Houston Texans in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        12-4    DP
Enge Spiele    5-0 
Pythagorean   10.2    (8)
Power Ranking   .578  (7)
Pass-Offense   6.6   (12)
Pass-Defense   5.8    (8)
Turnover       +12

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Da spielst du die beste Saison deiner noch jungen Clubgeschichte (12-4, ein Playoffsieg) und doch sind irgendwie alle latent enttäuscht – Willkommen bei den Houston Texans dieser Tage. Die sehr schaumgebremste Freude über den zweiten Divisions- und Playoffsieg lässt sich für meinen Geschmack an drei Dingen festmachen:

  1. Die Laxheit, mit der man am Saisonende einen höheren Seed in der AFC vergeigte.
  2. Die drückende Überlegenheit der Patriots im Divisional-Playoffspiel.
  3. Die Erkenntnis, dass man ausgerechnet auf der QB-Position gut, aber eben nicht exzellent besetzt ist.

Und so hängt man in Houston momentan zwischen der Hoffnung, dass man noch drei Jahre „Fenster“ fürn Erfolg offen hat und der bangen Skepsis, dass dieses Team zu wenige Playmaker besitzen könnte um den Schritt nach ganz oben zu schaffen. Positiv zu vermerken: Auch 2012/13 hielt sich das Schreckgespenst Gary Kubiak mit Fehlentscheidungen im laufenden Spiel zurück.

Die Offense

Seit Kubiak den Kinderschuhen entwachsen ist, predigt der Mann eine Zonenblock-basierte Laufoffense, die auf Finesse aufbaut. Und genau so ist Houstons Offense mittlerweile gebaut: Die Offensive Line ist nach vielen unterirdischen Jahren mittlerweile eine der besten in der NFL, obwohl nur wenige hoch gedraftete Star-Athleten im Kader stehen. Kubiak baut eben auf intelligente, fußflinke Leute, die pfeilschnell eine Spielzugentwicklung lesen können. Letztes Jahr machte man allerdings eine Baustelle auf, entließ RT Eric Winston, der nicht angemessen ersetzt werden konnte. Houston wird auf dieser Position nachbessern müssen.

Die Running Backs dahinter sind gesetzt: Arian Foster ist nach seiner (zu?) teuren Vertragsverlängerung von 2012 auf Jahre an die Texans gebunden, und als Abwechslung fungiert Backup Ben Tate. Ersatz ist vorerst nicht gebraucht.

Das Passspiel ist immer noch um den nicht altern wollenden WR Andre Johnson gebaut, einen prototypisch gebauten 1,96m-Bolzen. Johnson ist aber auch gleichzeitig der einzige verlässliche Ballfänger (abgesehen vielleicht noch von TE Daniels). Houston machte über die Jahre quasi gar nix, um die Superwaffe Johnson umwas ähnliches wie einen „Receiving-Corp“ zu ergänzen. Wo Johnson jetzt die 30 überschritten hat, wird Nachbesserung zur Pflichtaufgabe für die Texans – und das nicht bloß in einfacher Ausführung.

Unangetastet dürfte der Quarterback bleiben: Matt Schaub. Schaub ist wirklich kein schlechter Mann und der Weg, den er gemacht hat, ist aller Ehren wert. Aber zuletzt wurden die Limits des Matt Schaub immer deutlicher: Kann das Spiel wohl nicht komplett allein in die Hand nehmen und hat auch nicht alle Würfe bis ins kleinste Detail drauf. Trotzdem ist Schaub die mit Abstand sinnvollste Alternative für Houston – ein hochbezahlter Einkauf oder ein Top-Rookie empfände ich als unnötigen Luxus. Gescheiter, du machst was, um in Titelnähe zu bleiben, solange dieser Spielerkern noch beisammen ist, und gibst Schaub ein paar Waffen und eine starke Defense.

Backup ist der junge T.J. Yates, der noch limitierter ist, aber zumindest die ganz großen Bolzen vermeidet und immerhin ein bisschen Erfahrung (sogar 2 Playoffspiele!) aufweisen kann.

