Akademische Viertelstunde 2015, Week 6

Heute mal aus gegebenen Gründen eine Akademische Viertelstunde mit nur wenig SEC, dafür aber mit der Rückkehr des SRS, des Simple Ranking Systems, unserem Lieblings-Instrument beim Quervergleich von Mannschaften im College Football. Weiterlesen

Akademische Viertelstunde, Week 5: Chaos soweit das Auge blickt

Fünf Spieltage im College Football sind absolviert, und die Gültigkeit des Dauerbrenners ich weiß, dass ich nichts weiß wird immer offensichtlicher. Lasset uns einen Blick wagen auf die Situation in den einzelnen Conferences nach einem weiteren wilden Spieltag. Weiterlesen

Die Gesichter von Super Bowl 2015

Superbowl Sunday steht vor der Tür, und nachdem die Kollegen bereits über Coach Evil Belichick geschrieben haben beziehungsweise noch über die taktischen Vorzüge des Endspiels referieren werden, werfen wir mal einen Blick auf die Köpfe, die sich am Sonntag hinter den Helmen verstecken werden. Weiterlesen

Marcus Mariota, Heisman Trophy Favorit 2014

Heute wird der Heisman-Trophy Gewinner der College-Football Saison 2014 bekannt gegeben, und die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass die Bronzestatue in diesem Jahr an den Quarterback der Oregon Ducks, Marcus Mariota, gehen wird. Weiterlesen

Florida State University, Jameis Winston und der Weg in die Sackgasse

Morgen haben die Florida State Seminoles ihren letzten Test gegen ein „großes“ Team im College-Football, wenn es gegen die Notre Dame Fighting Irish geht, eine der großen, wenn auch selten gespielten Rivalitäten in diesem Sport. Es ist das unumstrittene Topspiel des Wochenendes, aber die Schlagzeilen schreibt es nicht, denn diese gehören in diesen Tagen und Wochen dem Heisman-Trophy Gewinner des letzten Jahres, dem Seminoles-Quarterback Jameis Winston. Diesem steht eine Anhörung seitens einer Disziplinarkommission der Universität wegen Verstoß gegen die ethischen Richtlinien bevor. Weiterlesen

Florida State Seminoles vor der Saison 2014/15

Seminoles-Maskottchen: Chief Osceola und Renegade - Bild: Wikipedia

Seminoles-Maskottchen: Chief Osceola und Renegade – Bild: Wikipedia

Die Florida State Seminoles sind regierender Landesmeister im College-Football und gehen als solcher trotz einiger Änderungen im Kader wieder als großer Favorit auf die National Championship in die anstehende Saison. Dass es überhaupt so weit gekommen ist, daran hatten viele schon gar nicht mehr geglaubt. Weiterlesen

Gerichtlich geklärt: College-Football ist kein Amateursport mehr

Vergangene Woche ist in den Vereinigten Staaten ein Urteil verkündet worden, das den College-Sport kurzfristig wenig, aber langfristig massiv verändern wird: Das Urteil im Fall der kartellrechtlichen Klage O’Bannon vs. NCAA [Wikipedia][USA Today]. Eine Zusammenfassung. Weiterlesen

College Football 2014/15 – Die Conferences

Wie aus den vergangenen Jahren gewohnt, wird auch die anstehende Saison im College-Football nicht ohne veränderte Zusammenstellung der Conferences über die Bühne gehen. Die letzten Auswirkungen der großen Conference-Umwälzungen der Jahre 2010-2013 werden nun offiziell, mit erneut über zehn Mitgliedswechseln zur anstehenden Saison. Eine Übersicht. Weiterlesen

Geschichten zum Tag: NFL-Vorschau 2013, Woche 15

Drei Kerzen für den drittletzten Sonntag der Regular Season 2013. Die Ansetzungen sind heute so gewählt, dass es nur wenige direkte Duelle zwischen Playoff-Teams gibt. Die Aufregung bezieht sich deswegen vor allem auf die Spoilergefahren, die auf die Playoffteams warten. Es ist anders gesagt ein Spieltag, der förmlich danach schreit, dass das eine oder andere unerwartet Aufregende passiert. Aber nicht nur die Playoffteams sorgen für die guten Storys. Weiterlesen

Jameis Winston, Heisman Trophy Gewinner

Wenn nicht noch die Pferde zum Kotzen beginnen, wird heute Jameis Winston, der Quarterback der Florida State Seminoles, als Gewinner der Heisman Trophy 2013 ausgezeichnet. Die Heisman-Trophy ist die wichtigste Individual-Auszeichnung im College-Football. Sie wird nicht immer an den besten Spieler vergeben, sondern in Wahrheit an den „Spieler der Saison“. Das ist ein kleiner Unterschied, da zur Heisman-Trophy neben großartigen sportlichen Leistungen auch ein entsprechender „Moment“ gehört, an dem sich die Geschichte dieses Spielers dieses Jahres festmachen lässt. Weil um diese Auszeichnung eben solche Geschichten gesponnen werden, gewann sie in der langen Geschichte meistens einer der „sichtbaren“ Spieler, ein Quarterback oder Running Back. Weiterlesen

Die Akademische Viertelstunde, Week 14: Das unvergessliche Thanksgiving-Wochenende im Rückspiegel

korsakoff hat gestern schon das absolute Highlight des Thanksgiving-Wochenendes aufgearbeitet, den Iron Bowl 2013 zwischen Auburn und Alabama, aber es war auch andernorts viel los an diesem vorletzten Spieltag der Regular Season, einem der besten und spannendsten aller Zeiten, wie es hier alle zu formulieren pflegen. Akademische Viertelstunde zum vorletzten Mal in einem Herbst, in dem am Ende doch alles anders gekommen ist wie man es erwarten durfte. Das war eh klar, denn wir sprechen immer noch über College Football. Weiterlesen

Die Akademische Viertelstunde, Woche 11: Wir sortieren aus

Der elfte Spieltag hat uns das mögliche BCS-National Championship Game auf den Servierteller gelegt: Die an #3 gerankten Oregon Ducks verloren in Stanford, und #1 Alabama sowie #2 Florida State holten überzeugende Siege. Aus dem Trio der möglichen Superteams 2013 sind nur noch zwei übrig geblieben. Wenn beide ungeschlagen durch die Saison kommen, werden sie zweifellos um die letzte BCS-Kristallkugel Anfang Januar in Pasadena spielen.

