Audiosport zum Independence Day

Flo Zielbauer und Benni Köpfle haben die bereits siebte Folge des Hard Count Podcasts aufgenommen (fast 86 Minuten!). Das Themenspektrum ist diesmal extrem breit: Es geht kurz um die GFWTC, um Hernandez, in einem sehr langen Diskussionspunkt um das goldene Rookie-Trio Luck/RG3/Wilson und dessen Aussicht für das zweite Profijahr, um die Over/Under-Wetten in der AFC South und am Ende werden etliche Zuhörerfragen beantwortet. Unter anderem werden Football-Bücher vorgestellt und der Begriff des „Hard Counts“ erklärt.


In der Big Show 108 diskutieren Nicolas Martin, Heiko Oldörp und Andreas Renner noch einmal um das Thema Aaron Hernandez sowie um die Offseason der 49ers und Ravens. Bei Hernandez vermutet die Polizei mittlerweile eine Verbindung zu einem Doppelmord vom letzten Sommer. Die These scheint zu sein: Odin Lloyd, das Mordopfer vom Juni 2013, könnte möglicherweise von einer eventuellen Verbindung von Hernandez zu jenem Doppelmord gewusst haben und Hernandez damit erpresst haben. Dazu passt auch die angebliche Aussage von Hernandez auf dem Videotape „you can’t trust anybody anymore“ („Niemandem kannste mehr vertrauen“).

Big Show 107: Der Fall Aaron Hernandez

Big Show 107 ist raus, und ein Segment befasst sich diesmal mit der NFL (Part 5), besser: Mit dem Fall Aaron Hernandez. Ich war gemeinsam mit Andreas Renner/SKY und Heiko Oldörp/freier Journalist (DPA, ARD) eingeladen, um ein paar Worte über den Fall, die Entlassung und die Auswirkungen auf die Patriots zu diskutieren: NFL-Segment zum Fall Hernandez.


Aufnahmezeitpunkt war Mittwochabend (MESZ); Hernandez war da schon verhaftet und entlassen. Seither ist gegen Hernandez offensichtlich bereits Mordanklage erhoben worden. Laut verlinktem Artikel in der USA Today geht die Staatsanwaltschaft von folgendem aus:

  • Das Opfer Odin Lloyd (Lebensgefährte der Schwester von Hernandez’ Freundin) war mit Hernandez am 14.6. in Boston in einem Nachtclub und sprach dort mit Hernandez nicht genehmen Leuten.
  • Hernandez holte Lloyd gemeinsam mit zwei aus Connecticut geholten Leuten am 17.6. nachts ab und fuhr zum Tatort (wohl eine Industriezone). Dort wurde das Auto von einer Überwachungskamera eingefangen.
  • Lloyd wurde physisch angegangen und anschließend erschossen. Vom wem ließ die Staatsanwaltschaft offen. Die Schüsse sollen zwischen 3h23 und 3h27 morgens gefallen sein. Am Tatort wurden Autospuren gefunden, die mit Hernandez’ geliehenem Wagen zusammenstimmen. Im Auto wurden Patronenhülsen gefunden, die zu den Kugeln passten.
  • Auf Hernandez’ hauseigenem Videoüberwachungssystem spaziert Hernandez kurze Zeit später mit einer Waffe in der Hand durchs Haus. Die Waffe wurde offenbar noch nicht gefunden. Zwei Stunden Videoaufzeichnungen sollen fehlen.

Die Polizei konnte einen beträchtlichen Teil der Autofahrt anhand von Hernandez’ Handysignalen nachvollziehen. Hernandez’ Haus wurde später von der Polizei mehrfach durchsucht. Sein Handy wurde in zerstörtem Zustand übergeben. Das Videoüberwachungssystem soll zerstört worden sein. Angeblich engagierte Hernandez Tage später eine Reinigungsfirma, um seine Villa zu putzen. Die Patriots schmissen Hernandez ohne zu zögern raus, und ohne erstmal auch die Konsequenzen (Vertragsstrafen) zu beachten.

