Der längste Sonntagsvorschauer der Saison 2015/16

Im Power-Ranking unter der Woche schloss die AFC South mit einem durchschnittlichen Wert von knapp 35% WP auf neutralem Platz gegen eine neutrale Mannschaft ab. Das ist so bodenlos schlecht, dass es sogar die NFC West der Jahre 2008-2010 in den Schatten stellt.

Die Chance ist hoch, dass diese Division ein Team mit negativem Record in die Playoffs hieven wird. Die Colts sind mit 3-5 der überlegene Spitzenreiter (2-0 Division-Bilanz). Heute wartet für die Colts im Galopp Pony gegen Rennpferd der Denver Bronco und damitdie nächste Abreibung. Morgen wird der Divisions-Leader der AFC South eine .333 Bilanz haben.

Und trotzdem ist das System NFL richtig. Trotzdem gehört jeder Divisionssieger in die Playoffs. Mit der Aufteilung der Conferences in je vier (statt wie früher 3) Divisionen wurde die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die NFL alle paar Jahre eine Freak-Division stellt. Unter den gegebenen Voraussetzungen finde ich es auch die „logischste“ Entscheidung, jeden Divisionssieger zumindest ein Heimspiel absolvieren zu lassen.

Die NFL ist extrem erfolgreich. Die NFL ist gewissermaßen zutiefst „ungerecht„. Die NFL ist wahrscheinlich so erfolgreich, weil sie so absurd ungerecht ist. Weiterlesen

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NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 10: die 19.00-Uhr-Spiele

[Update, So 12h36] Ich habe unten dran den Sendeplan ergänzt. – korsakoff [/Update]


[Danke an die vielen Gratulanten von gestern und auch nochmal ein großes Danke an korsakoff für den Spielplatz, den Du mir hier immer noch zur Verfügung stellt!]

Um 19.00 Uhr werden die New York Giants (2-6) die Oakland Raiders (3-5) aus den Meadowlands schießen und damit weiterhin so tun, als könnten sie tatsächlich noch nach einem 0-6-Start in die Saison ihre Division gewinnen (nur 2,5 Spiele Rückstand auf Dallas). Daneben versuchen die Falken in Atlanta (2 Siege, 6 Niederlagen, 20 Verletzte) den Seeadlern aus Seattle (8 Siege, 1 Niederlage mit 1/2 Kraft) ein Bein zu stellen. Vergebens. Seattle spielt wie ein Super-Bowl-Sieger: Locker anrollen und häßlich gewinnen im Spätsommer; langsam warm laufen im Herbst und dann mit durchdrehenden Rädern im Januar erschöpfte Gegner überfahren. Neben diesen beiden Spielen versuchen zur europäischen Abendbrotzeit drei Divisionen, jetzt endlich mal ihre Hackordnung festzulegen.

AFC North

Cincinnati Bengals (6-3) @ Baltimores Ravens (3-5)
Buffalo Bills (3-6) @ Pittsburgh Steelers (2-6)
Cleveland Browns (4-5): BYE

Record /DivGames

  1. Cincinnati 6-3 / 1-1
  2. Cleveland 4-5 / 2-1
  3. Baltimore 3-5 / 1-2
  4. Pittsburgh 2-6 / 1-1

Die NFC East ist ja bekanntlich die Lachnummer dieser Saison, aber spätestens seit fast alle Pro Bowler der harten Bengals-D im Lazarett sind, mischt auch die AFC North kräftig im Bodensatz mit. Cincinnati (6-3) ist hier zwar ziemlich deutlich die stärkste Mannschaft, aber ohne ihre beiden Superstars DT Geno Atkins und CB Leon Hall sind sie erst mal eine Stufe unterhalb von großartig. Mit den Baltimore Ravens (3-5), die letzte Woche in Cleveland verloren haben, bekommen sie jetzt zum Glück erst mal einen Aufbaugegner vor dir Flinte. Baltimores Angriff stottert so vor sich hin. Ausgangspunkt des ganzen Elends ist – wie so oft – die Offensive Line. Verletzte (Guard Osemele), mitten in der Saison neu gekommene Starter (LT Monroe) und ein Center in seinem ersten Jahr als Starter (Gradkowski) sind zu viele Schwachstellen. Darunter leidet das Laufspiel (70 Yards/Spiel, 2,8Yds/carry; oder ist Ray Rice jetzt schon zu alt?) und darunter leidet der Quarterback, der dieses Jahr schon 25 Mal gesackt wurde. Joe Flacco leidet außerdem unter dem Fehlen von zwei sicheren Notfalloptionen. WR Anquan Boldin und TE Dennis Pitta können von UDFA Marlon Brown und Opa Dallas Clark nicht ersetzt werden. Die große Schwachstelle, die O-Line, wird auch gegen Cincy der Knackpunkt sein. Denn auch wenn Atkins verletzt fehlt, sind mit Michael Johnson, Carlos Dunlap und mit Abstrichen und Wallace Gilberry und Margus Hunt noch genügend QB-Jäger dabei, die Flaccos Rübe zum Klingeln bringen werden. Vor allem ist dieses Spiel die Möglichkeit für QB Andy Dalton, ein Ausrufezeichen zu setzen und deutlich zu machen, wem jetzt die AFC gehört. Die Bengals sollten es nicht unnötig spannend machen.

