Über den Mehrwert von NFL Draftpicks

Die Vorphase des NFL Drafts 2022 wird bei mir eher in der Schmalspur laufen. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen aber einige spannende Artikel zum Draft gelesen, die ich kurz diskutieren möchte.

Lass mich beginnen mit der Analyse zum „Mehrwert“ von Draftpicks von Timo Riske, der erst kürzlich nicht zu Unrecht von niemand geringerem als Cade Massey zum #1 Draft-Experten geadelt wurde:

Die Prämissen sind klar: Die Evaluierung von Draft-Prospects ist ein äußerst ungewisses Business, und die Ressourcen sind mit limitierter Anzahl an Draftpicks, Salary Cap und Rookie Wage Scale limitiert.

Nicht jede Position ist gleich wichtig für den Erfolg einer NFL-Mannschaft, und nicht jede Position ist gleich hoch bezahlt – aber im NFL-Kollektivvertrag ist seit 2011 eine neue, positionsunabhängig starre Gehaltsstruktur für Rookies implementiert.

Der „Mehrwert“ von Draftpositionen wurde in Vergangenheit schon von oben genanntem Massey und Wirtschaftsnobelpreisträger Richard Thaler analysiert und sorgte damals als „Loser’s curse“ für Aufsehen. Die Grundaussage damals war: Den Wert eines Draftpicks darf man nicht allein an der Draftposition messen, sondern muss auch die dafür bezahlten Kosten mit berücksichtigen. Unter der alten, vor 2011 gültigen Rookie-Gehaltsstruktur, waren die höchsten Draftpicks nicht die wertvollsten, da sie viel zu teuer waren.

Unter der neuen Gehaltsstruktur hat Timo schon in Vergangenheit aufgezeigt, dass die Draftpicks Mitte der ersten Runde die wertvollsten sind (also höchsten Mehrwert bringen).

Wie ist „Mehrwert“ im NFL Draft definiert?

Riske definiert den „Mehrwert“ (surplus value) in seiner neuesten Studie als Delta zwischen dem Wert der Performance und den Kosten des Rookievertrags.

Kosten des Rookievertrags = Rookievertrag pro Draftposition nach der seit 2011 gültigen (und 2021 leicht modifizierten Rookie Wage Scale).

Wert der Performance = ist der Wert, den ein Team ohne die Schranken dieser Rookie Wage Scale für die Performance des Spielers zahlen müsste. Timo hat diese Performance-Levels in verschiedene „Tiers“ (Elite, überdurchschnittlich, Durchschnitt, unterdurchschnittlich, austauschbar) eingeteilt.

Als Beispiel: Ein Elite-QB kassiert gemessen an der Salary-Cap von 2022 (208 Mio) im Schnitt fast 42 Mio/Jahr. Ein QB als „Tier 2“ kassiert 31 Mio/Jahr.

Ein Elite Edge-Rusher kassiert ca. 25 Mio/Jahr, ein „Tier 2“ Edge-Rusher 17 Mio/Jahr.

Elite-WR oder Elite-Tackles kassieren 22 Mio/Jahr, Tier 2 WR/OT kassieren etwa 15 Mio/Jahr.

Elite-Cornerbacks dagegen sind mit 19 Mio/Jahr schon wesentlich billiger als die oben genannten Positionen, und Elite-Runningbacks oder Tight Ends kassieren schon nur noch 14 Mio/Jahr.

Im Vergleich zu früheren Studien fokussiert sich Timo diesmal also nicht auf theoretische Konzepte wie AV oder WAR (wins above replacement), sondern auf die harten, kalten Fakten: Wie viel zahlen NFL-Teams ihren Spielern?

Ergebnisse der Studie

Quarterbacks bleiben King. Im Schnitt sind Rookie-Quarterbacks aus der 1ten Runde in ihrem Vierjahresfenster unter der Rookie Wage Scale 15 Mio/Jahr mehr wert als das was sie gezahlt bekommen.

Wir haben schon in der Vergangenheit gesehen, dass ein QB als #1 Overall Pick die Durchschnittserwartung erfüllt, wenn er ein leicht überdurchschnittlicher NFL-Starter wird (also in etwa 1 WAR/Saison produziert).

Die Rechnung in Cap-Dollars (Markwert) anstatt WAR (Wins above Replacement) simpel und geht so: Von einem #1 Overall Pick erwarten wir im Schnitt über die ersten vier Jahre in etwa eine Performance, die am Markt mit 27 Mio/Jahr bezahlt wird. Wir sehen oben: Überdurchschnittlich gute Starting-QBs werden am Markt mit etwa 31 Mio/Jahr bezahlt.