Die Mordanklage ist nur Teil der gesamten Anklage (siehe ganz unten): Die anderen fünf Anklagepunkte zielen auf unerlaubten Waffenbesitz.

Der Fall ist aus Football-Fansicht auch deswegen spektakulär, weil er nicht irgendeinen Spieler betraf, sondern einen Superstar, einen der besten Spieler in der Liga, einer, der für einen gewissen Grad an Philosophiewandel in den Trainerstäben (Tight Ends, vielseitige Spieler) mitverantwortlich war.


Ich gebe zu, das Thema zu diskutieren war für mich kein Zuckerschlecken. Ich bin Footballfan. Für mich war Hernandez stets in erster Linie ein Footballspieler. Man wusste beiläufig, dass er immer mal wieder seinem Umfeld Kopfschmerzen bereitete. Interessant war dies meistens erst dann, wenn er mal wieder kurz vor der Suspendierung stand bzw. wenn man wieder Urban Meyer (Hernandez‘ College-Coach in Florida) für seine Nachsicht verteufelte. Dann wurde diese Komponente als Teil des Spiels diskutiert. Dann war es auch bei uns auf dem Schirm.

Charakterliche Probleme oder gar Kriminalität sind bei US-Sportlern keine Seltenheit. Es ist – wie wir diskutierten – auch auffallend häufiger als z.B. im europäischen Spitzensport.

Ich weiß nicht, ob und inwiefern dies damit zusammenhängt, dass das soziale Gefälle in den Vereinigten Staaten eklatanter ist als selbst im südlichsten Zipfel Italiens. Ich kenne das Land zu wenig. Ich merkte, dass mitten im Herzen der Staaten Zustände wie in einem Entwicklungsland herrschen. Sind Auswüchse wie bei Aaron Hernandez da nur logische Folge?

Oder ist das Problem auch über die sozialen Unterschiede hinaus sport-spezifisch: Kümmern sich Universitäten und Profimannschaften im Sportsystem der Staaten zu wenig um ihre Angestellten? Die NFL ist beispielsweise eine kalte Maschinerie, die das hire and fire-Prinzip widerspiegelt wie keine andere Liga weltweit. Wo selbst der Spitzenfußball wie die wärmste Familienzusammenführung daneben ausschaut. Im Fußball scheint es zumindest ansatzweise personelle Betreuung von Klein-auf zu geben.

Oder ist der Fall Hernandez (wahlweise auch: der Fall Belcher) bloß ein Zufall? 0,005% der Amerikaner greifen zu den ganz drastischen Methoden, und diesmal war – *vielleicht* – halt ein Footballprofi involviert?

Richtige Worte und richtigen Ton dafür zu finden: Schwierig (gelinde gesagt).

Notizblock NFL Woche 13 Colts/Patriots; Bengals/Steelers

Indianapolis Colts (0-11) @ New England Patriots (8-3) [Gamecenter] [Gamebook]

Jeopardy:

– „weiche“ Tampa-2 Defense, ohne Schnörkel, ohne Abwechslung, die CBs und LBs beim Snap mindestens 10 Yards von der Line of Scrimmage entfernt.

Antwort 1) die Lieblingsdefense von Brady, gegen die er so sicher 30 Punkte macht, so lange ein Footballfeld nicht quadratisch ist
Antwort 2) der Gameplan des neuen DC Mike Murphy und HC Jim Caldwell gegen Brady und seine Patriots.

Beides richtig.

