NFL Power Ranking 2022 – Woche 2

Guten Morgen. NFL Week 2 war eher noch verrückter als Woche 1, aber wir haben nach zwei Spieltagen schon einige Informationen zusammen, um ein erstes kleines gedankliches Power Ranking zu erstellen.

Ich sortiere die Mannschaften vorerst noch in verschiedene Gruppen ein – nicht allzu viele, denn noch trennen viel zu viele Kleinigkeiten die Teams. So sehe ich aktuell nur zwei Mannschaften über dem Rest.

Dahinter eine Gruppe an Mannschaften, die genug Potenzial angedeutet haben, um oben mitzuspielen, aber noch sehr viele Fragen haben. In AFC und NFC gibt es dahinter jeweils sehr große Blöcke an mittelmäßigen Teams, bei denen ich schon nach zwei Spieltagen überrascht wäre, wenn sie tatsächlich heuer was reißen würden.

In etwa sechs Mannschaften haben gezeigt, dass sie um den Top-Pick mitspielen werden, wenn sie nicht in einen Freak-Run von ein paar Glückssiegen reinlaufen.

Nach Offensive und Defensive EPA/Play haben die Mannschaften in den ersten beiden Spielen wie folgt performt:

Dieser Graph hat schon eine gewisse Aussagekraft, aber ganz sollten wir unsere Priors aus der Preseason noch nicht über Bord werfen. Dass Tampa Bay bei allen Problemen in der O-Line eine der schwächsten NFL-Offenses hat, ist trotz der aktuellen Platzierung extrem unwahrscheinlich. Auch, dass die Browns mit Jacoby Brissett eine der besten haben.

NFL Tiers nach Woche 2

Mein Ranking sieht also so aus:

LOMBARDI TROPHY CONTENDER: Bills – Chiefs

GUTE TEAMS MIT FRAGEZEICHEN: Chargers – Ravens – Dolphins – Broncos | Rams – Eagles – Packers – 49ers – Buccaneers

AFC MID TIER: Bengals – Jaguars | Colts – Steelers – Patriots – Raiders – Titans – Browns

NFC MID TIER: Vikings – Lions – Cardinals – Saints

NFC GRAUPEN: Cowboys – Commanders – Giants

TOP PICK CONTENDER: Bears – Seahawks – Falcons – Panthers | Jets – Texans

Die ersten zwei Wochen haben bestätigt: AFC > NFC, und die beiden einzigen wirklich vertrauenswürdigen Teams sind zwei alte Bekannte.

Die NFC schaut erbärmlich aus. Eagles und Buccaneers lassen sich schon heute als Division-Champs fixieren, die Packers werden das in Ermangelung von Konstanz bei der Konkurrenz auch hinkriegen, obwohl der Mannschaft durchaus einiges fehlt. Nur die NFC West fühlt sich offen an, aber auf niedrigerem Niveau als gedacht.

In der AFC können wir eventuell Bengals und Dolphins switchen, vielleicht auch schon Colts und Jaguars. Der ganze Rest sieht wie erwartet aus.

Wildcard-Rennen ist in beiden Conferences komplett offen, und mehr noch in der NFC als in der AFC behaupte ich: Es ist wurscht, wer reinkommt. Die Qualität reicht eh nicht für ganz oben.

Lombardi Trophy Contender

Bills und Chiefs sind nach zwei Spielen die einzigen beiden Mannschaften, die der Mensch mit gutem Gewissen als ernsthafte Contender einstufen kann. Beide sind legit. Die Bills schauen aus wie ein Juggernaut, die Chiefs aber sind die besten Problemlöser und haben Patrick Mahomes. Jedem anderen Team würde ich beim Spiel gegen die Chargers mehr Glück als Verstand attestieren – den Chiefs mindestens gleich viel Verstand und Können wie Glück.

Ab #3 fangen aber schon die großen Fragezeichen an.

Tier 2: Gute Teams mit Fragezeichen

Die Chargers wären ein echter Contender, wenn die Offense vernünftig designt wäre, wenn Brandon Staley nicht über Nacht zu einem Playcaller à la Mike McCarthy geworden wäre, und vor allem: Wenn da nicht Justin Herberts Rippen wären.

Auch die anderen besser ausschauenden AFC-Teams haben ihre Fragezeichen. Die Ravens sind zu krass auf Lamar Jackson zugeschnitten. Der performt zwar auf sehr hohem Niveau, aber Baltimore hat kein Laufspiel und seit Sonntag haben sich die Zweifel an der Defense massiv verstärkt. Ohne zuviel in eine 4th-Quarter-Implosion gegen Tyreek Hill hineinlesen zu wollen, aber als der Passrush zum Ende hinaus nachließ, war es um die Ravens-Defense geschehen. Das hat man in den letzten 20 Jahren fast nie in so krasser Form gesehen.

