Sideline Reporter NFL Draft 2022 Grades

Lass mich heute noch meine NFL Draft 2022 Grades ausstellen.

Ich warne schonmal vor: Meine Benotung wird auf dieser Tabelle von Rene Bugner wieder am strengeren Ende rauslaufen. Das liegt u.a. dran, dass ich einem Team wie den Jets nicht einfach einen Freipass dafür ausstelle, zwei Top-Prospects in den Top-10 gedraftet zu haben, denn das kriegt meine vierjährige Nichte auch hin.

Der Trade-Up für Jermaine Johnson zurück in die 1te Runde war negativer EV, und Johnson war am College ein gefährlich unproduktiver Passrusher. Obendrauf müssen wir konstatieren: Die Jets haben mit Verve versucht, einen vierten 1st Rounder zu erkaufen um einen Runningback zu draften. Das befördert GM Joe Douglas auf die Strafbank.

Ich habe ansonsten keine wesentlichen Probleme mit den gedrafteten Spielern der Jets. Aber der Prozess stinkt zum Himmel, und die Tatsache, dass die Jets von den allermeisten Outlets ein A bekommen, ist viel mehr ihrem krassen Draftkapital nach dem Jamal-Adams-Trade geschuldet als einem sonderlich guten Prozess am Draft-Wochenende.

Ich kann den Jets damit leider nicht mehr als ein C vergeben: Gute Spieler dank grandiosem Kapital. Aber die Ausbeute hätte besser sein müssen.

Ich habe natürlich keine Hundertschaften an Stunden im Tape verbracht – das ist nicht meine Stärke. Das interessiert mich am Draft auch gar nicht so sehr. Meine primären Takes zum NFL Draft ziehe ich aus einem Gesamtbild der verfügbaren Informationen.

Hat die Mannschaft Premium-Positionen gezogen und wenn nicht, warum nicht? Hat sie stupide Trades eingefädelt? Wie schaut die Draftklasse verglichen mit dem Consensus-Board aus, von dem wir wissen, dass es ziemlich gut in die Zukunft projected? Wie wurde der Status quo des Kaders berücksichtigt? Was schwieriger ist, aber ich versuche es so gut es geht mit reinzunehmen: Welche besseren Alternativen hätte es gegeben?

Ich versuche dabei, die allgemeine Herangehensweise der jeweiligen Verantwortlichen mit der heutigen Information zu greifen. Natürlich wird in zwei Jahren die eine oder andere Benotung in einem anderen Licht erscheinen, denn Prospects entwickeln sich häufig überraschend gut oder schlecht. Darüber können wir zum heutigen Tag aber nur wild spekulieren.

Grade A

  • Ravens
  • Chiefs
  • Steelers

Drei Drafts fand ich besser als alle anderen. Alle drei sind nicht *deutlich* über dem Rest angesiedelt, weil ich an allen dreien Kleinigkeiten auszusetzen habe.

Die Ravens haben mal wieder das Value-Spiel optimal beherrscht, keine dummen Trades eingefädelt und fantastisch gute Prospects gezogen: Alle vier Picks in den ersten drei Runden waren gemessen am Consensus Board Steals mit mindestens 10 Spots. Kyle Hamilton war die #4 am Consensus Board. Die Ravens haben ihn an #14 gezogen. Tyler Linderbaum war die #14. Die Ravens bekamen ihn an #25.

David Ojabo war trotz Achillessehnenriss die #29. Die Ravens staubten ihn an #45 ab und niemanden würde es bei der heutigen Medizin überraschen, wenn Ojabo schon in der zweiten Saisonhälfte die ersten Snaps bekommt. Travis Jones war die #40. Die Ravens bekamen ihn an #76, während in der zweiten und dritten Runde eine ganze Latte an Spielern vom Board ging, die der Konsens irgendwo in den späten Runden verortet hatte.

Der Consensus ist nicht unfehlbar, aber die Historie deutet drauf hin, dass die Ravens hier gute Moves gemacht haben. Die Ravens haben außerdem einen 1st Rounder für den eher mittelmäßigen WR Hollywood Brown herausgepresst und haben einen 4th Rounder von den Bills erworben um zwei Spots von #23 an #25 runterzugehen.