#1 Alabama gewann im Spitzenspiel des Samstags mit 38:17 gegen #13 LSU, ein deutlicher Endstand. Aber Achtung, so deutlich war das Spiel nicht. Bis hinein ins dritte Viertel konnte Louisiana State ein 17:17 halten, und hatte dabei zwischenzeitlich sogar wie die bessere Mannschaft ausgesehen. Alabama spielte nicht so großartige Defense wie man es erwartet hatte. Bama machte aber die wichtigen Plays, wie diesen Fumble kurz vor der Endzone, als der Tigers QB Zach Mettenberger hinten ran schon jubelte, während sich ganze Menschenberge auf den frei geschlagenen Ball türmten.

Eigentlich ist ja LSU-Coach Les Miles bekannt für seine verrückten Eingebungen. Aber diesmal hatte ausgerechnet der als langweilig verschrieene Nick Saban von Alabama den Lacher auf seiner Seite, als er im dritten Viertel bei Gleichstand statt eines Punts einen „Punt-Fake“ ansagte, der prompt gelang, und zur großen Wende in diesem Topspiel beitrug. Alabama machte den Touchdown, und walzte in der Folge über einen geschlagenen Gegner zwei weitere Touchdowns drüber.

Fans quer durch die Staaten schreien „We Want Bama!“.

Sie alle wollen den Skalp dieser dominierenden Mannschaft der letzten Jahre. #2 Florida State ist in der besten Position, einen Schuss zu bekommen: Die Seminoles zeigten auch mit Wake Forest keine Gnade und gewannen angeführt von ihrer Defense 59-3. Die Quarterbacks von Wake hatten folgende Statistiken:

Wake Forest Passing Game vs Florida State

Wake Forest Passing Game vs Florida State

FSU ist mit dem Sieg für das ACC-Finale qualifiziert. Der Gegner dort ist offener denn je, denn die Miami Hurricanes verbockten auch das Spiel gegen Virginia Tech, und damit gibt es in der Coastal-Division der ACC nun folgenden Stand: Georgia Tech 5-2, Virginia Tech 4-2, Duke 3-2, Miami-FL 3-2, North Carolina 3-3, Pitt 2-3, Virginia 0-6. Wahrscheinlich ist es eh egal, denn fürchten muss sich FSU vor niemandem.

Das zweite Spitzenspiel des Wochenendes fand bereits am Donnerstag in Eugene, Oregon statt: #3 Oregon Ducks gegen #5 Stanford Cardinal, und ich nahm es in der Einleitung vorweg: Oregon vergeigte. Einen Spielbericht zu schreiben, ist eigentlich überflüssig, denn korsakoffs Vorschau am Donnerstag trat zu 100% ein. Stanford hatte 45 Minuten Ballbesitz und führte im Schlussviertel schon mit 26:0, ehe Oregon doch noch kurz in Schwung kam und am Ende nur einen Onside-Kick von einem dramatischen Finish entfernt war.

Einen genaueren Blick lass uns mal trotzdem wagen: Oregon hat keinen Stanford-Komplex. Die Ducks haben gut gespielt. Sie haben ein 4th Down an der Stanford 4-Yards Line verpasst, sie haben zwei Fumbles in der Redzone von Stanford begangen. Das hab auch ich gelernt: So was passiert.

Trotzdem: Hut ab vor Stanford. Oregon schon wieder geschlagen, und damit ist die Bahn frei für Stanford, wenigstens erneut die schwere Pac-12 Conference zu gewinnen. Nicht vergessen sollte man in all dem Jubel: Oregons QB Marcus Mariota bestritt das Spiel schwer angeschlagen mit kaputten Bändern im Knie.

Das dritte Spitzenspiel war „All Baylor“, auch am Donnerstag: #6 Baylor ließ Oklahoma wie prognostiziert keine Chance und gewann eine dominant geführte Partie. Sollten ganz oben entweder Alabama oder Florida State noch stolpern, sind die Bears der Favorit der Massen, durch die Hintertür ins BCS National Championship Game einzuziehen. Auf alle Fälle rückten die begeisternden Bears erstmal auf #4 in den Rankings vor, und sie bekommen in den letzten Wochen der Saison die Möglichkeit, gegen akzeptable Gegner ihren SOS aufzubessern (Texas zum Beispiel ist seit letzter Woche wieder gerankt).

Tja, und Johnny Manziel hatte sein vielleicht letztes Heimspiel in College Station. Alle erwarten von Johnny Football nun den Gang in die NFL. Die Fans wurden hinterher auch quasi von den Baggern aus dem Stadion gefahren: Das Kyle Field wird nun ausgebaut auf über 100.000 Zuschauer:

Die BCS-Rankings nach Woche 11

No.  TEAM                W-L     SRS
#1   Alabama             9-0    26.7
#2   Florida State       9-0    31.6
#3   Ohio State          9-0    21.1
#4   Stanford            8-1    20.9
#5   Baylor              8-0    30.7
#6   Oregon              8-1    27.3
#7   Auburn              9-1    16.4
#8   Clemson             8-1    17.1
#9   Missouri            9-1    20.8
#10  South Carolina      7-2    14.8
#11  Texas A&M           8-2    16.1
#12  Oklahoma State      8-1    17.0
#13  UCLA                7-2    15.6
#14  Fresno State        9-0     6.4
#15  Northern Illinois   9-0     5.7
#16  Michigan State      8-1    10.7
#17  Central Florida     7-1    10.9
#18  Oklahoma            7-2     8.6
#19  Arizona State       7-2    22.3
#20  Louisville          8-1    13.1
#21  Louisiana State     7-3    15.1
#22  Wisconsin           7-2    19.4
#23  Miami/FL            7-2     8.7
#24  Texas               7-2     9.8
#25  Georgia             6-3    11.9

