NFL-Rundschau nach dem Auftakt zu Woche 13

Ich muss es kurz machen – Achtung, Spoiler Donnerstagsspiel Pats – Bills.

Das war ein Sleepwalk für die Bills, die ohne zu glänzen in Lauf und Pass dominierten. Die Pats hatten der Bills-Offense und v.a. Josh Allen nicht viel entgegenzusetzen. Ein paar starke Josh-Uche-Passrushes – und das war’s.

Buffalos Offense hatte über 80% Series Conversion Rate, New England landete bei nur 64%. Bei so einer Diskrepanz kannst du dann nur entweder mit krassen Turnovers oder einer Latte an Big Plays gegenhalten – und beides hatte New England nicht.

In fact: Bei Pats-QB Mac Jones musste man nur Lippenlesen um seine Frustration über die Offense zu begreifen:

Jones ist wohl selbst so ein QB, der nicht wirklich zu einem zweiten Vertrag taugt, weswegen seine Zeit in New England wohl spätestens nach 2023 zu einem Ende kommt. Aber Jones ist vor allem kein QB für quick game. Dafür ist er nicht präzise genug. Er müsste tiefer werfen um effizient zu spielen, aber die Pats scheinen weder die Waffen noch das Offense-Konzept zu haben um das so zu spielen.

Die Pats hätten aber eventuell eine Waffe für Big Plays ohne tief zu werfen: Marcus Jones. Der Rookie, der heuer schon mit Puntreturns geglänzt hat und eigentlich Defensive Back spielen sollte, trug einen dieser „quick game“ Pässe mit seinem atemberaubenden Speed zu einem Touchdown:

Das ist mit die imposanteste athletische Darbietung eines Patriots-Spielers in der kompletten bisherigen Saison. So grau die Patriots als Gesamtkonstrukt sein mögen: So einen Playmaker wie Jones haben nicht viele Mannschaften. Ich fühle ein breiteres Einsatzgebiet für diesen Mann in den nächsten Wochen.

Noch was: Bill Belichick bleibt ärgerlich konservativ in 4th Downs. Allein in diesem Spiel hat er wieder 4th&1 und 4th&2 weggepuntet. Buffalo hat direkt im Anschluss an diese beiden Punts 10 Punkte erzielt – aber das wird die old school guards nicht tokkieren. Ebenso hat Belichick das sinnloseste Fieldgoal ever geschossen, mit 7:24 Rückstand kurz vor Spielende.

Die Bills sind jetzt 9-3 und haben gegen die Dolphins (am Sonntag gegen San Francisco) vorgelegt. New England fällt auf 6-6, was im engen Wildcard-Rennen der AFC ein doch beträchtlicher Rückschlag ist.

Die Konkurrenz mit AFC-East-Teams, die momentan bei 9-3 (Buffalo)/8-3 (Miami) und 7-4 (Jets) stehen, ist groß, aber auch in der AFC North ist mit den 7-4 Bengals/Ravens ein Team mindestens einen Sieg vor den Patriots – und in der AFC West lauern die 6-5 Chargers noch als Konkurrent.

Market Rankings

Buffalo war schon vor dem Sieg die #1 in den Markt-Rankings. So chaotisch die NFL-Saison bislang verlaufen ist: Ganz oben haben wir mittlerweile dann doch eine recht gute Vorstellung:

Interessant finde ich, dass 49ers und Cowboys die Eagles in Punkto Spreads überholt haben. Nicht, dass ich notwendigerweise widersprechen würde – ich sehe das Triplett ziemlich auf Augenhöhe, in dem Philly den besten Roster, aber den im Passing-Game fragwürdigsten QB hat, San Francisco und Dallas die besseren Defenses, aber ebenso nicht ausreichend konstante/individuell herausragende QBs um zwingend als klare Favoriten gegenüber Philly durchzugehen.

Aber Philly war doch bis auf einen Zwei-Spiele-Slump Mitte/Ende November bis jetzt ein ziemlich souveränes Team. Heiligabend gegen die Cowboys wird massiv – bloß in Punkto „high end“ gehe ich mit den Buchmachern mit: Dallas hat etwas mehr Potenzial.

In Tier 2 sind auch die drei insgesamt schwer einzuschätzenden AFC-Contender Baltimore, Cincinnati und Miami.