Ich hab am Ende nur zwei Probleme: Einmal der Punter-Pick in der 4ten Runde. Er ist kein Deal-Breaker, aber war sicherlich nicht ideal. Und dann natürlich die Tatsache, dass Baltimore bei allem Value mit Safety & Center nicht die allerwertvollsten Positionen adressiert hat, während man jetzt als unattraktiver Free-Agent-Spot ohne Wide Receiver im Kader da sitzt.

Bloß: Wann hätten die Ravens tatsächlich Receiver ziehen sollen? An #14 waren die Top-4 schon vom Board. Jahan Dotson wäre ein „overdraft“ gewesen, Treylon Burks ist etwas gimmicky und passt nicht so wirklich in das Profil, das Baltimore gesucht hätte. Und danach waren immer dann, wenn die Ravens dran waren, die Value-Receiver schon weg. Ich habe Sympathie dafür, unter diesen Umständen keine teuren Trade-Ups einzufädeln und lieber auf die Stärken zu setzen die man hat. In dem Fall hat man produktive College-Tight ends mit den Late Roundern gezogen. Mit dem einzigartigen Lamar Jackson sind die Ravens eins der wenigen Teams, das imstande ist, über eine ganze Saison lang Laufspiel mit positiver Punkte-Erwartung zu spielen.


Die Chiefs haben nach dem Tyreek-Hill-Verkauf *fast* alles richtig gemacht. Sie haben wertvolle Positionen mit ihren hohen Picks adressiert (CB, EDGE, WR), in Karlaftis einen Passrusher mit starkem Analytics-Profil gezogen, einen attraktiven Receiver für ihre Rotation und Athleten mit hoher Upside in den mittleren bis späten Runden geholt.

Mein einziger Kritikpunkt ist der doch etwas teure Trade hoch von #29 an #21. Dass es dennoch zu einem A reicht, spricht Bände.


Der Steelers-Draft 2022 wird am Ende der Tage davon definiert werden, ob Kenny Pickett als QB einschlägt. Das ist einigermaßen fraglich – schließlich war Pickett ohne überragende physische Attribute kein QB-Prospect von allerhöchstem Format. Aber ich kann die Steelers nicht dafür haten, ein 1st Round Ticket in ihn zu investieren. Pickett war einer von zwei QBs, die der Consensus, in dem es viele gute QB-Evaluatoren gibt, zum Ende der 1ten Runde raus am Board hatte. Ihn an #20 zu nehmen ist ein vertretbarer Move, und wenn Pickett es einigermaßen draufhat und der 10t-15t beste QB der NFL wird, hat man die Infrastruktur in place um zumindest das billige Rookiefenster ganz gut auszuschlachten.

Warum ich ein A vergeben habe, liegt aber auch an den drei sehr guten Picks danach: Zwei WRs in Pickens und Austin, die man als extrem guten Value bekommen hat, und ein DT mit gutem Value. Pickens soll ein schwieriger Typ sein, aber wenn eine Franchise wirklich souverän mit schwierigen Typen umgeht, dann Pittsburgh mit seinem Coach Mike Tomlin, dank dem wir fast zehn Jahre lang den Eindruck hatten, dass Antonio Brown doch eigentlich kein komplett verrückter Spinner ist.

Grade B

  • Falcons
  • Panthers
  • Bengals
  • Lions
  • Packers
  • Texans
  • Colts
  • Eagles
  • Buccaneers
  • Titans

In diesem Bulk sind die drei Mannschaften, die Flyer-Mid-Round-Picks auf Quarterbacks gesteckt haben.

Die Titans waren am nächsten an einem A. Der A.J.-Brown-Verkauf ist natürlich bitter, aber angesichts der Cap-Situation und dem explodierenden Receiver-Markt verständlich. Der Ersatzmann WR Burks war der letzte Tier-1 WR am Board, insofern ein okayer Pick.

QB Willis in Runde 3 ist Mega-Upside. Willis war am Consensus-Board die #28. Viele ernst zu nehmende Evaluatoren waren also der Meinung, dass Willis echtes Starter-Potenzial hat. Die Gesellschaft an QBs, die der Consensus in den letzten Jahren in der Range von Willis 2022 hatte, ist nicht die allerschlechteste:

Willis wurde mit zunehmendem Draft-Verlauf irgendwann zu guter Value. Ich müsste die Titans eigentlich hart feiern für den Pick, aber ich werde andererseits das Gefühl nicht los, dass meine Träume von der Triple-Option mit Henry und Burks nie wahrwerden, weil das konservative Regime in Nashville Willis nur eine halbherzige Chance geben wird und der Pick mehr Zufall als Können war.


