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NFL Power Ranking 2022 – Woche 9

Guten Morgen. Das heutige Donnerstagsspiel Panthers – Falcons lockt keinen müden Hund hinter dem Ofen hervor, weswegen wir mal ein bisschen NFL Power Ranking betreiben.

Timo Riske hat auf Twitter schon den Graphen mit den an den Schedule adjusteten Offensive & Defensive Tiers gepostet. Auf seinen Rüffel hin weise ich explizit drauf hin, dass es sich hier nicht allein um EPA/Play handelt, auch wenn es die Basis der Kalkulation ist.

Das „Power Ranking“ von Ben Baldwin dagegen ist noch simpler: Es ist eine Auflistung und Einordnung der Teams auf Basis der aktuellen Wettquoten. Die Top-3 sind identisch mit Moos obigem Graphen, aber dahinter beginnt das Bild schon wieder murky zu werden:

Ausgehend von dieser Grund-Einordnung lass mal mich die NFL in meine zirka vier bis fünf Levels einteilen.

Tier 1 – Elite

Bills (6-2)
Chiefs (6-2)
Eagles (8-0)

Das Spitzentrio hat sich qualitativ schon seit Wochen deutlich vom Rest der NFL abgesetzt. Die Bills bleiben trotz der Pleite bei den Jets die #1 – solche Ausrutscher sind in der NFL normal, und Warnschüsse haben schon dominante Teams der Vergangenheit gebraucht um sich wieder zu fokussieren. Das einzige Problem aktuell: Josh Allens Verletzung. Allen könnte am Sonntag gegen Minnesota ausfallen, und in der Siegbilanz willste nicht gern allzu weit zurückfallen, denn #1 Seed wäre am Saisonende schon nice.

Die Chiefs bleiben meine #2. Sie sind by no means ein dominantes Team im Gesamtpaket, aber ihre Defense ist besser als letztes Jahr, und offensiv hat man den besten QB in der NFL. An guten Tagen ist Mahomes durch keine Defense-Maßnahmen außer überwältigenden Passrush zu stoppen, wie wir auch heuer schon das eine oder andere Mal gesehen haben. Außerdem ist zu erwarten, dass der breit aufgestellte, aber über die Offseason (und Trade-Deadline) rundumerneuerte Receiver-Corps mit fortschreitender Saison immer besser zusammenfindet.

Die Eagles sind meine #3. Sie haben bis jetzt den vielleicht einfachsten Schedule in der NFL gespielt, aber können sich immerhin dick auf die Fahnen schreiben, anders als Bills und Chiefs jeglichen Stolperer vermieden zu haben. Roster minus QB ist bei den Eagles in etwa so gut wie bei den Bills und besser als bei den Chiefs, aber QB Jalen Hurts gibt im Falle eines Plan B noch einige Fragezeichen auf.

I know: Einen Plan B zu verlangen, wenn bislang stets der Plan A locker reichte, ist willkürlich. Aber die Eagles haben bis jetzt nicht genug Dominanz und Variabilität gezeigt, um sie von meinen Vorurteilen freizusprechen. Irgendwo ist es schade, dass es wahrscheinlich bis Woche 16 (@Cowboys) oder gar bis zu den Playoffs dauert, bis die Iggles von einem qualitativ hochwertigen Team getestet werden.

Tier 2 – Contender

Ravens (6-3)
Cowboys (6-2)
Dolphins (6-3)
49ers (4-4)

Ravens und Dolphins bilden mein AFC Tier 2, und es ist not close. Miami hat eine Top-5 Offense, und das, obwohl man fast drei Spiele lang mit QB-Backup oder third string QB gespielt hat. Das waren auch die drei Spiele, die man verloren hat. Natürlich war das eigenverschuldet, nachdem man Tua leichtsinnig verheizt und zum Abschuss freigegeben hatte.

Aber wenn Tua am Feld steht, klickt diese Offense einfach. Klar dominieren Receiver und Playcalling das Geschehen, aber bei allen physischen Limitierungen bringt Tua die feinen, kleinen Unterschiede und damit den notwendigen Rhythmus rein, die aus einer mittelmäßigen Offense mit Teddy/Skylar eine zündende Top-5 Offense macht.

