NFL Sonntagsvorschauer 2022 – Woche 4

Guten Morgen zum vierten NFL-Spieltag 2022.

Gleich zu Beginn möchte ich mich beim Leser Georg bedanken, der mir unter der Woche das PULS-4-Tape mit Christopher D. Ryans Kommentierung vom letzter Woche zur Verfügung gestellt hat. Es hat sich tatsächlich angefühlt, als wäre Ryan nie fort gewesen, und es hat sich einmal mehr bestätigt, woran ich die letzten 13 Jahre geglaubt habe: Eine bessere Kommentierung als die seinige gibt es in den US-Networks nicht.

Zum Tagesgeschehen in der NFL.

Die Causa Tua Tagovailoa hat gestern die nächste Eskalationsstufe gezündet: Auf Betreiben der NFLPA wurde der unabhängige/unaffiliated/ungebundene neurologische Gutachter (UNC) vom Dolphins-Bills-Spiel letzten Sonntag wegen Fehlern und mangelhafter Kooperation vom Dienst entlassen, was gestern so verschiedene Reaktionen hervorgerufen hat, dass ich jetzt umso überzeugter bin, dass der Public keine genaue Vorstellung von den Aufgabenverteilungen im Management von Gehirnerschütterungen hat.

Daher hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung – auch für die sicherlich existenten Vernünftigen unter den Dolphins-Fans.

NFL Concussion Protocol

Das Concussion Protocol lässt sich hier einsehen. Es beschreibt sehr klar, welche Stellen welche Aufgaben haben. Prinzipiell gibt es drei Phasen, wenn der Verdacht einer Gehirnerschütterung eines Spielers aufkommt:

#1 Sideline Survey: Es ist der Test im Medical Tent mit wirklich nur den Basics abgecheckt wird: Kennst du deinen Namen, weißt du wo du bist? Ebenso wird die gross motor stability geprüft – funktionieren noch alle Bewegungsabläufe.

Der Prozedur wohnen mindestens bei: Der Teamarzt und der mittlerweile berühmt gewordene unaffiliated neurologist consultant (UNC).

#2 Locker Room Test:  Gibt der Teamarzt den Spieler nach Rücksprache mit dem UNC nicht für das Spiel frei, geht es in die Umkleidekabine. Dort wird die Checkliste an Fragen detaillierter abgearbeitet, es werden effektive Symptome geprüft, der so genannte SCAT-Test und weitere neurologische Prüfungen gemacht. Wieder wohnen der Teamarzt und der UNC der Prozedur bei.

Wieder hat der UNC beratende Funktion. Letztlich entscheidet der Teamarzt, ob der Spieler ins Concussion Protocol gesteckt wird oder für das Spiel wieder freigegeben wird. Das liest sich in den Statuten der NFL so:

The Club physician remains responsible for all final decisions regarding Return-to-Play. However, the Club physician will consult with his/her sideline UNC team member prior to reaching his/her decision. If the sideline UNC disagrees with the Club physician’s decision to return the player to play or remove the athlete, the sideline UNC will be given an opportunity to explain the basis of his/her opinion. This will be discussed in a collegial fashion in private as to why the player should or should not be returned to the game. The Club physician will communicate his or her final decision to the player.

Graphisch leicht verständlich ist das ganze hier aufgezeigt.

#3 Return to Play Phase: Steckt der Spieler einmal im Concussion-Protocol, ist er out for the game. Für die zwei bis vier Tage danach gibt es einen klar definierten Fünf-Stufen-Plan, und erst jetzt tritt der so oft beschworene independent neurological consultant (INC) auf, eine andere Person als der UNC (!).

Der INC ist mit der Entscheidungsgewalt ausgestattet, einem Spieler am Teamarzt vorbei die Spielerlaubnis für das nächste Spiel zu entziehen.

Um es noch einmal deutlicher zu sagen: Am Spieltag hat der Teamarzt das letzte Wort. Erst wenn ein Spieler auf Entscheidung des Teamarztes hin im Concussion Protocol steckt, kommt der INC ins Spiel.

