Chiefs vs Bills 2022 – Die Nachbeben

Das sensationelle NFL-Viertelfinalspiel Chiefs-Bills lässt mich auch nach zweieinhalb Tagen nicht los.

Es mag daran liegen, dass die heurige Saison viel zu viel schlechten Football geboten hat, aber der Qualitätsunterschied zum Gros der von mir über die letzten Monate konsumierten NFL-Spiele war einfach eklatant.

Wir haben in diesem Spiel Gegenwart und Zukunft der NFL gesehen. Deutlicher: Superstar-Quarterbacks stellen alles andere in den Schatten. Die letzten Minuten des Spiels haben einen Einblick gegeben, was in der NFL passieren würde, wenn die Mannschaften das machen, was Analytics von ihnen verlangt: Einfach kompromisslos auf die eigenen Stärken zu setzen und den Gegner in Schutt und Asche zu spielen.

Es ist die Denke, die Mike Martz einst zur Greatest Show on Turf gebracht hat, auf die Spitze getrieben: 3rd-Down-Offense in Early-Downs spielen, Pass radikal gegenüber dem Lauf priorisieren, und Gaspedal immer durchgedrückt halten. Wir haben damit eine Latte, nein: eine ganze Orgie, an Punkten erlebt, mit vier Führungswechseln ab der 2min-Warning (!!).

Und das nicht gegen Gurken-Defenses. Da standen die beste Defense der laufenden NFL-Saison (Buffalo) und eine im Saisonverlauf stark verbesserte Defense (Chiefs) am Feld, die wussten, was kommen würde (95% Chance auf einen Pass), und sie hatten trotzdem nicht den Hauch einer Chance.

Warum NFL-Mannschaften oft erst so spielen, wenn sie müssen? Meine einzige Erklärung dafür ist: Wir bewegen unsern Arsch auch meist erst, wenn wir müssen, und punten in Perioden (Snaps) dazwischen eine Chance nach der nächsten weg, obwohl wir wüssten, dass das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen die vielleicht bessere Idee wäre.

Quarterbacks dominieren die Welt. Und Quarterbacks dominieren die AFC.

Solch entfesselten Football gibt es natürlich nicht bloß, wenn die Chiefs und Bills um die heimliche Superbowl 2022 spielen – aber über weite Strecken ist er reduziert auf einige wenige Mannschaften. Es sind die Teams, die Quarterback-Exzellenz aufs Feld stellen.

Es wird auch in Zukunft den einen oder anderen Spoiler geben, der in die Phalanx der Spitzenmannschaften eindringt, ohne um einen absoluten Elite-QB herum gebaut zu werden. Aber grosso modo wird die NFL wie schon in den letzten zehn Jahre weiter – und noch stärker als bisher – von QBs wie Patrick Mahomes oder Josh Allen dominiert werden.

Leute wie sie – oder Justin Herbert, oder (noch mit Abstrichen) Joe Burrow, vielleicht noch Lamar Jackson oder Trevor Lawrence – zu besitzen, ist das höchste Gut im NFL-Football. Wir sehen so by the way: Da sind nur AFC-Quarterbacks.

Der NFC-Konter, wenn die Oldies Brady oder Rodgers erstmal die Bühne verlassen haben? Russell Wilson, Dak Prescott und Matthew freaking Stafford alseinzige arrivierte Konsorten? Da crackt kein einziger die AFC Top 3 und vielleicht keiner die Top 5. Die junge Riege um Kyler Murray, Justin Fields, Jordan Love oder Jalen Hurts hat noch nicht viel gezeigt, und ob Trey Lance das doghouse in San Francisco noch verlässt, müssen wir abwarten.

Uns droht im aktuellen Quarterback-Gefälle ein Ungleichgewicht zwischen den beiden Conferences, wie ich es in meinen 20 Jahren mit der NFL noch nicht gesehen habe – und eine Zeit wie in den 80ern und 90ern, als das NFC-Conference-Finale als „vorgezogenes Endspiel“ fungierte und Superbowls gleich serienweise in Blowouts endeten, weil die AFC der Dominanz der NFC nichts entgegenzusetzen hatte.

