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NFL Power-Ranking 2018/19 – Woche 13: Das MVP-Argument für Aaron Donald

Die heutige Power-Ranking Ausgabe wirft einen kurzen Blick auf das Playoffrennen in AFC und NFC und beschäftigt sich danach mit den besten Verteidigern und der Frage: Wie nahe kommt Aaron Donald dem NFL MVP-Titel. Außerdem können wir einen Topfavoriten für den Defense-Rookie des Jahres (DROY) ausfindig machen. Weiterlesen

Furchtlose NFL-Vorschau 2018/19 | Das Niemandsland

Heute folgt Teil 2 der Furchtlosen NFL-Vorschau 2018/19 mit den Mannschaften, die im unteren Liga-Mittelfeld zu erwarten sind, bei halbwegs günstig fallenden Steinen aber auch schneller als gedacht in den Playoffs stehen könnten.

Rechts können wie immer die verwendeten Metriken begutachtet werden. Weiterlesen

Mit Steuerung-C und Steuerung-V: Die NFL-Combine 2014

NFL-Scouting Combine in Indianapolis – diese Woche von Mittwoch, 19.2. bis nächsten Dienstag, 24.2., alljährlich der wirkliche Start zu einer zirka zweimonatigen Hype-Maschine im Vorfeld des NFL-Drafts, wo die künftigen NFL-Profis von ihren Teams ausgewählt werden. Ich habe oft darüber geschrieben, warum ich es trotz allem immer wieder faszinierend finde, mich mit der Draft-Materie zu befassen, aber dieses Jahr bin ich draftmäßig so unbeleckt wie lange nicht mehr. Ich hab auch gerade ein bissl „emotionales Tief“ nach der langen Footballsaison. Kann an der Winterolympiade liegen. Kann am Studium liegen. Kann auch schlicht am Overkill liegen.

Aber Combine ist Combine. Ich habe wenig Zeit, aber ein paar Minuten oder Stunden NFL-Network zur Combine sollten drin sein. Sie sollten schon allein wegen des einen Mannes drin sein, der die Draft-Berichterstattung prägt wie kein anderer: Mike Mayock, der Experte vom NFL-Network, der mit so sensationeller inhaltlicher Tiefe Bericht erstattet, dass es immer wieder helle Begeisterung bei allen auslöst, die ihm zuhören.

Mayock und das NFL-Network: Ab Samstag fast 24/7 on Air. Die ersten Tage sind wie immer eher seichtes Reingleiten mit Team-Interviews und ein bissl Abtasten. Ab Samstag geht es dann auch auf dem Feld los. Gratis streamt auch NFL.com, aber ich würde nicht meine Hand ins Feuer legen, dass das immer die originale NFLN-Übertragung ist (in den letzten Jahren wurde teilweise zweigleisig gefahren)

[Es folgt der Copy’n’Paste Absatz, den ich jedes Jahr quasi Eins-zu-Eins übernehmen kann, weil er immer gültig ist]

Die Kernelemente der NFL-Combine hatte ich bereits vor einem (mittlerweile drei) Jahr(en) erklärt: Ausgewählte Athleten, die in den Draft gehen, werden in vier Tagen an Ort und Stelle im Beisein von zahlreichen Experten, Teamoffiziellen und Scouts auf Herz, Nieren und Hirn getestet. Das Schema F ist +/- folgendes:

  • Tag 1: Anreise, Vorbereitung zum Medizincheck, Kennenlernen
  • Tag 2: Abnahme der Körpermaße, Medizincheck, Medien-Session, Wonderlic-Test, Vorstellungsgespräche
  • Tag 3: Treffen mit der NFLPA, Wonderlic, Vorstellungsgespräche
  • Tag 4: Workouts, Abreise

Plus ein Drogentest, bei dem immer mal wieder ein Bauernopfer durchfällt. Die Workouts gliedern sich in haufenweise positionsspezifische und allgemeine Übungen auf. Die allgemeinen Tests sind der Sprinttest („40 Time“), der Agilitätstest („Cone Drill“), der Hochsprung aus dem Stand („Vertical Jump“), der Weitsprung aus dem Stand („Broad Jump“) und der Test für die Kraftlackel („Bench press reps“).

Die einzelnen Tests haben dabei je nach Ermessen der Scouts für die unterschiedlichen Positionen unterschiedliche Gewichtung – meistens viel zu viel Gewichtung, wofür vor Jahren der Terminus des „Workout Warriors“ kreiert wurde: Athleten, deren hoher Draftstatus in einem großartigen Combine begründet wurde, die dann aber in der NFL erstmal Probleme hatten (die beiden Vernons fallen da als erstes ein: Vernon Davis und Vernon Gholston).

