Vor dem Grey Cup 101: Saskatchewan Roughriders vs Hamilton Tiger-Cats

Am Sonntag findet parallel zum NFL-Sonntag ab 22h30 MEZ auch das Endspiel der Canadian Football League 2013 statt, der Grey Cup, und es ist das von vielen erhoffte Traumfinale zwischen den Saskatchewan Roughriders und den Hamilton Tiger-Cats. Endspielort ist das altehrwürdige Mosaic Stadium von Regina/Saskatchewan, die Heimspielstätte der Roughriders, ein Stadion, das einen ganz eigenen Charme hat, aber den Zahn der Zeit fühlt und in spätestens vier Jahren durch ein neues Schmuckkästchen ersetzt wird.

Saskatchewan… ich werde dieses Land, diesen Fluss und diese Leute nicht vergessen. Die Roughriders sind Ersatzreligion in diesen Weiten des Nichts, diesen wunderschönen Prärielandschaften. Eine so relaxte Stimmung habe ich sonst noch nicht erlebt. Ein paar Impressionen aus dieser wunderschönen Gegend (teilweise bis hinüber in die Nachbarprovinz Alberta reichend):

Saskatchewan gegen Hamilton, das ist eine Partie der beiden Außenseiter, die jeweils überraschend auswärts ihre Halbfinalspiele gewinnen konnten. Die Roughriders gewannen vor malerischer Kulisse im verschneiten Olympiaort von 1988, Calgary, mit ihrer knüppelharten Defense (5 Turnovers) 35-13, während sich Hamilton im „Lokalderby“ gegen die Toronto Argonauts nach Comebacksieg durchsetzen konnte.

Das Endspiel ist auch das Wiedersehen von Hamilton-WR Andy Fantuz, einem langjährigen Roughrider, und Fantuz ist in Saskatchewan noch immer ein Publikumsliebling, dessen Abgang den Fans weh tut. Auch der Hamilton-QB Henry Burris, ein bald 40jähriger Recke, spielte früher mal in Regina.

Die Saskatchewan Roughriders sind vermutlich das populärste CFL-Team in Kanada, vielleicht auch, weil sie ähnlich wie die Green Bay Packers ein echter „Verein“ sind und den Fans gehören. Diese Fans sind brutal fanatisch und sorgen für echte Heimspielatmosphäre in diesem morschen Mosaic Stadium. Genannt werden sie aus mir etwas suspekten Gründen melonheads („Melonenköpfe“). Auf alle Fälle laufen tausende Fans mit Wassermelonen auffm Kopf durch die Gegend. Diese Verkleidungskünste sind vergleichbar mit den Hundemasken in Cleveland oder den Käsköpp in Green Bay oder der Verkleidungspracht in Oakland.

Saskatchewan erreichte in seiner über 100jährigen Geschichte 19x den Grey Cup, gewann den Pokal aber nur dreimal, zuletzt 2007. Hamilton ist auch so ein ewiger Underdog, und es ist das erste Mal seit über 15 Jahren, dass die Ti-Cats wieder das Endspiel erreicht haben.

Der Superstar in Saskatchewan ist immer mehr QB #4 Darian Durant, ein schwarzer Brocken von Mann, der in den letzten Jahren immer mal für einen Bock gut war, aber 2013 seine beste Saison spielt. Durant erinnert mich ein bissl an meinen Hero aus ersten NFL-Tagen, Steve McNair: Auch so ein schwarzer Scrambler, nicht der beste Werfer, nicht der schnellste Sprinter, aber immer wenn es knüppeldick kommt, kannst du dich als Mannschaft auf ihn verlassen. Ich weiß, dass dies von Zahlen und Fakten kaum zu untermauern ist, aber das schiere Gefühl, das einem McNair wie Durant vermittelten, macht es einem als Fan einfach.

Prognosen abgegeben ist in einer CFL immer schwer. Bei den Buchmachern sind die Roughriders Favorit mit 5.5 Punkten. Ich würde partout auch auf Saskatchewan tippen, aber ich glaube, ich bin in der CFL in den letzten Jahren so oft daneben gelegen, dass ich mich eines Endspieltipps ehrlicherweise enthalten möchte.


Das Spiel wird in der Nacht von Sonntag auf Montag um Mitternacht MEZ angepfiffen. Die Angaben ob der Live-Übertragung in Europa ist wie in den letzten Jahren nicht eindeutig geklärt. Die Auskünfte der TSN-Mitarbeiter sind widersprüchlich, wie aus den letzten Jahren bekannt. „on-demand“ ist das Game-Tape aber wie immer bei TSN zu erhalten.

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CFL 2013, Conference Finals Preview

Wie schon die letzten Jahre konnte ich die Canadian Football League 2013 nur schwerlich verfolgen. Hatte ich als Schüler und Student noch die Zeit, mir gelegentlich die CFL reinzuziehen, gab es in den letzten 1-2 Jahren immerhin noch die Möglichkeit, CFL bei ESPN America zu verfolgen. Nicht so dieses Jahr. CFL beschränkte sich auf „on-demand“-Consum der TSN-Datenbank. Ein gutes on-demand (for free) Angebot zwar, aber CFL 2013 lief größtenteil an mir vorbei.

Diesen Sonntag finden die Conference-Finals statt, in denen die Teilnehmer am 101ten Grey Cup ausgespielt werden. Heut Vormittag hatte ich die Chance, mir die Tapes der Conference-„Semifinals“ (in Kanada eine Art Play-in) reinzuziehen, und wage mich mit wenigem Gesehenen und einigem Angelesenen an eine ausführlichere Vorschau auf die beiden Spiele.

Toronto Argonauts – Hamilton Tiger-Cats

Kickoff Sonntag 19h MEZ | Ab Montag on-demand bei TSN

Toronto gegen Hamilton ist quasi das „Regionalderby“ von Toronto, da die Tiger-Cats (oder, wer Eindruck schinden will: Die Ticats) im nahen Gülph ihre Heimspiele austragen und auch ihr derzeit im Umbau befindlichen Heimatstadion im 50km-Radius der größten kanadischen Metropole liegt. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern die Partie in Toronto die Massen bewegt, denn von meinem letzten Toronto-Besuch hatte ich den Eindruck, dass diese Stadt die Maple Leafs aus der NHL lebt und atmet, und dass sogar der Toronto FC aus der Major League Soccer mehr Resonanz im Großraum der Stadt erzeugt als die Argonauts, die immerhin eine der ältesten US-Franchises sind. Wie auch immer: Toronto ist der Titelverteidiger der CFL, und so lahm sie 2012 auch über weite Strecken spielten, so pathetisch ihr meist halbleeres Rogers Center auch oft wirkt, so feurig war das letztjährige Finale in einem rabaukenartigen Rogers Center.

2013 ist man wieder etwas langsam in die Saison gekommen, u.a. weil der QB #17 Zach Collaros, uns noch aus dem College Football bekannt, nicht in Schwung kam. In den letzten Wochen allerdings kehrte der etatmäßige QB #15 Ricky Ray zurück und seither glüht die Anzeigetafel! Ray fabrizierte in 10 Starts sensationelle 21 TD vs 2 INTs und 9.5 Y/A; Ray ist vielleicht noch einigen Madden-Spielern aus der NFL bekannt: In Madden-2005 scheint er im Depth-Chart der New York Jets auf. In der CFL ist er ein Star, der dieses Jahr viele Rekorde gesprengt hätte, wenn er die Saison heil durchgekommen wäre.

Toronto beendete die Regular Season mit 11-7 Siegen und dem besten Punktverhältnis im Osten. Allerdings müssen die Argos ab sofort auf den letztjährigen MVP RB Chad Kackert verzichten (Knöchel-OP). Ersetzt wird er durch den aus er NFL (Atlanta Falcons?) bekannten Jerious Norwood, ein Mann mit einer relativ tragischen persönlichen Geschichte.

Toronto gewann den Grunddurchgang der Eastern Conference und musste im Gegensatz zu Hamilton kein Play-In bestreiten. Die Ticats gewannen letzten Sonntag in der Overtime gegen Montreal nach einer dramatischen Schlussphase. Dabei wurde ein Altbekannter zum Helden: QB #13 Dan LeFevour, der bei Central Michigan am College vor wenigen Jahren mehrere Passrekorde sprengte und sich mit seiner beherzten Spielweise als weißer Scrambler in die Herzen der Fans spielte. LeFevour wird in Hamilton nicht als Starting-QB eingesetzt – diese Rolle besetzt der 38jährige Oldie #1 Henry Burris – sondern als eine Art freakiger „change of pace QB“ für spezielle Offensiv-Packages, in denen sein double threat von Vorteil ist. Am letzten Sonntag tauchte er im entscheidenden Spielzug in die Endzone nach einem Spiel, das so furchterregend schwach war, dass es schon wieder unterhaltsam war: Alles war dabei, von Sturmböen zu Regenschauern, matschigem Boden, verkickte Field Goals (solche Dinger gibt es in der NFL mit ihren Superstadien leider mittlerweile viel zu selten), ein Halbzeitstand von 2-0 pro Montreal durch zwei Singles, endlose Schiedsrichterdiskussionen, nur um am Ende zwei zum Leben erweckte Offences zu sehen, die sich die Kante gaben und plötzlich spielten als gäbe es kein morgen.

Das Wetter wird in der Rogers-Halle keine Rolle spielen, insofern ist qualitativ ein besseres Spiel zu erwarten. Ich traue den Ticats nicht. Ohne Windunterstützung sehe ich für diese Defence keine Chance, Ricky Ray und seine Armada zu stoppen, trotz der guten Ergebnisse in der Regular Season gegen Toronto (2 von 3 gewonnen). Toronto Argonauts for Grey Cup.

Calgary Stampeders – Saskatchewan Roughriders

Kickoff Sonntag 22h30 MEZ | Ab Montag on-demand bei TSN

Gehen wir rein nach Qualität der Ansetzung, ist das das vorweggenommene Endspiel: Calgary (14-4) als bestes Team des Grunddurchgangs, aber die Saskatchewan Roughriders (11-7) sind nur ein i-Tüpfelchen hinter den Stamps anzusiedeln. Es ist die ligaweit beste Offence (Calgary) gegen die ligaweit beste Defence (Saskatchewan) bzw. die ligaweit zweitbeste Offence (Saskatchewan) gegen die ligaweit zweitbeste Defence (Calgary) – jeweils nach Punkten. Den Unterschied in der Saisonbilanz kann man an knappen Spielen ablesen: Calgary war darin 4-3, Saskatchewan 4-6. In der Regular Season spielten beide viermal gegeneinander; dreimal gewann Calgary, aber zweimal davon denkbar knapp – und deswegen haben sie heute Heimvorteil.

Es dürfte auch von den Emotionen her das bessere Spiel sein als das erste Conference-Finale, denn Westkanada ist CFL-Territorium. Okay, die NHL dominiert Kanada, aber im Westen ist die CFL nur knapp dahinter. Würden wir sämtliche Ost-Franchises samt Toronto einstampfen, den Leuten im Westen wäre es egal, und sie würden einen flotten Dreier Calgary-Saskatchewan-Winnipeg veranstalten und die Liga hätte trotzdem bis in alle Ewigkeit Bestand.