Mit immer mehr passabel ausgebildeten QBs aus dem immer passlastigeren College Football wird der Talentnachschub natürlich erstmal nicht abreißen, aber bis heutigen Studenten erstmal NFL-Topniveau erreicht und tatsächlich in der NFC Fuß gefasst haben, wird noch einiges Wasser den Mississippi hinunterrinnen. Also hoffen wir besser, dass die oben genannte junge Garde sich schneller als gedacht entwickelt, ansonsten werden wir den Superbowl erstmal ein paar Jahre wieder im Jänner ausspielen.

Trainerkarussell

Der Chiefs-Bills-Shootout wirft sein Licht auch auf die aktuelle Headcoach-Suche von nicht weniger als neun (!) Mannschaften. Wie inspirierend das ganze abläuft, können wir ungefähr daran ablesen, wer es in die Endauswahl der Bears geschafft hat:

Ich fühle Enttäuschungen in Serie – nicht weil diese ganzen bald angestellten Coaches alles Flaschen wären. Aber bis auf vielleicht Byron Leftwich in Jacksonville und dem neuen Bears-Coach müssen quasi alle Neuen mit ebenso suspektem wie limitiertem Quarterbacking an den Start gehen.

Vielleicht zieht ein dritter Coach (Flores?) Deshaun Watson an Land, doch keiner der anderen Coach-Neulinge wird eine etablierte Lösung kriegen – denn auch der Draft 2022 wimmelt nicht grad vor Talenten.

Und so ist das Coaching-Caroussell nicht bloß uninspirierend, weil die durch den Äther gejagten Namen die immergleichen sind, sondern eben auch, weil keiner von ihnen eine echte Chance bekommen wird.

Denn seien wir mal ehrlich: Ohne sehr guten bis Top-QB ist fast jeder nicht von Kyle Shanahan (oder mit Abstrichen Sean McVay) angeführte Trainerstab a priori eh aufgeschmissen.

Das Problem: Super-Quarterbacks wachsen auch in einer Periode dominanten Passspiels am College nicht auf Bäumen, und ihre Evaluierung und Auswahl im Draft bleibt bis heute ein Mysterium. Was wir trotz unzähliger Analyse-Ansätze allein in den letzten fünf bis sechs Drafts an Fehlschlägen hatten (im Guten wie im Schlechten), geht auf keine Kuhhaut. Der Punkt mit den QBs macht die NFL noch stärker zu einer Lotterie als Salary-Cap oder die Draftposition – und ist ein Grund, warum ich durchaus Sympathien für Josh Hermsmeyers These zur Abschaffung der Salary Cap habe.

Dass junge QBs von Coaches entwickelt werden müssen, steht außer Frage. Doch viele Analysen deuten darauf hin:Der wichtige Teil ist erstmal der QB selbst. Ist er „der richtige“, sollte er supportet werden mit massivsten Investments in Receiving-Corps, Playcalling, auch O-Line – und mit dem Zusammenstellen einer ausreichend guten Defense.

Es klingt hart und ist nicht ganz fair, aber: Du hast den QB oder du hasst den QB. Wer zu weit unterhalb von Güteklasse Mahomes/Allen/Herbert besetzt ist, wird auf absehbare Zeit nur noch minimale Chancen haben.

Also: Headcoach-Suche ist nett, aber letztlich geht es darum, den richtigen QB zu draften. Dass gerade *das* bis zur Grenze an die Lotterie schwierig zu planen ist, sollte nicht entmutigen, denn dass der Draft ein Crapshoot ist, ist eher mehr als weniger Grund, mit offenem Geist und dem Versuch auch neue Methoden anzuwenden, heranzugehen.

Die Overtime-Frage

Chiefs-Bills hat natürlich auch die unvermeidliche Frage nach der Overtime-Regelung aufgeworfen. Ich kann viele Argumente nachvollziehen – doch nach wie vor fehlt mir ein plausibler Gegenentwurf, der eine Situation wie jene am Sonntag – zwei gleich gute Mannschaften im Offensivrausch – verhindert hätte.

Ist es „ein Ballbesitz für jeden“? Dann gibt es kaum Zweifel, dass Buffalo zum Ausgleich kommt. Was dann? Nur noch ein Ballbesitz für Kansas City? Wieder einer für beide? Wie lange soll es dann weitergehen?

Die NFL will Spiele nicht unnötig in die Länge ziehen, und das ist aus mehreren Gründen gut so – der wichtigste lautet „Verletzungen“.