Bei den Falcons ist QB Ridder in Runde 3 der große Winner. Ich weiß, dass wenige Mid-Rounder auf QB einschlagen, aber die Position ist es wert. Ein Team wie Atlanta sollte solche Picks wagen, so klein die Chance auf einen Durchbruch sein mag. Und: Ansonsten keine großen Blödsinne gemacht: Nur leichter negativer EV bei den Trades. Das hatten wir bei den Falcons über die Jahre alles schon ganz anders.


Panthers hatten low key gemessen an ihrer Situation einen sehr guten Draft. Jeder einzelne ihrer gedrafteten Prospects war am Consensus Board deutlich besser geratet als die Draftposition impliziert:

ProspectDraft Pos. Vs. Consensus
Ikem Ekwonu+1
Matt Corral+50
Brandon Smith+11
Amaré Barno+51
Cade Mays+16
Kalon Barnes+55

Dazu wertvoller OT-Pick an #6. QB-Pick in der dritten Runde und keine Dummheiten in den Late-Rounds. Das Beste aus einer Scheiß-Ausgangslage gemacht, würde ich sagen, auch wenn natürlich viel Glück dabei war, denn es war nicht zwingend davon auszugehen, dass an #6 gleich alle drei verfügbaren Offensive Tackles verfügbar waren, oder dass einer der QBs so weit fallen würde.


Lions sind nicht so einfach zu bewerten. Sie haben „foundation“ gebaut. Hutchinson an #2 hätte ein Zweijähriger hingekriegt, aber schon beim zweiten Pick bin ich gespalten. Der Trade-Up für Jameson Williams war nicht so teuer wie befürchtet, aber hat einen Draftpick in der wertvollsten Zone des heurigen Drafts (2te-3te Runde) gekostet, und Williams ist bei Gott keine sichere Tüte.

Der Edge-Rusher in Runde 2 war um einiges overdraftet und ich hätte einfach ganz gern einen Shot auf einen QB gesehen. Die Lions haben zum zweiten Mal in Folge in den Trenches gebaut anstatt einen QB-Pick anzugehen. Kann man machen – aber schön langsam riskieren wir, dass das Team sportlich zu gut wird bevor man den QB der Zukunft hat, und wenn 2023 kein valider QB-Prospect kommt, schauen Dan Campbell und Co. irgendwann schön deppert aus der Wäsche.


Bei den Eagles musste mich Timo Riske von einer Grade = B überzeugen. Ich war hart dran, sie zu droppen.

Den A.J. Brown-Trade sehe ich relativ neutral: Super Spieler, aber Monster-Vertrag. Die Eagles haben in DT Jordan Davis einen spektakulären Prospect in Runde 1 auf einer teuren Position bekommen, was ein Gewinn ist – aber Davis ist nicht ohne Fragezeichen und der Trade-Up für ihn war sehr, sehr teuer.

Dann in Runde 2 ein völlig unbekannter Center – jeeeez. Aber in Runde 3 ein Flyer für den krass durchs Board fallenden LB Nakobe Dean. Wir wissen, dass wir den Impact von „steals“ überschätzen, aber Dean war klarer 1st Rounder am Consensus Board, der beste Spieler der Georgia-Bulldogs-Defense, und viel schlimmeres als seine ablehnende Haltung gegenüber einer Schulter-Operation hat man nicht als Grund für seinen Fall gehört.

Also in etwa B-minus für die Iggles.


Die Packers sind beim Thema „Wide Receiver“ in der 1ten Runde ähnlich gelagert wie die Ravens: Da war einfach keiner mehr aus dem ersten „Tier“ da. Zweimal Defense war trotzdem unterwältigend, und auch der Trade-Up für WR Watson in Runde war meh.

Am Ende gebe ich mit etwas Wohlwollen für die gute Phase in den Runden 4 und 5 trotzdem ein B. Es war definitiv besser als in den letzten Jahren.


Bei den Colts tue ich mir am schwersten mit dem Pick von Bernhard Raimann (#77, dritte Runde). Er war exzellenter Value und mixt sich fantastisch mit der Kadersituation. Aber hätte man da eventuell vielleicht doch Malik Willis ziehen sollen, der dann neun Picks später nach Tennessee ging?

Buccaneers haben sehr guten Trade-Value mit Trade-Downs erhalten. Die Picks selbst sind eher neutral.

