Super Bowl 46 – Würdigung New York Giants

In vielen Nachbetrachtungen ist jetzt zu lesen, daß die New York Giants besonders glücklich gewesen wären und von vielen Zufällen profitiert haben. Das kann ich so nicht nachvollziehen. Eher ist es so, daß sie gerade zu Saisonbeginn sehr viel Pech hatten. Vor allem Verletzungspech. Aber sie haben an ihr Konzept und an sich selbst geglaubt und sind ein würdiger Super Bowl Champion.

Schon bevor der erste Snap der Regular Season gespielt wurde hat sich Terrell Thomas, der als No.2-CB eingeplant war, mit einem Kreuzbandriß auf IR verabschiedet. Unglücklicherweise brach sich zusätzlich auch noch der hochgehandelte Rookie Cornerback Prince Amukamara das Bein und fiel bis November aus. Die ohnehin schwache Offensive Line verlor mit Left Tackle Will Beatty im November ihren besten Mann; sein Ersatz Stacy Andrews mußte kurz darauf die Segel streichen. So mußte der schon als Guard überforderte David Diehl wieder den Left Tackle geben. Kurz vor dem ersten Saisonspiel riß auch das Kreuzband von MLB Jonathan Goff, für den die Rolle des defensiven QBs vorgesehen war. Weil auch Michael Boley einige Wochen verletzt aussetzen mußte, haben die G-Men einige Spiele mit drei Rookies im Linebacking-Corps gespielt. Matthias Kiwanuka konnte dort nicht spielen, denn er wurde als Defensive End gebraucht, da auch die essentiell wichtigen Justin Tuck und Osi Umenyiora von Verletzungen nicht verschont blieben. Um dem noch die Krone aufzusetzen, ist auch 2nd-rd pick Marvin Austin schon im August auf IR gelandet.

Auf der anderen Seite des Balles hat das für Big Blue so wichtige Laufspiel nicht nur unter den Verletzungen der O-Line gelitten, sondern auch unter der verletzungsbedingten Abwesenheit von Ahmad Bradshaw. Domenix Hixon, als Nr.3-WR vorgesehen hat sich in Woche 2 ins Lazarett verabschiedet. Das war nicht so gravierend, weil dann Victor Cruz in die Bresche sprang, aber gerade in seinen ersten Wochen hat er neben Big Plays auch teilweise hahnebüchene Genickbrecher produziert, die dann unter anderem zu dieser komischen Niederlage im Freak Unfall gegen die Seahawks geführt haben. Hixon hat dann schon mehr gefehlt, als auch Mario Manningham und Hakeem Nicks mehrere Spiele verpaßt haben.

Als New York dann immer mehr ihrer verletzten Spieler an Board hatte oder sich mit den Ersatzleuten eingespielt hatte, wurden auch die Leistungen deutlich besser. Nach drei November-Niederlagen in Folge (gegen die 49ers, Eagles und Saints – keine schlechten Teams) hat Big Blue in Woche 13 ein erstes lautes Ausrufezeichen gesetzt mit ihrem couragierten Auftreten in einer denkbar knappen Niederlage gegen die Packers. In der folgenden Woche, in der nach einem noch besseren Auftritt der Divisionsrivale Dallas niedergerungen wurde, stand hier am 14. Dezember Folgendes zu lesen:

Die Giants können jeden schlagen. Sie sind deutlich besser als ihr 7-6-record vermuten läßt. Wenn nicht nur JPP so spielt, sondern auch Tuck noch eine Schipee drauflegt, was er talentmäßig durchaus kann, und Osi Umenyiora wieder topfit ist, kann auch diese Defense wieder jedem Angriff Kopfschmerzen bereiten. In den letzten zwei, drei Spielen hat auch das Laufspiel endlich gezeigt, daß es gar nicht so unterirdisch ist. Mit Nicks, Manningham, Cruz und Ballard hat man dazu Paßempfänger, die immer für ein Big Play gut sind. Und ein Eli Manning in dieser Verfassung kann die Giants überall hin führen…