Miamis Offense sieht unter Mike McDaniel fantastisch designt aus und der Speed der Receiver ist so überwältigend, wie man es sich in den optimistischsten Szenarien ausgemalt hatte, aber 469 Yards und 6 TD können nicht darüber hinwegtäuschen, dass für Tua der Weg von Game-Manager nach oben noch ein sehr weiter ist. Nicht jede Woche werden Defenses Tyreek Hill 20m allein lassen.

Broncos müsste ich eigentlich nach unten ranken – wenn es nur nach Headcoaching-In-Game-Management sogar runter auf #32 der NFL. Aber auch wenn die Offense noch enttäuscht: Russell Wilson bietet noch genug Upside.

*NOCH* – denn dieses Team steht unter besonderer Beobachtung.


Die NFC hat keine einzige Mannschaft, der ich wirklich traue. Am ehesten die Buccs, weil: Tom Brady. Aber die O-Line ist in den ersten beiden Spielen schon heftig auseinandergenommen worden. Zugegeben gegen Freak-Passrusher (Saints + Micah Parsons), aber solche wird man in den Playoffs dann wahrscheinlich auch sehen, und viel Besserung ist aus dem Verletztenstand erstmal nicht in Sicht.

Green Bay ist kaum einzuschätzen. Die Bears waren kein Test, und so unvorbereitet wie gegen Minnesota wird die Defense nicht alle Tage sein. Wahrscheinlich ist das Team genau wie gedacht: In der Offense reicht Aaron Rodgers gegen die meisten Gegner aus, Defense ist gut, aber nicht Elite und als Defense eben sowieso mit limitiertem Einfluss auf das Gesamt-Geschehen – in den Playoffs wird sich zeigen, ob die Qualität des Receiver-Corps ausreicht.

Bei den Niners war es unmöglich, gute Eindrücke von Trey Lance zu sammeln. Jetzt sind sie back to Jimmy, und die Offense wird wahrscheinlich vorerst eher besser als schwächer zünden. Die Defense sieht legit aus. Rams sind Stand jetzt mehr „Reputations“-Pick als echter Leistungsnachweis, aber Sean McVay hat Vertrauensvorschuss verdient, Aaron Donald und Jalen Ramsey sind noch da, und Matthew Stafford hat bei allen Schulterproblemen genug Upside.

Die Eagles sind ein schwieriger Pick. Ihre Division sollten sie locker gewinnen und dank des extrem einfachen Schedules auch einen guten Record für ein hohes Seeding einfahren. Philly läuft in diesen Tagen fast überall in der Nähe der (oder in den) Top-3 der Power Rankings raus, und es ist nicht schwer zu verstehen warum: Wuchtige O-Line, Top-5 WR1, exzellenter WR2 (könnte auch so top-15 sein), guter Tight End, richtig mobiler QB mit etwas Upside im Passing-Game, eine Defense, die sich endlich traut in 3rd Downs Man-Coverage zu spielen (und das gut gemacht hat).

Aber es ist schwer Jalen Hurts in jedem Matchup zu trauen. I mean: Hurts hat seine Stärken, aber auch gegen Minnesota waren wieder ein paar Hühnerstall-Momente dabei, wo man deutlich sah, dass Hurts als Pocket-Manager eben doch noch nicht 100% zu trauen ist. Die Momente gibt es bei ihm in jedem Spiel. Vermutlich haben auch andere QB solche Momente, aber ich traue Brady, Stafford, Rodgers, ja auch JimmyG, Stand heute noch eher.

Generell gilt: Das AFC-Quartett in diesem Tier würde ich über die NFC-Gruppe reihen.

AFC-Mittelstand

Ein breites Mittelfeld.

Jaguars und Bengals würde ich Stand heute ein Jota (aber nicht mehr als eins) mehr trauen als dem Rest der gelisteten AFC-Mannschaften, weil sie die besseren QBs haben. Trevor Lawrence war in Woche 1 noch nicht „gut“, aber in Woche 2 sah er legit aus. Es war sein vermutlich bestes NFL-Spiel – gegen eine starre Gus-Bradley-Cover-3-Defense zugegeben, aber wenn ich das mit dem Rest der 2021er QB-Class vergleiche, dann leuchtet Trevor mittlerweile hell über allen anderen. Auch Christian Kirk als WR1 geigt ganz gut auf.

Bengals sind desaströs gestartet, aber auch nur wenige Plays von 2-0 weg. Ihre Playoff-Aussichten sind natürlich brutal verschlechtert, weil der schwere Teil des Schedules erst kommt. Nach zwei Spielen lautet das Zwischenfazit aber: Meine beiden großen Zweifel an den Bengals scheinen sich zu bestätigen:

Ziemlich sicher ist die O-Line trotz nach wie vor weeeeit unterdurchschnittlicher Pass-Block Win-Rate nicht der alleinige Grund, wieso Burrow in so viele Sacks reinläuft:

Und: nicht jede Woche wird man TJ Watt oder Parsons sehen. Aber die Kombination aus O-Line, Burrows inhärenter Spielweise und Taylor Nicht-Scheme verstärkt wahrscheinlich die Tendenzen des Bengals-QBs zu einem ungesunden Mix.

