B1G News

College Football macht den nächsten Schritt in Richtung Super-League.

Heute Nacht haben praktisch ohne Vorankündigung mit den USC Trojans und UCLA Bruins die beiden größten College-Sportprogramme aus Los Angeles ihren Wechsel in die Big Ten Conference (!) bekannt gegeben.

Der Wechsel wird 2024 über die Bühne gehen und ist nach Gesichtspunkten des Rucksacks namens „Tradition“ an Absurdität kaum zu übertreffen.

Der US College-Sports war in grauer Vorzeit mal eingeteilt in regionale Ligen. Aber spätestens seit dem großen Stühlerücken vor rund 10-15 Jahren hat eine ganz eindeutige Bewegung in Richtung Superliga eingesetzt, in der die einzelnen Conferences eine Art Wettrüsten um die größten Programme initiiert haben. Bizarrerweise war damals die nun vom Ableben bedrohte Pac-12 Conference einer der ersten Trigger.

USC und UCLA sind nicht irgendwelche Programme. Gerade erstere strahlen die Aura eins der Blaublüter aus. Beide spielen in riesigen, uralten Stadien (Coliseum und Rose Bowl), beide haben unzählige National Titles in Football, Basketball und anderen wichtigen Sportarten geholt. Beide sorgen mit dem fetten Markt von Los Angeles in der Hinterhand für gute Einschaltquoten. Und beide boosten das Recruiting-Gebiet der Big Ten, die eh schon viele Studenten aus Kalifornien anzog.

Freilich sieht eine solche Land-Map bescheuert aus:

Aber was willst du machen. Allerspätestens seitdem die SEC letztes Jahr Texas und Oklahoma aus der Big 12 weggelockt hat, ist klar, dass der Weg des College Football zu einer Art Zwei-Conference-League nicht mehr aufzuhalten ist.

Nach der Big 12 wird jetzt der Pac-12 die Strahlkraft entzogen. Die ACC wird die nächste Liga sein – sofern es keine baldige Einigung mit Notre Dame gibt, dessen Status als Independent zunehmend untragbar wird (eine der größten Rivalries von Notre Dame war ausgerechnet USC). Je länger Notre Dame zögert (oder das Sportprogramm „de-funded“), desto schneller wird die Entwicklung gehen.

Die Power-5 ist ein aussterbendes Konzept. In wenigen Jahren schon werden wir nur noch von einer Power-2 reden: SEC und Big Ten.

Die Big 12 ist nach dem Abgang von Texas und Oklahoma in wenigen Jahren quasi tot. Der Pac-12 wird ähnliches widerfahren, denn nicht bloß gibt es keine nennenswert attraktiven Universitäten, um den gigantischen Verlust zu kompensieren; erstmal muss die Conference schauen, dass ihr keine weiteren Mitglieder wegbrechen. Denkbar ist dem Vernehmen nach auch, dass Elite-Unis wie Stanford oder Cal spätestens jetzt beginnen darüber nachzudenken, die Finanzierung für ihre Sportprogramme zurückzufahren.

Traditionalisten stellt diese Entwicklung freilich die Nackenhaare auf. Doch die Entwicklung war und ist nicht aufzuhalten – und wird es auch in Zukunft nicht sein. Prinzipiell warte ich eigentlich nur noch auf den Moment, in dem SEC und Big Ten beginnen, auszumisten und sich der kleineren Programme wie Vanderbilt, Northwestern oder Purdue zu entledigen um die eingefahrenen TV-Gelder auf noch weniger Elite-Programme zu konzentrieren – und auf den Moment, in dem das National Championship Game offiziell zum Endspiel der AFC und NFC B1G und SEC deklariert wird, ganz ohne Mauschelei im Hinterzimmer, einfach als festgeschriebene Grundregel. Dann gibt es keine Diskussionen mehr, was aus dem College Football geworden ist.

4 Kommentare zu “B1G News

  1. Diese News sind natürlich ein ziemlicher Paukenschlag, und die Konsequenzen wohl weitaus umfangreicher als es der Abgang von Oklahoma&Texas aus der Big 12 war.
    Wie du schon andeutest steht wohl in den nächsten Jahren ein noch umfangreicheres Realignment im College Football bevor, dem einige Conferences zum Opfer fallen könnten.

    Stimme auch zu, was Notre Dame als nächster großer Dominostein betrifft. Schließt man sich der ACC an (was ich nicht glaube)? Der Big 12? Oder der Big 10 (die Rivalry mit USC würde das nicht unlogisch machen). Dass man das Football-Programm stutzt kann ich mir schon aufgrund der finanziellen Lukrativität nicht vorstellen.

    Generell: Wenn man ehrlich ist, ist der College Football, wie er viele Jahre lang exisiterte, nicht nachhaltig. Besonders hervorheben muss man da den lachhaft anmutenden ‚Amateurism‘, der nichts weiter als Ausbeutung junger Athleten ist, die Konzentration von Stars und TV-Geldern auf nur ganz wenige Elite-Programme und die immer mehr schwindende Bedeutung der NCAA gegenüber den großen Conferences.

    Die Legalisierung von NIL hat (unter der völlig überforderten Untätigkeit der NCAA) diesem System dann wohl den Todesstoß mit verpasst.

    Insofern würde ich es als nicht unrealistisch sehen wenn nach der ganzen Konsolidierung in der Ebene ganz oben wirklich nur mehr zwei Conferences mit je ca. 20 Teams übrig bleiben, die sich ähnlich wie NFC/AFC den Meister (vielleicht sogar komplett unabhängig von der NCAA) ausmachen. Könnte mir auch vorstellen, dass es eine Art CBA geben wird, das den derzeitigen Wildwuchs an NIL etwas regelt, Spieler auch generell finanziell entlohnt, und am Ende ein System entsteht, das der NFL gar nicht mehr so unähnlich ist. Programme der Stufe darunter wären dann wohl die großen Verlierer.

  2. Warum soll der Status von Notre Dame als Independent zunehmend untragbar sein ? Wer kann das beurteilen ?

  3. Geld- und Schedule-Frage.

    Der neue TV-Deal der Big Ten wird an der 1-Milliarde-Dollar-pro-Jahr-Grenze, was um die 80-100 Mio pro Uni im Jahr bedeutet.
    Notre Dame kassiert von NBC aktuell 22 Mio/Jahr, d.h. entweder schafft es Notre Dame in Zeiten, in denen Conferences als Zusammenschlüsse gigantische TV-Verträge abschließen, als einsamer Kämpfer seinen 2025 auslaufenden TV-Deal zu verdrei- oder vervierfachen, oder die Uni wird finanziell hoffnungslos abgehängt.

    Auch das Schedule-Thema wird immer schwieriger. Etliche der attraktivsten Gegner wie USC, Michigan oder Michigan State werden immer schwieriger Platz im Spielplan für Notre Dame finden, je aufgeladener die Big Ten wird.

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