Neujahrsvorschau 2017

Servus 2017.

Heute vor zehn Jahren hat das Spiel der Spiele im American Football stattgefunden, das mich bis heute fasziniert: Fiesta Bowl 2007 mit dem Underdog Boise State Broncos, der nach einer bis dahin (und seither) ungesehenen Latte an Trickspielzügen in der Crunch-Time den haushohen Favoriten Oklahoma Sooners 43-42 schlagen konnte.

Hook&Laterial, Halfback-Option Pass, Statue of Liberty, Zabransky Rückhand auf Johnson… unvergessen. Sports Illustrated hat zu diesem zurecht glorifizierten Spiel einen ausführlichen Rückblick verfasst, der viele der Protanogisten von damals zu Wort kommen lässt.

Das sensationellste Footballspiel, das ich je gesehen habe. Damit zur NFL von heute. Weiterlesen

US-Football: Die Hitliste 2015

Kurzer Rückblick auf die prägenden Footballspiele des Jahres 2015. Es war ein Jahr mit starken NFL-Playoffs. Es war ein Jahr mit einer überwiegend schwachen Regular Season in der NFL, die vor allem im 19h-Slot kaum ansehnliche Spiele fabriziert hat. Dafür waren bei den Spätschicht- und Nachtspielen einige Kracher dabei.

College Football glänzte mit einer Latte an Freak-Finals. Die extremsten Enden gab es bei Duke – Miami, bei Michigan – Michigan State und bei Georgia Tech – FSU. Einprägsamer Moment im College-Football war auch der sensationell zähe 22-Play Siegdrive von Michigan State im Big-Ten Finale gegen Iowa, dem jeglicher Esprit abging, aber wer braucht Esprit, wenn am Ende der Touchdown zur Qualifikation für die Playoffs steht?

Aber kann ein Freak-Finish allein eine Partie wirklich ins oberste Echolon des Jahres heben?

Oder zählen noch andere Werte? Ein großes Comeback? Ein hoher Preis? Ein sauberes Spiel? Drama?

Das Jahr, das mit einer wunderschönen Fiesta Bowl Baylor – Michigan State begann, hat viele denkwürdige Spiele gebracht. Wir haben „Michigan State“ nun schon mehrfach gehört. Die Hitliste kommt ohne Spartans aus, leider. Denn es gab zehn Partien, deren Stempel dieses Jahr noch eine Spur deutlicher trägt. Weiterlesen

Gegen den Strom

Das Präludium zum heutigen Eintrag habe ich auf diesem Blog schon geschrieben: In Das beste Team aller Zeiten und ihre zwei Sternchen wurde das Thema der Segregation in der Nachkriegszeit der Vereinigten Staaten des US-Südens aufgegriffen. Schon vor zweieinhalb Jahren habe ich in Notre Dame University und ihr Fußvolk das politische Klima der 1960er Jahre geschildert, und wie es 1966 die Meisterschafts-Entscheidung beeinflusst hat. Weiterlesen

Das beste Team aller Zeiten und seine zwei Sternchen

Die 1959 Ole Miss Rebels sind eines der herausragenden Teams in der Geschichte des US-College Football. Sie kassierten in ihren 11 Saisonspiele 21 Punkte. 7 in einem Blowout über Toledo. 7 in einem Blowout über Tennessee. Und 7 bei einem legendären Punt Return vom Heisman-Trophy Gewinner Billy Cannon in einer Halloween-Nacht beim amtierenden Landesmeister LSU. Die 1959 Ole Miss Rebels hatten ein Punkteverhältnis von 320-21 und sind nach vielen Metriken ein über die Saisongrenzen hinaus episches Team.

Aber sie verloren ein Spiel. Weiterlesen

Tribut an Steve Smith

Letzte Woche hat sich WR Steve Smith von den Baltimore Ravens die Achillessehne gerissen und fällt damit für den Rest der Saison aus. Der 36jährige Smith hatte im Sommer angekündigt, dass 2015 seine letzte Saison sein würde. Es ist also möglich, dass Smith damit gegen die Chargers seinen letzten Auftritt im NFL-Dress hatte, auch wenn man sich bei einem Smith immer vorstellen kann, dass er seine Entscheidung hiermit noch einmal revidiert und noch einmal zurückkommt. Weiterlesen

Murmeltiertag: RG3 | Timeline in den Abgrund

Die Gerüchte hatten sich verdichtet, seit gestern ist klar: Die Washington Redskins gehen mit Kirk Cousins in die Saison. Das bedeutet auch: Die große Hoffnung der Franchise, QB Robert Griffin III, wird mal wieder auf die Bank gesetzt – höchstwahrscheinlich zum letzten Mal. Weiterlesen

Katrina und die New Orleans Saints

Heute vor zehn Jahren verwüstete der Hurrikan Katrina New Orleans und machte aus dem Ort quasi über Nacht eine Geisterstadt. Es ist ein kleines Kapitel in einer der größten Naturkatastrophen der letzten Jahre, aber Katrina ist auch ein Kapitel, das die NFL nachhaltig beeinflusste. Es ist kein ruhmreiches Kapitel in der Geschichte der New Orleans Saints, auch wenn der Glanz der Superbowlringe es heute überdeckt. Weiterlesen