Bei den Bengals hätte ich leicht in Richtung eines C tendiert. Letztlich war’s der beste der ganzen „grauen“ Drafts.

Texans waren auch an der Schwelle zum C, denn der OG-Pick an #15 ist Verschwendung. Letztlich hab ich mich zum B durchgerungen, weil sie noch den Trade-Down von #13 runter hatten, in dem sie Howie Roseman mehrere Late-Rounder abgeluchst haben. Das war ein sehr guter Move.

Grade C

  • Cardinals
  • Bills
  • Browns
  • Cowboys
  • Broncos
  • Raiders
  • Dolphins
  • Vikings
  • Giants
  • Jets
  • Seahawks
  • 49ers
  • Commanders

Cardinals waren mit Tight Ends und zwei Edge-Rushern in den ersten drei Runden ganz gut unterwegs, aber sie haben einen 1st Rounder in Hollywood Brown gesteckt, was nach heutigem Wissensstand wie ein sehr teuer Preis klingt. Hollywood hat nur noch ein Jahr Vertrag plus die 5th Year Option. Produziert er mit seinem Buddy Kyler Murray Super-Zahlen, wird er teuer. Produziert er nicht, war der 1st Rounder verschenkt. Also nicht wirklich viel Upside.


Der Cowboys-Draft war durch die Bank meh. Raiders? Idem. Dolphins hatten nicht viele Gelegenheiten zu glänzen, haben aber immerhin keine Dummheiten gemacht.

Die Broncos haben ab Runde 4 nur noch krasse Reaches gedraftet – kein einziger Day 3 Spieler war annähernd in der Range des Consensus Boards. Die mit Abstand kleinste Abweichung war 30 Plätze. Letztlich geht aber alles Draftgebahren in Denver in dieser Offseason nicht zu Unrecht unter, weil: Russell Wilson.


Die Bills hatten keinen guten Draft. Der Trade-Up von #25 auf #23 für CB Kaiir Elam hat mit vielen Cornerbacks am Board einen 4th Rounder gekostet, dann folgte ein Runningback in Runde 2, Linebacker in Runde 3 und Late-Round Punter. Sorry: Kann ich mich nicht dafür begeistern.

Und nein: Nur weil die Bills „wenige Lücken“ haben, entschuldigt solche Moves nicht. Buffalo verpulvert jedes Jahr einen Runningback-Pick in der Hoffnung, sein maues Laufspiel aufzupeppen, wenn es einfach auf Receiver nachlegen sollte. Was passiert jetzt, wenn ohne Brian Daboll keine 65% Early-Down-Pässe mehr gespielt werden?

Bruh…


Jets habe ich schon eingangs begründet. Mir tut es einfach leid, wenn episches Draftkapital mit hohen Runningback-Pick verschleudert wird. Und natürlich kann ich am versuchten Trade-Up für den Runningback auch einfach nicht vorbeischauen. Da geht nicht mehr als C für so’nen Process.


Giants mit C ist auch niedriger als der Public sie sieht. Klar: EDGE Thibodeaux und OT Neal waren die haargenau richtigen Picks an #5 und #7 – auch in der richtigen Reihenfolge, nachdem sie an #5 wussten, dass zwei Picks später mindestens zwei der drei besten Tackle-Prospects noch immer am Board sein würden.

Aber alles was danach kam, ist an Absurdität schwer in Worte zu fassen:

ProspectDraft Position Vs. Consensus
Kayvon Thibodeaux+2
Evan Neal+5
Wan’Dale Robinson-48
Joshua Ezeudu-102
Cordale Flott-127
Daniel Bellinger-45
Dane Belton-84
Micah McFadden-60
D. J. DavidsonN/A
Marcus McKethan-127
Darrian Beavers71

Da war einfach nichts an Value dabei! Ich bin beim C geblieben, weil GM Joe Schoen die insgesamt besten Trades des Tages eingefädelt hat und einigen Mehrwert durch Trade-Downs generieren konnte.


Commanders-Draft hat durch den Sam-Howell-Pick etwas an Wert gewonnen, aber allzu viel Credit kann ich nicht vergeben, wenn man so lange mit der Einberufung wartet. Es braucht nicht viel, dass Howell in der Retrospektive zum besten Pick dieses Drafts wird. Auch der Trade-Down in Runde 1 war super, aber der gepickte Receiver Jahan Dotson ein doch deutlicher „reach“ (Dotson wurde an #16 gezogen, war #30 am Board. Die Geschichte solcher Picks ist keine gute).

