Only in Cleveland? Andrew Luck!

Da haut’s dich aus dem Bett: QB Andrew Luck wechselt von den Indianapolis Colts zu den Cleveland Browns. Der erste Big Move vom neuen Front Office der Cleveland Browns! So wie Strategy Officer DePodesta heute Nacht auf der Pressekonferenz klang, haben die Browns den Move von langer Hand geplant und wohl die schlechte Laune von Luck, der sich bei den Colts nicht mehr wohl fühlte, ausgenutzt. Luck unterschreibt in Cleveland einen Fünfjahresvertrag über 125 Mio. Dollar, mit 75 Mio in den ersten drei Jahren – beides neue Rekorde. Eine quicke Analyse. Weiterlesen

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Angriffig: NFL-Trainerkarussell 2016

Die NFL kennt in Sachen Trainerneueinstellungen keinen Trend. Sie kennt nur hopp oder topp. 2013 war ein Jahr voller Offense-Einstellungen, 2015 mit vielen Defense-Einstellungen, 2014 war recht ausgeglichen. In diesem Jahr gibt es nur Offense: 7/7 der neu bestellten Coaches haben einen Offense-Hintergrund. Der einzige der sieben neu Eingestellten, der mal in der Defense gearbeitet hat, ist Chip Kelly, der Anfang der 1990er mal Defensive Backs an der Highschool trainiert hat. Weiterlesen

Indianapolis Colts in der Sezierstunde

Bei den Indianapolis Colts bin ich seit Jahren skeptisch, aber seit Jahren verschlägt es diese Mannschaft trotz aller Zweifel in die Playoffs. So wie man jedoch zuletzt in den Playoffs von den Patriots geplättet wurde, scheint nun auch in der breiteren Öffentlichkeit das Gefühl aufgekommen zu sein, dass Indianapolis noch nicht „for real“ ist. Weiterlesen

Sonntagsvorschauer, Week 5 | NFL 2014/15

Der fünfte Spieltag eignet sich nicht bloß als Herbstschau der amerikanischen Männermode, sondern auch um eine Woche nach dem Sonntag der Blowouts weitere Eindrücke bezüglich etlicher Mannschaften zu sammeln. Das Gewicht heute Abend ist dabei wieder eindeutig gen Abendessen verschoben, mit neun Ansetzungen um 19h zu nur drei nach zehn Uhr plus dem Sunday Night Game. Eine ausführliche Vorschau ohne rosa, und auch nicht durch die rosa Brille. Weiterlesen

Indianapolis Colts in der Sezierstunde

Die Indianapolis Colts bestätigten in der abgelaufenen Saison ihren Ruf als Ross, das nur so hoch springt wie es springen muss, und zog schon wieder mit einer ganzen Latte an knappen Siegen in die Playoffs ein: 11-5 Bilanz und Divisionsgewinn, Einpunktesieg über Kansas City in den Playoffs nach furiosem Comeback, ehe schließlich das Aus gegen die zu abgewichsten Patriots folgte. Trotzdem kann man eine weitere positive Saison in Indianapolis zufrieden abhaken. Weil es jedoch für einen Divisionssieger überdurchschnittlich viele Unsicherheitsmomente gibt, bleibt dieser Laden einer, auf den man achten muss.

Die haarsträubendste Geschichte der Offseason war die Einlieferung von Owner Jim Irsay in die Klapse. Irsay ist der Mann, der seit Jahren mit seinen amüsanten Tweets einen angenehmen Kontrast zum langweiligen Krawattlträger stellte, der heutzutage so den NFL-Besitzer spielt, aber es besteht mittlerweile der Verdacht, dass Irsay nicht ganz nüchtern twischterte, um es vorsichtig zu formulieren. Die aggressiveren Quellen sprechen von Drogenproblemen und instabiler nervlicher Verfassung beim Owner der Colts.

Irsay ist somit fürs erste raus aus dem Tagesgeschäft, das nun verstärkt in die Hände von GM Ryan Grigson und Head Coach Chuck Pagano gelegt wird. Sie müssen einen recht unaufgeräumten Kader bearbeiten, denn gefühlt ist bei den Colts noch immer mehr im Fluss als das, was fest ist.

Überblick 2013

Record        11-5    DP
Enge Spiele    6-1
Pythagorean    9.5    10
Power Ranking  0.511  16
Pass-Offense   6.4    14
Pass-Defense   6.5    19
Turnovers      +13

Management

Salary Cap 2014.

Allein: Die wichtigste Position schaut sehr sicher aus – Quarterback. Dort absolvierte Andrew Luck zum Einstand zwei sehr vielversprechende Jahre. Luck ist bei Gott kein fertiges Produkt, wie man zu sagen pflegt. Luck ist vielmehr eine Diva, die immer wieder Momente spielerischer Brillanz einstreut um dann wieder so durchschnittlich auszusehen wie ein Allerwelts-QB. Einen Teil des Problems mag OffCoord Pep Hamilton mit seinem viel zu konservativen Spielsystem verantworten. Ein Teil ist sicher auch Lucks geringer Erfahrung und dem stets im Wandel befindlichen Kader geschuldet.

