NFL Vorschau 2014 – Chicago Bears

Letztes Jahr haben die Bears nach vielen Jahren unter Lovie „Tampa2“ Smith einen sogenannten „Offensivguru“ oder „Quarterbackflüsterer“ als Head Coach engagiert. Unter Marc Trestman sah die Offense zeitweise richtig vielversprechend aus; allein: die Defense war von vornherein schon kaputt, dann litten sie auch noch unter riesigen Verletzungssorgen und verloren am Ende den Kampf um die NFC-North-Krone doch nur knapp.

Blablabla, interessiert alles niemanden mehr. Denn bei den Bears macht es richtig Spaß, in die Zukunft zu schauen und sich auf ein sehr aufregendes Team zu freuen. Weiterlesen

Chicago Bears in der Sezierstunde

Die Saison 2013/14 dürfte bei den Anhängern und Verantwortlichen der Chicago Bears zwiespältige Gefühle hinterlassen haben. Da wäre zum einen der geglückte Wechsel auf Head Coach Mark Trestman, der genau das bewegte, wofür ihn GM Phil Emery geholt hatte: Er vitalisierte eine zuvor viele Jahre (Bears-Fans würden auch sagen: „Jahrzehnte“) brach gelegene Offense und ließ attraktiven Offensiv-Football spielen. Da wäre aber zum anderen die – völlig Bears-untypisch – abgeschmierte Defense, die im Jahr eins nach Lovie Smith zu den schlechtesten der Liga gehörte. Manch einer würde sagen, die Bears haben ihre Seele verkauft.

Überblick 2013

Record         8-8
Enge Spiele    6-6
Pythagorean    7.2    20
Power Ranking  0.549  13
Pass-Offense   7.0     5
Pass-Defense   6.9    29
Turnovers      +5

Management

Salary Cap 2014.

Die rohen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Eine Pass-Offense mit 64.4% Completion-Rate und 7.0 NY/A, mit nur 2.2% INT-Quote und ganzen 30 kassierten Sacks, und das egal mit welchem Quarterback – Werte, für die man in den letzten Jahren in Chicago so einiges verhökert hätte… aber hätte man seine Defense dafür verhökert? Die kassierte dieses Jahr 6.9 NY/A gegen den Pass – unerhört, aber noch viel schlimmer war das, was die Lauf-Defense in der zweiten Saisonhälfte zeigte: Jeder gegnerische Laufspielzug unter 6yds musste beim gegnerischen OffCoord als Misserfolg verbucht werden.

Das als Zusammenfassung und Erklärung, wie Chicago eine 8-8 Bilanz zustande brachte, über die niemand jubiliert, die aber viele mit einem eher lachenden Auge registrierten.

Gegen Jahresende, als viele diskutierten, ob QB Jay Cutler noch eine Zukunft in Chicago habe, dachte ich mir insgeheim „Trestman hat sich das Recht erarbeitet, sich seinen Quarterback der Zukunft auszusuchen“. Er hatte sogar aus Cutlers Backup, dem Wandervogel Josh McCown, einen QB von Format gemacht. McCown hatte sogar bessere Effizienz-Stats als Cutler eingefahren, und trotzdem: Als es heiß wurde, ließ Trestman wieder Cutler ran – mit gutem Grund: Mit Cutler kannst du deine ganze Offense spielen, mit einem McCown eben nicht.

Am Ende der Saison wurde mit Cutler für den heutigen NFL-Standardvertrag für Quarterbacks, 7yrs/38 Mio. guaranteed, verlängert. Trestman hat seinen Quarterback also ausgewählt. Cutler ist mit seinem Mega-Wurfarm immer ein Spieler, mit dem du fast alles aus deinem Playbook spielen kannst, aber Cutler ist auch ein riskanter Spieler, der gerne mal versucht etwas mehr zu fabrizieren als es der Spielzug hergibt. Wenn es den QB-Flüsterer Trestman aber nicht stört, willst du dich nicht beschweren.

