Nachwehen vom Wildcard-Sonntag | Preview Rams-Cardinals

Kurzer Nachklapp zu gestern, bevor es mit einer Preview des letzten Wildcard-Spiels von heute Nacht (Rams – Cardinals) weitergeht.

Tampa Bay – Philly 31:15. Es gibt nicht viel zu schreiben: Die Eagles hatten einfach von Beginn an keine Chance gegen einen personell überlegenen Gegner, der aber längst nicht perfekt spielte. Bei den Eagles wird die Offseason jetzt spannend: Man hat drei 1st Rounder zwischen den Picks #15 und #19, was eventuell einen QB-Pick triggern könnte, denn eine so positive Entwicklung Jalen Hurts genommen hat: Dieses Spiel hat dann auch gezeigt, wie weit Philly noch von einer Top-Offense entfernt ist.


Dallas – San Francisco 17:23. Über das Spiel kann man mit gutem Gewissen schreiben: „Es war spannend.“ Aber qualitativ war das doch ein enttäuschender Kick. Es waren nicht nur die unendlichen Strafen auf beiden Seiten, die immer wieder Plays zurücknahmen.

Es war auch eher lauwarme Offense auf beiden Seiten (beide QBs waren nicht so recht in Form, der einzige Superstar, der sich Lobeshymnen verdiente, war Deebo Samuel) – und vor allem: Es war ein Hosenschiss von Playcalling auf beiden Seiten. Mike McCarthy brauchte ewig um sich trotz großem Rückstand zu 4th Downs bzw. einem Punt Fakes zu überwinden. Wenn er dann mal soweit war, folgten Sequenzen wie die hier:

Kyle Shanahan kickte kurze 4th Downs zum Fieldgoal und hatte am Ende keine Eier, den entscheidenden 4th Downs über 1 Yard (!) auszuspielen.

Das war „weak ass“.

Noch weaker waren die Cowboys am Ende des Spiels. Dak Prescott machte ein echt schwaches Spiel und war downfield so gefährlich wie feuchtes Toastbrot. Der allerletzte Snap war dann an Absurdität kaum zu übertreffen, als Prescott mit nur 14 Sekunden auf der Uhr selbst mit dem Ball loslief, zu Boden ging, und dann den Ball an den eigenen Center statt an den Ref übergab.

Die NFL-Regeln, die besagen, dass ein Referee den Ball vor dem Snap berühren muss, führten dazu, dass sich einer der Zebras damit durch das Getümmel wursten musste, was die entscheidenden Sekunden bis zum Auslaufen der Uhr kostete. Dallas bekam keinen finalen Shot in die Endzone mehr. Die CBS-Übertragung der letzten Sekunden mit einem schockierten Tony Romo sind einfach magisch:

Die Refs deklarierten das Ende des Spiels und verschwanden im Tunnel. Die Cowboys-Spieler wurden beim Rauslaufen übelst von den eigenen Fans beschimpft, was Prescott in der Pressekonferenz nachher zu einem Rant gegen die eigene Fanbase anstachelte.

Auf die Frage dagegen, was er davon hielte, dass die Anhänger auch so mit den Refs umgegangen waren, antwortete Dak:

“Credit to them then. Credit to them.”

Prescott was then given the opportunity to clarify his response.

“If they weren’t (throwing it) at us and the fans felt the same way as us, and if that’s what they were doing it for, then yeah,” Prescott said. “I guess that’s why the refs took off and got out of there so fast. So, I mean, yeah, I think everybody was upset about the way that this thing played out, and as I said, I’m sure a fan would be the same if it was the same way that we do.”

So sehen schlechte Verlierer aus. Das war eine miese Performance der Cowboys, die trotz Super-Einzelspieler ihre Offense gegen eine in der Secondary wirklich nicht furchteinblößende 49ers-Defense einfach nicht in Gang bekamen. Das fällt auf Prescott zurück – aber auch auf OffCoord Kellen Moore und natürlich auf McCarthy.

