NFL Divisionals Vorschau: Kansas City Chiefs – Buffalo Bills

Das Beste zum Schluss! Ohne komplett übertreiben zu wollen, aber: Das letzte NFL Divisional Game heute ab 00h30, Kansas City Chiefs (13-5) – Buffalo Bills (12-6), fühlt sich wie eine Art „vorgezogenes AFC-Endspiel“ an. Vielleicht sogar wie eine vorgezogene Super Bowl.

Es ist das Re-Match des letztjährigen Conference-Finals, und das mittlerweile vierte Aufeinandertreffen in den letzten beiden Spielzeiten. Chiefs und Bills scheinen wie füreinander gemacht. Die Chiefs sind für die Bills sowas wie der „Endgegner“, den zu bezwingen sie in den letzten 24 Monaten massivste Investments auf breiter Front getätigt haben. Die Bills sind für die Chiefs ein Trigger auf ihrer Offense-Evolution von explosiver Downfield-Offense zu einer in allen Facetten kompletten Angriffsmaschine.

Die Chiefs haben in den letzten drei Jahren neue Maßstäbe gesetzt. Die Bills haben letzte Woche die beste Offense-Performance aller Zeiten geliefert.

Mittendrin: Zwei der besten Quarterback-Posterboys der neuen Generation – Patrick Mahomes und Josh Allen.

Es sind die beiden QBs, die auch mein Verständnis von Football neu definiert haben. In die NFL sind sie als wilde, zu schleifende Rohdiamanten mit bombastischen Wurfarmen und fantastischer Mobilität gekommen. Eingeschlagen sind sie nach mehr (Allen) oder weniger (Mahomes) Eingewöhnungszeit als mit größte NFL-Sterne am Firmament, die nach den dunklen Jahren um 2015-2017 eine entscheidende Rolle dabei gespielt haben, NFL-Football wieder spektakulär zu machen.

Mahomes ist der atemberaubendste Quarterback, den ich bis jetzt gesehen habe (Peak Justin Herbert comes close). Allen ist an seinen besten Tagen aber keine Lichtjahre von Mahomes entfernt. Spielt er so wie letzte Woche, ist Buffalo fast nicht zu schlagen.

Auf der Suche nach dem Happy End

Wir müssen uns nichts vormachen: Chiefs wie Bills haben eine wechselhafte Saison hinter sich, und die Versionen beider Teams reichen in der Qualität nicht ganz an die Vorgängerversionen von 2020/21 heran.

Beide hatten im Saisonverlauf mit den aufkommenden Defense-Tendenzen, gegen den tiefen Wurf abzusichern, zu kämpfen. Die Probleme der Chiefs waren auffälliger, weil sie öfters in Primetime spielten – und weil sie nach unglücklichen Turnovers schließlich in einer richtigen Offense-Misere um Allerheiligen herum mündeten, gab es heuer eine ganze Latte an Erklärungsversuchen, warum ausgerechnet der größte Juggernaut der letzten Jahre mit einem uralten Football-Konzept (Zone-Defense mit zwei tiefen Safetys) so große Probleme hatte.

Die Antwort mag letztlich gewesen sein: Mahomes‘ Chiefs waren schon immer eher ungeduldig und suchten in schwierigen Momenten nicht nach kleinen Lösungen, sondern nach dem Rundumschlag. Wer kennt es nicht: Das ist oft der erste Impuls, wenn die Hütte brennt. Kühlen Kopf zu bewahren ist im Moment des Problems so einfach nicht.

Die Chiefs brauchten ein paar Wochen um sich zu sammeln und zu finden – und möglicherweise die Hilfe von starrköpfigen Gegnern wie Gus Bradley, die ihnen schrittweise dabei halfen, ihren Groove wieder neu zu finden. Sie lernten Geduld. Und so fühlen sich die meisten Probleme seit gut einem Monat recht gut gefixt an, auch gegen Zone und Two High, und zuletzt gab es sogar wieder eingestreut fette Big Plays ganz tief das Feld hinunter.

