Und es sprach Albert Haynesworth

Albert Haynesworth hat im Player’s Tribune einen Artikel an sein 14-jähriges fiktives Selbst geschrieben, in dem er seine Karriere reüssiert und so manche seiner Entscheidungen hinterfragt. Für Neulinge im Footballbereich: Albert Haynesworth war vor sieben, acht Jahren der dominante Defensive Tackle in der NFL, quasi der Vorgänger von Suh oder McCoy. Er unterschrieb hernach einen Multimillionenvertrag in Washington und verlor fast über Nacht seine Lust am Spiel. Seither gilt Haynesworth als Paradebeispiel für den geldgeilen Free Agent. Weiterlesen

D’oh! Haynesworth in New England entlassen

New England mistet seinen Komödiantenstadel weiter aus, feuerte heute allem Anschein nach DT Albert Haynesworth. Haynesworth ist im wahrsten Sinne kein Leichtgewicht, galt noch bis vor kurzem als einer der allerbesten, obwohl nicht pflegeleicht. Der Mann ist erst im Sommer nach einem Trade aus Washington gekommen und schien wie Sonnenschein in New England. Bis Sonntag, wo es gegen die Giants an der Seitelinie hoch herging, Haynesworth sich mit einem Assistenzcoach fetzte. Ich muss gestehen, die Entlassung überrascht trotzdem auch wenn die Defensive Line weniger Dampf machte als erwartet: New Englands Defense wird nach und nach ausgedünnt, nachdem bereits die Safetys Meriweather/Sanders sowie vor wenigen Tagen CB Bodden rausgeschmissen worden waren.

Die New England Patriots in der Modeschau

Heute Nacht startet mein persönlicher Topfavorit in die NFL-Saison: Die New England Patriots, die eigenartigste Franchise in dieser Liga, die über die letzte Dekade ein Erfolgsmodell gebastelt hat, das oft kopiert wurde, aber nie erreicht. Man komme mir nicht mit „aber sie haben seit sieben Jahren keinen Superbowl mehr gewonnen“. Die Patriots genießen bei mir höchstes Ansehen. Das beginnt beim Owner Bob Kraft, das setzt sich fort mit dem Head Coach Bill Belichick.

Das System Belichick

Was Belichick in New England seit Jahren unter massiven Spieler- und Coordinatorverlusten anstellt, ist mit keinem anderen Attribut als „beeindruckend“ zu beschreiben. Belichicks team first-Philosphie ist das Eine, aber was den griesgrämisch wirkenden Mann so außergewöhnlich macht, ist seine Vernarrtheit in Matchups. Bill Belichick lässt sich nicht in Offensiv- und Defensivsysteme kategorisieren. „Bill Belichick“, das ist das Suchen und Finden von Spielern, die in „sein“ System passen: Schemen, die die Schwächen des Gegners gnadenlos ausnützen. Dafür braucht Belichick Spieler, die executing nicht bloß verinnerlicht haben, sondern es leben müssen. Belichick und seine Spieler, das ist ein Geben und Nehmen.

Die Offense

Seit vergangenem Herbst ist New Englands Angriff wieder um gnadenlose Kurzpassoffense gebaut, nach den nicht wenig erfolgreichen Jahren mit der deep threat-Ergänzung Randy Moss. Moss scheint (ich traue mich nicht zu sagen: „ist“) Vergangenheit, was bleibt, ist Patriots-Angriff im alten Stil: Schnelle, präzise gelaufene Routen, quicke, intelligente Wide Receivers und Tight Ends und mitten drin ein Quarterback, dessen Fähigkeiten in Sachen Antizipation, Spiel- und Bewegungsintelligenz in der Pocket nur noch von seinen Eisklöten unter Druck übertroffen werden. Die Rede ist von Tom Brady. So wie Warner in Arizona System war, so wie Manning in Indianapolis System ist, so ist Brady unersetzlich in New England.

Diese rattenscharfen, schnellen Pässe sind New Englands Markenzeichen. Und die Anspielstationen sind breit gestreut: WR Deion Branch gilt als Brady-Kumpel und blüht in New England nach jahrelangem Siechtum ein paar tausen Meilen weiter westlich (in Seattle) wieder auf, WR Wes Welker ist mit seiner Wendigkeit sowieso ein Mann, der 120x/Jahr angespielt werden wird und als Blaupause dafür gilt, was WR Julian Edelman in ein paar Jahren sein soll, und dazu haben die Patriots mit WR Chad Ochocinco aus Cincinnati noch einen alten, routinierten Mann eingekauft, dessen Präsenz jeder Defense Sorgen machen wird.

Sorgen machen ist auch ein Stichwort bei den beiden Tight Ends, Ron Gronkowski und Aaron Hernandez, beide Spieler in ihrem zweiten Jahr, denen man jeweils sensationelle Rookie-Leistungen nachsagte. Gronkowski gilt als kompletterer Spieler, während Hernandez wie ein Wide Receiver gebaut ist und entsprechend einem Coach wie Belichick per definitionem gefallen muss. Stichwort „Matchup-Vorteile“ gegen Defensive Coordinators. Ein klein wenig erstaunt allerdings die Entlassung von Brandon Tate, einem Mann mit Ingredienzien für die tiefen Bälle.

