NFL Sonntagsvorschauer 2022 – Week 12

Mahlzeit zum NFL-Sonntagsvorschauer.

Ganz kurzer Thanksgiving-Nachklapp zum Einstieg.

Lions – Bills 25:28. Mühselige Bills-Vorstellung in der zweiten Halbzeit. Buffalo schien mit zunehmendem Spielverlauf immer ratloser zu werden, wie man gegen eine der schwächsten Defenses in der NFL zum Erfolg kommt. Das Standard-Laufspiel war ziemlich abgemeldet, aber auch im Passing-Game ging lange Zeit nix mehr, mit einem WR Stefon Diggs, der relativ gut abgemeldet war.

Detroit hätte das Ding gewinnen können, weil auch die Offense mal wieder so einen Tag hatte, an dem man dachte: „Hey, der Floor dieser Unit ist gar nicht so übel!“ I mean: QB Goff deckelt natürlich das Potenzial, aber die O-Line ist super, WR St. Brown ist ein echtes Juwel, und auch die Play-Designs sind durchaus variabel in Lauf und Pass. Damit kann man arbeiten.

Aber: Die Lions verschossen ein Fieldgoal, und vor allem: Sie spielten im letzten Drive auf Remis und Overtime. Das war ziemlich absehbar, weswegen ich auch ziemlich down war, als die Bills nach ihrem Go-Ahead Touchdown den Extrapunkt verschossen. Dann mir war klar: Dan Campbells Eier hin oder her – aber da geht er fast sicher auf OT.

Ich hatte nicht zwingend ein Problem mit dem Deep-Shot im 3rd Down – auch wenn der natürlich übelst ausgeführt von Goff war. Aber die Lions fühlten sich schon davor merkwürdig konservativ an, und hätten IMHO danach das 4th Down ausspielen müssen um zumindest noch weiter Zeit von der Uhr zu nehmen. Du kannst einem Josh Allen nicht über eine halbe Minute für einen Fieldgoal-Drive lassen – auch nicht einem struggelnden Josh Allen.

Und so kam es, wie es kommen musste: Allen brachte den einen fantastischen Ball für Diggs an, der das ganze Spiel über fehlte – es war einer dieser Elite-Bälle, die Spiele in der NFL entscheiden, und Buffalo stahl den Sieg in Detroit, der viel länger in Diskussion war als den Bills lieb sein konnte. Unangenehmer Nebeneffekt: EDGE Von Miller, der wichtigste individuelle Passrusher, fällt mit Knieverletzung nun länger aus – wie lange, scheint noch nicht ganz klar. Die Zeichen deuten aber auf eine Rückkehr frühestens zu den Playoffs hin.

As for Detroit: Die Lions fühlten sich in der Partie kurzzeitig wie ein möglicher Sneaky-Außenseiterkandidat auf einen Playoffplatz an, auch weil Campbell bis zum letzten Drive wieder gut Gas in 4th Downs gab. Jetzt aber sind sie 4-7, und auch wenn der Restspielplan easy ist: Mit Goff auf QB ist dem Team keine Siegesserie auch nur gegen gleichwertige oder leicht schwächere Teams zuzutrauen. Aber vielleicht kriegen die Lions ja den erhofften Top-5 Pick von den Rams, die heuer noch bitterer zu straucheln scheinen.

Cowboys – Giants 28:20. Ein Sieg, der sich deutlicher anfühlte als der Endstand andeutete. Das lag vor allem daran, dass Dallas in der ersten Halbzeit so überhaupt nicht in Schwung kam: Zwei Dak-Interceptions plus ein gescheitertes 4th Down in der ersten Halbzeit. Die Giants schlugen aus den Chancen zu wenig Kapital, führten nur 13:7 zur Halbzeit. Prinzipiell dachte ich schon zur Pause: Das war’s – zu viele Chancen durch viel zu schwache Offense liegen gelassen.

Und so war’s nach der Pause auch ein ziemlicher Sleepwalk für Dallas. Ich sag’s nochmal: Wenn die Boys wirklich noch OBJ kriegen und von den ganz brutalen Verletzungen verschont bleiben, könnte die NFC im Jänner mit Dallas, Philly und San Francisco (und eventuell noch Tampa Bay, wenn die Receiver fit werden und Brady irgendwann noch Leftwich entmachtet) vielleicht doch noch ganz geil werden.

Vikings – Patriots 33:26. Vikings würde ich weiter nicht zur NFC-Spitze zählen, auch wenn das Team jetzt bei 9-2 steht und seit Donnerstag auch wieder positives Punktverhältnis (von +5) hat. Das war wieder ziemlich glücklich von den Vikes, mit einigen haarigen Schiedsrichterentscheidungen und dem einen langen Special-Teams-Touchdown-Return, der letztlich zum Sieg reichte.

