NFL Vorschau 2022: NFC North

Weiter geht es mit der NFC North.

Der Besondere an dieser Division im Jahr 2022: Alle vier Mannschaften befinden sich in einem komplett anderen Status in ihrer Entwicklung.

Die Packers versuchen, das Ende ihres Titelfensters so lange wie möglich hinauszuzögern. Die Vikings wären reif für einen Umbruch, haben aber weder die Ressourcen noch den Schneid dazu. Die Lions befinden sich schon mitten in dem Umbruch und müssen schauen, dass dieser nicht zu schnell für ihren Shot auf einen Franchise-QB geht. Die Bears haben diesen Shot bereits letztes Jahr gewagt, sind sich nicht sicher ob er ein Guter war, und waren nun gezwungen, den Umbruch mit einem Jahr Verzögerung zu den Lions einzuleiten.

Chicago Bears

PFF Playoff-Chance: 11%
Superbowl-Chance: 0.1%
Over/Under 6.0 Siege
Schedule #31

Und daher befinden sich die Bears auch mittendrin in dem Schlammassel, das ihr gefeuerter GM Ryan Pace hinterlassen hat. Das Hauptthema der neuen sportlichen Leitung um GM Ryan Poles und Headcoach Matt Eberflus in der Offseason war: Hausreinemachen. Aller möglicher Ballast wurde gecuttet bzw. ziehen gelassen, um der Cap-Hölle zu entfleuchen. Die Bears haben 45 Mio. Dead-Cap angesammelt, um ab 2023 von einer weißen Tapete aus neu beginnen zu können.

Das war gleichzeitig verständlich wie auch notwendig, um den Kader langfristig wieder auf solide Beine stellen zu können, anstatt sich Saints-like Jahr für Jahr durchzulavieren. Freilich ging der Prozess auch einher damit, dass man den letztes Jahr in der 1ten Runde gedrafteten QB Justin Fields heuer mit einem erbärmlichen Support-Cast aufs Feld schicken wird:

  • RB – David Montgomery, Khalil Herbert, Trestan EbnerWR – Darnell Mooney, Equanimeous St. Brown, Byron Pringle, Velus Jones, Ihmir Smith-Marsette, Dante Pettis
  • TE – Cole Kmet, Ryan Griffin, Trevon Wesco
  • LT – Braxton Jones
  • LG – Cody Whitehair
  • C – Lucas Patrick
  • RG – Teven Jenkins
  • RT – Riley Reiff

Gerade Fields hätte als QB aber zumindest eine gescheite Offensive Line und ein paar vernünftige Receiver gebrauchen können. Aber so be it. Über die Aussichten von Fields in Jahr 2 habe ich schon geschrieben. Vielleicht hilft ihm das neue Scheme vom aus Green Bay geholten OffCoord Luke Getsy.

Getsy spielt komplett anders als die Bears letztes Jahr:

  • Er war #4 in RPO. Die Bears 2021 waren #18
  • Er war #6 in Presnap Motions. Die Bears waren #24
  • Er war #3 in Kurzpässen hinter der Line of Scrimmage. Die Bears waren #27
  • Er spielte viel Play Action (#11). Die Bears spielten wenig (#26).

Das macht vielleicht alles Hoffnung. Getsky kommt aus dem WideZone-System, das Quarterbacks viele Vereinfachungen in die Hand drückt und ihnen Lösungen gibt bevor sie woanders nachschauen müssen. Und vielleicht noch besser: Fields ist ein QB, der die Mitte des Feldes bespielen kann. Aaron Rodgers mochte das seine ganze Karriere über nicht.

Getsy behielt gleich mal nicht bloß einen, sondern zwei Fullbacks im Kader (Khari Blasingame, Jake Tonges), was nach viel 21-Personnel spricht. Da will wohl jemand die Defense in Base-Personnel zwingen, um Fields deep shots zu ermöglichen. Bloß auf wen? Und wer soll Fields die Zeit freiblocken?

Ich weiß nicht, wie optimistisch wir angesichts des Support-Casts und angesichts der eher geringen Rückendeckung der Bears-Coaches für ihren jungen QB ob der Fields-Entwicklung sein sollten. Aber wenn, dann geht es nur so: Fields beschleunigt in dem System der schnellen Reads seine innere Uhr, O-Line hält gerade lange genug, und dann sorgen die Route-Combinations sowie Fields‘ fetter Arm und seine Mobilität dafür, dass diese „Receiver“ wie brauchbare NFL-Spieler aussehen.