Das System um Cutler drum herum scheint zu passen: Die beiden Top-Wideouts Marshall und Jeffery sahen letzte Saison zusammen 55% der Bears-Anspiele und fingen in Kombination 189 Bälle für 2716yds und 19 Touchdowns. Nuff said.

Marshall ist aktuell noch der wichtigere der beiden Schlüsselspieler, aber Jeffery war eine der Storys der Saison: Er schaffte seinen Durchbruch; Jeffery war schon am College ein famoser Spieler gewesen, aber im Draft war er aus den üblichen Gründen – Bocklosigkeit, zu schlampige Catches – aus dem Blickfeld der nationalen Medien verschwunden. Dazu der hünenhafte TE Martellus Bennett, der erstmals sein Potenzial ausschöpfen konnte, und in RB Matt Forté einen ebenso vielseitigen wie kompletten Back.

Handlungsbedarf gibt es vermutlich noch in der Offensive Line, und zwar auf Right Tackle, wo Mills nicht als langfristige Lösung gilt. C Garza bekam zwar noch einmal einen neuen Vertrag, aber viele Jahre wird er nicht mehr spielen. Wie viele Ressourcen die Bears heuer aber in den Angriff stecken wollen, bleibt erstmal noch offen, denn die Problemzone schlechthin war zuletzt die Defense.


Man wusste schon vor Lovie Smiths Abgang, dass die einst so gefürchtete Bears-Abwehr langsam in die Jahre kommen würde, aber einen derartigen Einbruch wie 2013/14 hatte man dann doch nicht erwartet.

Wie viel vom Absturz dieser Defense ein einmaliger Ausreißer nach unten war und wie viel tatsächlich auf die Kombination aus eben überalterten Spielern und Systemwandel zurückzuführen ist, ist nicht ganz klar, aber Fakt ist: Mit einem Mal sah das Spielermaterial in der Stadt der Winde seeeeehr blass aus.

Teil des Problems sind die schlechten Drafts der letzten Jahre: Ein DE Shea McClellin zum Beispiel wurde von Emery vor nur zwei Jahren geholt, aber McClellin war schon damals eine verblüffende Wahl gewesen – ein 3-4 Outside Linebacker für eine Tampa-2 ähnliche Defense, das konnte schon damals in der Wahrnehmung nicht gut gehen. McClellin ist zwei Jahre später quasi ein Bust, der nicht mal viel für sein Schicksal kann.

Andere Spieler wie LB Jonathan Bostic (Rookie-Klasse 2013), LB Khaseeme Greene (2013) oder DT Stephen Paea (2011) warten auch noch auf ihren Durchbruch. Sie alle sind noch keine hoffnungslosen Gesellen, aber in einer Zeit, in der Chicago keine Alternativen hat, die es zwischenzeitlich auf das Feld schicken könnte, fällt es eben auf, wenn ein Bostic zwanzig Tackles pro Spiel verpasst.

Ein anderer Teil des Problems soll DefCoord Mel Tucker sein. Tucker ist noch bekannt aus seiner Zeit in Jacksonville, wo er mehrere sehr gute Units unter seinen Fittichen gehabt hatte, die, wie wir heute wissen, personell nun auch nicht sooo hervorragend besetzt waren. Tucker war schon immer eine eher bizarre Wahl für die Bears-Defense, aber wie viel kann man ihm für das missglückte Debütjahr wirklich vorwerfen, nachdem schon in den Sommertrainingslagern drei oder vier der wichtigsten Defensive Tackles – also der Herz der Abwehr – verletzungsbedingt ausfielen?

Nun ist es eine der großen Stärken des Phil Emery, dass er nicht passiv darauf wartet, dass sich der Lauf der Dinge von allein verändert, sondern aktiv versucht, die Schwachstellen zu beseitigen. So war es schon vor zwei Jahren mit dem Kauf von Skill-Players. So war es letztes Jahr mit dem Trainerwechsel auf Trestman. Und so war es heuer mit Trestmans bisherigen Transaktionen in der Defense.

