College Football 2019 Preview: UCF Knights

College Football ist ein Wettbewerb, der ambitionierten Up-Starts viele Steine auf ihren Weg nach oben legt. Nicht umsonst ist die Liste der Top-Teams von 2019 relativ deckungsgleich mit der Liste der Top-Teams der Fünfziger oder Sechziger Jahre. Wir sprechen eben von einem Sport der Eliten.

Doch es hat im Laufe der Jahrzehnte immer wieder Außenseitergeschichten gegeben, die sich nach oben gearbeitet haben – manche sind nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwunden, andere konnten sich in der Spitze etablieren. Die Penn State University zum Beispiel stellt ein Programm, das sich in der Joe-Paterno Ära ab den 1960ern von einem relativen Freak-College im Nirgendwo von Pennsylvania in die Spitze hochgearbeitet hat. Florida State, Miami/FL oder Florida: Alles Teams, die sich über die letzten vier Jahrzehnte einen Namen machen konnten.

Doch es gibt auch Beispiele von relativ kurzen Strohfeuern, die aufflackerten, ehe sie wieder verschwanden. In den 1990ern zum Beispiel spielte der Marshall Thundering Herd mit späteren Superstars wie QB Chad Pennington oder WR Randy Moss gewaltig auf, doch Marshall konnte sich nie unter den Großen etablieren. Weiterlesen

Guck den Teddy: #8 Louisville Cardinals – UCF Knights Preview

Heute Nacht, ab 02h LIVE bei SPORT1 US, gibt es as every Friday College-Football aus der American Athletic Conference: #8 Louisville Cardinals (6-0) – Central Florida Knights (4-1). Die Partie ist die Chance, den geehypten Louisville-Quarterback Teddy Bridgewater (Rückennummer 5) zu begutachten, gemeinhin als bester Quarterback des kommenden NFL-Drafts 2014 angesehen.

Louisville befindet sich in einem merkwürdigen Zwischenzustand zwischen Ungeschlagenheit, Top-10 Ranking in allen wichtigen Polls, und trotzdem umgeben von Expertenmeinungen, die den Cards keine Chance auf das BCS-Finale geben. Das hat einen Grund: Schedule. Louisvilles Conference, die ehemalige Big East, ist mittlerweile bekanntlich „The American“, eine mittelstarke Mid-Major Conference unter dem Deckmantel des BCS-Titels, den man einst der Big East verliehen hatte. Das heißt: Der Conference-Sieger kriegt einen sicheren Platz in einer BCS-Bowl. Aber auch: Kein Mensch nimmt diese Conference ernst, und deswegen fliegt sie auch nächstes Jahr aus dem „System“. Übrigens fliegt nächstes Jahr auch Louisville… in die Atlantic Coast Conference.

Louisville ist in etwa vergleichbar mit Boise State der letzten Jahre: Eine Mannschaft, die prinzipiell ungeschlagen durch die Saison kommen muss, um ernst genommen zu werden. Allein: Boise hatte jedes Jahr wenigstens einen Statement-Sieg über BCS-Granden wie Georgia, Virginia Tech oder Oregon. Louisville hat diesen nicht; UCF heute Nacht ist vermutlich der beste Gegner, den Louisville dieses Jahr bis zur Bowl-Season sehen wird.

Dabei haben die Cards durchaus eine flotte Truppe beisammen: Head Coach ist Charlie Strong, ein exzellenter Recruiter mit Wurzeln in Florida, und von dort holte Strong Bridgewater nach Kentucky. Bridgewater, ich schrieb es schon im Sommer, ist das, was Scouts so lieben an einem Top-QB Prospect: Wurstark, präzise, und vor allem: Wird nicht nervös, wenn sich Druck auf die Pocket abzeichnet. Bridgewater hat die Augen immer downfield, das lässt sich wunderbar beobachten, und das ist Luck-esk. Es gibt auch Dampfwalzen in der Defense, angefangen von einem Passrusher Marcus Smith oder einer coolen Socke auf Safety in Calvin Pryor. Das Team darf als durchaus stark besetzt gelten; das Problem ist der Schedule.

Deswegen waren viele bei Louisville froh, dass der heutige Gegner UCF auch schon zwei respektable Spiele hatte: Penn State auswärts geschlagen, und nur eine 3pts-Niederlage gegen die South Carolina Gamecocks aus der SEC. Im Angriff wird bei UCF vornehmlich geworfen (2:1 Ratio Pass/Lauf), über QB Blake Bortles, der sehr sichere QB-Stats aufweist (9 TD, 3 INT). Einen besseren QB hat Louisville heuer nicht gesehen, und wird einen besseren erst im Jänner sehen – wenn überhaupt.