Run-Defense ist dank hoher Single-High Raten auch mehr als okay, aber Fragezeichen bei den Dolphins bleibt der Passrush. Ich melde laute Zweifel ab, ob der Einkauf vom mittelmäßigen Bradley Chubb wirklich der erhoffte Boost ist um im Zweifelsfall der Liga-Elite um Allen, Mahomes und Lamar Jackson ohne Blitzing einheizen zu können.


Die Ravens haben das direkte Duell gegen die Dolphins verloren – aber wie! Es war ein schlichter Late-Game-Kollaps. Eigentlich hatte Baltimore Miami 45 Minuten lang an die Wand gespielt. Von einem einzigen Spielviertel mit Freak-Charakter lasse ich mich nicht gern blenden.

Die Ravens-Offense findet Woche für Woche besser zu sich, und ich habe mittlerweile auch keine Angst mehr, dass der fehlende Wide Receiver (Bateman ist out for season) ein kritischer Ausfall ist. Die O-Line findet zu sich, und wir haben wachsende Beweislage, dass 2TE-Sets mit einem Slot wie Duvernay und/oder deep burner wie Desean Jackson reichen, um die Defense ausreichend zu entzerren.

Ich frage mich aber mehr und mehr, ob die Ravens-Defense long term reichen wird. Zwar hat man in den letzten Spielen die ganz krassen Coverage-Busts abgestellt, aber die Pressure-Rate ist nach wie vor nicht da. Die einzigen Teams mit geringerer Pressure-Rate: Raiders, Saints, Dolphins, Steelers, Rams, Falcons.

Nice little fact: Baltimore hat bis jetzt einen der schwersten Schedules gespielt. Ab jetzt wird es einer der einfachsten sein, weswegen ich glaube, dass die AFC North fest in der Hand von Baltimore bleiben wird.


In der NFC würde ich die Cowboys aktuell als #3 ranken. Zwar sind die Overall Offensive-Stats nicht beeindruckend, aber Dak Prescott hatte auch erst drei Einsätze und noch keine 100 Dropbacks. Die Defense ist beeindruckend und heuer auch auf stabilem Fundament gebaut. Nicht sicher bin ich mir bei der Zeke/Tony Pollard-Debatte, aber letztlich scheint es eh darauf hinauszulaufen, ob in Dallas bis zu den Playoffs die O-Line zusammenwächst und eine legitime WR3-Waffe auf den Plan tritt.

Der einzige nagende Zweifel: Es sind die Cowboys. Gehen wir mit den letzten 15 Jahren Geschichte, dann wird die Defense einbrechen, bis sich die Offense voll gefunden hat. Oder die Offense nie ganz zu sich finden, womit die dominante Defense verschenkt wird.


Bleiben die 49ers. Neben Dallas sind sie die aktuell größte Bedrohung für Philadelphia im NFC-Rennen. San Francisco plagt sich aktuell noch mit zahllosen kleineren und mittelschweren Verletzungen herum, aber es sind zumindest Stand jetzt keine bedrohlichen Ausfälle mit Blick auf die Playoffs.

D-Line und Passrush haben Potenzial für Liga-Elite, die Pass-Coverage ist gut genug um dahinter gegen die allermeisten Defenses gegenzuhalten. Bleibt die Offense. JimmyG ist die große Bekannte, was in dem Fall nur bedingt euphorisch stimmt, denn er bei allem notwendigen Rhythmus wird er das Potenzial im Angriff etwas deckeln. Größere Comeback-Versuche willst du mit ihm nicht starten, weswegen die Niners etwas „Game-Skript abhängig“ sind.

Wenn LT Trent Williams mal wieder fit ist, dann reicht das Waffenarsenal für die meisten Spielsituationen – gerade mit Kyle Shanahans Playcalling.

Aber unter den sieben bis jetzt genannten Teams hat Shanahan auch eine der kritischsten Schwächen: Er ist stockkonservativ, wenn es drauf ankommt. Und das kann die Niners im Zweifelsfall die Saison kosten.

