Recap – NFL Sonntag Week 12

Noch ein paar Notizen zu einigen NFL-Spielen vom Sonntag, und ein paar Gedanken zur QB-Evaluierung.

Jets – Bears 31:10

Ich habs nochmal durchlaufen lassen, und es ist schon erstaunlich, wie einfach die Jets-Offense plötzlich aussieht, wo ein stinknormaler QB ohne Drama seinen Stiefel runterspielt. Mike White war eigentlich total blass, aber anders als unter dem indisponierten hopp-oder-topp QB Zach Wilson schnurrte das Ding, und sogar längst verschollen geglaubte Receiver wie Elijah Moore tauchten aus den Untiefen des Depth-Chart auf. Wilson musste an der Sideline erstmal fragen, wer denn dieser Typ mit der #8 überhaupt ist.

White ist sicher keine Langzeitlösung. Er hat physisch quasi nichts von dem, was heute Top-QBs so auszeichnet. Aber er ist gedankenschnell und opportunistisch genug, um die sich bietenden Chancen zu nutzen. Das kann für heuer reichen.

Die Jets sind dank ihrer Defense und sehr guten Receiver-Waffen aussichtsreich für die Playoffs positioniert: Mit 7-4 Bilanz gibt PFF den Jets eine 61%ige Playoffchance vor den letzten sechs Spielen. Sechs Spiele sind vielleicht nicht genug für gegnerische Defensive Coordinators, Whites Schwächen alle blank zu legen.

Mit der Beendigung des fehlgeschlagenen Experiments Wilson bleibt in New York aber mal wieder der bange Blick auf die Zukunft auf der QB-Position.

Chiefs – Rams 26:10

Schlafwandlerischer Sieg für die Chiefs gegen die kaputten Rams. Patrick Mahomes hat mehr verwaltet als geglänzt, aber trotzdem ist die Breite der Palette an Receiving-Optionen, die Kansas City mittlerweile hat, wieder einmal aufgefallen. Freilich fehlt der zweite individuell herausragende Target hinter Travis Kelce, aber wenn ein Gegner offensiv so weit entgegenzusetzen hat, dann reicht auch eine graue Performance der Chiefs für einen lockeren Sieg.

Über die Saison sind die Chiefs offensiv im Passspiel dem Rest der NFL mittlerweile völlig enteilt (Dolphins natürlich mit kleinem Sternchen, weil Tua 3,5 Spiele ausgesetzt hat):

Die Rams sind am Ende. O-Line ein Sieb, QB Bryce Perkins als Passer total limitiert, Gameplan auch maximal la-la, und dann verletzte sich am Ende noch WR Allen Robinson, der in der Offseason geholte, so gehypte Star-WR, der so lange wie ein Fremdkörper in der Offense wirkte, aber mittlerweile die einzige nennenswerte Receiver-Hoffnung war.

Die Rams können 2022/23 mit 4-8 Bilanz abhaken. Dummerweise haben sie wegen des Stafford-Trades keinen 1st Rounder mehr, weswegen die Upgrade-Optionen für 2023 limitiert sind. Aber das alles war immer Teil der Rechnung, die lautete „all in“ zu gehen und für kurze Zeit das Titelfenster soweit aufzureißen wie nur irgendwie möglich. Die Mission ist seit elf Monaten erfolgreich erfüllt.

Interessant wird jetzt zu sehen, wie sie das nächste Kapitel angehen:

  • Versuchen, 2023 mit Upgrades in der O-Line noch einmal anzugreifen?
  • Oder in den Verkaufs-Modus zu gehen und einen Kaderumbruch einzuleiten?
  • Wie lange haben Headcoach McVay und der dauerangeschlagene QB Stafford noch Lust?
  • Ist CB Jalen Ramsey washed oder bloß in einer Form-/Motivationskrise?

Solche Teams am Ende ihres Zyklus sind oft durchaus spannender neben dem Feld als auf dem Feld. Wenn es ein Team mit einem so unkonventionellen Management-Stil wie jenes der Rams ist, umso interessanter.

Eagles – Packers 40:33

Crasser Shit von den Eagles mit fast 370 Rushing-Yards, davon über 180 Yards und 3 Rush-TDs zur Pause. Die Packers-Defense hat wieder bestätigt, dass sie maximal eins von beiden kann: Lauf verteidigen oder Pass verteidigen. In diesem Spiel war es wenig vom Pass und gar nix gegen den Run.

