San Francisco 49ers in der Sezierstunde

Drei Jahre Jim Harbaugh, drei Jahre „eine Hand an der Trophäe“, dreimal knapp gescheitert – das sind die San Francisco 49ers dieser Tage. Eine Franchise, die ganz nahe dran ist, den Ruhm der glorreichen 80er wiederherzustellen, aber bisher jedesmal knapp vor der Erfüllung aller Träume gescheitert ist. Vor zwei Jahren zerstörten zwei Fumbles des Ersatz-Returners den Endspieltraum, und dieses und letztes Jahr scheiterte man jeweils in der Schlussminute von Semifinale und Finale mit einem Pass in die Endzone hinein. In anderen Worten: Die 49ers sind „dran“, aber sie konnten sich noch nicht belohnen. Viel schlimmer: Belohnt hat sich in der Zwischenzeit der lange Zeit nahezu völlig unbekannte Erzrivale, die Seattle Seahawks.

Da passt es doch wie angegossen, dass man sich GM Trent Baalke nach der Saison erstmal in einen Vertragsstreit mit Harbaugh begab, der zumindest Gespräche über einen möglichen Abgang Harbaughs entfachte. Wie viel an den Trade-Gerüchten „Harbaugh nach Cleveland“ dran war, ist nicht ganz klar, aber allein der Gedanke ist verrückt. Die Crux ist: Baalke will Harbaugh erst dann wie einen Superbowl-Coach bezahlen, wenn er eine gewonnen hat. Die alte Leier der Management-Fehler.

Trotzdem ist das Potenzial der 49ers da, und es ist sogar ziemlich gut: Für 2014 ist der Salary-Cap Raum zwar recht begrenzt, aber viel muss man auch nicht mehr bewegen, und ab 2015 hat man wieder einige Cap-Flexibilität. Baalke hat hier einen sehr guten Job gemacht – das neue CBA half ihm bei Leuten wie QB Colin Kaepernick natürlich, aber Baalke hat bislang seine Topspieler auch unabhängig vom CBA nicht mit horrende Verträgen beglückt.

Es gibt zwar auch junge, begabte Spieler mit auslaufenden Verträgen wie OLB Smith, WR Crabtree, OG Iupati, Kaepernick, aber das sind dann auch schon die meisten der Stützen. Die meisten anderen Free-Agents betreffen Mittelklassespieler wie DT Dorsey oder Altstars wie RB Gore. Dazu kommt, dass die 49ers mal wieder extremst viele Draftpicks für 2014 zur Verfügung haben – vor allem jene in der Zone, wo die Draftklasse 2014 am besten ist: Zwischen den Picks #20 und #70. San Francisco hat zwischen #30 und #100 gleich sechs Draftpicks im Sacko, und insgesamt 12 Stück.

Zur Kaderschau.

Überblick 2013

Record        12-4    CC
Enge Spiele    3-2
Pythagorean   11.6     4
Power Ranking  0.645   6
Pass-Offense   6.5    11
Pass-Defense   5.8     9
Turnovers      +12

Management

Salary Cap 2014.

Die 49ers-Offense der letzten Saison krankte über viele Wochen an einem zu wechselhaften Passspiel. Das lag zum Teil am mangelhaften Spielermaterial, zum Teil an Verletzungen, zum Teil an einer anfangs schwachen Offensive Line, aber es lag wohl auch am generellen Spielzugdesign und der Unerfahrenheit des jungen QBs Colin Kaepernick, 2012 wie Phoenix aus der Asche gestiegen, der 2013 aber doch einiges Lehrgeld zahlte.

Einvakuumiert lesen sich Kaepernicks Zahlen nicht völlig neben den Schuhen: 6.5 NY/A ist ein sehr anständiger Wert für eine Pass-Offense, nicht überragend, aber überdurchschnittlich für die starken Defenses, die San Francisco sah. Kaepernick hatte auch bloß 11 Interceptions in der Regular Season, insgesamt eine 2.2% INT-Quote – auch dies ist besser als der Durchschnitt, und für den Hopp-oder-Topp Stil der Niners sogar anständig.

Aber da sind auch nur 58% Completion-Rate und Kaepernick kassierte in 543 Passversuchen üble 45 Sacks, und es waren einige sehr sterile Performances von Kaepernicks Offenses mit dabei. Waren es die Wehwehchen des Lernenden? Viel Erfahrung hat Kaepernick ja nicht gerade. Auf alle Fälle war es eine zeitlang mau genug, dass San Francisco sich noch nicht traut, Kaepernick die geforderte 20 Mio/Jahr Vertragsverlängerung unterzujubeln.