Die Pittsburgh Steelers (2-6) warten nur auf so einen Durchhänger. Die Steelers spielen zwar immer besser, aber sie verlieren trotzdem. Mal durch dämliche Ballverluste, mal durch verschossene kurze Field Goals und mal, weil sie zufällig in Tom Bradys „I´m-not-done-yet-game“ geraten sind. Jetzt kommt ein Rookie-QB direkt aus der Reha ins Heinz Field. Das ist die perfekte Möglichkeit für ihr eigenes „we´re-not-done-yet-game„. Zu spät? Pittsburgh hat nur 2,5 Spiele Rückstand auf eine Wild Card. Diese Wild Card hätten im Moment die New York Jets. Ohne Scheiß.

AFC South

St. Louis Rams (3-6) @ Indianapolis Colts (6-2)
Jacksonville Jaguars (0-8) @ Tennessee Titans (4-4)
[22.25Uhr: Houston Texans (2-6) @ Arizona Cardinals (4-4)]

Record /DivGames

  1. Indianapolis 6-2 / 2-0
  2. Tennessee 4-4 / 0-1
  3. Houston 2-6 / 1-1
  4. Jacksonville 0-8 / 0-1

Gar nur ein halbes Spiel hinter Gang Green sind die Tennessee Titans (4-4). Ich hab keine Ahnung, wie diese Titans einzuschätzen sind. DC Gregg Williams blitzt wie eh und je. Und auf der anderen Seite versucht sich QB Jake Locker semi-erfolgreich daran, ein richtiger NFL-QB zu werden. Da Tennessee diese Woche die Jacksonville Jaguars (0-8) empfängt, wird man nicht sehen können, wo sie wirklich stehen. Der Lackmustest kommt dann am Donnerstag gegen Indy.

Die Indianapolis Colts (6-2) spielen geradezu grotesk über ihre Verhältnisse. Mit Seattle, San Francisco, Denver und Houston haben sie schon vier Mannschaften geschlagen, die letztes Jahr in der zweiten Playoff-Runde waren. Der Hauptgrund dafür ist natürlich Wunderkind Andrew Luck. Auch ohne Reggie Wayne (und Dwayne Allen) hat er letzte Woche einen 3-21-Rückstand zur Halbzeit noch gedreht. Immer besser wird dabei auch die Verteidigung. Diese lebt hauptsächlich von DE Robert Mathis, der die Saison seines Lebens spielt. CB Vontae Davis und der schnelle LB Jerrell Freeman haben auch immer wieder lichte Momente und wenn auf der anderen Seite eben Luck steht, reicht das aus. Luck muß nur aufpassen, daß er sich nicht verletzt mit seinem wilden Spielstil gegen zwei kreuzgefährliche pass rushers in Robert Quinn und Chris Long. Solange er nicht mit einer Gehirnerschütterung raus muß, sollten Kellen Clemens & Co hier keine Gefahr darstellen.

Houston (2-6) spielt dann später am Abend noch in Arizona (4-4). Eine der gefährlichsten Verteidigungen bekommt zum Spielen einen kleinen Quarterback in seinem dreitten Start zum Fraß vorgeworfen. Jener Case Keenum war bisher aber nicht nur sehr unterhaltsam, sondern richtig effektiv. Der QB auf der anderen Seite, Carson Palmer, ist alles andere als effektiv. Das wird eine aggressive Verteidigungsschlacht: JJ Watt, Calais Campbell, Daryl Washington und mittendrin der Honey Badger – spektakuläre Plays sind hier garantiert.

NFC North

Detroit Lions (5-3) @ Chicago Bears (5-3)
Philadelphia Eagles (4-5) @ Green Bay Packers (5-3)
[bereits Donnerstag: Minnesota Vikings 34, Washington Redskins 27]

Record /DivGames

  1. Chicago 5-3 / 2-1
  2. Detroit 5-3 / 2-1
  3. Green Bay 5-3 /2-1
  4. Minnesota 2-7 / 0-3

In der NFC North haben wir plötzlich eine völlig neue Spielsituation. QB Aaron Rodgers hat sich im Monday Night Game das Schlüsselbein gebrochen und fällt für mehrere Wochen aus. Er wird vorerst vertreten von Seneca Wallace, der nicht mal im Trainings Camp war. Alle Welt wartet natürlich darauf, daß die Green Bay Packers (5-3) jetzt den arbeitlosen Matt Flynn wieder verpflichten (in seinem letzten Spiel für GB, 2011: 480 Yards, 6 TDs), aber mindestens diesen Sonntag bekommt nochmal Wallce eine Chance. Erleichtert wird Wallace die Sache immerhin von einem immer besser werden Laufspiel. Am Montag gegen die Bears waren es 200 Yards auf dem Boden. Heute Abend gegen die wilden Vögel aus Philadelphia ist alles möglich. Letzte Woche hat Nick Foles sieben Touchdowns geworfen; in den zwei Wochen zuvor hat die gesamte Offense nur drei Punkte gemacht.

Wenn die Cheeseheads Glück haben mit ein paar big plays und Fumbles, die zufällig in die eigenen Hände springen, sind die Playoffs gar nicht so fürchterlich weit weg. Ebenfalls um eins spielen die Detroit Lions (5-3) im Soldier Field bei den Chicago Bears (5-3). Diese haben besagtes Monday Night Game mit Josh McCown gewonnen, der richtig anständig ausssah (auch weil bei den Packers nicht nur der QB, sondern auch etliche Verteidiger verletzt fehlten). McCown mußte Jay Cutler vertreten – die Black&Blue-Division wird diese Saison ihrem Namen mehr als gerecht. Wahrscheinlich ist Cutler heute wieder am Start, aber wichtiger für den Angriff sind die beiden WRs Brandon Marshall und Alshon Jeffrey, die eher die Figur eines Tight Ends haben. In Kombination mit ihrem TE Martellus Bennett, der die Figur eines dicken Defensive Ends hat, bieten die Bears ein wirklich furchteinfößendes Trio (zusammen 130 catches für fast 1700 Yards auf fast sechs Metern Körperlänge und 330kg), das jede Secondary körperlich überragt. Matt Forte hat nun auch schon 1000 yards from scrimmage.