Etwas detaillierter habe ich das Prozedere letztes (also mittlerweile vorletztes) Jahr und die verschiedenen Einheiten vor zwei (also: drei) Jahren erklärt. Bei NFL.com erklärt der Draftguru Mike Mayock die verschiedenen athletischen Tests und ihre Bedeutung für den Scouting-Prozess anschaulich: Combine Workouts.

[Copy’n’Paste Ende]

Was ich dieses Jahr nicht simuliert habe: Den Wonderlic-Test, den Intelligenztest, mit dem die NFL die Lern- und Aufnahmefähigkeit der künftigen Prospects testen will. Die Testergebnisse werden nicht offiziell veröffentlicht, aber was man so von den unter dem Tisch den Medien zugespielten Ergebnissen den letzten Jahren ablesen kann ist so etwas wie „Korrelation = 0“ mit den zukünftigen Profi-Aussichten der Prospects. Aber gut: Wonderlic = Gesprächsthema. Und Gesprächsthema = Interesse.


[Copy’n’Paste Modus an]

Die Combine, das Sichtungs-Trainingslager, ist eine Veranstaltung, die extrem von Stereotypen lebt. Mike Tanier von Sports on Earth hat dazu eine höchst lesenswerte Einstimmung geschrieben:

Es ist nicht alles in den Senkel zu stellen. Der Vorteil der Combine ist, dass die Talente mehr oder weniger unter gleichen Voraussetzungen in verschiedenen Trainingseinheiten vor Scouts ihre Stärken demonstrieren können, dass sie sich mit NFL-Coaches treffen können und medizinisch durchgecheckt werden können.

[Copy’n’Paste aus]


Die Stars von 2014

Die Draftklasse 2014 ist rein von den Talenten und den „Leuchttürmen“, den Quarterbacks, durchaus eine, mit der man sich schonmal länger befassen kann. Es gibt einen recht kompletten, mobilen und spielintelligenten Quarterback von Louisville, einen Schwarzen mit Namen zum Knuddeln im Bett, Teddy Bridgewater, der als Jahrgangsbester gilt.

Für die Storyline „Zweikampf“ wird derzeit der ehemalige Quarterback von Central Florida, Blake Bortles, aufgebaut, ein stattlicher 2m-Hüne mit Zahnpastgrinsen, bei dessen Qualitätsbeschreibungen man schnell bei der besseren Hälfte landet. Zumindest die Google-Bildersuche spuckt bei Bortles mehr Titten als Touchdowns aus:

Google Blake Bortles!

Google Blake Bortles!

Auch beim QB A.J. McCarron („He just wins football games“) vom x-fachen National Champion Alabama ist die Puppe an der Seite das bekanntere Subjekt.

Da ist man doch um einen Rabauken wie Johnny Manziel („Johnny Football“) heilfroh, den Quarterback der Texas A&M Aggies, einen Knaben, der mit seiner wilden Lebens- und Spielweise in kein Bilderbuch passt und auf dem Platz durch die Landschaft scrambelt als hätte er sämtliche Duracell-Häschen auf einmal aufgefressen. Manziel braucht keinen perfekten Wurfstil. Er braucht kein berühmtes Internet-Sternchen zum Schimmern. Manziel ist ein Anarch, den Stand heute sich kein Experte einzuschätzen getraut: Top-10 oder Fall in die zweite Runde?

So viele coole Quarterbacks, ein episches Abwehrtalent in DE Jadeveon Clowney, einen gigantischen WR in Sammy Watkins, aber der Superstar der Combine 2014 dürfte ein anderer sein: DE/OLB Michael Sam von der University of Missouri, ein Kandidat für die mittleren bis späten Draft-Runden. Sam galt bisher eigentlich als leicht blässliches Prospect, aber das änderte sich letzte Woche schlagartig, als Sam als erster „Aktiver“ seine Homosexualität bekannt gab.

Das Outing löste altbekannte Beiß-Reflexe von den obligatorischen anonymen Quellen in NFL-Kreisen aus, die Sam eine schwere Anfangszeit in der NFL und ein Fallen seiner Draft-Aktien prophezeien. Aber es gab auch viele Solidaritätsbekundungen aus NFL und Gesellschaft für Michael Sam, der sich in der ultimativen Testosteronhochburg, dem Gebilde „NFL“, mit einem immer noch sensiblen Thema an die Öffentlichkeit wagte.

Outsports hat die Geschichte detailliert nachzuzeichnen versucht.

