NFL Notizblock am Montag – Woche 3

Notizblock zu den meisten der gestrigen NFL-Spiele.

Panthers 22, Saints 14

Ich habe wenig von diesem Spiel gesehen, und es muss auch in den USA unter ferner Liefen gelaufen sein, denn weder kannte ich das Kommentatorenduo, noch habe ich irgendeine gelbe 1st-Down-Markierung gesehen.

Vom Spiel selbst fällt auf: Jameis Winston hatte über 350 Pass-Yards, aber die Saints blieben trotzdem bis fast zum Ende punktelos. Winston hatte zwei INTs, aber beide kamen erst zum Ende raus während des Comeback-Versuchs.

Zwei Gründe für die absurde Punkteausbeute: Zum einen war das Saints-Laufspiel in Early-Downs extrem prominent vertreten – und extrem ineffizient:

Und dann hatten die Panthers einen Fumble-Recovery-Touchdown, die Saints verschossen gleich zwei Fieldgoals, und außer dem dauernd anspielbaren WR Chris Olave war die Passing-Offense brutal eindimensional. Sean Payton fehlt diesem Team, das kann man glaube ich mittlerweile feststellen.

Auf der anderen Seite könnte sich Matt Rhule für ein paar weitere Wochen gerettet haben.

Patriots – Ravens 26:37

Es war die Partie des Lamar Jackson. Es ist keine Übertreibung mehr zu behaupten, dass Jackson auf MVP-Niveau spielt. Die konventionellen Statistiken lesen sich so: 18/29 für 218 Yards, 4 TD bei einer INT, und elf Rushes für 107 Yards mit TD. In anderen Worten: Jackson ist *die Offense* in Baltimore.

In Advanced-Stats hat Jackson mit über 18 generierten Punkten diese Offense quasi im Alleingang zum Sieg in New England getragen:

Die Ravens wären damit eigentlich ein Superbowl-Kandidat. Aber:

  1. Baltimores konventionelle Rushing-Offense war erneut abgesehen von einem Big Run des Justice Hill eher schwach.
  2. Die Passing-Offense vermisst hinter TE Mark Andrews weiter ein zweites verlässliches Target. 13 Targets für Andrews, kein anderer Spieler hatte mehr als vier, und Rashod Bateman hat einen seiner vier Targets bizarr weggefumbelt.
  3. Die Ravens-Defense bleibt weiter ein Hühnerhaufen. Ich hab nicht das größte Vertrauen zu DefCoord McDonald.

Die Pats waren offensiv mau genug um nicht alle Schwachstellen zu attackieren und sind im Nachgang an die Partie mit der Frage beschäftigt, ob Mac Jones wohl nicht länger ausfällt. Jones humpelte am Ende vom Feld – es sah bitter aus, und soll eine Sprunggelenksverletzung sein. Sprunggelenk ist immer eine langwierige Sache.

Dolphins – Bills 21:19

FETTER Win für die Dolphins in einem elektrisierenden, spannenden Spiel. Josh Allens Armada ist heute ein bisschen entzaubert worden. Die O-Line war nicht gut, Allen hatte erstmals seit langem Probleme mit dem Blitz.

Miamis Defense hat das in meiner Weltsicht sehr gut gemacht: Richtig aggressiver Passrush, oft viele Mann an der Line of Scrimmage mit dem angedeuteten Blitz, und nicht immer war sofort zu erkennen, welcher Rusher kommen würde. Allen verbrannte den überaggressiven Blitz einmal für einen TD, aber in Summe haben die Dolphins der Bills-Offense das Leben schon sehr schwer gemacht, wenige „einfache“ Yards abgegeben.

Allen hatte 400 Pass-Yards und 2 TD und fast 50 Scramble-Yards. Aber die Bills hatten auch geschlagene 90 (!) Offensive-Plays. Allen kassierte vier Sacks und zahlreiche Hits. Die Bills waren mal wieder desaströs im Laufspiel – abgesehen von einem langen Run für Zach Moss war das 14 Runs für 25 Yards im regulären Laufspiel.