Tua wurde trotz eindeutiger Symptome vom Dolphins-Teamarzt nicht ins Concussion-Protocol gesteckt. Diese eindeutigen Symptome beschreibt der Neurologe Chris Nowinski hier detailliert:

Und somit gab es nie einen Dritten mit Entscheidungsbefugnis.

Weiterführende Infos: Die NFL versagt beim Thema

Diese ganzen Infos und viele weiterführende hat die Expertin Rachel Hearn am Freitag in einem sehr verständlichen Podcast mit Ollie Connelly diskutiert. Ich spreche hiermit eine eindeutige Empfehlung für diesen Podcast aus.

Hearn bezeichnet die Dolphins-Entscheidung, Tua am Sonntag zurück aufs Feld zu schicken, als „fishy“.

Hearn betont weiters, dass die Forschung für Gehirntraumata noch immer in den Kinderschuhen stecke, und dass sich wenn, dann bislang eins gezeigt hat: Symptome und Behandlung sind wesentlich individueller als früher gedacht, und eine Abwicklung über ein allgemeingültiges „Protokoll“ reiche bei weitem nicht aus um dem momentanen Wissensstand gerecht zu werden.

Die Erholung von so einer Verletzung dauere zwischen 14 und 30 Tagen, und wie bei jeder anderen Verletzung sei auch bei Gehirnerschütterungen das Risiko einer Verschlimmerung wesentlich höher, wenn die alte Verletzung noch nicht auskuriert sei. Hearn wird deutlicher: Sollte Tua schon am Sonntag eine Gehirnerschütterung erlitten haben, hätte das am Donnerstag ohne weiteres tödlich sein können (sie nennt das „second impact syndrom“, der Druck wird im Gehirn auf lebensbedrohliches Level erhöht).

Hearn beschreibt auch die unangenehme Rolle der NFL-Mediziner, die mit dem Rücken zur Wand steckten, weil die Regeln so lasch seien und der wissenschaftlich anerkannte Stand so unklar. Ich bin da dezent anderer Meinung: Gerade wenn der Stand so unklar ist, muss das Vorsichtsprinzip umso mehr gelten, und dort versagen die NFL-Mechanismen, aber eben auch die zuständigen Personanen (Teamarzt, Head Coach), nicht nur in diesem Fall.

Hearn kritisiert die Scheinheiligkeit der NFL, die kein wirkliches Interesse am wissenschaftlichen Erkennungsgewinn besitzt. Hearn spricht O-Ton die von „low-level corruption“ zersetzte NFL-finanzierte Forschung an, die mehr Interesse daran habe, Zweifel zu sähen als Zweifel auszuräumen. Das erinnert mich dann eher an Tabakindustrie oder das größte mafiöse Kartell unserer Zeit, die Nahrungsmittelindustrie, als an eine Organisation, die mittelfristig die Grundlage ihrer Existent verlieren könnte: Die Spieler. Denn wenn nicht mehr bloß junge weiße Mütter ihren Kindern das Footballtraining verbieten, sondern auch junge schwarze, hat die NFL bei allen finanziell rosigen Aussichten eine schwammige Zukunft.

Reaktionen

Mike McDaniel mag ein Headcoach-Novize sein, aber das entschuldigt ihn nicht. Wenn er auch im Nachgang noch von „it worked out, he did not have anything MORE SERIOUS than a concussion“ spricht, bin ich mir doch nicht mehr ganz so sicher, dass er die Schwere der Situation erkannt hat.

Dass es als NFL-Headcoach auch anders geht, demonstrierte John Harbaugh, der klare Worte fand:

Jetzt bleibt zu hoffen, dass Tua die Zeit bekommt, sich zu erholen. Wahrscheinlicher ist, dass er am Samstag gecleart wird, denn die Show must go on.