Zu verlieren hat man nicht allzu viel: Ob Kaepernick auftrumpft oder nicht, viel teurer wird er in einem Jahr nicht sein. Kollabieren seine Leistungen, kriegt man ihn sogar billiger oder kann sich nach Alternativen umschauen. Hat er weiter Probleme mit fickfreudigen Sternchen, kann man über seine Nachfolge nachdenken.

Für das kommende Jahr steht Kaepernick, diese Naturgewalt, erstmal unter Beobachtung. Er zeigte letzten Herbst Ansätze, dass er auch Geduld in der Pocket entwickeln kann und auch mal 3sek auf seine Anspielstation warten kann – manchmal zu lange (die vielen Sacks!). Er ist in einer Findungsphase.

Man sollte sich darauf konzentrieren, ihm kurz- und mittelfristig einen besseren Receiving-Corp zur Seite zu stellen, der auch mal den Ausfall eines Leistungsträgers aushält.

WR Michael Crabtree wird kommenden Herbst fitter sein: Er verpasste den Großteil des letzten Jahres mit Achillessehnenriss und humpelte hernach auch mehr herum als er sprintete. Trotzdem war er nach seiner Rückkehr mit 30% tiefen Anspielen und 34 Catches wieder der Mann für die schwierigen Plays. Man kann ihn fast als Neuzugang werten, und ein Crabtree in 2012er-Form wäre einer der besten Receiver der Liga, plus er spielt um einen neuen Vertrag.

Zuletzt noch wertvoller als Crabtree war der Oldie-Bolzen WR Anquan Boldin, ein Brocken von Mann für die Spielfeldmitte, der die Offense fast eine halbe Saison lang allein auf seinen Schultern trug und unendlich viele kritische Plays hatte. Boldin geht auf die Mitte 30 zu und man sollte nicht drauf wetten, dass seine Leistungskurve stabil bleibt, aber vielleicht hat er noch ein gutes Jahr im Tank.

Dazu kommt der sehr komplette TE Vernon Davis, der fantastische Mann, der in der wenig passfreudigen Offense der 49ers 98x angespielt wurde, in 36% der Fälle davon tief über die Spielfeldmitte für 57 Catches, 904yds und 15 TD. Allein, bei Davis ist oft die Frage, wie motiviert er auftritt. Er hatte Bombenjahre, aber er hatte auch magere Jahre.

Hinter diesem Trio ist wenig, mit dem man arbeiten kann. Der junge WR Quinton Patton hat im Trainerstab noch was gut, weil er sich sofort nach dem Draft als Motivationsbündel allererster Güte erwies und mit seinem Trainingsfleiß alle mitriss, aber am Ende des Tages sprangen in 6 Einsätzen nur 7 Anspiele und 5 Catches bei raus. Patton wird sich verbessern müssen. WR Baldwin ist als Flop abgestempelt, und WR Manningham wurde zu den Giants zurückgeschickt – es ist also Platz da für den einen oder anderen Neuzugang für ein Team mit viel Holz zum Arbeiten in einer Draftklasse mit vielen WR-Talenten.

Bei den Ballträgern hatte man zuletzt ein eher schwaches Jahr: San Franciscos Offense ist immer noch um ein sehr variantenreiches Laufspiel aufgebaut, aber man war mit nur noch 40% Erfolgsquote bei Lauf-Downs nur noch unterdurchschnittlich (#20), und wenn man die Scrambles von Kaepernick rausrechnet, war man nur noch #24 der Liga nach Laufspieleffizienz – schwache Werte. RB Frank Gore wird nicht jünger, bekam aber zuletzt immer noch 324 Carries. Gore ist kein guter Ballfänger, aber er ist stark darin, sofort downfield abzubiegen und die notwendigen Yards herauszupressen.