Die Defense

Die sehr straighte 3-4 Abwehr von DefCoord Wade Phillips ist mittlerweile komplett um die Einmann-Abrissbirne DE #99 J.J. Watt gebaut, dessen Weltklassesaison einige Geschichtsbücher neu schrieb. Watt griff von der eigentlich unscheinbaren, weil reinen Wühlerposition „3-4 DE“ nicht nur häufig indirekt ins Geschehen innerhalb der Pocket mit ein, sondern er machte alles: Tackles für Raumverlust (u.a. ca. 20 Sacks), zu Boden geschlagene Pässe, provozierte Fumbles, QB-Hits, QB-Hurrys… Brian Burke verglich Watts „big play“-Impact auf das Spiel mit denen seiner Positionskollegen in der NFL:

Big Play-Impact der Defensive Ends 2012/13

Big Play-Impact der Defensive Ends 2012/13

Ohne Worte.

So genial Watt ist, so sehr fehlt es den Texans immer noch am Nose Tackle, der eine Offense Line in der Spielfeldmitte in Angst und Schrecken versetzen kann. Mit Jon Jenkins oder Jesse Williams gibt es dieses Jahr vielleicht zwei mögliche Kandidaten am Ende der ersten Runde im Draft.

Bei den Linebackers ist nach dem nicht enden wollenden Verletzungssorgen des ILBs Cushing und dem Abgang des zuletzt enttäuschenden OLBs Barwin Handlungsbedarf angesagt. Bei den OLBs ist man mit jungen Leuten wie Reed oder Mercilus nicht übel aufgestellt, aber ein dynamischer Allzweckathlet wäre schon was Feines.

Im Defensive Backfield verlor man zwar den grundsoliden S Quin, aber nach dem Einkauf des S Ed Reed sollte man zumindest gleichwertigen Ersatz haben, auch wenn man abwarten muss, inwiefern Reeds „Freelance“-Fähigkeiten überhaupt zu einem Wade Phillips passen. Der zweite Safety ist Danieal Manning, und vielleicht sollte Houston für die Zeit nach Reed schonmal via Draft einen jungen Zögling nachziehen. Cornerbacks sind maximal in der Breite zu verbessern.

Ausblick

Weil das Quarterback-Problem, das man an der Backe hat, kein richtiges Quarterback-Problem ist, bleibt den Texans in erster Linie das eine: Sie müssen den Kader um Schaub aufmotzen. Das bedeutet nach einer dezent zurückhaltenden Free Agency für den Draft:

  • Wide Receiver
  • Wide Receiver
  • Nose Tackle
  • Inside Linebacker

Weil Houston ein insgesamt sehr gutes Team besitzt, Kubiak zuletzt seine hirnlosen Play-Callings in der Crunch-Time aufgab und die AFC South eine erneut wachsweiche Angelegenheit zu werden scheint, dürfte Houston mal wieder als hoher Divisionsfavorit antreten und, obwohl etwas schwächer aufgestellt als in den letzten beiden Jahren, das Playoff-Ticket fast schon gelöst haben.

Preview Divisional Playoffs – Texans@Patriots

[Sonntag, 22.30Uhr auf ESPN America, Sport1+ und Puls4; kommentiert (über CBS) von Jim Nantz und Phil Simms.]

Statt einer ausführlichen Vorschau, die kommt am Wochenende noch von korsakoff, konzentriere ich mich hier auf drei match-ups, die am Sonntag entscheidend werden könnten.

Patriots LBs vs Texans TEs

Cincinnatis Defense hat letzte Woche gegen Houston größtenteils sehr gut ausgesehen. Vor allem die Defensive Line und die Secondary haben den Texanern das Leben sehr schwer gemacht. Houstons Rettungsanker waren die fürchterlichen Linebackers. Ray Maualuga sah zeitweise aus wie Weiterlesen

Glaskugel 2012: Houston Texans

Jahrelang waren die Houston Texans der Geheimfavorit schlechthin. Seit Gary Kubiak seit 2006 das Sagen hat, haben sie aber nie mehr als neun Spiele gewonnen und in aller Regelmäßigkeit die Playoffs verpaßt. Als nach der enttäuschenden 6-10-Bilanz 2010 fast schon niemand mehr an das “andere” texanische Team geglaubt hat, sprang ihnen der wohlgesonnene Weltgeist zur Seite.

Die unüberwindbare Hürde in der AFC South, die Indianapolis Colts, lag plötzlich am Boden, nachdem Peyton Manning für 2011 passen mußte. So zogen die Houston Texans aus ihrem lächerlichen Schedule zehn Siege und marschierten locker in die Playoffs. Dort schlug man die Rookie-Combo Dalton/Green aus Cincinnati bevor dann gegen die Ravens in der Divisional Round die Segel gestrichen werden mußten.