NFL Team Tiers nach Woche 3

Die Team-Efficiency in Offense und Defense sieht nach drei Wochen (plus TNF von Woche 4) so aus:

Wir sehen: Sieben Offenses rangieren in punkto EPA/Play weit vor allen anderen: Chiefs, Ravens, Eagles, Bills, Dolphins, Browns, Jaguars. Es sind Offenses, die unter sich kaum unterschiedlicher sein könnten, und natürlich ist die Sample-Size noch nicht groß genug um erste klare Schlüsse ziehen zu können.

Lions und Falcons als die Offenses in „Tier 2“ sind auch eher das Gegenteil von „erwartet“. Interessant an diesem Duo ist, dass beide trotz schwachem Quarterback-Play so weit oben sind. Bei Detroit hatte ich schon letztens geschrieben, dass zu viel an krassen Big Plays hängt als dass dieses Team diese Effizienz allzu lange aufrecht erhalten könnte.

Der Rest der NFL ist recht eng beieinander, aber ganz hinten (also ganz links im Graph) finden wir vier überraschende Teams unter den „Bottom Six“: 49ers – Buccaneers – Saints – Colts. San Francisco ist teilweise entschuldigt, weil es ein Spiel in Monsun von Chicago bestritten hat, und wenn JimmyG bissi besser zurück im Groove ist, dann wird das Kätzchen wieder schnurren.

Tampa Bay krankt noch an zahlreichen Ausfällen auf Receiver und in der Offensive Line. Zumindest ersteres Problem sollte sich etwas auflösen, wenn dann irgendwann wieder Mike Evans und Chris Godwin gemeinsam am Feld stehen; heute könnte dem soweit sein. Ein weiteres Problem für Tampa ist die Tatsache, dass man sich wohl nicht mehr auf Julio Jones‘ Gesundheit verlässlich bauen kann.

In New Orleans und Indianapolis sehen wir strukturellere Probleme. Jameis Winston ist ohne Sean Payton in seinen unkontrollierten Modus aus Bucs-Zeiten zurückgefallen, und auch wenn die O-Line besser hält als befürchtet, gibt es abseits einiger Deep-Shots für Chris Olave wenig Zunder im Receiver-Corps. Indy ist offensiv mausetot: O-Line ein Torso, kein Receiver der auch nur etwas Speed reinbringt, Matt Ryan cooked. Dieser Negativspirale zu entfleuchen wird schwer, und das wird früher oder später auch Frank Reich – zurecht oder nicht – in den Fokus bringen. Vielleicht wäre eine Entlassung für Reich sogar ein Vorteil, denn neue Jobs mit besserer Infrastruktur wird er problemlos kriegen.

Zum heutigen Spieltag.

Kaffeekränzchen um 15h30

  • New Orleans Saints – Minnesota Vikings

Das erste London-Spiel des Jahres. Bei den Saints fällt QB Winston aus. Er wird durch Andy Dalton ersetzt, womit der Offense doch einige Prozentpunkte an „high end“ Potenzial verloren gehen. Aber mal ehrlich: Winston war in den ersten Spielen einfach zu oft vogelwild. Vielleicht stabilisiert sich die Offense sogar ein wenig mit dem Backup.

Der spannendste schematische Aspekt ist, wie die Saints gegen WR Justin Jefferson spielen werden. Das ist im Prinzip in jedem Vikings-Spiel 2022 der interessanteste Aspekt.

Ach ja, und: Kirk Cousins zwar nicht in der Primetime, aber dafür in einem standalone game. Reicht das aus für Nervenflattern?

Frühschicht um 19h

  • Baltimore Ravens – Buffalo Bills
  • Philadelphia Eagles – Jacksonville Jaguars
  • Atlanta Falcons – Cleveland Browns
  • Detroit Lions – Seattle Seahawks
  • Dallas Cowboys – Washington Commanders
  • Indianapolis Colts – Tennessee Titans
  • New York Giants – Chicago Bears
  • Pittsburgh Steelers – New York Jets
  • Houston Texans – Los Angeles Chargers

Ravens – Bills ist das klare Spitzenspiel der Frühschicht: Zwei 2-1 Teams, die über weite Strecken überzeugend ausgesehen haben, aber von Tuas Dolphins knapp geschlagen wurden. Buffalo wirkt auf den ersten Blick um einiges breiter aufgestellt als Baltimore, aber Vorsicht: Auch bei den Bills häufen sich die Verletzungsausfälle in der Defense, und auch die Bills-Offense ist gefährlich eindimensional auf den einen Elite-QB aus dem 2018er Draft zugeschnitten wie die Ravens-Offense auf den Ihrigen.