Miami fühlt sich wie die sicherste Tüte in dem Trio an – wegen der Offense. Aber wir müssen mittlerweile auch den Bengals konstatieren, eine vernünftige Offense auf die Beine gestellt zu haben. Ganz klar ist die Bengals-Offense längst nicht so schön designt wie jene von Miami, aber sie hat den besseren QB und die bessere O-Line – und wenn Ja’Marr Chase erstmal wieder zurück ist, vielleicht auch gleichwertige Qualität auf Receiver.

Cincinnati muss bei mir allerdings noch mit dem Sternchen leben, gegen physisch starke Teams zu oft komplett einzugehen. Die Bengals sind also längst noch nicht über alle Zweifel erhaben. Aber auch bei Miami müssen wir abwarten, ob DefCoords nicht doch Lösungen finden werden um die ganz größte Lawine an Big Plays zu bremsen.

Baltimore wäre theoretisch das kompletteste Team in dem Paket, aber bei den Ravens ist nicht klar, warum sie so oft in Q4 abstinken. Klaro: Deutliche Führungen zu erspielen, wie es die Ravens ständig machen, ist die wichtigere, stabilere Qualität als diese Führungen nach Hause zu bringen. Aber bei den Ravens sieht man schon ganz deutlich die Limitierungen der Passing-Offense, und auch das Run-Game hat nix mehr von seiner einstigen Dominanz. So ergibt sich ein Team, das in Summe mit dem 7-4 Record IMHO ziemlich punktgenau abgebildet ist.

Cleveland ist wohl wegen des „Deshaun-Watson-Boosts“ trotz 4-7 Bilanz und mäßiger EPA/Play Effizienz in Tier 3 gerankt.

Look out at Minnesota: Die Vikes sind mit 9-2 Bilanz sehr nah am Liga-Durchschnitt und zwischen den 6-5 Chargers und 6-6 Pats. Vegas knows.


Noch was: NFC-Playoffs werden ziemliche Shitshow.

Philly (10-1), Cowboys (8-3) und Niners (7-4) sind gute Teams, die auch in der AFC „contenden“ würden. Freilich sind aber alle drei keine klassischen Spitzenteams. Vor allem aber: Alles hinter den Dreien in der NFC riecht nach default qualifier – da müssen einfach noch ein paar Truppen reinkommen.

Minnesota ist trotz 9-2 Bilanz wie wir oben sehen ein Durchschnittstrupp, der einfach durch glückliche Umstände nach oben gespült wurde. In der NFC South droht ein Divisionssieger mit negativem Record (Bucs führen momentan mit 5-6 Bilanz, Atlanta als #2 ist schon 5-7).

Und die anderen realistischen Wildcard-Contender sind:

7-4 Giants, die diese Bilanz nicht wert sind
7-5 Commanders, die ihren 4-1 Run der letzten Wochen trotz einer der schwächsten Passing-Offenses in der NFL zustande gebracht haben
6-5 Seahawks, die bis jetzt wohl leicht über ihren Verhältnissen gespielt haben Dahinter sind wir dann schon bei 5-7 Falcons, 4-7 Lions (die aber noch einen sehr einfachen Rest-Schedule vor sich haben), und dann 4-8 Panthers/Saints/Cardinals sowie 3-8 Rams und 3-9 Bears. Was für eine desaströse Conference! Fast wie gemacht, dass der Superbowl-Champ 2022/23 eben doch aus der NFC kommt, was dann wieder ins Gesamtbild dieser Saison passen würde…

4 Kommentare zu “NFL-Rundschau nach dem Auftakt zu Woche 13

  1. „ Cincinnati muss bei mir allerdings noch mit dem Sternchen leben, gegen physisch starke Teams zu oft komplett einzugehen.“

    Hast du das Spiel gegen die Titans gesehen? Kenne kaum ein Team welches physischer spielt als die Titans. Unsere Defense hat die so im Griff gehabt.

  2. Gehts nur mir so oder ist die Fußballberichterstattung unter aller Kanone?

    Vielleicht liegst daran, dass ich im Football zu sehr in meiner bubble bin, aber ich habe das Gefühl, dass dort weitestgehend gute Analysen stattfinden- im Gegensatz ist alles was ich zum Fußball lese ziemlicher Mist- Tendenziös oder reizerrisch samt clickbait, fundierte Analysen unter Einbeziehung von Analytics suche ich vergebens…

  3. @alexander
    Zumindest zur WM bzw. generell zu Großereignissen kann ich dir die Seite https://www.laptoptrainer.de/ von Tobias Escher empfehlen. Ansonsten gab es früher noch spielverlagerung.de, von dem auch Escher kommt, leider ist diese Seite aber mittlerweile ziemlich eingeschlafen.

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