Und da trappst das erste Sommer-Poll im College Football zum Fenster herein!

Dass der Saisonbeginn im College Football nicht mehr meilenweit entfernt ist, merkt man stets dann, wenn mitten im Hochsommer bei brütender Hitze die Ergebnisse der Preseason-Abstimmung des USA Today/Coaches Poll wenigstens ein laues Lüftchen wehen lässt und zum Fenster hereinflattert. Die Ausgabe 2012 ist seit Donnerstag, 2.8. raus. Paar Gedanken dazu.

Die „Big-2“ der vergangenen Saison bleiben vorne, allerdings in umgekehrter Reihenfolge: LSU ist diesmal im Gegensatz zum BCS-Championship Game obenauf, Sabans Alabama Crimson Tide nach etlichen Star-Abgängen vor allem in der Defense (plus RB Richardson) „nur“ an #2 (allerdings mit den meisten 1st place votes). Es ist durchaus ungewöhnlich, dass beide Finalisten aus dem Vorjahr im Sommer an Eins und Zwei gereiht werden – in der BCS-Ära zuletzt 1999 (?) mit FSU und Tennessee passiert.

Dritte sind die USC Trojans von Lane Kiffin; ich würde leicht überrascht sagen „nur Dritte“, nachdem USC mit Los Angeles einen großen und mächtigen TV-Markt hinter sich weiß, der seit Monaten ganz offen an der Hype-Maschine dreht (und ESPN ist diesbezüglich auch nicht leise). Die Abstimmung war allerdings schon vor dem Bekanntwerden des Transfers von Penn State-RB Redd zu Southern Cal beendet – dieser hätte das Ergebnis möglicherweise entscheidend beeinflusst.

Dahinter an #4 die in der Preseason stets hoch gehandelten Oklahoma Sooners, wo die Stoops-Brothers Bob und Mike wieder vereint sind. An #5 die Oregon Ducks, ungeachtet der Abgänge von QB Thomas und RB LaMichael James, aber die Ducks steckten in der Vergangenheit solche Tiefschläge stets ohne mit der Wimper zu zucken weg und sollten diesmal auch über eine starke Defense verfügen. An #6 wie erwartet die Georgia Bulldogs, trotz des Abgangs vom extrem hoch gehandelten RB Isaiah Crowell, der anscheinend mit 19 hoffnungslos dem Gras verfallen ist.

Hmm… Riecht nach spannenden SEC und Pac-12 Conferences… LSU/Alabama – Georgia und USC – Oregon als Conference Finals: Gibt üblere Dinge.

An #7 die seit eineinhalb Jahren wieder massivst hochgejazzte Florida State University, trotz einer zuletzt eher enttäuschenden 9-4 Saison, aber bei all den knappen Niederlagen bei all diesen vielen Verletzungen mit dieser bärenstarken Defense… riecht nach Jahr der Seminoles.

An #8 die erste Überraschung mit Michigan, wobei das mit der „Überraschung“ auch so eine Sache ist. Michigan ist auch so ein Big Player, aber Michigan ist nach allen Auswertungen wohl noch nicht so weit. Und selbst wenn: Es wäre angesichts des Schedules nichts anderes als eine Sensation, wenn die Wolverines ungeschlagen durchkämen.

Danach zweimal SEC mit #9 South Carolina und #10 Arkansas, wobei Letztere nach dem Skandal um Bobby „Doppelleben“ Petrino nun mit neuem Head Coach auflaufen werden.

West Virginia im ersten Jahr in der Big 12 Conference an #11. TCU ist ebenso neu in der Big 12 und nur an #17 – ob da der jüngst bekannt gewordene positive Drogentest von QB Pachall mitspielte? Die Big 12ist mit #15 Texas, #19 Oklahoma State und #21 Kansas State noch drei weitere Male vertreten, wobei man vor allem bei den Kansas State Wildcats Wetten drauf abschließen kann, dass sie bald rausgefallen sein werden (waren äußerst glückliche Umstände im vergangenen Jahr für die Wildcats).