Draft-Overkill

Um wieder in den STRG+V Modus zu verfallen: Ich werde wie immer Draft-nahes bringen. Aber bitte keine Scouting-Reports oder Mock-Drafts erwarten. Ich hab im Zuge des Draft-Overkills meine eigenen Prioritäten. Hier ein paar der wertvollsten Informationsquellen in englischer und deutscher Sprache:

  • Mike Mayock, wenn er wieder voll in die Berichterstattung einsteigt: Videos und Artikel. Mike Mayock ist Gesetz, denn Mike Mayock ist Gott.
  • Greg Cosell. Wo auch immer er heuer seine Podcasts machen wird: Er ist Mini-Mayock. Cosell führt auf seinem Twitter-Account Protokoll seiner Aktivitäten.
  • Matt Waldman und sein Rookie Scouting Portfolio ist zumindest bei den Skill-Players das beste Material.
  • Draft-Breakdown hat ein fassungsloses Video-Archiv zu hunderten Prospects zusammengestellt.
  • Tony Pauline und sein Draft-Insider.
  • Er schreibt „nur“ für die Homepage der Dallas Cowboys, und er schreibt nicht nur über den NFL-Draft: Bryan Broaddus, ehemaliger Draft-Stratege für mehrere gute NFL-Teams. Und immer lesenswert.

In deutscher Sprache und mit regelmäßigen, sehr ausführlichen Podcasts widmet sich Der Draft mit Christian Schimmel („koblenzer“) und Roman John („maschemist“) der Scouting- und Draft-Materie. Die letzten beiden Ausgaben #11 und #12 beschäftigen sich intensiv mit der Combine 2014.


Insgesamt ist das Scouting im Draft-Umfeld ein recht „abgeschlossener“ Bereich mit relativ gleichem Informationsstand für alle. Große Unterschiede zum Stichtag Draft (heuer: 8. Mai bis 10. Mai) hin sind relativ selten. Vieles, das man während der zwei Monate Scouting aggregiert, wird hernach auf dem NFL-Feld widerlegt, aber nie mehr auf seine Korrektheit überprüft. Trotzdem hat der Draft-Jazz seine Berechtigung, denn so intensiv befasst man sich später nie wieder mit dem Individuum „NFL-Spieler“.

College Football und NFL = Team. Draft = Individuum. Deswegen ist auch ein Michael Sam eine Story. Und die Combine ist immer ein guter Kickoff für zwei Monate Draft-Groove.

Mathletics und die NFL: Der Weg ist das Ziel

Disclaimer: Ohne mich vor einer langen Einleitung drücken zu wollen, aber ich probiere nun zum dritten Mal, eine gescheite Einleitung in Mathletics und das Gewirr an Gedanken zu formulieren – und bin zum dritten Mal gescheitert, Stichwort fuckin’ Gedankenverdichtung. Ich möchte keine öde Formelsammlung und nicht noch mehr Zahlen aufbieten, daher knalle ich mal blank das Ergebnis nach Woche 5 – also vor dem Nachtspiel von eben – in die Runde und hoffe, nach und nach in den kommenden Wochen ein paar Gedanken weiter präzisieren zu können.

Nr.  TEAM               WP     E16    SOS   RK  W-L      
#1   San Francisco     .714   11.4   .522   12   4-2
#2   Denver            .681   10.9   .509   13   3-3
#3   Chicago           .658   10.5   .483   22   4-1
#4   Houston           .638   10.2   .475   24   5-1
#5   N.Y. Giants       .607   10.2   .554    4   4-2
#6   Seattle           .599    9.6   .556    3   4-2
#7   St Louis          .599    9.6   .563    1   3-3
#8   Green Bay         .598    9.6   .542    6   3-3
#9   Miami             .597    9.6   .503   14   3-3
#10  Carolina          .594    9.5   .498   19   1-4
#11  Minnesota         .573    9.2   .456   30   4-2
#12  Philadelphia      .568    9.1   .503   15   3-3
#13  Dallas            .568    9.1   .559    2   2-3
#14  Atlanta           .558    8.9   .476   23   6-0
#15  Detroit           .558    8.9   .542    7   2-3
#16  New England       .546    8.7   .486   21   3-3
#17  Washington        .535    8.6   .487   20   3-3
#18  Baltimore         .530    8.5   .462   27   5-1
#19  Pittsburgh        .466    7.5   .471   25   2-3
#20  Cincinnati        .466    7.4   .460   28   3-3
#21  Oakland           .463    7.4   .530    9   1-4
#22  Tampa Bay         .459    7.4   .501   17   2-3
#23  Arizona           .434    6.9   .547    5   4-2
#24  Cleveland         .422    6.7   .501   16   1-5
#25  N.Y. Jets         .421    6.7   .528   10   3-3
#26  San Diego         .380    6.1   .411   32   3-3
#27  Indianapolis      .379    6.1   .501   18   2-3
#28  Buffalo           .373    6.0   .456   29   3-3
#29  Tennessee         .298    4.8   .527   11   2-4
#30  New Orleans       .265    4.2   .468   26   1-4
#31  Jacksonville      .254    4.1   .536    8   1-4
#32  Kansas City       .201    3.2   .428   31   1-5

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rk die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 5.