So ist es dann auch gekommen. Nach einem kurzen Rückschlag gegen die Redskins gewannen die G-Men bis zum vergangenen Sonntag sechs Do-or-Die-Spiel in Folge. Die ersten vier davon mit einem kumulierten Score von 121 zu 50. Nicht daß die jeweiligen Gegner Laufkundschaft gewesen wären, es handelte sich um den Stadtrivalen Jets, den Erzfeind Cowboys, den No.5 Seed Atlanta, den No.1 Seed Green Bay, den No.2 Seed San Francisco und den No.1 Seed der AFC – New England. So ganz ohne ein wenig Glück wäre vielleicht auch ein Spiel davon verloren gegangen. Aber der Respekt über einen der beeindruckendsten Streaks der letzten Jahre sollte deutlich überwiegen. Über keines dieser Spiele kann man das Urteil unverdient sprechen.

Über die Leistungen von Eli Manning habe ich oft genug geschrieben, das muß hier nicht wiederholt werden. Nur soviel: das beeindruckendste an Eli ist seine Entwicklung, die er durchlaufen hat. Von einem überforderten Jüngling, der in seinen erratischen Leistungen oft zwischen dämlich und ängstlich geschwankt hat, ist in einem langsamen, aber steten Prozeß ein hervorragender Quarterback und Leader geworden, der seine Mannschaft trägt, immer im Spiel hält und auch mal eines (und zwei und drei…) alleine gewinnen kann. Und das alles in New York. Das wohl schwierigste Umfeld, das man einem Quarterback antun kann.

Besonders gewürdigt werden muß auch das Management. Gerade bei diesem Druck, dem Mannschaft und Coach im Big Apple ausgesetzt sind, trotz manchmal ausbleibender Siege und Playoff-Teilnahmen an Coughlin und dem Konzept festzuhalten, hätten einige andere aufgeregte Besitzer und Manager wohl nicht durchgehalten. Die Giants beweisen, daß sich eine durchdachte langfristige Strategie auszahlt – manchmal zwar erst langfristig, aber zwei Lombardi Trophies sind es allemal wert.

Abseits der Giants noch ein anderer Gedanke: jedes Spiel der Regular Season ist wichtig, vielleicht ein banaler Gedanke, aber in den Stories über “heiß sein zu rechten Zeit” ein wenig untergegangen. Hätten die Saints sich nicht zwei unerklärliche Auszeit gegen die Bucs und Rams (!) gegönnt, hätten sie den Heimvorteil in den Playoffs gehabt – und wohl kaum in ihrem Dome gegen die 49ers verloren. Und wahrscheinlich auch nicht gegen irgendeine andere Mannschaft in einem Dome. Die beiden Spiele waren vielleicht das größte Glück für die Giants. (Die Head Coaches von Tampa und St. Louis wurden nach der Saison gefeuert. Ironischerweise ist Raheem Morris jetzt bei New Yorks Divisionsrivalen aus Washington untergekommen. Und noch ironischer: Ex-Rams HC Steve Spagnuolo, der als DC der Giants 2007/08 einen Ring gewann, ist in der kommenden Saison DC der Saints.)

Vorschau NFL Wild Card Playoffs 2011/12: Falcons/Giants, Steelers/Broncos

Atlanta Falcons (10-6) @ New York Giants (9-7)

[Sonntag 19.00Uhr, kommentiert auf FOX von Joe Buck und Troy Aikman]

Die New York Giants haben es mal wieder geschafft, nach achterbahnmäßigen Auf und Ab dann doch wieder in die Playoffs zu kommen. Es gab ein paar tolle Siege (vs New England, Philadelphia), einige Einbrüche (z.B. gegen New Orleans), großartige Comebacks (vs Dallas), völlig unerklärliche Niederlagen (vs Seattle) und abgerundet wurde die ganze Saison durch fünf aufeinanderfolgende Niederlagen im November und Dezember. Mit drei Siegen in den letzten vier Spielen kommt man jetzt aber heiß und mit momentum in die Playoffs. Bei den Giants ist das Auf und Ab und andere Aufregung mittlerweile schon zur Tradition unter Head Coach Tom Coughlin geworden. Mal schießt sich der Nr. 1 WR in den Fuß, dann will der RB einen Fan verprügeln oder er beleidigt Rex Ryan mitten im Stadion; Eli wird mal auf eine Stufe mit Peyton gehoben nur um dann zwei Wochen später nicht mal der beste QB in New York zu sein und Coughlin wird jede Seaison mehr als einmal von Fans und Medien symbolisch gefeuert. Um es kurz zu machen: dieser Zirkus ist das genaue Gegenteil der Atlanta Falcons, die weder auf noch ab oder sonst etwas Extremes sind, sondern einfach – naja, so mittel.