Die Eagles stürmten zu einer schnellen 13:0 Führung, aber nach einem gescheiterten 4th Down in der eigenen Platzhälfte stand es wenige Minuten vor Ende von Q1 schon 13:14. Nervös wurde in Philly niemand, denn so wild wie das Spiel lief, so war doch total offensichtlich, welche Autobahnen sich den Eagles-Ballträgern hier öffneten. RB Sanders und noch mehr QB Hurts standen vor größeren Herausforderungen, die breiteste Rushing-Lane auszuwählen als 1st Downs zu machen.

Philly ist 10-1 und hat mal wieder gezeigt, wie dominant der erste Anzug/Plan A gegen minderwertige Defenses sein kann.

Green Bay ist mit 4-8 Bilanz jetzt auch rechnerisch quasi aus dem Playoffrennen eliminiert (nur mehr 6% Playoffchance bei PFF). Das Spiel war insofern trotzdem cool, weil QB Jordan Love ein paar Snaps nach der Aaron-Rodgers-Verletzung bekam, und dabei durchaus entzückend aussah. Der lange TD für Rookie Watson war nicht Loves einziger guter Wurf. Vielleicht wird aus Love ja doch noch was. Braut sich da im letzten Moment doch noch eine QB-Controversy zusammen?

Die Option, dass Rodgers die Packers nach dieser Saison verlässt, war immer da – trotz neuem Vertrag und der x-ten Friedensschließung mit dem Front-Office in den letzten Jahren.

Nach einer verlorenen Saison könnte ein Backup-QB Love, der Ende seiner dritten NFL-Saison doch noch a bissl was NFL-taugliches zeigt, den Packers schon reichen um nach all den Jahren des Off-Field-Dramas doch noch mal was Neues zu probieren, anstatt sich auf ewig einzureden, dass das mit dem bald 40-jährigen Egozentriker Rodgers auf seine alten Tage noch etwas wird.

Draft-Ausblick: Quarterbacks

Ich habe College Football heuer fast gar nicht verfolgt, aber natürlich mitbekommen, was sich letzten Samstag in Columbus welche Machtdemonstration abspielte: Michigan spielte ein indisponiertes Ohio State 60 Minuten lang an die Wand – und der als Top-QB-Prospect gehandelte C.J. Stroud zeigte Anzeichen eines C.J. Fraud.

Fraud/Stroud wird nach der miesen Performance ein bissl mehr den Stempel des „Ohio State QBs“ bekommen – mit Superstar-Receivern allerorts hätte es für einen #1 Overall QB durchaus etwas mehr sein können. Ich bin gespannt, wie die Draft-Community mit Stroud umgehen wird, denn:

  • Er ist eigentlich ein souveräner Pocket-Passer, der besser im Rhythmus agiert als seine Vorgänger Haskins und Fields (u.a. sehr niedrige Pressure-to-Sack-Rate)
  • Ein schwaches Spiel unter der Lupe der ganzen Nation hatten in Vergangenheit schon andere Top-QB-Prospects

Aber das Problem, dass solche QBs in nahezu idealen College-Situationen gar nicht so einfach auf die NFL zu projecten sind, weil die Umstände die Performance so dominieren, bleibt.

I mean: Wenn ich mir anhöre, was so viele Analysten in der Tua/Herbert/Mahomes-Debatte der letzten Wochen wieder mal von sich gegeben haben, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sich die NFL blutig schwer damit tut, College-QBs auf die NFL zu projecten. Sie tut sich ja schon sauschwer damit, etablierte NFL-QBs für die NFL zu projecten.

Die QB-Klasse von 2023 wird mit dem Stroud-Stinker ausgesiebt. #1 Prospect dürfte Alabamas Playmaker Bryce Young bleiben. Young hat die Selbstverständlichkeit eines Star-QBs, aber ist ziemlich untersetzt und sein Arm erinnert eher an Tua als an die echten Granaten-QBs wie Herbert oder Josh Allen.

Ohne Stroud als QB2 sind wir schnell bei Will Levis aus Kentucky: Prototypisch gebaut, super Arm, richtig mobil, aber in Ermangelung eines adäquaten Teams um sich herum nicht ganz den Leistungsnachweise eines Young.

Aber eben: Er muss vielleicht nicht diesen Leistungsnachweis haben, denn: Die QB-Position tendiert seit vielen Jahren dazu, dass „Traits“ doch um einiges wichtiger sind als College-Production. Wir haben zwar gesehen, dass ein Tua in perfekten Umständen auch in der NFL durchaus super Effizienz auflegen kann – aber die Superstars der Güteklasse Herbert oder Allen sind System-unabhängiger und bieten auch nach dem Rookie-Vertrag noch hohen Mehrwert.

Herbert, Allen oder auch Mahomes haben am College alle nicht in perfekten Umständen gespielt. Haben sie dadurch in punkto Lösungsfindung profitiert? Könnte auch ein Levis profitieren?