Jerry Jones wird sich das nicht länger anschauen. Ehrlicherweise erwarte ich jetzt den Rauswurf McCarthys.


Kansas City 42, Pittsburgh 21. Joa. Das ist dann in etwa so gelaufen wie gedacht. Die Steelers-Offense war nichts anderes als erbärmlich und doch führte Pittsburgh nach 20 Minuten Leerlauf plötzlich 7-0, weil T.J. Watt einen gefumbelten Hand-Off bei einem Chiefs-Trickplay zum Touchdown returnierte.

Das war gleichzeitig der Wachmacher für die schlafwandelnden Chiefs, die zwischen Mitte Q2 und Anfang Q3 innerhalb von nur 11:35 Minuten vier Touchdown-Drives auflegte. Mahomes war plötzlich scharf wie eine Rakete, forcierte sogar hie und da mal wieder tiefe Pässe, aber im Großen und Ganzen war es einfach ein Viertel lang eine fast perfekte und vor allem auch sehr komplette Vorstellung der Chiefs-Offense, die zeigte, warum man sie in keinem Moment unterschätzen darf.

Danach war’s gegessen. Roethlisberger geht jetzt in Rente als einer der besten QBs der letzten 15 Jahre, aber auch als einer, den der Schatten der Vergewaltigungsvorwürfe nicht mehr loslässt. Aus sportlicher Sicht hätte Big Ben sich und allen anderen wahrscheinlich die letzten beiden Saisons ersparen können, denn es hat die Steelers eher zurückgeworfen als nach vorne gebracht. Wenn man die leblosen Carries von Najee Harris anschaut, dann kann man eigentlich nix Gutes über das Management der Steelers in den letzten 12 Monaten mehr sagen.

Spielplan Divisional Playoffs

Heute Nacht findet noch das letzte Wildcard-Spiel statt, zu dem ich gleich komme. Der Spielplan für das nächste Wochenende (22.-23.01.2022) steht aber schon:

Samstag 22h30 Tennessee Titans – Cincinnati Bengals
Sa/So 02h15 Green Bay Packers – San Francisco 49ers

Sonntag 21h Tampa Bay Buccaneers – Rams/Cardinals
So/Mo 00h30 Kansas City Chiefs – Buffalo Bills

Das muss doch einfach leckerer werden als dieses schwache Wildcard-Weekend.

Heute Nacht: Los Angeles Rams – Arizona Cardinals

Die NFC West gilt in Fachkreisen als die uneingeschränkt beste Division in der NFL. Ich glaube, sie wird schon seit längerem überschätzt. Es gibt kein richtig schwaches Team, aber auch kein wirklich überzeugendes.

Die 49ers haben sich gestern zwar in Dallas durchgesetzt, aber es hat am Ende alles fürs Upset gebraucht, obwohl man nicht oft das Gefühl hatte, dass bei den Niners noch viel Luft nach oben gewesen wäre.

Und heute treffen Rams und Cardinals aufeinander, die in der Regular Season Höhen und Tiefen mit krasseren Ausschlägen als andere Topmannschaften hatten. Die Cardinals sind nach brandheißem 7-0 Start wie so oft unter Kliff Kingsbury in der zweiten Saisonhälfte kollabiert und nur 11-6 gegangen. Bei den Rams sind die Elogen auf den Matt-Stafford-Trade zwar auch erst drei Monate her, fühlen sich aber nach etlichen wüsten Stafford-Spielen in den letzten Wochen an wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

Arizona hat über die letzten Wochen viele Preseason-Befürchtungen bestätigt. Als QB Kyler Murray auch mangels Fitness nicht mehr ganz hervorragend spielte und 3-4 Big Time Throws pro Spiel auflegte, stockte die Offense beträchtlich.