Die Defense wird rundumerneuert, denn Headcoach Eberflus bringt sein patentiertes Soft-Zone Cover-3 System hinter einer 4-2-5 Front mit sich. Es ist keine aufregende Defense, sondern eine eher abwartende, die üblicherweise gut darin gecoacht ist, Dinge wie den Play-Action Fake nicht allzu ernst zu nehmen: In Indy bissen die Linebacker ligaweit in den letzten Jahren am wenigsten auf den Play-Action Fake an. Das birgt große Vorteile.

Allerdings ist das Personal in radikalem Umbruch. In der Front haben Khalil Mack, Akiem Hicks, Nichols und Eddie Goldman alle den Verein verlassen, und viele Neuzugänge gibt es nicht. Alle Abgänge waren für sich vertretbar, aber sie hinterlassen minimale Tiefe.

Auf Linebacker zickt Roquan Smith. Er will einen neuen Vertrag, die Bears haben schon abgewunken. Im aktuellen Kaderzustand ist das verständlich. Smith ist nicht der all-around Superstar, den man sich vor einigen Jahren im Draft erhofft hatte. Ein guter – aber kein überragender Spieler.

Die Secondary ist noch der beste Mannschaftsteil. CB Jaylon Johnson ist einer der besten Cornerbacks im Route-Running. CB2 war zuletzt ein offenes Scheunentor – vielleicht bringt Rookie Anthony Gordon etwas Stabilität rein. Auf Safety spielen der grundsolide Eddie Jackson und der spektakuläre Rookie Jaquan Brisker. Brisker wird wahrscheinlich wie Gordon noch keine extrem hohe Rate an Snaps spielen (weil Rookie), aber ihre Entwicklung ist neben jener von Justin Fields das wichtigste Thema der Bears-Saison 2021/22.

Also: Übergangsjahr. Schade für Fields, dass sein kritisches zweites Jahr genau mitten in so einem Umbruch kommt, und dass die neuen Manager und Coaches ihm nicht 100% den Rücken stärken. Vielleicht wird es trotzdem was – ich bin trotz aller Vorzeichen nicht ganz pessimistisch bei Fields. Aber selbst wenn er individuell einen ordentlichen Sprung nach vorn macht: Der Rest dieser Bears-Mannschaft ist einfach zu schwach besetzt um mehr als Nadelstiche zu setzen.

Detroit Lions

PFF Playoff-Chance: 25%
Superbowl-Chance: 1%
Over/Under 6.5 Siege
Schedule #24

Über die Lions habe ich vor ein paar Wochen beim Lead-Blogger schon einmal ausführlich geschrieben: Sie sind im Umbruch den Bears einen Schritt voraus – ohne allerdings eine Ahnung davon zu haben, wie sie die Quarterback-Frage langfristig lösen.

Jared Goff ist nicht die Antwort. Goff kriegt aber einen stark verbesserten Support-Cast hingestellt: Eine der besten O-Lines und einen durchaus reizvollen Receiver-Corps. Die Effizienz der Lions-Offense sollte sich irgendwo um #20 bis #25 einpendeln.

Die Defense sollte einen Sprung nach vorn machen, wenn die mit vielen Talenten gespickte D-Line zündet: Zwei junge Defensive Tackles, die ins zweite Jahr gehen, der #2 Overall Draftpick Aidan Hutchinson plus mittlerweile passable Tiefe in der Passrush-Rotation. Wie gut die Secondary sein wird, hängt auch davon ab, ob sich der bislang spektakulär gebustete CB Jeff Okudah nach Achillessehnenriss in seinem dritten NFL-Jahr macht.

Ich hatte es schon in oben verlinkter ausführlicher Lead-Blogger-Analyse geschrieben: Die Lions haben vielleicht den einen Move zu viel gemacht um nächstes Jahr automatisch ins Rennen um den #1 Overall Pick mit Namen Anthony Richardson einzugreifen.

Durchaus denkbar, dass es dann schon einen Trade braucht, will man einen Franchise-QB ertraden. Aber genau das ist in einem Jahr, in dem viele Teams mit zwei 1st Roundern antreten werden (aktuell: Houston, Detroit, Seattle, Miami, Philadelphia), eine Geschichte mit ungewissem Ausgang.