Einer der Gründe für das Aussscheiden war das verletzungsbedingte Fehlen von QB Matt Schaub. Ab Ende November hat sich Rookie T.J. Yates als Spielmacher versucht. Er hat gespielt wie ein Rookie, wie ein einigermaßen guter Rookie zwar, aber das reicht in der Regel nicht, um gegen die Ravens zu bestehen. Insgesamt gingen – inklusive Playoffs – vier der letzten fünf Spiele verloren.

Völlig überraschend kam dagegen die Verteidigung unter dem neuen Defensive Coordinator Wade Philipps – sie kennen ihn aus Filmen wie DC in New Orleans, DC in Philadelphia, DC in Denver, DC in Buffalo, DC in Atlanta, DC in San Diego oder DC in Dallas – um die Ecke. 2010 noch die Lachnummer der Liga, war die Texans-D 2011 plötzlich gefürchtet und beinahe ein richtiges Bollwerk.

Texans Defense

Am Ende der Saison stand nach Yards Platz vier und nach Punkten Platz zwei zu Buche. Wie hat er das gemacht, der Phillips?

Zuallererst mal hat er den Laden umgekrempelt auf eine 3-4-Defense. Und dann wurde auch personell kräftig nachgebessert. Für die Secondary kamen CB Jonathan Joseph aus Cincinnati, einer der besten jungen Cover Guys der Liga und Safety Danieal Manning aus Chicago, solide nur, aber immer noch besser als alles, was da vorher kopflos wilde Sau gespielt hat. In der Draft kamen in den Runden eins und zwei mit 34-DE J.J. Watt und Pass Rusher Brooks Reed zwei heiße Jungspunde, die gleich voll eingeschlagen sind.

Mit Shaun Cody hat Phillips auch einen dicken Veteranen vorgefunden, der die Position des one gap Nose Tackles fast so gut spielen kann wie Jay Ratliff, der das Profil für Phillips bei den Cowboys ausgefüllt hat. Den neben Watt zweiten DEs hat Antonio Smith ganz passabel gespielt. Weil Smith aber auch schon 31 Jahre alt wird, kam in der diesjährigen Draft der talentierte Cornhuser Jared Crick dazu, um (noch) mehr frisches Blut in die Front-Seven zu bringen.

Denn sehr jung sind auch Connor Barwin, Brian Cushing und Brooks Reed (alle 25). Cushing gibt den Mike Backer, während Reed und Barwin zwei aufstrebende Pass Rusher sind. Um noch mehr junges Blunt zu injizieren und weil man auch nie genügend Pass Rusher haben kann, wurde der diesjährige 1st-rd pick für Illinois´ Quarterbackschreck Whitney Mercilus genutzt. Der Abgang von Mario Williams ist nicht mehr als eine Fußnote. Eine bessere Jung&Stark-Kombi in der Front-Seven wird man ligaweit kaum finden.

Die Secondary um Joseph und Manning ist nicht so stark, wie die Zahlen es vermuten lassen. Die anderen CBs sind der 24-jährige Kareem Jackson, der oftmals nur fragend um sich schaut und ein Haufen Typen, die man kaum kennt. Brandon Harris und Roc Carmichael, 3rd- bzw. 4th-rd picks 2011 stehen noch im Kader sowie Brice McCain oder Alan Ball. Alle nicht sehr vertrauenswürdig. Ebenso wie die Safety-Position: Manning ist ganz okay, Glover Quinn ist weniger okay. Und falls sich einer der beiden verletzten sollte, stehen dahinter nur Quintin Demps und Troy Nolan, die beide, obwohl noch sehr jung, von den Eagles gecuttet bzw. von den Texans gebencht wurden. Immer ein schlechtes Zeichen für so junge Leute.

Man darf auch nicht vergessen, daß Houston 2011 hauptsächlich gegen Kaliber wie Kerry Collins, Chad Henne, Jason Campbell, Dan Orlovsky und zwei Mal Blaine Gabbert verteidigen durfte. Als dann mal ein Drew Brees vorbeigeschaut hat, wurden ihm gleich 350 Yards auf den Spielberichtsbogen geschrieben, einem Joe Flacco auch 300.

Texans Offense

Die Offense ist gebaut um das Zone Blocking im Laufspiel, das Kubiak vom legendären Alex Gibbs übernommen hat. Die Texans sind tatsächlich eines der letzten Teams, die ihre Offense um das Laufspiel herum aufbauen. In der letzten Saison hatten die Texaner die meisten Läufe für die zweitmeisten Yards und die drittmeisten Touchdowns zu Fuß.