Arizona muss seit Wochen auf WR1 Nuk Hopkins verzichten, der personell nicht 1:1 ersetzt werden konnte, auch wenn Kingsbury in seinem Scheme fast keine Anpassung vorgenommen hat und nun eben von einem Mann namens Antoine Wesley erwartet, die Hopkins-Rolle (85% links draußen als WR aufgestellt) vernünftig zu spielen. Was eher nicht so gut klappt: Seit Hopkins weg ist, stellt Arizona nur mehr die #21 Passing-Offense nach EPA/Play.

O-Line ist seit Wochen durch Verletzungen geschwächt, was sich gegen einen DT Aaron Donald (und Von Miller an der Flanke) nicht gut macht. Murray ist ein guter Playmaker „out of structure“, was in solchen Spielen wie heute Nacht immer wichtig ist.

Aber in Summe ist die Rams-Defense gar nicht so einfach zu bespielen. Sie lebt von der Präsenz Donalds und CB Jalen Ramseys, aber DefCoord Raheem Morris hat es geschafft, das relativ unbekannte Personal hinter den beiden Top-Dogs zu einer kohärenten Unit zusammenzuschweißen. Das Scheme ist grosso modo das gleiche wie unter dem Vorgänger Brandon Staley letzte Saison. Das heißt: Arizona wird sich schwer tun mit Big Plays. Aber mangels Konstanz in der O-Line und auf der Receiver-Position (Kirk ist nicht mehr als Sekundengenie, Green fast aufgebraucht, Rondale Moore questionable) wird Arizona auch nicht so einfach die kleinen Raumgewinne kriegen. TE Ertz könnte ein Fokus werden, aber ob man damit allein genug Firepower entwickeln kann um mit den Rams vier Viertel lang mitzugehen?


Die Rams-Offense lebt von ihrer richtig guten O-Line (Top-5 in vielen Metriken wie Win-Rate oder Pressures) und ihrem explosiven Passing Game.

Matthew Staffords wuchtiger Wurfam sorgt immer wieder für Big Plays, was natürlich auch die Head-Stratcher kaschiert, die bei Stafford gerade seit Saisonmitte gang und gebe sind. Stafford hat mehr als ein Spiel mit seinen rücksichtslosen Turnovers weggeworfen, aber in Summe fühlt sich die Offense trotzdem um einiges gefährlicher an als vor einem Jahr, als man nicht wusste ob man die zwei brauchbaren Drives pro Spiel unter dem QB-Gespann Wofford/Goff als Erfolg oder Enttäuschung werten sollte.

Staffords Go-To-Guy ist Slot-WR #10 Cooper Kupp, der fast 2000 Yards in der Regular Season gefangen hat und ein untrügliches Gespür für die Nahtstellen in der Zone-Defense hat. Der wichtigste Outside-WR ist Odell Beckham jr., der Robert Woods nach dessen Ausfall aber nicht ganz adäquat ersetzen konnte. WR2 ist in Van Jefferson ein unauffälliger, aber smoother und nicht zu unterschätzender Mann.

Das Arsenal ist also da – und Arizona hat keine Defensive Backs um diese ganzen Leute zu decken. Aber Arizona hat eine ultra-aggressive Defense, die, wenn vorne der Passrush zündet, genug Chaos stiften kann um den QB beim Gegner aus dem Konzept zu bringen und allzu erfolgreiches Passing-Game zu verhindern weiß. Chandler Jones ist der #1 Passrusher, und vielleicht kriegt Arizona sogar zwei Handvoll Snaps vom wie durch Wunder geheilten J.J. Watt. Jede Kleinigkeit hilft.

In der Regular Season hat jedes Team einmal gewonnen. Das erste Spiel war ein klarer Cardinals-Win (37-20). Es fiel noch in die Hochphase der Cardinals-Dominanz zu Beginn der Saison. Im zweiten Spiel dann dominierte Kupp und sorgte fast im Alleingang für die Rams-Revanche.

Kupp diesmal unter Kontrolle zu bringen, ist einer der Schlüssel für Arizona, aber mangels Coverage-Personal muss dabei der Passrush dominieren. Ich sehe es irgendwie nicht so wirklich.