Das war wirklich unfaßbar anzusehen, wofür werden diese Leute bezahlt? Ich hab seit 2006 jedes Patriots-Spiel gesehen und noch nie hat eine Mannschaft einen derart lächerlichen Gameplan aufgeboten. Man wußte vorher immer schon was passieren wird und Color Commentator Rich Gannon hat das dann auch öfter mal gemacht. Es war entweder Welker „underneath“ zwischen zwei Linebackers, Branch mit 8-Yd-Curl an der Seitenlinie oder Hernandez mit Catch auf der Höhe zwischen LBs und Safeties. Und in der Redzone immer Gronkowski, der drei kinderleichte Touchdowns gemacht hat. So ein Gameplan ist Arbeitsverweigerung! Da kann man auch den Spielern gar kein Vorwurf machen, das geht alles auf die Kappe von DC Murphy und HC Jim Caldwell. So war es dann ein leichtes für Wes Welker in drei Vierteln 11 Bälle für 114 Yards zu fangen (bei 11 Targets), für Gronk drei Touchdowns zu machen und für die gesamte Offense 31 Punkte zu machen. (Die Offense hat übrigens ohne Center Nr. 1, 2 und 3 gespielt. Dafür kam jemand mit dem Namen Nick McDonald aus der Practice Squad in die OLine und ist nicht mal negativ aufgefallen. RT Sebastian Vollmer war inactive wegen seiner Rückenverletzung, was unsere Befürchtungen der letzten Wochen bestätigt.)

Daß Indy dann im viertel Viertel nach 3-31 noch drei Touchdowns gemacht hat – geschenkt. Da haben die Backups von Koutouvides, Slater und Jones gespielt. Ja, diese drei Herren kamen diese Woche aus Bill Belichicks Zauberkugel um das Spiel in der Defense zu beginnen. Matt Slater, im normalen Leben Special Teams Captain und Backup-WR, war der sechste Starting Safety in dieser Saison; Niko Koutouvides, normalerweise in der Practice Squad und manchmal Special Teamer, war der neunte (!) Starting OLB und Nate Jones, der bis Mittwoch noch arbeitslos war, hat am Sonntag die Rolle von Julian Edelman als Nickelback übernommen. Am Ende hat die Defense nicht besonders gut gespielt, aber mit guter Redzone Defense und auch wieder einer starken Interception (Jerod Mayo) hat Indy nicht mehr als 3 Punkte in drei Vierteln aufs Scoreboard gebracht. Die wenigen Punkte sind auch das Einzige, was Dan Orlovskys Leistung vom Label „Offenbarung der Saison“ fernhält: 30/37, 353yds, 2TDs, 1INT.

Glück im Unglück für Indy: mit 0-12 läuft man immer noch volle Kraft voraus Richtung Andrew Luck. (Wann beginnt eigentlich die Diskussion „Sooooo gut ist Luck jetzt auch wieder nicht. Es sollte eigentlich Spieler X Nr.1 Pick werden, mit dem gewinnen die Colts dann auch wieder den Super Bowl“?) New England kämpft mit Baltimore, Pittsburgh und Houston, die auch alle 9 Siege auf dem Konto haben, um den Nr.1-seed in der AFC und tut das mit relativ leichtem Schedule: @Washington, @Denver, vs Miami, vs Buffalo.

Cincinnati Bengals (7-4) @ Pittsburgh Steelers (8-3) [Gamcenter] [Gamebook]

Auch beim Spiel Cincinnati @ Pittsburgh können wir uns den ausführlichen Notizblock sparen. Die Bengals-Offense fängt ganz gut an, bewegt im ersten Viertel den Ball ganz ordentlich, aber durch Strafen und Dummheiten springen keine Punkte dabei raus. Mit 10:12 im 2nd Quarter stehts nach zwei Big Plays von WR Wallace und Brown plötzlich 14-0. Man mag das manchmal gar nicht glauben und es geht auch oft im GB/NO/NE-Hype unter, aber Pittsburghs Offense ist tatsächlich eine der explosivsten der Liga. QB Roethlisberger kann immer wieder Sacks entkommen und mit dem Duo Mike Wallace/Antonio Brown haben die Steelers zwei der schnellsten Spieler der NFL.