Es ist beeindruckend, wie der neue HC Marc Trestman die Puzzleteile so zusammengefügt hat, daß bei den Bears das erste Mal seit Jahren die Offense die Defense mitschleppt – und nicht andersrum. Dieser Haufen ist mittlerweile unter aller Kanone (schlechteste Mannschaft nach passing yards/attempt, 24. nach rushing yards/attempt), was nur manchmal noch von den vielen provozierten Ballverlusten kaschiert wird. In Woche vier haben die Lions den Bears 400 Yards und 40 Punkte eingeschenkt. Nichts spricht dafür, daß es heute abend gegen Megatron und seinen Raketenwerfer Stafford weniger werden. Detroits Verteidigung ist auch über kaum einen Zweifel erhaben, aber mit dem wiederbelebten Reggie Bush und den beiden 2-Meter-Männern Kris Durham und Joseph Fauria (bei keinem anderen Spiel laufen so viele so große skill players rum) neben Megatron kann Detroit jeden shoot-out gewinnen. Mit Rodgers´ Verletzung ist die NFC North wieder sperrangelweit offen – jetzt muß nur noch jemand zugreifen.

Nachtrag – der Sendeplan

SPORT 1 US mit folgendem Plan:

19h    Chicago Bears - Detroit Lions
19h    Baltimore Ravens - Cincinnati Bengals (*)
22h05  San Francisco 49ers - Carolina Panthers
22h25  Arizona Cardinals - Houston Texans (*)
02h25  New Orleans Saints - Dallas Cowboys

PULS4 bringt diesmal in Österreich ab 22h35 die Partie San Francisco – Carolina; der Gamepass ist erneut für eine Woche gratis abonnierbar. Nicht vergessen, dass bei Gratis-Registrierung eine Kündigung vor 15.11.2013 erfolgen muss, oder die Gebühr wird doch eingehoben.

NFL Notizblock Woche 15 – Colts@Texans

Die Spielplanmacher der NFL haben die beiden matchups zwischen den Indianapolis Colts und den Houston Texans dieses Jahr in die letzten drei Wochen der Saison gelegt. Damit konnten die Überraschungs-Colts (9-4), die bisher in mehr als einem Sinne vom Luck profitierten, mit einem Sieg gegen die Texans (11-2), die Montag nacht von den Patriots grün und blaub geprügelt wurden, weiter im Rennen um die Krone der AFC South bleiben. Was daraus wurde:  Weiterlesen

Glaskugel 2012: Houston Texans

Jahrelang waren die Houston Texans der Geheimfavorit schlechthin. Seit Gary Kubiak seit 2006 das Sagen hat, haben sie aber nie mehr als neun Spiele gewonnen und in aller Regelmäßigkeit die Playoffs verpaßt. Als nach der enttäuschenden 6-10-Bilanz 2010 fast schon niemand mehr an das “andere” texanische Team geglaubt hat, sprang ihnen der wohlgesonnene Weltgeist zur Seite.

Die unüberwindbare Hürde in der AFC South, die Indianapolis Colts, lag plötzlich am Boden, nachdem Peyton Manning für 2011 passen mußte. So zogen die Houston Texans aus ihrem lächerlichen Schedule zehn Siege und marschierten locker in die Playoffs. Dort schlug man die Rookie-Combo Dalton/Green aus Cincinnati bevor dann gegen die Ravens in der Divisional Round die Segel gestrichen werden mußten.

Einer der Gründe für das Aussscheiden war das verletzungsbedingte Fehlen von QB Matt Schaub. Ab Ende November hat sich Rookie T.J. Yates als Spielmacher versucht. Er hat gespielt wie ein Rookie, wie ein einigermaßen guter Rookie zwar, aber das reicht in der Regel nicht, um gegen die Ravens zu bestehen. Insgesamt gingen – inklusive Playoffs – vier der letzten fünf Spiele verloren.

Völlig überraschend kam dagegen die Verteidigung unter dem neuen Defensive Coordinator Wade Philipps – sie kennen ihn aus Filmen wie DC in New Orleans, DC in Philadelphia, DC in Denver, DC in Buffalo, DC in Atlanta, DC in San Diego oder DC in Dallas – um die Ecke. 2010 noch die Lachnummer der Liga, war die Texans-D 2011 plötzlich gefürchtet und beinahe ein richtiges Bollwerk.

Texans Defense

Am Ende der Saison stand nach Yards Platz vier und nach Punkten Platz zwei zu Buche. Wie hat er das gemacht, der Phillips?

Zuallererst mal hat er den Laden umgekrempelt auf eine 3-4-Defense. Und dann wurde auch personell kräftig nachgebessert. Für die Secondary kamen CB Jonathan Joseph aus Cincinnati, einer der besten jungen Cover Guys der Liga und Safety Danieal Manning aus Chicago, solide nur, aber immer noch besser als alles, was da vorher kopflos wilde Sau gespielt hat. In der Draft kamen in den Runden eins und zwei mit 34-DE J.J. Watt und Pass Rusher Brooks Reed zwei heiße Jungspunde, die gleich voll eingeschlagen sind.