Atlanta ist ein durch und durch gutes Team. Das ist einerseits ein Kompliment, andererseits beschreibt es auch ihre Grenzen. Gut heißt einerseits, daß sie zum dritten Mal in den vier Jahren unter HC Mike Smith ( OC Mike Mularkey & DC Brian Van Gorder) mit Quarterback Matt Ryan verdient in die Playoffs gekommen sind. Die Falcons haben sich in diesen vier Jahren auch nicht verändert. Sie haben ein ziemlich gutes Laufspiel, ein solides Paßspiel und eine ganz anständige Defense.

Aber “gut” heißt eben auch “nicht sehr gut”. Ryan ist kein Rodgers, die WRs Roddy White und Julio Jones sind keine Playmaker vom Format Larry Fitzgerald oder Calvin Johnson, RB Michael Turner ist kein Adrian Peterson und DE John Abraham ist kein Terrell Suggs.

Falcons Offense / Giants Defense

So wird das Spiel dann wohl auch taktisch recht “normal” ablaufen: Turner wird seine 20 Carries bekommen, Ryan wird einige gute Würfe machen und Jones/White einige gute fangen (aber auch droppen) und TE Gony Gonzalez wird die Linebackers der Giants öfter Mal alt aussehen lassen. Aber: das Entscheidende wird der Kampf an der Line of Scrimmage sein und hier ist Atlanta klar im Nachteil.

Die Offensive Line der Falcons ist Durchschnitt. Fünf große dicke Jungs, die ihre Stärken vor allem im Running Game haben. Und in den letzten fünf Wochen (vor dem Spiel gegen die Reste der Tampa Bay Buccaneers) hat selbst das nicht mehr besonders gut funktioniert: 89, 70, 86, 97 und 35 Laufyards gegen Minnesota, Houston, Carolina, Jacksonville, New Orleans. Über die gesamte Saison gesehen waren es am Ende nur 4,0 Yards per Carry, schlechter als zum Beispiel Indy.

Im Paßspiel kann sich QB Ryan schon mal auf einige blaue Flecken gefaßt machen. In guter alter Giants-Tradition hat die Verteidigung um Defensive Coordinator Perry Fewell eine tief besetzte Defensive Line mit drei hervorragenden Pass Rushern in Jason Pierre-Paul, Justin Tuck und Osi Umenyiora (auch wenn Umenyiora und manchmal auch Tuck zeitweise in einer Mischung aus leicht verletzt und lustlos aufgelaufen sind). Auch die anderen D-Liner Chris Canty, Linval Joseph und Dave Tollefson sollten in diesem Spiel ihre Plays machen. Das müssen sie auch, um das mittelmäßige, von Verletzungen geplagte LBs-Corps rauszuhauen.

Atlanta hat nur eine Chance auf mehr als 20 Punkte, wenn sie es schaffen, mit White und Jones mehrere Big Plays zu kreieren. Weil das aus der normalen Offense gegen diesen Pass Rush nur schwer möglich sein wird, werden wir wahrscheinlich viel No-Huddle-Offense von Matt Ryan sehen, was er in den letzten Wochen auch schon ausgiebig ausprobiert hat. Das macht den Pass Rush müde, verhindert das Auswechseln von Spielern, Wechsel zwischen Base-, Nickel- und Dime-Defense und hält den Druck auf die Verteidiger hoch.

Giants Offense / Falcons Defense

Der Gameplan der Giants-Offense ist ziemlich simpel: Eli Manning muß das Spiel irgendwie gewinnen. Das Laufspiel ist statistisch das schlechteste der NFL gewesen mit nur 89,2 Yards pro Spiel und 3,5 Yards pro Carry. Nichtsdestotrotz können sie mit einem fitten Ahmad Bradshaw und einem motivierten Brandon Jacobs mehr als 100 Yards machen und ihren Teil beitragen. In den letzten fünf Spielen waren sie, bis auf die Partie gegen Washington, auch immer dreistellig.