Arbeitstier Arian Foster, ehemals ungedrafteter Philosophiestudent, hat in dieser Offseason dann endlich seinen großen Vertrag bekommen (5Jahre, $21M garantiert), man fragt sich nur, warum von den Texans? In diesem ausgefeilten zone blocking system können viele RBs gut aussehen, dafür kann man auch einfach einen von der Straße nehmen. Das hat Kubiak ja selbst mit Typen à la Olandis Gary, Mike Anderson oder eben Foster bewiesen. Zumal mit Ben Tate  auch noch jemand im Kader ist, der mit 5,4 yards einen ganzen Meter pro Lauf mehr macht als Foster.

Schedule

Wk1 v MIA
Wk2 @ JAX
Wk3 @ DEN
Wk4 v TEN
Wk5 @ NYJ (MNF)
Wk6 v GB (SNF)
Wk7 v BAL
Wk8 BYE
Wk9 v BUF
Wk10 @ CHI (SNF)
Wk11 v JAX
Wk12 @ DET (TNF)
Wk13 @ TEN
Wk14 @ NE (MNF)
Wk15 v IND
Wk16 v MIN
Wk17 @ IND

Vielleicht hat Kubiak wegen seiner Offensive Line kalte Füße bekommen. Von der sind nur noch 3/5 übrig. Eric Winston, der sich hinter keinem Right Tackle der Liga verstecken muß, verdient seine (größeren) Brötchen jetzt in Kansas City. Mike Brisiel war mit seinen flinken Füßen unter dem großen Oberbau ideal für das zone blocking, er tänzelt nun in Oakland. Den letzteren wird Antoine Caldwell ersetzten, der seine Sache in den letzten drei Jahren angeblich ganz gut gemacht hat, wenn er mal auf dem Platz stand. Den ersteren sollte eigentlich Veteran Rashard Butler ersetzen, nach der Preaseason ist man sich da aber nicht mehr ganz sicher und hat eine offene competition zwischen Butler und dem 24-jährigen Derek Newton von Arkansas State um den Startplatz.

Die anderen 3/5 sind die allseits geschätzten Center Chris Myers, einer der besten seines Faches, links daneben spielt Wade Smith solide wie eh und je und ganz links steht Duane Brown, der ruhigen Gewissens von sich behaupten kann, einer der drei besten  Left Tackles der AFC zu sein. Das große Fragezeichen ist hier natürlich, wie gut die rechte Seite der Linie sein wird. Eine Frage ist die nach der individuellen Klasse von Caldwell/Butler/Newton, eine andere das Zusammenspielen als Einheit, was bei diesem zone blocking scheme ungemein wichtig ist und was einige Zeit braucht, um sich zu entwickeln.

Mit der Top-Defense und dem starken Laufspiel im Rücken spielt das passing game nur die zweite Geige. QB Matt Schaub ist auf fast schon spektakuläre Weise unspektakulär und langweilig, produziert trotzdem ganz gute Zahlen und weiß, was er macht. korsakoff schrub mal, Schaub ist sowas ein Kyle Orton für Reiche – das trifft es genau.

Nun ist aber Schaubs Spielzeugkiste leider nur sehr spartanisch ausgestattet. Andre Johnson könnte immer noch einer der besten WR der Liga sein, hat aber in einer erschreckenden Regelmäßigkeit mit muskulären Problemen zu kämpfen. In den letzten beiden Saisons hat er von 34 Spielen nur 20 mitgemacht. Ob das jetzt mit 31 Jahren nochmal besser wird? Nr. 2 WR Kevin Walter ist so trocken wie eine Scheibe Brot, fängt aber jedes Jahr seine 40 bis 50 Bälle. Der junge Jacoby Jones, der mit 16,5 Yards/Catch wenigstens noch ein bißchen Feuer ins Paßspiel gebracht hat, wenn Johnson mal nicht konnte, ist abgewandert und soll jetzt ersetzt werden von: keine Ahnung. Da stehen ein paar Rookies im Kader wie die diesjährigen 3rd- und 4th-rd picks DeVier Posey und Keshawn Martin, aber kein guter erfahrener Mann. Die kleine Ente Jeff Maehl trainiert auch noch mit, aber mehr als ein vierter Receiver wird er wohl nie.