Josh Allen und Lamar Jackson sind nicht nur QBs ihrer Offenses. Sie sind ihre Offenses. Sie sind wahrscheinlich auch die beiden besten QBs der ersten drei Spieltage. Allen erweckt den Anschein etwas kompletter zu sein, aber das mag auch einfach dran liegen, dass Allen aussieht wie den im Labor gezüchteten QB-Prototypen, während Jackson NFL-geschichtlich ein komplettes Unikum und der erste seiner Gattung ist.

Bis jetzt machte die Bills-Defense mit ihrem wuchtigen Passrush den besseren Eindruck als Baltimores Defense, wo der neue DefCoord MacDonald eher random die Playcalls rausschießt als wirklich einen kohärenten Plan zu demonstrieren.

Vorstellbar ist in der Partie alles. Beide QBs können den gegnerischen Gameplan schreddern oder auch nur mit brillanten individuellen Plays den Lauf des Spiels wenden. Im Zweifel sieht Buffalo aber auch dank des Heimvorteils wie die etwas bessere Wette aus.

Die Trauben hängen auch deshalb schon hoch, weil eins der beiden Teams heute Abend bei 2-2 stehen wird und ein möglicherweise weiteres wichtiges Duell fürs AFC-Seeding verloren hat (nach jenem gegen die Dolphins).


Eagles – Jaguars ist das Wiedersehen von Doug Pederson mit seinem Ex-Team zwei Jahre nach seinem hässlichen Abgang. Pederson ist in Jacksonville aktuell dabei sein Gustostückerl von Philly 2016-2017 zu wiederholen und eine darniederliegende Franchise mit einem jungen QB zu revitalisieren.

Einmal scheint QB Trevor Lawrence langsam in der NFL anzukommen und seinem Ruf des epischen #1 Prospects gerecht zu werden. Dann ist auch der WR1 Christian Kirk besser als gedacht, und der Tempowechsel mit dem Laufspiel (RB James Robinson) solide. Die Offense wirkt gut vorbereitet, die Spieler scheinen zu wissen was von ihnen verlangt wird, und so spielte man zuletzt zweimal humorlos seinen Stiefel runter und schlug Teams wie Colts und Chargers in Summe mit 62 Punkten.

Die Defense ist vielleicht noch besser – respektive der Passrush. Josh Allen der EDGE wirkt wie ausgewechselt (16 Pressures, 2 Sacks), und Travon Walker hat zwischen einigem Leerlauf immer wieder die Freak-Plays mit drin, die ihn zum #1 Pick im letzten Draft machten.

Philly hat den insgesamt besseren Kader und ist daher auch mit 6.5 Punkten favorisiert. Die Eagles haben die O-Line um Spiele physisch zu dominieren, sie haben zwei brillante Receiver in A.J. Brown und Devonta Smith, die jederzeit mit einem Big Play die Defense verbrennen können, sie haben eine Defense mit Potenzial für Großes – und in QB Jalen Hurts einen Game-Manager, der den Stiefel bis jetzt souverän runterspielt.

In den einzelnen Matchups sollte Philly überlegen sein. Aber vielleicht ist Jacksonville solide genug um die Partie eng zu halten und mit dem einen oder anderen fluky Play eine Überraschung zu schaffen. UND MAL EHRLICH: WAS WOLLEN WIR HEUTE ABEND MEHR SEHEN ALS EIN PHILLY JAGS SPECIAL MIT ENDZONE-CATCH FÜR TREVOR?

Ich für meinen Teil nichts.


Falcons – Browns ist das dritt-interessanteste Spiel dieser Frühschicht, und das liegt vor allem an obigem EPA/Play Efficiency-Graph. Beide Offenses machen mit dritte-Reihe-QBs einen besseren Eindruck als vor der Saison gedacht.