Trotzdem muß das Paßspiel die Hauptarbeit leisten. Mit einem teilweise überragend spielenden Eli Manning und einem der besten Receiving Corps der NFL mit Hakeem Nicks, Mario Manningham und Victor Cruz haben die Giants den klaren Vorteil gegen die mäßige Paßverteidigung Atlantas.

Fazit

Am Ende muß irgendwer der Falcons über sich hinauswachsen, um das Spiel zu gewinnen. Die Giants haben mit Eli, Victor Cruz und JPP/Tuck Spieler, die das regelmäßig machen. Bei Atlanta fehlt der ganz große Spieler, der MVP, der game changer, der auch mal das ganze Team auf seinem Rücken zum Sieg trägt. Matt Ryan hat dieses Jahr nicht gezeigt, daß er gegen eine ganz starke Defense ganz stark spielen kann; WR Roddy White hat immer wieder Killer-Drops; WR Julio Jones ist ein Rookie und wartet noch auf seine breakout performance; RB Michael Turner ist immer noch grundsolide, aber nicht der Homerun-Hitter und auch in der Defense gibt es viele überdurchschnittliche Spieler wie CB Brent Grimes, die LBs Lofton und Weatherspoon oder DE John Abraham. Die genannten haben alle durchaus das Talent, ein Spiel zu entscheiden, aber bis jetzt haben sie es noch nicht gezeigt. (In ihren letzten beiden Playoff-Spielen übrigens auch nicht: 2008 L 24-30 @Arizona und 2010 L 21-48 vs Green Bay.) Hinzu kommt noch, daß Dome-Teams in den letzten 40 Jahren nur 9 von 41 Playoffspielen in kalten Stadien gewonnen haben. Die Giants gehen als klarer Favorit in das Spiel.

Pittsburgh Steelers (12-4) @ Denver Broncos (8-8)

[Sonntag 22.30Uhr, kommentiert auf CBS von Jim Nantz und Phil Simms]

Im Mile High Stadium treffen zum Abschluß der Wild-Card-Playoffs zwei der nur drei Playoff-Teams aufeinander, die ein negatives Turnover-Rating haben (Denver -12, Pittsburgh -13). Über Tim Tebow und seine Broncos ist eigentlich alles gesagt, daß muß hier nicht nochmal wiederholt werden. Pittsburgh läuft komischerweise etwas “under the radar”. Die Defense hat unter vielen Verletzungen gelitten und hat die Regular Season völlig unbemerkt als Nr.1 nach Punkten als auch Yards abgeschlossen. In der Offense redet man meistens über die miese O-Line, den verletzten Big Ben und das miese Laufspiel. Aber an guten Tagen ist Pittsburghs Angriff einer der explosivsten der NFL und immer für mehrere Big Plays gut.

Broncos Offense / Steelers Defense

Das wird ein ganz langer Tag für Tim Tebow und seine Offense. Denver hat zwar das beste Laufspiel der Liga, aber Pittsburgh immer noch eine der besten Verteidigungsreihen ligaweit – sowohl gegen den Lauf als auch den Paß. Die Statistiken lassen Pittsburgh nicht ganz so gut aussehen, was aber vor allem daher rührt, daß die LBs alle längere Zeit verletzt oder gesperrt gefehlt haben. Jetzt sind alle wieder fit.

Pittsburgh wird das Spiel sehr aggressiv angehen und Tebow sehr früh Bekanntschaft machen mit Safety Troy Polamalu, der wohl meistens “in the box” spielen wird, um das Laufspiel von Anfang an zu unterbinden. Es sollte auch nicht allzu riskant sein, immer acht Mann in der Nähe der Line of Scrimmage zu haben, denn passen ist nicht gerade die Stärke Tebows.

In den letzten drei Spielen, die allesamt verlorengingen, wurde Tebow entzaubert. Vor allem die Bills und Chiefs haben in der Defense eine sehr aggressive Man-Coverage gegen die WR gespielt und Tebow damit die einfachen “Reads” genommen. Zusätzlich haben die DEs beziehungsweise OLBs sehr diszipliniert gespielt und Tebow nicht Richtung Seitenlinien ausbrechen lassen. Aggressiv und diszipliniert sind dummerweise die Hauptcharakteristika der Steelers-D.