Das Simple Ranking System übrigens sieht Louisville nach sechs Spielen übrigens nur auf Platz 19, UCF nicht allzu weit dahinter auf #26. Mit Heimvorteil ist Louisville heute nur mit ca. 7 Punkten favorisiert. Aber im Prinzip ist es eh fast egal, was die Cards heute machen: Ein Kantersieg wird kaum reichen, um die Voter genug zu beeindrucken für einen ernsthaften Run auf das BCS-Finale; und eine Pleite dürfte immer noch reichen, um am Ende die wachsweiche American Athletic Conference zu gewinnen.

Also: Bridgewater schauen als oberstes Ziel.

The Countdown, T-minus 16: Louisville Cardinals

The Countdown

#16 Louisville Cardinals.
AAC.
2012: 11-2.

Heute dran im College Fooball Countdown: Die Louisville Cardinals aus der American Athletic Conference, eines der Teams mit dem meisten Buzz im Vorfeld der anstehenden Saison. Hauptgrund war die lange Ungeschlagenheit letztes Jahr, und vor allem der Kantersieg über die Florida Gators in der Fiesta Bowl. Ich bin überzeugt, dass der common sense die Cardinals vom sympathischen Head Coach Charlie Strong in diesen Tagen massiv überschätzt und im Simple Ranking System maximal eine Platzierung zwischen 15 und 20 herausschauen wird, aber gut. Louisville stellt die kompletteste Mannschaft in der Conference, und „Top-25“ ist dann ja auch schon mal etwas.

Im Fokus sollten die Cards in erster Linie wegen ihres Quarterbacks sein: Teddy Bridgewater, der schwarze Scrambler, der in sein drittes Jahr am College geht und nach der Saison in die NFL wechseln dürfte. Bridgewater geht als Favorit auf den Top-Pick 2014 in die Saison, und wer ihn schon hat spielen sehen, kann nachvollziehen, warum.

Bridgewater zeigte letzte Saison ein Standing, das nur noch mit jenem von Andrew Luck vergleichbar war. Dieses charakteristische „hält die Augen immer downfield“, das Scouts so lieben, ist bei keinem Prospect so ausgeprägt wie bei Bridgewater. Die Pocket ist am Kollabieren? Wurscht, es wird auch noch die allerletzte Millisekunde ausgenutzt, ehe der Pass versucht wird. Bei vielen mobilen Quarterbacks (Bridgewater ist nur unwesentlich unspektakulärer als RG3) hast du die Schweißperlen auf der Stirn, weil sie sich zu schnell ins Getümmel stürzen. Nicht so hier: Der Teddy läuft im Zweifelsfall eher zu spät los. Und: Ich kenne keinen Rechtshänder, der so geniale Pässe in Bewegung wirft, wenn er links gegen die Laufbewegung rausrollt.

Man gebe sich mal die 8min Highlights gegen die Florida Gators (Sugar Bowl 2012):

Bridgewater kommt aus der Umgebung von Miami/Südflorida, und kam nur durch die Hintertür nach Louisville, weil eben Strong aufgrund seiner jahrelangen Arbeit in Florida noch gute Beziehungen dorthin hatte. Das Freshman-Jahr hatte man als „vielversprechend“ eingeordnet. Der letzte Herbst galt schon als Top-Pick-würdig. Was man auch immer wieder vernahm, sind die Lobpreisungen, wie anspruchslos das Supertalent doch sei. „Bridge over troubled Water“ hat sich die Latte hoch gelegt: Liefert er Leistung, werden Teams wie Jets, Jaguars oder Raiders im nächsten Frühjahr schwerlich an ihm vorbeischauen können. Auf der anderen Seite sind immer wieder hoch gehypte Prospects im Jahr der Wahrheit gestrauchelt. Ist Bridgewater der nächste? Wir werden sehen.

Für die Interessierten gibt es noch einen zweiten potenziellen Superstar-Angreifer: RB Michael Dyer, dessen Irrwege von Auburn über Arkansas State über Grundkurse in Benimmregeln ein vorläufiges Ende haben sollen. Dyer war der MVP im BCS-Finale 2010/11, versank danach aber in Chaos und Sumpf. Er kriegt in Louisville diesen Herbst die x-te Chance, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Bridgewater und Dyer sollen sich persönlich recht gut verstehen. Auf dem Spielfeld sollten sie ein spektakuläres Angriffs-Duo bilden können, das anzuschauen sich lohnt.