Immerhin: Es war mal ein vernünftiges Kirk-Cousins-Primetime-Spiel – sogar mit starker Performance gegen Belichicks Blitz-Packages. Und natürlich ist Justin Jefferson = Bombe. Aber: Minnesota bleibt nüchtern betrachtet weiter ein fast genau durchschnittliches Team – vielleicht sogar weniger. Wie Timo Riske es süffisant schrieb: Das Logo von nur vier Teams passt nach Thanksgiving in Offense als auch in Defense-Effizienz vollumfänglich in den Quadranten „unterdurchschnittlich“. Eins davon sind die 9-2 Vikes:

Zum heutigen Spieltag.

Frühschicht um 19h

  • Cleveland Browns – Tampa Bay Buccaneers
  • Tennessee Titans – Cincinnati Bengals
  • Miami Dolphins – Houston Texans
  • New York Jets – Chicago Bears
  • Washington Commanders – Atlanta Falcons
  • Carolina Panthers – Denver Broncos
  • Jacksonville Jaguars – Baltimore Ravens

Das Topspiel ist ziemlich klar die Neuauflage des letztjährigen Playoff-Viertelfinals Titans – Bengals. Damals gewann Cincinnati ein wenig spektakuläres Spiel trotz neun Sacks gegen QB Joe Burrow, u.a. weil Ryan Tannehill drei INTs warf und die Titans offensiv einiges liegen ließen.

Elf Monate später sind die Titans mit 7-3 Zwischenbilanz wieder ziemlich klarer „Lock“ auf den Gewinn der AFC South, und auch die Bengals sind mit 6-4 Bilanz wieder gut im Playoffrennen vertreten, sollten sich aber nicht allzu viele Stolperer erlauben.

Tennessee ist eins der Teams, das sich aus Analytics-Sicht nicht so einfach greifen lässt: Die Titans sind nur die #22 Offense in obigem Ranking von Riske, und grinden eher mit gutem situativen Football ihre Siege heraus anstatt wirklich mal zu glänzen. Letzte Woche gab es zwar mal bissi Abwechslung vom üblichen Derrick-Henry-30x-über-die-D-Line-drüberwalzen, indem QB Tannehill den Rookie-WR Treylon Burks super in Szene setzen konnte – aber eben nur gegen die Packers-Defense, die heuer offensichtlich nur eins kann: Entweder den Run stoppen, indem man alle Ressourcen in Run-Defense steckt. Oder den Pass stoppen – indem man die Run-Defense vernachlässigt.

Cincinnati wird heute fast sicher nochmal auf WR Chase verzichten müssen, und wohl auch auf RB Mixon. Aber die Bengals haben in den letzten Wochen erstaunliche (also zumindest für mich als absoluten Zac-Taylor-Skeptiker) Anpassungsfähigkeit gezeigt und z.B. letzte Woche gegen Pittsburgh sogar ein vernünftiges Quick-Game aufgezogen. Mit einer O-Line, die verbessert ausschaut, und immer noch zwei starken Receiver-Waffen in Higgins und Boyd fühlen sich die Bengals Hand aufs Herz heute mächtiger an als vor genau einem Jahr, als sie ein „middling team“ mit etwas Upside, aber vielen Limitierungen waren.

Was wird das heute?

Szenario a) wäre eine weitere dieser dominanten Performances der Titans-DL um DT Simmons mit mehreren Sacks. Das halte ich für nicht ausgeschlossen.

Szenario b) ist aber, dass Burrow wieder gutes Kurzpassspiel aufzieht, und Cincinnatis Defense mit einem vielleicht wieder fitteren DT DJ Reader (letzte Woche beim Comeback noch ziemlich soft) ausreichend Run-Defense aufs Feld bringt, um Tennessee zu Plan B und viel Passspiel zwingt.

Auf jeden Fall: Zwei gute AFC Tier-2-Teams gegeneinander. Muss nicht hochklassig werden, aber beide Teams haben definitiv was.

Ansonsten: Einiger Leerlauf.

Browns – Buccaneers: Tampa Bay sah vor zwei Wochen in München deutlich verbessert aus. War das, weil Seattles D-Line komplett shot war, weil sie um 6:30 Body-Clock-Kickoff hatte? Oder halfen Tatsachen, dass zum ersten Mal seit Ewigkeiten das WR-Trio Evans/Godwin/Julio am Feld stand, mit einem Godwin, der immer spritziger wirkt? Oder dass im Run-Game jetzt endlich mal bissi Abwechslung reinkommt und Rashaad White im Gegensatz zu Fournette auch mal um die Ecke rennt?