Bei so viel Sabbern über das Passspiel darf man das Laufspiel der Patriots nicht vergessen, ein Laufspiel, das um eine Serie an guten Ballfängern (natürlich!) gebaut ist. Zu nennen ist hier die 360°-Waffen Danny Woodhead, ein kleiner, untersetzter, weißer Mann mit Armen und Beinen in Spaghetti-Dicke, aber so fassungslos wendig und vielseitig, dass ein bloßes Einsetzen bei 3rd downs einer Talentvergeudung gleichkäme. Die Hauptlast im Laufspiel trug zuletzt BenJarvus Green-Ellis, der trotz 1008yds, 4.4yds/Carry und 13 Touchdowns nur geringe Wertschätzung erfährt. Grund hierfür: Green-Ellis gilt als parasitärer Back, der nur die Yards nehmen kann, die ihm System und Blocks gewähren. Der Anti-Sanders gewissermaßen. Daher ist zu erwarten, dass die beiden hoch gedrafteten Rookies, der vielseitige RB Shaun Vereen und der brachiale RB Stevan Ridley, alle zu ihren Einsätzen kommen werden.

Man darf bei allem Hype um die oft so perfekt und brillant funktionierende Angriffsmaschine jedoch nicht die Offensive Line vergessen, die unter dem knochenharten Positionstrainer Dante Scarnecchia den Angriff seit Jahren trägt. Mit RT Sebastian Vollmer spielt hier der aktuell einzige Deutsche mit Football-Profivertrag (LB Matt Berning ist im Trainingskader der Jets) und Vollmer genießt hohe Wertschätzung (2nd All-Pro Team 2010). Die restliche Line dürfte erstmal recht unverändert bleiben: Center bleibt der nicht prototypisch gebaute Dan Koppen, die Guards geben Dan Connolly und der mittlerweile hoch bezahlte, bärtige Logan Mankins, den Left Tackle wird wohl vorerst Matt Light geben, nachdem Rookie Nate Solder, ein Mann mit unglaublich langen Armen, noch in der Entwicklungsphase steckt.

Alles in allem ist New Englands Angriff ein Meisterwerk. Kein Spektakel, aber oft so präzise wie die Uhren aus der Schweiz, so vielseitig wie ein Chamäleon, so bis ins Detail ausgearbeitet wie eine wie ein alter Kubrick.

Die Defense

Bei allem Hype um die Offense, es wird interessanter sein, wie Belichick seine neue Defense bauen wird. New England war jahrelang das Vorbild in Sachen „3-4“, dank einiger dafür untypischer Einkäufe geht man davon aus, dass Belichick ab sofort verstärkt mehr als bloß Spurenelemente von „4-3“ einbauen wird. 4-3 ist nämlich das System, das DT Albert Haynesworth in Tennessee groß gemacht hat. Haynesworth ist der spektakulärste Neuzugang in New England, ein dominanter Tackle, wenn motiviert mehr als bloß eine Schachfigur, aber auch die Einkäufe von DE Andre Carter und DE Shaun Ellis gehören zur oberen Kategorie und sollten der Defensive Line nicht bloß Tiefe, sondern vor allem Vielseitigkeit geben (Belichick behielt zehn Liner im Kader!). Man darf also Rotation erwarten: Haynesworth, Carter, Ellis und der ebenso neue, reine Pass Rusher Mark Anderson sprechen für eine Vierer-Line, wogegen der 160kg-Bonzen NT Vince Wilfork nun schon jahrelang der Ankermann in einer Dreier-Line war.

Man wird sowieso das Gefühl nicht los, dass es Belichick weniger um 3-4 oder 4-3 geht, sondern darum, in der richtigen Situation die richtige Aufstellung mit den richtigen Matchups für den jeweiligen gegnerischen Angriffsspielzug zu finden.

Dabei vertraut Belichick offenbar darauf, dass der seit Jahren schwelende Problempunkt „Pass Rush“ von den vielen neuen Linern sowie den jungen Linebackers gemindert wird. OLB Jermaine Cunningham gilt als potenziell quick genug, um auf Blitzes geschickt zu werden, soll aber besser in der Coverage sein. MLB Jerod Mayo ist der Fixpunkt, die Tacklemaschine, die ich trotzdem für nicht überaus dominant halte, dazu gesellen sich Leute wie der wendige Gary Guyton, der junge, aber schwerfüßige Brandon Spikes und der graue Bob Ninkovich. Alles Spieler mit verschiedenen Anlagen, alles Spieler (bis auf Mayo), die darauf warten, in der richtigen Situation eingewechselt zu werden.

In der Secondary schockte Belichick mit den Entlassungen von FS Brandon Meriweather, dessen Freigeistigkeit Belichick mächtiger und immer mehr auf den Magen gestoßen war, und SS James Sanders. Wie die neue Safety-Combo ausschaut, darf man gespannt sein, dafür hat man ein recht klar umrissenes Bild von den Cornerbacks: Die beiden Starter werden der routinierte CB Leigh Bodden und die Rookie-Sensation der vergangenen Saison, Devin McCourty, sein. Wie und wo der diesjährige Rookie-CB Ras-I Dowling eingesetzt wird, bleibt ein interessanter Punkt – wird Dowling Patrick Chung als Nickelback ersetzen, damit sich Chung darauf konzentrieren kann, den Safety zu geben? Eine wichtige Frage wird auch sein, inwiefern New England 2011/12 wieder auf 25 Interceptions und insgesamt 13 Turnovers angewiesen sein wird, weil die Secondary zu viele Yards über den Luftweg zulässt.

