NFL Divisionals Vorschau: Tampa Bay Buccaneers – Los Angeles Rams

Vorschau auf das dritte NFL Divisional-Game morgen Sonntag, 19h 21h: Tampa Bay Buccaneers (13-5) – Los Angeles Rams (13-5).

Geht es nur mir so, oder fühlen sich diese Divisional-Ansetzungen heuer so reizvoll an, weil wir in jedem einzelnen Spiel einen validen Case für einen Auswärtssieg machen können – und zwar gegen nicht schlechte Heim-Teams?

Auch Buccaneers – Rams fühlt sich wie so ein Spiel an. Beide Teams hatten über die bisherige Saison ihre Leerläufe, aber letztlich sind sie souverän zu 13-5 Bilanzen gecruist ohne am Wildcard-Wochenende auch nur den geringsten Zweifel an ihrer Überlegenheit gegen Eagles und Cardinals zu lassen.

Stilistisch sind die beiden Teams in Offense wie Defense total gegensätzlich gepolt, was für dieses Matchup zusätzlichen Reiz ausübt – aber es gibt auch Gemeinsamkeiten. So lieben beide Coaches das Laufspiel. Bei Bruce Arians‘ Buccs ist das Laufen oft reiner Selbstzweck Marke „haben wir schon vor 70 Jahren so gemacht“, aber auch der halb so alte Sean McVay, der noch immer keine 35 Jahre alt ist, lässt relativ viel laufen. Sein permanentes Zone-Running ist aber immerhin die Basis der Offense, auf dem Play-Action- und Routen-Konzepte aufbauen.

Tampa Bay ist als Titelverteidiger und Heimteam mit 3 Punkten leichter Favorit, aber das Regular-Season-Duell zwischen den beiden Teams haben die Rams mit 34-24 relativ deutlich gewonnen.

Wenn die Buccaneers den Ball haben

Tampas Offense war über die Regular Season nach EPA/Play in den Top-3 im Passing Game, was nicht überraschen dürfte, wenn man sieht, auf welchem Niveau der 44-jährige Tom Brady noch immer spielt (u.a. #2 in PFF Grade und #3 in EPA/Play). Aber sie war interessanterweise auch die #4 nach EPA/Run.

Dabei haben die Buccs Auswüchse an Early-Down-Rushing vermieden, die noch letztes Jahr ein Problem waren: Tampa hatte die drittniedrigste Rate an Early-Down-Runs. Das ist auch gut so, denn bei aller Effizienz des Rushing-Games: So gut wie Brady noch immer spielt, fühlt sich jeder Lauf wie eine Bremse an.

Ehrlicherweise haben die Buccs etliche Run Plays auch einfach nur durch Screens ersetzt – die wiederum die Runningbacks wie Fournette, Bernard, Ke’shawn Vaughn oder Ronald Jones fangen und zu kurzen Raumgewinnen nach vorn tragen.

Aber ohne zum eintausendsten Mal die schematischen Ideen der Buccs-Offense durch den Äther zu jagen nur soviel: Im Kern läuft die Offense natürlich über Brady und den Pass. Letzte Woche gegen die Eagles hatte Brady das einfachste mögliche Matchup: Viel auf bend but don’t break gepolte Zone-Defense – ein System, das Brady in 100/100 Fällen „breaken“ wird.

Es war auch kein Problem, dass der Receiver-Corps nach dem Saisonaus für Chris Godwin, der Entlassung von Antonio Brown und dem kurzfristigen Ausfall vom neuen „WR2“ Cyril Graysom mittlerweile bedenklich dünn ist. Und auch kein Problem, dass Tampa im laufenden Spiel Center Ryan Jensen und RT Tristan Wirfs verlor.

Aber morgen ist das vermutlich anders. Zum einen spielen die Rams ein wesentlich raffinierteres Defensiv-System. Sie spielen auch unter DefCoord Raheem Morris viel Two-High, rotieren ihre Safetys und schauen penibel drauf, dass sie nie einfach zu lesen sind.

Zwar ist die Tiefe auf Safety nach dem Ausfall von Fuller und Rapp ein so großes Problem, dass man vergangene Woche den 37-jährigen Eric Weddle aus dem Ruhestand zurückgeholt hat um wenigstens etwas Routine einzubringen, aber dafür hat man in Jalen Ramsey den einen Superstar-Corner um WR1 Mike Evans einigermaßen zu kontrollieren.

Ramsey gegen Evans wird spektakulär. Ramsey travelt im Rams-System nicht immer mit der gegnerischen #1 und war heuer häufig im Slot zu finden, aber Tampa hat notgedrungen als echten Elite-Receiver nur noch Evans – insofern wäre eine Sonderbewachung von Bradys Lieblings-Target schon denkbar.