Mit DT Henry Melton (2013 fast durchwegs verletzt) und dem ebenso alten wie teuren DE Julius Peppers (2013 sein schwächstes Profijahr) wurden die beiden erfahrenen Recken in der Front-Seven fortgeschickt.

Dafür griff man auf dem Transfermarkt mehr oder weniger vorsichtig zu bekannten, aber nicht extrem teuren Optionen. DE Jared Allen zum Beispiel, der einen Zweijahresvertrag über 16 Mio. unterzeichnete; Allen ist zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere ein relativ reinrassiger Passrusher, der noch nicht ganz fertig haben dürfte.

Gemessen am Alter und an der Vertragsstruktur dürften DE Lamarr Houston (5 Jahre, 35 Mio mit 9 Mio. guaranteed), DE Idonije und DE Willie Young (3 Jahre, 9 Mio) sogar noch effizientere Einkäufe sein. Vor allem der Plan mit Young gefällt mir. Young war jahrelang ein sehr brauchbarer Ergänzungsspieler in Detroit, der seine 500-800 Snaps mit großem Erfolg absolvierte. Als er auf die Transferliste wanderte, musste man befürchten, dass es Teams geben würde, die Young als Stammspieler bezahlen würden um sich dann nächstes Jahr zu wundern, wieso dieser Mann in 1100 Snaps keine sechs Sacks zustande bringt. Die Bears bezahlten Young für das, was Young für sie liefern soll: Ergänzende Leistung, und das wird er sehr, sehr gut machen.

Weil auch der mittlerweile 33jährige, untersetzte DT Ratliff gehalten wurde, sieht das Spielermaterial „dort vorne“ für die Bears mit einem Mal schon verdächtig danach aus, als könnte man mit ihm arbeiten: Kein can’t miss-Spieler, aber genügend Männer, dass man auch noch im Schlussviertel frische Rotation spielen kann.

Den einen Starspieler kann man sich ja noch via Draft zu greifen versuchen, zum Beispiel auf der DT-Position, wo man noch eine ernst zu nehmende Passrush-Kraft sucht: Ein Houston ist zwar bekannt dafür, dass er gerne auch mal einen Snap als Tackle spielt, aber standardmäßig ist Houston ein End. Hier wäre es alles andere als eine Überraschung, wenn sich die Bears früh im Draft nach einer Lösung umschauen.

Bei den Linebackers entledigte man sich von Altlasten á la Anderson und kann nun je nach Draft-Verfügbarkeit noch 1-2 Prospects holen, oder darauf hoffen, dass sich Greene und Bostic neben dem Führungsspieler Briggs doch noch entwickeln.

In der Secondary sieht es noch am wenigsten aufgeräumt aus. Die größte Schwachstelle der Mannschaft in S Major Wright wurde gefeuert, und eine ganze Latte an Free-Agent Einkäufen gemacht: S McCray aus Dallas, S Mundy aus New York und S Jennings aus Green Bay, plus eine Vertragsverlängerung für das Eigenbauprodukt Steltz. Dazu wurde auch mit CB Peanut Tillman verlängert, den manche auf seine alten Tage zum Safety umschulen wollen. Das klingt alles im Moment nicht danach, dass die Bears ihre Draft-Optionen auf Safety sehen, sondern möglicherweise eher nach Ergänzungen auf Cornerback suchen.

Weiter in die Pupette muss man nicht reinschauen. Die Needs der Bears 2014 sind klar:

  1. Defensive Tackle mit Passrush-Fokus
  2. Cornerback
  3. Right Tackle
  4. Linebacker
  5. Backup-RB

Bisher wenig diskutiert, aber IMHO eine Selbstverständlichkeit müsste der Versuch sein, DE McClellin zu traden. Der ist zum Stand heute derart fehl am Platz in der 4-3 Defense und zeitgleich immer noch ein Talent, dass er von einem 3-4 Team für einen moderaten Draftpick doch mit Kusshand genommen werden sollte.