Ausblick

Dank eines sehr umtriebigen Sommers ist das Mannschaftsbild der Patriots doch stärker verändert, als man im Frühjahr annehmen konnte. Ich weigere mich jedoch, das als negativ anzusehen. Belichick hat, und das scheint seit Jahren sein Haupt-Interesse zu sein, hier einen Kader mit vielen, vielen Optionen für verschiedenste Spielsituationen beisammen. Eine Offensive Line, von der man weiß, was man bekommt. Eine Anzahl an Ballfängern, für die man mehr als zwei Hände braucht. Eine potenziell sehr starke Front Seven. Und wie immer den Quarterback der Quarterbacks, Tom Brady.

Der Schedule ist schwer, attraktiv, aber wie immer machbar.

Wk #1 @Dolphins (MNF, heute)
Wk #2 vs Chargers
Wk #3 @Bills
Wk #4 @Raiders
Wk #5 vs Jets
Wk #6 vs Cowboys
Wk #7 BYE
Wk #8 @Steelers
Wk #9 vs Giants
Wk #10 @Jets (SNF)
Wk #11 vs Chiefs (MNF)
Wk #12 @Eagles
Wk #13 vs Colts (SNF)
Wk #14 @Redskins
Wk #15 @Broncos
Wk #16 vs Patriots
Wk #17 vs Bills

Wie eingangs erwähnt: Das ist die Vorschau auf meinen persönlichen Superbowl-Favoriten. Die Hauptschwäche, das offene Scheunentor in der Secondary, scheint durch wiedergenesene Leute (Backfield) und Neueinkäufe in mehreren Bereichen (Front Seven, Backfield) zumindest in Ansätzen behandelt worden zu sein. Und ansonsten gilt selbiges wie jedes Jahr: Ich weigere mich, gegen die Combo Belichick/Brady zu setzen.

Das Zeiteisen verrät: 269 Minuten verbleiben. WordCount nach 24 Teams: 23535.

NFL Free Agency 2011, Tag -1: Belichicks defensiver Moss [Update: Und der Offensiv-Moss ist auch da!]

Ich möchte an der Stelle mal wieder Eigenwerbung machen und verweise auf den prominent, auf der Startseite rechts oben positionierten Link für E-Mail-Abo (mit Dank an die Marketing-Praktikantin). Also, schnell abonnieren!

[07h10] Paar Ergänzungen von über Nacht: Der NFL-Gamepass ist wieder da. Kostet €174,96 plus optionale €34,99 für die Postseason – alles in der Premium-Variante. Die ersten Stimmen dazu sprechen von einem qualitativ verbesserten Player, der aber erhöhte technische Anforderungen mit sich bringt und daher nicht mehr so einfach laufen dürfte. Für meinen Rechner definitiv zu viel.

Zu den letzten Signings: Die Houston Texans scheinen aus dem Asomugha-Poker ausgestiegen zu sein und haben dafür Cincinnatis CB Jonathan Joseph gesichert, einen verletzungsanfälligen Cornerback, und S Danieal Manning, und damit dürfte die Secondary der Texans automatisch verbessert sein. Houston wird für mich immer mehr zum AFC-South-Favoriten.

DE Mathias Kiwanuka scheint in New York bei den Giants zu bleiben. Ike Taylor hat nun offensichtlich in Pittsburgh zugesagt. DT Barry Cofield ist der Haynesworth für Arme in Washington. Detroit hat seine Secondary gleich mal leicht ge-ugraded und CB Eric Wright aus Cleveland geholt – Morddrohungen sollten für den Mann in Detroit nicht zu befürchten sein.

Die Buccs mit einem Siebenjahresvertrag für OG Davin Joseph (52 Mio.) und 2yrs-Vertrag für OT Trueblood. Es ging auch in der Nacht ziemlich rund.

[00h01] Harhar, was, wenn TE Aaron Hernandez die #85 nicht rausrückt?

Freie Nummer im Patriots-Kader aktuell:

15 – Eins Fünf – Chad el Uno Cinco
16 – Eins Sechs – Chad el Uno Seis
80 – Acht Null – Chad Ocho Cero (klanglich gut gefärbt)
81 – Acht Eins – Chad Ocho el Uno (wurde zum Ego sehr gut passen)
88 – Acht Acht – Chad Ocho Ocho
89 – Acht Neun – Chad Ocho Nueve

Kompensation: Zwei „late round picks“, einer 2012, einer 2013, wenn man den Auguren glauben darf.

[23h54] Fuck, was macht New England? Tradet mal eben für Chad Ochocinco! Nein: !!!!

Datt is dann doch ein Grund, noch ein paar Minuten dranzubleiben. Da haben wir den Offensiv-Moss.

Wie ich vor ein paar Stunden schrieb/Thema „Holen sie noch eine Receiver-Diva?“:

Ich werde die Hand nicht heben. Moss wird trotz allem nicht billig und ich sehe nicht, warum Belichick nach Haynesworth noch einmal ein Ego wie Moss holen wird. Nein, ich glaube mit dem heutigen Tag nicht mehr daran.

Alles Käse. Meine Damen und Herren, Sie lesen ein ignorantes Weblog.