Seahawks haben einen super Pick an #9 gemacht, aber dann einen frühen 2nd Round Runningback folgen lassen.


Vikings war letztlich auch enttäuschend. Kwesi hatte viele Trade-Downs, die in Summe etwas zu wenig Gegenwert an Draft-Ressourcen eingespielt haben, und hat dann viele Spieler gemessen am Consensus Board overdraftet bzw. suspektes Positional-Valuing betrieben.

Haben wir da schon einen GM-Hoffnungsträger verloren? Oder konnte es einfach nicht besser laufen, nachdem der frisch eingestellte Kwesi noch mit dem Scouting-Staff des alten Regimes zusammenarbeiten muss, was nach weirden Vibes im Draft-Room klingt?

Niners hatten Licht und Schatten. EDGE Drake Jackson Ende 1te Runde war strahlend helles Licht. Am Ende tu ich mir schwer am Zillionsten Shanny-Runningback-Pick vorbeizuschauen. Da verschließt einfach jemand seine Augen vor der eigenen Realität.

Grade D

  • Bears
  • Jaguars
  • Rams
  • Chargers
  • Patriots
  • Saints

Wir haben mehrere Stufen an Grade = D. Da sind einmal die f*ck them picks Rams, die einfach nicht viel Kapital zur Verfügung hatten und deren Draft-Luck unter GM Les Snead irgendwann zu Ende sein muss. Ihr erster Pick kam an #104, der zweite an #142. Die gezogenen Spieler waren am Consensus Board die #189 und #238 – wir sprechen also von Bill-Belichick’schem Value Mapping.


Die Chargers hatten Kapital, aber haben es einfach auf enttäuschende Weise eingesetzt. Für ein Team mit ihrem Profil – Contender mit Elite-QB an der Schwelle zum Superbowl-Favoriten – ist ein Guard an #17 brutal bitter, egal wie gut der Prospect ist. Danach folgte ein deutlicher Reach auf Safety sowie ein Runningback in Runde 4.

Das ist No Go. Justin Herbert hat sich wider Erwarten als Juwel herausgestellt – und muss sich dann mit einem OffCoord Joe Lombardi und solchen Neuzugängen herumschlagen.

Nochmal als Präzision: Zion Johnson mag ein sehr guter Spieler werden. Aber was ein Team mit dem Profil der Chargers (Elite-QB auf Rookie-Window in einer langfristig schweren Division) wirklich braucht, ist maximalst mögliche Tiefe auf Receiver. In Treylon Burks wäre noch ein Tier-1 WR am Board gewesen. Keenan Allen wird nicht jünger und du bist mit Blick auf Herberts nächstes Jahr anstehenden Monster-Vertrag besser beraten, zu viele Wide Receiver zu haben als zu wenige. Ansonsten wird der Kader irgendwann zu teuer oder zu dünn. Frag nach bei den Chiefs.

Die wollten mir vor zwei Jahren auch verklickern, dass sie eine Non-Premium-Position von der Dynasty entfernt sind. Clyde Edwards-Helaire steht heute eher Synonym dafür, wie man Chancen wegschmeißt.

Rams und Chargers sind weniger schlimme Ds als die anderen.


Die Bears haben in Punkto Prospects mit der Ausnahme von WR Velus Jones (der in seinem Speed immerhin ein Star-Attribut hat, aber sehr alt ist) keine irren Reaches gemacht und diesmal auch keine furchtbaren Trades gemacht.

Aber sie haben praktisch nichts unternommen um ihrem QB-Jungspund Justin Fields zu helfen – im Gegenteil: Sie haben in Runde 2 zuerst zweimal Defense gedraftet. Das ist einfach schade.

Haben sie Fields schon aufgegeben? Hat der neue Headcoach Matt Eberflus einfach nur ein Auge auf Defense? Oder geht die Gleichung doch anders, und die Coaches sind der Meinung, dass Fields, wenn er doch was wert ist, es auch dann zeigen wird, wenn der Support-Cast nicht optimal ist?

In Summe einfach: Verpasste Chance.


Die Saints waren „typisch Saints“: Ich kann die 1st Round Prospects Olave und Penning nicht haten, denn ich liebe Olave und auch Penning war nur ein ganz leichter „reach“. Bei den Saints ist es einfach die ganze Herangehensweise, die stinkt.