Mit Shaun Cody hat Phillips auch einen dicken Veteranen vorgefunden, der die Position des one gap Nose Tackles fast so gut spielen kann wie Jay Ratliff, der das Profil für Phillips bei den Cowboys ausgefüllt hat. Den neben Watt zweiten DEs hat Antonio Smith ganz passabel gespielt. Weil Smith aber auch schon 31 Jahre alt wird, kam in der diesjährigen Draft der talentierte Cornhuser Jared Crick dazu, um (noch) mehr frisches Blut in die Front-Seven zu bringen.

Denn sehr jung sind auch Connor Barwin, Brian Cushing und Brooks Reed (alle 25). Cushing gibt den Mike Backer, während Reed und Barwin zwei aufstrebende Pass Rusher sind. Um noch mehr junges Blunt zu injizieren und weil man auch nie genügend Pass Rusher haben kann, wurde der diesjährige 1st-rd pick für Illinois´ Quarterbackschreck Whitney Mercilus genutzt. Der Abgang von Mario Williams ist nicht mehr als eine Fußnote. Eine bessere Jung&Stark-Kombi in der Front-Seven wird man ligaweit kaum finden.

Die Secondary um Joseph und Manning ist nicht so stark, wie die Zahlen es vermuten lassen. Die anderen CBs sind der 24-jährige Kareem Jackson, der oftmals nur fragend um sich schaut und ein Haufen Typen, die man kaum kennt. Brandon Harris und Roc Carmichael, 3rd- bzw. 4th-rd picks 2011 stehen noch im Kader sowie Brice McCain oder Alan Ball. Alle nicht sehr vertrauenswürdig. Ebenso wie die Safety-Position: Manning ist ganz okay, Glover Quinn ist weniger okay. Und falls sich einer der beiden verletzten sollte, stehen dahinter nur Quintin Demps und Troy Nolan, die beide, obwohl noch sehr jung, von den Eagles gecuttet bzw. von den Texans gebencht wurden. Immer ein schlechtes Zeichen für so junge Leute.

Man darf auch nicht vergessen, daß Houston 2011 hauptsächlich gegen Kaliber wie Kerry Collins, Chad Henne, Jason Campbell, Dan Orlovsky und zwei Mal Blaine Gabbert verteidigen durfte. Als dann mal ein Drew Brees vorbeigeschaut hat, wurden ihm gleich 350 Yards auf den Spielberichtsbogen geschrieben, einem Joe Flacco auch 300.

Texans Offense

Die Offense ist gebaut um das Zone Blocking im Laufspiel, das Kubiak vom legendären Alex Gibbs übernommen hat. Die Texans sind tatsächlich eines der letzten Teams, die ihre Offense um das Laufspiel herum aufbauen. In der letzten Saison hatten die Texaner die meisten Läufe für die zweitmeisten Yards und die drittmeisten Touchdowns zu Fuß.

Arbeitstier Arian Foster, ehemals ungedrafteter Philosophiestudent, hat in dieser Offseason dann endlich seinen großen Vertrag bekommen (5Jahre, $21M garantiert), man fragt sich nur, warum von den Texans? In diesem ausgefeilten zone blocking system können viele RBs gut aussehen, dafür kann man auch einfach einen von der Straße nehmen. Das hat Kubiak ja selbst mit Typen à la Olandis Gary, Mike Anderson oder eben Foster bewiesen. Zumal mit Ben Tate  auch noch jemand im Kader ist, der mit 5,4 yards einen ganzen Meter pro Lauf mehr macht als Foster.

Schedule

Wk1 v MIA
Wk2 @ JAX
Wk3 @ DEN
Wk4 v TEN
Wk5 @ NYJ (MNF)
Wk6 v GB (SNF)
Wk7 v BAL
Wk8 BYE
Wk9 v BUF
Wk10 @ CHI (SNF)
Wk11 v JAX
Wk12 @ DET (TNF)
Wk13 @ TEN
Wk14 @ NE (MNF)
Wk15 v IND
Wk16 v MIN
Wk17 @ IND

Vielleicht hat Kubiak wegen seiner Offensive Line kalte Füße bekommen. Von der sind nur noch 3/5 übrig. Eric Winston, der sich hinter keinem Right Tackle der Liga verstecken muß, verdient seine (größeren) Brötchen jetzt in Kansas City. Mike Brisiel war mit seinen flinken Füßen unter dem großen Oberbau ideal für das zone blocking, er tänzelt nun in Oakland. Den letzteren wird Antoine Caldwell ersetzten, der seine Sache in den letzten drei Jahren angeblich ganz gut gemacht hat, wenn er mal auf dem Platz stand. Den ersteren sollte eigentlich Veteran Rashard Butler ersetzen, nach der Preaseason ist man sich da aber nicht mehr ganz sicher und hat eine offene competition zwischen Butler und dem 24-jährigen Derek Newton von Arkansas State um den Startplatz.

Die anderen 3/5 sind die allseits geschätzten Center Chris Myers, einer der besten seines Faches, links daneben spielt Wade Smith solide wie eh und je und ganz links steht Duane Brown, der ruhigen Gewissens von sich behaupten kann, einer der drei besten  Left Tackles der AFC zu sein. Das große Fragezeichen ist hier natürlich, wie gut die rechte Seite der Linie sein wird. Eine Frage ist die nach der individuellen Klasse von Caldwell/Butler/Newton, eine andere das Zusammenspielen als Einheit, was bei diesem zone blocking scheme ungemein wichtig ist und was einige Zeit braucht, um sich zu entwickeln.

Mit der Top-Defense und dem starken Laufspiel im Rücken spielt das passing game nur die zweite Geige. QB Matt Schaub ist auf fast schon spektakuläre Weise unspektakulär und langweilig, produziert trotzdem ganz gute Zahlen und weiß, was er macht. korsakoff schrub mal, Schaub ist sowas ein Kyle Orton für Reiche – das trifft es genau.