Den Browns fällt heute EDGE Myles Garrett nach seinem Verkehrunfall unter der Woche aus. Wohl auch deswegen ist das Over/Under mit 47.5 Punkten eher hoch.


Auch Lions – Seahawks könnte ein flottes Spielchen werden. Auch hier ist das Over/Under 47.5 Punkte. Bei Detroit fallen allerdings in WR Amon-Ra Sundgod Brown und RB D’Andre Swift die beiden bekanntesten Skill-Player aus.

Wir sehen wahrscheinlich das Rookie-Duell in den Trenches, EDGE Aidan Hutchinson gegen LT Charles Cross. Cross ist ein super Pass-Protector. Hutchinson hatte gegen Carson Wentz drei Coverage-Sacks, aber so wirklich spürbar positiven Impact auf den Passrush hab ich von ihm trotzdem noch nicht vernommen.

Das interessanteste Matchup der Partie ist Lions-CB Jeff Okudah gegen einen der beiden Seahawks-Star-Receiver Metcalf/Lockett. Okudah macht Woche für Woche einen besseren Eindruck. Vielleicht wird aus diesem Prospect ja doch nochmal was.


Texans – Chargers: Haben wir Upset-Potenzial?

Die verfluchten Bolts werden wohl wieder mit Justin Herbert spielen, aber ansonsten sind zahllose Leistungsträger auf IR oder angeschlagen. WR Keenan Allen fällt weiter aus, Depth-WR Jalen Guyton ist auf IR, die O-Line ist nach der season ending injury (Bizeps) für Rashawn Slater ein Torso mit zwei Sollbruchstellen auf beiden Tackle-Positionen und Center Linsley ist ebenso abgeschlagen, EDGE Joey Bosa fällt wochenlang aus.

Die Mär vom Superbowl-Kandidaten können wir damit wohl schon zu Grabe tragen.


Die Gurkenspiele um 19h sind natürlich Steelers – Jets, Giants – Bears (eines der beiden Teams wird heute Abend das schwächste 3-1 Team des Jahres sein) und auch Cowboys – Commanders. Ein paar Dinge zum Beachten:

Die Steelers werden mit Mitchell Trubisky auf QB nix mehr reißen, aber so wirklich Anschein auf den Rookie Pickett zu wechseln, macht Mike Tomlin momentan noch nicht. Trubisky spielt so schlecht, dass ich mich frage wie lange ein Heißsporn wie WR George Pickens noch stillhält, wenn er weiter kaum bedient wird.

Bei den Jets kehrt QB Zach Wilson nach längerer Verletzungspause zurück. Wilson hat in der NFL bis jetzt komplett verloren ausgesehen und die Wahrscheinlichkeit, dass Wilson selbst gegenüber Joe Flacco ein Downgrade darstellt, ist eindeutig größer als null, aber für den angezählten Headcoach Robert Saleh ist er einer der Strohhalme. Salehs Stuhl ist angewärmt. Wenn jetzt nichts kommt, wird es eng.

Giants-Bears hat ein Over/Under von unter 40 Punkten – eine Rarität in der heutigen NFL. Das niedrige Total ist verständlich: Die Giants verheizen ihren QB Daniel Jones mit über 50% Pressured Plays, die Bears haben weniger als 100 Passing-Yards pro Spiel.

Die Cowboys sind defensiv ein Hingucker durch den Superstar-Passrusher Micah Parsons, der gegen Carson Wentz einen field day haben könnte. Offensiv aber ist das alles zähe Kost.

Spätschicht um 22h

  • Carolina Panthers – Arizona Cardinals (22h05)
  • Green Bay Packers – New England Patriots (22h25)
  • Las Vegas Raiders – Denver Broncos (22h25)

Eine maue Spätschicht. Panthers – Cardinals ist Krisenduell. Interessanterweise sind die Panthers bei den Buchmachern favorisiert, was mehr über die Schlechtigkeit der Cards aussagt als über die nicht vorhandene Klasse der Panthers. Sogar Adrian Franke, der Kliff Kingsbury lange gestützt hat, hat mittlerweile den Glauben verloren, dass da nochmal was draus wird.