Auf der anderen Seite ist da schon eine neue Denk-Richtung von Eric Eager aufgeworfen worden, die besagt: Fokussieren wir uns zu stark auf die QB-Aliens, die es eh fast nie zu haben gibt, und vernachlässigen wir dadurch zu stark den Mehrwert eines soliden QBs der Tua-Güteklasse in den ersten fünf Jahren unter Rookievertrag?

Prinzipiell haben 2021 und noch mehr 2022 bis jetzt gezeigt, welchen Wert ein aufgebolsterter Receiver-Corps und/oder exzellente Offensive Lines – also Top-Infrastruktur – für auch nur funktionable QBs haben. Solide „Processors“ mit etwas Upside im Playmaking und etwas Mobilität werden über zehn Jahre im Gesamtwert nie auch nur in Sphären eines Mahomes oder Herbert landen, aber über die 4-5 Jahre unter Rookie-Contract kann das trotzdem zu Superbowl-Träumen reichen.

Insofern: Die Marktlücke ist zu beobachten.

Ausblick auf NFL-Woche 13

Wir biegen auf die Zielgerade der Regular Season ein – es ist Dezember! Und schon sehe ich ein paar Nuggets in Week 13:

TNF Patriots – Bills. Das erste von zwei Pats-Bills-Duellen, und das erste seit dem Bills-Kantersieg in den letzten Playoffs. Gut für New England: Buffalo wirkt momentan etwas ratlos und mit sich selbst beschäftigt. Einem Bill Belichick spielt sowas in die Karten. Aber schlecht: Individuell haben die Bills noch genug Tiefe und Talent im Kader, um auch in angeschlagenem Zustand einen wichtigen Division-Win herauszuspielen – und diesmal wird wohl kein Windsturm den Pats in die Karten spielen.

Sonntag 19h Vikings – Jets. 9-2 Minnesota trifft auf die 7-4 Jets, und hat für einmal nicht das Glück der Welt, denn New York hat rechtzeitig den QB-Wechsel hinter sich gebracht. Da sind ein paar knackige Duelle mit drin, keins spektakulärer als Sauce Gardner gegen Justin Jefferson. Dazu: Jets-DL sollte gegen die Jets-OL Vorteile haben und Kirk Cousins einheizen. Ebenso spannend: Wie lange schaffen es die Jets, die Mike-White-Welle zu reiten?

Sonntag 19h Eagles – Titans. Die wuchtigen Titans D-Line gegen den monströsen Rushing-Attack der Eagles. Auch: Derrick Henry gegen eine nicht immer überzeugende Rushing-Front der Iggles. Da wird ganz old school echt mal der Schützengraben entscheidend sein, wenn auch die Eagles dank Hurts im Laufspiel das Gegenteil von old school spielen.

Sonntag 22h05 49ers – Dolphins. Shanahan gegen seinen ehemaligen Lieblingsassistenten. Mike McDaniel gegen seinen Lehrmeister, dessen Mega-Offense er dank überragenden Receivern einfach über tiefere Routen designt als Shanny himself. Dazu haben die Dolphins in Tua den besseren QB. Aber San Francisco hat die wuchtigere Defense, und Miamis Left Tackle Armstead ist fraglich.Sonntag 22h25 Bengals – Chiefs. Die Chiefs gegen ihr 2021/22-Kryptonit. Cincinnati hat den Bengals letztes Jahr die Superbowl vermasselt. Jetzt kommt es zum ersten Wiedersehen seit dem unerklärlichen Chiefs-Meltdown im AFC-Finale. Kansas Citys Offense ist personell rundumerneuert, aber nicht weniger gefährlich. Die Bengals sind weiter als vor einem Jahr und bekommen Ja’Marr Chase zurück. Und beide brauchen wohl einen Sieg: Kansas City im Rennen um den #1 Seed, die Bengals um in der AFC North Schritt zu halten bzw. im gutklassigen AFC-Wildcardrennen nicht ins Hintertreffen zu geraten; Cincinnati hat auch danach noch einen knackigen Schedule vor sich.

2 Kommentare zu “Recap – NFL Sonntag Week 12

  1. Wie kommen die Lions an ihren Franchise QB?
    Bryce Young wird man wohl verpassen, schlägt man also bei einem anderen Prospect zu? Oder tradet man für einen a la Lamar Jackson(würde man sicher sofort machen, habe nur meine Zweifel, ob Baltimore da mitspielt) bzw. welche Quarterbacks, die bereits in der Liga sind, kämen in Frage?

  2. „Die Chiefs gegen ihr 2021/22-Kryptonit. Cincinnati hat den Bengals letztes Jahr die Superbowl vermasselt.“

    Was ist denn da passiert? 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..