Schon zwei Mid-Majors in den Top-16. Der beste Champion einer Mid-Major Conference kriegt bekanntlich eine automatische Einladung (AQ) in die BCS, wenn er die Saison in den Top-12 beendet, oder in den Top-16 mit dem Zusatz bei zweiter Option, dass es besser klassiert sein muss als zumindest ein BCS-Conference Champion. Weil sowohl Fresno als auch Northern Illinois im Moment vor dem besten Team der ACC liegen, ist die Chance gut. Beide müssen aber ungeschlagen durchkommen.

Vorne bleibt Ohio State noch knapp vor Baylor, und Ohio State hat entgegen den landläufigen Vermutungen mittlerweile auch einen sehr guten SRS-Wert. Trotzdem wären die Buckeyes gegen #4 Baylor klarer Außenseiter. Oregon fällt nicht weit, auf #6 nämlich, aber die Chancen der Ducks auf den Gewinn der BCS-Kristallkugel haben sich fast zerschlagen. Die Hoffnungen auf die Rose Bowl (also der Gewinn der Pac-12) hängen nun an den Southern Cal Trojans, die nächste Woche Stanford empfangen (Primetime bei ABC).

Bowl-Ausblick

Die Lage der Dinge hat sich ja nun aufgeklart (nicht zu verwechseln mit aufgeklärt). Unten eine BCS-Auflistung mit den momentan wahrscheinlichsten Spot-Belegungen. Wie die BCS-Bowls sich aufteilen, wurde auf diesem Blog auch schon mal erklärt. Ich setze einfach mal Baylor als Big 12 Champion, auch wenn die Bears noch einige kritische Spiele haben. Stanford ist nach dem Sieg gegen Oregon klarer Favorit der Pac-12. Ohio State und Michigan State werden sich wohl im Finale der Big Ten den anderen Rose-Bowl Teilnehmer ausspielen, Sieger nicht absehbar.

Wenn das kleine Fresno State ungeschlagen durch die Regular Season und das MWC-Endspiel kommt, ist es fast sicher unter den Top-16 gerankt, vielleicht sogar in den Top-12 (fast sicher aber vor dem Champion der „The American”), und das reicht dann für einen AQ („Automatic Qualifier“). Aber Fresno muss am ersten Dezemberwochenende noch das MWC-Finale bestreiten und der Gegner könnte nochmal Boise State sein. Jenes Boise, das die Bulldogs schon im September fast besiegte. Auch nach SRS ist Boise State fast auf Augenhöhe.

Geht Fresno baden, stünde in der Hinterhand noch Northern Illinois aus der MAC als zweiter „BCS Buster“ bereit (auch ungeschlagen, aber momentan hinter Fresno gerankt). Northern Illinois war schon letztes Jahr BCS Buster, hatte aber keine Chance im Spiel gegen FSU. Ich war bei dem Spiel (Orange Bowl 2013) im Stadion. So ein Desaster wie alle tun, waren die Huskies sicher nicht! Und sie waren sehr sympathisch.

Der Champion der “The American” kriegt einen Fixplatz egal, wo er gerankt ist: Nach heutigem Stand ist dies entweder Central Florida oder Louisville. UCF ist der Favorit, weil es noch ungeschlagen ist und dank direktem Duell zwei Spiele Vorsprung auf Louisville hat.

Für die anderen „at-large“ Bids ist der erste Favorit natürlich Oregon. Danach kann eine zweite SEC-Uni auf alle Fälle mit einer Einladung rechnen, fast sicher für den Sugar Bowl, der der SEC nahe steht: Auburn oder Missouri (als möglicher SEC Finalteilnehmer) sind die Favoriten; beide müssen aber noch gegen Alabama spielen und Auburn muss nächste Woche auch noch gegen #25 Georgia ran. Es kann nur einer dabei sein, da keine Conference mehr als zwei Geladene stellen darf.

Blieben noch (je nach Verfügbarkeit eines BCS-Busters) 2-3 Plätze frei: Clemson, der Verlierer von Ohio St/Michigan St oder Wisconsin sind Kandidaten. Es sind natürlich noch verworrene Szenarien möglich, bsp. bei einer ACC-Finalniederlage von FSU würde alles durcheinandergewürfelt, der Orange Bowl hätte einen AQ aus der ACC (den ACC-Champion), FSU fiele aus dem BCS-Finale und bekäme nur noch einen at-large Bid. Aber das ist eher unwahrscheinlich (hoffe ich zumindestens).

Die Bowls sind in der Reihenfolge des Wahlrechts gelistet. Der Rose Bowl ist vertraglich an Big Ten und Pac-12 gebunden (oder umgekehrt: Er will nur mit diesen zu tun haben). Die anderen Bowls wählen in determinierter Reihenfolge. Das wird wichtig, wenn neben dem unattraktiven The American-Champ noch ein zweiter möglicherweise „unattraktiver“ BCS-Buster in der BCS spielt: Der (die) Bowl(s) mit dem letzten Wahlrecht (Orange, Fiesta) müssen auf alle Fälle in den sauren Apfel beißen. Baylor (bzw wer die Big 12 auch immer gewinnt) bekommt fast sicher einen Gegner, der abgeschossen wird.