Aber auch das Argument „du kannst in einer so von Offense dominierten Ära nicht mehr von der Defense verlangen, dass sie einen Stop macht“ ist valide. Es ist der wahrscheinlich greifbarste Kritikpunkt.

Doch noch einmal: Wirklich viel bessere, zufriedenstellende Alternativen als die aktuelle Regelung habe ich noch keine gehört.

Wettschießen hat nix mit Football zu tun. Teams zu zwingen auf 2pts zu gehen schließt die Special Teams aus, College-Regeln sind schon am College so eindimensional, dass sie immer wieder abgeändert werden und passen für die NFL eher schlechter als besser, konstruierte Lösungen wie dem zweiten Team in Ballbesitz maximal die Anzahl an Snaps zu geben wie das erste zum TD brauchte, sind auch eher was fürs Reich der Fabel.

Eine „Verhandlung um die Starting Feldposition“ (ein Team wählt die Starting Fieldposition, die andere wählt davon ausgehen das Ballrecht) ist reizvoll, weil sie strategische Denke erfordert. Aber gibt es einen Zweifel daran, dass am Sonntag die eine Mannschaft die 1 Yards Line gewählt hätte, und die andere trotzdem den Ballbesitz?

Ich tendiere ohnehin dazu, mit der aktuellen Lösung gar nicht schlecht leben zu können. Aus der gleichen Motivation, aus der heraus ich im Fußball Elfmeterschießen nach 90 Minuten einführen würde, behaupte ich: Ob 60 oder 75 Minuten, ob 90 oder 120: Es sind alles willkürliche Punkte, ein Spiel zu einem Ende zu bringen. Wenn 60 Minuten nicht also nicht reichen um zwei Teams auf dem Score-Sheet voneinander zu trennen, dann her mit dem Zufall.

40 Kommentare zu “Chiefs vs Bills 2022 – Die Nachbeben

  1. @Overtime-Frage: In der regular Season könnte man die Overtime einfach komplett abschaffen. Draw ist Draw. In den Playoffs gewinnt bei Draw das Auswärtsteam.

    Superbowl: Team#1 legt vor Team#2 muss mindestens Punkte von Team#1 schaffen, wenn mehr gewinnt Team#2 sonst Team#1. Danach legt Team#2 vor, usw …

  2. Dann könnte man aber das Spiel direkt mit einem Münzwurf beenden 😉 – minimiert die Verletzungsgefahr und sorgt für den Zufall.

  3. „Warum NFL-Mannschaften oft erst so spielen, wenn sie müssen? “ Sind die Mannschaften derzeit konditionell so gut aufgestellt, wirklich 60 Minuten durchzuziehen. Eine Punt-Phase in der Mitte des Spiels lässt halt Kräfte haushalten, um dann gegen Ende nochmal anziehen zu können. Mit beiden Seiten des Balls.

  4. zur OT-Regelung:
    In der regular season finde ich das aktuelle „Münzwurf“-System zwecks möglichst kurzer OT schon ok. In den Playoffs fühlt sich der Quasi-Münzwurf für mich aber etwas unbefriedigender an und trübt die Erinnerung an dieses Spiel ganz minimal.
    Vielleicht wäre eine geänderte OT-Regelung zu den Playoffs denkbar analog zur nhl. Das Argument der Verletzungsvermeidung wird ja zum Ende der Saison ggf. kleiner und der Wunsch einen Sieger mehr sportlicher Komponente und weniger Münzwurf-Glück zu küren größer.
    Gerade in diesem Spiel hätte man doch die Antwort des anderen Top-QB gerne noch gesehen.

    Meine Idee auf die Schnelle wäre: Gelingt im 1. Ballbesitz der touchdownn, bekommt team 2 nochmal Ballbesitz. Gelingt auch hier der touchdown wird team 2 zur 2. pt-conversion gewzungen, damit das Spiel auf jeden Fall dann endet.

  5. Zum Glück gibt es ab und an ja noch Gegenbeispiele 😀

    Aber ich meine Adrian Franke schrieb, dass der Gewinner des Coin Tosses 92% Siegwahrscheinlichkeit hat. Das ist schon extrem und ich finde die Ravens Variante wirklich gut. Irgendwas muss sich da ändern. Ich habe mal ein College Spiel in die 3 Verlängerung live gehen sehen und fand es zwar mega spannend, aber irgendwann auch ein wenig verwirrend, mit erzwungenem 2 Point Attempt etc.

