NFL Rückschau – Woche 4: Primetime Games

Ein paar Gedanken noch zu den Primetime-Spielen am Wochenende von Woche 4.

49ers – Rams 24:9

Ein dominanter Sieg der Niners in Offense und Defense. Zuerst zur Offense: Sie ist same procedure as always. Jimmy Garoppolo hatte in den letzten beiden Spielen mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen, aber das kam nicht unerwartet, nachdem er monatelang raus war und eine Shanahan-Offense mehr als jede andere Offense von Reps, Timing, Rhythmus lebt.

Heute war das erste Mal, dass sich JimmyG wieder im Groove anfühlte. Paar schöne Pässe über die Mitte, die Rams verpassten es, die 1-2 Interception-Möglichkeiten wahrzunehmen, und den Rest machten der grandiose Deebo Samuel (sein TD Catch&Run war eines der Saison-Highlights) und etwas abgestuft Brandon Aiyuk und Kyle Jusczyk. TE Kittle spielte für einmal eher eine Nebenrolle.

Die Rams bekamen zu wenig Druck auf die Pocket zustande, der Ausfall von LT Trent Williams fiel gar nicht ins Gewicht.

Auch das andere Matchup war ein Kantersieg für San Francisco. Die Niners-Defense sackte Matthew Stafford sieben Mal, und griff dabei nicht bloß auf den altbewährten Four-Men-Rush zurück, sondern interessanterweise auch auf den Blitz – ein Mittel, das man in dem etwas mehr als einem Jahr mit Stafford in L.A. selten gesehen hat.

Die Aggressivität der Niners hatte auch deswegen so viel Erfolg, weil die O-Line der Rams einfach zu viele Löcher hat. Das kommt nicht unerwartet, aber es ruft uns vielleicht deutlicher als gedacht in Erinnerung, dass McVay-Offenses in den letzten sechs Jahren prinzipiell am Tropf der Protection-Qualität hingen.

2017 und 2018 war die O-Line super: Die Offense zündete.

2019 war sie grausam: Die Offense kollabierte.

2020 war sie okay: Die Offense lavierte sich durch.

2021 war sie super: Die Offense zündete.

2022 hat sie wieder Probleme: Die Offense ist im unteren NFL-Drittel der NFL nach EPA/Play, und sieht aus wie eine Allerwelts-NFL-Offense irgendeines unbekannten Praktikanten-Schemers. Folge davon, der O-Line nicht zu trauen: Die Rams laufen zu viel, werfen Zillionen Screens in übervölkerte Zonen, verstärkten die Protection mit einem sechsten oder siebten Mann und verkaufen dafür eine zusätzliche Passing-Option, und werden damit kurz und vorhersehbar.

Stafford hatte in dem Spiel 48 Passversuche: 19 Targets für Kupp, 14 für Higbee, nur sechs für Allen Robinson, den die Niners mit einem eigens abgestellten Corner bewachten und relativ einfach aus dem Spiel nahmen. Es gab praktisch keinen tiefen Passversuch – und schon gar keinen tiefen Pass-Erfolg. Die Rams haben erstmals seit 15 Jahren (!) keinen Raumgewinn über 20 Yards erzielt – unfassbar, wenn man daran denkt, welche grausigen Offenses die Rams um die 2010er Wende herum spielten. Aber erst heute war es wieder soweit. Und es kam mit Ansage.

Die Niners sind wie erwartet ein Team mit hohem „Floor“. Sie waren mein NFC-Superbowl-Tipp, weil ich erwartete, dass sie mit Trey Lance vielleicht die notwendige Varianz in die Offense bekämen um einen Run zu starten. Lance hat in der kurzen Zeit als Starter nicht gut ausgesehen, und mit JimmyG ist diese Mannschaft jetzt zurück dort, wo sie in den letzten Jahren meistens war: Nicht weit weg von der NFC-Spitze.

Wenn die Offense mit ihren wahnsinnigen Playmakern jetzt so krass zündet, dass gegen eine D-Line mit Aaron Donald wurscht ist, wenn mehrere O-Line Starter ausfallen, dann look out, @NFC.

Buccaneers – Chiefs 31:41

Ein anderer NFC-Favorit, Tampa Bay, wurde am Sonntag von den Chiefs plattgemacht, aber die Offense-Performance der Buccs machte trotzdem Hoffnung. Ich meine: Es ist eine total eindimensionale Offense, die von ihrem QB sehr vieles verlangt ohne ihm schematische Hilfen in die Hand zu geben – aber der QB ist Tom Brady, fühlt sich auch mit 45 noch an wie mit 28, und wenn Tampa zumindest Mike Evans auf die Matte stellt, dann wird die Offense produzieren. Und: Irgendwann wird auch Chris Godwin mehr sein als der Zombie vom Sonntag.

Das ist die eine Erkenntnis vom Sonntag: Tampas Offense wird in Kürze wieder zum oberen Drittel der NFL – vielleicht besser – zählen. Und das ist bei allem Debakel, in das die Buccs eingeschlittert sind, eine positive Notiz für diese Mannschaft, die momentan noch zu sehr mit ihrer Krankenstation beschäftigt ist.

Die andere Erkenntnis: Die Chiefs sind der Wahnsinn. Kansas Citys Offense ist diese Saison must watch, auch wenn es nicht jeden Sonntag so brillant laufen kann wie an diesem. Es war eine Demonstration der Stärke, Kansas City machte über 80 Plays sagenhafte 0.23 EPA/Play gegen eine der besten und doch so hilflosen Defenses im Lande – und das, obwohl die Passing-Offense mit 5.7 NY/A gar nicht mal explosiv war.

Es war aber ein Clinic in punkto Situational-Football, Improvisation auf allerhöchstem Niveau. Patrick Mahomes hat vielleicht nicht das beste Spiel seiner NFL-Karriere gemacht, aber es war eins seiner bemerkenswertesten und Anschauungsunterricht dafür, warum er einfach der beste von allen ist.

Sein Highlight-Reel von diesem Spiel wird in die Geschichte eingehen:

Mahomes ist der Meister der Lösungsfindung. Spielt er so wie am Sonntag, ist er nicht zu verteidigen, und weil die Chiefs zwar keinen Tyreek Hill mehr haben, dafür aber in Kelce, MVS und Juju breiter streuen und die ganze Bande dahinter jeweils ein bis zwei einstudierte Targets pro Spiel bekommt und Andy Reid absurde Redzone-Plays aus der Kiste packt, ist das auch nach Hills Verkauf die #1 Offense der NFL nach EPA/Play. Natürlich ist die Chiefs-Offense 2022 noch kein komplettes Paket, das jede Woche verlässlich performt. Letzte Woche gegen Indy war extrem harzig, wie auch schon zehn Tage davor gegen die Chargers. Aber die High-End-Ansätze sind da, und dass es ein paar growing pains geben würde, war zu erwarten. Am Sonntag waren die Chiefs bis in die Haarspitzen hinein motiviert, die Scharte von der Superbowl-Pleite gegen Tampa auszuwetzen. Wenn Mahomes aber auch an den grauen Sonntagen im restlichen Herbst einigermaßen solche Form zeigt, kann sich die AFC gewaltig warm anziehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..