Wenn wir das München-Spiel als Basis nehmen, dann könnte dieses Spiel daran hängen, ob Tampa Bay wieder so einfach Small-Ball spielen kann. Clevelands Defense bietet diesbezüglich unendlich viele Möglichkeiten: Die Browns sind *mit Abstand* #32 in Rush-EPA/Play. Der Abstand zur #31 ist so groß wie der Abstand von der #31 zur #22.

Cleveland spielt übrigens gleichzeitig das letzte Spiel vor dem Debüt von Deshaun Watson. Die Browns sind mit 3-7 weit von den Playoffs entfernt und können die Saison theoretisch abhaken – aber sollten sie in den nächsten Wochen nicht noch in Nähe von .500 kommen, könnte es für den Trainerstab eventuell eng werden. Zumindest der Defense-Trainerstab könnte einer Rasur zum Opfer fallen.

Jags – Ravens: Viel hab ich nicht zu sagen. Jacksonville ist 3-7, Baltimore 7-3. Die Jags fühlen sich immer mal wieder verlockend an, aber wenn man sich wirklich mal hintereinander zwei, drei Spiele der Jags-Offense anschaut, dann fällt einem einfach extrem auf, wie unkonstant QB Trevor Lawrence spielt, und wie viele Schlampigkeiten er in seinen Würfen hat. Das nimmt teilweise Züge an, die mich langsam glauben lassen, dass er den Sprung in die Liga-Elite nicht mehr schafft. Freilich hilft auch nicht, dass Lawrence zu wenige Waffen hat, die sich wirklich konstant freilaufen und Räume kreieren.

Baltimore ist das Gegenteil: Die Offense hat zwar auch wenige Waffen im Receiving-Game, aber obwohl sie sich offensiv extrem mau anfühlt, ist sie insgesamt effizienter als jene der Jags. Das liegt natürlich daran, dass das konventionelle Laufspiel in den letzten Wochen einen Zahn zugelegt hat.

Insgesamt sind die Ravens in fast allen Facetten den einen Tick stärker und sollten das im Regelfall gewinnen.

Jets – Bears: QB-Duell Mike White gegen Trevor Siemian. Jubel!

Im Ernst: Ich bin überrascht, wie überrascht weite Teile der US-Medien über den QB-Wechsel bei den Jets sind. Das konnte mit Zach Wilson einfach nicht mehr länger so weitergehen – nicht nachdem Wilson sich von einem eh schon niedrigen Niveau noch zurückzuentwickeln schien, aber insbesondere nicht, weil Wilson sich dessen überhaupt nicht bewusst zu sein schien.

Wilsons Kommentare auf Pressekonferenzen (sinngemäß: „dass wir offensiv so erbärmlich sind, hat mit mir nix zu tun…“) hätten den Locker-Room früher oder später gesprengt, und Headcoach Robert Saleh hätte seine Glaubwürdigkeit verloren. Der QB-Wechsel war also nicht überraschend früh, sondern überfällig.

Freilich bleibt jetzt umso offener, wohin die Reise der Jets geht – und es ist einfach auch erstaunlich, dass die Jets es trotz Zillionen Chancen einfach nicht gebacken kriegen, auch nur einmal einen vernünftigen QB zu draften (Sanchez, Darnold, jetzt Wilson).

Commanders – Falcons: Mögliches (aber nicht wahrscheinliches) Comeback von EDGE Chase Young bei den Commanders. Wird die Commanders-DL damit endgültig dominant genug, um dieses Team durchzuschleifen und eventuell durch die Hintertür noch in die Playoffs zu bringen?

Bzw um zumindest heute die total eindimensionale Falcons-Offense abzuwürgen? Theoretisch sollte das möglich sein, denn Atlanta hat einen krassen Nachteil in den Trenches und ohne Kyle Pitts auch die eine Waffe weniger für Ablenkung, und auch keinen QB um den Nachteil zu kaschieren.

Dolphins – Texans: 13 Punkte Favoritenstatus für Miami. Das sollte ein lockerer Sieg werden – es sei denn, Miami verteilt Gastgeschenke dafür, dass Houston den Dolphins einst mit dem völlig absurden Laremy-Tunsil-Trade das notwendige Startkapital zugeschustert hat um ihre wilden Trade-Geschichten einzufädeln, die letztlich Spieler wie die Receiver Hill oder Waddle nach South Beach gebracht haben.