Der #1 Overall Pick kriegt im Jahr 2022 etwa 11 Mio/Jahr für die ersten vier Jahre. Ist der #1 Overall Pick ein QB, erwarten wir also, dass er seinem Team einen Mehrwert von ca. 16 Mio/Jahr bringt.

Die nächst-wertvollsten Positionen im Sinne von „Mehrwert“ sind Wide Receiver, Edge Rusher, Defensive Tackle und Offensive Tackle. In der ersten Runde gedraftete Spieler auf diesen Positionen bringen im Durchschnitt 8-9 Mio/Jahr Mehrwert verglichen mit dem, was sie unter der Rookie Wage Scale kosten.

Als Top-5 Picks ist ihr Mehrwert mit ca. 5 Mio/Jahr etwas geringer, da die ganz hohen Draftpicks auch unter der neuen Rookie Wage Scale nicht ganz billig sind – aber ab dem #10 Pick beträgt der Mehrwert an die 10 Mio/Jahr.

Wir müssen uns dabei vor Augen halten, dass diese Zahlen bereits die Tatsache inkludieren, dass Draftpicks busten. In der ersten Runde z.B. schlagen nur 30% bis 50% der Picks ein und kriegen einen hoch bezahlten zweiten Vertrag.

Was auch auffällt: Cornerbacks bringen überraschend geringen „Mehrwert“. Sie sind schwer zu prognostizieren, spielen eher volatil, und wie wir oben gelesen haben: Elite-Cornerbacks kosten am Transfermarkt weit weniger als Elite-Passrusher oder -Receiver.

Center, Tight Ends und natürlich Runningbacks bringen den mit Abstand geringsten Mehrwert aller NFL-Positionen. Ein in den Top-5 gedrafteter Runningback wie Saquon Barkley bringt sogar negativen Mehrwert, und das bevor wir die Opportunitätskosten berücksichtigen.

Und: Unter der momentan gültigen Gehaltsstruktur für Rookies sind Late-Round-Quarterbacks quasi wertlos geworden, da es kaum mehr Incentives gibt, sie zu entwickeln (bis sie auf Top-Niveau performen, müssen sie schon für fast Marktwert verlängert werden). Natürlich werden so einer Analyse Gegenbeispiele wie Tom Brady oder Tony Romo entgegengeworfen, aber: Diese Spieler feierten ihren NFL-Einstand in der Zeit vor dem aktuellen CBA.

Hier sehen wir den Mehrwert der einzelnen Positionen pro Runde im Draft:

Im Schnitt landen wir bei etwas mehr als 8 Mio/Jahr Mehrwert für einen 1st Round Pick, bei etwa 7 Mio/Jahr Mehrwert für 2nd Rounder, mehr als 5 Mio/Jahr für 3rd Rounder, 3.5 Mio/Jahr für 4th Rounder, 2.5 Mio/Jahr für 5th Rounder und weniger als 2 Mio/Jahr für die ganz späten Runden.

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte pro Runde. Um tiefer in die Materie des Drafts einzusteigen, müssen wir die Analyse jedoch auf die einzelnen Picks runterbrechen.

Hier sehen wir die Kurven von Performance Value (blaue Linie = Marktwert), Rookie Cost (orange Linie = Rookievertragswert) und Mehrwert (grüne Linie) für die ersten 40 Picks pro Position.

Ben Baldwin hat Recht: Wer diese Kurven versteht, versteht den NFL Draft – und viele Teams verstehen ihn nicht.

Es zahlt sich aus, mit den hohen Picks die wertvollsten Positionen zu adressieren – Quarterbacks, Edge Rusher, Receiver, Offensive und Defensive Tackle. Die korrekte Vorgehensweise mit einem Top-10 Pick im NFL Draft ist also:

  1. Wenn du einen QB brauchst und einen entsprechend hoch geratet hast: Drafte ihn.
  2. Wenn nicht, versuche einen Trade-Partner zu finden um nach unten zu traden.
  3. Gelingt das nicht, ziehe eine der wertvollsten Positionen: EDGE, WR, OT, DT
  4. Hast du auch dort keinen vernünftigen Prospect am Board, versuche nochmal mit Nachdruck, nach unten zu traden
  5. Gelingt das nicht, dann ziehe Defensive Back, Linebacker oder Interior O-Line
  6. Es bleibt nur mehr eine Option übrig. Deine Name ist David Gettleman und du bist eh gefickt.