Und jetzt die Erklärung: Wie arbeitet das NFL-Ranking?

Trainierte Mathleten werden die Ähnlichkeit mit dem Team Efficiency Model von Brian Burke erkannt haben: Man identifiziere die wichtigsten Faktoren, die zu einem Sieg in der NFL beitragen und gleichzeitig dazu tendieren, sich über die Zeit stabil zu verhalten. Man werfe die Daten in einen Mixer (a.k.a. multivariate, logistische Regression) und füttere die erhaltene Formel mit den aktuellsten Daten nach der letzten Spielwoche. Man lasse dann ein paar Schleifen Schedule-Anpassung machen und erhalte oben stehende Tabelle. Das Ranking ist geeignet für Vorhersagen: Es ist prediktiv. Die Unschärfe, die durch relativ zufällige Events wie Fumbles oder knappe Last-Second-Siege entsteht, wird so weit es geht ausgeblendet.

Ich mache keinen Hehl daraus: Ich bin weder Mathematiker noch Statistiker. Zu den spannenderen Themen eines Logistikstudiums gehört aber jene Disziplin, für die man auch in unserer schönen deutschen Sprache keinen besseren Terminus gefunden hat als „Operations Research“: Von Spieltheorie über nichtlineare Optimierungen hin zur ollen Warteschlange ist für die tüftelaffinen Gehirnregionen alles dabei. Wir hatten einen jungen italienischen Professor frisch von der Londoner Börse, einen Freak auf seinem Fachgebiet, und wir programmierten Aktienkurse und Peitscheneffekte und hatten unseren Spaß an den Black Swans der Bauwirtschaft.

Damit und mit der NFL habe ich über die Jahre Statistik und statistische Modelle zu begreifen begonnen. Für mich zählt der Lernfaktor. Menschen lernen manche Dinge mit dem Tun, und sie lernen noch besser, wenn das Tun gerne getan wird.

Für mich hat das NFL-Modell also auch einen pädagogischen Effekt. Ich kann Dinge testen, die ich mich im Arbeitsleben noch nicht traue einzusetzen.

Ich habe schon vor Jahren Burkes Modellansatz übernommen und mithilfe erst vom studentenfreundlichen MATLAB (von MathWorks), dann mit STATA10 (für nichtlinare Regressionen mit mehreren Variablen), und mit Microsoft Excel an meinem Rechenmodell gebastelt.

In short: Wie arbeitet Brian Burkes Modell?

Brian Burkes Arbeit konzentriert sich darauf, die springenden Punkte herauszufiltern, die am meisten zu Sieg/Niederlage in der NFL beitragen und diese gleichzeitig so zu gewichten, dass man ihre „Verlässlichkeit“ (oder Stabilität) berücksichtigt – diese beiden Arbeiten erledigt die multivariate logistische Regression. Zu Verlässlichkeit/Stabilität ist zu sagen, was ich schon oft schrieb: Turnovers sind massiv entscheidend über Sieg/Niederlage, aber sie passieren relativ zufällig. Nicht völlig zufällig, aber doch stark zufällig. Dagegen ist Nettoyards pro Passversuch vor allem in der Offense der Faktor schlechthin, und es ist noch dazu eine sehr beständige Kennzahl. Also bevor jemand schreit „aber was haben die Panthers an #10 zu suchen!?“: Carolina ist mit 7.3 NY/Passversuch die #3 der NFL.

Burke verwendet in seinem Modell folgende 8 Kennzahlen:

OFF-PASS   Nettyards pro Passversuch Offense
OFF-RUN    Success-Rate Lauf Offense
OFF-INT    Interception-Rate in %
OFF-FUM    Fumble-Rate in %
DEF-PASS   Nettyards pro Passversuch Defense
DEF-RUN    Success-Rate Lauf Defense
DEF-INT    Interception-Rate in %
PEN-RATE   Penalty-Yards pro Spielzug

Die entsprechenden Korrelationen der Stats mit Sieg und Niederlage (rw) und die Korrelationen der Stats mit sich selbst von erster in zweite Saisonhälfte (rs) hier nachfolgend (Korrelationen der ersten vier Wochen zu den nächsten vier zu den nächsten usw. sind ähnlich):

Statistik   rw     rs
OFF-PASS    0.67   0.54
OFF-RUN     0.39   0.33
OFF-INT    -0.49   0.07
OFF-FUM    -0.32   0.21
DEF-PASS   -0.56   0.20
DEF-RUN     0.21   0.33
DEF-INT     0.34   0.16
PEN-RATE   -0.12   0.36

Entsprechend leichtgewichtig behandelt das Modell aufgrund der Volatilität und der deraus fast unmöglichen Vorhersagbarkeit Kategorien wie Interceptions oder Fumbles.