Das Drive-Chart dieser Partie zeigt natürlich auch: Buffalo hatte vier lange Drives, einen davon beginnend an der eigenen 1. Die Bills machten zwei TD, ein Fieldgoal und hatten am Ende ein Turnover on Downs. Miami scorte in seinen drei langen Drives dreimal einen TD – und nutzte die eine broken coverage der Bills-Secondary mit ihren Backup-Safetys einmal mehr gnadenlos aus:

So gab die Bills-Defense am Ende den einen langen Play zu viel auf, ohne den Miami das mit seinen nur 39 Offense-Plays nicht gedreht bekommen hätte, aber das war schon ein gutsy Win für die nunmehr in der AFC East mit 3-0 Bilanz führenden Fins.

A bissi schade aus dramaturgischer Sicht ist, dass der „Butt Punt“ durch den Miami-Sieg in der Geschichte untergehen wird. Ich hoffe, jemand fragt heute Miami #14 nach blauen Flecken am Allerwertesten:

Gesprächsthema wird natürlich das Bizarro-Handling von Tuas Verletzung bleiben. Die Dolphins verkündeten zur Pause selbst auf ihren eigenen Twitter-Feed eine Kopfverletzung von Tua:

Und jeder, der die Szene gesehen hat, konnte nachvollziehen, warum:

Tua kehrte nach der Halbzeit aber erstaunlicherweise zurück aufs Feld. Es wurde dem Mob als „Rückenverletzung“ verkauft – da lachten selbst bei mir noch die Hühner. Wahrscheinlich wird die Dolphins-Führung nicht genug gegrillt für ihr medical team, aber was will man in der NFL auch im Jahr 2022 erwarten?

Die „Investigation“ wird ganz sicher viel Aufschlussreiches ans Tageslicht bringen. Harhar.


Was sonst noch bleibt von diesem Spiel, ist dieser hilflose Versuch eines Bills-Praktikanten, die Zerstörungswut seiner Offensive Coaches nach dem Spiel zu kaschieren. Letzte Woche Tom Brady, jetzt Ken Dorsey: Die NFL ist leider mehr damit beschäftigt, das Tablet-Immobiliar zu zertrümmern anstatt es zu studieren – Ergebnis sind miserable Punktausbeuten.

Colts – Chiefs 20:17

Erbärmliche Vorstellung von den Chiefs, die ohne ihren Kicker ein Desaster an Offense hinlegten und die wenigen Scoring-Chancen überwiegend verschenkten. Wie die Bills sind auch die Chiefs heute in ihre Schranken verwiesen worden – die AFC #1 und AFC #2 haben verloren, und das kann für den Spannungsbogen der NFL nur gut sein.

Aber ehrlich: Chiefs dürfen so ein Spiel nicht verlieren. Sie waren selbst schuld. Mehrfach nicht durchgezogen, vor der Halbzeit Mahomes eingebremst, dann Kicks verschossen. Sh*tshow. Andy Reid hat eine desaströse In-Game-Manager Performance hingelegt und sogar zugelassen, dass der OffCoord Eric Bienemy, der seit Jahren daran scheitert, einen Headcoach-Posten zu bekommen, vor der Pause den Superstar-QB Pat Mahomes überstimmen durfte:

Und selbst dann dürfen die Chiefs das nicht verlieren. Sie waren schlecht, aber sie waren besser als die desaströsen Colts.

Für die Colts ein fetter Win um die Saison am Leben zu halten. Sie sind jetzt 1-1-1. Aber viel Gutes hat man offensiv nicht gesehen und Matt Ryan machte einen richtig schlimmen Eindruck.

Bears – Texans 23:20

Bears sind 2-1 und haben in drei Spielen 23 Pässe komplettiert. Nicht pro Spiel. Sondern insgesamt. Mehr habe ich zu den Bears 2022 erstmal nicht zu sagen.

Vikings – Lions 28:24

Gutes Spiel von den Lions, gutes Playcalling von Dan Campbell, aber leider nur *fast* bis zum Schluss. Campbell machte die miserable 3rd-Down-Offense mit einer Orgie an 4th Downs gut (sechs ausgespielte 4th Downs für DAN THE MAN), aber am Ende war es ein Versuch bzw. eine Conversion zu wenig.