[23h33] Auch der College Football kommt nicht zur Ruhe: Vor ein paar Minuten Gestern ist Butch Davis in North Carolina geschmissen worden. Butch Davis, der Staatsfeind Nummer 1 bis ans Lebensende in Cleveland, und der Mann, der bei UNC seit Wochen ganz schwer unter Beschuss steht, seit in seinem Trainerstab (wohl unter seine Mitwisserschaft – „zumindest“ seine Mitwisserschaft) schwerste Vergehen gegen die NCAA-Richtlinien nachgewiesen wurden. Nicht ausgeschlossen, dass die NCAA in naher Zukunft das komplette Footballprogramm der Tar Heels in die Luft jagt – Pony Excess reloaded, sozusagen.

*Update: Das war an mit vorbei gegangen. Lt. Seminole ist der Sportdirektor heute zurückgetreten. Auf alle Fälle ein ganz schlechter Zeitpunkt, einen Trainer zu feuern und die Recruitings werden sich schön verarscht vorkommen (wenigstens die, die nur das erlaubte Stipendium bekommen haben). Aber Davis‘ Situation war schon atemberaubend schlecht: Er wusste niemals von irgendwas und hatte keine Ahnung, was sein Trainerstab trieb und was seine Studenten trieben und was seine Agenten trieben und und und. Dafür, dass Davis als Kontroll-Nazi aus Cleveland-Browns-Zeiten bekannt war, schon etwas… seltsam, to say the least.

[23h11] Auffällig an den bisherigen beiden Aufwärmtagen zur Free Agency – neben dem Fakt, dass einige auffällig hohe Verträge dabei waren und dass Rookies dazu tendieren, ohne Streik schnell ihre Verträge zu unterschreiben – auffällt: Die Cornerbacks sind die großen Ladenhüter.

Das mag weniger an den Spielern selbst liegen, dürfte aber ein Zeichen sein, dass Nnamdi Asomugha tatsächlich den Markt blockiert. Die Liga wartet ab, die Spieler warten ab, denn der Asomugha-Deal dürfte ein Gradmesser für andere Cornerbacks sein. Favorisiert soll momentan Houston sein, die Jets sehen sich in der Rolle des Spoilers und sollen über 10 Mio. Platz unter der Salary Cap haben.

Weitere Cornerbacks, die zu haben sind: Jonathan Joseph, von dem man erwartet, dass er in Cincinnati bleiben wird. Der weithin kontrovers diskutierte Antonio Cromartie, ein spektakulärer Cornerback mit spektakulärer Vita. Ike Taylor, der bei Pittsburgh im Wort stehen soll. Josh Wilson (Baltimore, soll bei Washington im Wort stehen). Eric Wright, der Cleveland nach Morddrohungen wohl verlassen wird. Oder auch ein Chris Houston, bei dem mich wundert, warum die Lions nicht vehementer auf eine Vertragsverlängerung hinarbeiten. Oder die beiden Carrs, Chris (Ravens) und Brandon (Chiefs) – Brandon ist allerdings RFA, wie auch Brent Grimes (Atlanta).

Meine Güte, und Lito Sheppard gibt es auch noch. Ist in Minnesota frei geworden, was ist aus dem Mann bloß geworden?

[22h31] Drei neue Moves und ein interessantes Gerücht: LB Clint Session hat für fünf Jahre/29 Mio./11,5 Mio. guaranteed in Jacksonville unterschrieben. OL Chris Chester geht für vier Jahre/20 Mio. nach Washington – ich würde gerne wissen, wie die Redskins all diese Rosterbewegungen mit ihrer Salary Cap vereinen können – und OT Jermon Bushrod bleibt trotz massivem Werbens anderweitig (Vikings, Redskins – hey, is eh klar!) ins New Orleans. Bushrod ist übrigens in der PFF-Datenbank ein Left Tackle, der sehr schlecht davon kommt.

Zum Gerücht: DT Amobi Okoye (2007 als 19jähriger gedraftet) wird von Houston am Markt angeboten. Okoye ist nie richtig groß rausgekommen und wird ins neue 3-4 Schema von DefCoord Wade Phillips nicht reinpassen. Man glaubt, ein 4-3 Team wird ordentlich Draftpicks auf den Tisch legen.

[21h33] Ein treffender Artikel bei Pro Football Focus über den sensationellen Move von Albert Haynesworth nach New England. Drei interressante Gedanken:

Because Haynesworth is an elite talent and presuming he’s fit and healthy, I’d implore everyone to get ready for December 11th, when he returns to Washington.  Something tells me we might very well see him at his very best that day.

Belichick ist ein Hundling. Haynesworth wird Shanahan zerstören wollen.

Warum Haynesworth kein allzu hohes finanzielles Risiko darstellt, erklärt der erste Kommentar: Haynesworth wird 2011/12 ca. 5,5 Millionen Dollar verdienen (ca. die von Coates in den Kommentaren geschätzte Zahl) und 2012/13 ca. 6,7 Millionen. Der Clou im 100-Millionenvertrag von Haynesworth steckt im Winter 2013, wenn Haynesworth einen Roster Bonus von über 20 Mio. bekommt: Sofern es zu keiner Vertrags-Umstrukturierung kommt, wird Haynesworth vorher gefeuert werden. Und sollte es zu einem neuen Vertrag kommen, wird dieser mit Sicherheit nicht sämtliche Rahmen sprengen, zumindest nicht vor diesem Herbst.