Ich verwende anstelle der Success-Rates, die Brian Burke verwendet, die etwas rudimentärere Statisik von Yards/Laufversuch für Offense und Defense; viel ändert sich nicht. Diese Statistiken korrelieren allerdings sehr viel schwächer mit Sieg/Niederlage als die Success-Rate (Burke definiert jeden Play als Success (Erfolg), der nach Markov-Modell einen positiven Beitrag im Drive beiträgt, also dEPA>0 gebracht hat).

Ich verwende noch zusätzlich als neunte Kennzahl die Forced-Fumbles der Defense, die sich auch nicht völlig zufällig verhält (Autokorrelation von erster Saisonhälfte zur zweiten immerhin 0.20, rw=0.22, aber fast keine Korrelation von Spiel zu Spiel).

Lauf und Pass werden getrennt voneinander behandelt, weil die beiden – gegen die Intuition – fast unabhängig voneinander agieren (r=0.11); ein Schwachpunkt ist dabei nun allerdings, dass das Modell nicht weiß, in welchem Verhältnis Lauf/Pass im Playcalling standen. Als Beispiel: Carolina hat zwar eine massive Pass-Offense, aber die Panthers haben fast ein 50:50 Verhältnis in ihrer Spielzugansage. Als Gegenbeispiel: Die Falcons werden in diesem Modell an #12 überraschend tief ausgespuckt, aber sie gehören zu den Teams mit der stärksten Passlastigkeit (62%), gleichen diese Unterlegenheit damit fast aus.

Nicht beachtet werden Stats wie 3rd-down-Raten oder Red-Zone-Raten, weil sie stärker abhängig von Pass- und Lauf-Effizienz sind. Ich habe einmal auf scheinbar unbedeutende Termini wie „abhängige“ und „unabhängige“ statistische Variablen geschissen. Ich mache es kein zweites Mal.

Special Teams werden bei Brian Burke gänzlich ignoriert. Das Problem ist: Kicker sind zwar situativ und für Sieg oder Niederlage in einem Spiel ungeheuerlich wertvoll, aber der Unterschied zwischen bestem und schlechtestem Kicker ist sehr gering und die Testmenge von roundabout 25-40 Kicks pro Kicker pro Jahr ist zu klein, um daraus verlässliche Zahlen zu projizieren (auch aufgrund der großen Distanzunterschiede bei Kicks). Entsprechend volatil verhalten sich die Kicks. Der Kicker mit der besten Verwertungsrate in der ersten Saisonhälfte ist der Kicker mit der zweitschlechtesten in Saisonhälfte zwei. Ein Windspiel, und schon wird ein 22/24 (92%, Spitzenwert) Kicker zum 22/27 (81%, Bodensatz) der Liga.

Ich überlege, ob ich eine Kennzahl für Touchback-Rate oder dergleichen einführen soll, was als einzige Kennzahl der Special Teams halbwegs stabil bleibt. Anyhow: Selbst wenn wir Special Teams/Kickreturns/Puntreturns inkludieren: Die Unterschiede sind relativ gering. (zum Beispiel im Vergleich zur Penaltyrate, die gut mit Sieg/Niederlage korreliert und auch noch beständig ist) – das bedeutet alles, dass ich auch nicht die nicht unwichtige Komponente „starting field position“ mit einrechnen kann: Diese hängt a) mit von der Länge der Kickreturns ab, und die sind zu volatil, und b) zu stark von Lauf-/Pass-Effizienz – wo wir wieder bei abhängigen und unab… ach lassen wir das.

Was ich noch mache: Ich stelle die Passstatistiken in Verhältnis zu den örtlichen Wettergegebenheiten: Analysen haben völlig unüberraschend ergeben, dass es sich bei 25°C im Georgia Dome gemütlicher werfen lässt als bei -7°C in Foxboro. Der Trend ist für alle Teams der gleiche, ob für die Cards aus Arizona oder die Packers aus Wisconsin. Das ist auch mit ein Grund, weswegen das Passspiel in der NFL mit zunehmendem Saisonverlauf ineffizienter zu werden tendiert: Es wird ganz einfach kälter.

Was ich noch nicht mache, aber gedenke zu tun: Den Windfaktor mit einzubauen. Ab Windstärken von 25km/h tendiert die Effizienz im Passspiel massiv gen Süden zu wandern. Für die Einspeisung der Daten ist das ein Heidenaufwand, da die Gamebooks der NFL entsprechend unhandlich sind.