Den Kickoff nach dem zweiten Touchdown fumblet Brandon Tate und Wallace macht das 21-0 (Q2/8:33). Die Steelers haben drei Touchdowns in weniger als viereinhalb Minuten gemacht. Damit ist an dieser Stelle das Spiel vorbei, denn niemand holt gegen eine Steelers Defense in Pittsburgh 21 Punkte auf – bei allen Verletzungen und (vermeintlichen) Formschwächen. A.J. Green beweist dann zwar noch, daß er einer der besten WR der Liga ist und auch in die Rookie-of-the-Year-Diskussion gehört und macht auch kurz vor Halbzeit noch das 7-21. Da wollen die Steelers aber gar keine Zweifel aufkommen lassen und Antonio Brown trägt den Punt nach völlig verunglücktem 2-min-Drive über 60 Yards direkt zurück in die Endzone.

In der zweiten Hälfte will dann die Verteidigung auch noch mal auf sich aufmerksam machen und reißt QB Dalton immer immer wieder zu Boden und läßt ihn wie einen Rookie aussehen. Zu Beginn des vierten Viertels hat er so viel eingesteckt, daß er verletzt raus muß und Backup-QB Gradkowski die Schläge einsteckt.

Die Bengals müssen sich trotzdem nicht grämen. Sie haben gegen eines der besten Teams der NFL in deren Stadion verloren. Und sie sind mit 7-5 auch noch voll im Wild-Card-Race mit den Jets, Titans, Raiders und Broncos, die auch alle sieben Siege auf dem Konto haben. Schedule ist nicht einfach, aber drei Siege sind machbar: vs Houston, @St. Louis, vs Arizona, vs Baltimore. Pittsburgh kämpft mit Baltimore um die AFC-North-Krone und muß am Donnerstag gegen Cleveland ran, dann ein Monday Night Game in San Francisco, gegen St. Louis und zum Schluß in Cleveland.

Notizblock NFL Woche 12: Patriots@Eagles, Giants@Saints

New England Patriots (7-3) @ Philadelphia Eagles (4-6) [Gamecenter][Gamebook]

Komprimierte nachträgliche Betrachtungen zum Spiel:

Julian Edelman ist jetzt ganz offiziell der Nachfolger von Troy Brown. Er startete wieder als Nickel-Corner, spielt WR in der Offense und Punt Returner. Das größte Problem für die Eagles war die Mitte der Verteidigung. Beinahe jeden Paß hat Brady zu Welker/Gronk/Branch/Hernandez geworfen, wenn sie von einem LB oder Safety verteidigt wurden. Es fehlt natürlich das individuelle Talent auf diesen Positionen, aber individuelle Schwächen kann man immer mit taktischen Mitteln ausgleichen; aus irgendeinem Grund sind die Eagles dazu nicht willens oder in der Lage, das trifft den DC Juan Castillo genauso wie HC Andy Reid (dessen Kopf von den Fans schon im Stadion gefordert wurde). CB Nnamdi Asomugha hat nicht mal jeden zweiten Snap gespielt (angeschlagen) und dann meistens im Slot gegen Gronkowski. Bei den Patriots hat mit Ryan Wendell jetzt schon der 3rd-string Center gespielt (nach Koppen ist jetzt auch Connolly verletzt) und in der zweiten Hälfte hat Nate Solder als RT Sebastian Vollmer ersetzt, der – mal wieder – viel schwächer gespielt hat als letztes Jahr. Das wird aber wahrscheinlich mit seinen Rückenproblemen zusammenhängen. Später, als das Spiel gelaufen war, hat auch Rookie Marcus Cannon (der mit dem Tumor) als RT gespielt und Solder auf links.