Sportlich ist die Saison für den Head Coach John Hufnagel ein fettes Ausrufezeichen: 14-4 trotz einer unsäglichen Verletzungsmisere auf Quarterback: Erst wurde der unumstrittene Starter Drew Tate mit „Tennis-Arm“ rein- und rausrotiert, dann durch Backup Kevin Glenn ersetzt, der zeitweise von third stringer Bo Levi Mitchell vertreten wurde. Diese Misere machte aus Calgary ein Team, das für CFL-Verhältnisse erstaunlich lauffreudig ist, und entsprechend wenige Turnovers begeht. Nur 2 INTs pro 100 Passversuche sind quasi nix, und solange der brachiale FB Jon Cornish 7.0 Y/A erläuft, muss der Offence nicht bange sein. Glenn führt die Mannschaft dann auch mit relativ fehlerarmem Spiel an.

Was kann Saskatchewan da gegenhalten? Eine opportunistische Defence, die zwar durchaus viele Yards zulässt, aber die wenigsten Punkte der Liga. Man hält sich mit INTs und sehr guter Goal Line Defence über Wasser. Ist das haltbar? Nun, zumindest gibt es Superspieler wie den DE #99 Alex Hall, der im Lauf der Saison von Winnipeg per Trade geholt wurde. Hall ist eines dieser Monster, das möglicherweise tatsächlich nächstes Jahr einen NFL-Platz kriegen könnte.

Tja, und dann wäre da die Riders-Offence. Sie wird immer noch angeführt vom alten Recken QB #4 Darian Durant, einem schwarzen Krieger, der stets so spielt als sei ihm sein Körper kein Jota wert. Durant spielte seine beste Saison ever. 7.8 Y/A und nur 2.2% INT-Quote sind die Durant exzellente Werte. Man muss dazu sagen, dass Durants Qualitäten auch den Scramble zur rechten Zeit umfassen. Die Offence ist eh eine der konservativsten, was PlayCalling angeht: Man versucht noch ganz old-school, Laufspiel über den Brocken RB Kory Sheets zu implementieren, und dann, wenn der Gegner die Box zustellt, den Kurzpass zu werfen. Fraglich ist allerdings Sheets’ Gesundheitszustand nach schwerer Verletzung.

Zweifel gibt es auch ob der Fitness von Slotback #89 Chris Getzlaf, dem wichtigsten Skill-Player neben Durant (Knieverletzung), und von SB #81 Geroy Simon, dem 38jährigen ewigen Yards-Leader der CFL-Geschichte.

Hochziehen können sich die Riders aber auf alle Fälle an dem gigantischen Comeback-Sieg am letzten Sonntag gegen die BC Lions, die in unmenschlichen Konditionen bei -15 Grad Celsius und gefrorenem Boden per beherztem „4th Quarter-Comeback“ geschlagen wurden. Weniger berauschend waren die drei Viertel zuvor, als man an die Wand gespielt wurde und wohl selbst nicht wusste, weshalb man am Ende überhaupt die Chance zum Comeback bekam.

Ich bin Saskatchewan-Fan. In meinem Zimmer hängt noch immer eine grüne Riders-Fahne aus Regina. Aber ich tue mir schwer zu glauben, dass das heute in Calgary gut geht – obwohl: Diese intensive CFL-Rivalität bot in den letzten Jahren immer wieder knappe, spannende Spiele, in denen gefühlt fast immer der Außenseiter in den Playoffs gewann. Trotzdem: Calgary ist effizienter, Calgary sollte das Endspiel erreichen, das nächsten Sonntag ausgerechnet in Regina/Saskatchewan ausgetragen wird.

CFL 2013 steht vor der Tür

Heute Nacht beginnt wie jedes Jahr am Wochenende vor dem Canada Day (1. Juli) die Saison 2013 der Canadian Football League (CFL), dem kanadischen Gegenstück zur National Football League. Die CFL ist eine sympathische Liga, die bei mir einen schönen Platz im Herzen genießt: Football im Hochsommer, diese kanadische Mentalität, diese alten Stadien. Alles ist ein bissl ruhiger, Dorfverein-mäßiger, und im Gegensatz zur entrückten NFL kann man in der CFL noch sowas wie Authentizität anhand von ranzigem Fett in der Stadion-Würstlbude riechen.

Canadian-Football hat ein paar Regelunterschiede im Vergleich zur NFL, von denen ich die wichtigsten schon früher erklärte, daher heute nur die wichtigsten noch einmal zur Wiederholung:

  • 12 Spieler pro Team statt elf.
  • Drei Downs statt vier.
  • 150 Yards-Feld statt 120 (110yds + jeweils 20yds Endzone).
  • Torpfosten an der GoalLine.
  • Zusätzliche Score-Möglichkeit: Single/Rogue (1 Punkt): Kick/Puntreturner wird in der EndZone getackelt.
  • Zeitmanagement: Nur 1 Timeout und nur 20sek zwischen Spielzugende und Snap.

Die CFL wäre in den 90er Jahren mit wilden Expansionsplänen runter in die Vereinigten Staaten mal fast pleite gegangen, ist aber mittlerweile nach dem Rückzug nach Kanada mit acht Franchises wieder konsolidiert:

EASTERN DIVISION        WESTERN DIVISION
Toronto Argonauts       B.C. Lions
Montreal Alouettes      Saskatchewan Roughriders
Hamilton Tiger-Cats     Edmonton Eskimos
Winnipeg Blue Bombers   Calgary Stampeders

Im nächsten Jahr wird mit den Ottawa REDHAWKS REDBLACKS (kein Witz: Die Medien sind angehalten, den Teamnamen in Maiuskeln zu schreiben!) ein neuntes Team dazustoßen und um die älteste Trophäe im Footballsport, den Grey Cup, spielen. Dieser wird dieses Jahr zum 101ten Male ausgespielt. Spielort ist Regina, die Heimat der Saskatchewan Roughriders, dem CFL-Pendant zu Green Bay: Einzige Franchise, die dem Volk gehört.

Die Jubiläumsausgabe gewannen im vergangenen November ausgerechnet die Toronto Argonauts in ihrer Heimatstadt. Für einen wirklichen Boom sorgte der überraschende Triumph damals nicht: Die Argos spielen im heimischen Rogers Center zumeist vor leeren Rängen, und sie konnten auch vor dieser Saison kaum Dauerkarten loswerden. Dazu vielleicht nochmal in einem eigenen Beitrag ein paar Worte von einem Lokalaugenschein.

Die großen Storylines betreffen diesmal nicht die Spieler (außer, dass die 40jährige QB-Legende Anthony Calvillo noch ein Jahr in Montreal dranhängt), sondern Stadien und Coaches. Die kleinen Hamilton Tiger-Cats bestreiten diese Saison aufgrund eines Stadionneubaus „auswärts“ im 50km entfernten Guelph, und man befürchtet für die eh schon finanzschwache Franchise eine harzige Saison. Dagegen kann Winnipeg seine neue Arena pünktlich beziehen, und sie bekam gute Kritiken. Bleibt nur abzuwarten, was die heimischen Blue Bombers auf die Reihe kriegen, nachdem die Preseason-Vorstellungen unterirdisch waren.

Bei den Coaches gab den einen spektakulären Wechsel von Montreal-Alouettes-Headcoach Marc Trestman zu den Chicago Bears – ein Move, der auch südlich der kanadischen Grenze viele aus den Socken haute. Ersetzt wird Trestman durch Dan Hawkins. Das ist auch kein Unbekannter: Hawkins ist der Visionär und Vater des Aufstiegs der Boise State Broncos. Er ging vor sieben, acht Jahren allerdings den Weg zur renommierteren University of Colorado, wo er entsetzlich scheiterte und einen einzigen Scherbenhaufen hinterließ, dessen Folgen noch immer nachwirken. Jetzt also die CFL – und Hawkins wurde schon eher skeptisch aufgenommen.

Topfavoriten sind die B.C. Lions aus Vancouver, deren GM Wally Buono als ausgefuchstes Genie gilt und die in Travis Lulay den besten Quarterback ligaweit haben.

ESPN America wird dieses Jahr nix mehr von der CFL übertragen, auch nicht den letzten Monat bis zu seinem Ableben – zumindest gibt der Sendeplan nix diesbezüglich her. Dafür wird es lt. Auskunft des Kundendiensts von TSN wieder die kompletten Spiele on-demand auf der TSN.com-Homepage geben.

Grey Cup #100

Seit einigen Minuten bei ESPN America: Das Tape vom Jubiläums-Grey Cup, der #100. Die Toronto Argonauts aus der Eastern Division treffen auf die Calgary Stampeders aus der Western Division. Toronto, das Team aus dem größten und wichtigsten kanadischen Markt, spielt sozusagen „zu Hause“ – und das Rogers Center ist nicht wiederzuerkennen: Volle Hütte, 55000 im Stadion, und eine Stimmung, als würden wir in Regina bei den Roughriders spielen. In der Pause gibt es für die Kids noch Justin Bieber – und wenn ich das richtig mitbekommen habe, wurde Bieber bei seiner Vorstellung wüst ausgebuht. Kann ja heiter werden.

Canadian Football League 2012 vor dem letzten Spieltag

Wenn man sich in knapper Zeit um zu viele seiner Liebsten kümmern muss, muss eines zurückstehen. Insofern same procedure as every year für die Canadian Football League, die bei mir nur allzu häufig nach den ersten Wochen, mit Ende des Sommers und Beginn des Spielbetriebs in den Vereinigten Staaten und im europäischen Fußball, zurückstehen muss, und wo ich nur noch ein paar ausgewählte Klassiker wie Saskatchewan – Winnipeg sehen kann.

Dieses Wochenende ist der letzte Spieltag des Grunddurchgangs der CFL 2012. ESPN America ist nach den langersehnten Saisonenden in Baseball und Motorradfahren (ufffffffff, Sonntagmorgen wieder College Football!) mit angemessenem Programm dabei.

   2.11.  14h30  Tape  Toronto - Hamilton
2./3.11.   2h30  LIVE  Edmonton - Calgary
   6.11.  11h00  Tape  Winnipeg - Montreal
   6.11.  13h00  Tape  BC Lions - Saskatchewan

Folgende Divisionsstände haben wir vor dem letzten Spieltag zu vermelden (y = Freilos in der ersten Playoffrunde, x = für die Playoffs bereits qualifiziert):

Osten

(y) Montreal      11-6
(x) Toronto        8-9
    Hamilton       6-11
    Winnipeg       5-12

Westen

(y) BC Lions      12-5
(x) Calgary       11-6
(x) Saskatchewan   8-9
    Edmonton       7-10

Zu den komplizierteren Regeln in der CFL gehört die „crossover rule“, dank der es für einen Viertplatzierten mit besserer Bilanz in der einen Division am Drittplatzierten mit schwächerer Bilanz in der anderen Division vorbeizuziehen, und an dessen Stelle in den Playoffs mitzuspielen – besagter Viertplatzierte würde in diesem Fall in das Playoff-Bracket der „anderen“ Division rutschen.

Und haargenau dieser Fall macht den letzten Spieltag äußerst kompliziert, und droht, Wettbewerbsverzerrung zuzulassen.