Was ist also mein Nutzen?

Ich verhehle nicht, dass mein eigener Beitrag zu diesem Modell noch recht rudimentär ist. Für mich sind die Mehrgewinne aktuell primär drei:

  • ich kann Dinge in Sachen Statistik/Programmieren testen und trainieren, die mir im Berufsleben von Vorteil sind
  • ich kann mithilfe der einzelnen Stats erkennen, wo welche Franchise ein schnelles Verbesserungspotenzial besitzt; z.B. wären die Jaguars mit einem bloß mittelmäßigen Passspiel im Angriff sofort das 20-beste Team mit WP=0.478.
  • ich kann nach Adjustierung nach Heimvorteil (historisch werden 57% der Spiele von der Heimmannschaft gewonnen) den Favoriten für die nächste Partie errechnen.

Die größten Ausreißer nach Woche 6

Zweifellos: Das Abendessen wäre mir beim Durchlaufen der Simulation am Mittwochabend fast auf die Tastatur gefallen, so viele Ausreißer gibt es da. Carolina an #10? Atlanta an #14? Baltimore an #18? Alles wüst, aber: Seit die Rankings vor Woche 4 „online“ gegangen sind, stehen sie bei 29-14 (.674), wogegen meine Eier bloß 26 der 43 Partien richtig gespürt haben (.604). Ein Trend, der seit drei Jahren konstant so läuft. Letzte Woche war extrem upset-lastig. Ich war 5-9. Das Modell war 9-5.

Wk   Modell   ich
4    9-6      11-4
5   11-3      10-4
6    9-5       5-9

Ich werde das weiter verfolgen, nachdem 2012/13 bisher eine Saison ist, die extrem schwer prognostizierbar ist. Zu den größten Ausreißern.

Die Carolina Panthers sind an #10 auch meiner Meinung nach eher zu hoch angesiedelt – auf der anderen Seite sind die Panthers 1-3 in engen Spielen und zwei Plays plus eine fürchterliche Coaching-Entscheidung von 3-2 und der sportlichen Relevanz entfernt. Carolinas größte Stärken sind eine starke Pass-Offense (7.3 NY/A), eine sehr disziplinierte Mannschaft (fünfgeringste Anfälligkeit gegen Strafen) und eine erstaunlich gute Lauf-Defense.

Die Rams aus der „power-Division“ NFC West sind trotz QB Sam Bradford dasglaubstdunicht an #7 gerankt (nur #25 in der Pass-Offense), glänzen aber mit einer bis dato exzellenten Pass-Defense (#5), und haben das alles gegen den schwersten Schedule der Liga zustande gebracht.

Die Atlanta Falcons hätte ich auch ohne Zahlen nicht als bestes Team der NFL gesehen – der Augentest sieht hier eine gute, aber keineswegs großartige Mannschaft. Atlanta ist in bloß zwei Kategorien Spitze: Sie sind unfassbar diszipliniert (0.2yds Strafe/Spielzug ist der beste Wert der letzten vier Jahre), und sie fangen in etwa so viele Bälle ab wie Green Bay letztes Jahr (5.3% INT-Quote); gegen die schwachen Raiders wurde u.a. deswegen die Partie überhaupt erst gewonnen – diese INT-Quote wird sich kaum über die komplette Saison halten können.

Alles andere an den Falcons ist Durchschnitt: Pass-Offense ist #13, Pass-Defense ist #15, Run-Offense und Run-Defense jeweils #29! Und das nur gegen den 23t-schwersten Schedule. Und man ist 4-0 in engen Spielen. Mein Tipp: Atlanta ist nicht mehr lange ungeschlagen.

Baltimore ist 5-1 und in den Power-Polls der Pundits vor allem wegen der jüngsten Verletzungsprobleme mit Skepsis bedacht. Ray Lewis oder CB Webb interessieren das Modell allerdings nicht. Bei Baltimore spielen die sehr schwache Pass-Defense (#27) und die undisziplinierte Spielweise (sechstmeiste Strafen) mit rein – und der Schedule war bisher der sechsleichteste – das wird vom Modell bestraft.

Arizona mit seiner 4-2 Bilanz ist auch für die Augen ersichtlich bisher ein äußerst glückliches Team gewesen. 3-1 in engen Spielen, dazu besitzen die Cardinals die zweitschlechteste Pass-Offense um QB Kolb und das drittschlechteste Laufspiel um… wenn eigentlich? Williams und Beanie Wells sollen ja verletzt sein. Der fünftstärkste Schedule bewahrt die Cards vor noch tieferen Tiefen, aber wenn du Tebow-Zone im Passspiel mit 4.8 NY/A bist, siehst du eben nur Land unter.