Hope Solo: Der Name ist Programm

Hope Solo - Bild: Wikipedia

Hope Solo – Bild: Wikipedia

Der Artikel über die US-Torfrau Hope Solo ist auch nach vier Jahren mein meistgelesener Blogeintrag bei SPOX.com geblieben. Und weil die US-Frauen heute in das WM-Turnier in Kanada einsteigen (1h30 MESZ, gegen Australien) und das Tor der Vereinigten Staaten immer noch von der Einsamen Hoffnung bewacht wird, poste ich aus gegebenem Anlass den damaligen Artikel auch hier auf dem Sideline-Reporter Blog. Anschließend schauen wir, was Hope Solo so getrieben hat die letzten vier Jahre, denn langweilig wird es mit dieser Frau nie. Weiterlesen

Troy Polamalu ist zurückgetreten

Polamalu war einer der wenigen universal geachteten NFL-Superstars, obwohl er für eine der größten Franchises mit den meisten Rivalitäten – die Pittsburgh Steelers – spielte. Polamalu war einer der bekanntesten Spieler in der NFL, sein Trikot mit der #43 gehörte zu den meistverkauften landesweit.

Der Strong Safety Polamalu war neben dem Free Safety Ed Reed der prägende Defensive Back in einer Generation an großartigen Safetys. Sein Spielstil war ebenso markant wie seine polynesische Mähne, und wenn dieser Irrwisch mal wieder eine Interception fing, einen Fumble/Sack fabrizierte oder einfach nur über die Line of Scrimmage sprang („Der Teufel soll mich holen“), waren die Tapes für Highlight-Show schon vorbereitet. Man mag gar nicht glauben, dass dieser Hulk abseits des Feldes als einer der liebsten Menschen gilt, der am liebsten auf seinem Klavier klimpert oder Rosen züchtet.

Polamalu gewann zwei Superbowls, verlor eine dritte und wurde 2010 zum Abwehrspieler des Jahres gewählt. Seine Karriere war lang genug und intensiv genug um ein mehr oder weniger „logischer“ Kandidat für die Ruhmeshalle zu sein. So sehr ich es mag, wenn sich alternde Stars gegen ihren Verfall wehren und sich allein von einem unbändigen inneren Willen angetrieben auch bei Mannschaften „außerhalb“ ihrer Kern-Franchise gegen das Karriererende stemmen, so ist es doch auch angenehm zu sehen, dass mit Polamalu ein großer Spieler abtritt, der seine ganze Karriere im Trikot einer einzigen Mannschaft bestritten hat.

Als der College Football durch die Hölle ging

Vorwort: Ich habe letztes Jahr ganz sachte anhand von US-Autoren wie Michael Weinreb (Sports on Earth) eine kleine Miniserie über die Geschichte des College-Footballs angestoßen, die auf mehr Anklang in der Leserschaft gestoßen ist als gedacht. Schreiben über Schlüsselmomente in der Vergangenheit des Sports, den wir lieben, macht zugegebenermaßen Spaß. Viel ist bloße Auseinandersetzung mit dem Fabrizierten von Michael Weinreb, aber das ist uns ja wurscht. Heute: Die Nacht, in der College Football die Hölle erlebte.


Michael Weinreb, das muss man wissen, kommt aus dem US-Nordosten. Sein Vater war Professor an der Penn State University, und so verbrachte Weinreb einen Großteil seiner Kindheit und Jugend in State College, dem Dörfchen mitten in der Prärie von Pennsylvania, das nur dank der Uni existiert. Weinreb schrieb oft über seine Verbindung zur Uni, und man bekommt in den vielen Artikeln ein gutes Gefühl für die Beziehung eines Amerikaners zu „seiner“ Alma-Mater. Seit dem Sandusky-Skandal arbeitete Weinreb in einigen exzellenten Artikeln, die ich hier oft verlinkte, seine Gefühlswelt auf – seine Einstellung zu Ort, Zeit und Paterno. Dieser Artikel The Night College Football Went Through Hell ist aus dem Jahre 2007, also vor dem Auffliegen von Sandusky, also nicht wundern, wenn Leute wie Paterno oder Sandusky da in einem Licht erscheinen, das heute ein Spur anders ist.

Wir schreiben den 2. Jänner 1987, ein Montag. Tag des inoffiziellen National Championship Games, das es damals noch nicht gab. Den Part hatte an diesem Tag die Fiesta Bowl in Tempe/Arizona über, eine bis dahin als zweitklassig angesehene Veranstaltung im Schatten der großen Giganten wie Rose Bowl, Sugar, Cotton oder Orange Bowl. Die Fiesta Bowl hatte aber gegenüber diesen arrivierten, alles überstrahlenden Neujahrs-Bowls den Vorteil, nicht vertraglich an eine oder mehrere Conferences gebunden zu sein. Während die Rose Bowl verpflichtet war, die Sieger von Big Ten und Pac-10 zu holen, die Sugar Bowl den SEC-Champ nehmen musste und die Cotton Bowl den Meister der SWC, war das Gremium der Fiesta Bowl unabhängig. Weiterlesen