  • BCS-Championship: Alabama – Florida State
  • Sugar Bowl: [SEC-Vertreter] – [At-large]
  • Orange Bowl: [At-large] – [At-large]
  • Rose Bowl: Stanford – Ohio State/Michigan State
  • Fiesta Bowl: Baylor – [At-large]

Auf dass genau jetzt das Chaos ausbricht…

Florida Gators in der Krise

Florida State kann nach landläufiger Meinung nur noch gegen einen Gegner stolpern: Die Florida Gators (4-5 Bilanz), gegen die man am letzten Spieltag der Regular Season zu Thanksgiving auswärts ran muss im „Sunshine Showdown“. Vor der Saison hatte man geglaubt, dass das ein Stolperstein für die Gators werden könnte. Jetzt ist es bestenfalls noch umgekehrt.

Die Stimmung bei den Gators ist am Boden. Gegen Vanderbilt wollte man eigentlich das „Homecoming“ feiern, ein Fest für die ehemaligen Studenten der Uni, das man sich vorstellen kann wie ein Bankett mit Paraden in größerem Umfang. Normalerweise ein besonders feierlicher Spieltag mit besonders gut gefülltem Stadion. Bei Florida sah dies am Samstag zehn Minuten vor Spielbeginn gegen Vandy so aus:

Später sah es immerhin so aus:

Aber das sind niederschmetternde Bilder für die Uni und für den Head Coach Will Muschamp, der in seinem dritten Jahr die Uni coacht und schwer in die Kritik geraten ist. Muschamp hat bisher folgende Bilanzen vorzuweisen: 7-6 im ersten Jahr, 11-2 im zweiten Jahr, 4-5 im dritten. Suche den Ausreißer.

Wer die Denke bei Florida kennt, und so viel anders als bei FSU ist sie nicht, der weiß: Muschamp ist angezählt. Es folgen noch Spiele gegen, eben, FSU und zuvor South Carolina. Wenn Muschamp beide verliert, verpasst Florida die Bowl-Season und ich gebe keine Garantien ab, dass sich im Winter nicht einer der attraktivsten Trainerposten im gesamten College Football aufmacht.

Was wäre das für ein Auflauf: Southern Cal sucht einen Coach. Möglicherweise Texas. Möglicherweise Florida. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass dies die drei anziehendsten Trainerplätze im gesamten College-Football sind, vielleicht noch neben Ohio State.

Die Akademische Viertelstunde 2013, Woche 9: Die Auflösung im Fall Nevin Shapiro

Das Spitzenspiel in Woche 9 war eindeutig das Divisionsduell der SEC East, #5 Missouri Tigers gegen #23 South Carolina Gamecocks. In der abergläubischen Welt hatte sich niemand getraut, auf „Mizzou“ zu tippen, aus Angst vor dem „Jinx“, dem Fluch, mit dem man den sympathischen kleinen Underdog belegen würde. Die, die es taten, trauern dem Underdog nun nach: Missouri verlor ein hart umkämpftes Spiel zweier Mannschaften, die in einer Stadt namens Columbia zuhause sind und zwei der letzten drei #1 Recruits aus den Highschools geholt haben (South Carolina mit Jadeveon Clowney, Missouri mit Dorial Green-Beckham).

Der sympathische kleine Underdog Missouri ging mit 24:27 nach Overtime baden, trotz einer 17:0 Führung, trotz der realistischen Chance, auch in der Verlängerung das Spiel noch zu gewinnen. Aber dann versemmelte der Kicker, und die Tigers gingen unter in einem Meer der Tränen. Es dauerte aber nicht lange, da kehrte der Stolz zurück zu Mizzou: Immerhin lieferte man ohne den nominellen Quarterback einem der großen Preseason-Favoriten einen harten Kampf. Jeder, wirklich jeder, lobte nachher das Potenzial, das Gary Pinkel und seine Mannschaft mit der Offense zeigten, und die großartige Defensive Line, in der sich nach Expertenmeinungen viele künftige Profis ins Rampenlicht spielen.

Am Ende war der Held des Tages aber ein anderer: Carolinas glatzköpfiger Quarterback Connor Shaw, der in der ersten Halbzeit mit Nachwirkungen einer Verletzung draußen saß, aber dann, mit hohem Rückstand, wechselte sich Shaw quasi selbst nach neun Minuten im dritten Viertel ein und drehte die Partie für seine Mannschaft. Shaw ist ein unwahrscheinlicher Held, und er sorgte dafür, dass die Gamecocks in der Eastern Division der SEC noch eine Chance auf das Finale haben. Das Standing in der Eastern Division sieht momentan so aus:

No.  TEAM             Conf   OVR
1    Missouri          3-1   7-1
2    South Carolina    4-2   6-2
3    Florida           3-2   4-3
4    Georgia           3-2   4-3
5    Tennessee         1-3   4-4
6    Vanderbilt        1-4   4-4
7    Kentucky          0-4   1-6

Missouri bleibt damit trotz der Niederlage noch vorne, aber die Tigers müssen in den letzten beiden Wochen der Regular Season noch nach Ole Miss fahren und schließen mit einem Heimspiel gegen die Texas A&M Aggies ab. Da gibt es einfachere Lose. In der anderen Division der Southeastern Conference läuft alles auf den Iron Bowl zwischen Alabama und Auburn hinaus, der Ende November stattfindet. Das SEC-Endspiel könnte dann mal wieder zu einem „Play-in“ für das BCS Championship Game werden, aber nur, wenn Missouri bis dahin nicht mehr verliert.

Wie haben sich die Titelfavoriten geschlagen?

Antwort: Gar nicht. Bis auf einen, aber zu dem kommen wir noch. Von den echten Titelkandidaten gab sich diesmal diesmal außer Mizzou, die gegen einen sehr guten Gegner verloren, niemand Blöße. Alabama machte mit den Tennessee Volunteers kurzen Prozess (Endstand 45:10), und zeigte die beste Leistung der Saison; in zwei Wochen geht es gegen Louisiana State (diesmal müheloses 48:16 gegen das unterklassige Furham). Bei Alabama glauben mittlerweile alle, dass die Abgesänge auf die Defense nach dem Spiel gegen Johnny Manziel (Alabama kassierte 42 Punkte) zu früh kamen; seit jenem unheilvollen Spiel ließ Crimson Tide nie mehr als 10 Punkte zu.