Das summiert sich zu einer komplett durchschnittlichen QB-Saison: 6.4 NY/A (#14), 2.5% INT-Quote (#14), nur 59.9% Completions trotz nur 22% tiefer Passspielversuche, und das alles gegen einen nicht weltbewegenden Schedule.

Trotzdem hast du beim Anblick Lucks nie das Gefühl, es mit einem Schönwetterspieler zu tun zu haben. „Diva“ mag aktuell die richtige Beschreibung des Spielers Luck sein, aber man wird das Gefühl nicht los, dass hier Großes heranwächst. Es gibt bis auf Rodgers zum Beispiel keinen QB, der seine Scrambles so sensationell richtig dosiert einsetzt. Luck strahlt die schon vom College gewohnte unheimliche Souveränität, diese totale Kontrolle aus. Sie kommt noch nicht in beständig großartigen Zahlen zum Tragen, aber es sind sich alle (auch ich) sicher: Es wird der Tag kommen, an dem es soweit ist.

Zumal Luck irgendwann einen WR-Corp besitzen wird, der nicht jede Woche anders aussieht mit der einen Konstante, dass er aus einer Handvoll third stringer besteht. In der Offseason wurde nur wenig getan: Heyward-Bey wurde rausgeschmissen, dafür der verletzungsgeplagte Hakeem Nicks aus New York für billiges Geld eingekauft. Der Depth-Chart liest sich nun wie folgend:

  • Reggie Wayne (27% tiefe Anspiele, 39 Catches, 508yds in 7 Spielen)
  • T.Y. Hilton (32% tiefe Anspiele, 100 Catches, 1413yds, 7 TD)
  • Hakeem Nicks
  • Lavonn Brazill (18 Catches, 288yds, 4 TD in 10 Spielen)
  • Darick Rogers (15 Catches, 238yds in 5 Spielen)

Den Platz sollte man vielleicht auch nicht so sehr aufräumen: Wayne ist Mitte 30 und es ist keine gute Idee darauf zu wetten, dass er seinen Leistungseinbruch noch sehr lange wird aufschieben können; nicht falsch verstehen: Wayne war ein Superspieler, aber die Historie zeigt, dass alle Wide Receiver mit Ausnahme von Jerry Rice um die Mitte 30 einen Einbruch erlebten, der heftig und schnell war. Hast du als Receiver nicht mehr zumindest 95%ige körperliche Fähigkeit, bist du draußen. Insofern ist Nicks eine Versicherung gegen einen Einbruch bei Wayne.

Hilton ist eine tolle Waffe für das tiefe Spiel, aber kein echter Top-Receiver. Das wäre vielleicht eher Rogers, 2013 ein ungedrafteter Rookie: Rogers hat zumindest spielerisch alle Tools drauf, gilt aber als sehr schwieriger Mensch – so schwierig, dass er schon am College aus dem Team flog und danach nicht gedraftet wurde.

Ein sehr großer Pluspunkt für die Pass-Offense: TE Dwayne Allen wird wieder fit sein und kann als quasi-Neuzugang gefeiert werden. Allen war 2012 als Rookie eine Offenbarung, verpasste aber danach einen Großteil seiner zweiten Saison. Allens Positionskollege TE Fleener konnte ihn trotz 63 Catches für 728yds nicht annähernd ersetzen.

Um die Skill-Players abzuschließen: Running Back. Wie viel Häme kann ein Mann eigentlich einstecken? Die Rede ist von RB Trent Richardson, der letzten September für einen Erstrundenpick aus Cleveland geholt wurde – eine schon zum Zeitpunkt des Trades erstaunlich beschissene Aktion des Front-Office, aber die Entscheidung sah dann Woche für Woche mit jedem Carry Richardsons noch schlechter aus. „T-Rich“ beendete die Saison mit 2.9yds/Carry und einem viel beachteten Fumble in seinem ersten oder zweiten Carry in den Playoffs. Viel tiefer kann ein Mann eigentlich nicht sinken, der erst vor zwei Jahren als Megatalent aus dem College kam und als so sicherer Pick gehandelt wurde… oh, wait: Dann geisterten angeblich Pornovideos mit Richardson durch die Lande… so oder so bleibt festzuhalten: Hohe Draftpicks für Running Backs, davon ist abzuraten.

Was nicht heißt, dass Richardson nicht doch noch was wird. Das Talent ist da. Der Spieler ist komplett, nur nicht allzu explosiv. Er sollte sich zumindest soweit entwickeln können, nicht in jedem Spielzug die eigene Offense abzuschießen.

Als sein Backup wurde Bradshaw trotz Verletzungsanfälligkeit gehalten, während Brown (mit 49% Success-Rate einer der effizientesten Backs des Jahres) nach San Diego abgeschoben wurde.