Nun ist aber Schaubs Spielzeugkiste leider nur sehr spartanisch ausgestattet. Andre Johnson könnte immer noch einer der besten WR der Liga sein, hat aber in einer erschreckenden Regelmäßigkeit mit muskulären Problemen zu kämpfen. In den letzten beiden Saisons hat er von 34 Spielen nur 20 mitgemacht. Ob das jetzt mit 31 Jahren nochmal besser wird? Nr. 2 WR Kevin Walter ist so trocken wie eine Scheibe Brot, fängt aber jedes Jahr seine 40 bis 50 Bälle. Der junge Jacoby Jones, der mit 16,5 Yards/Catch wenigstens noch ein bißchen Feuer ins Paßspiel gebracht hat, wenn Johnson mal nicht konnte, ist abgewandert und soll jetzt ersetzt werden von: keine Ahnung. Da stehen ein paar Rookies im Kader wie die diesjährigen 3rd- und 4th-rd picks DeVier Posey und Keshawn Martin, aber kein guter erfahrener Mann. Die kleine Ente Jeff Maehl trainiert auch noch mit, aber mehr als ein vierter Receiver wird er wohl nie.

Zweitwichtigste Waffe für Schaub sollte wieder TE Owen Daniels sein. Daniels ist nicht auf dem Niveau der TE-Rockstars der Saints oder Patriots, aber seine 50 Yards pro Spiel gibt er Schaub immer, wenn der mal sonst nicht weiß, wohin. Abgewandert ist TE/FB/H-Back Joel Dreessen (nun in Denver), der in der Offense ein sehr beliebtes Puzzlestück war, weil man mit ihm einfach alles machen konnte. Mit 6 TDs war er auch der mit Abstand erfolgreichste Scorer durch die Luft.

Ausblick Houston Texans

Houston ist für 2012 schlechter aufgestellt als für 2011. Im Angriff wird die OLine umgebaut; fehlen Jones und Dreessen, die der Offense wenigstens einige unberechenbare Momente gegeben haben; hängt sehr viel am Fitneßzustand von Andre Johnson. Es hat auch nicht eine personelle Verstärkung gegeben, kein einziger namhafter Neuzugang. Trotzdem sollte dieser Angriff zumindest gut sein und auch mal ein Spiel gewinnen können, wenn die Defense einen schlechten Tag hat.

Die Verteidigung ist viel besser aufgestellt, hat aber auch so ihre Fragezichen. Die Secondary bräuchte neben CB Joseph noch einen weiteren Playmaker. Dann muß man sehen, ob die vielen jungen Typen wirklich so gut sind, oder ob sie nur von den schwachen Gegnern profitiert haben. 2012 kommen Peyton Manning, Rodgers, Cutler, Stafford und Brady zum Härtetest, außerdem wurden Orlovsky von Andrew Luck ersetzt. Das wird eine ganz andere Hausnummer.

Nichtsdestotrotz sind die Texans der Favorit auf die AFC-South-Krone. Aber danach traue ich ihnen nicht mehr viel zu. Irgendwie fehlt in der Defense der eine große difference maker und man darf niemals vergessen: Gary Kubiak ist immer noch der Head Coach. Der hat schon ganz andere Sachen vergeigt. Playoffs müssen drin sein, daneben sehe ich nur ganz kleine Außenseiterchancen auf die Lombardi Trophy.

Houston Texans in der Sezierstunde

Die nächste krass enttäuschende Mannschaft. Was hatte ich erwartet?     

Die Offense wird auch unter OffCoord Rick Dennison ein ähnliches Gesicht haben. Und das besteht in erster Linie aus Passspiel, in zweiter Linie aus Passspiel und in dritter Linie aus Passspiel. QB Schaub zu WR Johnson war zwei Jahre lang ein Gassenschlager, den kaum einer mitbekommen hat.

Am Ende war’s balancierter als erwartet. Grund dafür: RB Arian Foster, völlig unbekannter junger Spieler, der mit 1616yds und 16 Touchdowns Laufkönig des Jahres war. In Houston! Auch die Luftwaffe funktionierte: 4370yds, 24 Touchdowns für QB Matt Schaub. Auch angesprochener WR Andre Johnson glänzte nicht nur mit seiner Schlägerei, sondern auch mit 1216yds und 8 Touchdowns.

Problemzone war eine andere: Die Defense, besser: Die Verteidigung gegen das Pass-Spiel. Es war teilweise absurd, wie einfach diese Secondary auszuhebeln war – anzuschauen auf den vielen Tapes, die ESPN America zu den Texans-Spielen 2010/11 brachte. CB Dunta Robinson (war nach Atlanta gegangen) scheint doch wertvoller zu sein als gedacht.

„Wertvoll“ vor allem im Bezug auf den Aspekt der Erfahrung. Houstons Cornerbacks 2010/11: Kareem Jackson (Rookie), Sherrick McManics (Rookie), Glover Quin (2. Jahr), Brice McCain (2. Jahr) – bis dann in der zweiten Saisonhälfte noch CB Jason Allen aus Miami kam – auch eher ein Flop.

Texanische Rochaden

Kareem Jackson Houston Texans

Kareem Jackson - Foto: Wikipedia

N’bisschen Erfahrung dürfte in der Secondary nicht schaden. Vor allem Jackson gilt als völlig verunsichert, dank einiger problematischer Vorstellungen und vielleicht überzogener Erwartungen. Ob in der Secondary ein weiterer hoher Draftpick helfen würde? Ich bezweifle das mal – eher sollte man von irgendwo her einen brauchbaren Cornerback kriegen, der ein paar Jahre NFL gesehen hat.