Permanente Trade-Ups, teilweise echt teuer. Gerade für ein Team in ständigen Cap-Schwierigkeiten wie New Orleans ist das receipt for disaster.

Und dann krasse Overdrafts wie CB Alontae Taylor an #59, der am Consensus Board als 4th Rounder rausgeht.


Dann die Patriots. Ihr Draft strotzt vor verrückten Picks wie Cole Strange in Runde 1, Tyquan Thornton in Runde 2, Jack Jones in Runde 4 – alles extreme reaches:

  • Strange wurde gemessen am Consensus Board um 47 Picks overdraftet
  • Thornton um 105 Spots
  • Jones um 114 Spots

Dann zog Belichick QB Zappe über QB Howell und ergänzte seinen eh schon überfüllten Runningback-Room um zwei weitere Late Round Runningbacks. Ich hab es schon einmal geschrieben: Das ist nur deswegen kein F, weil ich nicht riskieren kann mich zum Affen zu machen indem ich den GOAT Belichick mit seinem Track-Record an die Wand schreibe. 

Im Ernst: Ich rede mich ganz objektiv mal damit raus, dass Belichick ja mit seinem Trade-Down von #21 runter auf #29 den Chiefs doch ordentlichen Value abgeluchst hat und damit nicht alles verrückt war. Er hatte also mal wieder gute Value-generating Trades. Also sagen wir D-minus.


HART, SEHR HART am F ist das Team mit dem #1 Overall Pick: Die Jaguars. Ich hab das schon eingesetzte F wieder rausgenommen, aber nur aus Schiss davor, dass ich beim #1 Pick Travon Walker etwas übersehe.

Aber die Jaguars haben nach einer 2-15 Saison mit einem der höchgelobtesten QB-Picks ever (Trevor Lawrence) folgendes im Draft gemacht:

  • An #1 das reine athletische Potenzial raffinierteren Passrushern vorgezogen, in der Hoffnung auf die Upside, die Trent Baalke schon in San Francisco mit seiner Methode nie gefunden hat.
  • Dann einen Up-Trade für einen Linebacker am Ende von Runde 1 eingefädelt.
  • Center und Linebacker in Runde 3 gezogen, gefolgt von einem Runningback in Runde 5.

Diese sträfliche Missachtung des Current-Stats der Franchise ist eigentlich abmahnpflichtig. D-minus, weil ich mich in einem Jahr, in dem ich nicht knietief in der Draftmaterie stecke, schlicht nicht traue, ohne weitere In-Depth-Study das F rauszuballern – so katastrophal die ganze Herangehensweise an der Oberfläche erstmal auch ausschaut.

16 Kommentare zu “Sideline Reporter NFL Draft 2022 Grades

  1. @korsakoff, vielen Dank für die ausführliche Einordnung des Drafts.
    Freut mich auch, dass man deine Kompetenz auch woanders zu schätzen weiß 🙂

  2. Ja, da gibt’s nicht viel zu sagen 🙂

    Die beiden ersten Picks waren leichte reaches, aber immerhin für Tiefe auf den wertvollsten Positionen. Das hilft gegen Cap-Hell.

    Der Special Teamer in Runde 4 tut ein bisschen weh, aber ist wohl vertretbar, weil die Browns haufenweise Day 3 Picks hatten. Unter der Prämisse ist einer für einen Low-Upside Pick wie Kicker okay, wenn er auch nicht begeistert.

  3. Wow Top Football Mind IN THE WORLD 🙂

    Ich bin überrascht wie hoch du die Steelers hast. Der Value der WR ist schon gut, aber Pickett ist doch ein echt reizloser QB, ich wäre schon überrascht wenn er sich gegen Trubisky im Camp durchsetzt. Das klingt für mich nicht nach validem #1 Pick.

    Chiefs und Ravens haben gerockt, aber danke daß du uns an die Schwächen von deren Drafts erinnerst.

    Jets + Giants sag ich mal nix, da ist es ja auf Twitter schon genug Zur Sache gegangen 😉

    Jags + Pats hätte ich ein F verstanden, vielleicht auch Saints.

  4. Naja, was sollen die Steelers machen?
    Die „richtige“ Lösung wäre gewesen vor zwei Jahren aggressiv im Draft einen QB zu suchen und Big Ben abzusägen…
    Aber nach Big Bens Rücktritt hatten sie jetzt nur die Chance um Wilson mitzubieten oder einen der Rookies auszuprobieren.
    Insofern kann ich ihrem Experiment etwas abgewinnen.