Auf der anderen Seite hatte Vince Young zwar am Ende irgendwie für 400 Yards gepaßt, aber trotzdem ein schlechtes Spiel gemacht. In einigen Situationen hatte WR Jackson seinen Verteidiger klar geschlagen, aber durch furchtbare Pässe wurde das nicht ausgenutzt und führte in einem Fall sogar zu einer Interception, in einem anderen zu einem FG statt TD. Die Interception hatte Antwaun Molden, der mit CB Kyle Arrington, DB Julian Edelman, S Sterling Moore und S James Ihedigbo das bildete, was bei anderen Teams die Secondary ist. Die Verteidigung der Patriots scheint unter der Woche nichts anderes zu trainieren als 3rd-Down- und Red-Zone-Defense. „Between the 20s“ könnten sie wahrscheinlich nicht mal ein Lingerie Football Team stoppen, aber irgendwie schaffen sie es immer wieder keine Punkte zuzulassen. Nur zehn Teams in der ganzen NFL haben weniger Punkte zugelassen als New England. Really. Völlig unverständlich war, daß RB McCoy nur zehn Carries bekommen hat. Angeblich kam es an der Seitenlinie dann auch zu einer Auseinandersetzung zwischen OC Marty Mornhinweg und DL-Coach Jim Washburn, der ersteren gefragt hat, ob er noch ganz dicht ist (sinngemaß), dann gabs wohl ´ne kleine Kabbelei und die beiden mußten getrennt werden.

New York Giants (6-4) @ New Orleans Saints (7-3) [Gamecenter] [Gamebook]

[inactives: RB Bradshaw, WR Manningham, LT Beatty, LB Boley; RB Ivory, LB Vilma]

– erster Drive Saints: Fake-FG-Versuch; der Paß von QB Chase Daniel kommt zwar an, reicht aber nicht für ein 1st Down, weil zu viele Giants aufmerksam genug waren

– erster Drive Giants: Eli Manning führt NY recht problemlos das Feld runter, aber in der Endzone macht Backup-LB Will Herring eine großartige Interception gegen TE Jake Ballard

– die Giants-D hat mit NOs Pass Attack alle Hände voll zu tun und vergißt darüber, die RBs zu verteidigen; 2nd Drive: TD Lance Moore

– auch der zweite Giants-Drive ist lang und zeitfressend, aber bis jetzt sind nur 3 Punkte dabei rausgesprungen; beide Verteidigungsreihen finden kein Mittel gegen die starken Angriffe

– NO spielt in der ersten Hälfte fast ausschließlich (außer in Nickel-/Dime-Situationen) ihre 3-4-Base-Defense; nicht, daß man das noch nie gesehen hätte, aber komisch, weil sie in den Spielen, die ich bis jetzt gesehen habe, immer locker durchgewechselt haben zwischen 3-4 und 4-3

– Q2/2:21: im vierten Drive macht NO den zweiten TD; NY findet kein Mittel gegen Brees und RB Daren Sproles

– Q2/0:35: TD Lance Moore, dritter TD von Brees; am Ende zählen nur die Punkte auf dem Scoreboard: die Saints hatten vier gute Drives und 21 Punkte; Giants kamen mit allen fünf Drives bis in New Orleans´ Hälfte und haben nur 3 Punkte

2nd Half

– Q3/10:49: Eli spielt jetzt auch noch ohne WR Nicks (Manningham vor schon vorher raus); das macht ihm aber gar nichts und schon in der ersten Serie der zweiten Hälfte kommt NY nochmal ran auf 10-21

– die Giants-D ist völlig hilflos: die Safeties können nicht tacklen, die LBs können Pässe über die Mitte/kurz hinter die LOS nicht verteidigen und die DL kann Brees nicht unter Druck setzen; nach dem Anschlußtouchdown von NY marschiert Brees mit seiner Offense genauso problemlos wie in der ersten Hälfte übers Feld zum TD (Q2/5:48)

– direkt im Anschluß daran fumblet Backup-RB Scott bei einem 3rd&1; Coughlin challenges, but play stands; sah aber in der Wiederholung nach einer Fehlentscheidung aus, weil Scotts linker Ellenbogen down war; wie auch immer: zwei Spielzüge später stehts 35-10 – game over.