Die Bills haben einen ähnlichen, wenn auch weit weniger beachteten Weg hinter sich. Auch sie mussten umstellen, ihr Portfolio diversifizieren und sich auf einige Kernkompetenzen (wie Josh-Allen-Laufspiel) fokussieren um sich am Ende bei minus 15 Grad den Frust von 20 Jahren New England Patriots in einem einzigen, magischen, perfekten Spiel vom Leib zu schießen: Sieben Drives, sieben Touchdowns, 47 Punkte. Besser geht nicht.

Jetzt fühlen sich diese beiden Mannschaften wie die #1 und #2 im Power Ranking an. Wer auch immer als Sieger rausgeht, wird als klarer Favorit ins Semifinale marschieren, und die niedrigsten Quoten auf den Gewinn der Superbowl-Trophäe haben.

Gemeinsame Geschichte

Es ist also Chiefs-Bills IV, wenn wir die letzten beiden NFL-Saisons zu Rate ziehen. Kein einziges Spiel war knapp, aber jedes einzelne war schematisch interessant.

In der Regular Season 2020 versuchten die Bills, Mahomes damit zu entschärfen, indem sie Kansas City mit offensten Boxen zum Laufen einluden – in der Hoffnung, genug Runs zu stoppen um in einem Spiel der wenigen Drives mit dem Upset rauszukommen. Es scheiterte: 26-17 Chiefs.

Im AFC-Finale hatte Buffalo ein offensiv besseres Spiel, aber nicht den Passrush um Mahomes ohne Blitz einzuheizen. Ergebnis: 38-24 und ein Offseason-Plan, der lautete: Kaufe Passrush, kaufe Passrush, kaufe Passrush.

Zwei hohe Draftpicks später trafen sich die beiden in Woche 5 wieder – und Buffalo gewann deutlich 38-20, nicht nur weil der Passrush gegen Mahomes zündete, sondern auch dank eines QB-Run-lastigen Gameplans über Allen und Heavy-Personnel in der Offense, die Kansas Citys Linebacker am Feld hielten und zu offensten Passing-Lanes führten.

Wenn die Chiefs den Ball haben

Wie gut die Chiefs-Offense tatsächlich gefixt ist, werden wir heute Nacht sehen, denn niemand spielte extremer Two-High gegen Mahomes als Sean McDermott und DefCoord Les Frazier:

Ein ähnlicher Gameplan ist auch heute zu erwarten – auch ohne den längst ausgefallenen CB Tre’Devious White. Buffalo hat ein fantastisches Safety-Pärchen Poyer/Hyde, recht okaye Cornerbacks, solide Linebacker und vor allem eine richtig tiefe Rotation im Passrush: Kein Spieler über 50 Pressures, dafür sechs mit über 20 und sechs weitere mit mindestens zehn.

Vor allem ist es eine seit Jahren eingespielte, solide gecoachte Unit, die engmaschige, schnelle Zone-Defense spielt und über Jahre in den Top-10 nach EPA/Play performte. Dank der Qualität der Bills-Offense braucht Buffalo keinen Shutdowneinfach nicht zusammenzubrechen reicht mit der Offense auf dem Buckel eventuell aus.

Bei den Chiefs gibt es natürlich noch ein paar Fragen, wie potent die Offense tatsächlich ist. Letzte Woche Pittsburgh spielte schon einen anderen Stiefel Offense als das was Buffalo heute macht – und da war ähnlich wie im Playoffspiel gegen die Texans vor zwei Jahren sehr lange Leerlauf zu Beginn mit drin. Pittsburgh konnte das nicht nutzen, weil es keine Offense mitbrachte. Aber die Bills werden solche Schwächephase deutlicher bestrafen.

Bloß: Die Chiefs sind immer in der Lage, vier Touchdowns in 12 Minuten aufzulegen und den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen. Viel anders als im Dezember spielen sie eigentlich nicht, bloß ist Mahomes jetzt stärker gewillt, die kurzen Pässe zu nehmen, wenn downfield nix offen ist. Da passt doch die Evolution eines längst verschollen geglaubten Talents perfekt ins Bills: Jedrick McKinnon tauchte in den letzten Wochen plötzlich als Ersatz für CEH auf und lieferte nicht zuletzt vor einer Woche gegen Pittsburgh eine super Performance als Runner, Catcher und Runner nach dem Catch ab. Je öfter Andy Reid McKinnon gegen Tremaine Edmunds anstatt Poyer/Hyde in Coverage bekommt, desto potenter ist das Waffenarsenal.