Bemerkenswert ist der Aufstieg der Washington Redskins in den letzten Wochen. Nach Woche drei waren die Skins mit New Orleans gemeinsames Schlusslicht. Nun scheint sich die Secondary berappelt zu haben, und auch speziell QB Robert Griffin III spielte zuletzt auf hohem Niveau und wird zumindest in dieser frühen Phase seiner Karriere den Vorschusslorbeeren offenbar gerecht. Washington stellt mittlerweile die beste Pass-Offense der Liga (7.5 NY/A) und kann sich dabei „leisten“, zu den drei undiszipliniertesten Mannschaften in der NFL zu gehören.

Und natürlich: Was sagt des Modells Glaskugel für Woche 7?

Für das Modell sehen die Favoriten am Spieltag der Heimsiege – zumindest sind 13 von 14 Heimteams favorisiert – wie folgt aus:

SAN FRANCISCO – Seattle
BUFFALO – Tennessee
NY GIANTS – Washington
TAMPA BAY – New Orleans (!)
CAROLINA – Dallas
HOUSTON – Baltimore
Indianapolis – CLEVELAND
ST LOUIS – Green Bay (!)
MINNESOTA – Arizona
NEW ENGLAND – NY Jets
OAKLAND – Jacksonville
CINCINNATI – Pittsburgh
CHICAGO – Detroit

Und das einzige favorisierte Auswärtsteam, die Cleveland Browns, haben Siegchance 50.03% nach diesem Modell. Klarster Favorit ist übrigens Oakland gegen Jacksonville (78.2%).

Neuigkeiten aus der Welt der Schweinehaut (Zsf. vom Juni 2012)

Und es tat sich dann doch das eine oder andere.

National Football League

Kickoff-Zeiten

Ab der kommenden Saison wird der Sonntagabend in der NFL (MESZ) ein klein wenig anders aussehen: Die 22h15-Partien werden in Zukunft 22h25-Partien sein, um für die in der Vergangenheit immer wieder aufgetretenen Überschneidungen auf den übertragenden Networks CBS/FOX zu reduzieren. In manchen Regionen waren immer wieder aufgrund der komplizierten Vertragslage die letzten Minuten der 19h-Partie abgeschnitten worden, da das jeweils übertragende Network des Doubleheaders 19h/22h15 wechseln musste. Die 22h05-Partien bleiben unangetastet. Eine für uns weniger relevante Geschichte: Die NFL hat die Fesseln der „Blackout-Regel“ für nicht ausverkaufte Spiele gelockert.

Referee-Lockout

Nehmen wir die Rückkehr des „Lockouts“, wenn auch weit weniger dramaturgisch verwertbar als noch im vergangenen Sommer von 2011. Diesmal war es die Referee-Gewerkschaft, die sich im Clinch mit der National Football League befand. Über die Hintergründe bitte im Best Sports Blog nachlesen.

LaDainian Tomlinson sagt Pfiat Gott

Mitte Juni ist der ehemalige Running Back der Chargers und Jets, LaDainian Tomlinson (kurz „L.T.“) nach elf Jahren Profilaufbahn zurückgetreten. Wer Tomlinson nur in den letzten Jahren in New York erlebte, der sah einen matten Abglanz des einst besten Backs in der NFL.

In Schottenheimers Offense war Tomlinson zu seiner Blütezeit (ca. 2003-2006) diedominante Figur schlechthin, als Läufer und Ballfänger (2003/04 mal mit 100 (!) Catches in der Saison) gleichermaßen gefährlich und mit dem dunklen Visor nebst Charger-Blitz auf dem Helm wie aus einer anderen Galaxie durch die NFL-Defenses fräsend.

Tomlinson war 2006/07 NFL-MVP und galt insgesamt als echter Sportsmann. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden seine Karriereleistungen (13645yds Rushing in der Regular Season/#5 der NFL-Geschichte, 4772yds Receiving, 162 Touchdowns plus 7 Wurf-TD, Rekordhalter für die meisten Touchdowns in einer Saison mit 31) zu einer Wahl in die Hall of Fame führen, auch wenn die letzten 3-4 Jahre, insbesondere der Aufenthalt in New York, den glänzenden Eindruck von Tomlinsons Blütezeit doch etwas verwischten.

Tomlinson war einer jener Hochglanzprodukte in der NFL, deren Karrieren völlig verschwendet wurden. Als er 2001 nach San Diego kam, war die Mannschaft gerade im Umbruch nach der verheerenden Zeit unter QB Ryan Leaf. Der junge QB Drew Brees (ebenso 2001 gedraftet) brauchte zu lange um sich zu entwickeln, sodass mehrere der besten Jahre Tomlinsons für ein paar tausend Yards und 4-12 Saisons draufgingen. In seinem größten Spiel als Charger, im AFC-Finale 2007/08, hockte Tomlinson mit kaputtem Knie stundenlang hinter seinem schwarzen Helm an der Seitenlinie, unfähig, noch einmal in ein durchaus zu gewinnendes Spiel gegen die ungeschlagenen Patriots einzugreifen – eines der prägenderen Bilder der letzten Jahre NFL.