Er ist nächstes Jahr wie eingangs beschrieben Free-Agent, und ob man dann mit einem 30jährigen noch verlängern will – who knows? Seine Backups sind alle junge Spieler: Kendall Hunter ist Draftklasse 2011, hat aber nie richtig überzeugen können, obwohl er 2012 sehr gute Ansätze hatte. Lamichael James ist Draftklasse 2012 und hätte eigentlich letztes Jahr eine größere Rolle bekommen sollen, aber es scheint mittlerweile so zu sein, dass ihn der Trainerstab aufgegeben hat und ihn verkaufen will. Und dann wäre da noch Marcus Lattimore, Draftklasse 2013, den sich die 49ers vor einem Jahr als Art Luxus leisten konnten; Lattimore, der schon einige schwere Verletzungen am College erlitt, galt immer schon als Mega-Back, und er war auch einer meiner Lieblingsspieler am College. Er ist wieder fit, und dürfte dieses Jahr sein NFL-Debüt geben. Vom Talent her wäre er ohne Verletzungen ein 1st-Rounder gewesen, eine Rarität in der heutigen NFL.

Tja, und Offensive Line: Hier wurde jahrelang geklotzt in San Francisco. Immer und immer wieder wurden 1st-Rounder ausgegeben, aber erst 2012 wirkte die Line zum ersten Mal richtig massiv. Letztes Jahr gab es einige Probleme mit Pass- und Lauf-Blocking, aber mit zunehmendem Spielverlauf kam immer besserer Drive in diese Unit. Vom Spielermaterial her ist man auf allen Positionen außer Center (Goodwin ist 35 und bekam noch keine Vertragsverlängerung) exzellent besetzt. Als Ergänzung für die Tackle-Positionen wurde Jonathan Martin aus Miami geholt, ein Harbaugh-Schützling am College, und das Mobbing-Opfer Martin soll sich in San Francisco wohler fühlen als im Haifischbecken bei den Delfinen.

Auch die Defense hatte letztes Jahr anfängliche Schwierigkeiten, sah mehrere Wochen lang wie es ist, wenn sich Schlüsselspieler mit Verletzungen plagen. Gebaut ist sie um ihre aufgeblasene Front-Seven, die eine zumeist suspekte Secondary übertünchen kann, weil der Passrush extrem ist und Laufspiel nicht zu machen ist. 5.8 NY/A gegen den Pass sind ein starker Wert, aber es war auch schon mal besser in San Francisco.

Stichwort Passrush, wo die Frage der Fragen OLB Aldon Smith betrifft: Smith ist wenn fit einer der besten, wuchtigsten Passrusher in der NFL. Er kann locker 15-20 Sacks fabrizieren und für endlosen Terror im gegnerischen Backfield sorgen, aber er ist auf der anderen Seite ein Mann, der noch nicht begriffen hat, dass die Pubertät vorbei ist. Er hatte in den letzten Monaten von Alkohol- über Drogenprobleme über nervliche Probleme hin zu Gewaltausbrüchen so ziemlich alle Phasen, die eine Bilderbuchkarriere des stereotypischen Ghettoproblemkinds ausmachen, und die 49ers scheinen mittlerweile die Geduld mit ihm zu verlieren. Sein Vertrag läuft nächstes Jahr aus; unter dem neuen CBA haben NFL-Teams die Chance, eine Option auf ein fünftes Profijahr zu ziehen, und die Niners werden es möglicherweise bei Aldon nicht ziehen – und wenn schon, dann gilt es aktuell als wahrscheinlich, dass er getradet wird.

Es wird also Passrush von den Flanken brauchen – vielleicht via Draft. „innen“ ist man 100%ig gesattelt, wenn ILB Navorro Bowman nach seinem ganz üblen Kreuzbandriss aus dem NFC-Finale fit sein sollte; ein Backup-Plan für Bowman schadet vielleicht nicht, aber das Trainerteam wird darüber mehr Bescheid wissen. Bowmans Nebenmann ist der universellste Inside-LB, den man sich ausmalen kann: Patrick Willis.

In der Defensive Line ist nicht mehr alles nur um den famosen Altstar DE Justin Smith konzipiert. Justin ist mit 34 auch nimmer die körperliche Wucht vergangener Tage, aber er wird weiterhin ein wertvoller Spieler für die Rotation sein. Er bekommt für dieses Jahr einen neuen Schützling zum Einlernen zur Seite gestellt: DE Tank Carradine, Björn Werners Teamkollege am College, den San Francisco letztes Jahr ähnlich wie Lattimore als eine Art „Redshirt“-Rookie draftete. Carradine war ein 2nd-Round Pick, der sicher ganz weit vorne gedraftet worden wäre, hätte er sich nicht schwer am Knie verletzt. Carradine wird dieses Jahr fit sein, und er gilt als extrem gutes Talent. Er ist quasi ein weiterer Gratis-1st Rounder, den San Francisco in den Kader zu integrieren versucht.