Die Big Ten Conference ist außerhalb der Top-Ten mit mehreren Klassikern vertreten: #12 Wisconsin, #13 Michigan State und #16 Nebraska. Erstere beiden haben prominente Abgänge zu verschmerzen, Letztere werden im zweiten Jahr in dieser lauflastigen Conference auf besser abgestimmte Defense hoffen.

Die ACC mit dem Freak-Team Clemson an #14 und Virginia Tech an #20.

Was weiters auffällt: Stanford (an #18), Oklahoma State und Boise State (#22) sind dort gerankt, wo solche Teams mit zwei, drei großartigen Saisons, aber dann dem Verlust des kompletten Mannschaftskerns immer gerankt werden. Vor allem bei den Broncos ist das bemerkenswert, weil sie der einzige Mid Major sind und noch vor zwei Jahren in einer vergleichbaren Situation keine Chance auf einen Platz in den Top-25 bekommen hätten.

Notre Dame nur an #24. Ich sage „nur“, weil wir in diesem Jahr vielleicht eine kuriose Situation erleben: Das kleine Boise State dürfte Stand Sommer mit #22 überschätzt, das große Notre Dame dagegen unterschätzt sein – ein völliges Novum, seit ich College Football schaue. Ich erwarte Notre Dame trotz eines harten Schedules am Saisonende weiter oben.

Und natürlich sind am Ende des Polls noch die üblichen Verdächtigen aus den großen Conferences, die sportlich eher Wackelkandidaten sein dürften, aber eben von ihrer großen Historie leben. Heuer: #23 Florida und #25 Auburn.

Knapp dran waren auch Washington, Louisville und Georgia Tech, was für allem bei den Washington Huskies erstaunt (die Defense gibt doch arge Zweifel auf). UCF hat auch noch Stimmen bekommen, was daran liegen mag, dass die Abstimmung vor deren Ausschluss aus der Bowl Season stattfand (UCF wäre Stand heute ineligible für die Wahl).

Ohio State wäre fixer Kandidat für die Top-15 gewesen, ist für diese Saison aber im Zuge von Tattoogate um Tressel, Pryor und Konsorten von der Bowl Season und somit auch vom Coaches-Poll ausgeschlossen. Erklärung: Das Coaches-Poll zählt im Gegensatz zum AP-Poll direkt für die BCS-Wertung und besteht daher nur als bowl eligible-Universitätsmannschaften.

Faszination College Football VI: Die finanzielle Dimension

Der Pomp ist eine Stufe kleiner als in der NFL, der Sport ist offiziell Amateursport, die Strukturen sind trotzdem professionell. Ein Blick auf die finanziellen Dimensionen in diesem Sport – Achtung, ein etwas kompliziertes Thema.

Um die Fronten zu klären:

Athletic Department = „Sportabteilung“ einer Uni
Footballprogramm = Footballabteilung im Athletic Department

TV-Verträge

Disclaimer: Es handelt sich hier nicht rein um Verträge für Football, sondern meistens um Football & Basketball, wobei die Footballrechte meistens den Löwenanteil ausmachen.

Die SEC als sportlich dominierende Conference der letzten Jahre kassiert runde 200 Millionen Dollar pro Jahr aus ihren Verträgen mit CBS und ESPN. Das ist nichts gegen den neuen Mega-Vertrag, den die Pac-12 Conference unter Commissioner Larry Scott jüngst abgeschlossen hat: Für 12 Jahre an den Rechten für Football & Basketball kassiert die Conference mal eben 2,7 Milliarden Dollar von Fox und ESPN. Im Schnitt fast 250 Millionen Dollar pro Jahr – pro Uni also runde 15 Mio./Jahr. Die Big Ten Conference scheffelt rund 210 Mio./Jahr im Schnitt über 10 Jahre.

Andere Conference sind da schon um einiges davon entfernt. Die ACC kommt ab 2011/12 auf ca. 150 Mio./Jahr für Rechte an Football, Basketball und allen olympischen Sportarten, was immer noch eine massive Steigerung gegenüber den bisherigen 66 Mio. ist. Kleinere Conferences gehen da vergleichsweise leer aus. Immer vor Augen halten, dass diese Zahlen lineare Durchschnitte sind und Front-/Backloading nicht berücksichtigen.