Notizblock NFL Woche 10 Patriots/Jets

New England Patriots (5-3) @ New York Jets (5-3) [Gamecenter] [Gamebook]

Patriots Offense / Jets Defense

– RT Vollmer hat jetzt wohl endgültig seinen Startplatz zurück, nachdem in den letzten Wochen nach der Verletzungspause auch mal mit Solder rotiert worden war; Solder spielt dafür wieder den dritten TE

– Q1/8:10: 50-Yd-FG Ghostkowski; nach Pässen zu TE Gronkowski, TE Hernandez und WR Ochocino wirft Brady eine INT zu CB Kyle Wilson, die dieser aber nicht festhalten kann; Brady sieht wieder so schlecht aus wie in den letzten zwei, drei Wochen

– was ist denn mit Ochocino passiert? gleich der nächste Catch, dieses Mal für 53 Yards – nachdem er Darrelle Revis stehenläßt; Q1/2:31: anschließend ist RB Woodhead offen in der Endzone und Brady wirft wieder einen von seinen Mark-Sanchez-Pässe; irgendwas stimmt mit Brady nicht, jetzt im vierten Spiel in Folge; keine Accuracy  und mangelndes Timing, wie ich es von ihm noch nie gesehen habe

– Anfang Q2: jetzt schon das dritte Mal, daß in der Jets-D große Verwirrung herrscht und keiner so recht weiß, wo er sich aufstellen soll, Ergebnis: zwei 1st Downs und eine verschenkte Auszeit

– nach seinen Accuracy-Probleme klappt jetzt nicht mal der Center-QB-Exchange, Safety, 6-2 New England

– die Jets bringen fast ausschließlich drei oder vier Pass Rusher; Revis ist überragend gegen Welker

– Brady nach dem TD der Jets mit gutem 2-min-drive, immerhin das funktioniert noch; und am Ende kann niemand in der Redzone Gronkowski verteidigen; das ist der 15te Redzone-TD in anderthalb Saison für den 1,95m-Typen; 13-9 zur Halbzeit

– nach dem zweiten 3&out zum Start der zweiten Hälfte bekommt die Pats-O Hilfe von den Special Teams; Joe McKnight kann den Punt nicht fangen und Koutuvides recovered an NYJ18, Brady entkommt 3 Jets-Verteidigern und „looks like a finalist on Dancing With The Stars“ (Al Michaels) und natürlich macht Gronkowski den TD; äh, doch nicht, Gronk stand vorher im Aus, FG statt TD 16-9 New England (Q3/9:55)

– Q3/4:44: jetzt gehts Schlag auf Schlag: nach dem Fumble und der Interception überfordert Brady die Jets mit seiner No-Huddle-Offense und sieht endlich wieder aus wie der Alte; und jetzt macht Gronk auch tatsächlich seinen TD, 23-9 NE

– ich glaub, die Jets haben nicht einen Snap mit weniger als 5 DBs gespielt und die Run-D sieht trotzdem richtig gut aus, bis dann im vierten Viertel die No-Huddle-Offense Wirkung zeigt und die Verteidiger zunehmend ausgelaugter sind; die Pats in der zweiten Hälfte auch viel öfter mit Trips-Formationen um die Mann-Mann-Verteidigung zu kontern; nach 13 Plays und 84 Yards macht WR Branch dann den TD gegen Kyle Wilson und Brady ist auch ganz augenscheinlich wieder einer der besten QBs der Liga; 30-16 (Q4/8:05); direkt im Anschluß fängt Ninkovich noch eine Interception und spaziert in die Endzone 37-16 game over

Jets Offense / Patriots Defense

– Q1/11:38 die Jets fangen an wie die Feuerwehr, QB Sanchez zerlegt die Patchwork-Secondary der Pats – und dann vergibt K Folk ein 24-Yd-FG-Versuch

– Rookie Sterling Moore spielt als Safety durch durch (Pat Chung ist verletzt, Josh Barrett auf IR); die Spielzeit der verletzten LB Gary Guyton und Brandon Spikes teilen sich Tracy White und Jeff Tarpinian. Moore, White und Tarpinian waren undrafted, genau wie die beiden Starter CB Kyle Arrington und DT Kyle Love. Was will New England eigentlich immer mit den ganzen extra Draft Picks, wenn am Ende nur Free Agents spielen? Hmm…