Und drittens: Haynesworth ist tatsächlich erst 30 Jahre alt. Überrascht mich jetzt selber. Der Mann steckt also mitten in der theoretischen Blütezeit für Defensive Tackles.

Dieser Trade hat alle Ingredienzien, einer der bedeutendsten der letzten Jahre zu sein.

[21h17] Massiver Vertrag für Kevin Kolb in Arizona: Fünf Jahre, 63 Millionen Dollar, „mehr als“ 22 Mio. guaranteed. Meine Herren, wenn Sie über mich auch ein paar nett gemeinte Zeitungsartikel schreiben…

[20h48] According to @John Clayton/ESPN: Die Arizona Cardinals haben einen ziemlich schrägen Move gemacht und QB Kevin Kolb von den Eagles geholt. Kompensation: CB Dominique Rodgers-Cromartie und ein 2nd round pick. Rodgers-Cromartie war kein besonders herausragender Cornerback, aber mit DRC und Rookie Peterson hätte wenigstens ein bisschen Star-Faktor in der Defense mitgespielt. IMHO ein merkwürdiger Move mit einer zweiten Aussage: Die Eagles haben sich für CB Nnamdi Asomugha abgemeldet.

[20h15] Auch wenn man diesen Tag seit langem, spätestens seit 5. Jänner 2011, kommen sehen musste, so ist es doch schade. Heute werden die Tennessee Titans QB Vince Young entlassen und damit einen Schlussstrich zu meiner Affinität für diese Mannschaft setzen (okay, der phänomenale Chris Johnson spielt noch dort, aber trotzdem). Ich habe Young geliebt, weil Young ein Schwarzer war und es keinen würdigeren Nachfolger in Tennessee für den Quarterback schlechthin, Steve McNair, geben konnte, als einen mobilen, schwarzen Spielmacher.

Young war für mich nie der große Scrambler vor dem Herrn, den in ihm viele sahen. Young war für mich „nur“ ein mobiler, unglaublich geschmeidiger Quarterback mit unkonventionellem, aber nicht unästhetischem Wurfstil, aber kein Scrambler. Young wurde lange Zeit nachgesagt, er würde trotz schlechter Stats „einfach gewinnen“. In Wirklichkeit war die beste Titans-Saison seit Youngs Einberufung 2006 im Herbst 2008/09, als Young wegen Kindsköpfigkeiten auf der Bank saß.

Vor zwei Jahren spielten die Titans eine der sensationellsten Offenses, die ich bisher gesehen habe, eine Triple-Option-artige Angriffswucht mit Young und Chris Johnson an vorderster Front, und trotz grottenschlechtem Saisonstart (ohne Young) und ganz schwacher Defense fast noch einen Playoff-Einzug für die Titans. Hätte Young diese gepackt, ich bin überzeugt, er würde noch in diesem Sommer mit Jeff Fisher gemeinsam antreten.

Obwohl sich der katzenartige Young und der beinharte McNair vom Spielstil unterschieden wie Tag und Nacht – für mich waren doch beide in einem Topf. Ich hatte gehofft, wenigstens einer von beiden würde Fisher den verdienten Titel bringen.

Leider wurde daraus nichts.

[20h06] Mal ein Dank an die treue Leserschaft: Sideline Reporter ist seit Tagen in den deutschen Top-100 von WordPress Blogs of the Day (aktuell #72, Rekordposition war #2 während Superbowl XLV):

Wordpress Blog of the Days

Wordpress Blogs of The Day

[19h43] Mal eine Richtzahl für Top-10 Rookies: Pick #9 OT Tyron Smith/Dallas kriegt für 4 Jahre 12,5 Mio. Tackles sind nach QBs die nächsthöchst bezahlten – und 12,5 Mio. ist ein Wert, der früher für ein einziges Jahr gereicht hätte.

[18h38] Der zweite Tag des NFL-Wirrwarrs ist mitten im Gange – morgen startet die Story dann offiziell, wobei laut einer vertrauenswürdigen Information angeblich die Verträge „offiziell“ erst ab 4. August 2011 unterschrieben werden dürfen; allein, ein bloßes Abkommen in der NFL darf als „vertragsgleich“ gelten.

As yesterday, werfe ich bequemlichheitshalber wieder alles in einen Topf: Free Agents, Rookies, Trades, whatever else. Die Quellen sind wieder: NFL/Yahoo, NFL/ESPN und Adam Schefters Twitteraccount – alles verlässliche und schnelle Dienstleister.

QuarterbacksBrett Favre hat angeblich allen Unkenrufen zum Trotz seinen „endgültigen“ Rücktritt erklärt. Was soll man dazu noch sagen…

QB Pat Devlin hat offenbar bei den Miami Dolphins unterschrieben. Devlin war der QB von der Flacco-Uni, den im Jänner einige hatten in die erste oder zweite Runde des Drafts schreiben wollen, und der dann am Ende doch ganz leer ausging. Miami will angeblich aber weiterhin Kyle Orton und soll bereit sein, massig zu investieren.

Running Backs – Devlin ist ein interessanter Neuzugang für Miami, aber nichts gegen die kleine Sensation bei den Running Backs: Angeblich hat Miami für Reggie Bush getradet! 10 Mio. für einen Zweijahresvertrag, nachdem Bush in New Orleans (wie prognostiziert) nicht unter dem alten Vertrag bleiben konnte. Miamis Owner Stephen Ross ist dafür bekannt, seit Jahren händeringend vermarktbare „Stars“ für die Dolphins einzukaufen, um endlich an Profil zu gewinnen.

