Wochenendes. Buffalo ist zurecht favorisiert und würde wahrscheinlich 6 von 10 Spiele auf neutralem Boden für sich entscheiden. Aber wir wissen nicht so genau, wie die Teams auf die eisigen Temperaturen reagieren, und außerdem sind beide nicht stabil genug, um für sie die Hand ins Feuer zu legen.

Ein Kommentar zu “AFC Wildcard Preview: Buffalo Bills – New England Patriots

  1. Pingback: AFC Wildcard Playoffs 2021/22 im Liveblog: Buffalo Bills – New England Patriots | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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