– im zweiten Drive sieht New Englands D viel besser aus – und Sanchez viel schlechter; die Pats haben sogar sowas wie ´nen Pass Rush

DE Andre Carter mit seinem zweiten Sack im ersten Viertel, dieses mal weil Sanchez seine Protection nicht übersieht

– New England hat jetzt ganz offiziell einen Pass Rush! DE Carter spielt wie Terrell Suggs und auch DE Mark Anderson hat jetzt einen Sack (den er allerdings größtenteils der Coverage zu verdanken hat)

– das Laufspiel der Jets ist gar nicht so schlecht, aber dafür haben Carter/Anderson schon vier Sacks, RT Hunter ist so schlecht wie immer und Sanchez scheint Probleme mit den Protection Calls zu haben (macht eigentlich Sanchez oder C Mangold die Protection Calls, weiß das jemand?)

– Mitte des zweiten Viertels muß CB McCourty mit Schulterverletzung raus; damit hat NE jetzt nur noch drei CBs mit Arrington, Antwaun Molden und Philipp Adams

– die Jets kommen wieder bis in die Redzone und dieses Mal hält die Defense nicht, Sanchez läuft in die EZ zum 9-6

– Q3/7:36: nach den Special Teams hilft jetzt auch die D: LB Ninkovich intercepted einen mehrfach abgefälschten Ball; New England spielt bei ersten und zweiten Versuche fast ausschließlich ihre Base-D und lädt Sanchez ein, die Patchwork-Secondary zu schreddern, der daraus aber kein Kapital schlagen kann

– Q4/14:55: endlich marschieren die Jets mal wieder das Feld runter und Plax macht den Anschluß zum 16-23

Vorschau Woche 10, SNF Patriots@Jets

Wie in der Früh angekündigt, wird hier in Zukunft Herrmann regelmäßiger Beiträge schreiben. Heute geht es um das Sunday Night Game von heute Nacht.


As the world turns… Als wir uns das letzte Mal dem Klassiker Jets-Patriots gewidmet haben (und man lasse sich nur nicht einreden, das sei gar keine “echte” große Rivalry), hingen die Blätter noch an den Bäumen, die Patriots-Offense war das heißeste Ding seit Erfindung des Geldes und der Schreiberling selbst war noch kein Sidelinereporter an der Seite von korsakoff. Seitdem haben die Jets drei Spiele in Folge gewonnen und teilen sich mit einem 5-3-record den ersten Platz in der AFC East mit den Mannschaften aus New England und Buffalo.

Das soll hier keine Executive Summary werden, sondern wir wollen uns auf einen Punkt konzentrieren: New Englands Offense gegen New Yorks Defense. Das Matchup Pats-D gegen Jets-O soll hier nur ganz kurz und nicht umfassend abgehandelt werden: wenn das Laufspiel New Yorks funktioniert, funktioniert auch der Rest. Wenn nicht, funktioniert gar nichts. Und die Lauf-D der Patriots ist nicht die allerschlechteste.

Die Patriots seit haben dem letzten Spiel gegen den Divisionsrivalen in Woche 5 das große Zittern bekommen, seitdem nicht ein Mal mehr als 20 Punkte gemacht (20 gegen die Cowboys, 17 gegen die Steelers und 20 gegen die Giants) und sahen ihre hochgelobte Offense entzaubert. Am schlimmsten sah der Angriff um Tom Brady gegen Pittsburgh aus und das Überraschendste daran war, daß die Steelers es mit einer anderen taktischen Marschroute geschafft haben als die Jets bei ihrem letztjährigen Playoffsieg.

Die Grundidee beider, der Jets wie der Steelers, war gleich: die WR an den Seitenlinien verteidigt man 1-gegen-1, das reicht aus, weil Branch, Ochocinco, Taylor Price oder auch TE Hernandez vielleicht mal einen oder zwei Bälle fangen, aber uns nicht das Genick brechen werden. Der Unterschied lag in der Defense, die sie zwischen den Seitenlinien gespielt haben.