Hamilton spielte bereits heute Nacht und könnte sich dank des gewonnenen Tie-Breakers gegen Edmonton dann für die Playoffs qualifizieren, wenn Edmonton heute Nacht gegen die Calgary Stampeders, für die es um nichts mehr geht, verliert (beide wären dann 7-11 und Hamilton dabei).

Hat Hamilton verloren und/oder gewinnt Edmonton heute Nacht, ist Edmonton als viertes Team aus dem Westen mit dabei…

…und dann wird es kompliziert, denn es erst in der Nacht auf Sonntag, 3h MEZ, spielen die Saskatchewan Roughriders auswärts gegen die längst qualifizierten BC Lions. Edmonton hat den Tie-Breaker gegen Saskatchewan gewonnen und würde bei eigenem Sieg und Saskatchewan-Niederlage auf den dritten Platz in der Division rutschen – und die Saskatchewan Roughriders würden in den Playoff-Bracket des Ostens rutschen.

Dies ist insofern ein begehrter Platz, weil die Ost-Division dieses Jahr sportlich deutlich unter dem Westen eingestuft wird, wie die kanadischen Medien es sehen – und wie es meine Excel-Tabelle sieht; ich habe über die Saison das Simple Rating System für die CFL-Saison 2012 errechnet und folgendes Ergebnis bekommen (Ergebnisse sind bei 25 Punkten Differenz gedeckelt, deswegen hat z.B. Montreal eine positive Margin of Victory trotz negativem Punkteverhältnis):

TEAM           MOV   SOS   SRS
BC Lions       6.2  -0.4   5.8
Calgary        4.9  -0.2   4.8
Saskatchewan   1.7   0.4   2.1
Edmonton      -0.8   0.9   0.0
Montreal       0.5  -0.8  -0.3
Hamilton      -2.4  -0.3  -2.7
Toronto       -2.8  -0.2  -3.0
Winnipeg      -7.2   0.6  -6.7

Alle vier West-Teams rangieren vor sämtlichen Ost-Teams; ergo ist der Letzte (Edmonton oder Saskatchewan) des Westens höher einzustufen als der Erste des Ostens (Montreal).

Freilich kann sich eine mögliche Farce (Saskatchewan verliert morgen absichtlich bei BC) nicht verhindern lassen, selbst wenn Hamilton heute Nacht das „Lokalderby“ bei den bereits qualifizierten Toronto Argonauts verloren hat. Edmonton könnte dann seinerseits die Partie gegen Calgary freiwillig abschenken und trotzdem als qualifiziertes Team in das Ost-Bracket rutschen und gegen die schwachen Argonauts die Playoffs eröffnen, während die Roughriders in diesem Falle zu den deutlich höher einzuschätzenden Calgary Stampeders müssten.

So long. Football mit riesigen Endzonen und 12 Mann auffm Feld erwartet uns.

Frühstückseier, 5.10.2012 – Was macht Jeremy Bloom?

Wer schon immer mal wissen will, was einer der großen Sportallrounder unserer Zeit seit einiger Zeit so treibt, wird beim Entrepreneur findig, der über die zweite, oder dritte, Karriere des Jeremy Bloom (und weiterer ehemaliger Footballer) schreibt. Zur Erinnerung: Bloom war Mitte des vergangenen Jahrzehnts im Herbst Wide Receiver der Colorado Buffaloes im College Football und im Winter mehrfacher Freestyle-Skiweltmeister gewesen.

Freestyle-Skiing? Für die NCAA ein klarer Fall von Profitum. Bloom wurde zwei Jahre vor Ablauf seiner vierjährigen College-Zeit vom NCAA-Spielbetrieb gesperrt, trainierte dann für die 2006er-Winterspiele in Turin. Zwei Tage nach diesen Spielen nahm Bloom in Indianapolis am NFL-Combine teil, wurde von den Eagles gedraftet. Scheiterte aufgrund von Verletzungen. Versuchte Jahre später in Pittsburgh ein Comeback. Scheiterte. Versuchte als Freestyle-Skifahrer ein Comeback. Scheiterte. Arbeitete für gemeinnützige Zwecke. Glückte. Kommentierte College Football. Glückte. Gründete mit Risikokapital ein Startup – auf dessen Spuren der Entrepreneur nun wandelt.


Über die Saison der New Orleans Saints hatte ich am Mittwoch einen kurzen Absatz geschrieben:

New Orleans Saints. Die anti-Eagles. Vier Niederlagen, und alle vier mit einem Score Differenz. Klingt nach positiver Zukunft? Vielleicht, denn bei allen Problemen mit der unterirdischen Pass-Defense (8.1 NY/A entspricht Rang 30) gibt es immer noch einen fantastischen Quarterback wie Drew Brees und eine insgesamt potenziell potente Offense, sodass auch mit diesem Start noch 7-9 oder 8-8 drin sein dürfte. Aber: Die Saints sind ohne Scheiß in meinem Ranking aktuell die #32 von 32 Mannschaften (#17 Pass-Offense, schlechte Lauf-Offense, schlechte Laufdefense, und nur der 28t-schwerste Schedule bisher).

Seither haben sich zwei mittlerweile renommierte US-Schreiber mit dem tiefen Loch der New Orleans Saints auseinandergesetzt: Josh Levin/Slate fragt sich, ob und wie viel der Schuld am horrenden 0-4 Start der Saints auf den suspendierten Head Coach Sean Payton zu schieben ist, während für den von mir auch wegen seiner Schreibe sehr geschätzten Bill Barnwell die Probleme eine Ebene tiefer zu suchen sind.


Drei TV-Termine bei ESPN America für den heutigen Tag: Um 11h aus der Canadian Football League SaskatchewanBC Lions vom vergangenen Wochenende. BC ging mit 9-3 in die Partie, Saskatchewan mit 6-6. Die Roughriders bauten in den vergangenen Wochen weniger als in den letzten Jahren gewohnt auf QB Darian Durant, dafür viel mehr auf ein Laufspiel. Prunkstück ist aber die bärenstarke Pass-Abwehr, die gegen BCs mächtigen Luftangriff helfen könnte.

Um 16h bringt ESPNA die Aufzeichnung vom Kracher aus der Süddivision der Pac-12 Conference: Utah Utes vs. USC Trojans. Beide Teams bereits mit bitteren Niederlagen. Während die Utes dabei eine von Lokalkonkurrent Utah State gehauen bekamen, gingen die BCS-Titelträume der Trojans bereits früh in der Saison den Bach runter: Eine Schlappe bei Stanford, von der USC sich kaum mehr erholen dürfte. Bleibt der Trostpreis Pac-12. Um diesen weiter verfolgen zu können, müssen QB Barkley und diese vielen künftigen Top-Draftpicks gegen eine der dominantesten Front-Sevens im College Football bestehen. Im Spotlight auch: Utahs DT Star Lotulelei, einer der Top-Draftanwärter 2013.

Um 18h30 dann das Tape vom Donnerstagnachtspiel St Louis – Arizona.

Football heute

Labour Day Classic

Bei ESPN America: Um 22h live aus Regina/Saskatchewan: Die größte Rivalität der CFL, Saskatchewan Roughriders vs. Winnipeg Blue Bombers. Eine triste Partie: Nach dem gestrigen Spitzenspiel der beiden Divisionsersten heute die beiden Letzten.

Saskatchewan hat nach 3-0 Start seine letzten fünf Partien allesamt verloren und ist durchgereicht worden. Der GM ist gerade fleißig am Beruhigen, HC Chamblin scheint vorerst auch unangetastet zu bleiben, während die Spieler diese Woche einen „Player-only“-Abend veranstaltet haben, über dessen Inhalt sich alle fleißig ausschweigen. Überhaupt finde ich die Aufregung etwas übertrieben: Vier von fünf Niederlagen waren mit einem einzigen Score Differenz.

Bei Winnipeg sieht es schon anders aus. Der Vorjahresfinalist, bei dem ich bereits ein happiges Jahr angekündigt hatte (*Schulterklopf*) feuerte diese Woche den streitbaren Head Coach Paul LaPolice. Winnipeg ist 2-6 und dabei 2-2 in engen Spielen. Vor drei Wochen habe ich mal ein Viertel von den Bombers gesehen; war absolut nicht grauenhaft und auch die Ergebnisse schrien eigentlich nicht nach „Entlasse! Entlasse!“ – letzte Woche nur knapp gegen den Ligakrösus BC verloren.

College Football Auftaktwochenende continued

Um 5h bitteschön als Tape: Syracuse (ACC) vs. Northwestern (Big Ten). Zweimal Teams mit relativ kleinen Ambitionen in dieser Saison (v.a. Northwestern mit HC Pat Fitzgerald will diesmal eher kleine Brötchen backen). Aber beidesmal Teams mit schönen Trikotfarben: Syracuse und sein Orange, Northwestern und sein elegantes Lila/Violett.

College Football 2012, Week 1, Tag 3: Das Eierwerfen geht richtig los

Heute ist der erste „Großkampftag“ der diesjährigen Saison im College Football – und ESPN America bringt angemessenes Programm.

Notre Dame Fighting Irish – Navy Midshipmen

Heute, 15h LIVE bei ESPN America

…und das live aus dem neuen Aviva Stadium in Dublin. Irland… ich werd’ sentimental. Die Weiden. Die Klippen. Die Leute. Das Bier. Ich möchte bitte als Ire wiedergeboren werden.

Nicht zum ersten Mal übrigens gibt es College Football in Irland: Schon vor über 20 Jahren wurden Versuche gestartet, nach Übersee ausgewanderte Iren mit diesem „Trick“ mal wieder zu einer Heimreise zu animieren (u.a. mit dem Boston College). Auch Notre Dame spielte vor 16 Jahren schon mal in Irland gegen die Navy, im Croke Park, vor halbleerem Stadion. Nun also die Neuauflage unter dem Label „Emerald Isle Classic“.

Bei den Notre Dame Fighting Irish kommt natürlich sofort die Frage nach dem Hintergrund des Teamnamens auf. Anders als ich immer vermutet hatte, lief das Footballteam erst ab zirka 1920 herum unter diesem Namen auf – vorher war man unter diversen Bezeichnungen unterwegs gewesen, zur Zeit, als der legendäre Knut Rockne („Football is a game played with arms, legs and shoulders, but mostly from the neck up.“) dort coachte. Die Legenden ob des Ursprungs des Namens sind breit gestreut: Von einem irischen Terrier an der Seitenlinie über Schmährufe der Gegner über Abstammung von Universitätspräsidenten hin bis zur Assoziation von irischen Tugenden mit dem Kampfstil des Notre Damer Footballteams – die blanke Antithese zum Credo Rocknes übrigens – ist alles dabei.

Dabei hatte ich stets unerschütterlich an die Verbindung der sehr römisch-katholisch geprägten Republik Irland mit der landesweit als Katholikenschule bekannten University of Notre Dame geglaubt. Ein Irrglaube.

Sei’s drum. Vorschau zum sportlichen Teil der Veranstaltung für die nicht an Klickfaulheit Erkrankten und Neugierigen gibt es nebenan in der Sideline.

Penn State Nittany Lions – Ohio Bobcats

Heute, 18h LIVE bei ESPN America

Sideline

Penn State.
Ohio.