Die beiden allein machen Louisville zum Favoriten in der American Athletic Conference (AAC), aber dass es für die Cardinals zu mehr – sprich: BCS-Titelträumen – reicht, daran glaube ich keine Sekunde. Trotz Bridgewater, und trotz eines lächerlichen Schedules.

Die akademische Viertelstunde: American Athletic Conference (ex-Big East) im Sommer 2013

Man könnte ein ganzes Buch über die Entwicklung und Degradierung dieser Conference schreiben. Ich versuche es mal möglichst simpel nachzumalen. Also: Die Big East Conference wurde Ende der 70er Jahre als Basketball-Conference gegründet, und wurde im Football erst in den 90ern relevant. Schon damals häuften sich die Mahner, dass man damit nicht nur die Seele der Liga verkaufen, sondern langfristig die Existenz riskieren würde. Aber weil Mitglieder wie Miami (Florida) oder Virginia Tech super erfolgreich waren (BCS Titel und BCS Finals), blieben die Kritiker lange einsame Rufer im Walde.

Erst mit dem logischen Abgang von Miami und Virginia Tech 2004 setzte der rasante Niedergang ein. Die Big East konnte sportlich nicht mehr auf höchstem Niveau mithalten und wurde auch für die BCS immer mehr ein Dorn im Auge. Die wenigen Top-Unis liebäugelten mit einem Wechsel in die richtigen Power-Conferences.

Mit dem Re-Alignment Wahnsinn ab 2010 wurden aus den Rissen richtige Waale: Im Football gingen die letzten verbliebenen Zugpferde West Virginia, Pitt oder Syracuse, und weil man lange nicht wusste, ob die als Ersatz aus den kleineren Conferences verpflichteten Teams (zum Beispiel T.C.U., Boise oder Houston) auch wirklich in die Big East wechseln würden, wurden die TV-Verhandlungen mit ESPN zum Alptraum. Hätte man vor drei Jahren noch zumindest 150 Millionen pro Jahr abkassieren können (die Mitglieder lehnten das Angebot ab), so waren die letzten Angebote vor wenigen Monaten nur noch bei mickrigen 60 Millionen.

Das hatte zur Folge, dass die reinen Basketball-Unis (Slang: „Catholic-7“) eine eigene Liga gründeten und aus der Conference austraten. Die Liga war tot. Die Catholic-7 kauften den Namen „Big East Conference“, und die Nachfolge-Footballliga wurde in den wahnsinnig spannenden Codename „American Athletic Conference“ umbenannt. Die A.A.C. ist die offizielle Nachfolgerin der Big East, während die jetztige Big East eine neu geborene Conference ist, die nur noch im Basketball existiert – wie einst die originale Big East, deren Niedergang genau dann einsetzte, als sie über den Basketball hinaus expandierte.

Diese Liga – nennen wir sie Big East oder A.A.C. – ist die größte Verliererin im College-Football in den letzten Jahren. Und wenn ab 2014 das größte verbliebene Zugpferd Louisville (stark im Football und sehr stark im Basketball) in die Atlantic Coast Conference geht, droht erneut die Implosion.

Sehen wir’s sportlich: Der korsakoff-Take

Dachterrasse: Louisville
Zweiter Stock: Cincinnati, Rutgers
Erdgeschoss: Houston, Central Florida, South Florida
Kellerkinder: UConn, Temple, SMU, Memphis

BCS-Titelkandidaten: keine.

Weil viel Fluktuation drin ist, muss man erst schauen, wie sich die Liga dieses Jahr entwickelt (Fluktuation 2014: more to come…). Louisville hat sicher das kompletteste Paket und auch genügend Hype, dass eine perfect season ins BCS-Finale führen könnte. Ein sehr konjunktiviger Konjunktiv, denn es ist nicht schwer, beim Thema Louisville zu argumentieren „mehr Buzz als Substanz“: Gute Mannschaft, fraglos, aber Elite? No way.

Cincinnati und Rutgers würde ich nicht unterschätzen. USF ist seit Jahren ein underachiever, der mehr aus seinen Möglichkeiten machen könnte. Houston ist zwei Jahre nach dem Fast-Durchmarsch in die BCS eine komplette Unbekannte. UCF hätte alle Voraussetzungen, zumindest ein gutklassiges AAC-Team zu werden, aber es gibt immer wieder interne Querelen im Athletic-Department, die die Knights zurückhalten.

Im Keller ist es dunkel und ich traue mir keine richtige Prognose zu, was UConn, Temple und SMU angeht. Memphis wird, wenn alles seine Wege geht, Letzter, aber die Tigers haben einen exzellenten Head Coach, der gerade im zweiten Jahr ist und schon einiges bewegt hat.