Notre Dame besitzt einen eigenen TV-Vertrag mit NBC, der aktuell runde 15 Mio. Dollar/Saison einbringt, womit die Universität im Spitzenfeld liegen dürfte, trotz sportlicher Mittelmäßigkeit. Denn „Notre Dame“ als Marke zieht immer noch, und erzielt in der Spitze Quoten wie 6,5 Millionen Zuschauer (gegen den Erzfeind USC).

Es gibt auch Universitäten wie die ultraegomanische University of Texas, die zusätzlich zum Big-12-Vertrag noch ein eigenes Longhorn Network besitzt, das über ESPN über die nächsten 20 Jahre 300 Millionen Dollar für die Uni garantiert und dessen Schaffung letztendlich überhaupt den Fortbestand der Big 12 Conference sicherte – ohne wäre Texas abgewandert und hätte eine Big 12 in Trümmern hinterlassen – was in einigen wenigen Jahren sowieso passieren wird, vielleicht in fünf Jahren.

Umsätze

Disclaimer: Im Folgenden handelt es sich tatsächlich um Umsätze der Footballprogramme, wobei die Umsätze der meisten Privatschulen (z.B. Baylor) nicht offenliegen.

Schon jetzt ist Texas der Umsatzkrösus, setzte 2009/10 93 Mio. Dollar um. Alabama ist mit 71 Mio. die #2, Georgia und Penn State folgen mit je 70 Mio., dann kommen LSU und Florida mit je 68 Mio. Dollar/Jahr. Notre Dame setzte 2009/10 64 Mio. Dollar um und ein mittelgroßes Programm wie Iowa immer noch 45 Mio. Dollar. Ein erstaunliches Faktum: USC, das immerhin im Megamarkt von Los Angeles liegt, setzte ganze 29 Mio. Dollar um.

Zum Vergleich: Der Krösus im Basketball war 2009/10 Louisville mit 26 Mio. Dollar.

Die Mid-Majors wie die MWC oder die Conference-USA fallen deutlich ab. Die University of Central Florida ist zum Beispiel mit weitem Abstand der Krösus in der C-USA und setzt pro Jahr 15 Mio. Dollar um. Deutlich leichtere TV-Verträge und weniger Zuschauer machen sich bemerkbar.

Unter diesem Gesichtspunkt fällt der jüngst erfolgte Wechsel von Utah in die Pac-12 stark auf: Utah setzte bislang 14 Mio. Dollar/Jahr insgesamt um. Allein der neue TV-Vertrag der Pac-12 bringt wie beschrieben mal eben runde 12-15 Mio. Dollar/Jahr.

Rentabilität

Footballprogramme sind an den meisten Universitäten die Cash Cows. Top-Footballprogramme erfordern massive Investments, wer jedoch in einer der Top-Conferences spielt, wird mit meist hohen Gewinnen belohnt. Zum Prestige im College-Sport gehören jedoch neben Football eine massive Zahl weiterer Sportarten für Männer und Frauen (teilweise über 25) – und diese ziehen die Athletic Departments meistens runter: 2009/10 machten ganze 14 öffentliche Universitäten ohne öffentliche Bezuschussung mit ihren Sportprogrammen (Football + alle andere Sportarten) Gewinne. Vierzehn aus über 100.

Eine davon ist die Ohio State University – ein Beispiel, das einiges verdeutlicht: Deren Athletic Department (=Sportabteilung) setzt 126 Millionen Dollar um, wovon 63 Millionen, also die Hälfte, mit Football gemacht werden. Die Footballabteilung für sich macht 35 Mio. Dollar Profit. Am Ende des Tages bleiben für das Athletic Department in ihrer Gesamtheit 93.000 Dollar übrig. Dreiundneunzig Tausend. Und dies auch nur dank 22 Millionen Bezuschussung durch Booster (also NICHT öffentlich), ohne die Ohio States Sportprogramme nur 104 Millionen einnehmen und massive Verluste einfahren würden. Ein fettes Sportprogramm mit insgesamt 36 Sportarten macht’s möglich.

Bei Texas sieht es so aus: 93 Mio. Umsatz mit Football, 68 Mio. Gewinn mit Football, aber ganze 29 Mio. Dollar bleiben letztendlich im Athletic Department. 40 Millionen verbraten andere Sportarten.