Die Zahlen für Denvers Quarterbacks waren ernüchternd in den Wochen 15, 16, und 17: 30/73, 439 Yards, 1TD, 4 Interceptions, 3 Fumbles. Die Broncos haben nur eine Chance, wenn sie sich von ihren überkonservativen Gameplans verabschieden und ihr Heil in einigen tiefen Bällen suchen. Die Chance dafür sollte zumindest da sein, denn Polamalu wird sich hauptsächlich an der Line of Scrimmage rumtreiben, der zweite etatmäßige Safety Ryan Clark ist verletzt und mit Ike Taylor haben sie auch nur einen starken CB.

Steelers Offense / Broncos Defense

Auf dieser Seite des Balles wird alles von Roethlisbergers linkem Knöchel abhängen. Erstmals hat er ihn sich Anfang Dezember verletzt, humpelte dann in San Francisco nur rum bevor er sich in Woche 16 schonen durfte. Letzte Woche mußte er wieder ran und ist im dritten Viertel gegen Cleveland erneut mit dem Fuß umgeknickt. Nun humpelt er schlimmer als zuvor und ist damit seiner wohl größten Stärke beraubt: der Fähigkeit, immer wieder sicher geglaubten Sacks zu entkommen.

Hinter seiner dezimierten Offensive Line, die schlecht wie eh und je spielt, sollte er am Sonntag immer wieder große böse Jungs auf sich zukommen sehen. Elvis Dumervil und Rookie Von Miller sind das wohl beste Pass-Rushing-Duo der AFC. Miller hat zwar in den letzten Wochen, in denen er angeschlagen war, leicht nachgelassen, aber ein wenig fitter und mit der Motivation eines Playoffspiels vor eigenem Publikum sollte er zur Höchstform auflaufen. Pittsburgh hat in dieser Saison auswärts 25 Sacks zugelassen.

Noch schwieriger wird es für Pittsburghs Offense, weil sich Running Back Rashard Mendenhall mit Kreuzbandriß ins Krankenhaus verabschiedet hat. Nun muß Isaac “Redzone” Redman das Workhorse geben. Ob er dazu fähig ist, muß er erst noch beweisen. Helfen sollte den Steelers die bestenfalls durchschnittliche Secondary der Broncos. CB Champ Bailey ist immer noch gut, aber nicht großartig. Der andere Starting-CB Andre Goodman hat seine besten Tage auch hinter sich und nach der Verletzung von Safety-Legende Brian Dawkins bewachen mit Rookie Quinton Carter und dem 24-jährigen David Bruton zwei Grünschnäbel den tiefen Teil des Feldes.

Das sollte den beiden Deep Threats Mike Wallace und Antonio Brown viel Freude bereiten. Beide haben in dieser Saison mehr als 1000 Yards erfangen und machen pro Catch fast 17 Yards. Wenn Big Ben mal Zeit in der Pocket bekommt, sollten Wallace und Brown die wichtigen Catches und Punkte machen, auch wenn es wohl nicht allzu viele werden dürften. Letztendlich sollten die Steelers aber auch gar nicht so viele Punkte brauchen um eine Woche später zu ihren guten Freunden aus Baltimore oder New England fahren zu dürfen.

NFL-Bazar 2011: Offense minus Quarterbacks

Nach den Quarterbacks am Dienstag heute ein Blick auf potenziell wechselnde Offensivspieler abseits der QBs.

Running Backs

Die zwei Top-Backs sind Ahmad Bradshaw (Giants) und Carolinas DeAngelo Williams. Beide hatten ihre glanzvollen Momente und beide gelten als Verletzungsrisiko. Beide sind in ihren alten Teams insofern entbehrlich, als dass es starke Ersatzleute gibt, aber bei beiden kann ich mehr schwer vorstellen, dass man sie einfach so ziehen lässt.