    Mayfield und Jimmy-G will ich zwar weiterhin in der NFL sehen weil sie vermutlich zu den 32 besten QBs auf dem Planeten zählen, aber sie passen besser zu Teams die sich erstmal stabilisieren müssen (Giants, Houston, Lions, Washington, evtl Panthers) und einfach Ruhe auf QB brauchen.
    Die Steelers sind ja eher genau den richtigen QB von den Playoffs entfernt…

  5. „Die Steelers sind ja eher genau den richtigen QB von den Playoffs entfernt…“

    Aber wäre es dann nicht gerade sinnvoll einen QB zu nehmen, bei dem man das ungefähre Ceiling/Floor kennt, seine Vor- und Nachteile.
    Der bereits Erfahrung mit der Geschwindigkeit in der NFL hat…anstatt einem Rookie der nur so „naja, war ja halt nichts besseres verfügbar“ eingeschätzt wurde.

    Ob die zwei die Lösung sind, sei mal dahin gestellt…aber gerade Mayfield der noch von den Browns bezahlt wird, hätte ein Versuch sein können.

  6. Glaube kaum, dass die Browns Mayfield zu einem Divisionsrivalen traden würden….

  7. Dieses „kann nicht innerhalb der Division getradet werden“ Gerede halte ich für einen Unsinn. Wenn Baker nicht mehr gut genug war um für die Browns zu starten, wovor sollten sie dann Angst haben?

    Die Vikings haben im Draft Trades in der 1. und hohen 2. Runde mit den Lions und Packers gemacht.

    Die Eagles haben ihre QB Ikone McNabb zu den Redskins/Commanders getradet. Die Patriots haben ihren Pro Bowl QB Drew Bledsoe zu den Bills getradet. Die haben alle mehr geleistet für ihre Teams als Baker bis heute für die Browns (obwohl ich Baker nicht für einen miesen QB halte).

  8. Bin auch etwas überrascht über den guten Grade der Steelers. Wenn man sieht, wie tief Willis gefallen ist, tut der Pickett-Pick noch mehr weh. Ich sehe da einfach kein dramatisches Upgrade zu Trubisky.
    Den 1st rounder hätte ich entsprechend lieber anderweitig investiert gesehen und dann z.B. Willis in der 2. Runde. Klar, das ist jetzt hindsight bias, weil wir wissen, wie weit er durchgereicht wurde. Dennoch glaube ich, dass es hinsichtlich der Verschmähung der QBs durchaus ein realistisches Szenario gewesen wäre auf den eigenen zweiten Pick zu warten. Hätte zwischenzeitlich doch ein Run auf die QBs eingesetzt, hätte man ja dann in der Zweiten ja hochtraden können – gab ja dieses Jahr genug Teams, die gerne runter getraded haben – und hätte immer noch einen QB bekommen mit einem mutmaßlich höheren Ceiling als Pickett. Den man dann ein, zwei Jahre hinter Trubisky entwickeln kann.
    De Krönung ist dann ein weiterer QB mit einem 7th rounder. Klar, es ist nur ein Siebtrundenpick, aber was soll das…?
    Zumal ich auch glaube, dass der Schuh in der Secondary noch sehr drückt und da wurde gar nichts gemacht. Auch RB depth und vielleicht noch was in der OL hätte für mich auch mehr Prio gehabt als DT, LB und TE/FB.
    Nee, bin nicht zufrieden…:-)

  9. Der 9ers RB Pick ist natürlich sinnfrei und man fragt mich, wie man bei der Statistik drauf kommt:

    @BetterRivals: The kiss of death for a 49ers running back is to be drafted before the 5th round.

    Joe Williams. Trey Sermon. Ty Davis-Price (?)

    UDFAs and late round picks: Raheem Mostert, Matt Breida, Jeff Wilson, Elijah Mitchell, JaMychal Hasty

    Aber dieses Jahr sehe ich das erste Mal einen Sinn darin, wenn es hilft Debo zu halten und ihm zu zeigen, dass man ihn entlasten will.
    Aber vllt. rede ich mir das auch schön. 😀

  10. Kannst du noch ne Satz zu Ccyde Edwards-Helaire verlieren? Würde mich interessieren, was genau du mit deiner Andeutung meinst. Vielen Dank 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..