Tier 3 – Solide Mittelklasse

Vikings (7-1)
Bengals (5-4)
Chargers (5-3)
Seahawks (6-3)
Giants (6-2)
Buccaneers (4-5)
Browns (3-5)

Zwischen Tier 3 und 4 sehe ich die Unterschiede nur in Spurenelementen, daher warne ich davor, diese Einordnung zu genau zu nehmen. Sagen wir so: Vikings und Bengals sehe ich definitiv am oberen Ende, während ich die Giants in dieser Gruppe nur deshalb reingetan hab, weil das Coaching das Talent bis jetzt maximiert hat – nicht weil ich zwingend glaube, dass Big Blue seinen Record wert ist.


Die 7-1 Vikings haben einen legitimen Shot auf den #1 Seed in der NFC, sollten die Eagles stolpern. Sie haben wie Philly Glück mit dem Schedule, aber noch mehr als Philly haben sie Glück mit dem jeweiligen Zustand der Gegner:

  • Die Packers hat man in Woche 1 auf dem falschen Fuß erwischt und Justin Jefferson hat ein überirdisches Spiel gegen luftige Coverage gemacht.
  • Gegen die echt schwachen Lions brauchte man einen späten Sieg-Drive
  • New Orleans wurde nur mit 3 Punkten geschlagen
  • Chicago hat man nur mit 7 Punkten geschlagen zu einem Zeitpunkt, als Justin Fields noch total verloren aussah
  • Dann bekam man Miami mit Skylar Thompson und später Teddy Bridgewater als QB. Man hat das Spiel nur knapp gewonnen, und Miami hatte mit nur 6 Punkten Rückstand spät im vierten Viertel ein 1st Down nahe der Redzone, als Jaylen Waddle den Ball wegfumbelte
  • Arizona mit 8 zu schlagen ist 2022 kein Qualitätsbeweis; Minnesota nutzte einfach ein krasses, ewiges Mismatch der Cardinals-Defense und lief umgebremst wieder und wieder um die Flanken herum.
  • Am Sonntag musste ein Late-Game-Comeback her um die Washington Commanders mit Backup-QB zu schlagen.

Und diesen Sonntag muss man zwar zu den Bills – aber denen könnte in Josh Allen der QB ausfallen. Der restliche Spielplan sieht größtenteils „winnable games“ – einzig Dallas in Woche 11 ist noch ein höherklassiger Gegner, gegen den kompletten Rest sollte Minnesota favorisiert sein.

Bis jetzt haben die Vikings also eine Latte an knappen Siegen gegen suspekte Gegner eingefahren. Vom einzigen Gegner von Format – Philadelphia – wurde Minnesota in Woche 2 kaltgestellt. Das Punktverhältnis der Vikes von +32 ist eher das eines 5-3 Teams denn das eines 7-1 Teams, weswegen eigentlich Regression zu erwarten wäre. Und die Coaches in Minnesota wissen das. Sie haben häufig betont, dass die Mannschaft qualitativ noch viel Luft nach oben hat.

Aber darin liegt auch das Potenzial: Was, wenn QB Kirk Cousins irgendwann in den nächsten Wochen besser zu sich findet? Cousins ist heuer geradezu absurd schwach in „long yardage“ Situationen. Das schreit selbst bei einem Scheme/System-abhängigen QB wie Cousins nach Regression:

Außerdem: Jefferson ist einer der „Elite 7“ auf Receiver – neben Tyreek Hill, A.J. Brown, Davante Adams, Stefon Diggs, Ja’Marr Chase und wahrscheinlich Cooper Kupp. Und er hat gute Nebenleute in still-good-not-elite-anymoreThielen und TE Hockenson.


Bei den Bengals hab ich keine Ahnung, was ich aus dem Team machen soll. Defensiv sind sie ein Chamäleon, das nie begeistert, aber meistens gut genug gegenhält. Offensiv hat es in den letzten Wochen Adjustments gegeben, aber schematisch große Sprünge im Passspiel sind von Zac Taylor nicht zu erwarten.