Dank solcher small wins fühlt sich das Credo der letzten Jahre sich im Kern wieder valide an:

Gegen Cover-1 und Cover-3 schlägt dich Tyreek Hill
Gegen Cover-2 und Cover-4 schlägt dich Travis Kelce
Gegen Cover 2-man schlägt dich Patrick Mahomes

Ein kleines Fragezeichen ist der Right Tackle Spot, wo Andrew Wylie starten soll – gegen den stets frischen D-Line Passrush könnte das irgendwann weh tun.

Wenn die Bills den Ball haben

Die Bills sehen eine Woche nach der Pats-Defense (viel Single High, viele Stacked Boxes, wenige, aber wohl getimte Blitzes) heute eine völlig andere Defense. Die Chiefs spielen fast immer mit offenen Boxen, sind viel Two-High-lastiger als noch zu Saisonbeginn, und blitzen relativ häufig.

Allen war im Woche-3-Matchup eine super Waffe als Runner und bekam ein paar Chunk-Plays als Werfer, aber das war gegen eine Chiefs-Defense in ihrer schlechtesten Verfassung, mit einem unterirdischen Daniel Sorensen auf Safety, ohne DT Chris Jones, ohne den erst später gekauften EDGE Melvin Ingram.

KCs Defense hat sich über die Saison gefunden, ist wuchtiger im Passrush, solider in Coverage und besser in Run-Defense. Auch wenn kein Cornerback echtes Top-Format hat und Safety Tyrann Mathieu nicht die beste Saison seines Lebens spielt, so wird diese Unit mehr Gegenwehr leisten als im September.

Spielen die Bills so wie letzte Woche, wird das keinen allzu großen Unterschied machen. Aber zu erwarten, die dominanteste Performance aller Zeiten noch einmal zu wiederholen, noch dazu auswärts gegen einen komplett anders gepolten Gegner, ist auch für eine in Bestbesetzung antretende Bills-Offense mit sechs gesunden Anspielstationen (WR1 Diggs, WR2 Sanders, WR3 Beasley, WR4 Gabriel Davis, TE Dawson Knox und Allzweckwaffe McKenzie) unrealistisch.

Allen als Runner wird zentral – aber ebenso wichtig könnte es sein, den Gameplan wie im September fokussierter auf schwereres Personal auszurichten um die Chiefs wie damals mit möglichst vielen Linebackern auf das Feld zu bekommen. Fullback Reggie Gillman hat in keinem Spiel so viel gespielt wie gegen die Chiefs – und ist rein zufällig in den letzten Wochen wieder aus der Versenkung verschwunden und hat Einsatzzeit gesehen.

Ausblick

Wir können das Spiel in die Pipette analysieren, aber festzuhalten bleibt: Die Bills haben in Offense und Defense eine klare Formel zum Sieg: Sie werden einen Tick schwereres Personal aufbieten als gewohnt um die Chiefs so oft es geht in Base-Personnel zu erwischen, um darüber das Passspiel und Allen designtes Laufspiel aufzuziehen.

In der Defense werden sie nicht blitzen, sondern mit Vier-Mann-Rotation versuchen Druck auf Mahomes auszuüben, während hinten das Safety-Pärchen in two high das Spiel vor sich behält.

Die Chiefs sind trotzdem leichter Favorit, weil Mahomes im Regelfall eben doch über Josh Allen zu stellen ist. Und weil sie zuhause spielen.

Prinzipiell ist mir egal, wer das Ding gewinnt. Ich wünsche mir eigentlich nur eins: Einen hemmungslosen Shootout mit ein paar eingestreuten Defensive Big Plays. Das haben wir uns verdient.

Ein Kommentar zu “NFL Divisionals Vorschau: Kansas City Chiefs – Buffalo Bills

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