Bei den Safetys sind die Probleme anders gelagert: QB-Killer Bernard Pollards Vertrag läuft aus, FS Troy Nolan gilt als Fehlbesetzung und möchte Strong Safety spielen – ein Zeichen, dass der katastrophale Deckungsspieler Pollard geht? Als neuen Free Safety will man einen der zig jungen Cornerbacks installieren – ob sowas gut geht?

Der neue Defensive Coordinator Wade Phillips wird auch die Front Seven verbessern müssen, und zwar personell. Aus Houston sickern immer wieder Gerüchte in meinen Mail-Ordner, dass Phillips gedenkt, einige Positionen umzustellen, u.a. Brian Cushing wieder als OLB (sehr gute Idee!) oder DE Mario Williams als Teilzeit-OLB (eher weniger gute Idee in meinen Augen).

Auf alle Fälle alles Versuche, die Defense mit dem vorhandenen Material hinzukriegen – und gute Spieler haben die Texans via Draft über die Jahre geholt. Cushing war 2009/10 sogar Rookie des Jahres, musste nach Koks-Geschichte und aus Verletzungsgründen aber zeitweise als ILB spielen. Dort wird ILB DeMeco Ryans nach überstandener Verletzung wieder zurückkehren – eine immens wichtige Verstärkung.

Sollte Cushing außen eingesetzt werden, fehlt immer noch ein zweiter starker OLB – ich gehe mal davon aus, dass Houston an #11 im Draft einen der vielen hybriden DE/OLBs einberufen wird.

Mindestens ebenso wichtig dürfte der Nose Tackle sein. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass Houston via Free Agency einen NT holt – vielleicht hat Tommie Harris Lust auf Texas? Denn DT Amobi Okoye kam als extrem junger Spieler in die NFL – zu einer Zeit, als Houston noch 4-3 spielte, und selbst da war Okoye nie der erwartete Dominator. Houstons Problem – seit Jahren werden teure Defensive Liner gedraftet, aber bis auf Mario Williams hat keiner eingeschlagen.

In der Offense…

… ist man eigentlich nicht schlecht besetzt. Der Offensive Line könnte einen jungen Tackle brauchen, muss aber nicht sofort sein. Die Running Backs dürften auch hinter Foster ordentlich besetzt sein, und ein Steve Slaton gehört IMHO zu den sichereren Ballträgern.

Bei den Wide Receivers könnte in Runde 2 oder 3 ein Spieler dran sein – neben Andre Johnson gibt es eine Reihe von durchschnittlichen Receivers, aber keinen dominanten. Spannend könnte es an der Stelle werden, wenn A.J. Green oder Julio Jones wider Erwarten an #11 verfügbar wäre: Johnson und Jones als Wide-Receiver-Tandem – da kannst du auf der Stelle deinen Quarterback wegtauschen und einen Fan von der Tribüne in den Huddle holen, und er wird dir 30 Touchdowns pro Saison werfen.

Oder man nimmt Matt Leinart (ist aber RFA, könnte getradet werden, vielleicht nach Seattle?).

Kurzum:

Die Houston Texans haben ihre wunden Stellen, aber in einer Division im Umbau sind die Playoffs trotzdem nicht weit weg. Vielleicht sollten die Texans ihr Geld in die Entwicklung des Impfstoffs „Siegermentalität“ stecken – denn genau das ist es, was ihnen am meisten abgeht.

2011/12 sind IMHO die Playoffs absolute Pflicht – um endlich ernst genommen zu werden und nach fast einem Jahrzehnt NFL endlich mal an Profil zu gewinnen!

Es gibt noch weitere „Sezierstunden“. Und zwar hier.

Jacksonville Jaguars in der Sezierstunde

Jacksonville Jaguars Everbank Stadium

Das nicht immer ausverkaufte Everbank Field - ©Flickr

Schwierige Sezierstunde, wenn du den Patienten nur 5x auf Tape gesehen hast. Nun denn…

Es wirkt etwas uninspiriert, was die Jacksonville Jaguars seit Jahren treiben. Seit der großartigen Saison vor drei Jahren ist aus dem Brüllen der Jaguars ein molliges Schnurren geworden. Es ist gemütlich geworden in Jacksonville, man scheint sich mit dem Status Quo zufrieden zu geben. Nicht abzustürzen, aber auch keine großen Investitionen, um die NFL-Spitze anzugreifen… Jacksonville ist Eintracht Frankfurt!

Es gab aber auch positive Momente – und es gab Gus-Johnson-Momente:

Chance des Lebens verpasst

2010/11 war ein Freak-Jahr. Jacksonville hätte mit einer durchaus unterdurchschnittlichen eigenen Saison in einer sehr schwachen Division mit etwas mehr Konsequenz in die Playoffs einziehen können. Und das trotz

a) sehr unrunder und unbalancierter Offense (#3 Lauf, #28 Pass),
b) ganz schlimmer Turnover-Bilanz (-15!!, #31 der NFL), und
c) unterirdischer Defense (#32 overall in der DVOA-Wertung)

Es ist eigentlich fassungslos, dass Jacksonville damit bis zur vorletzten Woche im Playoffrennen dabei war. So eine Chance wird so schnell nicht wiederkommen.