Die weitere Genossen in der Line sind der DT/DE Glenn Dorsey, der letztes Jahr teilweise Nose-Tackle spielte, und DE Ray McDonald, dessen 2013er Saison hymnisch besungen wird. McDonald hatte irgendwie nie jemand über den Weg getraut, aber er scheint sich zu einem kompletten Spieler entwickelt zu haben.

Kurzum: „Da vorne“ in der Niners-Defense ist geballte Wucht vorhanden. Die Frage ist eher: Ist die Tiefe da, oder soll man mit dem einen oder anderen Pick nachladen? (Eher ja)

In der immer schon eher schwachen Secondary muss man gleich drei „Leistungsträger“ ziehen lassen: CB Brown, CB Rogers und S Whitner gingen, hinterlassen aber keine nicht zu schließende Lücke. S Bethea wurde aus Indianapolis geholt und dürfte mit seiner grundsoliden Spielweise eh ein Upgrade gegenüber Whitner sein, und auf Cornerback brauchst du in dieser Defense nur so gut sein, dass du nicht nach 1.5sek blank stehst. Den Rest macht der Passrush.

Der homophobe CB Culliver und CB Brock gelten aktuell als Stamm-CBs, während der zuletzt in Detroit und Tampa stets schnell gefeuerte CB Eric Wright auch eine Vertragsverlängerung sah und zumindest mehrere hundert Snaps Spielzeit sehen könnte. Hier könnte es angebracht sein, mit mittelfristigem Fokus auch mal einen der höheren Picks zu investieren.

Viele Lücken gibt es in San Francisco nicht. Der Kader ist relativ komplett. Auf den Positionen, auf denen man mit alternden Spielern besetzt ist, hat man schon die jungen Talente im Käfig. Für meine Begriffe sollte man sich nach einem Passrush-Talent umsehen. Aldon Smith scheint keine sichere Tüte zu sein und möglicherweise eher früher als später im Knast schmoren. Und so dominant die Front-Seven mit ihm ist: Ohne Aldons Skills ist das statt Lamborghini hat schnell nur noch Ford Focus – sehr gute Leistung, aber kein geraubter Atem mehr.

Dazu Wide Receiver/Tight End, Cornerback und für die Tiefe ein Defensive Liner – so zumindest könnte man die „Baustellen“ für 2014 bezeichnen. Bleibt aus Niners-Sicht zu hoffen, dass Kaepernick den „richtigen“ Druchbruch, also den Sprung in die QB-Elite, schafft. Oder sich zumindest als 1B-Klasse herausstellt – dann bleibt dieses Team auch nach den ersten schweren Vertragsverlängerungen für die noch immer billigen Jungstars ein Titelkandidat auf 2-3 Jahre hinaus.

San Francisco 49ers in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#7 DE Aldon Smith (Mizzou)
#36 QB Colin Kaepernick (Nevada)
#80 CB Chris Culliver (South Carolina)
#115 RB Kendall Hunter (Oklahoma State)
#163 OG Daniel Kilgore (Appalachian State)
#182 WR Ronald Johnson (USC)
#190 S Colin Jones (TCU)
#211 DE Bruce Miller (Central Florida)
#239 OT Mike Person (Montana State)
#250 CB Chris Holcomb (Florida A&M)

Interessanter Draft der 49ers: Franchise-QB gewollt, Franchise-QB bekommen – aber nicht um jeden Preis. Colin Kaepernick, der Quarterback aus der Pistol-Offense von Nevada, und die San Francisco 49ers mit Head Coach Jim Harbaugh: Eine höchst attraktive Connection. Ob Alex Smith doch noch 1-2 Jahre zum Einlernen Kaepernicks bleiben wird?

In Runde 1 holte sich Harbaugh DE Aldon Smith, ein Spezialist für Pass Rushes, noch lange kein kompletter Spieler. Die Niners dürften gekotzt haben, dass CB Peterson nicht mehr frei war. Mit DT Franklin, DE Smith, DE/OLB Lawson und DE/OLB Smith gibt es nun haufenweise gute D-Liner an der Bucht. Neben Smith kam gegen Draftende noch ein weiterer End, Bruce Miller von UCF, dazu –ein Pick für die Sichtungstrainings.