Bei den Panthers hat sich Matt Rhule mit dem glanzlosen Sieg letzte Woche gegen New Orleans noch ein paar Wochen erkauft. Wenn man so die Reaktionen der Panthers-Spieler anschaut, dann scheint es trotzdem niemanden mehr zu geben, der glaubt, dass Rhule die notwendige Kompetenz besitzt ein NFL-Team zu führen:

Unoriginelle Prognose: Beide Coaches sind spätestens im Winter Geschichte.

Packers – Patriots wird schwere Kost. Die Patriots reisen mit Brian Axel Hoyer als QB an und müssen WR Jakobi Meyers vorgeben. Die Zahl der erwarteten offenen Targets für Hoyer liegt unterhalb von eins, weswegen die Packers das auch dann gewinnen müssen, wenn sie diesmal nicht drei (wie letzte Woche), sondern nur einen vernünftigen Drive hinlegen.

Raiders – Broncos: Ich kann mich nicht dafür begeistern. Die Raiders-Saison ist nach dem kapitalen Fehlstart schon so gut wie vorbei, während die Broncos offensiv recht harzig losgelegt haben. Schöner Football wird das eher nicht.

Sunday Night Game

  • Tampa Bay Buccaneers – Kansas City Chiefs

Die Neuauflage der Superbowl 2021, und obwohl beide Teams auch heuer zu den Favoriten zählen, hängen sie zurzeit in den Seilen.

Die Buccs könnten heute erstmals wieder mit Evans und Godwin gemeinsam am Feld stehen, womit wir die Chance auf brauchbare Offense bekommen. Aber die Chiefs haben in den Passrushern DT Chris Jones und EDGE George Karlaftis zwei Trümpfe um Tom Brady hinter der löchrigen O-Line wieder zu überfrühtem Passspiel zu zwingen. Weil OffCoord Byron Leftwich eher wenig macht um die Probleme schematisch zu kaschieren, könnte das wieder holprig werden.

Die Chiefs hätten letzte Woche natürlich gegen die Colts gewinnen müssen, aber trotzdem kommen wir nicht drum herum darauf zu verweisen, dass die Offense absolut unzufriedenstellend war. QB Patrick Mahomes war für einmal kein Zauberer, sondern ein Zauderer, der nicht viel Vertrauen in seinen Receiver-Corps zu haben schien, und den Ball immer wieder viel zu lange hielt.

Wie bei den Buccs mit ihren Verletzungen sind auch die growing pains bei den Chiefs nach dem Verkauf von Tyreek Hill und der Umstellung auf einen ganz neuen Receiver-Corps nicht komplett überraschend.

Ich bin gespannt, wie Todd Bowles das gegen Mahomes spielen wird. Vor zwei Jahren zertrümmerten die Chiefs Tampa Bays Single-High Defense in der Regular Season, aber in der Superbowl revanchierte sich Bowles mit abwartender Defense gegen eine Backup-O-Line. Kansas Citys Offensive Line wurde seither personell massiv aufgerüstet, ohne dass sie in den ersten drei Spielen 2022 überzeugt hätte. Tampa ist mit einem Punkt favorisiert, was impliziert, dass auf neutralem Feld die Chiefs minimaler Favorit wären. Das Over/Under von 46 Punkten ist relativ hoch. Vielleicht wird es ja ein ganz nettes Spiel.