So wirken die Bengals wie eins dieser Teams, das letztlich völlig am Tropf der individuellen Tagesform seiner unbestritten grandiosen Playmaker hängt (und daran, dass Joe Burrow nicht in eine Serie an Sacks hineinrennt).

Das ist nicht ideal, aber zugegeben: Im Jahr 2022, in noch fast keine Offense wirklich schematisch stabile Lösungen gefunden hat, auch nicht die schlechteste Ausgangslage. Um ehrlich zu sein, stehen die Bengals am 10.11.2022 insgesamt eine Spur besser da als am 10.11.2021.

Das heißt: Playoff-Run nicht *wahrscheinlich*, aber *möglich*. Von einem weiteren Husarenstück wie letzten Jänner auszugehen, scheint mir vermessen, aber vielleicht unterschätzen wir die Bengals grad jetzt wieder, weil so wenig an ihnen „aufregend“ ist.


Die Chargers sind ein Friedhof für große Hoffnungen. Coaching = erbärmlich, dazu zahllose Leistungsträger auf der Verletztenliste. Die Bolts hab ich nicht wegen ihres 5-3 Records so hoch – ihre Punktdifferenz ist die eines 3-4-1 Teams. Aber sie haben in Justin Herbert einen brillanten QB, der zuletzt so fit aussah wie zuletzt vor seiner Rippenverletzung, und irgendwann sollten die Top-2 WRs Allen und Williams wieder einsatzfähig sein.

Die Browns hab ich vor allem deshalb hier eingepackt, weil sie dank ihrer Rushing-Offense (und WR Amari Cooper) gut genug dastehen, um nach dem QB-Upgrade auf Deshaun Watson im Dezember als eines der heißeren Teams in die Playoffs zu stürmen.

Ich gebe zu: Da ist einige Projection dabei. Einmal ist die Defense geradezu erbärmlich schlecht gegen den Run, und damit auch nur die #28 nach EPA/Play overall. Und dann ist da schon noch a bissi die Frage, wie viel besser die Offense nach Watsons Einstand wird. Nicht, dass Watson nicht zweifellos ein besserer QB als Jacoby Brissett wäre. Aber mit Watson könnten eventuell schematische Umstellungen notwendig sein (mehr Shotgun z.B.), die zu Lasten der Laufspiel-Effizienz gehen.


Das restliche NFC-Trio, das ich hier eingeparkt habe, hätte sein eigenes „Tier 2b“ verdient, aber machen wir es nicht zu kompliziert:

Giants – eine sehr positive Überraschung. Spielerisch ist das zwar alles sehr limitiert, aber die Coaches drücken die richtigen Buttons und haben das Team an der Leistungsobergrenze. Ich denke nicht, dass die Giants in den Playoffs viel reißen können, aber es freut mich, wenn solche selbst-optimierte Teams belohnt werden.

Seahawks – die positivste Überraschung der Saison, und ein besseres Team als die Giants. Die Defense ist dank einer Latte an starken jungen Spielern viel besser als vor der Saison gedacht. Und offensiv: War Geno Smith jemals gut genug, dass wir über „Renaissance“ sprechen können? Oder ist es einfach ein Late-Career-Breakout von einem jahrelang verhöhnten QB-Prospect?

Jedenfalls spielt Geno zwar nicht elektrisierend, aber doch solide genug um aus der Offense mehr herauszuholen als letztes Jahr Russell Wilson. Der Skill-Corps ist eh einer der besten und die O-Line scheint auf beiden Tackle-Positionen Glücksgriffe gemacht zu haben. Einzig der Schedule könnte noch ein Spielverderber werden: Bis jetzt hatten die Hawks einen der einfachsten. Ab jetzt wird es dann mit einigen starken Defenses doch a bissi schwieriger.