Campbell hatte bei 24-21 Führung im Schlussviertel zwei 4th-Down-Situationen. Das erste Mal spielte er richtigerweise aus – aber die Lions scheiterten mit Brandon Williams in der Mauer. Es war die richtige Entscheidung. Von +3 auf +6 ganz am Ende des Spiels zu gehen, ist in der NFL 2022 selbst gegen einen Kirk Cousins eine bittere Pille.

Aber beim zweiten Mal ließ Campbell kicken. Das war extrem falsch…

…und Campbell sah das nachher auf den Pressekonferenzen auch ein. Das ist ein gutes Zeichen.

Sonst war alles wie erwartet. Die Lions-Offense hatte lange gute Ansätze, aber ohne vernünftigen QB hälst du das nicht 60 Minuten durch. Und Kirk Cousins: Eh klar, dass er im 19h-Slot das Comeback hinlegt. Cousins galore.

Titans – Raiders 24:22

Raiders sind 0-3 nach all-in. Viel übler kann es nicht werden. McDaniels hätte bei der Scoring-Chance beim Spielstand von 13:24 nicht kicken sollen, sondern ausspielen.

Aber NFL-Coaches lernen nicht. So mussten die Raiders den letzten Drive bestreiten mit der Info, dass die 2pts-Conversion gelingen *muss*. Und die gelingt nur in etwas mehr als 50% der Versuche.

Noch bitterer für die Raiders: Sie haben alle Spiele verloren, und das gegen Mannschaften, die anderweitig samt und sonders abgeschossen wurden:

Raiders sind damit übrigens auch 0-3 in one score games, nach 7-2 letztes Jahr. Nur falls jemand fragt, wie stabil diese Bilanzen sind.

Jets – Bengals 12:27

Die Jets als idealer Aufbaugegner für die Bengals – und selbst dann war es noch ein Grind über die meiste Zeit. Das Spiel ist sicherlich noch genauer zu studieren, aber die Bengals hatten ein paar Highlight-Plays wie den famosen (nicht gegebenen) Touchdown von Tee Higgins, der sich nachher leider verletzte.

Das Spiel war kurz nach der Pause durch. Hoffentlich erfreuen sich die Jets an ihren Zillionen Fieldgoals bei drei Scores Rückstand.

Commanders – Eagles 8:24

Sleepwalk für die Eagles. Wie schon letzte Woche stürmte Philly in der ersten Halbzeit raus, machte 24 Punkte mit dominantem Laufspiel und fetten Downfield-Passing-Shots auf Devonta Smith und A.J. Brown, und spielte den Stiefel nach der Pause mehr oder weniger desinteressiert runter.

Washington hatte zu keiner Zeit eine Chance. Carson Wentz kassierte in der ersten Halbzeit schon sechs Sacks, nach der Pause waren es noch ein paar mehr.

Die Eagles sind damit das einzige 3-0 Team neben den Dolphins. Sie haben diese 3-0 Bilanz mit drei Kantersiegen über eher niedrigklassige Gegner erzielt. Schwächere Teams zu dominieren ist ein Zeichen für eine starke Mannschaft – aber wie stark die Iggles heuer sind, werden wir wohl leider erst in den Playoffs sehen, denn bis dahin ist der Schedule einfach erbärmlich schwach:

Chargers – Jaguars 10:38

Kantersieg als Coming-Out der Jaguars?

Trevor Lawrence hatte eine sehr cleane, komplette Partie und wirkt immer souveräner, obwohl seine Receiver zu selten richtig frei über das Feld laufen.

Die Story des Spiels war aber auf der anderen Seite zu sehen, wo sich ein sichtlich angeschlagener QB Justin Herbert wahrscheinlich vollgepumpt mit Schmerzmitteln durchplagte, zwar einige brillante Shots wagte, aber in Summe einfach nicht auf der Höhe des Schaffens war.