Aber gut: Selbst ohne weiteren großartigen Aktionismus hat GM Emery die Defense schon auf deutlich solidere Beine gestellt. Kein Move schreit im ersten Moment nach Überbezahlung. Die Bemühungen, in der Defense Line zu beginnen, sind haargenau die richtigen, und es wurden viele Spieler für die Tiefe geholt, sodass man gegenüber 2013 massiv verbessert sein dürfte.

Weil in einem Jahr die 8 Mio. dead-money, die die Peppers-Entlassung kostet, abgeschrieben sein werden, hat Chicago sich für die mittelfristige Zukunft auch eine Portion Flexibilität behalten. Und weil man in der Offense davon ausgehen kann, dass sie produktiv bleibt und von der Defense, dass sie deutlich verbessert sein wird, bleiben die Bears ein heißer Anwärter in der NFC North.

NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 7

Weil korsakoff sich rumtreibt, kommt die Vorschau auf die Spiele des siebenten Spieltages heute von mir. Das Sunday Night Game hat erwartungsgemäß alle Schlagzeilen dominiert, aber auch vorher wird schon gespielt. Im Fernseher kann man die folgenden Spiele sehen:

  • 19h00  Philadelphia – Dallas
  • 19h00  Detroit – Cincinnati (*)
  • 22h25  Kansas City – Houston
  • 22h25  Green Bay – Cleveland (*)
  • 02h25  Indianapolis – Denver

alles auf Sport1US. PULS 4 überträgt ab 22h30 das Spiel Green Bay Packers vs. Cleveland Browns. Im Internet sieht man alle Spiele mit dem Game Pass. Den kann man auch ausprobieren: das Free-Game im Gamepass ist Atlanta Falcons – Tampa Bay Buccaneers.

Die 19.00-Uhr-Spiele

Mit dem GamePass könnte man zum Beispiel San Diego Chargers (3-3) in Jacksonville (0-6) gucken. Muß man aber nicht. Man könnte stattdessen Buffalo (2-4) in Miami (3-2) versuchen. Ich bin ein großer Fan der Bills-D. Diese vereint unter der Aufsicht von Mike Pettine viel individuelles Talent (Williams & Williams, Dareus, Byrd, Gilmore) mit einem komplexen System, das Pettine als rechte Hand Rex Ryans bei den Jets mitentwickelt hat. Ein guter Gegner, um zu sehen, ob Miamis Quarterback Ryan Tannehill wirklich „for real“ ist. In den letzten Wochen sah er meistens so aus. Auf der anderen Seite ist E.J. Manuel noch ausgeknockt mit kaputtem Knie und so wird Thad Lewis zu seinem zweiten Start kommen. Lewis hat bei Duke unter QB-Guru David Cutcliffe gelernt, auf den auch Peyton Manning schwört. Nur hatte es wahrscheinlich auch Gründe, daß Lewis nicht gedraftet wurde und es wird eine bärenstarke Leistung der Defense brauchen, um Miami zu schlagen.

Auch gucken könnte man das andere Divisionsduell der AFC East. Die New England Patriots (5-1) fahren in die Meadowlands zu den New York Jets (3-3). Ja, 3-3 stimmt wirklich. Niemand hat vor der Saison irgendwas auf Gang Green gegeben, aber wie immer mit Rex Ryan kann man auf eine furchteinfößende Verteidigung bauen. Die wird es schwerer haben als im Hinspiel in Woche 2, denn Robert Gronkowski wird das erste Mal in dieser Spielzeit zum Einsatz kommen. Außerdem ist Antonio Cromartie angeschlagen.