In Sachen „große Namen“ ist noch Miamis Duo Ricky Williams/Ronnie Brown zu nennen, die beide kein Team mehr im Alleingang tragen können und mittlerweile seit Jahren immer ausgebrannter wirken – wer jedoch gute Ergänzungsspieler braucht, dürfte ein Auge drauf werfen. Dazu kommt Joseph Addai, der ebenso verletzungsgeplagt ist und eine ganz schwache Saison spielte. Das ABER steckt im Kader der Colts: Möchte man tatsächlich auf eine Combo „Rookie & Donald Brown“ vertrauen? Schwer vorstellbar.

Die Role Players werden angeführt vom Liliputaner-RB/WR/KR Darren Sproles, der zu den fangstärkeren Backs gehört und vor allem bei 3rd downs und als Returner eingesetzt wird. Kann mir vorstellen, dass Sproles einen schönen Vertrag in einem Team mit geringem Gehaltsbudget bekommt. Dito Brandon Jackson, der in Green Bay vor allem als 3rd down-Back gefiel, aber spätestens nach Alex Greens Einberufung als abgesägt gelten darf. Zwei große Namen als Role Players: Der bärenstarke Blocker Clinton Portis und der rapide absteigende Brian Westbrook. Dark horse dürfte BenJarvus Green-Ellis sein, der seit einem halben Jahrzehnt nicht mehr gefumbelt hat, aber dessen Yardage dem System in New England zugeschrieben wird.

Cedric Benson (Bengals) und Cadillac Williams (Buccs) sehe ich bei ihrem Teams bleibend.

Und dann wäre da noch Tiki Barber, der ehemalige Giants-Back, der 2007 dem Football Goodbye gesagt hat, um im TV Eli Manning zu verspotten. Barber ist nach Depression, geschiedener Ehe und diversen Skandälchen pleite und zieht ernsthaft in Erwägung, wieder NFL zu spielen.

Bei den Fullbacks ragt Vontae Leach heraus, der in der NFL-Wahl sensationell Platz #65 belegte und als Sensations-Blocker für den kometenhaften Aufstieg von Arian Foster gilt. LeRon McClain (Ravens) dürfte in Baltimore weiterhin gebraucht werden, und dass die Packers John Kuhn gehen lassen, käme einer Überraschung gleich.

Wide Receivers & Tight Ends

Drei alternde Diven zu Beginn: Terrell Owens/Chad 85*, deren Zicken in Cincinnati gepflegt auf den Sack gingen und die auf der Stelle rausgeschmissen gehören, und Randy Moss, dessen einzigartige Saison 2010/11 nichts als Baffheit hinterließ. Bei allen dreien darf man davon ausgehen, dass sie irgendeinen passenden Ort finden, und zumindest bei ersteren beiden von weiteren Egomanitäten. Moss traue ich durchaus noch einmal einen großen Wurf zu – der gefährlichste Receiver der letzten 10 Jahre kann ganz einfach nicht so abtreten.

Beachtenswert ist die Situation in New York, wo mit Braylon Edwards und Santonio Holmes zwei teure Männer vertragslos sind – beide hatten ihre Momente im letzten Jahr, beide hatten ihre off field issues in den letzten Jahren, und beide werden abkassieren wollen. Holmes dürfte bei den Jets aufgrund seiner Vielseitigkeit favorisiert sein. Dazu X-Faktor Brad Smith, dessen Zukunft selbiges ist: Ein X-Faktor. Auf der „blauen“ Seite im Big Apple stechen der vielseitige Steve Smith und der Gefängnis-Rückkehrer Plaxico Burress heraus. Burress dürfte irgendwo außerhalb New Yorks seinen Platz finden und in einem Jahr entweder als hoffnungsloser Fall gebrandmarkt oder als Paulus vor dem Herrn gefeiert werden.

2x Receivers der Güteklasse „add to the mix“ mit San Diegos Malcolm Floyd und New Orleans‘ Lance Moore, die beide haufenweise Yards als #3 oder #4 machten, 1x Deep Threat und poetische Veranlagung mit Arizonas Steve Breaston und 1x sagenhafte Unkonstanz mit Jacksonvilles Mike Sims-Walker: Alles Männer, die ihren Wert bei entsprechender Einbindung im Playbook bereits unter Beweis gestellt haben.

Star der Free Agency bei den Wide Receivers dürfte Minnesotas Sidney Rice sein, der von seiner starken 2009/10er Saison zehrt und im vergangenen Herbst schmerzlich in der Vikings-Offense vermisst wurde. Rice ist ein Riese und Rice ist pfeilschnell. Hat ein büsschen was von Randy Moss.