Buccaneers – Ein reiner „Gefühls-Pick“. Gäbe es nicht einen Tom Brady auf QB, dessen Privatsache geklärt ausschaut, fände ich wenig Greifbares für Besserung an den krass enttäuschenden Bucs. Die Receiver Evans & Godwin sind eigentlich individuell zu gut um nicht irgendwann zu explodieren, aber die iOL ist mit dem immobilen Brady dahinter ein Torso, das Laufspiel ist das unterirdischste in der NFL, OffCoord Leftwich hat keine schematischen Antworten, und die Defense… tja, ist ganz okay, aber wurde auch schon mehrfach exposed.

Ich glaube noch an Brady. Am Sonntag hat Tampa den Vorteil, gegen ein Seahawks-Team zu spielen, für dessen innere Uhr der Kickoff um 6:30 morgens kommt, und mit einem Sieg ist man 5-5 und hat noch eine Reihe von Spielen gegen richtig zweifelhafte Defenses vor der Brust.

Tier 4a – Hopefuls

Jaguars (3-6)
Bears (3-6)

Tier 4 ist für mich ein großer, inhomogener Wulst. Zwei Teams würde ich bissl rausnehmen, weil ihre Quarterbacks Hoffnung auf mehr machen.

Die Jags sind defensiv zu horrend um wirklich schon zu einem AFC-Überraschungsteam zu werden, und Trevor Lawrence macht mehr und mehr den Eindruck, das nur das Ceiling eines Tier 2-QBs zu haben: Gut genug um in schematisch/personell guten Umfeldern Top-Zahlen aufzulegen, aber nicht präzise und nicht konstant genug um einen Durchschnittstrupp ganz nach oben durchzuschleifen.

Aber das ist schon um einiges besser als bei den meisten anderen Teams in Tier 4, und das „high end“ bei Lawrence ist unbestritten da.

Bei den Bears sind die Hoffnungen leiser, aber wurden über die letzten Wochen greifbarer. Justin Fields hat noch einen weiteren Weg als Dropback-Passer vor sich, aber als Runner gibt es wenig Spektakuläreres als ihn. Was Fields zuletzt an Scrambles hinlegte, nachdem er die Reads durchgegangen war, war schon brillant.

Was besonders gut gefällt: Fields, das ganze erste Jahr über ein Zauderer in der Pocket, wirkt mit jedem Spiel entschlossener, entscheidungsfreudiger. Es mag ein Strohfeuer gewesen sein, und vielleicht gibt es alsbald wieder einen Rückfall in düstere Zeiten. Aber physisch ist alles da, und wir sehen, dass Fields unter den richtigen Umständen in der NFL funktioniert. Das sehen übrigens auch die Bears so: Sie haben Fields in Chase Claypool nicht ganz billig (2nd Rounder) einen Wide Receiver für den Rest der Saison zur Seite gestellt, was ohne die Flashes der letzten Wochen undenkbar gewesen wäre.

Für Jags und Bears mag es zu spät sein für die Playoffs – aber: Es sind die beiden Teams aus dem Tier 4, bei denen ich mir am ehesten Siegesserien vorstellen kann, wenn ihre jungen QBs das Ding mit der NFL tatsächlich überrissen haben.

Tier 4b – Massive Fragezeichen

Jets (6-3)
Titans (5-3)
Broncos (3-5)
Patriots (5-4)
Falcons (4-5)
Packers (3-6)
Rams (3-5)
Cardinals (3-6)
Commanders (4-5)
Saints (3-6)
Raiders (2-6)
Steelers (2-6)

Die Jets haben potenziell starke bis sehr starke Defense, die auch für die schwierigen Tests in der zweiten Saisonhälfte gut genug sein sollte, aber QB Zach Wilson ist ein so großer Klotz am Bein, dass mir auch der Sieg gegen die Bills nicht genug Fantasie gibt, um „long term“ an dieses Team zu glauben.

Die Titans haben einen epischen Defense-Grabenkampf gegen die Chiefs hinter sich, aber das Problem haben wir auf der anderen Seite: Von der Offense kommt einfach nicht genug – und das nicht nur, wenn Malik Willis spielt. Für einzelne Matchups wird das mit QB Tannehill reichen und Mike-Vrabel-Teams tendieren immer dazu, Gegner zu sich herunterzuziehen und damit Spiele knapper zu gestalten als man glaubt. Aber AFC-South-Gewinn ist schon das Ceiling.