Pittsburghs Dick LeBeau, gebranntes Kind nach der Klatsche gegen New England letztes Jahr, als Brady genüßlich Zone-Coverage um Zone-Coverage auseinandergenommen hat, versuchte einfach mal was ganz Neues, was sich (seltsamerweise?) bis jetzt noch niemand getraut hat: Mann-Verteidigung mit Bump-and-run an der Line of Scrimmage und als Highlight oben nur einen Safety. Damit waren die Receivers der Pats völlig überfordert und das gewohnte Timing zwischen QB und WR war wie weggeblasen. Weil der zweite Safety – in der Regel ein Herr namens Polamalu – damit “in the box” war, wurde einerseits Bradys beliebte Mitte für die TEs und Welker mit einem Extramann abgedeckt und andererseits hatte auch das Laufspiel einen zusätzlichen Verteidiger gegen sich.

Die Jets hatten einen ähnlichen Ausgangspunkt, haben den Rest aber ein wenig anders gemanaget. Also auch: außen eins gegen eins. Und auch: Mitte zu. Aber Rex Ryans Jungs aus den Meadowlands haben das getan mit Zonenverteidigung. Bis auf zwei Cornerbacks haben alle Spieler der Secondary (die Jets haben hauptsächlich Dime gepielt) im Umkreis der Hash Marks ihre Zonen verteidigt. Und oftmals haben sie nur 3 Pass Rusher aufgeboten und 8 Mann (!) in die Paßverteidigung geschickt. New England hat das diese Saison in Woche 5 mit viel hard-nosed Laufspiel gekontert. Aber wenn die Jets ihre Strategie mit der Steelers-Taktik verbinden, wird auch das wohl nicht funktionieren.

Der Angriff von Belichick, Brady und OC Bill O´Brien braucht eine neue Idee, einen neuen wrinkle. Irgendetwas Neues. Mehr 3-WR- oder 4-WR-Sets vielleicht, ein kreativeres Laufspiel, ein Pärchen Ocho/Brady, das endlich lernt, miteinander zu spielen oder einfach nur einen Deep Threat. Brandon Tate war es nicht, Vielleicht kann es Taylor Price sein,

Ich möchte keinesfalls klingen wie ein “Fan, der vom Gestern lebt” (Uli Hoeneß), aber wo ist der Deep Threat – formerly known as Randy Moss? Es hat schon einen Grund, warum alle guten Mannschaften so einen in ihren Reihen haben und sogar ein Schüler Belichicks wie Thomas Dimitroff  seine Karriere aufs Spiel setzt, um einen Julio Jones zu draften. Das ist kein Plädyer pro Moss, aber von irgendwoher muß er kommen, der schnelle Receiver mit den langen Schritten, der tief gehen kann.

Für die Patriots ist dieses Spiel sehr viel wichtiger als für die Jets. Es könnte das erste Mal seit 2002 werden, daß Bellys Pats drei Spiele in Folge verlieren. Wenn man dazu nimmt, daß New England seine letzten drei Spiele in den Playoffs verloren hat und der letzte Sieg in diesen aus der Saison 2007 datiert, kann man tatsächlich so langsam mit dem Abgesang auf die Patriots der Belly/Brady-Ära beginnen.

Oder, wenn man nochmal den letzten Optimismus zusammenkratzen will, könnte dieses Aufeinandertreffen einen Wendepunkt markieren wie das Spiel in Woche 5 der Saison 2003 (38-30 gegen die Titans), das den Beginn der längsten Siegesseries der NFL-Geschichte einläutete: 21 Spiele in Folge ungeschlagen und Siege in den Super Bowls XXXVIII und XXIX.

Es wird sich zeigen und das Spiel hat als Sunday-Night-Ansetzung auch einen würdigen Platz dafür.