  6. Ich bin gespannt, ab welcher Saison du Burrow in einem Atemzug mit Mahomes, Allen und Herbert nennen wirst. Dass das so kommt, ist sicher! Lass Dich mal nicht so sehr von seinen Sacks ablenken.

  7. Für mich ist das ein bisschen Overreaction Wednesday. Da standen keine wirklich guten Defenses auf dem Feld. Ohne ihren Top CB ist die Passverteidigung der Bills nur die Hälfte wert. Da hat auch die Statistik nur begrenzte Aussagekraft. 6 Spiele gegen in der Division mit begrenzter Offensivschlagkraft, dazu noch die Texans, die Jaguars, …
    Die Defense der Patriots war diese Saison auch Top3 und was das wert war, hat man in der Wildcard Round gesehen.
    Und die Defenses der Chiefs konnte man auch nur solange gut reden, bis Chase 200+ Yards gefangen hat.
    Für mich bleibt es dabei, Defense wins Championship. Das hat man erst im letzten Superbowl wieder gesehen.

  8. Wir sprechen über die Offense, seit zum vierten Mal hintereinander Heimrecht im AFC Championship Game hat (mit einer mittelmäßigen Defense, wie du bestätigst).

    Wir sprechen von einer zweiten Offense, die zum zweiten Mal in Folge in den Top-5 in EPA/Play gerankt ist und vor einer Woche bei -15°C alle Offensiv Rekorde ever gesprengt hat – was auch gegen die schwächste Defense der NFL eine Top-Leistung gewesen wäre, und die dann eine weitere fast perfekte Performance nachgeschoben hat.

    Das sind keine Eintagsfliegen.

    Zur Bills-Defense: Nach Opponent-Adjustment ist sie #1 oder nahe #1:

    Es mag stimmen, dass das nicht so beeindruckend ist wie es klingt, weil Defenses allgemein nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Was genau mein Punkt ist.

    So viel zu Overreaction Wednesday.

  9. @Michael: Ich denke ich muss nicht weiter ausführen, dass ich Burrow hoch schätze. Burrow ist ein Killer.

    Aber das Sack-Problem ist real, und ist wie die EPA-Stats von gestern zeigen (fast so schlimm wie drei Interceptions).

    NFL Divisional Playoffs 2021/22 – Nachklapp

    Und weil es eben ein tendenziell stabiler Stat ist, könnte es auch ein Problem bleiben – und dann muss Burrow schon exzellent in anderen Facetten spielen um das zu kompensieren und auch Elite-Level zu bleiben.

    Daher das Sternchen.

  10. @cantona
    Du widersprichst dir ja irgendwie schon selbst im Kommentar. Du schreibst ja genau, die gute Defense der Patriots hat ihnen gegen die Bills genau gar nichts gebracht. Und das ist eben genau der Punkt, dass gute Offenses das Geschehen dominieren. Nix mit Defense wins Championships.

  11. Ich denke nicht, dass sich die Liga in einer Saison grundlegend verändert hat. Und vor einer Sasion galt: Defense wins Championships.
    Was haben sich fast alle Beobachter damals in ihren Prognosen überschlagen, wie viele Punkte die Chiefs machen, Mahomes + Kelce + Hill = unstoppable, usw…
    Ich sage immer, erst mal abwarten und Tee trinken und don’t believe the hype.

  12. Und vor einer Sasion galt: Defense wins Championships.

    Vielleicht bei RAN, aber bestimmt nicht auf diesem Blog 🙂

    Die Prognosen, die an Mahomes und Co. geglaubt haben, haben übrigens Recht behalten. Also: Believe the Hype 😉

  13. „Aber ich meine Adrian Franke schrieb, dass der Gewinner des Coin Tosses 92% Siegwahrscheinlichkeit hat.“

    Bei kleiner Anzahl an Situationen in denen es überhaupt wirklich zu tragen kam.
    In der Season war es z.B. eher sogar das Gegenteil.
    Und er sagte auch das sie nicht deshalb verloren hatten, sondern weil die Chiefs schon vorher in x andere Situationen besser waren damit es überhaupt zu der Möglichkeit gekommen ist.