Die alles überstrahlende Quarterback-Position mal ausgeklammert, findet Riske in der Analyse auch weiter deutliche Anzeichen für den „Loser’s Curse“: Die höchsten Picks sind nicht die, die am meisten Mehrwert generieren – sondern die Picks zwischen #10 und #40, denn sie kosten im Vergleich zu den ganz hohen Picks immer noch deutlich weniger Geld, für nicht viel weniger Leistung.

Für 2022 ist das ziemlich relevant, weil es eine Klasse ohne Top-QB Prospect ist.

Quick Discussion

Die Ergebnisse dieser Studie bringen also an einigen Stellen durchaus neue Inputs – z.B. dass die Defensive Backs, die am Feld so wichtig sind, wegen der weiter relativ günstigen Verträge am freien Markt einen vergleichsweise geringen Mehrwert bringen.

Vor fast genau einem Jahr habe ich auf diesem Blog geschrieben:

#3 Verschiebung des Draftkapitals auf die wichtigen Positionen. Nicht im Podcast diskutiert, aber meine präferierte Vorgehensweise: Den Draft auf die wichtigen Positionen fokussieren:

1. Quarterback
2. Wide Receiver / (fangstarke Tight Ends??)‘
3. Defensive Backfield
4. Offensive Tackle
5. Edge-Rush

Es sind tendenziell auch die „teuren“ Positionen, während man auf Guard, Runningback oder Linebacker Löcher billig in Free Agency stopfen kann. Hohe Picks ausschließlich in diese wichtigen Positionen investieren – und auch bei scheinbar guter Kaderbesetzung. Denn merke: Du bist nie über ein, maximal zwei Jahre „gesattelt“ auf einer Position!

Ein solcher Approach bedingt auch Umschichtung von Scouting-Ressourcen. Gemäß WAR-Prinzip reden wir von einer 65/35 Offense/Defense Verteilung. Schieb kleinen QB-Bonus obendrauf, und wir können von einer Aufteilung 40% Scouting-Investment in Quarterback und je 30% Rest-Offense und Defense sprechen.

Hast du den QB bereits im Kader, kannst du die Ressourcen von QB etwas abziehen. Aber merke: Ohne wirklichen Top-5 QB bist du auch auf QB nie ganz sorgenfrei.

Ich glaube, allein durch das Picken auf den wichtigen Positionen kann man aus dem Draft höheren Mehrwert generieren – zwar nicht per se durch höhere Hit-Rate, aber zumindest durch das höhere Potenzial der anvisierten Positionen.

Ich muss diese Zeilen auf Timos Analyse hin leicht aktualisieren.

Das mit dem „fangstarken Tight End“ sticht sofort heraus. Es ist teilweise unter dem Eindruck des letztes Jahr omnipräsenten Kyle Pitts reingerutscht, aber auch aus einem anderen Grund: Superstar-Tight Ends sind eine Rarität in einer NFL, die keine zehn starke Tight Ends aufs Feld bringt. Ein richtig guter Tight End ist allein deshalb so viel wert, weil er auch später am Markt deutlich niedriger bezahlt wird als ein Star-WR. Aber genau darin liegt die Krux von Timos Analyse: Die NFL ist weit schwächer darin, „Elite-Prospects“ zu identifizieren als wir alle glauben.

Defensive Backs müssen wir wegen der Marktpreis-Thematik runterschieben. Das neue Ranking sieht dann wohl so aus:

  1. Quarterback
  2. Wide Receiver
  3. Edge Rusher
  4. Offensive Tackle
  5. Defensive Tackle
  6. Defensive Backfield

Keep in mind: Der Mehrwert ist nicht der einzige relevante Parameter für den NFL Draft und auch nicht zwingend aufsummierbar, denn das oberste Ziel ist nicht, Mehrwert zu maximieren, sondern die Sieg/Niederlagen-Bilanz.

Den 15t-besten Edgerusher sollte man nicht allein wegen des Mehrwert-Prinzips über dem CB1 draften. Aber den Mehrwert im Auge zu behalten, ist gerade dann entscheidend, wenn Teams Prospects verschiedener Positionen relativ nahe beieinander ranken. In diesem Fall sollte die wertvollere Position den Vorrang bekommen.

Ebenso ist die Analyse ein weiteres Indiz, wie wertvoll Trade-Downs sind. Selbst wenn es nicht an jeder Stelle im Draft einen Abnehmer für einen Pick gibt: Versuche es, solange du keinen QB draften willst.