Fast zehn Monate nach Auffliegen des Sandusky-Skandals und runde siebeneinhalb Monate nach dem Tod von Joe Paterno werden die Pennsylvania State Nittany Lions zum ersten Mal seit 1965 eine Saison ohne einen Head Coach Paterno beginnen. Die möglicherweise nicht allzu lange „Ära“ Bill O’Briens beginnt auch offiziell, und sie beginnt unter keinem guten Stern: Den massiven NCAA-Strafen folgte im August ein Exodus vieler Leistungsträger, und es werden ein paar dürre Jahre in State College aufziehen.

Das Beaver Stadium wird übrigens mit 108.000 Zuschauern ausverkauft sein. Man hat schon erste Stimmen vernommen, dass das Tailgating dieses Jahr noch intensiver sein wird, weil die Spiele danach aufgrund eben jener Abgänge und der eh schon schwach besetzten Offense zu eher zähen Angelegenheiten zu verkommen drohen. Und ich meine auch gelesen zu haben, dass ein berühmter Fighting Song aus dem Programm genommen wurde.

Sportlich gespannter bin ich heute auf die Ohio Bobcats aus der kleinen MAC, denen einige eine fantastische Saison zutrauen und die möglicherweise hier nicht der große Außenseiter sind, den die Teamnamen suggerieren würden.

Nebraska Cornhuskers – Southern Miss Golden Eagles

Heute, 21h30 LIVE bei ESPN America

Nächstes Heimspiel in einer zumeist fantastischen Heimatmosphäre. Aus Omaha/Nebraska dringen immer wieder hymnische Gesänge auf die Fans durch und man erzählte mir, dass sich mal bei einem Heimspiel gegen Texas zu den 85.000 im Stadion noch mal 80.000 auf den Parkplätzen und Straßen um die Arena herum säumten – Zustände, die kriegt man hierzulande kaum beim EM-Halbfinale auf die Beine. In Omaha offenbar nah am Normalzustand.

Sportlich halte ich die Partie für ein Mismatch. Southern Miss hat seine Abwehr-Stärken eindeutig im Defensive Backfield. Dumm, dass Nebraska fast nie wirft, und immer mit dem Doppelkopfmonster QB Martinez/RB Burkhead daherrollt. Auf der anderen Seite darf man gespannt sein, wie die in den letzten zwei, drei Jahren doch arg dezimierte Husker-Defense heuer ausschauen, und heute getestet, wird.

Nebraska ist in den Wettbüros mit 20 Punkten favorisiert.

Michigan Wolverines – Alabama Crimson Tide

Heute Nacht, 02h00 LIVE bei ESPN America
Tape morgen 13h

Sideline

Michigan.
Alabama.

Das Spiel des Wochenendes, auf neutralem Boden live aus dem Cowboys Stadium nahe Dallas. Für Michigan ist es nur das erste von mehreren beinharten Begegnungen, weswegen viele den Wolverines heuer trotz gut ausschauendem Kader noch nicht den Schritt ganz nach oben in die Nähe der BCS-Trophäe zutrauen. Alabama hat aber einen nicht minder heftigen Schedule, kann sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch keine Niederlage leisten, wenn sie den Landesmeistertitel verteidigen wollen.

In der Vergangenheit zeigte sich bei direkten Duellen SEC vs. Big Ten häufig ein eklatanter Geschwindigkeitsunterschied zwischen den Kontrahenten. Während die Boliden aus der Big Ten zwar auch physisch gebaut sind, walzen die SEC-Dampfer gerne komplett drüber und entkräften den Gegner damit schrittweise. In den letzten beiden Jahren würgte Alabama zum Beispiel in der Regular Season komplett die Penn State Nittany Lions ab, und auch das komplett aus dem Ruder gelaufene Bowlspiel gegen Michigan State – auch keine Gurkentruppe – vor zwei Jahren (49-7 Sieg nach sieben Touchdowns in Serie) ist noch ganz tief im Gedächtnis verankert.

Wird für den pfeilschnellen QB Denard Robinson die vermutlich härteste Prüfung seiner bisherigen Karriere. Wenn eine Defense Robinson mit ihrem Speed Paroli bieten kann, ist es jene von Nick Saban. Und: Michigan hat seinen #1-RB Fitzgerald Touissant suspendiert.

Oregon Ducks – Arkansas State Red Wolves

Heute Nacht, 05h LIVE bei ESPN America

Zwei Stichworte dürften eigentlich genügen: Oregons Offense ist am Werkeln und bei Arkansas State gibt Offensivgenie Gus Malzahn sein Debüt. Dürfte sportlich eine eindeutige Sache werden, aber diese beiden Faktoren reichen aus, um das Spiel reinzuziehen. Und natürlich die neuen Trikots der Oregon Ducks – erstmals getragen für die Rose Bowl im Jänner und nun offenbar öfters zum Einsatz gekommen (hoffentlich auch die Helme). Oregon Ducks und ihre Trikots: Der einzige neumodische Kitsch, der wirklich gefällt.

ESPNA-Tapes von heute und morgen: Auftakt zum Labour Day-Weekend

Um 11h30 kommt CFL-Football mit Montreal – BC Lions, das Duell der beiden Divisionsführenden in Ost und West zum Auftakt des soganannten Labour Day Classic-Weekends, wenn stets die Rivals gegeneinander angesetzt werden. Montreals Hauptrivale, Ottawa, besitzt derzeit kein CFL-Team, weswegen man seit ein paar Jahren dann gegen BC spielt, die keinen historisch gewachsenen solchen besitzen. In Kanada spricht man von einer künstlich kreierten „Coast-to-Coast“-Rivalität.

Montreal mit 5-3 Siegen trotz negativer Punktebilanz, und BC mit 6-2 mit bester Defense ligaweit. Das Spiel hat auch deswegen einen Reiz, weil nächste Woche in der CFL alle vier Partien wieder gespielt werden, mit vertauschtem Heimrecht. (morgen abend gibt es dann den ersten großen Klassiker Saskatchewan – Winnipeg am Vorabend des kanadischen Labour-Days).

Die CFL hat dieser Tage auch deswegen ihren Reiz, weil vermehrt aus den NFL-Trainingslagern entlassene Spieler wieder in ihre „Heimat-Teams“ im hohen Norden zurückkehren.

Morgen früh noch um 10h30 als ESPNA-Tape Boston College vs. Miami Hurricanes, ein Spiel, das heute um 21h30 angesetzt war, und von dem ich überrascht bin, dass die Internetwahl der Fans nicht auf diese, sondern auf die Nebraska-Partie gefallen ist. Beide ACC-Unis stehen vor schwierigen Saisons. Boston College, weil die Stimmung am Boden liegt. Miami, weil keine Sau weiß, wann der Hammer der NCAA im Falle „Shapiro“ fallen wird. Und natürlich, weil die Offense mal wieder rundumerneuert wurde.

Alles weitere im Verlauf des Tages und/oder morgen.

Eier zu Ferragosto

Olympia 2012 haucht seinen letzten Atem aus, und Football rückt wieder etwas mehr in den Fokus. Mal ein Blick auf das Programm bei ESPN America in den nächsten Tagen.

CFL

Gleich um 10h30 kommt die Aufzeichnung von Edmonton – Saskatchewan. Die Roughriders stehen nach drei Auftaktsiegen nun nur noch mit 3-2 Bilanz da, aber es waren zwei haarscharfe Niederlagen (Overtime und einmal mit -1 Punkt verloren) und teilweise begeisternder Offensivfootball. Edmonton auf der anderen Seite kommt mit der aktuell vermutlich besten Defence daher, und mit einer beeindruckenden Heimbilanz gegen die Riders: 14 der letzten 16 Heimspiele gegen Saskatchewan wurden gewonnen, und BTW das einzige zu Hause noch ungeschlagene CFL-Team in diesem Jahr. Ob es dabei bleibt, darf als fraglich gelten: Edmontons halber Kader ist im Krankenstand. Das „Hinspiel“ vor rund einem Monat gewann Saskatchewan daheim in einer unansehnlichen Veranstaltung 17-1.

NFL-Preseason

Ich habe nun Ausschnitte von Pittsburgh – Philadelphia gesehen und mir vermerkt: Die Eagles-Secondary ist grausam. Ist das erste Spiel gewesen und noch alle Zeit der Welt, um das auszumerzen, aber wie aufgescheucht die Eagle-Abwehr ganz „hinten“ agierte, stimmt nachdenklich und lässt mit Blick auf einen der ganz großen Superbowl-Favoriten aufhorchen.

In der Nacht von Montag auf Dienstag 13./14.8. bringt ESPNA die Aufwärmpartie Oakland – Dallas. Es wird der erste Blick auf eine rundumerneuerte Raider-Franchise sein. Die einen Blicke richten sich auf die Offense: Was hat Greg Knapp, der einst Vick so böse vercoachte, mit Palmers deep threats vor? Die Defense ist auch eher ein Mysterium, nachdem ich von Dennis Allen kein wirkliches Profil im Kopf habe. Vielleicht gibt es erste Aufschlüsse. Das Spiel wird dann auch noch am Dienstag, 14.8. um 13h30 und am Mittwoch, 15.8. um 11h als Tape aufgezeichnet. Ich liebe freie Tage mitten im August.

CFL 2012 – Recap Week 2

(Vorsicht: Nachdem ESPN America noch nicht alle Spiele gezeigt hat, könnte der Artikel für manchen die Ergebnisse des Wochenendes spoilern)

Die bisherige CFL-Saison ist die Show der Returnspieler mit ihren auffällig vielen langen Returns. Das Gesetz der Serie besagt, dass sich der Trend nicht allzu lange fortsetzen wird, aber immerhin: Die Special Teams sorgen bisher für Wirbel und richtig, richtig ansehnliche Partien mit vielen Punkten in den ersten zwei Wochen CFL 2012.

Toronto Argonauts – Calgary Stampeders 39-36

Ich mag ja die Heimspiele der Toronto Argonauts nicht wirklich… Diese brutal tiefe Kameraposition, diese Anonymität durch die meterhohen Werbebanden hinter der Seitenlinie, und wenn die Kamera dann mal in die blauen Ränge schwenkt meist gähnende Leere auf den Tribünen. Aber dieses Spiel war dann doch Spektakel. Toronto war im Prinzip die über weite Strecken bessere Mannschaft mit der runder wirkenden Offence, während Calgary nach dem Ausfall vom Stamm-QB Tate im ersten Viertel Probleme hatte. QB Glenn erwies sich als nicht allerpräzisester Werfer unter der Sonne und neigte vor allem unter Druck dazu, die Eier die entscheidenden 15cm zu hoch für die Catches zu werfen. Toronto dominierte, erzwang mit seiner Defence auch die Turnovers, blieb aber immer und immer wieder tief in der gegnerischen Platzhälfte stecken und war zum Fieldgoalschießen gezwungen. Extravagant wurde es eingangs des Schlussviertels, als K Prefontaine ein Fieldgoal aus der Mitteldistanz (ca. 35yds) links neben den Pfosten setzte und #2 Larry Taylor das Ei in der eigenen EndZone aufnahm. Gefühlte zweieinhalb Stunden Slalomlauf und 125yds später hatte Taylor den Ball zum Ausgleichs-TD (29-29) zurückgetragen.