  14. @Garosh: etwa 50/50 in der Saison und besagte 92% in den Playoffs.
    – was zur Hypothese führte dass es daran liegt, dass in den Playoffs die besseren Teams spielen.
    Die Aussagen, dass sie nicht deshalb verloren haben ist doch quatsch – wenn der Münzwurf anders ausgeht, dann gewinnen die bills. Mag sein, dass man vorher Chancen hatte, aber verloren haben sie durch den Münzwurf. Und die chiefs waren auch nicht vorher besser – sonst wäre es ja kein Unentschieden gewesen….

    @Cantona:
    Welche Defense gewinnt denn die Championship? Panthers?, Broncos? Bears? Steelers? Saints? Browns? Ravens?
    Irgendwie sind die meisten nTop defenses schon raus

  15. @korsakoff: Ich schaue kein Ran. Wenn ich mich recht entsinne, haben im US-TV bis auf einen alle Experten zum Teil deutlich die Chiefs vorn gehabt.
    @alexanderbrink: Mit den Rams und den 49ers sind zwei Mannschaften weiter, die das, insbesondere bei den 49ers, ihrer Defense zu verdanken habe.

    Aber was schreibe ich mir die Finger wund. Hier gibt es eben nur schwarz oder weiss. Bye.

  16. Wenn ich mich recht entsinne, haben im US-TV bis auf einen alle Experten zum Teil deutlich die Chiefs vorn gehabt.

    Ich verstehe deinen Punkt nicht. Dass sie KC vorn hatten, zeigt doch, wie irrelevant das „Defense wins Championship“ Motto ist. dass die Chiefs das Ding über die Offense gewonnen haben und damit das Gros der Preseason-Prognosen bestätigt haben, auch. Also was willst du mir sagen?

  17. @korsakoff
    Wenn ich ihn richtig verstanden habe, meinte er mit den Prognosen die letztjährige Superbowl.
    Frage mich dennoch wie man heutzutage Football schauen kann und auf die Idee kommen kann dass „Defense wins Championships“ gilt

  18. Naja, wenn das Argument „Mahomes hat hinter einer O-Line voller Backups gegen das Team mit dem GOAT QB“ als Beweis für die These herhalten soll, dann weiß ich auch nicht mehr 🙄

  19. Keine Ahnung, „Defense wins Championships“ fand ich schon immer eine der suspektesten Weisheiten und nebenbei auch extrem einfach zu falsifizieren. Aber klingt halt so schön „tough“.

  20. Diese 92% sind halt auch mit Vorsicht zu genießen. Die Statistik für OT ist glaube ich 10-1 in den Playoffs für das dem, welches den Münzwurf gewinnt. Aber abgesehen von der kleinen Sample size, von den 10 haben auch 4x die Gegner den ersten Ballbesitz gestoppt. Und 5/11 Rate dafür das nicht der erste Ballbesitz entscheidet ist dann bei der sample size dann doch nah an 50/50

  21. @thompson: vor allem weil ja die Offense diesem Spruch nach Spiele gewinnt. Und nun ja, der Champion in der NFL wird halt letztlich in einer Folge von Einzelspielen die komplett für sich allein stehen bestimmt und aus denen man keinen Vorteil oder Gewinn für das nächste Spiel mitnehmen kann. Und selbst für die Regular Season gilt das natürlich nicht, dass Defenses da die Saison für eine Mannschaft gewinnen…

  22. Die Overtime regeln sind shit, aber wenn man gerne möchte das sich die besssere Mannschaft durchsetzt (was passiert wenn randomness verringert) braucht man auch keine Playoffs machen.

  23. Ich finde das ja faszinierend wie biased man Statistiken lesen kann.
    Es sind fast ausschließlich Teams mit überdurchschnittlicher Offense in den Playoffs. Reihenweise sind Teams mit guten Defenses gescheitert. Aber Defense wins Championships….

  24. Was mich zu dem Thema Elite-QBs mal noch interessieren würde: Gibt es denn einen Richtwert, bis wann ein junger QB den Durchbruch zum Elite-QB geschafft haben sollte bzw. ab wann keine großen Sprünge mehr zu erwarten sind? Ist ja nicht unbedingt die Regel, dass jemand wie Herbert reinkommt und direkt im ersten Jahr Defenses abfackelt. Und auch bei Josh Allen habe ich noch gut vor Augen, wie überfordert und nervlich noch nicht bereit er im Wildcard-Spiel vor zwei Jahren gegen die Texans gewirkt hat.