Etliche Teams befolgen dieses Framework bereits – aber nicht alle.


Die Analyse zeigt auch auf, warum Analytics Trades wie die von Tyreek Hill oder Davante Adams als Gewinn für das abgebende Team sieht: Denn ein Spieler wie Hill kassiert über vier Jahre 30 Mio/Jahr, aber die Chiefs sparen darüber hinaus noch Cap-Space durch die Akquise mehrerer Draftpicks – u.a. einem 1st und einem 2nd Rounder.

Diese beiden Picks sind, wie wir oben gesehen haben, 8 bzw. 7 Mio/Jahr wert. Die Chiefs verlieren also einen Elite-WR im besten Alter, sparen aber gleichzeitig pro Jahr mindestens 45 Mio. an Cap-Space ein (30 Mio Gehalt + 8 Mio Mehrwert für den 1st Rounder plus 7 Mio für den 2nd Rounder).

Nehmen wir nochmal WAR in die Hand, dann können wir schätzen, dass für QBs die Faustregel gilt: 1 WAR pro 10 Mio Gehalt.

Für die non-QB Positionen gilt die Faustregel: 1 WAR pro 50 Mio Gehalt.

(Sidenote: Die schlauen Leser werden schnell verstehen, welch grandioses Schnäppchen Top-QBs trotz der mittlerweile hohen Gehälter weiter sind)

Hill müsste also pro Jahr um die 1 WAR wert sein, damit die Chiefs seinen Verbleib unter dem Mehrwertsprinzip hätten rechtfertigen können. Doch Hill war selbst in den letzten drei Jahren im Schnitt nur etwa die Hälfte davon wert – wir beginnen also zu verstehen, warum es ein exzellenter Trade für den von mir so oft kritisierten Chiefs-GM Brett Veach war:

Ähnliches gilt für Adams, der den Packers auch über 40 Mio/Jahr einspart, aber selbst in seinen Monster-Saisons 2020 und 2021 am absoluten Gipfel seiner Karriere nicht ganz 40 Mio/Jahr an Performance wert war (50 Mio * 0.78 WAR = 39 Mio Performance):

(Für Adams könnte man das Gegenargument der Maximierung des Titel-Fensters unter Aaron Rodgers bringen.)


Letztens bleibt für den ganzen Artikel noch festzuhalten: Ich habe Team-Drafts in den letzten Jahren stets näher an den oben diskutierten Prinzipien des Team-Buildings bewertet als an den tatsächlich gezogenen Spielern, denn wir wissen ganz einfach viel mehr über die Makro-Perspektive als über die Qualität der einzelnen Prospects.

Aber obwohl die Studie grosso modo unser Wissen bestätigt hat, liefert sie doch wieder Futter um unsere Sicht wieder an ein paar Stellschrauben zu drehen und anzupassen. Der NFL Draft bleibt eine unerschöpfliche Fundgrube für neue Erkenntnisse.

22 Kommentare zu “Über den Mehrwert von NFL Draftpicks

  1. Was ich mich immer frage: Teams die das nicht ca. 2013 gecheckt haben (also kurz nachdem die neue Rookie wage scale rein kam) was machen die eigentlich ebruflich?

    Das man WAR oder DVOA nicht mal eben aus dem hut zaubern kann sehe ich ein, aber den transparenten Markt für Spieler beobachten sollte ja eigentlich Kerngeschäft eines Frotnoffice sein.

  2. @blub: ich denke das problem ist weniger, dass es keiner erkennt, sondern dass andere Faktoren überbewertet werden; Bzw. Das eigene Scouting.
    “Mag ja sein, dass dass im Durchschnitt stimmt, aber dieser eine RB sprengt die Dimensionen”
    “Es ist zwar nicht der beste Value, aber ein LB ist genau das Puzzlestück, dass uns fehlt”
    “Ich habe diesen Edge gescoutet, der ist mehr wert”

  3. Finde ich super interessant und gerade die Kurven werde ich mir nochmal im Detail anschauen.

    Ich habe meine 49ers in den letzten Jahren immer kritisiert, dass ständig DTs gezogen wurden und nie in der Secondary nachgelegt wurde. Nach dieser Studie hätte ich dann wohl Unrecht und könnte nur noch Free Agency und Trades kritisieren.

    Spannend!