Was folgte, war fantastischer Football, von beiden Seiten mit viel Herz und zittrigen Knien gespielt. Fehler sind nicht selten die Grundlage für ein spektakuläres Spiel, und dieses war ein extrem spektakuläres. Zwei Plays nach dem Ausgleich warf Torontos QB Ricky Ray mit einer verteidigenden Klette am Wurfarm eine INT direkt in die Arme eines Abwehrspielers. Die durchaus mögliche Challange wurde von Torontos unerfahrenem, weil jungem, HeadCoach Scott Milanovich verschlafen, aber direkt im nächsten Play der zurückeroberte Ball nach einem Fumble des Calgary-QB Glenn. Toronto an der 10. Gegessene Sache?

Nope. Ein harter Hit an der GoalLine gegen den extra eingewechselten „Goal Line QB“ #12 Jackson und Turnover on Downs. Unter dem Eindruck von vieeeeeeeel Adrenalin zwei Plays später: QB Glenn noch beim Ausrichten seiner Receiver zu seiner Linken, und dann wird an der eigenen 5yds-Line der Ball zu früh gesnappt – Fumble und pures Glück, dass das kullernde Ei nicht vom Gegner aufgenommen wurde.

Toronto antwortete mit einem souveränen Drive, abgeschlossen von QB Ray mit einem famosen, gefühlvollen „Heber“ am Biergarten hinter der Seitenlinie vorbei in die EndZone, wo sich der Rookie #11 Inman mächtig streckte und artistisch die 36-29 Führung herbeicatchte. Vorbei war noch lange nix. 1:30 vor Schluss Punt für die Argonauts und erneut PR #2 Larry Taylor, diesmal 64yds in die Redzone, und ein Pass später der Ausgleich. Am Ende wurde K Prefontaine trotzdem zum Held, mit seinem sechsten Field Goal im achten Versuch an diesem Tag, mit auslaufender Uhr zum Sieg für Toronto.

Die Argonauts 2012 sind eine sehr gute Mannschaft. Die größten Schwachpunkte sind in der RedZone zu finden, aber immerhin: Sie gelangen bis dorthin, und zwar in fast jedem Drive. Die Stamps dagegen werden nun um ihren Stamm-QB Tate bangen. Es sah nach Schulterverletzung aus und es sah nicht danach aus, als könnte Tate schon kommendes Wochenende wieder zum Einsatz kommen.

Saskatchewan Roughriders – Edmonton Eskimos 17-1

Ein über weite Strecken unansehnliches Spiel von beiden Offenses, aber geprägt von einer feurigen Rider-Defense. Edmontons QB Jyles sah hinter einer schwachen Protection der Eskimos kein Land und war meist schon am Boden, bevor er überhaupt seinen Hals nach einem offenen Mann ausstrecken konnte. Aber Jyles ist auch nicht der Mann, der aus Nix was Produktives machen kann. Am vergangenen Freitag hatte ich spekuliert, wie lange es brauchen würde, bis Jyles gebencht wird. Antwort: Eineinhalb Spiele. In der zweiten Halbzeit kam der alte Mann, QB Kerry Joseph (ehemaliger Safety der Seattle Seahakws und als QB Greycup-Champ mit Saskatchewan), brachte letzten Endes aber auch nicht viel mehr zustande. Die Roughriders waren in der Offense allerdings auch recht blutleer und QB Durant mit vielen sehr ungenauen Würfen. So kam die Entscheidung erst im Schlussviertel mit zehn Punkten für Saskatchewan.

Montreal Alouettes – Winnipeg Blue Bombers 41-30

Für beide Teams war es eine Steigerung gegenüber der ersten Woche. Montreals Offence bestand primär aus dem SB Whittaker (98yds Rushing, 137yds Receiving, 3 TD), während bei Winnipeg insbesondere der gescholtene, weit verletzungsanfällig QB Buck Pierce einen Aufwärtstrend erkennen ließ und keinen Scramble scheute. Am Ende setzte sich die reifere Mannschaft durch.

BC Lions – Hamilton Tiger-Cats 39-36

Ein Spiel der Serien: Erst fuhr BC über die Ticats drüber und führte schon 33-14, dann kam Hamilton zurück und wäre das Spiel noch zwei Minuten länger gegangen, BC hätte das glatt noch verloren. Hamilton galt nach vielen teuren Einkäufen als großes Versprechen für dieses Jahr, und im Gegensatz zur insgesamt enttäuschenden Vorstellung gegen Saskatchewan war das diesmal eine vergleichsweise bombenstarke Leistung. Die Defence würgte BC mit ihrem Super-QB Lulay komplett ab (Lulay mit keinen 50% Completion Rate), war allerdings weich wie warme Butter gegen den Lauf (serienweise 10yds-Runs für BC). Im Angriff sahen wir einen deutlich sicherer wirkenden QB Henry Burris und das eine oder andere Big Play. Insgesamt wirkten beide Teams auf Augenhöhe.

Noch nicht allzu aussagekräftige Zwischenstände in den Tabellen:

Osten

Toronto  1-1
Montreal 1-1
Winnipeg 0-2
Hamilton 0-2

Westen

Saskatchewan 2-0
BC Lions 2-0
Edmonton 1-1
Calgary 1-1

CFL 2012 nach dem Canada Day – Der Westen

Nach dem Osten am gestrigen Donnerstag heute der Blick auf die West-Division, nicht ohne einen Verweis auf die heutige Liveübertragung bei ESPN America: BC Lions gegen die Hamilton Tigers (Fr/Sa 6./7.7. um 4h). In der Nacht von Samstag auf Sonntag (7./8.7. um 5h) wird es ein Tape von Montreal – Winnipeg geben, am Sonntag, 10h30 ein Tape von Toronto – Calgary. Und damit wir den kompletten Schwung vom kommenden Wochenende abgearbeitet hätten, folgt am Donnerstag, 20h Saskatchewan – Edmonton als ESPNA-Tape. Lieber in tabellarischer Form? Bitte:

Fr/Sa 7./ 8.7.  04h   LIVE BC Lions - Hamilton
Sa/So 8./ 9.7.  05h   Tape Montreal - Winnipeg
So        9.7.  10h30 Tape Toronto - Calgary
Do       12.7.  20h   LIVE Saskatchewan - Edmonton

Und damit zur Vorstellung der Western Division, jener Division, die man eigentlich deutlich schwächer als den Osten eingeschätzt hatte, der aber am Kickoff-Wochenende vier von vier Partien holte – will noch nicht viel heißen, war aber mal ne Ansage.

Saskatchewan Roughriders

Die Saskatchewan Roughriders sind das möglicherweise populärste CFL-Team, die Green Bay Packers des Nordens, weil sie als einzige CFL-Franchise wie das Pendant aus Wisconsin noch ihren Fans gehören. Ein eigenartig sympathischer Verein, mit einem frenetischen Publikum („Rider Nation“) auf zwei riesigen Haupttribünen im Heimstation, bis zur Trikotüberholung zur Saison 2012 in einem Outfit aus den 80ern (des 18ten Jahrhunderts) angetreten – allein, diese wunderschönen weißen Helme vom Eröffnungsspiel scheinen in Zukunft wieder bloß zu besonderen Anlässen getragen zu werden.

Besondere Anlässe gab es in der ewigen Historie der über 100 Jahre alten Roughriders, des gesamtem Stolzes dieses Bundesstaates, nur wenige: Nur drei Grey Cups wurden gewonnen, aber seit 2007 war man dreimal im Endspiel (ein Sieg). 2011 waren die Riders aber wieder Divisionsschlusslicht mit 5-13 Saisonsiegen und zwei Trainerwechseln.

Zur neuen Saison steht mit Corey Chamblin ein junger, schwarzer neuer Head Coach in den Startlöchern, und Chamblin machte sich gleich unbeliebt, als er die Fans von zwei Trainingssessionen aussperrte – ein Unding in einer Liga, die mit dem Slogan „This is Our League“ wirbt und ein Team, das noch immer den Fans gehört.

Es war nicht Chamblins einziger Move: Der populäre, weil kanadische, WR Andy Fantuz wurde gen Hamilton ziehen gelassen und die Offensive Line wurde komplett umgebaut. Auf der Habenseite holte man sich mit DE Odell Willis vom Erzfeind Winnipeg („Banjo Bowl“) einen gefährlichen Mann. „Gefährlich“ auf dem Feld, aber eben auch im Nachtleben. Willis soll einen lendenlahmen Passrush verstärken.

In der Offense setzt Chamblin weiterhin auf den markanten QB Darian Durant. Nicht gebaut wie ein prototypischer Quarterback (Österreicher würden sagen „a Bröckerl“), besitzt Durant eine Granate von Wurfarm und scheut vor keinem Scramble zurück, ist aber anfällig gegen hirnlose Würfe in Doppeldeckungen und an schlechten Tagen (wie so häufig 2011) gut für eine Handvoll Interceptions. Durants #1-Waffe wird der ehemalige Superbowl-Champ WR Sinorice Moss (ex-Giants) sein, ein Mann, der in Kanada noch nicht allzu viele Leute überzeugt hat.

Edmonton Eskimos

Die Fragezeichen in Edmonton richteten sich vor dem Saisonstart auf die QB-Position, wo mit Ricky Ray der langjährige Franchise-QB und Grey-Cup MVP für Draftpicks und den durchschnittlichen QB Steve Jyles verhökert wurde. Der schlechten Stimmung arbeitete am letzten Wochenende dann just ein Heimsieg über Rays neues Team, die Argonauts, entgegen, und GM Eric Tillman ist vorerst aus dem Schneider.

Jyles ist ein double threat mit viel „double“ und mäßig viel „threat“, und könnte mit dem ehemaligen Superstar-QB Kerry Joseph im Nacken schneller als erwartet in alte Verhaltensmuster zurückfallen und Fumbles und INTs produzieren. Jyles wird dazu der Erfahrung nach Hilfe der aufgejazzten Wide Receivers und der Defence brauchen.

Calgary Stampeders

In Calgary ist mit John Hufnagel ein alter Bekannter aus der NFL am Kommandostand (Gm und Head Coach in Personalunion). Hufnagel hatte gemischte NFL-Aufenthalte, gilt in Kanada allerdings als Koryphäe, ist mit Calgary jedes Jahr einer der Topfavoriten, und gilt als durchaus mutiger Coach (u.a. den 1st round pick 2012 sofort nach der Einstellung wieder entlassen).

2011 sägte Hufnagel den populären QB Henry Burris – immerhin ein Grey Cup Sieger unter Hufnagel 2008 – ab und übergab an den jungen Drew Tate, der prompt einschlug und kaum Anpassungsschwierigkeiten zeigte. Tate (spielte am College in Iowa) hat einen beliebten, weil sehr kanadisch, geprägten WR-Corp zur Verfügung. Fragezeichen hinterlässt allerdings die Defence, deren Pass Rush nicht überzeugend ist.

BC Lions

Der Titelverteidiger. 2011 war eine famose Saison von Seiten der BC Lions aus Vancouver, die sich von einem bodenlosen Saisonstart (0-5 mit vier Niederlagen innerhalb eines Scores) nicht verrückt machen ließen, das Schicksal drehten und am Ende neun von zehn Spielen zum Playoffeinzug inklusive „Heimsieg“ im Grey Cup gewannen.