Die einzige Niederlage holten sich die Pats bei den Cincinnati Bengals (4-2) ab, die um 19.00 bei den Detroit Lions (4-2) antreten. Die Bengals hatten bereits einige komische Schwächephasen in ihren bisherigen Spielen, haben aber eben auch gegen New England und die Packers gewonnen. Vieles hängt an QB Andy Dalton, der sich scheinbar nicht weiterentwickelt hat. Schön anzusehen ist bei Cincy neben A.J., Green und der Defensive Line vor allem Rookie RB Gio Bernard. Das schönste direkte Duell dürfte wohl Calvin Johnson vs Leon Hall werden; das entscheidende wahrscheinlich RB Reggie Bush und TE Joseph Fauria gegen LBs Vontaz Burfict und Ray Maualuga. Wenn diese beiden Schildkrötoen im Decken des prototypischen space players und des riesigen Tight Ends nicht über sich hinauswachsen, wird der ehemalige Heisman Trophy Gewinner jeden dritten Versuch in neuen ersten verwandeln und UDFA Fauria wieder einige TDs fangen.

Weil ja irgendwer die NFC East gewinnen muß, spielen die Dallas Cowboys (3-3) und die Philadelphia Eagles (3-3) direkt gegeneinander. So ist sichergestellt, daß wenigstens eine Mannschaft der Division eine positive Bilanz hat. Während die vorigen drei Partien alle mit guten bis starken Verteidigungsreihen glänzen, sollte dieser Klassiker ein zu einem wilden shootout werden. Dez Bryant für 200 Yards, Tony Romo wieder für 500, Jason Witten mit 3 TDs?  Warum nicht! Da bei den Cowboys außer Jason Hatcher die gesamte D-Line verletzt ist, sollten auch die Eagles genügend Platz für ihr gefürchtetes Laufspiel bekommen. QB Nick Foles wird wieder starten, nachdem er in den letzten anderthalb Spielen ganz anständig aussah und Michael Vick weiterhin an Muskelproblemen laboriert.

Da auch die anderen Mannschaften so schlechte Bilanzen haben, sind die Washington Redskins (1-4) noch lange nicht raus aus dem Rennen. Heute bekommen sie Besuch von den Chicago Bears (4-2). Die beiden großen Bären Brandon Marshall und Alshon Jeffery sind viel zu viel für Washingtons gurkige secondary. Da braucht es schon eine erstklassige Leistung von Robert Griffin. Chicago hat auch keine besonders gute D, es könnte auch hier in Punktefestival geben – wenn Griffin es mal schafft, ohne Turnovers auszukommen.

Die NFC South dürften die New Orleans Saints (5-1, bye week) spätestens mit den Verletzungen von Julio Jones und Roddy White eingetütet haben. Die Atlanta Falcons (1-4) empfangen die Tampa Bay Buccaneers (0-5) zum Krisengipfel. Neben White und Jones fehlen auch RB Steven Jackson und LT Sam Baker. Tampas einzigartiger Coach Greg Schiano läßt wieder Rookie Mike Glennon starten gegen eine Verteidigung der Falcons, die fast so viele Verletzte hat wie die Offense. Tampa hat drei der Spiele nur mit drei oder weniger Punkten Unterschied verloren; sie haben Darelle Revis, der gar nicht weiß, wen er jetzt verteidigen soll (Tony Gonzalez?); und Doug Martin sollte jede Menge rushing yards gutmachen können – Vorteil Bucs.

Auch die Carolina Panthers (2-3) werden den Saints nicht mehr gefährlich werden. Dafür ist die Offense zu schlecht. Cam Newton bekommt keine Konstanz in sein Spiel, er hat keine guten WRs und sogar Steve Smith hat in den letzten Wochen geschwächelt. Dafür reißt die Verteidigung alles raus. Die Schwachstelle ist ganz klar das Defensive Backfield, aber Sam Bradford wirft ja zum Glück keine Pässe über mehr als 10 Yards. Die St Louis Rams (3-3) leben ebenfalls von ihrer Defense, die auch gegen Carolina gut aussehen sollte. Enges Spiel, aber falls Ron Rivera weiterhin vom 4th-Down-Monster besessen ist, gewinnen natürlich die Panthers.