  4. Ja, Defensive Tackles haben auch mit der WAR Methode einen erstaunlichen Wert, wenn sie 3-down eingesetzt werden können und der Defense erlauben, zusätzliche Ressourcen in die Passing-Defense zu stecken wenn sie den Run gut verteidigen.

    Wobei Defensive Backs nach WAR eigentlich wertvoller sind und am Markt einfach einen Tick zu niedrig bezahlt zu werden scheinen.

  5. @blub/alexanderbrink

    Ja, die Overconfidence in das eigene Scouting ist wohl das größte Problem im gesamten Draft-Prozess. Die NFL ist mit all ihrem betriebenen Aufwand im Scouting nicht/kaum besser als der Public mit seinem Public Board, was schon sehr deutlich dafür spricht, dass die im Artikel beschriebenen Prinzipien die richtigen zum Anwenden sind.

  6. @korsakoff: Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass sich die Public Boards sehr, sehr stark an den Informationen aus Scouting- und NFL-Zirkeln orientieren. Von daher ist die Ähnlichkeit, die sich übrigens mit der Nähe zur Draft immer stärker einstellt, ein wenig misleading.

  7. Natürlich leben die beiden Welten nicht völlig unabhängig voneinander. Draft ist eben die „Weisheit der Vielen“, da ist ein Meinungsmix unumgänglich, und mit hoher Wahrscheinlichkeit färbt das Scouting der NFL-Teams recht stark auf den Public ab.

    Das ist BTW auch eine Stärke des Publics – offen zu sein für Expertenmeinungen aus der NFL.

    Ich kann gleichzeitig auch nicht ausschließen, dass die Beeinflussung auch in umgekehrter Richtung (Medien in Richtung Teams) existiert.

    Letztlich bleibt das, was ist: Der effektive Draft produziert kein wesentlich besseres Ergebnis als das Public Board, und das allein zeigt, dass beim Thema Scouting aktuell noch niemand die Weisheit gepachtet hat.

    Was hingegen sonnenklar ist: Dass viele Teams keine strategisch gute Herangehensweise an den Draft haben. Dort wäre seit längerem klar (und auch hier wieder bewiesen) wie die beste Vorgehensweise ist.

  8. Ist hier ja eh nur Offtopic, aber meiner Erfahrung nach ist das Verhältnis da extrem unausgewogen. Es ist nicht die Stärke des Publics, offen zu sein für die Expertenmeinungen, sondern diese sind schlicht die hauptsächliche Quelle des Publics.

    Ich würde mir ja wirklich mal ein Kaspar Hauser-Draftexperiment wünschen, was leider nie umsetzbar sein wird. Sprich: Draftniks in eine Hütte sperren – ohne Vorab-Infos, nur mit jeder Menge Tapes. Ich bin mir sicher, die würden zu weit devianteren Ergebnissen gelangen, als das mit den – über die Medien vermittelten – NFL/Scout-Einflüssen der Fall ist.

    Und ja, deswegen produziert die reale Draft auch kein deutlich besseres Ergebnis als das Public Board. Weils halt extremst eng verquickt ist.

  9. Natürlich würden die Meinungen breiter streuen, da Draftnerding halt auch bissi ist und bleibt was einer ab vom andern schreibt 🙂

    Aber dieser Meinungsaustausch passiert auch zwischen den fest angestellten Scouts.

    Dieser Meinungsaustausch ist auf allen Levels übrigens von Vorteil.

    Auch gebe ich zu bedenken, dass es in den Medien doch ziemlich viele Figuren gibt, die entweder direkt aus dem NFL-Umfeld stammen oder früher als Scouts gearbeitet haben und nicht allein die NFL-Scouting-Community filtern.

  10. Letzteres auf jeden Fall. Dennoch sind auch da die Veränderungen der Boards auffällig, nachdem die Saison beendet ist (und selbst alle athletischen Tests vollzogen worden sind).

  11. Ja, ist aber auch logisch, denn a) die athletischen + medizinischen Tests haben ja durchaus Gewicht und b) wer sich nicht in Vollzeit mit Scouting befasst, wird halt auch während der Saison keine 100% Zeit in Scouten stecken können.

    Mit neuen Infos kommen eben neue Rankings.

  12. Meinte länger nach der Combine. Wirste in den nächsten Wochen noch sehen, was sich da noch so alles tut…

    Wobei ich es eh Quatsch finde, Rankings zu veröffentlichen, wenn ich noch nicht einmal das Tape vernünftig evaluiert habe, aber das ist wiederum ne andere Baustelle.