Als Konsequenz trat der italokanadische Chefcoach Pasquale „Wally“ Buono nach dem Finale zurück und konzentriert sich nun nach neun Jahren Doppelfunktion auf seinen Posten als General Manager. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Sportlich auf dem Thron abmarschiert und nun mit dem neu renovierten „BC Place“ ein fantastisches neues Heimstadion am Start.

Mit Mike Benevides ist nun Buonos Lieblingsschüler neuer Cheftrainer und unter Benevides wird selbige Erfolgsstrategie wie in den letzten Jahren fortgefahren: Passspiel, Passspiel, Passspiel. Im vergangenen Sommer schoss QB Travis Lulay aus dem Nichts hervor und sorgte mit ästhetisch wunderschönem Spiel für offene Mäuler. Lulays Top-Waffe ist der steinalte WR Geroy Simon, seit vergangenem Wochenende der „Jerry Rice der CFL“ als neuer ewiger Bester der Yards-Liste.

In der Defense riskierte man den Abgang einiger Schlüsselspieler gen NFL, konnte sich am Ende aber relativ schadlos halten (nur LB Elimimian ging nach Minnesota) und erreichte das erklärte Ziel, das Defensive Backfield physisch zu verbessern (1cm mehr Durchschnittsgröße, 2kg mehr Hüftspeck).

CFL 2012 nach dem Canada Day – Der Osten

Um zum Einstieg dogfood von Allesaussersport zu recyclen:

Ich habe für die CFL einen ganz großen, weichen Fleck in meinem sonst harten Herzen. Das ganze CFL-Ambiente strahlt eine sympatische Kuscheligkeit aus. Das Land Kanada, der Sommer. Der Versuch diese Profiliga mit wenig Resourcen gegen das Monster aus dem Nachbarland NFL aufrecht zu erhalten. Diese leicht freakigen Regeländerungen. Namen, teilweise verbrannte NFL- oder College Football-Talente die wieder auftauchen. Alles andere als glamourös, aber irgendwie freut man sich jedes Jahr darauf, alte Bekannte wieder zu sehen.

Ein Absatz, der genau so unterschrieben werden will, und es seien noch was ergänzt: Diese wunderschönen, uralten Stadien aus den 50ern mit ihren kilometerlangen Haupttribünen. Die völlige Unberechenbarkeit vor jedem Saisonstart. Die Saskatchewan Roughriders mitten aus der kanadischen Tundra, diese „Packers des Nordens“ mit ihrem leidenschaftlichen, allen Wettern trotzdenden Publikum. Das ist Football auf die bodenständige Art.

Eine erklärende Einführung zur Canadian Football League habe ich am Montag gegeben. Die Einträge zur aktuellen Saison werden unter dem Schlagwort „CFL 2012“ zu finden sein. Ich hoffe sehr, die aktuelle Saison etwas stärker begleiten zu können als in den vergangenen Jahren. Zum einen, weil ESPNA wieder eingestiegen ist. Zum anderen, weil die CFL heuer einen Hauch von Aufbruch versprüht, nachdem am Saisonende der einhundertste Grey Cup ausgetragen wird, mit großen, tagelangen Feierlichkeiten rund um den Austragungsort Toronto.

Heute: Die Eastern Division in der Vorstellung. Jene Eastern Division, die über Jahre als Domäne der Montreal Alouettes galt, aber zu Beginn dieser Saison erstmals seit längerer Zeit als wirklich ausgeglichen und dem Westen deutlich überlegen angesehen wird… und dann verloren am vergangenen Wochenende just alle vier Ost-Teams gegen die Konkurrenz im Westen.

Toronto Argonauts

Für die wirtschaftlich schwache CFL sind die Argonauts aus der Millionenmetropole Toronto die Schlüssel-Franchise schlechthin – dumm bloß, dass just jene Argonauts seit Jahren im unteren Mittelfeld kränkeln und mit dem unpopulären Rogers Centre (ehemals „SkyDome“) und einem faulen Publikum (schlechtester Zuschauerschnitt der Liga) zu kämpfen haben. Da man stadtintern wenigstens einmal pro Saison Konkurrenz von den Buffalo Bills aus der NFL hat und die eigenen – zweifelhaften – Werbeaktionen verpuffen, steht die Mannschaft in dieser Saison auch aufgrund des wichtigen Finale dahoam besonders unter Druck.

Dafür hat man nach einer schwachen Saison 2011 (mit 6-12 die zweitschlechteste Bilanz der CFL) in der Offseason mächtig umgestellt. Jim Barker beförderte sich vom Chefcoach/GM zum alleinigen General Manager und kaufte mit dem 38jährigen Scott Milanovich den jungen OffCoord der Montreal Alouettes als Head Coach ein.

Und Milanovich, der Architekt einer der über Jahre besten Angriffe in Montreal, bekam Spielzeug. Die Quarterbacks Lemon/Jyles wurden entsorgt und im Gegenzug in einem viel diskutierten Trade der 32jährige QB Ricky Ray (2x Grey Cup Champ) aus Edmonton geholt, einer der wenigen veritablen „Franchise-Spieler“ in der CFL. Man erwartet, dass die Offense mit Milanovich, Ray und einem ausgeglichenen WR-Corp schnell wiederbelebt werden kann.

Die Defense schaut personell etwas ausgedünnt aus, dürfte aber allein durch die Verpflichtung des schenialischen DefCoords Chris Jones (aus Calgary) ein paar Prozentpunkte an Qualität zulegen können (die Front-7 sah schon mal ganz ordentlich aus).

Toronto ging am letzten Wochenende allerdings ausgerechnet in Edmonton (Rays letzte Station) 15-19 baden, aber nicht aller Tage ist noch Abend: Trotz einer insgesamt horrenden Vorstellung der Offensive Line war wenigstens die zweite Halbzeit von der Offence richtig ansehnlich und machte Hoffnung, aber Milanovich wird nach einer fassungslosen Unzahl an Penalties noch an der Disziplin seiner Truppe arbeiten müssen.

Hamilton Tiger-Cats

Nicht nur die Argonauts treten mit neuem Chefcoach und neuem QB an, sondern auch deren nächster Lokalrivale aus Hamilton (ca. 75km süd-westlich von Toronto), die Tiger-Cats (zum Fachsimpeln bitte: „Ticats“), wo nach drei Jahren Stagnation (9-9, 9-9, 8-10 mit Playoffsieg) zur Komplettrasur angesetzt wurde.

Marcel Bellefeuille wurde durch den neuen Head Coach George Cortez ersetzt und Cortez fackelte nicht lange. Nicht nur der charismatische Oldie QB Henry „Smilin’ Hank“ Burris ist in der Arbeiterstadt Hamilton neu am Werkeln, sondern nach dem Austausch fast aller Skill Players und einiger zentraler Figuren in der Defense eigentlich der komplette Mannschaftskern. Wobei „neu“ bei vielen Einkäufen mit bereits geschehener Vorwahlwechsel (auf die „3“) auch ein fragwürdiger Begriff ist. So viel Umbruch für Hamilton nach dem ersten Playoffsieg seit Äonen!

Burris und Cortez sind alte Bekannte (2008 gewann man gemeinsam mit Calgary den Grey Cup). Burris soll im Spätherbst seiner Karriere noch einmal zünden, weswegen man zusätzlich zu den blutjungen Granaten-WRs Chris Williams & Bakari Grant auch noch eine Ikone aus Saskatchewan eingekauft hat: WR Andy Fantuz. Man erwartet von den Ticats nichts anderes als ein Passfeuerwerk, nachdem das Laufspiel auf den alternden Schultern von RB Avon Cobourne (früher in der NFLE) liegt: Der junge Hoffnungsträger Martell Mallett hat sich jüngst den Knöchel gebrochen. Und sollte Burris nicht zünden, so steht der während der Vorbereitung verpflichtete QB Dan LeFeveaur bereit, den man noch aus College (ehemalige TD-Rekordler) und NFL kennt.

Das Auftaktspiel gegen Saskatchewan bescherte allerdings eine Blamage (16-43 Pleite). Aber auch hier gilt: Vorschnelle Schlüsse sind unangebracht, da das Passspiel durchaus über weite Strecken klickte. Die Probleme lagen mehr in der Abwehr, wo die für ihre harten Hits berüchtigten Linebackers um den neuen Stareinkauf Kevin Eiben zahm wie meine drei Wochen alten Kätzchen blieben.

Montreal Alouettes

Die Als dürfen sich als die sportlich beste Franchise der letzten CFL-Saisons sehen, und ein Mann steht dabei permanent im Mittelpunkt: Der erfolgreichste Quarterback aller Zeiten und schon im vierten Frühling, Anthony Calvillo. Dem Mann, der schon zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs Touchdowns warf, hat Michael Weinreb zum Yards-Rekord im vergangenen Oktober einen faszinierenden Artikel bei Grantland gewidmet – unbedingt lesenswert!

Mit weit über 5000yds in der abgelaufenen Saison, mit 32 TD und nur 7 INTs bei den mit Abstand meisten Passversuchen ligaweit, gehört Calvillo auch mit bald 40 Lenzen immer noch zur Créme de la Créme. Heuer muss er allerdings auf zwei wichtige Kollegen verzichten, den zurückgetretenen WR Kerry Watkins und den OffCoord Milanovich (wie oben geschrieben nun Chefcoach in Toronto).

Das entscheidende Duo neben Calvillo ist aber noch da: GM Jim Popp und der souveräne Head Coach Marc Trestman, unter dem Montreal sich von einem langjährigen Anwärter zu dem dominanten Team schlechthin gewandelt hatte – so dominant, dass das Playoffaus 2011 wie eine Katastrophe bejammert wurde.

Die Offence wird – man lasse sich von der blutleeren Vorstellung bei der hohen Schlappe gegen Calgary am ersten Spieltag nicht täuschen – passen. Dafür bürgen neben Calvillo vor allem eine breit gefächerte Armada um den MVP-Kandidat SB Jamel Richardson und den Rookie-RB Patrick Lavoie – so viel kann der blutjunge OffCoord Marcus Brady da gar nicht falsch machen, dass dieser Angriff nicht wieder über 25pts/Spiel scort.

Aufgabe der Defence um den ebenso neuen DefCoord Jeff Reinebold wird sein, „bend but don’t break“ zu spielen und sich nach einer radikalen Verjüngungskur bis in die Spätphase des Trainingslagers hinein einigermaßen durchzulavieren.

Winnipeg Blue Bombers

(WirsprechennunüberdenGejagtenimOstenindieserSaison) Die Defence war 2011 der wichtigste Faktor hinter dem völlig überraschenden Finaleinzug der Winnipeg Blue Bombers. Ohne Erwartungen in die Saison gestartet, aber dann dank der stolzen „Swaggerville“-Defence mit ihren unglaublich vielen Turnovers durchmarschiert und erst im Grey Cup gestoppt – der eigenwillige Head Coach Paul LaPolice legte 2011 in seinem ersten Jahr die Messlatte gleich mal ganz oben an.