Die 22.05/22.25-Uhr-Spiele

Zwei der späten Spiele sind so seltsame Interconference Games: San Francisco (4-2) in Tennessee (3-3) und Cleveland (3-3) in Green Bay (3-2). Die Packers haben so viele Verletzte, daß sie im schlimmsten Falle nicht mal die 46 Spieler zusammenbekommen, die sie maximal einsetzen dürften. Unter anderem fehlen die WRs James Jones und Randall Cobb, die LBs Clay Matthews, Nick Perry und Brad Jones. Upset alert, auch mit Brandon Weeden als starter.

Trap game alert gibts es im Arrowhead Stadium, wo Eintracht Langeweile (6-0) die Houston Texans (2-4) empfängt. Die Offense um Alex Smith hat letzte Woche gegen Oakland nur 17 Punkte gemacht. Überlagert wird die offensive Langeweile von der Defense, die bis jetzt schon absurde 31 Sacks und 18 Turnovers für sich verbuchen konnte. Wenn Houstons Angriff um Case Keenum, der seinen ersten Start machen wird, ohne Ballverluste auskommt, wird das ein Spiel mit wenigen Punkten und knapp bis zum Schluß. Die Texans haben schließlich immer noch J.J. Watt und überhaupt eine Defense, die in dieser Saison noch nie mehr als 300 Yards zugelassen hat.

Zu guter letzt noch ein Klassiker: Baltimore Ravens (3-3) im Heinz Field zu Pittsburgh (1-4). Beide Mannschaften haben sich immer noch nicht gefunden und zeigen sich sehr launisch von Woche zu Woche. Zumindest bei Pittsburgh ist ein Aufwärtstrend erkennbar, während man Baltimore nie sicher sein kann, was man am Sonntag bekommt. Nichtsdestotrotz: noch sind beide Teams nicht so schlecht, als daß man die beste rivalry der letzten Jahre verschmähen sollte.

Das Sunday Night Game

Denver Broncos (6-0) zu Gast bei den Indianapolis Colts (4-2). Dazu ist im Grunde schon alles geschrieben worden (außer das, was heute später noch von seminole kommt). Die storylines: Peyton kommt zurück nach Hause; kann Denvers Offense weiterhin auf Rekordniveau spielen?; Von Miller kehrt zurück; Andrew Luck und der Druck im Duell der Generationen; wie überbewertet ist Indys-D?; kann Trent Richardson für 100 Yards laufen?; und vor allem und wieder PeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeytonPeyton. Manchmal kann zu viel media coverage einem so ein Spiel auch vergraueln. Aber es sollte natürlich ein großartiges Spiel werden und gilt völlig zu Recht als eines der Highlights dieser regular season. Viel Spaß!

NFL Notizblock, Week 6: TNF New York Giants @ Chicago Bears

Es regnet, es stürmt und die abgefallenen Blätter liegen zum darauf Ausrutschen auf den glitschigen Bürgersteigen bereit: damit hat die Zeit begonnen, in der das uferlose Wissen Mike Mayocks über back up-safeties und street free agents nützlich wird. Die New York Giants (0-5) beispielsweise versuchen mit zwei lebenden Ersatzteillagern im Defensive Backfield und in der Offensive Line aus ihrem 0-5-Loch gerauszukraxeln. Auch wenn sich Big Blue teilweise anstellt wie ein dreifach dummer Esel, so sind es doch nur zwei Spiele Rückstand auf Platz Eins der NFC East. Bei den Chicago Bears (3-2) spielen zwei Leute von der Straße Defensive Tackle und Peanut Tillman konnte auch nur von der Seitenlinie aus zusehen. Aber auch ohne Tillman war die Frage vor dem Spiel: wo liegt das over/under für Turnovers der Giants-Offense? Fünf, sechs, sieben?