  13. Ganz eindrucksvoll finde ich so nebenbei wie hier deutlich wird, dass die NFL 2022 eben doch gelernt hat, dass RBs wenig wert haben.
    2012 hat ein Adrian Peterson 13,7 Mio kassiert, Tom Brady 14,1.
    Inzwischen verdienen die Top RBs halb soviel wie die bestbezahlten Receiver; an QBs braucht man gar nicht denken…

  14. Das ist natürlich korrekt.

    Aber wenn wir *das* als Kompetenzbeweis für NFL GMs durchgehen lassen, dann setzen wir die Latte sehr niedrig an 🙂

  15. Krasser Artikel! Ganz stark, werde ihn beim Discord von Saturday Kickoff weiterempfehlen.

  16. Kann jemand die Hintergründe zum Trade zwischen den Eagles und Saints erklären?
    Saints erhalten: 16th + 19th und einen 6th rounder dieses Jahr
    Eagles erhalten: 18th, einen 3rd rounder (101st overall) und einen 7th rounder dieses Jahr, 1st rounder nächstes Jahr und 2nd rounder 2024.

    Aus Sicht der Eagles kann ich den Trade nachvollziehen.
    15th, 16th und 19th dieses Jahr ist hinsichtlich Needs/Best Player Availabe/Bang for the Buck wahrscheinlich etwas supoptimal, weil viel zu eng zusammen. So hat man sein Draftkapital mehr diversifiziert und natürlich noch oben drauf erhalten – und ist dabei jeweils in der Reihenfolge vor den Saints geblieben (15th + 18th vs. 16th + 19th).

    Aber warum machen die Saints das? Klar, jetzt haben sie zwei 1st rounder dieses Jahr, aber im Endeffekt haben sie sich nur um zwei Plätze verbessert (18 auf 16). Scheint also nicht um einen QB zu gehen.
    Wenn man zwei, drei Prospects im Auge hat, die man meint in den Regionen zu bekommen, OK…aber würde es dann nicht Sinn machen entsprechend am Draft Day selbst zu traden, wenn man klarer ersehen kann, an welche Position man gehen muss? Oder sind Trades am Draft Day generell deutlich teurer, dass es hinsichtlich des aufzuwendenden Kapitals sinnvoller ist jetzt ein bisschen im Trüben zu stochern wo man meint ungefähr hin zu müssen?

  17. Herr Esume (ich bin kein Fan, verbringe aber viel Zeit im Auto und höre durchgehend alle möglichen Podcasts) meinte heute, dass sie wohl je einen guten O-Tackle und WR draften wollen. Von den Tackles sollte bis Pos 16 noch einer verfügbar sein und sie picken als 16 nun vor den Chargers auf 17, die wohl auch OT als Priorität haben. Auf 19 sollte auch noch ein solider WR da sein. Hört sich mal für mich nachvollziehbar an.

  18. Das ist doch aber sehr spekulativ. Heute weiß doch kein Mensch, wie das Draft Board am Ende aussehen wird. Gerade für sowas wäre ein draft day trade viel sinnvoller.

    Vlt. Wird Munition für einen Uptrade gesammelt?

  19. Wenn hier schon spekuliert wird 😉 , dann bin ich dabei 🙂 : vllt mein Liebling Cap Management. Vllt haben die Saints dieses Jahr nur Geld für Qualität über billige Rookies. In ein / zwei Jahren haben sie vllt wieder Geld für Qualität über Free Agents.

  20. Da wir nicht wissen, was genau die Saints vorhaben ist doch alles nur „Fischen im Trüben“. Weiter hochtraden? QB holen? LT und WR holen für Winston? K.A. Ich weiß es nicht, hoffe aber sie (GM) wissen was sie tun. Im Moment sieht es für mich nach Tradesieger Eagles und planlos in Orleans aus und warte aber gespannt was da noch passiert. Ggf. haben sie ja einen Plan und überraschen uns alle.

  21. Offtopic
    Wie Adam Schefter von ESPN unter Berufung auf Haskins‘ Agenten berichtet, befand sich Haskins zusammen mit anderen Quarterbacks, Running Backs und Wide Receivern der Steelers zum privaten Training in Florida. Medienberichten zufolge war er auf der Autobahn I-595 zu Fuß unterwegs. Beim Überqueren der Straße wurde er um 6.37 Uhr von einem entgegenkommenden Fahrzeug erfasst. Noch am Unfallort wurde er für tot erklärt.

    Haskins wäre am 3. Mai 25 Jahre alt geworden.

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