Dass der Erfolg auf schwer wiederholbaren Faktoren (Turnovers!) fußte, könnte für den streitbaren LaPolice durchaus schneller als gedacht zum Problem werden, nachdem in der Abwehr auch noch der beste Pass Rusher, DE Odell Willis, bedenkenlos ziehen gelassen wurde. Überhaupt sieht die Front-7 nach zahlreichen Abgängen und Rücktritten ziemlich ausgedünnt aus, und einzig DB Jovon Johnson bekam einen neuen, teuren Vertrag.

Die Defence muss ihren Level wohl oder übel halten, da sie eine grenzwertige Offence durchschleppen muss. Dort ist mit dem neuen OffCoord Gary Crowton ein Mann am Werkeln, der das Passspiel am liebsten abschaffen würde und deshalb bereits mit Cheffe LaPolice in die Quere gekommen ist.

QB Buck Pierce ist meistens nach nur drei Spielen auf der Verletztenliste (harhar, diesmal schon die ersten Wehwehchen nach dem ersten Spiel), aber dank zahlreicher Kampfspiele und begeisternder „No risk, no fun“-Pässe zum absoluten Fanliebling mutiert. Vor der Auswechslung wegen Knieproblemen am ersten Spieltag produzierte Pierce sagenhafte 3 von 9 für 11yds.

Die Probleme sind nicht allein am QB auszumachen. Die Offence Line machte im Eröffnungsspiel einen verheerenden Eindruck und das Laufspiel liegt in den Beinen des blanken Notnagels Bloi-Die Dorzon (Samstag: 4 Carries für 5yds), nachdem der langjährige RB Reid nach Kreuzbandriss entlassen und dessen junger Nachfolger RB Chris Garrett sich 72h vor Saisonbeginn im Training die Achillessehne riss – out for the season… Mal sehen, ob sich die Wut der ewig Unterschätzten aus Winnipeg in positive Energie auf dem Spielfeld umwandeln lässt.

Back to Business, mit Eiern aus dem Norden und weiblichen Frequenzen aus dem Süden

Das Ende der Fußball-EM markiert gleichzeit das Wiedererwachen des Sideline Reporter-Blogs, der nach selbstauferlegter Sommerpause mit der Footballsaison am Horizont wieder Fahrt aufnehmen wird.

Die ersten Eier fliegen schon

Am vergangenen Freitag hat die CFL-Saison 2012 begonnen. „CFL“ wie „Canadian Football League“, nicht zu verwechseln mit dem US-Pendant. Denn obwohl sich haufenweise ehemalige Studenten aus US-Colleges in der CFL tummeln, sprechen wir bei „CFL“ nicht von American, sondern von Canadian Football. Das heißt: Anstelle von vier Downs nur drei Downs, dafür 12 statt nur 11 Spieler auf dem Platz. Drei Downs bedeutet in Theorie und Praxis: Laufspiel wird im Vergleich zur NFL entwertet, dafür sieht man teilweise richtige Pass-Orgien und viel mehr Risiko, was im Umkehrschluss zu einer Aufwertung von Special Teams führt, die bei den meist kurzen Drives viel häufiger zum Einsatz kommen. Für zusätzliche Action sorgt die Bewegungsfreiheit der Spieler vor dem Snap, weshalb Spielzüge schwer antizipierbar sind und sich an der Anspiellinie oft geselliger Knuddelmuddel abspielt.

12 Spieler statt 11, dafür aber auch ein größeres Spielfeld: 110yds lang plus jeweils 20yds in jeder Endzone, macht eine Gesamtlänge von 150yds. Die Torpfosten stehen in etwa da, wo sie vor Urzeiten auch in der NFL gestanden hatten: Nahe der Goal Line, in der EndZone.

Canadian_football_field CFL

Ausmaße eines CFL-Spielfelds (via Wikipedia)

Gepunktet wird wie in der NFL mit dem Zusatz eines Singles (offiziell bitteschön: rogue), eine Situation, die einem Safety ähnelt mit dem Unterschied, dass beim Safety die Offence snappt, beim Single hingegen die ballführende Mannschaft den Ball von einem Kick/Punt annimmt. Ein Single ist – völlig überraschend – einen Punkt für die verteidigende (bzw. kickende) Mannschaft wert. Die Two-Point-Conversion nach dem Touchdown findet außerhalb der 5yds-Line statt.

Zeitmanagement in der CFL ist ein wichtiger Faktor, da jede Mannschaft nur ein Timeout besitzt und nur 20 Sekunden zwischen den Snaps bekommt, was für einigen optischen Thrill sorgt.

Und dann wäre noch, aufmerksame Leser werden es schon gemerkt haben, die unterschiedliche Schreibweise: Offence und Defence.

Die aktuelle Saison

Die Saison 2012 ist etwas Besonderes, weil am Saisonende der 100te Grey Cup ausgespielt wird. Der Grey Cup ist die älteste Football-Trophäe Amerikas, und wie zur ersten und 50ten Auflage wird der Grey Cup 2012 in Toronto ausgespielt werden. Dumm ist da höchstens, dass in der CFL mit ihren acht Teams sechs Teams die Playoffs erreichen. Das heißt: Nach 18 Spielwochen scheiden erstmal nur zwei Teams aus. Im letzten Jahr waren die heimischen Toronto Argonauts eines von ihnen…

Wo kann ich die CFL sehen?

Nach mehreren Jahren Abstinenz ist ESPN America in der laufenden Saison wieder mit von der Partie (offizielle ESPNA-Seite zur CFL) und wird eine ganze Reihe an Live- und „As live“-Spielen zeigen. Zum Beispiel in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch 3./4.7. die Partien BC-Winnigpeg (02h) und das Eröffnungsspiel Hamilton – Saskatchewan (05h), mit den Roughriders in einer ungewohnten weißen (diese Helme!) Trikotkollektion. Auf offiziellem Wege gibt es weiters die „As live“-Tapes auf der Homepage vom Broadcaster TSN.com. – mehr Bilder, höhere Wahrscheinlichkeit, dass es heuer auf diesem Blog mehr von der CFL als im vergangenen Jahr geben wird.

Mehr zur Canadian Football League und zur neuen Saison auf alle Fälle in Kürze.

Directly from Bloomington, Indiana

ESPN hatte Erin Andrews. NBC hat Alex Flanagan. Unsere neue Sideline Reporterin wird Sabine sein, von der wir unter dem vielsagenden Pseudonym Seminole an dieser Stelle schon das eine oder andere Mal lesen durften.

Seminole ist eine Ehemalige der Florida State University und seit einiger Zeit mit Unterbrechungen arbeitend in Bloomington/Indiana unterwegs, der Heimat der Indiana University und damit auch der geschätzten Kelley School of Business. Seminole wird in homöopathischen Dosen aus den Staaten berichten.

Ein paar Meilen weiter wird in Indianapolis das größte Quarterback-Talent seit Ewigkeiten seinen NFL-Einstand geben, und Seminole ist darüber hinaus stets bestens über College Football und dessen Drumherum (sprich: Death for the BCS) und insbesondere die Florida State Seminoles informiert. Bisherige Einträge ihrerseits gibt es hier.

Der Rest wird bleiben wie gehabt: Meinungsstark. Selbstverliebt. Egozentrisch. Und immer mit dem Herzen für die Underdogs. Für Underdogs wie unseren Freund, den Rhino. (/via Smart Football)

Die beste Footballwoche des Jahres (UPDATE)

Ausgedehntere Previews werden folgen. Vorab nur so viel: Die vier Tage hin zum letzten Novemberwochenende sind Jahr für Jahr ein persönlicher Favorit.

  • Thanksgivingspiele in der NFL.
  • Black-Friday und „Rivalry Weekend“ im College Football.
  • Grey Cup in der Canadian Football League.

Im Prinzip kann man morgen, 18h30 die Glotze anwerfen und bis Dienstagabend nur Live- und As-Live-Spiele schauen. Oder zur Abwechslung auf die Homepage von TSN gehen, um den Live-Stream des Grey Cups zu gucken (könnte funktionieren, Link folgt weiter unten).

Die CFL ist heuer auf diesem Blog sehr kurz gekommen. Das hatte seine Gründe: ESPN America bringt keine Spiele und Tapes mehr. Und mir fehlte schlicht die Zeit, noch irgendwo die bei TSN abgeladenen Aufzeichnungen reinzuziehen. Hätten die Saskatchewan Roughriders vorne mitgemischt, vielleicht hätte ich mehr Interesse an der CFL 2011 gefunden. Weil aber manchmal ganz tief aus dem Inneren der Erfolgsfan durchschimmert und Saskatchewan heuer ungewohnt abschmierte, blieben die Streams schwarz.

Sonntag/Montag um 0h30 spielen die Winnipeg Blue Bombers die B.C. Lions aus Vancouver um den 99. Grey Cup, die älteste noch existierende Footballtrophäe der Welt. Ein Hingucker dürfte der wunderschöne, renovierte BC Place sein. Winnipeg erlebte heuer eine Cinderella-Saison, gewann völlig überraschend den Osten mit seiner defensiven Spielweise, verlor gegen Ende der Regular Season seinen Rhythmus (7 der letzten 10 Spiele verloren), putzte allerdings vor wenigen Tagen in klirrender Kälte die heißen Hamilton Tiger-Cats mit einer fulminanten Defensivleistung. Ganz anders kommen die Lions daher, die nach 1-6 Start mal eben 10 der letzten elf Spiele holten, unter anderem dank des effizienten Quarterbacks Travis Lulay (nur 58% completion Rate, aber 32:11 TD/INT-Verhältnis). In der Frühphase der Regular Season trafen die beiden Teams schon zweimal aufeinander. Beide Male gewann Winnipeg – der Aggregatzustand beider Teams hat sich allerdings seit August mächtig verändert.

Am Sonntag während der Conference-Finals soll die Geolocation keinen Fehler angezeigt haben – nicht ausgeschlossen, dass der offizielle TSN-Stream bei uns funktionieren wird. Der Kundendienst hat keine Auskunft gegeben. Hier geht’s zum offiziellen Stream. Wer nur die Aufzeichnung „as-live“ vom Grey Cup oder einem Großteil der weiteren Spiele sehen will: Hier entlang (Rubrik „Video Library“/“CFL on-demand“). Alles offiziell abgesegnet. (***)

Ich habe nun die Rückantwort aus der TSN-Zentrale bekommen:

Hi xxx,

The live stream is only available in Canada.
The game will be available on-demand at the conclusion of the live broadcast on TSN.ca

Thanks,

xxx
TSN Audience Relations

Also wohl kein offizieller Livestream über die TSN-Homepage außerhalb Kanadas.