Und natürlich endet der erste Giants-Drive mit einer Interception. Und natürlich endet der zweite Drive der Giants mit einer zum Touchdown zurückgetragenen Interception. Danach lief es aber einigermaßen. Sogar das Laufspiel der Giants sah mal wieder NFL-tauglich aus (und ohne Fumbles!). Weil die jungen Running Backs entweder verletzt sind (David Wilson) oder aufgrund ihrer Fumbleitis kaum spielen dürfen (Da´relle Scott) war Brandon Jacobs der Nr. 1 RB. And guess what: das alte Schlachtroß holt mit 22 Läufen 106 Yards und 2 TDs. Auch sonst lief es eigentlich ganz gut für NY: die nächsten fünf drives führten dreimal in die Endzone.

Stats / Gamebook

Gamebook Giants/Bears

Fünf Minuten vor Schluß bekam Eli Manning beim Stand von 21-27 den Ball und damit die Chance, das Spiel zu gewinnen und die Saison irgendwie am Leben zu erhalten. Sie marschierten denn auch und marschierten – aber natürlich warf Eli in Chicagos Hälfte fünf Centimeter zu hoch für Tight End Brandon Myers und natürlich landetet der Ball direkt in den Händen von Chicagos Tim Jennings. Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh! Game Over. (Die ersten beiden Interceptions sahen – mal wieder – so aus, als hätten WRs und QB jeweils etwas anderes gedacht. Das passiert natürlich, wenn man so viele option routes läuft wie die Offense von Kevin Gilbride, aber die miscommunications haben viel zu sehr Überhand genommen und die skill players sollten sich mal ein Wochenende auf einer einsamen Berghütte einsperren und endlich mal auf den selben Nenner kommen.)

Problematisch für die Giants-D war, daß sie vor allem in der zweiten Hälfte den Angriff um Jay Cutler nicht vom Feld bekommen haben. Ihre ersten drei drives in Hälfte zwo produzierten zwar nur ein Field Goal, aber sie kamen immer in die gegnerische Hälfte und die vielen First Downs (neun in den drei Serien) haben sehr viel Zeit gefressen, die Big Blues Angriff zum Comeback gefehlt hat.

Schlimm ist vor allem das linebacking corps, in dem Jon Beason jetzt der Chef ist. Man kann deutlich sehen, warum Carolina ihn ohne Weiteres hat ziehen lassen. Der beste LB ist noch Spencer Paysinger, der in den fundamentals sehr solide ist und durch seine Athletik auch mit vielen RBs und TEs mithalten kann. Daneben besonders schlimm zu sehen war Jason-Pierre Paul. Er ist regelmäßig der langsamste off the snap, während die anderen 21 Spieler sich schon bewegen, versucht er noch seinen kaputten Rücken gerade zu machen. Entweder ist seine Rückenverletzung schlimmer als gedacht oder er hat ein ernsthaftes Motivationsproblem. Ein großer Lichtblick bleibt aber weiterhin CB Prince Amukamara, der in dieser Saison loud and proud seinen Status als ehemaliger 1st-rd pick verteidigt, der einen großen Vertrag haben will.

Chicago war so wie immer. Die Defense ist ziemlich schwach, kann das aber durch Turnovers sehr gut kaschieren. Wenn die Bälle mal anders springen, können sie einpacken. Der Angriff lebt von den beiden großen und kräftigen WRs Brandon Marshall und Alshon Jeffery. RB Matt Forte ist nicht mehr der focus point dieser Offense – und seine Leistungen sind auch nicht danach (auch wenn die OLine nicht die allergrößten Löcher reißt). Das ist aber auch kein Beinbruch, denn mit einem slant oder einem back shoulder throw zu den dicken und großhändigen Marshall und Jeffery kann regelmäßig ein Third Down verwandelt werden.