Green Bay Packers

PFF Playoff-Chance: 77%
Superbowl-Chance: 9%
Over/Under 11.5 Siege
Schedule #21

Unpopuläre Meinung, aber: Ich finde die Packers im Vorfeld dieser Saison irgendwie langweilig. Wir wissen, dass sie eine der besten Defenses haben werden, und dass es in der Offense nach dem Verkauf vom so zentralen WR1 Davante Adams ein bisschen harzig werden wird. Aber allein die Präsenz von QB Aaron Rodgers, der sich über die letzten drei Jahre in das System von Headcoach Matt LaFleur nahtlos eingefügt hat, wird dafür sorgen, dass die Packers sich in einer machbaren Division problemlos für die Playoffs qualifizieren.

Allein wie die Offense spielen wird, ist aus schematischer Sicht spannend. Schließlich waren alle Gameplans der letzten Jahre in erster Linie über Adams designt – alles andere kam erst danach. Adams bekam einfache Touches. Adams wurde über das ganze Feld geschoben und in Bunch-Formations versteckt um downfield ungedeckt Bälle zu holen. Adams wurde als Ablenkungsmanöver eingesetzt um seinen Kollegen Räume zu verschaffen.

Adams ist nicht mehr da. Und er ist nicht zu ersetzen.

Die Packers werden also neue Wege finden müssen. Neue Wege hätte ich einem LaFleur vor zwei Jahren noch nicht zugetraut, doch seit 2020 hat sich viel getan. LaFleur hat diesem Team eindeutig seinen Stempel aufgedrückt und dabei den Heiligen Gral des Coaching erreicht: den bockigen Rodgers für sich gewonnen.

Der Receiving-Corps ist im besten Fall „meh“. Romeo Doubs bekommen massiven Preseason-Hype als nächster heißester Scheiß, aber er ist ein 4th Round Rookie. Muss ein Superbowl-Favorit auf einen 4th Round Rookie als größten Trumpf vertrauen, ist Skepsis der richtige Weg um diesem Hype zu begegnen.

Die Packers haben auch sonst bissl was gemacht: WR Christian Watson in der 2ten Runde gedraftet und Free Agent Sammy Watkins geholt. Watson kommt aber aus der FCS und wird ein bissl Zeit brauchen um den Speed der NFL zu verstehen. Watkins ist zum heutigen Stand nicht mehr als ein Oldie, der von allen seiner letzten Teams ohne eine Träne zu verdrücken ziehen gelassen wurde. Und dann sind da noch Allen Lazard und Randall Cobb – Receiver, die davon leben, beste Kumpels von Aaron Rodgers zu sein. Aber keine veritablen Waffen um eine Playoff-Defense zu schlagen.

Die Packers haben einen fangstarken Runningback in Aaron Jones. Sie haben einen Bruiser in A.J. Dillon. Sie haben durchschnittliche Tight Ends in großer Anzahl im Kader (Josiah Deguara, Robert Tonyan, Mercedes Lewis), aber niemand von ihnen ist individuell stark genug, um in 12-Personnel Single-Coverage verlässlich zu schlagen.

Ich zweifle nicht daran, dass Rodgers und LaFleur Wege finden werden um über die Regular Season effiziente Offense (mindestens Top-10) zu spielen. Doch die große Frage ist: Reicht das gegen Playoff-Defenses, wenn es womöglich 25-30 Punkte braucht? Schon über sämtliche der letzten Saisons wurde die Packers-Offense in den Playoffs in gefährlicher Regelmäßigkeit exposed – mit Adams in der Aufstellung.

Ich tue mir schwer daran zu glauben, dass es diesmal viel besser wird, so gut QB und Headcoach auch sein mögen. Also in Summe: Das wird wohl eine lauflastigere Offense als zuletzt, mit etwas mehr heavy-personnel um die Defense aus two high nach vorn zu ziehen und Räume im Deep-Passing zu schaffen.

Wie gut es wird, hängt auch an der Stabilität der O-Line, die Stand heute nur zwei gesattelte Positionen hat: LG Jon Runyan und RT Elgton Jenkins. LT Bakthiari hat seit Äonen nicht mehr richtig gespielt, ist ständig verletzt. Das einzig Gute: Kein Team hat über Jahre so gut in mittleren und späten Runden Offensive Line gedraftet, und diese Talente entwickelt. Es wird wohl nicht so schlimm wie befürchtet.