Spätschicht ab 22h

  • Arizona Cardinals – Los Angeles Chargers (22h05)
  • Seattle Seahawks – Las Vegas Raiders (22h05)
  • Kansas City Chiefs – Los Angeles Rams (22h25)
  • San Francisco 49ers – New Orleans Saints (22h25)

Cards – Chargers ist das Duell zwischen zwei Headcoaches, die Lame Ducks sein sollten. In die Kingsbury-Offense habe ich schon vor Jahren den Glauben verloren – und in die Chargers-Offense hab ich nie auch nur ein Jota Glauben gesteckt, seit Joe Lombardi als OC eingestellt wurde.

Seahawks – Raiders klingt wie eine Partie, in der Seattle zurück in die Spur finden sollte. Seattles Auftritt in München vor zwei Wochen war lange Zeit ziemlich platt, aber offensiv haben Geno Smith und Co. genug Potenzial um die miserable Raiders-Defense auszuspielen – und defensiv reicht es gegen Las Vegas, sich auf Davante Adams zu konzentrieren.

Adams in den letzten drei Spielen: 17, 12 und 11 Targets. Sonst war da nicht viel zu sehen, mit dem man arbeiten könnte. Prinzipiell macht Josh McDaniels jetzt also in Las Vegas das, was jedes kleine Kind machen würde: Einfach eintausendmal auf den besten Receiver werfen. Ich frag mich, ob Seattle für einmal von einem Standard-Modus-operandi abgehen sollte und einen Corner wie Woolen „traveln“ lassen sollte.

Chiefs – Rams war vor ziemlich genau vier Jahren der Trigger zur Offense-Revolution in der NFL. Seither haben beide Teams jeweils eine Superbowl gewonnen und eine verloren. Heute fühlen sich die Chiefs mit 8-2 Bilanz immer noch wie eins der besten NFL-Teams an, während die Rams unter zahlreichen Verletzungen, Formschwankungen und miserabler O-Line implodieren und momentan näher am Liga-Bodensatz performen als an einem Playoff-Platz.

Trotzdem scheint Sean McVay seinen QB Matt Stafford nicht runterzunehmen. Also: außer heute zumindest. Ich frag mich, wie sinnvoll das ist. Stafford ist ganz augenscheinlich nicht bei 100%, Saison ist längst im Arsch und viele Alternativen für die Zukunft hat man nicht, sollte Stafford jetzt komplett verheizt werden.

49ers – Saints klingt wie eine klare Sache. San Francisco ist an lichten Tagen das beste Team in der NFC, während die Saints einfach zu wenig Punch an der D-Line haben um dieses Jahr nochmal ein ernsthaftes Wörtchen mitzureden.

Die einzige Hoffnung für New Orleans ist, dass Jimmy Garoppolo mal wieder so ein Spiel ausrutscht, das er heuer so oft vermieden hat: Zwei hirntote Pässe über die Mitte genau auf einen Linebacker.

Nachtschicht um 02h20

  • Philadelphia Eagles – Green Bay Packers

Sunday Night Game, in dem Philly mit 6.5 Punkten favorisiert ist. Prinzipiell führt dieser Favoritenstatus auf dem individuell auf fast allen Positionen (außer QB) besser besetzten Eagles-Kader – und sogar auf QB könnte man angesichts der Lustlosigkeit/Launenhaftigkeit von Aaron Rodgers eventuell ein Argument aufbringen.

Das Problem der Packers heuer ist trotz zuletzt guter Anzeichen von Rookie-WR Christian Watson: Sie haben zu wenig Vielseitigkeit auf Receiver um ein konstantes Passspiel aufzuziehen, und das Laufspiel ist viel zu schwach um dem entgegenzusteuern. So sind die lichten Momente zwar weiter da, aber viel zu rar und zu weit auseinander. Auch Rodgers hat immer wieder Aussetzer, übersieht offene Receiver, freelanct außerhalb der Struktur der Offense.

Die Iggles deuteten zuletzt zweimal an, dass wir Skeptiker mit unserem Punkt („Frage nach dem Plan B“) auf einer legitimen Spur unterwegs sind. Aber zumindest gegen die Colts grindete Jalen Hurts genug Plays im allerletzten Drive heraus um einen knappen, nicht wirklich verdienten, aber eben doch einen Sieg herauszuwürgen.

Jetzt geht es gegen die Packers-Defense, die heuer extrem enttäuscht. Erst war das nix gegen den Run, dann haben sie letzte Woche alle Ressourcen gegen Derrick Henry gestellt – um von den Titans im Passspiel auseinander genommen zu werden. Die Eagles aber haben eine Offense, die in Lauf wie Pass gefährlicher, weil imposanter in O-Line und auf WR (A.J. Brown ist ein Monster, Devonta Smith ein Wiesel) aufgestellt ist.

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