Generell kann man sagen, dass Universitäten aus den Big-4 (SEC, Big 12, Big Ten, Pac-12) massive Gewinne mit Football machen (SEC zum Beispiel 30 Mio./Jahr), Geld, das zum Teil zurück ins Bildungsbudget der Uni fließt – oder, in den meisten Fällen, in anderen Sportarten verbraten wird, oft so sehr, dass Geld aus dem Bildungsbudget abgezweigt werden muss, um die Verluste auszugleichen. Es handelt sich dabei um öffentliche Gelder.

Ein Blick auf die rentabelsten Footballprogramme: Texas ist mal wieder Spitzenreiter, mit genannten 68 Mio. Dollar Gewinn durch Football im Sportjahr 2009/10, mit deutlichem Abstand folgt Georgia mit 52 Mio. Dollar. Penn State (50 Mio.) und Michigan sowie Florida (je 44 Mio.) sind die nächsten.

Auch hier ein Vergleich mit den Mid-Majors: In der Conference-USA gibt es ganze vier Unis, die überhaupt mit Football Geld verdienen. Central Florida ist mit seinen 6 Millionen Dollar meilenweit allein auf weiter Flur, was Profit im Football angeht (61.000 Dollar von den 6 Mio. bleiben am Ende im Athletic Department übrig, weil 5 Mio. an öffentlichen Geldern dorthin abgezweigt werden).

Fazit: Football ist high-investment, high-revenue und an vielen Unis sehr rentabel. Geld wird meistens in anderen Sportarten verbraten. Und eventuelle Verluste werden dann mit Booster-Zuschüssen (privat) oder öffentlichen Geldern (Studiengebühren, Steuern usw.) aus dem Bildungsbudget ausgeglichen.

Die Coaches

Oftmals gennanter großer Kritikpunkt am College Football sind die Gehälter der Head Coaches und einiger hochbezahlter Assistenztrainer – dass hohe Gewinne auch hohe Investments in gute Coaches bedeuten, wird im Populistensumpf dabei gerne vergessen, auch wenn natürlich nicht alle Trainer dann auch laufend Erfolge einfahren.

Superstar unter den Coaches ist Alabamas Nick Saban, der im Jahr 2010 satte sechs Millionen Dollar kassierte, die mögliche Erfolgsprämie von 700.000 Dollar mal nicht berücksichtigt. Auch der Coach von Texas, Mack Brown, kassiert über fünf Millionen Dollar/Jahr, obwohl er trotz eines gigantischen Recruitings vergleichsweise mickrige Erfolge einfährt. Die Coaches von Oklahoma und LSU, Bob Stoops und Les Miles, kassieren um die vier Mio./Jahr. Das sind die höchstbezahlten Coaches in den reichsten Unis der reichsten Conferences.

Ein Joe Paterno ist dagegen vergleichsweise ein armer Schlucker, auch nach 45 Jahren als Head Coach kassiert der Mann „nur“ um die 1,1 Mio. Dollar/Jahr. Top-Trainer wie TCUs Gary Anderson (1,6 Mio. Dollar), Boise States Chris Petersen (1,5 Mio. Dollar) passen trotz ihrer armen Unis in etwa in dieses Mittelklasseschemas.

In den kleinen Conferences gibt es aber auch reiche Coaches: Ein June Jones (hey, wer kennt den Mann noch aus der NFL?) sackt an der kleinen Southern Methodist University über 2 Mio./Jahr ein.

Man muss dazu sagen, dass ein Head-Coach-Job an der Universität ein brutaler Ganzjahresjob ist inklusive des Recruitings, das exzellentes Networking (und die richtigen Undercover-Agenten) erfordert, inklusive geforderter Totalüberwachung über die Aktivitäten von Boosters, Assistenztrainer und Studenten auf und außerhalb des Platzes. Die Stellenbeschreibung für College-Football-Headcoaches liest sich also insgesamt kaum durchführbar.

Wer sich mal einen Überblick über die Trainergehälter in der FBS machen will: USA Today hat die Auflistung von 2010.

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