Burrow, Chase, Higgins als „Triplets“ haben noch genug Upside, um sich zu erfangen. Aber für den Long-Term-Ausblick wäre ein Trainerwechsel in der Offense eher heute als morgen in Angriff zu nehmen.

Patriots, Browns: Offensiv ein Hauch von nichts, aber zumindest defensiv eine Spur stabiler als gedacht.

Raiders: Offensive Armut, Davante Adams bis jetzt nicht der erhoffte Game-Changer, defensiv ein Sieb, wenn der Passrush nicht durchkommt (was er selten tut, denn Chandler Jones ist keine legitime #2 mehr). Am Sonntag wartet der Krisengipfel gegen das ebenso angeschlagene Tennessee.

Titans + Steelers: QBs exposed. Auf Tennessees Art Offense zu spielen können wir den Abgesang singen. Die Steelers sollten eventuell den QB-Wechsel auf Kenny Pickett in Betracht ziehen, denn schlimmer kann’s nicht werden.

Colts: Wir haben in Jacksonville gesehen, was los ist. Frank Reich und Chris Ballard sind ab sofort auf dem hot seat – und wenn ich Reich wäre, dann wäre ich glücklich darüber, denn schon morgen findet der Mann einen besseren Nachfolge-Job (CINCINNATI MAKE IT HAPPEN). Immerhin wird nicht jede Woche Michael Pittman ausfallen.

NFC Middle Class

Vikings sahen in Woche 1 potent aus, aber nach Woche 2 müssen wir uns fragen, wie viel davon an der Absurdität namens „Packers-Defense“ gelegen ist. Obwohl Kevin O’Connel ein paar ganz gute Ideen eingebracht hat, ist bei QB Cousins und der Defense zu viel same of the old, als dass wir off script zu viel erwarten dürften.

Saints sind wie erwartet: Extrem starke Defense, rocky Offense. Bei Jameis scheinen aber die Rückenprobleme schwerwiegender zu sein als befürchtet.

Die Cardinals sind allein von Kyler-Improvisation abhängig. Kliffs Offense ist mal wieder gar nix, und die Defense sieht kein Land.

Die Lions sind unterhaltsam, haben mit ihrer Offense 71 Punkte in zwei Spielen gescort, obwohl QB Jared Goff zahllose Plays am Feld hat liegen lassen und sind eventuell ein Kandidat, beim nächsten Power-Ranking höher gerankt zu werden. Aber das Ceiling ist mit Goff als QB einfach zu deutlich gedeckelt, und gegen die Washington-Defense werden andere Mannschaften auch locker 30 und mehr Punkte auflegen.

NFC-Graupen

Die drei Non-Eagles-NFC-West Teams verdienen sich durch ihre Schlechtigkeit/Wechselhaftigkeit ein eigenes Tier – zumindest solange Dallas mit Backup-QB aufläuft.

Die Cowboys sind ohne Dak verloren. Parsons ist als Passrusher ein Juwel, aber die komplette Mannschaft ist von seiner Dominanz abhängig. Washington ist in den „Good Wentz“ Momenten wettbewerbsfähig, auch weil Rookie Jahan Dotson viel schneller eingeschlagen hat als gedacht. Aber da ist auch viel „Bad Wentz“ dabei, und die Defense ist ein undisziplinierter, unvorbereiteter Hühnerhaufen.

Giants: Grinder, aber nicht mehr als solide Arbeiterklasse würde ich sagen. Titans glücklich mit 1 und Panthers mit 3 zu schlagen sind kleine Achtungserfolge. Viel mehr Qualität ist aber nicht vorhanden. Viel Spaß mit dem Monday Night Game Giants-Cowboys. Ich hab dann Besseres zu tun als dem Treiben zuzuschauen.

Top Pick Contender

Die Seahawks haben ihre Superbowl schon gewonnen, auch wenn sie nicht wissen warum. Die Bears kannst du nach 14 Dropbacks in einem Blowout-Loss schon in die Rubrik „institutional tanking“ stecken. Atlanta hat zu wenig Upside um die Schwächen zu kaschieren und die Panthers warten nur mehr darauf, Matt Rhule endlich zu feuern.

Die Jets haben mit dem fassungslosen Comeback in Cleveland ihr Highlight schon hinter sich, und es hätte nicht glücklicher laufen können. Die Texans-Defense ist nett, aber die Offense reicht einfach nicht. Wie es der Teufel will, sehen wir am Sonntag zwei direkte Duelle dieser bottom feeder: Bears-Texans und Seahawks-Falcons.


Und damit von dieser Ausgangslage auf zu Woche 3 – eine Woche, nach der die Giants das übelste 3-0 Team seit Carolina letztes Jahr sein könnten, und Aaron Rodgers mal wieder auf die Defense trifft, die seinen Pass-Angriff in den letzten Jahren so abgewürgt hat wie keine andere (Tampa Bay). Ach ja: Und Tua Tagovailoa gegen die Buffalo Bills.

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