Aber dahinter ist der Receiver-Corps schon bedenklich dünn. Wenn Evans von einem echten CB1 wie Ramsey in Schach gehalten wird, müssen die zweite-Reihe-Jungs wie Graysom (wohl nicht besonders fit), Perriman (dito), Tyler Johnson oder Scotty Miller (heuer oft nur WR5) ran.

Und der Verletzungsteufel hat auch in der O-Line zugeschlagen: Hinter Jensen und Wirfs müssen wir ernsthafte Fragezeichen setzen. Beide sind kritisch, denn Tampas dominante O-Line ist bei allem schnellen Ballwegwerfen von Brady (zweitniedrigste time to Throw) ein wesentlicher Bestandteil der Passing-Offense, die sich nur selten um Druck auf Brady sorgen musste.

Ein Jensen-Ausfall oder auch nur ein nicht fitter Jensen wäre mega-kritisch, denn bekanntlich spielt genau gegenüber in DT Aaron Donald der beste Passrusher unserer Generation. Donald wäre von einem fitten Jensen nicht leicht zu kontrollieren gewesen – aber gegen einen Backup birgt das Matchup gegen Donald Sollbruchstellen-Gefahr und wird alte Geister von wegen „Brady kann nicht gegen Druck über die Mitte“ wecken.

Aber auch Wirfs ist wichtig, denn die Rams haben seit dem Einkauf von Von Miller auch eine „Flügezange“ mit Miller und Leonard Floyd, die beide zwischen 15% und 18% Passrush-Win-Rate schaffen und im Schnitt pro Person um die vier Pressures pro Spiel generieren.

Wir sehen: Das ganze Ding ist durchaus kritisch, gerade für Tampa, wo Byron Leftwich sich in den letzten Jahren einen Namen weniger mit einem brillanten Scheme gemacht hat, sondern vor allem dadurch, den Stars nicht allzu sehr im Weg zu stehen. Das kann eine zähe Geschichte werden.

Doch Tampa hat noch einen Trumpf: Die Connection Brady zu Gronk. Die beiden verbindet platonische Liebe, das Vertrauen ist blind, und auch wenn Gronk nicht mehr das athletische Wunder aus gemeinsamen Blütezeiten in New England ist, so ist er doch noch mobil und routiniert genug um die Soft-Spots im Seam zwischen Linebacker und Safetys zu finden. Beide Positionen sind wie schon angedeutet kritisch. Es könnte ein letztes großes Gronk-Spiel werden. Vielleicht muss es das sogar.

Wenn die Rams den Ball haben

Wo Brady heuer anders als letzte Saison gezwungenermaßen eher mit methodischen Drives punkten muss, sind die Rams vor allem auf explosive Plays getrimmt. Ihr Passing-Game erzielt die zweitmeisten Net-Yards/Versuch und ist trotz gelegentlicher Turnover-Orgien die #4 in EPA/Play.

QB Matthew Stafford hat eine wechselhafte, aber insgesamt nicht unerfolgreiche Debütsaison in Los Angeles hinter sich, aber dieses Spiel ist jetzt der erste ganz große Lackmustest: Ins Viertelfinale sind die Rams auch letzte Saison mit der QB-Combo Wofford/Goff gekommen. Damals fühlten sie sich unter den letzten Acht wie ein leichter Overachiever an, der froh sein musste, nicht von den Packers abgeschossen zu werden.

Aber heuer haben die Rams eine echte „fighting chance“. Stafford hat wie Kollege Jimmy Garoppolo von den Niners immer mal wieder seine Aussetzer und liefert eklatante Turnover, die uns nach seinem mentalen Wohlbefinden fragen lassen. Aber anders als Garoppolo muss der Gegner Stafford diese Bolzen immerhin abringen – in Form von Pressures ohne Blitzing als Beispiel. Und anders als Garoppolo birgt Stafford das Potenzial, alle Zonen am Feld zu attackieren und die Receiver-Armada der Rams in Szene zu setzen.

Deionte Lee hat schon ausführlich erklärt, wo Stafford im Vergleich zu seinen QB-Vorgängern am meisten hilft: In langen 3rd Downs, in denen Goff zuletzt kein Land mehr sah, ist Stafford einer der effizientesten QBs, wie auch in der Redzone. Dieses Spiel ist das erste von aus Rams-Sicht hoffentlich dreien, in denen sich der fast genau vor einem Jahr eingefädelte Stafford-Trade endlich in der ersehnten Lombardi-Trophy materialisieren soll.

Stafford ist heuer einer der besten QBs gegen den Blitz. Tampas Defense ist bekanntlich eine der blitz-lastigsten in der NFL (über 40%), aber schon im Regular-Season Duell erkannte DefCoord Todd Bowles, dass dem Rams-QB damit nicht beizukommen ist. Er stellte es schnell ein und spielte in nur 11/39 der Plays Zeus.