Denver ist drauf und dran, eine richtig gute Defense zu verschenken, weil der Russell-Wilson-Einkauf mehr und mehr wie ein Missverständnis aussieht. Wir wussten, dass es am Anfang mit Russ und Headcoach Nathaniel Hacketts System haken würde, aber bis jetzt war das ein Hauch von gar nichts.

Wilson könnte als QB auch mit 33 Lenzen noch zu gut sein um die Saison komplett abzuschreiben, aber für ganz weit oben müsste schon ein radikaler Umschwung her, und den zu sehen ist momentan schwierig. Dazu ist Hacketts Sessel vorgewärmt. Eventuell fehlen nur noch ein oder zwei Niederlagen in den nächsten 2-3 Wochen, und er überlegt die Saison nicht als Cheftrainer.

Die Pats hatten bis jetzt absurd schwachen Schedule und haben dabei ihre Pflicht erfüllt: Gegen den Bodensatz gewonnen, gegen die besseren Teams verloren. Die eventuelle QB-Controversy hat sich in den letzten Wochen etwas verflüchtigt, ohne vom Tisch zu sein, denn Mac Jones hat seit über einem Jahr keinen vernünftigen NFL-Football mehr gespielt und hatte letzten Sonntag Glück, dass sein QB-Gegenüber so horrend schwach war, dass seine eigene Vorstellung niemandem weiters aufgefallen ist.

Und: Die #1 Defense in EPA/Play der Pats wartet mit Vikings, 2x Bills, Raiders, Dolphins und Bengals im 2nd-Half-Schedule förmlich drauf, exposed zu werden.

Packers und Rams sind ähnlich schwach, und bei beiden falle ich langsam vom Glauben ab, dass es offensiv noch einmal etwas wird:

  • In Green Bay ist der Disconnect zwischen Aaron Rodgers und seinen Receivern offensichtlich, und wenn jetzt auch noch Romeo Doubs länger ausfallen sollte, wo soll dann die Initialzündung für den Umschwung herkommen?
  • Die Rams sind fürn Arsch: Schwächste O-Line in der NFL, QB Stafford mit einer Ellbogen-Verletzung (und seit gestern wohl auch Concussion-Protocol), mit der er eigentlich auf IR gehört, und ein WR Allen Robinson, der wie ein Fremdkörper im System wirkt.

Die Rams haben immerhin okaye Defense, aber die Packers haben sich schon vor dem Saison-Ausfall von EDGE Rashan Gary allzu leicht überlaufen lassen, und besser wird es jetzt bestimmt nicht.

Falcons hätten Potenzial und spielen in unregelmäßigen Abständen auch richtig geile Offense-Partien, aber QB Mariota deckelt einfach zu viel vom möglichen Potenzial.

Cardinals zu verspotten ist beat a dead horse, wie der Amerikaner sagen würde. Ich bin es längst leid. Kliff und auch die Defense haben in den letzten Wochen wenig gezeigt, das meine abgrundtiefe Skepsis widerlegt hätte.

Commanders sind klassisches Mittelmaß, wie meistens in den letzten Jahren. Spannender ist ohnehin, wann und an wen Dan Snyder die Franchise verkauft, und wie viele Milliarden Dollar dafür über den Ladentisch gehen.

Bei den Saints ist nach Jameis Winston in Andy Dalton jetzt auch der zweite QB ausgeguckt, und die Defense ist noch immer nicht gut genug um die Lücken zu kaschieren. Rookie-WR Chris Olave spielt eine coole Saison, aber jetzt fällt Michael Thomas wieder lange aus, weswegen es schwierig ist, da noch viel Hoffnung abzugreifen.

Raiders wären immer mal wieder passabel in der Offense, aber eben auch nur streckenweise. Dann wieder stockt der Motor gewaltig – meistens, wenn WR Adams abgestellt wird. Die Raiders sind besser als die meisten Teams in diesem Tier 4, aber weil sie Führungen von 20:0 und zweimal 17:0 schon hergeschenkt haben, sind sie nicht 4-4 was vielleicht ihrem Leistungsniveau entsprechen würde, sondern eben mit 2-6 schon am Arsch.