Zweitwichtigste Waffe für Schaub sollte wieder TE Owen Daniels sein. Daniels ist nicht auf dem Niveau der TE-Rockstars der Saints oder Patriots, aber seine 50 Yards pro Spiel gibt er Schaub immer, wenn der mal sonst nicht weiß, wohin. Abgewandert ist TE/FB/H-Back Joel Dreessen (nun in Denver), der in der Offense ein sehr beliebtes Puzzlestück war, weil man mit ihm einfach alles machen konnte. Mit 6 TDs war er auch der mit Abstand erfolgreichste Scorer durch die Luft.

Ausblick Houston Texans

Houston ist für 2012 schlechter aufgestellt als für 2011. Im Angriff wird die OLine umgebaut; fehlen Jones und Dreessen, die der Offense wenigstens einige unberechenbare Momente gegeben haben; hängt sehr viel am Fitneßzustand von Andre Johnson. Es hat auch nicht eine personelle Verstärkung gegeben, kein einziger namhafter Neuzugang. Trotzdem sollte dieser Angriff zumindest gut sein und auch mal ein Spiel gewinnen können, wenn die Defense einen schlechten Tag hat.

Die Verteidigung ist viel besser aufgestellt, hat aber auch so ihre Fragezichen. Die Secondary bräuchte neben CB Joseph noch einen weiteren Playmaker. Dann muß man sehen, ob die vielen jungen Typen wirklich so gut sind, oder ob sie nur von den schwachen Gegnern profitiert haben. 2012 kommen Peyton Manning, Rodgers, Cutler, Stafford und Brady zum Härtetest, außerdem wurden Orlovsky von Andrew Luck ersetzt. Das wird eine ganz andere Hausnummer.

Nichtsdestotrotz sind die Texans der Favorit auf die AFC-South-Krone. Aber danach traue ich ihnen nicht mehr viel zu. Irgendwie fehlt in der Defense der eine große difference maker und man darf niemals vergessen: Gary Kubiak ist immer noch der Head Coach. Der hat schon ganz andere Sachen vergeigt. Playoffs müssen drin sein, daneben sehe ich nur ganz kleine Außenseiterchancen auf die Lombardi Trophy.

Mit den Houston Texans in den Sonnenaufgang

Mehr als die Hälfte der Franchise-Geschichte der Houston Texans besteht aus enttäuschten Hoffnungen auf den Durchbruch. 2010/11 war die krasseste Form davon, als man mit der mit Abstand besten Mannschaft der AFC South auf den letzten Platz abschmierte. Folge: Coach Gary Kubiak durfte bleiben. D’oh!

Ich krächze normalerweise niemals nach Trainerköpfen, aber es fällt schwer, noch einen Funken Vertrauen in das Coaching – vor allem das Coaching während des Spiels – von Gary Kubiak und seinen Konsorten zu hegen. Schon früher fand ich das Playcalling nicht optimal, 2010/11 war das einige Male aber so stupide, dass ich die Entlassung schon in der Datenbank angekreuzt hatte.

In der jüngsten Offseason haben die Texans genau die richtigen Moves gemacht, um sich zu verbessern. Allein: Es coacht immer noch Gary Kubiak, und ich tue mir damit richtig – RICHTIG – schwer.

Die Offense

Jahrelang bestand Houstons Angriff aus zwei Komponenten: QB Matt Schaub. Und WR Andre Johnson. Im vergangenen Herbst aber geigte Houston mächtig mit Laufspiel auf. RB Arian Foster wurde sogar NFL-Laufkönig mit 1616yds und 4.9yds/Lauf auf und sorgte für eine ausbalancierte Offense.

Basis dafür war eine Offensive Line, die aus dem Nichts kommend plötzlich zu den besten der Liga gezählt wird, sei es nur Pass Protection oder Lauf-Blocken. Als Hauptgrund hierfür werden intelligente Zone-Blockschemata genannt, während man sich aber auch nicht scheut, QB Schaub und vor allem RB Foster ihren Anteil zuzugestehen.

Foster ist mit 66 Catches ein double threat und bei mir vor allem deswegen geschätzt, weil er mit einer gewissen Wucht daherkommt und trotzdem gerne mal einen Linebacker aussteigen lässt. Mit FB Vontae Leach ist in der Free Agency allerdings der Haupt-Blocker abhanden gekommen. Und schon zu Kubiaks Zeiten in Denver waren Running Backs dafür bekannt, nach kometenhaftem Aufstieg plötzlich wieder in der Versenkung zu verschwinden. Foster gilt als zu gut, um diesen Trend fortzusetzen.