Zum restlichen TV-Programm, wie es sich heute, Mittwoch 18h30 präsentiert:

Donnerstag

14h30 CFB Tape ESPNA: Stanford – Cal (von letzter Woche)
18h30 NFL live ESPNA/SPORT1+: Detroit – Green Bay
21h30 NFL live ESPNA/SPORT1++: Dallas – Miami
02h00 NFL live ESPNA/SPORT1+: Baltimore – San Francisco

Freitag

08h25 NFL Tape SPORT1+: Baltimore – San Francisco
09h30 CFB Tape ESPNA: Alabama State – Tuskegee (“Turkey Day Classic“)
12h00 NFL Tape ESPNA: Baltimore – San Francisco
14h30 CFB Tape ESPNA: Texas A&M – Texas
18h30 NFL Tape SPORT1+: Baltimore – San Francisco
21h30 CFB live ESPNA: Louisiana State – Arkansas
01h00 CFB live ESPNA: West Virginia – Pitt
04h15 CFB live ESPNA: Arizona State – Cal

Samstag

07h30 CFB Tape ESPNA: Nebraska – Iowa
10h00 CFB Tape ESPNA: Miami/FL – Boston College
12h30 CFB Tape ESPNA: Arizona State – Cal
15h00 CFB live ESPNA: College GameDay aus Auburn
18h00 CFB live ESPNA: Michigan – Ohio State („The Game“)
21h30 CFB live ESPNA: Auburn – Alabama („Iron Bowl“)
02h00 CFB live ESPNA: Stanford – Notre Dame

Sonntag

07h00 CFB Tape ESPNA: Georgia Tech – Georgia („Clean, Old-Fashioned Hate“)
09h30 CFB Tape ESPNA: Wisconsin – Penn State
12h00 CFB Tape ESPNA: Stanford – Notre Dame
19h00 CFB Tape Eurosport2: Indiana – Purdue („Old Oaken Bucket“)
19h00 NFL live ESPNA: NY Jets – Buffalo
22h15 NFL live ESPNA: Oakland – Chicago
23h15 NFL Tape PULS4: Philadelphia – New England
02h20 NFL live ESPNA: Kansas City – Pittsburgh (SNF)

Montag

10h30 NFL Tape ESPNA: NY Jets – Buffalo
12h30 NFL Tape ESPNA: Oakland – Chicago
14h30 NFL Tape ESPNA: San Diego – Denver
16h30 NFL Tape ESPNA: Philadelphia – New England
02h30 NFL live ESPNA: New Orleans – NY Giants (MNF)

Ich liebe diese Woche.

CFL 2011 Overview

Mit wenig Getöse startet heute die Canadian Football League (CFL) in ihre 58. Saison (offiziell ist es Saison #54). Die Canadian Football League ist die kanadische Version der NFL, geschrumpft um ein paar Dimensionen und vor allem: Viel ruhiger und anonymer.

Die Saison zieht sich wie die NFL über fünf Monate, vom Wochenende um den Canada Day (1.7.) bis zum letzten Wochenende im November, wo im Grey Cup der CFL-Champion ausgespielt wird. Grey Cup ist die kanadische Version der Superbowl – und man addiere ein paar Jahrzehnte Tradition: Heuer wird die Trophäe zum 99. Mal ausgespielt.

Canadian Football

Obwohl sich haufenweise ehemalige Studenten aus US-Colleges in der CFL tummeln, sprechen wir bei „CFL“ nicht von American, sondern von Canadian Football. Das heißt: Anstelle von vier Downs nur drei Downs, dafür 12 statt nur 11 Spieler auf dem Platz. Drei Downs heißt: Laufspiel wird im Vergleich zur NFL entwertet, dafür sieht man teilweise richtige Pass-Orgien und viel mehr Risiko, was im Umkehrschluss zu einer Aufwertung von Special Teams führt, die bei den meist kurzen Drives viel häufiger zum Einsatz kommen. Für zusätzliche Action sorgt die Bewegungsfreiheit der Spieler vor dem Snap, weshalb Spielzüge schwer antizipierbar sind und sich an der Anspiellinie oft geselliger Knuddelmuddel abspielt.

12 Spieler statt 11, dafür aber auch ein größeres Spielfeld: 110yds lang plus jeweils 20yds in jeder Endzone, macht eine Gesamtlänge von 150yds. Die Torpfosten stehen wie früher in der NFL in der Endzone, nahe der Goal Line.

Canadian_football_field CFL

Gepunktet wird wie in der NFL mit dem Zusatz eines Singles (offiziell bitteschön: rogue), eine Situation, die einem Safety ähnelt mit dem Unterschied, dass beim Safety die Offence snappt, beim Single hingegen die ballführende Mannschaft den Ball von einem Kick/Punt annimmt. Ein Single ist – völlig überraschend – einen Punkt für die verteidigende (bzw. kickende) Mannschaft wert. Die Two-Point-Conversion nach dem Touchdown findet außerhalb der 5yds-Line statt.

Zeitmanagement in der CFL ist ein wichtiger Faktor, da jede Mannschaft nur ein Timeout besitzt und nur 20 Sekunden zwischen den Snaps bekommt, was für einigen optischen Thrill sorgt.

Und dann wäre noch die unterschiedliche Schreibweise: Offence und Defence.

CFL im TV

Für NFL-Network-Abonnenten: NFLN zeigt pro Woche zwei Spiele live. Einen Sendeplan der ersten Wochen gibt es an dieser Stelle. Ansonsten wird auf ESPN America leider schon seit Jahren nichts mehr gezeigt, dafür kann man auf der Homepage des kanadischen Sportsenders TSN die Spiele in sehr guter Qualität und in voller Länge on demand anschauen – gratis. Meistens stehen die Spiele schon kurz nach Ende online.

CFL – Status neo

Die 4 Regeländerungen auf dem Spielfeld sind auf den ersten Blick recht marginal und beschränken sich auf die seit Jahren praktizierte inkrementelle Erweiterung des Video-Reviews, auf den jedes Jahr ein ganz klein bisschen verbesserten gesundheitlichen Schutz der Spieler und out-of-bounds Punten.

CFL – Status quo

Die Liga verharrt weiterhin in ihrem gemütlichen Dasein, was angesichts der Fast-Pleite nach einer konzeptlosen US-Erweiterung in den 90ern nicht die allerschlechteste Strategie ist. Allerdings schwebt das Damokles-Schwert „NFL in Toronto“ immer noch (und vermutlich noch eine Weile lang) über der CFL. Sollten die Buffalo Bills (oder irgendeine andere NFL-Franchise) in den Kernmarkt der CFL – Toronto – eindringen, wird es für die deutlich weniger strahlkräftige CFL bitter.

Wie klein die CFL finanziell im Vergleich zur NFL ist? Das Salary Cap beläuft sich auf 4,3 Millionen Dollar (Vergleich NFL: ca. 135 Mio. sind im Gespräch). Mindestsalär in der CFL: 44.000 Dollar.

Trotz allem genießt die CFL einen guten Ruf in Kanada, und besonders der Grey Cup genießt sowas wie den Status eines kleinen Nationalfeiertags inklusive Familienausflügen und Voradvents/Pregame-Shoppingtouren.

Man muss wissen, dass die CFL aus nur acht Franchises besteht, die sich auf eine West und eine East Division aufteilen.

Im Osten spielen die traditionsreichen Toronto Argonauts, die Hamilton Tiger-Cats, Winnipeg Blue Bombers und Montreal Alouettes, und ab 2013 wohl endlich auch wieder eine Franchise aus Ottawa.

Die West-Division setzt sich zusammen aus den B.C. Lions (Vancouver), Edmonton Eskimos, Calgary Stampeders und Saskatchewan Roughriders. In 18 Wochen Regular Season werden sechs (!) Playoffteilnehmer ausgespielt – nur logisch, dass dabei immer wieder Teams mit negativer Bilanz in den Playoffs spielen, worüber außerhalb von Seattle in der NFL niemand lachen könnte.

CFL 2011 – Der Osten

Die Montreal Alouettes haben in den letzten beiden Jahren jeweils den Grey Cup gewonnen und dürften auch in dieser Saison mit ihrer explosiven Offense Meisterschaftsanwärter sein. Mit Woche 1 beginnt der Countdown für den CFL-Passrekord nach Yards, den #13 QB Anthony Calvillo seit Jahren jagt. Zirka in Woche 14 oder 15 dürfte die ewige Bestmarke fallen. Montreals Heimspiele finden übrigens in einem sehr netten Ambiente statt, nicht im Betonklotz des Olympiastadions, sondern im schnuckeligen Memorial Stadium bei meist prächtiger Stimmung.

Die Toronto Argonauts kämpfen seit Jahren darum, endlich an Montreal vorbeizuziehen und manche erwarten, dass es heuer passieren wird. Beim jüngsten Roster Cut sorgten die Argonauts mal wieder für Erregung, als sie den hoffnungsvollen kanadischen QB Danny Brannagan aus dem Kader strichen. Ausgerechnet die CFL-Quarterbacks sind keine kanadische Domäne, was seit Jahren für Diskussionen sorgt.

Die Hamilton Tiger-Cats sind der Lokalrivale der Argonauts, aber die Offence um QB Quinton Porter gilt als wenig überzeugend, trotz des Preseason-Erfolgs über Toronto. Winnipeg schließlich wird die rote Laterne im Osten abholen, alles andere käme Sensation gleich. Für die Blue Bombers könnte die neue stadtinterne Konkurrenz der Jets (NHL) zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen und auch in der Preseason wurde bereits munter verloren, was es zu verlieren gab (zwei Spiele, um genau zu sein).

CFL 2011 – Der Westen

Als haushoher Favorit im Westen gelten die Calgary Stampeders, die schon im vergangenen Sommer dominierten, aber das Playoffspiel gegen Saskatchewan fassungslos in den Sand setzten. Allerdings haben die Stampeders nicht grad überzeugende Offence in der Preseason gespielt, weswegen manche glauben, dass die B.C. Lions Chancen auf den Titel im Westen haben. BC genösse heuer Heimvorteil im Grey Cup, der nach Vancouver vergeben wurde und im rundum erneuerten BC Place stattfinden wird.

Mein persönliches Lieblingsteam sind die Saskatchewan Roughriders, so was wie Canada’s Team, eine Franchise, zu der sich auch Granden bis hinauf in die höchsten politischen Ämter bekennen. Die Roughriders haben in ihrer langen Geschichte nur drei Titel geholt (zuletzt 2007) und in den letzten beiden Saisons jeweils den Grey Cup verloren. QB ist der schwarze Darian Durant, der mittlerweile ein erstaunliches Standing genießt und von Saison zu Saison souveräner wirkt, aber Durant muss 2011 auf seine besten Wide Receivers verzichten. Durants Platz als QB ist zementiert: Jüngst haben die Roughriders den ehemaligen Gators-QB Chris Leak (BCS-Champ 2006/07) gefeuert.

Vor ein paar Wochen hat in den Kommentaren im Kontext mit Charity Bowl XIII in Wien ein gewisser Chris Griffing aufgeschlagen. Nach längerem Email-Wechsel durfte ich u.a. erfahren, dass die Familie Griffing lange Football-Tradition besitzt und Chris Griffings Vater, Dean Griffing sr., ein ehemaliger Center und Head Coach der Roughriders war – und sogar in der kanadischen Football Hall of Fame steht! (Ganz nebenbei war der Mann auch noch Chefscout für Papa Bear George Halas und erster General Manager der Denver Broncos.)

Die Edmonton Eskimos schließlich gelten als krasser Außenseiter im Westen. Edmonton hat vor ein paar Wochen den legendären QB der Boise State University, Jared Zabransky, entlassen, womit Zabranskys CFL-Ambitionen wohl auch beendet sind. Die anderen QBs scheinen aber auch nicht höheren Ansprüchen zu genügen.

Als Abschluss: Hier gibt es den CFL-Schedule von 2011, wo Woche für Woche auch die Spiel-Highlights verlinkt werden.