    Hab manchmal den Eindruck, dass Teams da durchaus länger gewillt sind, einen jungen QB zu behalten in der Hoffnung, dass er diesen Durchbruch noch schafft und dadurch vielleicht länger schlechte Seasons tolerieren, als es ihnen wirklich gut tut. Denke da z.B. an Trubisky, Goff, Daniel Jones oder auch Mayfield. Bei Tua ist das ja ein ähnliches Thema. Aber spätestens vor dem fünften Jahr muss ja dann doch mal ein klares Urteil gefällt werden.

  25. Krass, wie hier rmit anderen Meinungen umgegangen wird.

    @alexanderbrink:
    Wenn ein Team die Packers at home bei 10 Punkten hält, ist das für mich eine starke Defense. Da brauche ich keine Season-Stats.
    @thompson
    Geht es noch herablassender?
    @korsakoff
    Die Chiefs waren vor dem Super Bowl bei fast allen Experten deutlicher Favorit, weil man der Meinung war, Mahomes und seine Offense kann niemand stoppen (Stichwort Hype). Da das Spiel nicht 33:34, sondern 9:31 ausging, ist für mich ein Beleg, dass die Defense der Bucs das Spiel „gewonnen“ hat.

    Und allgemein zur These: Defense wins Championships.

    Wenn ich mir die letzten 20 Jahre anschaue, haben große Offenses im Super Bowl versagt:

    Rams gegen Patriots, Patriots gegen Giants, Broncos gegen Seahawks

    Und wieviele Punkte haben noch mal die Rams als zweitbeste Offense der regulären Saison im Super Bowl gegen die Patriots gemacht?

    Natürlich gibt es auch gute Gegenargumente. Aber die kann man vernünftig austauschen, ohne die Meinung des anderen oder ihn selbst abschätzig zu behandeln.

  26. Was mich zu dem Thema Elite-QBs mal noch interessieren würde: Gibt es denn einen Richtwert, bis wann ein junger QB den Durchbruch zum Elite-QB geschafft haben sollte bzw. ab wann keine großen Sprünge mehr zu erwarten sind? Ist ja nicht unbedingt die Regel, dass jemand wie Herbert reinkommt und direkt im ersten Jahr Defenses abfackelt. Und auch bei Josh Allen habe ich noch gut vor Augen, wie überfordert und nervlich noch nicht bereit er im Wildcard-Spiel vor zwei Jahren gegen die Texans gewirkt hat.

    Hab manchmal den Eindruck, dass Teams da durchaus länger gewillt sind, einen jungen QB zu behalten in der Hoffnung, dass er diesen Durchbruch noch schafft und dadurch vielleicht länger schlechte Seasons tolerieren, als es ihnen wirklich gut tut. Denke da z.B. an Trubisky, Goff, Daniel Jones oder auch Mayfield. Bei Tua ist das ja ein ähnliches Thema. Aber spätestens vor dem fünften Jahr muss ja dann doch mal ein klares Urteil gefällt werden.

  27. Was mich zu dem Thema Elite-QBs mal noch interessieren würde: Gibt es denn einen Richtwert, bis wann ein junger QB den Durchbruch zum Elite-QB geschafft haben sollte bzw. ab wann keine großen Sprünge mehr zu erwarten sind? Ist ja nicht unbedingt die Regel, dass jemand wie Herbert reinkommt und direkt im ersten Jahr Defenses abfackelt. Und auch bei Josh Allen habe ich noch gut vor Augen, wie überfordert und nervlich noch nicht bereit er im Wildcard-Spiel vor zwei Jahren gegen die Texans gewirkt hat.

    Hab manchmal den Eindruck, dass Teams da durchaus länger gewillt sind, einen jungen QB zu behalten in der Hoffnung, dass er diesen Durchbruch noch schafft und dadurch vielleicht länger schlechte Seasons tolerieren, als es ihnen wirklich gut tut. Denke da z.B. an Trubisky, Goff, Daniel Jones oder auch Mayfield. Bei Tua ist das ja ein ähnliches Thema. Aber spätestens vor dem fünften Jahr muss ja dann doch mal ein klares Urteil gefällt werden.

  28. @Cantona: ich teile deine Ansicht zum Thema „Defense wins Championships“ definitiv nicht.
    Dein Kritikpunkt ist gerechtfertigt.