Die Offense

Im Jänner 2008 lieferte QB David Garrard zwei Augenweide-Spiele in den Playoffs ab (der göttliche Scramble gegen die Steelers und den spektakuläre TD-Pass gegen die Patriots), aber seitdem hat sich Garrard dem Niveau der Jaguars angepasst. Eben… espritlos. Oder sind die Jaguars nur so mittelmäßig, weil der Quarterback so mittelmäßig ist? Nun, in den Spielen, in denen Garrard fehlte, lief nur eines: NICHTS. Garrard wird mit 33 auch nicht jünger und der Zeitpunkt, einen QB in den mittleren Runden (ab Runde 2-3) zu holen, könnte gekommen sein. Garrard ist kein Stinkstiefel und gäbe einen guten Mentor ab.

Was Jacksonville nach zig schlechten Picks braucht, ist ein Wide Receiver. WR Mike Thomas hat es mir nicht nur wegen obigem Sensationscatch angetan, TE Mercedez Lewis ist ein auffälliger Knabe, aber dahinter wird es schon verdammt eng. WR Sims-Walkers Vertrag läuft aus und meiner Meinung nach kein wirklicher Verlust.

Maurice Jones-Drew RB Jacksonville Jaguars

Jones-Drew - ©Flickr

Ein Receiver muss her, um die Last etwas von RB Maurice Jones-Drew zu nehmen, der sportlich zu meinen Favoriten gehört (Kampfgnom mit unbändigem Einsatzwillen), aber fette Minuspunkte für den Schwachsinn in der Jay-Cutler-Causa gesammelt hat.

Die Defense

Obwohl die übertragenen Spiele das nicht mal in dem Ausmaße hätten vermuten lassen: Die Statistiken sind mit „desaströs“ milde beschrieben. Anfangend mit der idiotischen Abgabe von FS Reggie Nelson kurz vor Saisonbeginn, über die Nicht-Entwicklung von DE Harvey hin zum durchschnittlichen Spielermaterial – datt war nicht gut.

Jacksonville draftet seit Jahren munter teure Defensive Ends. Resultat: 2011 wird händeringend ein Defensive End gesucht. Mein Tipp: In Runde 1 wird ein DE geholt – und zwar keiner von der University of Florida. Positiv für Jacksonville: Der verspottete Tyson Alualu hat augenscheinlich ein formidables Rookie-Jahr gespielt.

Die Linebacker haben zum großen Teil auslaufende Verträge. Die Jaguars werden die billigen halten, die teureren ziehen lassen und sich billige Neue via Draft holen – so wird Personalpolitik im Norden Floridas gemacht.

Die Secondary schreit nach „Safety! We need Safety!“ Beim Tape-Schauen neben der Arbeit ist mir das klaffende Loch in der Secondary aufgefallen. Also muss es darum schlimm bestellt sein. Verstärkung dringenst benötigt.

Das Mysterium

Jacksonvilles Publikum ist ein Mysterium. 2009 war die Franchise mit (für NFL-Verhältnisse) unterirdischen 49.395 Zuschauern im Schnitt. 2010 ohne ersichtlichen Grund plötzlich 63.032 Zuschauer pro Spiel (über 35% Anstieg) – trotz nur leicht gesenkter Ticketpreise.

Und man sage mir nicht, es hat mit dem sportlich besseren Jahr zu tun. 1999 war Jacksonvilles bestes NFL-Jahr (14-2 Saison). Damals kamen im Vergleich zu 1998 über 3000 Zuschauer pro Spiel weniger. 2007 spielte Jacksonville spektakulären Football und galt als brandheißer Tipp in den Playoffs. Resultat: Nach zwei Jahren (05, 06) ohne Blackout war 2007/08 mit drei Blackouts deutlich schlechter.

Ich bin einigermaßen perplex. Erklären kann ich das höchstens mit einer sehr launischen Fanbasis und damit, dass die Jaguars zu wenig Identität aufgebaut haben, um einen kontinuierlichen Dauerkartenverkauf hinzukriegen.

Ausblick

So uninspirierend wie Jacksonville war: Die Mannschaft ist nicht unspannend. Head Coach Jack Del Rio ist auch nach Jahren der Stagnation nicht im Kreuzfeuer. Weil er mit mäßigem Material vergleichsweise viel herausholt? Trotzdem muss sich Del Rio fragen, wie es sein kann, dass ein ehemals schenialer DefCoord so viele Fehler beim Draften von Defensive Ends machen kann, dass die Baustelle seit gefühlten drei Jahrzehnten offen ist.

Weitere Sezierstunden bitte auf den Tag „Sezierstunde“ klicken – oder in der Rubrik NFL.

NFL Date am Donnerstag, Week #14: Die Wachablöse droht

Do./Fr. 02h30 ESPN America

Das Donnerstagsspiel in Woche 14 gibt kurz Anlass, über die AFC South nachzudenken. Die Division ist so künstlich wie ihre Mitglieder: Dank der Neugründung der Houston Texans musste zur Saison 2002 die AFC South gegründet werden. Mit dabei ein Quartett aus wenig traditionellen Mannschaften: Die Indianapolis Colts, die einst aus Baltimore geflüchtet waren, die Tennessee Titans, die als Houston Oilers jahrzehntelange Verlierertradition vorweisen konnten, und dann noch zwei Teams frisch aus der Retorte: Die Jacksonville Jaguars und eben die Texans.

So wenig Old-School-Flair in dieser Staffel steckt, so potent waren ihre Vertreter seit ihrer Gründer. Oder besser: Zwei ihrer Vertreter. Wir schreiben die neunte Saison und noch immer haben keine anderen Mannschaften als Indianapolis und Tennessee den Titel geholt. Houston fehlt gar immer noch ein Playoff-Einzug, während die Jaguars wenigstens zweimal als starkes Wild-Card-Team in die Post Season gegangen sind.