Die Oregon Ducks erlegten in beeindruckender und trickreicher Manier die UCLA Bruins aus Los Angeles (Endstand 42:14). Der hoch gejubelte UCLA-QB Brett Hundley machte keinen Stich. Stiche setzten nur die Ducks, unter anderem in Form eines einzigartig frechen „Punt Fakes“, den der Head Coach Mark Helfrich wohl als eine Art Hommage an Chip Kelly ansagte, und der hier als GIF bestaunt werden kann. Die No. 48 war noch nie so allein.

Die Florida State Seminoles gewannen am Ende „nur“ 49:17 gegen North Carolina State, aber der Endstand täuscht, denn die Noles hatten das Spiel schon nach wenigen Minuten mehr als entschieden und gingen als Führende mit fünf Touchdowns aus dem ersten Spielviertel. Jeder Drive führte in die Endzone, egal ob als Pass oder Lauf oder das Trick. Es war eine Freude, aber man konnte getrost und ohne Sorge, etwas zu verpassen, nach diesem Viertel wegschalten, da eh klar war: Niemand stoppt die Noles. Die vielen Granden und die Trainerlegende Bobby Bowden fühlten sich auf der Tribüne an die großen Noles-Teams der 1990er Jahre erinnert.

Ohio State hatte beim 63:14 gegen die Penn State Nittany Lions überhaupt keine Schwierigkeiten; wir werden aber weiter unten in den Standings sehen, dass die Buckeyes im Simple Ranking System längst nicht Welten vor dem Rest der Big Ten Conference anzusiedeln sind. Es ist eigentlich unglaublich, wenn man die Medienlandschaft in den Vereinigten Staaten kennt: Die Ohio State University, Ohio State!, gewinnt unter dem Coach Urban Meyer, Urban Meyer!, jedes einzelne der ersten 20 Spiele (12 in 2012, 8 in 2013), und trotzdem sind sich nun alle einig, dass dieses Team maximal an No. 4 der Big Cows zu reihen ist.

Das nächste Team im Schlepptau ist Baylor, das diese Woche „nur“ 59 Punkte gegen Kansas scorte, was bei diesen Bears fast schon als Punkteflaute durchgehen muss. Die Miami Hurricanes hatten Mühe, sich gegen lowly Wake Forest mit 27:24 durchzukämpfen, und erst ein letzter guter Drive rettete die Canes vor einer peinlichen Schlappe eine Woche vor dem großen Showdown gegen Florida State.

Stanford schlug Oregon State, Clemson fand gegen Maryland nach anfänglichen Krämpfen zurück in die Erfolgsspur, Auburn machte kurzen Prozess mit Florida Atlantic. Das einzige Team aus den Top Ten, das neben Missouri verlor, ist Texas Tech, aber die Niederlage der Red Raiders gegen Oklahoma geht bloß technisch als Upset durch: Wer vor dem Spiel 10 Experten gefragt hätte, hätte wenigstens neunmal die Antwort Oklahoma als Siegertipp bekommen.

Der größte Verlierer des Tages kommt am Ende aus Virginia, denn die Virginia Tech Hokies, in der vergangenen Woche noch an No. 14 klassiert, verloren zuhause gegen die Duke Blue Devils mit 10:13. Die Hokies sind bekannt als defensivstarkes Team, und die Defense war auch stark: Nur 7 komplette Pässe beim Gegner für 107 Yards und vier Interceptions, und nur 91 Yards im Laufspiel für Duke. Das reichte nicht zum Sieg, weil es die eigene Offense zustande brachte, daraus Kapital zu schlagen: Vier Interceptions auch für VT-QB Logan Thomas, und ein verkicktes Field Goal. Die Field Goals machte Duke, aus fast unmöglichen Distanzen jeweils jenseits der 50 Yards, und holte sich nicht nur ein riesiges Upset, sondern mit dem sechsten Saisonsieg auch das Ticket für die Bowl Season. Das ist an einer Uni wie Duke, die sich allein dem Basketball verschrieben hat, ein bemerkenswerter Erfolg.

Das BCS-Ranking sieht nach dem neunten Spieltag dann so aus:

No.  TEAM                W-L     SRS
#1   Alabama             8-0    26.5
#2   Oregon              8-0    29.8
#3   Florida State       7-0    31.2
#4   Ohio State          8-0    19.1
#5   Stanford            7-1    18.9
#6   Baylor              7-0    29.9
#7   Miami/FL            7-0    12.3
#8   Clemson             7-1    15.9
#9   Missouri            7-1    20.2
#10  Oklahoma            7-1    10.4
#11  Auburn              7-1    14.7
#12  Texas A&M           6-2    17.1
#13  Louisiana State     7-2    16.2
#14  South Carolina      6-2    14.3
#15  Texas Tech          7-1    10.6
#16  Fresno State        7-0     3.2
#17  Northern Illinois   8-0     4.8
#18  Oklahoma State      6-1    14.6
#19  Louisville          7-1    14.5
#20  UCLA                5-2    14.3
#21  Michigan            6-1     9.2
#22  Michigan State      7-1     9.0
#23  Central Florida     6-1    11.0
#24  Wisconsin           5-2    16.4
#25  Notre Dame          6-2     8.8

Am Samstag folgte der große Klassiker Floridas, Florida State Seminoles gegen Miami Hurricanes. Obwohl beide ungeschlagen sind und in den Rankings nicht durch viel getrennt sind, ist Florida State in den Wettbüros mit 21,5 Punkten favorisiert. Das deckt sich eigentlich ganz gut mit der Differenz im SRS, die 18,9 Punkte plus 3 Punkte Heimvorteil beträgt, also 21,9 Punkte. Wer hätte das vor der Saison gedacht?