Los Angeles wäre wahrscheinlich nicht schlechter beraten gewesen, sein QB-Juwel zu schonen. Selbst als man mit 28 Punkten zurücklag, war Herbert noch draußen am Feld. Für die Bolts mit ihrer sich rapide in die Länge ziehenden Verletztenliste wird es langsam eng:

Cardinals 12, Rams 20

Während Kliff Kingsbury in seinen feuchtesten Träumen wahrscheinlich in den nächsten Tagen noch drölfzig Fieldgoals schießen lässt um die Rams zu schlagen (seit dem Eagles-Pats Superbowl Anno 2005 hat man keinen so pathetischen Comeback-Versuch mehr gesehen wie jenen der Cards gestern), ist mein einziger anderer nennenswerter Take zu diesem Spiel: Die Rams waren nicht besonders gut, aber sie haben die eine Stärke, die sie hatten, eiskalt ausgenutzt: Play-Action-Passing gegen die waidwunde Cards-Defense:

Ach, und: Cooper Kupps Serie an zig-Catches/zig-Yards ist gerissen.

Buccaneers 12, Packers 14

Ich habe nur die Highlights gesehen – und davon gab es wenige. Das Spiel ist in etwa so gelaufen wie erwartet: Defensiv-dominiert, aber die Packers haben mit ihrem Skript in den ersten beiden langen Drives Touchdowns hingelegt und danach nur noch verwaltet:

  • Touchdown
  • Touchdown
  • Fumble
  • 3&out
  • Punt
  • Punt
  • Interception
  • Punt
  • 3&out
  • Punt
  • Punt
  • Kneel Down

Das reichte, weil die paar guten Play-Konzepte über Doubs und ein Back-Shoulder für den zurückgekehrten Lazard die notwendigen Yards für die ersten Punkte machte, und Tampa Bay danach einfach erbärmliche Offense spielte: Null Laufspiel, keine Receiver. Russell Gage sah 13 Targets, machte 12 Catches für 87 Yards und schaffte es trotzdem, negative EPA/Play zu generieren, weil er einen entscheidenden Fumble verlor und kaum Yards after Catch generierte.

Von Hawks-Falcons hab ich gar nix gesehen, insofern gleich weiter zum Sunday Night Game.

Broncos 11, 49ers 10

Das wahrscheinlich zweite 11:10 der NFL-Geschichte. Beim ersten war ich live dabei (Steelers – Chargers um 2008 herum).

Die Story des Spiels ist schnell erzählt: San Francisco war „optisch“ bis zum Ende das etwas bessere Team, aber Denver grindete mit seiner Defense, blieb im Spiel, offensiv verschenkte Nathaniel Hackett diesmal keine wertvollen Plays durch In-Game-Bolzen, während Kyle Shanahan in 4th Downs wieder einen auf Shanahan machte und ein 4th Down zu einem 50 Yarder kicken ließ: Erfolgreich, aber take the points ist in der NFL keine valide Strategie mehr. Das hat dieser Spieltag mit seinen unzähligen 4th Downs mal wieder gezeigt (siehe z.B. auch Jacksonville).

Am Ende entschied Jimmy „Orlovsky“ Garoppolo die Partie mit diesem einen bizarren Play:

Wäre es kein Safety gewesen, Garoppolo hätte einen Pick-Six geworfen. Aber das kannst du als NFL-QB einfach nicht bringen. So viel Awareness muss da sein.

Die Broncos sind damit 2-1, aber offensiv ist das schon sehr dünn. Mehr als 2-3 Plays hat auch Russell Wilson in dem Spiel nicht gemacht. So fühlte sich das am Ende an wie von den Niners verschenkt.

2 Kommentare zu “NFL Notizblock am Montag – Woche 3

  1. Ein Wort zum Kommentator-Comeback von Christopher D. Ryan auf Puls4: es war fast als wäre er nie weg gewesen. Er war meiner Meinung nach topinformiert, exzellent vorbereitet, hatte sichtlich Spaß und Freude an der Arbeit und auch dass er wieder mit seinem alten Spezl Michael Eschlböck werken durfte.
    Ich würde mir nur zu gern eine Verlängerung dieses Engagements wünschen.

  2. Also eigentlich hätte Tagovailoa nicht eine Minute länger spielen dürfen. Das sah ja mal so gar nicht gut aus. Ich kenne mich im amerikanischen Recht nicht so aus, aber gibt es nicht auch dort eine Fürsorgepflicht des AG gg dem AN?
    Und wenn mein QB zwanzig Mal behauptet hätte, dass es weitergehen kann, wäre der nicht mehr zum Einsatz gekommen. Was soll denn noch passieren, bevor die Verantwortlichen reagieren?

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