Die Defensive Backs sind zweimal angegangen worden, mit CB Chris Culliver und S Colin Jones, der das Siegen an der Texas Christian University zur Genüge gelernt haben dürfte. Die Secondary der Horned Frogs ist mir aber am wenigsten eindrucksvoll in der bärenstarken TCU-Mannschaft in Erinnerung geblieben.

Für die Offense sind neben einem Tackle in der letzten Runde noch zwei Skill Players gekommen: RB Kendall Hunter (OSU Cowboys) und WR Ronald Johnson (USC). Hunter dürfte ein paar Carries zur Entlastung von Frank Gore bekommen, Johnson in den Haufen Receivers integriert werden, aus dem nur der bislang enttäuschende Michael Crabtree herausragt.

Summa summarum

Flashy ist anders, aber die Draftklasse gefällt. Die Defense wird um den Pass Rush herum konzipiert und die augenscheinlichste Schwäche, die Defensive Backs, sollen erstmal dadurch entlastet werden. Die Offense wird um einen außergewöhnlichen Quarterback herum gebaut. Ob Kaepernick sich durchsetzen wird, keine Ahnung. Aber der Mann ist so leichtfüßig, es ist eine Freude, ihm zuzusehen. Harbaugh traue ich durchaus zu, innerhalb von 1-2 Saisons eine Offense für Kaepernick herum zu zimmern, in der die Stärken des Mannes zum Tragen kommen. Die 49ers bleiben mein NFC-West-Favorit, bis Arizona Donovan McNabb eingekauft hat.

NFL Draft 2011 Countdown T-minus 4 – Defensive Line

Die Defensive Line gilt als hochkarätig besetzt. Was auffällt: Immer mehr Spieler sind sehr variabel, und können wahlweise in 3-4 oder 4-3 spielen und dabei zwischen NT, DT, DE und OLB verschoben werden.

Defensive Tackles

Nick Fairley vom BCS-Champion Auburn ist der meistgehypte Mann. Fairley sollte nach diversen Scharmützeln eigentlich Unfairley heißen, aber Fairley hat teilweise ganze Offensive Lines dominiert. Besonders auffällig im BCS-Finale: Oregon verzichtete darauf, Fairley zu blocken und ließ ihn das Angriffsspiel dafür „lesen“. Resultat: Fairley war der Matchwinner. Fairley, nicht Cam Newton. Allerdings läuft Fairley noch als one year wonder durch die Gegend – und als „Leichtgewicht“ (wog in Indianapolis plötzlich fast 5kg unter Kampfgewicht).

Deswegen könnte sich DT Marcell Dareus vom großen Rivalen Alabama wieder zurück an die Spitze gekämpft haben. Dareus gilt als vielseitig einsetzbarer Tackle für jedwede Defens, trotz allgemein eher schwacher Saison 2010/11. Clou an einem Dareus-Pick: Common sense ist, aus ihm einen DE für eine 3-4 Defense zu machen. Man hört jedoch auch Stimmen, bei einer Zulage von 5-10 Pfund (ca. 3-4kg) auch den Nose Tackle geben könnte. Riecht irgendwie nicht so stark nach „Carolina Panthers“, wie ich angenommen hatte.

Mehr der Typ Pass Rusher ist ex-Tar Heel Marv Austin. Austin wird alles Talent der Welt nachgesagt. Wäre er bloß a) nicht die komplette vergangene Saison suspendiert gewesen, b) etwas reifer und würde er bloß c) seine Überaggressivität in Sacks denn in gelbe Flaggen ummünzen. Austin ist mehr der Typ für das große Ganze (Sprich Sacks und QB niederschlagen) und soll kein Auge für Details haben (sprich auf Fakes des Gegners zu achten). Angeblich Talent für Runde #1, aber nur ein Kandidat für Runde #2-3, aus genannten Gründen.

Ganz heiß diskutiert wird Stephen Paea (sprich: Piiiie-uuh) von Oregon State. Der Mann wiegt 137kg und hatte in der Combine sensationelle 49 bench press reps. Ist Neuseeländer und spielt erst seit wenigen Jahren Football. Typ: Riesiges Potenzial, das bisher nur bisweilen in riesige Leistungen umgesetzt wurde. Ein Team wird voll riskieren und Paea in den ersten beiden Runden draften.

Weniger aggressiv, dafür umso massiver gebaut ist der gedachte Nose Tackle Phil Taylor von Baylor: 1,93m, 152kg sind Dampfwalzen-Maße. Ob damit die Pancakes als Stats auch für D-Liner eingeführt sind? Wer einen eindimensionalen Nose Tackle voller Gewalt mit verbrecherischer Vergangenheit (eingebuchtet wegen schwerer Körperverletzung) sucht, für den Double Teaming eingeplant werden muss, wird Taylor holen.