Und das nach den All-in-Trades der Offseason. Bitterer geht nicht.

Pittsburgh ist an der Schwelle zu Tier 4. Die Steelers hatten bis jetzt zugegeben den schwersten Schedule in der NFL und mögen daher auch schlechter aussehen als Record und Punktverhältnis (Pythagorean eines 2-6 Teams entspricht dem Record) andeuten.

Vielleicht müsste man eine Mannschaft, die gegen Patriots, Browns und Jets verloren hat und von Eagles und Bills hoffnungslos abgeschossen wurde, auch ins unterste Tier ranken. Aber es gibt noch ein paar Funken Hoffnung: Mike Tomlin, der üblicherweise aus seinen Teams mehr herausholt, Kenny Pickett, der ein bisschen Playmaking angedeutet hat, oder EDGE T.J. Watt, der nach Verletzung bald zurückkehrt.

Tier 5 – Bleeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep

Colts (3-5-1)
Lions (2-6)
Panthers (2-7)
Texans 1-6-1)

Kaum Hoffnung für diese Teams.

Die Colts haben zwar 3.5 Siege geholt, aber nach den Massenentlassungen im Trainerstab und dem Benching von QB Matt Ryan war der sportliche Outlook triste, und das war schon *bevor* Owner Jim Irsay sich zur Witzfigur machte und JEFF SATURDAY zum neuen Headcoach bestellte und das unter anderem damit begründete, dass Saturday seine Entscheidungen aus der Hüfte heraus trifft anstatt auf Basis fundierter Daten. Schlimmer geht nimmer.

Mit einem enteierten GM Chris Ballard, der in Zeiten der Krise nicht mehr zu bieten hatte, als sein mieses Team-Building den Medien (sic!) in die Schuhe zu schieben, und trotzdem den Job erstmal behält ohne noch irgendwelche Glaubwürdigkeit zu besitzen, kann Irsay eigentlich auch nicht weitergehen. Insofern: Alles im Fluss, allein der Fluss fließt in die komplett falsche Richtung.

Bei den Lions sah es kurzzeitig so aus, als wäre die Richtung die richtige, aber so wirklich vom Fleck kommt das Team nicht. Offensiv gehandicappt durch QB Jared Goff, defensiv unendlich weit von NFL-Tauglichkeit entfernt, und insgesamt auch nicht solide genug gecoacht um in der NFL zu bestehen. Dan Campbell muss sich nach eineinhalb Jahren fragen lassen, warum die Lions noch immer wie die alten Lions spielen, während ein qualitativ ähnliches Team wie die Giants schon eine ganze Klasse konkurrenzfähiger drauf ist.

Campbell wird fast sicher noch 2023 als Headcoach bekommen, aber die Lions greifen im Draft besser beim richtigen QB zu, sonst steht im Jänner 2024 der nächste Umbruch an.

Die Panthers haben den Umbruch schon eingeleitet und den indisponierten Headcoach Matt Rhule gefeuert, aber dann verzichtete man an der Trade-Deadline darauf, richtig Kasse zu machen. Das mit dem „soften Umbruch“ ist ja schon unter Rhule gewaltig gut gegangen, also verstehe ich nicht, wie Owner Tepper es zulassen konnte, dass GM Fitterer zu sehr an seinem Posten festklammernd Verkäufe wie jene von Brian Burns verhindern konnte.

Sportlich ist eh längst Sense. Die Panthers werden weder mit Baker Mayfield noch mit P.J. Walker was reißen.

Fraglich ist einzig, welches der vier Teams am Bodensatz das hoffnungsloseste von allen ist. Vor zwei Wochen noch hätte ich überzeugt geschrieben: Die Texans. Aber seither hatte der Colts-Owner seinen Meltdown und die Panthers ihr Festklammern an kurzfristig nicht nutzbaren Spielern. Und vor allem: Seither haben die Texans den Schamanen Jack Easterby rausgeworfen. Das allein macht schon Hoffnung, egal wie „sektisch“ GM NickCaserio drauf sein mag. Die Texans haben zurecht den schwächsten Record der NFL. Die Offense ist richtungslos, und ihr einziger „Star“ ist der Runningback. Die Defense hat Talent an einigen Stellen, aber die Gesamt-Performance ist nicht da. Vielleicht grindet man den einen oder anderen Sieg „zu viel“ für den Top-Pick raus, aber vom Fleck kommt das Team zumindest bis zur nächsten Free Agency + Draft gewiss nicht.