Auch die „Cocktail-Party“ Georgia gegen Florida gewinnt wieder an Relevanz, aber nicht in der BCS, sondern nur in der SEC East, die ich eingangs beschrieben hatte: Der Sieger kann noch hoffen. Die beiden Teams sind Nachbarn im SRS, No. 23 gegen No. 24, und Georgia ist mit 1 Punkt favorisiert.

Es gibt weitere gute Spiele am Wochenende: Texas Tech gegen Oklahoma State aus der Big 12 Conference zum Beispiel, oder Michigan gegen den kleinen Bruder Michigan State. Viele erwarten in letzterem Spiel eine Überraschung, denn Michigan State ist mit seiner Defense immer in der Lage, die offensivschwachen Wolverines zu stoppen.

Damit zum non-Football-Teil.

Neues gibt es von Penn State: Die Universität gesteht den Familien der 26 Opfer des Sexskandal um dem pädophilen Assistenztrainer Jerry Sandusky insgesamt 59,7 Millionen Dollar Schmerzensgeld zu. Noch größere News schreiben aber vor dem großen sportlichen Klassiker am Samstag die Miami Hurricanes…

Miami Hurricanes: Das Urteil im Fall Shapiro ist gesprochen

Mitte der letzten Woche hat die NCAA (National Collegiate Athletic Association), der Dachverband im College-Sport, die Strafen in ihrer Ermittlung gegen das Sport-Programm der University of Miami Hurricanes bekannt gegeben. Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren, im Hochsommer 2011, veröffentlichte Dan Wetzel, Sportjournalist bei Yahoo!, gemeinsam mit einem Kollegen das Ergebnis einer Recherche über die verrohten Zustände bei Miami [Zusammenfassung bei Sideline Reporter]. Es ging um einen im Stolz verletzten Booster (Nevin Shapiro), der frustriert im Knast auspackte, mit welchen Methoden er bei Miami Spieler beglücken durfte. Von Drogen und Sex über Abtreibungen und ausschweifende Partys war alles mit dabei, und betroffen waren viele heute in der NFL bekannte Namen wie Vince Wilfork, Andre Johnson oder Jonathan Vilma.

Nach dieser Veröffentlichung machte sich die NCAA mit ihrem schweren Apparat an die eigene Untersuchungsarbeit, die andauerte: Zwei geschlagene Jahre vergingen bis zur Verkündigung der Strafen. Das Ergebnis: Neun gestrichene Stipendien über drei Jahre. Nicht neun pro Jahr, sondern über alle drei Jahre.

Der Aufschrei anderer in den letzten Jahren geschröpfter Unis wie Southern Cal (gestrichener National-Title, gestrichene Heisman Trophy), Ohio State (Entlassung vom Cheftrainer) oder Georgia Tech (Aberkennung eines Conference-Titles) ließ nicht lange auf sich warten, aber das Ergebnis zeigte einmal mehr: In der NCAA wird nicht immer mit dem selben Maß gemessen. Immerhin soll es besser werden: Seit 1. August hat der Verband einen neuen Strafenkatalog eingeführt, der einheitlicheres Vorgehen in den verschiedenen Ermittlungen sicherstellen soll.

Der gesamte Fall ist komplex genug um ihn nicht in einigen wenigen Absätzen zu summieren, aber nur so viel: Die Univeristy of Miami entging höheren Strafen auch deswegen, weil sie sich von Anfang an kooperativ zeigte, im Gegensatz zum Beispiel zu Southern Cal, wo man sich die Schuld bis zuletzt nicht eingestehen wollte. Und vielleicht, aber nur vielleicht, spielte im Hinterkopf der Ermittelnden auch der Fall „Sandusky“ bei Penn State mit, der der Kategorie „Skandal im College-Sport“ eine ganz neue Dimension verlieh. Da schauen ein paar Nutten auf Speed plötzlich ganz harmlos aus…

Die NCAA ist derweil selbst immer weiter in der Defensive: Bei besagtem Fall Shapiro war der Aufschrei vor zwei Jahren noch groß gewesen. Ganze Medienmeuten hatten sich über die Universität hergemacht. In diesem Sommer, 2013, wurden ähnliche Regel-Verletzungen bei Oklahoma State bekannt, aber der große Aufschrei blieb aus. Der Ärger konzentriert sich mittlerweile vor allem auf die verstaubte NCAA, die krampfhaft am Amateurstatus der College-Athleten festhält und damit Millionen, ja Milliarden, an denen vorbeiwirtschaftet, die sie generieren: Die Atleten.

Fälle wie die Millionenklage von Ed O’Bannon gegen den Verband, oder das ganz gemeinhin nach außen transportierte Bild einer verkrusteten, trägen alten Organisation, die in der Gegenwart nach einer Daseinsberechtigung sucht, trüben das Image der NCAA als Hüterin von Sitte und Moral im College-Sport Amerikas.

Der General vor der Rückkehr

Die Rückkehr von Peyton Manning nach Indianapolis gibt mir die Chance, noch einmal einen Blick zu werfen auf einen der wichtigsten Sportler in der Geschichte von Indiana. Ich lebe und arbeitete seit einiger Zeit in diesem Staat, und ich erlebte noch einige Monate Peyton Manning in Diensten der Colts, aber leider nicht mehr im Dress der Colts. Denn Peyton, wie sicherlich viele wissen, musste sein letztes Jahr als „Indianapolis Colt“ mit einer Nackenverletzung aussitzen.

Viele Menschen hier sind froh, Peyton Manning noch einmal im Lucas Oil Stadium spielen zu sehen, denn das Lucas Oil Stadium ist in gewissem Sinne auch das „Haus, das Peyton baute“. Mit weniger Pathos könnte man sagen: Sein Wirken erleichterte den Bau.