New Orleans hat einen anderen Mann weiterverpflichtet: RB Pierre Thomas (4yrs/12 Mio. – gleiche Zahlen wie bei K Mare gestern). Thomas/Ivory/Rookie Ingram: könnte ein potenter Laufangriff werden in New Orleans.

Wenig sensationell: Dallas hat RB Marion Barber rausgeschmissen, wie von maschemist vor einigen Monaten in seinem Gastbeitrag prophezeiht. Ein anderer Running Back könnte auf dem Markt sein: Frank Gore ist in San Francisco untergetaucht und ward seit Lockout-Ende nicht mehr gesehen.

Wide Receivers – Der spektakulärste Move ist sicherlich „Sidney Rice nach Seattle“. Irgendwie bedrückend, diese Personalpolitik der Vikings, auch wenn zum Vertrag von Rice bei den Seahawks wenig Substanzielles in Erfahrung zu bringen ist (lt. Foxsports ein 5yrs-Vertrag). Meine Güte, Rice plant anscheinend, in Seattle zu versauern – oder er gibt so viel auf Tavaris Jackson.

Bei den krassen Zahlen für WR Holmes gestern: WR Deseaon Jackson in Philadelphia will angeblich für mehr Geld streiken. Interessantes Detail: Der neue Tarifvertrag beinhaltet eine Passage, die von „hartem Vorgehen gegen streikende Spieler“ spricht.

In Dallas steht WR Roy Williams vor dem Abschuss.

Carolinas Steve Smith dagegen hat das Erwartete gemacht und wird in Carolina bleiben. Ich halte Steve Smith für einen der integersten Spieler der NFL – was verwundern mag angesichts einer Handvoll Trainingsschlägereien. Aber Smith gehört nicht umsonst zu meinen 10 Lieblingsspielern.

WR Lance Moore, wichtiger, unterschätzter Bestandteil der Saints-Offense, bleibt in New Orleans. Zumindest lt. seines Twitter-Accounts.

Die Stokley/Redskins-Nummer scheint sich als Ente herausgestellt zu haben. Welch Wunder, bei den Zillionen Wide Receivers, die Washington dieser Tage eingekauft hat.

Offensive Line – Ein Rücktritt zu Beginn: OG Damien Woody (sensationelle Bewertungen bei PFF) ist bei den Jets nicht mehr gewollt und hat keine Lust auf ein anderes Team. Der Rücktritt scheint sogar schon offiziell zu sein. Die Jets haben dafür OT Wayne Hunter weiterverpflichtet (unterirdische Ratings bei PFF).

Pro Bowl G Leonard Davis wird von Dalals entlassen werden.

Defensive Line – Die SENSATION des Tages: New England kriegt DT Albert Haynesworth für einen 5th round pick aus Washington. Haynesworth ist bei Zeiten ein fauler Sack und hasst die 3-4 (die auch New England spielt), aber wenn ein Mensch diesen fantastischen Defensive Tackle auf die Reihe bekommt, ist es Bill Belichick. Haynesworths Megavertrag wird mit Sicherheit neu geschrieben und vergleichsweise schmal ausfallen, aber der Move macht New England für mich auf der Stelle zum Superbowl-Topfavoriten. Haynesworth ist für mich der potenziell beste Tackle (ich habe 2008/09 viele Titans-Spiele gesehen, womöglich daher ein bissl Verblendung).

Philadelphia hat sich indes mit DE Jason Babin einen Pro Bowler aus Tennessee geholt (5yrs). DT Bunkley, DE Cole, DE Babin: Diese Line – noch dazu mit DL-Coach Jim Washburn – wird in Zukunft zu beachten sein. IMHO ein fantastischer Move der Eagles, gerade nach dem Verlust des besten Safetys (Mikell).

Washington hat sich dagegen DE Stephen Bowen für 5yrs/27,5 Mio./12,5 Mio. guaranteed geholt. Habe ich schon erwähnt, wie erstaunt ich über manche Summen dieser Tage bin – Capfloor hin oder her? (Die Redskins haben übrigens alles zu tun, um UNTER die Salary Cap zu kommen)

DT Barry Cofield (gestern sollte er bei den Giants bleiben) geht nun anscheinend doch nach Washington.

Linebackers – Der beste Mann, der ab sofort verfügbar ist: MLB Nick Barnett, der Mann, ohne den Green Bay jüngst derdiedas Superbowl gewann, der sich beklagte, nicht auf dem Mannschaftsfoto zu sein und der IMHO einer der besten seines Fachs ist. Barnett wird getradet oder entlassen – Green Bay hat den Rausschmiss semi-offiziell gemacht.

New England hat Haynesworth und braucht noch Pass Rusher. Was tun? OLB Tully Banta-Clain entlassen. Banta-Clain machte über zwei Jahre 15 Sacks, gefühlt die Hälfte der kompletten Patriots-Sacks.

Wichtiger Move für Detroit: OLB Justin Durant kommt aus Jacksonville.