Richtig gut könnte die Defense sein. Passrush ist im ersten Anzug stark besetzt: Rashan Gary hatte 2021 seinen Breakout. Preston Smith ist seit Jahren eine vernünftige Präsenz. Die beiden sind quasi „Locks“ für 50, vielleicht 60 Pressures und um die 10 Sacks pro Kopf. Über innen kommt Kenny Clark – zuletzt auch fast 70 Pressures und 4 Sacks.

Die Secondary ist fantastisch besetzt: CB1 Jaire Alexander kehrt nach Verletzung zurück und gilt als vielleicht bester Corner der NFL. Eric Stokes war als Rookie passabel genug um einen Breakout als CB2 in Jahr 2 zu erwarten. Ein Rasul Douglas als CB3 plus ein Safety-Pärchen Amos/Savage hintendran gestellt – und wir haben die vielleicht beste Starting-Secondary der NFL.

Freilich bleibt die Frage nach der Tiefe, und auch Linebacker macht noch einige Sorgen. DeVondre Campbell war vor einem Jahr ein sensationeller All-Pro, aber wie groß ist die Gefahr von einem one year wonder zu sprechen? Mehr als „einigermaßen okay“ war Campbell zuvor in Atlanta nie gewesen. Regressionsgefahr, ick hör dir trappsen.

Der andere Linebacker ist ein 1st Rounder: Quay Walker von der University of Georgia. Walker ist wie Teamkollege DT Devonte Wyatt hoch gedraftet worden um mehr Beef in die Front zu bringen. Beide sind massive körperliche Präsenzen für eine Unit, die in den letzten in erster Linie über Speed gekommen ist. Dieser leichte Paradigmenwechsel könnte dafür sorgen, dass die zuletzt miese Run-Defense verbessert wird, ohne mehr Bodys in die Box zu stellen (Packers gehören zu den Teams mit den meisten seichten Boxen).

Aber das könnte auch rocky werden, wenn zwei Rookies die Schlüssel dieser Entwicklung sind. Denn nicht vergessen: Gerade auf Linebacker gilt die Prämisse, dass auch die hoch gedrafteten oft vor allem für ihr zweites NFL-Team interessant sind, weil sie Jahre brauchen, um alle Assignments zu kapieren. Walkers Nebenmann Campbell ist ein warnendes Beispiel. Auch er wurstelte sich lange Jahre nur gerade so in Atlanta durch. Durchbruch hatte er erst letztes Jahr im Trikot der Packers.

Um zu summieren: Ich erwarte die Packers als Gewinner der NFC North. Aber als unumstößliches Spitzenteam sehe ich in Green Bay nicht. Eher ein dank QB/Headcoach gutes bis sehr gutes, das neben kleineren Fragezeichen in der Rushing-Defense eben diesen kritischen Receiver-Corps mit sich schleift, der prinzipiell nur darauf wartet, im Jänner bloßgestellt zu werden.

Minnesota Vikings

PFF Playoff-Chance: 45%
Superbowl-Chance: 2%
Over/Under 9.5 Siege
Schedule #23

Bleiben die Vikings. Sie treten in einem merkwürdigen Zwischenzustand zwischen neuem Headcoach/GM Pärchen und kaum verändertem Spielerkern an. Und selbst die Frage, wie anders das Coaching sein wird, muss erlaubt sein: Schließlich kommt Kevin O’Connel direkt aus dem gleichen Coaching-Branch kommt wie die alten Offensive Coordinators (die alle entweder Kubiak oder Stefanski hießen) – dem WideZone/Rams System.

Aber vielleicht tun wir O’Connel mit so einer Aussage unrecht. Denn er ist vielleicht deshalb eine ganz nice Einstellung, weil er bei den Rams letzte Saison aktiv miterlebt (im besten Fall: aktiv mitgestaltet) hat, wie die McVay/Wide-Zone Offense ihr Stigma als gegen Coverage-Disguise zu starres Offense-System abgelegt hat: Die Rams haben mit QB Stafford einfach mehr Spread und Empty-Formations gespielt, und damit für klarere Defense-Bilder gesorgt.

Vikes-QB Kirk Cousins, der entgegen aller Unkenrufe gehalten wurde (werden musste?), gilt als einer jener Trainingsweltmeister, die mit Zeit in der schriftlichen Prüfung auf einem weißen Blatt Papier jede Antwort auf jede Frage hinschreiben können, die an lichten Tagen gegen klar definierte Defenses superbe Statistiken auflegen können, aber die dann die größten Probleme bekommen, wenn Defenses nicht das Erwartete machen – sondern ihr Erscheinungsbild „post snap“ verändern.