Ein kurzer Rückblick in die Geschichte des Footballs in Indianapolis, einer seelenlosen Stadt, die berühmt wurde durch ihr Autorennen im nahen Speedway. Profi-Football wird dort erst seit den 1980er Jahren gespielt, als man die legendären Baltimore Colts in einer Nacht- und Nebelaktion in die Stadt locken konnte (bekannt geworden ist der Umzug unter dem Namen „Mayflower Transit“). Es folgte ein Jahrzehnt der Tristesse: Die Colts waren eines der schlechtesten Teams der Liga. Sie schafften es in den 1990er Jahren sogar mal, die ersten beiden Spieler im selben Draft auswählen zu können, und beide floppten grandios. Das größte Highlight der Indianapolis Colts waren ein paar wenige spektakuläre Playoff-Comebacks mit einem QB-Oldie namens Jim Harbaugh.

Bis 1998 Peyton Manning kam.

Mit ihm veränderte sich das Gesicht und das Image der Indianapolis Colts fast über Nacht: Nach einem schmerzvollen Einstandsjahr ging es für die Colts ab Mannings zweiter Saison nicht mehr um die Frage „können wir die Vier-Siege Marke knacken?“, nicht mehr um „wie viele Spiele landen wir hinter dem Divisionssieger“, sondern einzig und allein: Schaffen wir den Super Bowl?

Wäre man vorher mit einer Playoff-Qualifikation heilfroh gewesen, so war mit Manning mit einem Mal eine Niederlage im Conference Final eine Enttäuschung. Mit Peyton Manning waren die Colts immer und immer wieder ganz knapp vor dem Titel, und es reichte am Ende „nur“ ein einziges Mal zum großen Ring, 2007 im strömenden Regen, als das Hallenteam Indianapolis gegen die „Windy City“ Chicago Bears gewinnen konnte. Manning war am Ziel. Die Colts waren am Ziel. Indianapolis war am Ziel.

Alle rechnen Peyton Manning hoch an, was er für die Colts und den Sport in Indiana gemacht hat. Und doch habe ich in diesen Tagen vor Peytons Rückkehr zum ersten Mal das Gefühl, dass die Menschen begreifen, was sie an diesem Spieler hatten. Vielleicht auch, was sie an diesem Mann hatten.

US-Sportler taugen weitgehend nicht für eine Vorbildrolle. Peyton tat es. Peyton war vielleicht zu perfekt, zu gestriegelt, als dass man ihn jemals wirklich wie einen Volksheld verehrte. Ein Brett Favre in Wisconsin ist eine Legende, aber auch, weil Favre Fehler hatte: Ein ungehobelter Alkoholiker aus den Sümpfen von Mississippi, der wenigstens fünf Spielzeiten wegen unnötiger Interceptions weg warf. Peyton war da langweiliger: Sohn eines ehemaligen NFL-Quarterbacks Archie Manning, von klein auf zum perfekter Quarterback getrimmt. Nicht der orginellste in den Interviews. Immer perfekt vorbereitet und nie einen aufregend riskanten Wurf riskierend. Und wenn die Colts verloren, war es oft, weil der eigene Kicker daneben schoss.

Und doch mögen alle Manning, weil er Teil der Community war, weil er sich zeigte, weil er sich immer professionell zeigte, auch in der Niederlage. Er wird sehr gemocht und überall geschätzt, aber verehrt wird er nicht.

Heute kehrt Peyton zum ersten Mal als Spieler nach Indy zurück. Das letzte Mal dort spielte er im Januar 2011, als sein Team gegen die New York Jets in letzter Sekunde ein Playoff-Heimspiel verlor. 16:17 Endstand. Die 16:14 Führung hatte Manning 53 Sekunden vor dem Ende herbeigeführt. Danach hatte „ihn“ „seine“ Defense im Stich gelassen. Und alle hatten wieder gehöhnt, wie schon nach den unzähligen verlorenen Schlachten gegen den Erzfeind New England oder nach seinem „Pick Six“ im Super Bowl 2010 gegen New Orleans.

Ein Bekannter sieht darin sogar ein klein wenig Gutes: Er sagt, diese herzzerreißenden Pleiten waren zwar nicht an Peyton festzumachen, aber sie brachten Spott, und sie veranlassten, dass wie Peyton gegen den Rest der Nation verteidigen mussten. Sie einten uns und Peyton.

Acht Monate nach dem Spiel gegen die Jets war klar, dass Peyton längere Zeit wegen seiner Nackenverletzung ausfallen würde. 14 Monate nach dem Jets-Spiel war klar: Peyton musste gehen. Es gab keine offizielle Verabschiedung, nur kurz vorher einen bizarren Super Bowl ausgerechnet in Indianapolis, wo ausgerechnet sein kleiner Bruder Eli als Quarterback gegen ausgerechnet seinen Erzrivalen New England spielte. Peyton war in dieser Super Bowl Woche eigentlich ein Randthema, und doch aufgrund seiner Verdienste und seines nahen, unausweichlichen Abgangs omnipräsent. Im März wurde er entlassen, und es gab Stimmen, die froh über den Abgang des QB-Oldies waren. Der Nachfolger stand schon bereit: Andrew Luck.

Erst jetzt beginnen glaube ich viele zu schätzen, was sie an Manning wirklich hatten: Den besten Quarterback aller Zeiten. Vielleicht wird Luck auch so gut, vielleicht nicht, vielleicht wird Luck noch besser. Who knows. Auf alle Fälle kriegen die Colts-Fans heute bei Denver Broncos gegen Indianapolis Colts ein vielleicht letztes Mal Peyton Manning serviert, und ich wette, es wird ein emotionales Spiel für beide Seiten. Auf dem Feld wird Peyton keine Gnade haben, aber 14 erfolgreiche Jahre gehen nicht spurlos an den beiden Parteien vorbei.