Defensive Backs – Das Rennen um CB Nnamdi Asomugha ist erwartet voll im Gange. Wider Erwarten haben die Jets lt. Schefter 10 Mio. Platz unter der Salary Cap, aber Houston soll der Favorit sein und einen Langzeitvertrag über 14 Mio./Jahr angeboten haben. Asomugha in Houston – die Texans wären automatisch mein AFC-South-Favorit.

Kicker – K Matt Stover ist offenbar zurückgetreten. Uralt-Stover, der lange in Baltimore und dann in Indianapolis gekickt hat.

NFL-Bazar 2011: Defensive Front Seven

Nach der Offense wird heute und morgen die Defense in der Free Agency kurz vorgestellt.

Defensive Tackles

Ich verweise noch einmal auf den Eintrag vom März – einige (Rogers, Stroudt) haben mittlerweile neue Teams gefunden. Dazu kommt noch Pat Williams, dessen Größe sich vor allem zahlenmäßig in Minnesotas Lauf-Defense wiederschläft. Diese Statistik dürfte Stammlesern mittlerweile hinreichend bekannt sein, aber sie ist einfach frappierend – es ist die Lauf-Defense der Minnesota Vikings (yds/carry):

2003 4,9yds/Lauf
2004 4,6yds/Lauf
2005 4,0yds/Lauf (erstes Jahr mit Pat Williams)
2006 2,8yds/Lauf
2007 3,1yds/Lauf
2008 3,3yds/Lauf
2009 3,9yds/Lauf
2010 3,9yds/Lauf

Bekannt ist auch der Name von John Henderson, einstiger Pro Bowler in Jacksonville und zuletzt in Oakland integraler Bestandteil einer Würfegriff-Defense. Sein Wert dürfte durch zahlreiche Verletzungsprobleme um einiges geschmälert werden. Ganz interessanter Mann: San Franciscos Aubrayo Franklin, bei dem ich geneigt war von „jüngerer Generation“ zu schreiben, der aber tatsächlich schon Ü30 ist – und trotzdem einen massiven Vertrag kassieren dürfte. Franklins Wert ist in keiner Statistik ablesbar, aber der Ruf des „two-gap“ NT dürfte Millionen wert sein. „Two gap“ heißt: Spielt nicht bloß 1-gegen-1 gegen den Center, sondern kriegt auch Zugriff auf den Running Back.

„Jüngere Generation“ ist korrekt für Seattles Brandon Mebane. Ein völlig unbekannter Name, der sich aufgrund der konstant hohen Wertschätzung bei Pro Football Focus aus der grauen Masse heraushebt.

In Sachen Trades kann ich mir einen Albert Haynesworth vorstellen.

Defensive Ends

Zwei Namen stechen sofort heraus: Ray Edwards (Minnesota) und Charles Johnson (Carolina), die eines einst: Sie standen lange Zeit im Schatten anderer (Allen, Peppers), sind beide noch jung (26 respektive 25 Jahre alt) und beide schwer zu blockende Pass Rusher auf dem aufsteigenden Ast. Bei Edwards geht man von einem Mannschaftswechsel aus, aber bei beiden gilt: Der neue Vertrag wird richtig schwer. Aufsteigender Ast gilt auch für Cliff Avril (Detroit), der aber RFA-Status genießt und somit recht sicher bleiben wird.

Eher auf dem absteigenden Ast sind die beiden Jets Shaun Ellis und Trevor Pryce, beide Mittdreißiger. Sie sollen dem Vernehmen nach tatsächlich N.Y. verlassen (müssen), aber irgendwo sorge ich mich dann doch um die nötige Kadertiefe bei den Jets.

Alteisen gilt auch für die Ends Raheem Brock, Cullen Jenkins und Jason Babin, die alle seit Jahren mehr oder weniger konstante Leistungsträger für diverse Teams waren und alle Varianten von Defenses gesehen haben, von 3-4 bis 4-3 und wieder zurück.

Linebackers – Olbs und Sams, Ilbs und Mikes

Haufenweise bekannte Namen, die man nicht so recht einschätzen kann. Steve Tulloch von den Titans ist nicht nur jung (26), sondern mit fünf Saisons auch schon recht erfahren – gegen ihn spricht seine breakout season 2010/11, zufällig genau in dem Jahr, vor dem sein Vertrag auslief. Solche Spieler tendieren oft dazu, nach dem Kassieren der big bucks wieder auf Normalmaß gestutzt zu werden.

Jung, dynamisch und variabel sind auch Paul Poluszny (Bills), Quincy Black (Buccs), James Anderson (Panthers) und Justin Durant (Jags). Bei Anderson spielt der Zusatzfaktor Thomas Davis mit, der ebenso FA ist und von einer Kreuzbandverletzung zurückkehrt.

Von der älteren Garde sind Akin Ayodele (Bills), der ewige Runningback-Schreck Takeo Spikes (49ers), Mike Peterson (Falcons) und Dhani Jones (Bengals) vertragslos. Spikes sollte auf alle Fälle bleiben.

Washington Redskins in der Sezierstunde

Voran meine grandiose Saison-Prognose:

Ich traue Washington 2010 durchaus die Playoffs zu, selbst in der schwierigen NFC East. Wenn Snyder die Klappe hält und seine Coaches machen lässt, wenn die Defense so weiter spielt und die Offense unter Shanahan/McNabb den Erwartungen gerecht wird, sind die Redskins für mich sogar Favorit in dieser Division.