7 Kommentare zu “NFL Sonntagsvorschauer 2022 – Woche 4

  1. Kleine Verständnisfrage zum Concussion Protocol:
    Wenn ich die Tweets richtig lese ist der unaffiliated Consultant entlassen worden, nicht der Independent Consultant – passt ja auch zu deiner Erklärung, letzteres war ja bei Tua laut Prozess nicht beteiligt. Im deutschen Text hast Du einmal für UNC die Übersetzung „unabhängiger neurologischer Berater“, da ist aber die Übersetzung unscharf und gemeint ist im englischen der unaffiliated Consultant, oder? Zugegeben, ich hätte unaffiliated spontan auch mit „unabhängig“ übersetzt, aber vielleicht ist hier „neutral“ besser…

    Inhaltlich: Ärzten die Schuld zu geben halte ich eh nur in eindeutigen Situationen für richtig damit sie ihre Entscheidungen nur vom Patienten abhängig machen, aber hier sieht es besonders krass aus. Keine Konsequenzen für einen der echten Entscheidungsträger, stattdessen tauscht man das Feigenblatt…

  2. PS: die Übersetzung ist in der Einleitung zum Tua-Thema, in der Erklärung zu den Schritten im Protocol stehen einfach die englischen Namen und machen die Sache eindeutig 😉

  3. Ja, korrekt.

    UNC = gefeuert
    INC = war gar nicht beteiligt in dem Fall

    Lass uns das „unaffiliated“ mit „ungebunden“ übersetzen, wie es LEO vorschlägt 🙂

    Ich denke, mit diesen unscharfen Bezeichnungen hat es die NFL geschafft, dass ein Großteil vom Public noch immer ein falsches Bild von der Situation hat.

  4. Ich habe die These gelesen, dass Tomlin in PIT der Offense als Ganzes nicht traut – also im Wesentlichen wohl OC und O-Line, weil über RB, TE, WRs gibts eigentlich auf dem Papier wenig zu meckern.
    Daher will er Pickett a) dieses Jahr möglichst wenig Spiele zumuten und b) wenn er ihn dann irgendwann bringen muss, dann soll Trubisky so vollständig demontiert sein, dass niemand auf die Idee komme nach zwei, drei schwachen Spielen von Pickett wieder nach einem Wechsel auf QB zu rufen.
    Tatsächlich habe ich auch kürzlich eine Umfrage gesehen, welche die Misere der Offense mehrheitlich noch OC Canada ankreidet und dann zu gleichen Teilen QB und O-Line.
    Wahrscheinlich schwer zu sagen, ob Canadas Playcalls Trubisky noch schlechter aussehen lassen, als er tatsächlich ist – oder ob eben Trubisky der limitierende Faktor für Canadas schlechte Playcalls ist.

  5. Ja, das mit dem Verbrennen von Trubisky und Schützen von Pickett wäre nachvollziehbar.

    Canada ist als OC IMHO einer derjenigen Coaches, die Motion spielen lassen um der Motion willen. Ich sehe da kaum eine höhere Idee dahinter, weswegen ich die Kritik an Canada nachvollziehen kann.

    Dass Trubisky wie schon in Chicago durch den OC entschuldigt wird, fällt auch langsam auf. Trubisky hat für sich *nichts* gezeigt, was ihn zu einem besseren NFL-Starter qualifizieren würde, und das auch nicht, nachdem er als Bills-Backup hoch gehandelt wurden.
    Ich denke es ist überfällig sich einzugestehen, dass Trubisky einfach unter keinem OC die Lösung ist.

  6. Bosa 8-10 Wochen raus:

    Ich habs schon mehrfach geschrieben, aber Bosa sollte ein Case Study dafür werden, was Krafttraining von kleinauf mit einem Körper macht. Ein Bulle von Mensch, und ständig angeschlagen oder verletzt.

  7. Guter Artikel habe ich sehr gerne gelesen, vielen Dank dafür. Der Verweis auf die andere Sicht von Trainern hier aufgeführt John Harbaugh, hat bei mir sofort in Erinnerung gerufen gestern diesen Beitrag (am Ende verlinked) gesehen zu haben aus der Zeit wo er noch Joe Flacco trainiert hat und, dort wie es scheint noch nicht so reif war für seine heutige Meinung einzustehen. Menschen ändern sich und das ist gut, vielleicht kann man beide Vorfälle auch nicht vergleichen, aber ich wollte darauf hinweisen. (Link vom Kanal Fantasy Football Huddle) https://www.youtube.com/shorts/RDYuqjeTkZs

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