Der größte Spiel in der Geschichte der Atlantic Coast Conference: Clemson Tigers gegen Florida State Seminoles

Wie ich höre, ist das Spitzenspiel dieser Woche im College-Football in Deutschland nicht über den offiziellen Weg zu sehen, und das ist sehr schade, denn um 02h (MESZ) findet heute der Showdown der Atlantic Coast Conference statt: #3 Clemson Tigers gegen #5 Florida State Seminoles, das größte Spiel in der Geschichte dieser Conference. Clemson und F.S.U. sind Divisionsrivalen in der Atlantic Division, beide ungeschlagen, und nur der Sieger kann sich weiterhin Hoffnungen auf Conference-Titel und B.C.S.-Finale machen.

Clemson ist nicht der geschichtlich größte Rivale der Seminoles, aber das kann auch daran liegen, dass die Seminoles erst seit den späten 1970er und frühen 1980er Jahren eine Hausmacht im College-Football sind, seit die Coaching-Legende Bobby Bowden die Noles zu einem „Powerhouse“ transformierte. Die Noles spielen ja überhaupt erst seit gut zwei Jahrzehnten in der A.C.C. mit. Das erste bedeutungsvolle Aufeinandertreffen zwischen diesen beiden Mannschaften war erst 1988, und das war gleich ein besonders spektakuläres. Die Ausgangslage war damals ähnlich: Clemson an No. 3 gerankt, Florida State an No. 10.

Dann kamen die Noles mit Deion Sanders:

Und sie kamen mit einem der bekanntesten Trickspielzüge in den Annalen des College-Sports, dem „Puntrooski“:

Der Zufall will es so, dass dieses legendäre Upset (Seminoles gewannen) auf den Tag genau vor 25 Jahren passierte. Deshalb wird es heute auch die eine oder andere Anspielung in den Übertragungen daran geben.

Clemson gegen Florida State, das war vor circa einem Jahrzehnt bis vor wenigen Jahren auch die so genannte „Bowden Bowl“, das direkte Duell zwischen F.S.U.-Coach Bobby und dessen Sohn Terry, der Clemson coachte. Das, und die vielen engen Duelle um die Vorherrschaft in der Atlantic Division, die meistens entweder vom einen oder vom anderen gewonnen wird, machte aus Clemson und Florida State über die Jahre intensive Rivalen.

Heute hat Clemson den Heimvorteil. Die Tigers werden von Dabo Swinney gecoacht, einem eher stillen Mann, der lieber im Hintergrund bleibt und seinen Trainerstab um den heißer als Frittenfett gehandelten Offensive Coordinator Chad Morris und seine hoch talentierten Starspieler machen lässt. Swinney und sein Trainerstab lassen keine überaus spektakuläre Offense spielen, aber der Teufel liegt wohl im Detail und in der Konstanz dieser Mannschaft, denn sie scort sehr viele Punkte.

Quarterback ist mit Tajh Boyd ein Farbiger, der nächstes Jahr in die National Football League wechseln wird. Wide Receiver Sammy Watkins (No. 2) ist der größte Star der Offense, seit er vor zwei Jahren als Freshman die Liga im Sturm eroberte und fast die Heisman Trophy gewann. Und es gibt RB Roderick McDowell, gegen den bislang kein Kraut gewachsen war.

Dem gegenüber steht bei den Seminoles nur ein ganz großer Superstar: QB No. 5 Jameis Winston, auch ein Schwarzer und ein Freshman, bei dem schon diskutiert wird, ob er der beste Quarterback in der Geschichte dieser Universität ist. Nach sechs Spielen! Ob was dran ist oder nicht, „Famous Jameis“ hatte einen überragenden Einstand auf dem Parkett und gehört zu den großen Favoriten auf die Heisman-Trophy 2013. Merken sollte man sich bei den Noles auch andere Namen: RB James Wilder jr, RB Karlos Williams oder WR Kelvin Benjamin, die alle früher oder später Profis sein werden.

Im letzten Jahr gewann Florida State dieses Spiel zuhause mit 49:37 und alle bescheinigten damals den Noles die bessere Offensive Line gehabt zu haben. Um nicht technischer zu werden als ich es beurteilen kann: Alle sagen Clemson nach, keine gute Defensive Line zu haben, oder viel besser, eine, die sich gerne überlaufen lässt. Heute hat Clemson Heimvorteil.

Es dürfte klar sein, wo meine Präferenzen heute Abend liegen, aber hierzulande sind die Sympathien und die Tipps durchaus geteilt. Die Noles genießen immer noch einen landesweit guten Ruf, aber unter dem Head Coach Jimbo Fisher haben sie sich zusätzlich das Bild angelacht, in jeder Saison wenigstens ein „großes“ und ein „kleines“ Spiel zu vergeigen. Das heute ist ein „großes“.

Auf der anderen Seite folgen die Noles mit diesem Ruf ausgerechnet dem heutigen Gegner, denn „Clemsoning“ ist ein inoffiziell anerkanntes amerikanisches Wort dafür, aus riesigem Talentevorrat viel zu wenig zu machen, und das seit vielen Jahrzehnten.

Eine der beiden Mannschaften wird heute Abend ihren Ruf vorübergehend abschütteln, aber die Skeptiker sagen: Nur, weil es heute Abend eine Mannschaften nicht vergeigen kann.

GO NOLES.


Der TV-Plan für SPORT1 US stammt wie immer von korsakoff, und ich übernehme ihn ohne weiteres (alle Zeiten MESZ):

18h    Tennessee - South Carolina
21h30  Stanford - U.C.L.A.

Anstatt von Florida State – Clemson kommt bei SPORT1 US IndyCar Racing League, was verstehen mag wer will.

Edit|Nachtrag (korsakoff): Clemson-FSU kommt natürlich im ESPN-Player ab 2h. Ganzen Schedule des ESPN-Players kann man bei dogfood/Allesaussersport nachlesen. – korsakoff(/Update)

Noch was? Ach ja, die Oregon Ducks setzen heute mal wieder einen Modetrend und werden dem Monat des Brustkrebs-Gedenkens zu Ehren in rosaroten Helmen auflaufen.