Freigabe von All-22

Die NFL wird für die Saison 2012/13 das sog. „Coaches-Tape“ freigeben. Mehr dazu in wenigen Tagen.


College Football

Bye, bye, BCS

NCAA und die großen Conferences im College Football haben sich dazu durchgerungen, die unpopuläre BCS („Bowl Championship Series“), jenes bizarre System der Meisterfindung im College Football, zu begraben und es durch eine Mini-Playoffserie mit vier Teams (Halbfinale und Finale) zu ersetzen. Prinzipiell ist der Move begrüßenswert, aber auch eine Art Öffnung der Büchse der Pandorra. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Rufe nach einer Playofferweiterung entflammen. Die Frage wird also in Zukunft von „Wie beknackt kann eine Meisterfindung sein?“ hin zu „Wie weit lässt sich eine Post Season in einer physischen Sportart wie Football öffnen?“ – immerhin haben wir es mit Studenten zu tun und Football lässt sich nicht einfach mal um drei-vier Playoffspiele pro Team erweitern, ohne dass die Regular Season beschränkt wird. Und eine Regular Season mit elf, zwölf oder 13 Spielen ist für manche Uni aus den mittleren und unteren Regionen der FBS finanziell lebenswichtig…

Und weitere Probleme bleiben ungelöst. Dan Wetzel (Autor von „Death to the BCS“) hat bei Yahoo einen exzellenten Artikel über das weiterhin korrupte  System „College Football“ und seine Probleme geschrieben.

Paterno

Die im November 2011 aufgeflogene Affäre Sandusky köchelt weiter vor sich hin – jüngst wurden eMail-Hinweise veröffentlicht, die die Offiziellen der Universität, wie auch den legendären Coach Joe Paterno (im November nach fast 46 Jahren als Chefcoach gefeuert, im Jänner verstorben) in ein miserables Licht rücken könnten. Paternos Denkmal dürfte aus der Geschichte doch deutlich angekratzter herausgehen als anfangs angenommen.


Europa

Austrian Bowl

In Österreich sorgt die kurzfristige Verlegung der Austrian Bowl von Innsbruck nach Wien für Verärgerung. Aus der offiziellen Begründung:

„Für die Fans von drei der vier am Halbfinale teilnehmenden Teams ist die Anreise nach Wien näher als nach Innsbruck. […] Da sie (die Hohe Warte in Wien/korsakoff) von den Kosten wesentlich günstiger ist, haben wir uns letztlich aus wirtschaftlichen Gründen für eine Austragung der Chevrolet Austrian Bowl in Wien entschieden.“

Einen langen, nein: laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangen Kommentar dazu hat Walter Reiterer bei Football-Austria verfasst.

Euro Bowl

In der EuroBowl am 21.7.2012 stehen sich die Vienna Vikings aus Wien und den Calanda Broncos aus Graubünden gegenüber. Calanda ist nach einem Kantersieg über Titelverteidiger Tirol erstmals für das Endspiel im wichtigsten europäischen Football-Wettbewerb qualifiziert – und das Endspiel findet nun in Liechtenstein statt!


Medien

ESPN

Erin AndrewsErin Andrews verlässt ESPN. Andrews war vom College GameDay bei ESPN eines der bekanntesten Gesichter und sorgte in der Blogosphäre darüber hinaus durch schlagzeilenträchtige Aktionen (Stalking usw.) für Unterhaltung. Andrews wird zu FOX gehen – wir dürften sie damit hier nicht mehr so schnell zu Gesicht bekommen.

Horrormeldung von Monday Night Football: Es scheint sich zu bestätigen, dass das zweite MNF-Spiel in Woche 1 (OAK-SD am 10.9.) von Chris Berman und Trent Dilfer kommentiert werden wird.

Football Perspective

Chase Stuart (früher hauptsächlich Pro Football Reference) hat sein neuestes Projekt gestartet: Football Perspective, ein Football-Portal, auf dem mit Zahlen, Statistiken und Kuriositäten jongliert wird. Es sind nicht immer die großen weiterführenden Methoden zur Modellaufstellung, aber Stuart führt gerne Sinn und Unsinn des Pundit-Mülls im TV vor Augen und hat eine spezielle Neigung hin zu Power Rankings verschiedenster historischer Ereignisse in der NFL.