Cousins ist absolut kein schlechter QB.

In den letzten Jahren war er nacheinander #8, #8 und #12 in EPA/Play unter Quarterbacks mit mindestens 200 Dropbacks. In PFFs Passing-Grade-System war er dreimal in Folge in den Top-10 gerankt. Er ist jedes Jahr zwischen #11 und #17 in Big Time Throws gerankt und in den Top-10 Fehlervermeidung. Seine Rate an fangbaren Bällen ist konstant um Platz 5 gerankt. Er kassiert wenige Sacks, performt exzellent aus sauberer Pocket und das alles trotz permanenter Protection-Probleme der Vikings-OL auf Center und Guard.

Aber post snap Rotation ist sein Kryptonit. Der Sekundenbruchteil mit dem Rücken zur Defense beim Play-Action-Fake reicht zu oft aus um Cousins auszuschalten. Die Vikings versuchten letztes Jahr zunehmend verzweifelt um dieses Problem herumzucoachen, was witzig aussah, als man Cousins fast 100x als Dropback-Passer under center aufstellte.

Die Rams haben mit OffCoord O’Connel ähnliche Dinge veranstaltet – nur konsequenter: Emtpy-Formations/Spread um die Defense in die Breite zu ziehen, Shotgun um dem QB die Zeit zu geben.

Hat O’Connel den Spickzettel mit nach Minnesota genommen und kann Cousins diese Lösung umsetzen: Perfekt. Minnesota wird offensiv einen ordentlichen Schritt nach vorne machen und vielleicht diesmal auch die Spiele gewinnen, in denen es nicht klar favorisiert ist. Wenn nicht: Dann haben wir same procedure as always.

Eine weitere Frage ist jene nach Cousins‘ Range. Wir sehen, dass Minnesota letztes Jahr zwar durchaus viele Routen entlang der Seitenlinien gelaufen ist, aber Cousins fast nur über die Mitte warf. Das ist die effizienteste Zone am Feld – aber eine Offense richtig öffnen geht nur, wenn die Defense alle Bereiche verteidigen muss.

Minnesota hat O-Line Probleme. Die Offensive Tackles LT Darrisaw und RT O’Neill sind Toptalente, denen allenfalls der letzte Zapfen Konstanz abgeht, aber die interior O-Line hat weder Punch im Rushing-Game noch die notwendige Klasse in Pass-Protection. In den letzten Jahren kaschierte Cousins das mit schneller Time-to-Throw, was zulasten des tiefen Balls geht.

Dafür hat Minnesota einen fantastischen WR-Kern mit Justin Jefferson und Adam Thielen. Jefferson ist einer der besten fünf, sechs Receiver in der NFL. Er mag im Public mittlerweile schon ein kleines bisschen überschätzt sein, denn er fuhr seine Stats in einer 12-Personnel-Offense ein – was es leichter macht für einen Receiver, dicke Stat-Lines aufzulegen. Aber wir sprechen von Nuancen. Jefferson kann prinzipiell alles: Inside, outside, er schlägt jede Coverage, läuft jede Route, gewinnt mit Separation und am Catch-Point. Wie O’Connel ihn einsetzen wird, ist eins der spannendsten Themen in der ganzen NFC North 2022.

Thielen wurde jüngst 32. Das ist ein gefährliches Alter für einen Receiver. Hält er noch ein Jahr durch, ist er ein sagenhaft guter WR2. Fragezeichen bleiben auf Tight End (Irv Smith) und WR3, wo man KJ Osborn nicht ausreichend zu vertrauen scheint. Dass der Eagles-Bust Jalen Reagor den Dreh rauskriegt: Auch eher unwahrscheinlich.

Fragezeichen bleibt auch ob der Rate an Early-Down-Rushing: Diese Wide-Zone-Branches tendieren häufig dazu, zu viel zu laufen. Dalvin Cook ist ein erstklassiger Back, aber idealerweise entlasten die Vikings Cousins durch andere Methoden (eben Spread) als durch zu viele Laufspielzüge in volle Boxen.