Tampas üblicherweise aggressive Defense wird also ihre innersten Triebe zähmen müssen und eher drauf bauen, dass die langsam gesundende Front Seven eigenständig Druck kreieren kann: JPP, Shaq Barrett, Vita Vea, Suh – vielleicht auch der weitgehend enttäuschende Rookie Joe Tryon-Shoyinka.

Denn so viele explosive Plays Staffords Passing-Offense Heuer machte: Gegen 4-Man-Druck und die entsprechend bevölkerungsreiche Secondary ist sein Leistungsabfall wesentlich ausgeprägter als bei anderen guten QBs. Letztlich sind diese Schwächen auch einer der wesentlichsten Gründe, weshalb Stafford trotz exzellenter Stats und einer TD/INT-Quote von 41:17 nicht zur absoluten QB-Elite gezählt wird.

Aber wenn das den Buccs das mit dem 4-Man-Rush anders als z.B. letztes Jahr im Superbowl nicht gelingt, kann das ein bitterer Nachmittag werden, denn die Kombination aus einer richtig guten Rams O-Line (#1 in Pass-Block-Win-Rate), einem QB mit Highend-Potenzial und einem zu großer Form auflaufenden Receiver-Corps um Cooper Kupp (der aus dem Slot eine All-Pro-Saison spielt), Odell Beckham jr (der als isolierter Receiver an der Backside mit seinen Dig-Routes den lange schmerzlich vermissten Robert Woods mittlerweile fast 1:1 ersetzt), dem smoothen Van Jefferson sowie einem Tight End Tyler Higbee, der gelegentliche 1-vs-1 zu empfindlichen Nadelstichen ausnutzen kann, kann dann 25-30 Punkten auflegen ohne sich auch nur die Stirn zu nässen.

Glaubst du nicht? Gegen Arizona scorten die Rams am Montag 34 Punkte. Stafford-Dropbacks dabei: Ganze 21.

*Update: Jetzt schneit noch die Meldung rein, dass LT Whitworth ausfallen wird. Das ist natürlich ein kritischer Faktor.

Ausblick

Ich weiß, es klingt gefährlich: Für mich fühlt sich dieses Duell wie ein Rams game to lose an. Wissend um die Tatsache, dass Staffords Performance nicht ganz so gut wie seine Individual-Stats sind und wissend um die erste Wettregel („Setze nicht gegen Playoff-Tom-Brady“) hat das Spiel einfach zu viele Ingredienzien für einen Rams-Auswärtssieg:

  1. Die Rams haben den Vorteil auf beiden Seiten der Trenches (#1 in Pass-Block, #1 in Run-Defense und #1 in Passrush-Win-Rate), und haben die Chance auf ein Duell Donald gegen einen nicht-fitten Center oder einen Backup-Center. Sie dürfen eventuell auch gegen einen angeschlagenen Right Tackle oder Backup-RT ran. Je nachdem wie schlimm der Ausfall Whitworths ist, könnte sich der Vorteil der Rams allerdings auch ausgleichen.
  2. Die Receiver der Buccs sind angeschlagen, jene der Rams laufen zu großer Form auf.
  3. Der Passrush der Buccs ist als einer der Schlüssel zwar wieder komplett, aber war zuletzt nicht in allerbester Form. Auch nach Whitworths Ausfall bleibt zumindest ein vernünftiger Right Tackle im Lineup.

Die Vorteile im Coaching liegen auch eher bei den Rams (Arians wie McVay sind allerdings beide keine 4th-Down-Wizards).

Wenn Stafford nicht unter dem Druck eines 4-Man-Rushes kollabiert (immer möglich) oder die komplette Riege an Chunk-Plays über Kupp und Beckham ausbleibt, dann glaube ich, bräuchte Brady schon ein perfektes Spiel um das Ding zu gewinnen.

Ich gehe daher entgegen den Wettquoten und trotz des Backup-Left Tackles mit den Rams.

4 Kommentare zu “NFL Divisionals Vorschau: Tampa Bay Buccaneers – Los Angeles Rams

  1. Ich würds ja Stafford sehr vergönnen, hoffentlich erwischt er einen guten Tag… 😊🏈

  2. Danke Thomas für diese und alle anderen immer hervorragenden Vorschauen. Perfekt um sich auf die heute Abend stattfinden Partien einzustimmen. Freu mich schon riesig auf die heutigen beiden Spiele. Nach der gestrigen schweren Kost und dem verrückt spannenden Spiel meiner Niners gestern früh ich mich heute die Spiele, in denen es mir prinzipiell „Wurst is“ wer gewinnt 🙂

    Ach eine kleine Anmerkung: Buccs sind 14-4 nicht 13-5 😉

  3. Pingback: NFC Divisionals Liveblog: Tampa Bay Buccaneers – Los Angeles Rams | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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