Noch krasser geht nicht?

Gestatten, Kendrick Ellis vom kleinen Hampton College. 1,96m, 157kg. Seine Verbrecher-Bilanz geht weniger in Richtung „Schlägertyp“, dafür mehr Kiffer – gilt aber seit seinem Rauswurf bei Steve Spurriers Gamecocks als geläutert. Der typische fette Sack, der in der Mitte der 3-4 platziert wird, um zwei Blocker aufzunehmen, aber sonst kaum gebräuchlich. Für den Rasenwart bedeutet dies: Schwerstarbeit in der Mitte des Spielfeldes, aber außerhalb des Hash Marks wird Ellis nur wenige Halme zertreten.

Einen hab ich noch – Muhammad Wilkerson, ein Tackle aus der Mid-American Conference. Ehemaliger Basketballer, der gut daran getan hätte, am College weitere Erfahrung zu sammeln.

Defensive Ends

Die bestbesetzte Position, wenn es nach Mike Mayock und Konsorten geht. Der Pool zeigt sich so tief, dass sich immer noch kein klarer #1-DE herauskristallisiert hat. Im Jänner galt Clemsons Da’Quan Bowers als Top-Pick, aber Bowers scheint mit Verletzungsproblemen zurückgefallen zu sein. Bowers ist ein wuchtiger und vor allem flexibler Pass Rusher, der in der ACC mächtig aufgegeigt hat. Fragezeichen stehen hinter seiner Konstanz.

Aus der ACC kommt mit Robert Quinn noch ein weiterer Top-End. Quinn hat allerdings wenig Football gespielt in North Carolina, da er 5 Tausend $$ angenommen hat. 5 Tausend! Folge: Sperre und gilt als wenig intelligenter Spieler, der noch nicht gelernt hat, sich auf komplizierte Block-Schemata einzustellen. Ist ein reiner Pass Rusher und könnte zu Beginn der NFL-Zeit als (Achtung, jetzt wird’s fachsprachlich) situational pass rusher eingesetzt werden.

Ein Riesen-Talent soll Aldon Smith von Mizzou sein. Ich habe Mizzou mehrfach gesehen. Aldon Smith ist mir nicht aufgefallen. Wenn alles gut läuft, traut man ihm eine Karriere á la Terrell Suggs zu – als reiner Pass Rusher in die Liga zu kommen und sukzessive über 3-4 Jahre eine Entwicklung zum kompletten DE/OLB nehmen. Bisweilen aber ein Sack-Spezialist, der nicht gerne gegen Kraftbolzen anläuft.

Ganz heiß gehandelter Name ist auch der von Iowas Adrian Clayborn. Clayborn gilt als Kraftlackel, dem der Ruhm etwas zu Kopf gestiegen ist und der nachts gerne arme Taxifahrer windelweich prügelt.

Zu den soliden „low-risk“-picks:

J.J. Watt von Wisconsin hat eine eindrucksvolle Rose Bowl gespielt und genießt den Bonus, ein weißer Defensive End zu sein. Die GMs wissen, was sie an Watt haben. Dafür soll das Entwicklungspotenzial beschränkt sein.

Ähnliches gilt für den zweiten weißen End-Kandidaten Ryan Kerrigan, den die halbe Expertenriege nach Jacksonville oder New England gehen sieht: Solider, intelligenter Mann, reif für sein Alter. Dafür kein Kandidat für die Hall of Fame.

Zwei habe ich noch. Zwei Camerons.

Cameron Heyward genießt den Bonus, in Ohio State gespielt zu haben und dadurch zu wissen, wie sich Druck im Allgemeinen und Flexibilität in der Defensive Line anfühlen. Ich persönlich bin skeptisch bei ehemaligen Buckeyes – zu viele haben in den letzten Jahren enttäuscht.

Cameron Jordan kommt von Cal/Berkley und gilt als fast ausgelernt, spielte häufig alle Snaps durch und das mit gutem Grund: Kann Lauf und Pass gleichermaßen abwürgen und soll ein fast identer Spielertyp wie Ex-Teamkamerad Tyson Alualu sein – der vergangenes Jahr von Cal nach Jacksonville ging. Die Jaguars suchen übrigens wieder einen End…