  29. @cantona

    Deine Argumentation ist halt absolut anekdotisch- du nimmst die Beispiele die in deine Hypothese Passen und ignorierst die anderen.
    Was ist mit Eagles vs Patriots, Chiefs vs. 49ers, Patriots vs Falcons?
    Wenn du auf Chiefs vs Tampa verweist verkennst du aber, dass die Chiefs es überhaupt in die Super Bowl geschafft haben. Die Mahomes Chiefs sind jedes Jahr ins Championship Game gekommen während viele gute Defenses Jahr für Jahr gar nicht in die Playoffs kommen.
    Es gibt gute Defenses. Aber gute Defenses können nicht mehr, als der offense eine möglichst schwierige Aufgabe zu stellen. Und wenn man genauer hinschaut sind es am Ende dann meist ebenso Probleme der offense, die genauso wichtig sind. 49ers haben ohne Frage einen tollen Defensiv gameplan gehabt – aber Rodgers hat auch ein schlechtes Spiel gemacht.

    Zum zweiten: was ist denn für dich gute Defense? Du schreibst, dass du keine Season stats brauchst – sind dann nur in den Playoffs die Defenses wichtig- also nur da wo viele gute Defenses gar nicht mehr dabei sind?

    Und zu deiner Beschwerde:
    Du hast hier eine ganz schön steile These rausgehauen, benutzt eine Spache die ganz schön triggert und vor allem setzt du dich null mit den Gegenargumenten, mit dem Inhalt des Blogs auseinander – was erwartest du denn?

  30. @Cantona
    Wenn du dich angegriffen gefühlt hast, möchte ich mich für meine Ausdrucksweise entschuldigen.

    Argumentativ kommt jedoch, wie die anderen Kommentatoren bereits ausgeführt haben, von dir leider sehr wenig. Da kann ich mich nur den Vorrednern anschließen.

  31. Ich finde die Ausdrucksweise nicht unangebracht, der Ton ist etwas verschärft aber angenehm. Wie auch Thompson verstehe ich auch ohne die Stats nicht wie man beim NFL Schauen heute noch auf das Defense Wins Championship Mantra kommen kann.

    Auf diesem Blog ist oft aufgezeigt worden, daß das Verhältnis von Offense zu Defense 1,6 zu 1 ist, womit eigentlich alles gesagt ist.

    Es ist nicht 100 zu 1, weshalb es natürlich immer wieder Ausnahmen von der Regel gibt und gute Defense Leistungen zum Erfolg führen, aber wenn die Top QB am oberen Ende ihrer Performance spielen und die Coaches sie lassen, dann erleben wir so etwas wie bei Chiefs Bills, und deswegen verstehe ich Korsakoffs Sichtweise auch perfekt.

    Ich hoffe einfach, daß trotz des momentan drohenden Übergewichts der AFC QB irgendwann wieder ein Gleichgewicht eintreten wird. Wenn die guten Teams alle in der AFC sind, dann wird die NFC höhere Picks bekommen und dann werden die guten jungen QB irgendwann auch wieder in die NFC gehen.

  32. @Cantona:
    Für heutige Internet-Verhältnisse ist die Kommentarspalte auf diesem Blog gerade zu eine Wohlfühloase.
    Wer auf diesem Blog mit Phrasen wie „Defense wins Championships“ und „establish the run“ daher kommt, dem sollte allerdings klar sein, dass er mit Gegenwind zu rechnen hat.
    Phrasen wie diese sind das Pendant zu „der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten“. Also relativ nichtssagend.
    Vier der letzen Fünf Super Bowl Sieger gingen über 30 Pkt. Und selbst bei Rams vs Pats standen sich zwei top 5 regular Season Offenses gegenüber.
    In den letzten 5 Jahren erreichten von den besten Regular Season D#, lediglich die Vikings das Championship Weekend, nur um dort 38 Punkte eingeschenkt zu bekommen. Für Ravens und Pats war jeweils am WildCard Wochenende Schluss, Rams und Texans gingen jeweils mit 30+ in den Divisonals Baden.
    Die Antiquierte Annahme D# wins Championships mag evtl zutreffend sein, wenn sich 2 gleichwertige Offenses im SB gegenüber stehen. In diesem Fall ist die Verteidigung allerdings nur das Zünglein an der Waage. Aber keinesfalls der Grund für die SB Teilnahme.
    Ps. Bin eigentlich nur stiller, regelmäßiger Leser dieses Blogs. An dieser Stelle tausend Dank an Thomas für diesen fantastischen Blog.