Die Defense ist im Auseinanderfallen begriffen. In EDGE Danielle Hunter, LB Eric Kendricks und S Harrison Smith ist nur noch ein kleiner Kern der großen, alten Tage im Kader. Der neue DefCoord Ed Donatell kommt aus dem Fangio/Staley Tree und wird einige Umstellungen im Vergleich zum sounden Mike-Zimmer-System einbringen. Zum Beispiel wird es mehr 3/5 Man Lines geben im Vergleich zum 4-3 der früheren Tage.

Ein paar kleine Upgrades hat man auf Linebacker (Barr out, Hicks, der das System schon aus Arizona kennt, rein) und Edge-Rush (Zadarius Smith ist zum Stand heute ein besserer Passrusher als der kaputte Everson Griffen) gemacht.

Aber die Secondary ist gefährlich jung. 1st Round Safety Lewis Cine ist ein Supertalent und gilt als künftiger Harrison Smith. Als Rookie wird er allerdings Zeit brauchen. Und Cornerback ist hinter Patrick Peterson (der schon zuletzt nur mehr ein Schatten seiner Blüte war) einfach nur unerfahren. Ein CB Andrew Booth könnte starten. Booth fiel im Draft u.a. wegen seiner relativen Unerfahrenheit aus der 1ten Runde.

In Summe: Vikings = solides Mittelklasseteam, das am Rand der Wildcards mitspielt. Das entscheidende Thema wird sein, wie die Coaches für ihren QB Altbekanntes neu aufbereiten wollen um die klarsten Schwachstellen zu eliminieren. Finden sie alle Stellhebel, dann sehe ich durchaus die Upside von einem kleinen Playoffrun.

Tipp

#1 Green Bay Packers (10-7)
#2 Minnesota Vikings (9-8)
#3 Detroit Lions (7-10)
#4 Chicago Bears (6-11)

4 Kommentare zu “NFL Vorschau 2022: NFC North

  1. Auch noch mal ne unpopuläre, wenngleich recht simple Frage. Ein Stück weit hat die Packers offense ja auch dadurch funktioniert, dass adams die konzentration auf ihn relativ konstant geschlagen hat (oder? Statistiken dazu hab ich Grad nicht zur Hand). Aber könnte der Abgang von adams bei den Packers nicht vielleicht sogar eine Chance für die Packers offense Enthalten, wenn sich die Target Last auf mehrere Schultern verteilt, die offense dadurch etwas unberechenbarer wird, und defenses gerade am Anfang nicht so ganz wissen auf wen sie sich konzentrieren müssen?

  2. Klar kann eine Aufteilung auf mehr Schultern helfen, aber wer soll bei den Packers diese Aufteilung übernehmen?

    Lazard + Cobb sind Rodgers-Vertrauete, aber auf einem weißen Blatt Papier bestenfalls Depth-Player.

    Watkins wurde von sämtlichen seiner letzten Teams maximal als WR3 oder WR4 behandelt.

    Jones ist Runningback.

    Tonyan ist ein durchschnittlicher Tight End.
    Deguara ist ein durchschnittlicher H-Back.

    Watson + Doubs sind Mid-Round-Rookies.

    Das wird trotzdem keine schlechte Offense sein, weil #AaronRodgers. Aber die Frage ist ja, was passiert, wenn sich mal keiner der Receiver auch nur ein bisschen Raum verschaffen kann.

  3. Sehe das genauso.

    Ich bin sehr gespannt auf die Packers-Offense und wie MLF eine Lösung finden WIRD! Diese Saison wird sich zeigen was für ein MasterMind er wirklich ist. Er muss schließlich das ganze PlayBook neu erfinden. Aber ich bin da guter Dinge!

    Aber auch wenn ich denke, dass sie die Regular Season gut anschließen, habe ich bedenken, wenn eine starke Defense in den Play-Offs aufwartet. Das wird kritisch werden können.

    Vermutlich wird im Oktober/ November noch ein Elite-WR geholt werden (OBJ?) für einen PlayPff-Run.

    Und die Hoffnung auf ein „Eingrooven“ der Offense im Laufe der Regular-Season.

  4. „Elite-WR for PlayOff-Run“

    So lange für die Eigentümervertreter in GB die PlayOff-Qualifikation scheinbar ausreicht wird da nix passieren.
    Ich hab schon „Groundhog-Day-Vibes“ wenn irgendein WR vertraded wurde und ich wieder lese: die Packers hätten auch Interesse gehabt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..