Die Rams sind immer gut für ein paar Offense-Bolzen, haben selten über lange Zeit den notwendigen Rhythmus um Spiele zweifelsfrei zu gewinnen, und sind in der Defense ziemlich abhängig von ihren Stars. Aber wenn die Offense klickt, dauert es oft nur ein paar wenige Plays bis zum Touchdown. Arizona müsste schon einen exzellenten Tag seiner Offense erwischen und in der Defense über sehr lange Zeit fehlerfrei bleiben (bzw. im Passrush dominieren) um das hier zu gewinnen.

Die Rams sind mit 4 Punkten favorisiert. Ich muss in dem Spiel mit den Rams gehen.

6 Kommentare zu “Nachwehen vom Wildcard-Sonntag | Preview Rams-Cardinals

  1. 49ers haben echt wirklich alles getan um es nochmal aus der Hand zu geben. Sei es die Fieldgoals am Anfang oder das man zum Schluss lieber x mal in die Defense läuft und dann bei einem yard puntet, statt auf First Down zu spielen und den Sack zu zumachen.
    Sie können von Glück sagen das die Cowboys ebenso nicht gewinnen wollten und sich bei jedem einzelnen Fortschritt gleich wieder auf die Nase legten.

    Und der letzte Play…war klar das die „Refs nun Schuld sind“, und ja vielleicht hätte er näher dran stehen müssen.
    Wobei ich Sprüche wie „ach der ist nur gemächlich hingejoggt“ lächerlich finde. So ziemlich jeder sieht aus als würde er joggen wenn er hinter einem NFL Spieler her sprinten muss.
    Und Prescott hätte den Ball auch anderen Refs geben können, es wäre dann vielleicht abgepfiffen worden da es im besitzt eines Refs wäre.
    So war der Ball in den Händen eines Spielers, der Ref muss sich erstmal durch Fleischberge durchkämpfen und sie regelrecht zur Seite schubsen weil sie ihn nicht durchlassen und den Ball spotten.
    Tjo, Pech und selbst Schuld. Da hat Prescott nur einer Person an die Nase zu fassen – sich selbst.

    Das er danach noch die Zustimmung gibt Referees mit Müll zu bewerfen ist geht mal gar nicht. Man denke daran wie Cam Newton angegangen wurde weil er kein Bock hatte sich während seines Interviews Kommentare von gegnerischen Spieler Harris anzuhören.

    Das galt schon als unsportlich und schlechter Verlierer – wurde dann sogar verbreitet das er Manning nicht gratuliert hätte…obwohl es Bilder gibt in denen er breit grinsend genau das macht – ja aber was ist das was Prescott machte dann erst? Finde ich unmöglich sowas.

  2. Da gelobe ich mir ja die Bucs, bei denen fallen die Top 3 WR weg und kein Jammern, sondern souverän die Eagles rausgekegelt.

    Cowboys kann man mit MMC nicht mehr ernst nehmen, aber Moore hat jetzt auch nicht die große Bewerbung abgegeben.

    Steelers leider wie befürchtet. Jetzt ist mit Big Ben auch gut.

  3. Danke Thomas, wie immer klare Worte. Gut zusammengefasst und ich hoffe auch, dass McCarthy gehen muss und endlich mal ein moderner Coach das Ruder übernimmt.

  4. Was ich faszinierend finde, bei all der Vorbereitung, den dicken Playbooks etc.pp. scheinen die Teams durch die Bank weg überfordert zu sein etwas im Petto zu haben wenn man bei 4th and 1 steht, wenn es nur noch eine Minute auf der Uhr hat usw.
    Da werden Draws gecalled, Routen gelaufen die zu kurz sind oder sonst welcher Schmarn gemacht.

    Da ist noch viel Luft nach oben imho.

  5. Man bedenke, dass die Trainingszeit begrenzt ist. Umso mehr du solche Gimmicks für Spezialsituationen trainierst umso weniger Zeit ist für deine bread and Butter plays

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.