Sollte dem nicht so sein, wird man in Houston immer und immer wieder auf die Combo Schaub/Johnson zurückkommen können. Schaub ist ein etwas eigenartiger Quarterback, scheint trotz konstanter 4000yds-Saisons nicht den bedingungslosen Rückhalt in Houston zu genießen und mehr als notwendiges Übel hingenommen zu werden. Ein Orton für Reiche sozusagen, aber vom Hocker reißt der phlegmatische Charakter Schaub irgendwie niemanden.

Das mag auch daran liegen, dass der Mann zwar wenige Fehler, aber auch nicht das ganz große Spektakel liefert. Obwohl WR Andre Johnson potenziell ein deep threat wäre, können die Texans keine vertikale Offense spielen, weil Schaub ein zu schwacher Arm nachgesagt wird. Effizient genug für durchschnittlich 25 Punkte/Spiel aber allemal sein.

Die Defense

Houstons komplette Offseason hat sich auf die Verbesserung der unterirdischen Defense konzentriert. Schritt #1 war die Einstellung von DefCoord Wade Phillips, der auch gleich damit begann, eine komplizierte 3-4 Defense zu installieren, ignorierend, dass Houstons Personal dafür überhaupt nicht geeignet war.

So muss der großartige DE Mario Williams nun auf einmal zum Outside Linebacker umgeschult werden, ein Move, der nicht allen gefällt. Dafür wurde mit DE J.J. Watt im Draft die langweiligst mögliche Entscheidung getroffen, was weniger ein Urteil über den sportlichen Wert ist, denn über den Wow-Faktor eines Defense Liners in einer 3-4 Defense.

Die neu geformte Line soll dem gefährlichen Linebacker-Quartett den Rücken frei halten: Dort spielen neben Williams auch Leute wie ILB DeMeco Ryans und OLB Brian Cushing, Leute, die bereits Rookie des Jahres waren und in gesundem Zustand zu den besseren ihres Fachs gehören. Allerdings wird der Kader schnell dünn, wenn sich einer von ihnen verletzt.

Die zwei spektakulärsten Neuzugänge in der Secondary sind S Danieal Manning und CB Jonathan Joseph, die beide für teures Geld gekommen sind und das schlechteste Defensive Backfield der NFL aufmotzen sollen. Die Starter aus dem letzten Jahr, inklusive des Top-Picks Kareem Jackson, gelten als völlig verunsichert, welch Wunder nach 4499 aufgegebenen Yards im letzten Jahr (12.7yds/Catch, 33 Touchdowns, sensationelle 66.3% completion rate für die gegnerischen Quarterbacks).

Viele Moves und vor allem viele gute Moves in der Defense, aber eine Umstellung auf 3-4 gilt generell als problematisch. Gut ist, dass es schlechter kaum werden kann.

Ausblick

Es wurden haargenau die richtigen Moves gemacht. Spielermaterial in der Offense und der neue Defensive Coordinator Wade Phillips ließen mich auf die Houston Texans als Champion der AFC South tippen und sogar noch weiter gehen: Diese Mannschaft ist im Prinzip titelfähig. Auch wenn der Schedule wie schon im vergangenen Herbst ziemlich böse ist:

Wk #1 vs Colts
Wk #2 @Colphins
Wk #3 @Saints
Wk #4 vs Steelers
Wk #5 vs Raiders
Wk #6 @Ravens
Wk #7 @Titans
Wk #8 vs Jaguars
Wk #9 vs Browns
Wk #10 @Buccaneers
Wk #11 BYE
Wk #12 @Jaguars
Wk #13 vs Falcons
Wk #14 @Bengals
Wk #15 vs Panthers
Wk #16 @Colts (Donnerstagnacht)
Wk #17 vs Titans

Gespannt darf man vor allem darauf sein, wie Kubiak diesen permanenten Durchbruch-Kandidaten wieder um die Playoffs bringen möchte. Aber irgendwie erinnert mich das ganze ein bissl an die Saints, die auch stets eine gute Offense hatten und denen vor zwei Jahren eine halbwegs brauchbare Saison mit ihrer Defense glückte…

Das Zeiteisen verrät: 933 Minuten verbleiben. WordCount nach drei Teams: 2831.