  33. @alexanderbrink
    Ich hab seine Aussage wiedergegeben. Kannst dir die Folge gerne nochmal anhören.

    Und wie hier auch ein anderer bereits geschrieben hatte stimmt es mit den über 92% eben nicht wirklich, da es in den Siegen sehr wohl zu Ballwechsel kam. Kurz es spielte in den Fällen eben absolut keine Rolle wer den Ball als erstes hatte und es war eben kein automatischer Sieg durch Münzwurf.
    Spielt Glück eine Rolle? Ja. Das macht es aber in vielen anderen Situationen auch.

    Ich sehe viele der dargebrachten Lösungen für mind. ebenso problematisch da sie auch wieder Vorteile für das ein oder andere Team bieten. Oder stink langweilig.

  34. So etwas wie „Defense wins Championships“ ist ein Allgemeinplatz, der auf seine reine Aussage betrachtet, einfach falsch ist und vermutlich auch immer schon falsch war. Wenn man damit aussagen möchte, dass einem die beste Offense nichts bringt, wenn die Defense unterirdisch schlecht ist, dann kann ich damit mitgehen. Aber eine unterdurchschnittliche Defense bei einer überragenden Offense reicht in der heutigen NFL schon aus.

  35. @Garosh
    Ich weiß – habe das aber eher für einen allgemeinplatz von Herrn Kröger gehalten 😉

    Und ich denke es ist logisch, dass ein Spiel nicht vorher verloren worden sein kann, wenn es zu einer Verlängerung kommt…

    Ja 10/11 hat seinen Tücken – aber auch 7/11 walkoff Touchdowns wären eine heftige Abweichung wenn es nicht das sample size Problem gäbe.
    In diesem Spiel sollten die Diegchancen mit dem Coinflip zumindest deutlich jenseits der 50% gelegen haben.

  36. Timo Riske hat bei PFF obige Behauptungen jetzt mit Zahlen unterlegt:
    https://www.pff.com/news/nfl-how-likely-late-game-winning-drive-kansas-city-chiefs-cincinnati-bengals-buffalo-bills-2022

    Fazit:

    – Top Offenses sind eindeutig gefährlicher, wenn sie in den „must score“ Modus schalten.

    – Mit 2 Minuten to go ist eine Top-8 Offense auf fast 45% TD Quote in must score Situationen, wenn es nur ein FG braucht, fast 2/3

    – Top Offenses sind besser im Scoren als Top Defenses im Verhindern von Scores

    – Gegen eine starke Offense beim Gegner wird „Touchdown scoren“ damit nicht mehr zum einzigen Ziel, sondern „Touchdown scoren und das maximal mögliche an Zeit runternehmen“.

    – 30 sek FG Drive: absolut realistisches Szenario

    Timo schreibt:

    While we won’t get the kind of magic we saw in the divisional round every year, we indeed found that offenses — and especially good offenses — score much more often when they have to score.

    Since the divisional round of the playoffs was (mostly) filled with good offenses, it’s not a coincidence that we witnessed four consecutive epic endings.

    We also found that good defenses have a smaller effect than good offenses, which gives rise to the saying that one should never trust a defense.

  37. Die NFL hat gestern die Overtime-Regel für die Playoffs geändert. Ab sofort kriegen beide Teams einen Ballbesitz garantiert (außer bei Turnover-return-zum TD).

    Obwohl spätestens der dritte Ballbesitz damit nach wie vor ins Sudden-Death geht und das Team mit dem ersten Ballbesitz dann das Ballrecht hätte, dürften viele Gewinner des Münzwurfs damit wie am College den zweiten Ballbesitz wählen, denn damit hat man den Informationsvorsprung, welcher Score reicht.

    Wir wissen auch, dass Offenses besser spielen, wenn sie aggressiv spielen.

    Bei TD im ersten Ballbesitz ist es ratsam, den Extrapunkt zu kicken. Nach einem etwaigen TD-Konter im zweiten Drive werden damit gerade in Spielen mit zwei Top-Offenses viele Teams auf die 2pts-Conversion gehen, was ein Vorteil für das Team mit dem zweiten Ballbesitz ist.

    Viel „fairer“ wird das ganz damit nicht (wie auch schon im Fließtext oben geschrieben). Aber vielleicht wird es unterhaltsamer.

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