12 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2022 – Woche 9

  1. DANKE Thomas! 🙂

    Ich lese auch seit den Anfängen mit und bewunder dich für deine Druchhaltevermögen und die fundierten Artikel. Meine Anlaufstelle Nummer 1, auch wenn mein Interesse an der NFL bissl nachgelassen hat, lese ich hier trotzdem immer!

  2. Schön knackiger Bericht zur Lage der (NFL)-Nation
    #Seahawks: der schedule beinhaltet noch 2 mal Rams, Panthers, Raiders und Jets. (Plus Buccs, Chiefs, 49)
    Wenn da 3 Siege rauskommen könnte es für die 49ers schwierig werden vorbeizuziehen (je nach Rückspiel)
    Es zeigt sich (ähnlich wie in Miami?) dass top receiver halt auch was wert sind wenn der QB solide und Fehlerarm spielt.

    Im Alex-Smith-Comeback-Player-of-the-Year Ranking dürfte Geno Smith zumindest weit vorne sein.

  3. Ich würde Geno ja eher den Fitzpatrick-Gedächtnis-Preis für die am wenigsten erwartete Leistungsexplosion verleihen, Alex Smith war dann doch ein Stockwerk besser.

  4. Hm, also *besser* als Geno 2022 war Smith in vielleicht einer einzigen Saison (2017), wenn überhaupt.

    Es deutet schon einiges darauf hin, dass Geno heuer sehr gut ist und auch selbst Mehrwert kreiert.

  5. Geno smith könnte auch den Wert von Zeit auf der ersatzbank für qb verdeutlichen?? Vllt doch besser, junge qb erstmal das eine oder andere Jahr jede Woche mit nfl defensiven arbeiten zu lassen…

  6. @ Alexander
    Cooler Artikel, stimme da in vielen Punkten überein (insbesondere bei dem Kultur Exkurs). Denke aber nicht, dass sich das von Baseball auf Football oder auch auf Fussball stark übertragen lässt. Beim Baseball hat man das sehr statische Duell Pitcher gegen Hitter. Beim Football hat man einen viel größeren ich nenn ihn mal Chaos Effekt, durch die grosse Anzahl von Spielern, ergeben sich immer viele Variationen. Offense und Defense sind in einem ständigen Wandel, im Moment scheinen die Defenses die Oberhand mit ihren 2 High Shells etc.zu haben.
    Ich denke aber, es wird nicht lange dauern bis Offenses auch dort mehr und mehr zu Lösungen kommen werden. Zudem ist bei 22 Spielern die Fehleranfälligkeit deutlich höher.
    Trotzdem kann man sehr gespannt sein, wie es mit den immer mehr gewonnen Daten weitergeht.

  7. Ebenfalls @alexander: danke für den Link!
    Die von Jordy angesprochene Komplexität dürfte ja grade dazu beitragen, dass in der NFL Perfektionierung des „begrenzten“ Spiels noch längst nicht abgeschlossen ist, sondern zu weniger Langeweile (außer für Laufspielfetischisten) geführt hat.

  8. Ja, Analytics hat im Football den angenehmen Nebeneffekt, dass es zu aufregenderem Spiel führt:

    – mehr ausgespielte 4th Downs
    – mehr Passspiel
    – mehr Variabilität und „wrinkles“ wie Play-Action, Sweeps, Bewegung an der Line of Scrimmage usw.

  9. … fand es einfach einen spannenden Artikel im Analytics Umfeld….

    Und ich würde schon sagen, dass mit der Entmystifizierung des Footballs auch ein gewisser Reiz für mich verloren gegangen ist.

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