Die beiden Top-Teams des Jahrzehnts treffen nun aufeinander: Indianapolis vs. Tennessee. Und je nach Spielausgang könnte der Grundstein dafür gelegt werden, dass wir eine Premiere erleben: Kein Divisionssieger Colts oder Titans.

Aktueller Stand:

#1 Jacksonville 7-5
#2 Indianapolis 6-6
#3 Houston 5-7
#4 Tennessee 5-7

In Betracht ziehend, dass keine Mannschaft eine Wild Card ziehen wird, braucht es den Gruppensieg für die Playoff-Qualifikation.

Der Fluch der verlorenen Superbowl?

Die Colts waren 2009 keine überragende Mannschaft. Sie war trotzdem nah dran an einer Perfect Season und am Titelgewinn. Grund dafür: Ein sensationell gut spielender QB Peyton Manning, eine halbwegs ordentlich spielende Defense und die Qualität, die engen Spiele zu gewinnen.

Die Bilanz nach dreiviertel Regular Season 2010 ist ernüchternd: 6-6. Rein optisch ist Indy immer noch eine reine Pass-Offense und unfähig, den Lauf zu stoppen. Was noch dazukommt, ist eine offene Secondary. Vor allem ist man aber nicht mehr in der Lage, Spiele wie jüngst gegen die Patriots oder die Cowboys zu biegen. 2009 wäre das gelungen.

Den meisten Hohn steckt derzeit Peyton Manning ein. Schon allein die Vergleiche mit Bruder Eli dürften für #18 Schande genug sein.

Dabei wird aber gern übersehen, dass Manning hinter ein furchtbaren Offensive Line spielen muss. Was derzeit über die Mitte an Druck zum QB durchkommt, das geht auf keine Kuhhaut mehr. Vor allem Center Jeff Saturday, mittlerweile auch schon 35, hat seine besten Tage hinter sich.

Zweites Problem: Die Verletzungen. Mittlerweile sind die WRs Wayne und Garcon wieder zurück. Aber dahinter wird es schon eng: Die Optionen danach hören auf die Namen White, James und Tamme. Liebe Leser, Sie brauchen sich nicht zu schämen, wenn sie nichts von denen gehört haben. Vermutlich wusste Manning selbst bis vor kurzem noch nichts von den Jungs.

In der Defense rächt sich immer mehr, dass jahrelang Backup-RBs und WRs gedraftet wurden, anstatt die größte Schwachstelle zu beseitigen: Defensive Tackles. Nach dem Ausfall von SS Bob Sanders und einigen Abgängen in der Front Seven ist die Laufdefense mittlerweile wieder fürchterlich. In der Secondary spielen Leute wie Powers und Lacey. Unter diesen Umständen spielt die Defense noch halbwegs annehmbar.

Probleme solcher Art hatten die Colts schon des Öfteren. Manning konnte das bisher stets ausgleichen. Würfe wie gegen die Cowboys mitten in die Doppeldeckungen hinein habe ich von Manning aber noch selten gesehen. Insofern ist die aktuelle Niederlagenserie auch an Manning selbst festzumachen.

Der Anführer, den es nicht gibt

Die Colts müssen nach Nashville, Tennessee. Sie sind dort trotz aller Verletzungen, Interceptions und Pleiten klarer Favorit. Denn die Titans sind mal wieder im Chaos. Spätestens seit der Demission von QB Vince Young ist die Saison für den Gully.

Dabei ist es wurst, ob Coach Jeff Fisher QB Kerry Collins oder den völlig unerfahrenen QB Rusty Smith aufstellt. Im Übrigen ist bei Smith der Vorname Programm. So wenig, wie der Mann mit dem Rest der Offense eingespielt ist. Die Titans haben also kein Pass-Spiel, trotz Receivers wie Kenny Britt (ist nicht ganz fit) oder Randy Moss.

Kollateralschaden für das Laufspiel: Die Defenses konzentrieren sich massiv auf RB Chris Johnson, dessen Zahlen mehr und mehr in den Keller wandern. 59yds in San Diego, 5 (!) in Houston, 53 gegen Jacksonville. Das alles führt dazu, dass Tennessee seit Wochen kaum mehr Punkte erzielt: Seit Anfang November in vier Spielen nur deren 39.

Zu allem Überfluss fuchtelt in Nashville auch noch der Owner dazwischen. Bud Adams sieht in Vince Young immer noch den Mann, um den herum man das Team aufbauen sollte. Es wird gerüchtelt, dass Adams für Young sogar den Bruch mit Head Coach Jeff Fisher riskieren möchte. Trotz Young wiederholt demonstrierter Unreife.

Sollte man 2010 abschenken – und ich sehe nicht, wie die Saison zu retten ist – gibt es wohl trotzdem nur eins: Young entlassen, Fisher halten und einen Quarterback einkaufen. Leute wie Kevin Kolb, Matt Leinart oder sogar Carson Palmer dürften frei sein.

Bei Leinart kommt die Komponente dazu, dass der Mann im Draft 2006 Fishers Favorit gegenüber Young gewesen ist. Damals setzte sich der Owner durch. Vielleicht kauft Fisher einen Leinart ein.

Auf dem Spielfeld

Die Colts haben drei in Serie verloren, die Titans deren fünf. Die Colts sind Zweite, die Titans Letzte in der Division. Trotzdem sind die beiden die einzigen mit positivem Punkteverhältnis in der Division. Beiden nutzt in der sehr knappen, aber nur wenig hochklassigen AFC South nur ein Sieg.

Ich tippe auf Indianapolis. Die Colts haben im Übrigen einen sehr machbare Rest-Schedule (2x TEN, OAK, @JAX), sodass ich die Colts noch immer nicht für die Playoffs abgeschrieben habe.