Ich werde mich an der Stelle nicht auf das Wörtchen „wenn“ hinausreden. Die Prognose steht neben meinen Schuhen – so geht es, wenn man aus blanker Not, nachher als Genie dazustehen – den Risikotipp rausposaunt.

Wobei: Im Prinzip war alles gegeben. Neuer Headcoach mit Sachverstand, ein eigenhändig mundtot gemachter Owner und ein hochkarätiger, neuer Quarterback. Sogar die NFC East erwies sich als erwarteter Rohrkrepierer.

Trotzdem war Washington am Ende mit 6-10 Tabellenletzter. Frage: Wie waren die Probleme gelagert?

Antwort: Vielschichtig.

Mike Shanahan

Mike Shanahan - ©Flickr

Mike Shanahan machte von Beginn an einen auf Disziplin-Nazi und vergraulte damit den faulen und überbezahlten DT Albert Haynesworth. Im Lauf der Saison verärgerte Shanahan dann auch noch QB Donovan McNabb, indem er ihn mehrfach öffentlich demontierte.

Sportlich war Washingtons Offense hilfloser als erwartet, weil das Laufspiel schnell kollabierte und McNabb nicht dauerhaft in der Lage war, das Problem zu übertünchen. Das 16-13 (OT) gegen die Packers Anfang Oktober ist mir dabei im Gedächtnis geblieben: Trotz Sieg eine extrem maue Vorstellung, weil das Laufspiel in all seinen Facetten abgewürgt war.

Weil es immer noch schlechter geht, bitteschön – die Defensiv-Statistiken: DVOA #25 overall, #18 Lauf, #27 Pass. In absoluten Zahlen: #31 overall, #26 Lauf, #31 Pass. Schande der Saison war natürlich die desaströse Heimschlappe gegen Vicks Eagles Mitte November (mit 59 kassierten Punkten noch gut bedient).

Was tun?

Zuerst: Eine Umstellung auf eine 3-4 Defense ist bekanntlich nicht einfach, und nachdem Haynesworth sich unfähig zeigte, den Nose Tackle zu spielen, war das System erstmal fürn Arsch. Für Shanahan muss die oberallererste Priorität lauten: Passende Spieler für die Systemumstellung einkaufen. Shanahan scheint auch über diesen Weg seine Defense in den Griff bekommen zu wollen, denn der Trainerstab blieb unangetastet.

Wichtigste Positionen dabei IMHO: Nose Tackle, Pass Rusher (Hey, alle wollen Pass Rusher!), Cornerbacks (aufgrund vieler auslaufender Verträge ist die Position arg dünn besetzt).

Gute Nose Tackles sind schwer zu finden, aber ich glaube kaum, dass der eigensinnige Shanahan nochmal mit Haynesworth probieren wird. Pass Rusher sollte dagegen weniger ein Problem darstellen – der Jahrgang gilt im Draft als reich bestückt. In der Secondary ist mit O.J. Atogwe schon ein guter Safety eingekauft worden, die Cornerbacks (Buchanon, Rogers) sollten nach Bedarf gehalten werden.

Problematischer ist die Offense: QB McNabb ist in Landover vermutlich verbrannt. Ob Shanahan wirklich mit REX GROSSMAN die Saison bestreiten wird? Und: Wo sind die Abnehmer für des Quarterbacks Pässe?

Es könnte auch einen Running Back brauchen – Clinton Portis ist raus. Shanahan war in der Vergangenheit dafür bekannt, No Names zu Top-Running Backs zu machen. Ryan Torain war über Phasen auch so einer. Aber eben nur über Phasen.

Draftpick #10

Die Redskins sind zur Zeit sowas wie das dark horse an der #10 im Draft – gesegnet damit, alle Optionen offen zu haben: Einer der fünftausenvierhundertsechsundsechzig Quarterbacks wird auf alle Fälle frei sein, vermutlich auch einer der beiden Top-WRs (Julio Jones, A.J. Green), die beide den Skins gut zu Gesicht stünden. Ein Trade nach unten sollte ebenso eine Option sein wie ein Trade hinauf.

Der Gedanke, einen QB zu draften, sollte nicht ganz abgewiesen werden. Locker, Gabbert und vor allem Newton – drei mobile Quarterbacks, die den Ball ein paar Dutzend Yards das Spielfeld hinunter jagen können. Wie war datt nochmal mit den Elways, Plummers und Cutlers dieser Welt?

Sollte Washington sein Auge auf einen speziellen der drei werfen, könnte ein Trade in eine bessere Draftposition von Nöten sein. Sollte kein CBA bis zum Draft unterzeichnet werden, kann man allerdings keinen McNabb als Handelsware einsetzen…

Ausblick

Ich bin einigermaßen schockiert über die gezeigten Leistungen der Redskins. Ich hatte die Mannschaft deutlich „runder“ erwartet – aber die Defensivumstellung war wohl ärger als erwartet und wenn dein Laufspiel so abschmiert, ist „6-10“ vorprogrammiert.

Da die Löcher eher breit gestreut sind und aktuell schwer vorhersehbar ist, in welche Richtung die größten Bemühungen angestrengt werden, ist eine Prognose schwierig. Schwer vorstellbar, dass Grossman der QB #1 sein wird oder dass McNabb noch einen Funzen Bock auf Shanahan hat, von daher ist QB in Runde 1 vielleicht wirklich am wahrscheinlichsten.

Cam Newton-Show in Landover?

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