Fraglich, was mit Baltimores T.J. Houshmanzadeh passiert: Solider, unspektakulärer Mann, aber die letzten beiden Jahre waren schwach.

Nicht Free Agent, aber auf dem Tauschmarkt dürfte Carolinas Steve Smith sein, der zuletzt nur durch Bocklosigkeit glänzte – etwas, das ich vom good guy Smith nicht erwartet hätte. Während ich Smith als Menschen einschätze, der den Panthers treu bleiben und gerne mit dem potenziellen Superstar Cam Newton zusammenspielen würde, muss man Smith auch zugestehen, im Herbst seiner Karriere noch einmal irgendwo um einen Titel mitspielen zu können. Außerdem braucht Carolina Draftpicks allernorts.

*Auch 85 ist kein offizieller FA, darf aber laufen unter „ausgeschissen in Cincinnati“.

Mit ein bissl Fantasie kann ich mir auch vorstellen, dass man in San Francisco schön langsam genug hat von Michael Crabtrees Flauseln. Crabtree hat einen großen Vertrag, brachte aber bisher wenig und ist zuletzt durch Veralberung seiner Quarterbacks aufgefallen.

Bester Tight End ohne Vertrag ist IMHO Oaklands Zach Miller, der recht geschliffen und mit 25 Jahren noch sehr jung ist. In Sachen „Oakland und Front Office“ weiß man nie so genau und Miller galt als „Cable Guy“ – Fortgang nicht ausgeschlossen. Kevin Boss (Giants) fiel zuletzt durch serienweise Dropps auf – Boss ist aber ebenso noch jung und gilt als sehr, sehr guter Blocker. Dritter interessanter Mann ist Ben Patrick (Arizona), der noch immer von seinem spektakulären Superbowl-Touchdown zehrt.

Offensive Line

Die Offensive Line ist vor allem in Atlanta ein Sorgenkind, weil mehr als die Hälfte der Blocker vertragslos ist. RT Tyson Clabo sollte einen neuen Kontrakt kriegen. Weitere Right Tackles: Willie Colon (PIT), Sean Locklear (SEA) und Ryan Harris (DEN). Die „wichtige“ Seite, die linke, wird vom größten Namen Matt Light angeführt. Lights Situation ist recht offen, da mit Nate Solder ein Rohdiamant gedraftet wurde und mit Sebastian Vollmer ein Mann im Kader steht, den viele als optimalen Left Tackle ansehen. Sehr gute Karten auf einen teuren Vertrag dürfte Baltimores Jared Gaither besitzen, dessen Alter (25) noch zart ist, der aber anfällig gegen Strafen und lange Nächte ist. Interessanter Mann ist auch Jermon Bushrod (Saints), dem man einen ganz schwachen Herbst 2010 nachsagt.

Eigentlich ein Guard, aber 2010/11 ebenso brillant als Tackle, ist Baltimores „anderer“ Offensive Liner, Marshal Yanda, dem PFF zugute hält, ganze 5x (!!) im gesamten Jahr einen Pass Rusher gen Quarterback durchgelassen zu haben. Zero sacks. Yanda ist mit 26 auch noch blutjung. Nur RFA (restricted free agent) ist Carl Nicks von den Saints, der kotzen dürfte, da ihm dadurch wohl ein paar Dutzend Millionen Dollar verloren gehen. Dazu zweimal Guards aus Atlanta.

Ein großer Name ist jener von Robert Gallery, dessen Abgang aus Oakland beschlossene Sache ist. Gallery lebt immer noch von seiner Reputation aus dem College, galt einst als 100%iger Probowl-Left Tackle, floppte grandios und wurde zu einem anständigen, nicht großartigen, Guard umgeschult.

Mit Casey Wiegmann (Chiefs) und Olin Kreutz (Bears) sind zwei Center zu haben (oder auch nicht), deren Karrieren schon in den 90ern begonnen haben und die schon ewig zum alten Eisen gehören, sich aber immer durchgewürgt haben. Beide dürften allerdings neue Kurzzeitverträge im eigenen Team bekommen.