In Sachen Offensive Line konnte man die Entlassung des Centers Setele vernehmen, während der vielversprechende Youngster Reitz erstmal mit einer der Vertragsklauseln (Fachjargon: „Tag für Restricted Free Agency“) gehalten werden konnte. Der RT Cherilus entwickelte sich völlig überraschend zu einem grundsoliden Fels in der Brandung, während auf der linken Seite der LT Castonzo auch nach drei Jahren noch Fragen aufgibt. Zumindest einen Center oder einen Guard dürften die Colts dieses Jahr auch noch draften müssen (es sei denn, der aus Dallas geholte Costa wird als würdiger Stamm-Center gesehen).

Die Defense galt abseits von OLB Robert Mathis (mit 19 Sacks ein Kandidat auf den DPOY-Award) relativ mickrig besetzt. Der deutsche Rookie-OLB Björn Werner konnte zu seinem Einstand nur wenige Akzente setzen, aber einen Erstrundenpick schreibst du nicht schon nach 12 Monaten ab.

Was die Colts dort diese Offseason besser machten als in der letzten (2013): Sie machten mit ihren Neueinkäufen bessere Verträge. Besonders überzeugende Verstärkungen sind die anvisierten Spieler aber auch diesmal nicht. Die Colts scheinen darauf hinsteuern zu wollen, in 1-2 Jahren eine durchschnittliche Defense beisammen zu haben.

Der aus Baltimore geholte DT/DE Arthur Jones bietet durchaus Stammspieler-Potenzial, im schlimmsten Fall ist er eine wertvolle Ergänzung für die Tiefe in einer Rotation mit Jean-Francois, Redding, Chapman und Moala, die zuletzt nicht immer den notwendigen Punch auf das Spielfeld brachte. Jones ist mit seinen 28 Lenzen im besten Sportleralter, aber er ist eine Workload von 800-1000 Snaps nicht gewohnt, insofern würde man eher zur Variante „Ergänzungsspieler“ tendieren.

Von den Ecken hast du Mathis, der aber nicht jünger wird, das unbeschriebene Blatt Werner und das beschriebene Blatt Erik Walden – Walden gilt als Starter der eher untersten Schublade, aber einer, der letztes Jahr bezahlt wurde wie ein Weltmeister.

Das Linebacker-Problem wird die Colts allerdings bis in den Draft verfolgen: Nach mehreren Entlassungen waren mit Jerell Freeman und dem jungen Kelvin Sheppard zwei Optionen geblieben, aber keiner gilt als sichere Tüte. Also wurde Da’Qwell Jackson aus Cleveland geholt – kein ganz übler Mann, aber halt auch kein Superstar.

Der einzige weitere Neuzugang ist Henoc Muamba aus der Canadian Football League, ein Kongolese, der dort bei den Winnipeg Blue Bombers eine fantastische Waffe war und immer wieder positiv auffiel – aber es ist eben „nur“ die CFL und daher ein bissl Wundertüte. Hier stehen die Wetten gut, dass Indianapolis sich noch ein Talent im Draft holt – vielleicht nicht in den frühen Runden, sondern eher einen Mann mit mittelfristigem Fokus.

Die Secondary ist auch so ein Ding. CB Vontae Davis wurde für einen Vierjahresvertrag mit 10 Mio/Jahr gehalten, ein massiver Vertrag, den die Colts angesichts der später auf dem Markt für bessere Spieler gezahlten Preise vielleicht schon bereuen. Weil der Cap-Druck in Indianapolis nicht der höchste ist, vielleicht ein zu vernachlässigendes Thema.

Die weiteren Cornerbacks sind Josh Gordy (spielt unter einer Restriction-Tag), der letztes Jahr für *pling* einen überteuerten Vertrag geholte Zottelbock Greg Toler sowie CB Butler, schon in New England und Carolina eher ein Mann, den man dauerhaft zu ersetzen versuchte. Angesichts anderer Lücken ist es vorstellbar, dass die Colts hoffen, mit dem okay besetzten CB-Quartett durchzukommen.

Auf Safety musste man Antoine Bethea nach San Francisco ziehen lassen, und besitzt in Laron Landry und Sergio Brown nur noch zwei – nicht koschere – Alternativen. Eigentlich ist auch Safety eine Position, die es anzugehen ginge.

Wie genau das Regime in Indianapolis die Kadersituation bewertet, ist schwer zu sagen, aber persönlich würde ich in dieser Offseason versuchen so vorzugehen:

  • Offensive Line: Außer RG Thomas sieht das „innen“ doch sehr suspekt aus. Und ob ein Center Phil Costa so vielversprechend ist?
  • Linebacker
  • Safety

Auf Runningback kannst du eh nur hoffen, dass Richardson seine PS doch noch auf den Boden kriegt. Auf Wide Receiver hast du eintausend Jungspunde und zwei Routiniers. Du kannst hoffen, dass der Trupp gesund bleibt und dann in einem Jahr ein Urteil fällen – dort sind die richtigen Moves schon gemacht. Auf Tight End kriegst du in Allen einen erstklassigen quasi-Neuzugang in Allen.

In der Defense wäre es eigentlich angebracht, schon einmal auf die Zeit post-Mathis zu denken, aber da kein 1st-Round Draftpick da ist, gilt es andere Lücken zu schließen. Innen könnte man noch ein Boom/Bust-Talent ergänzen. Auf Safety würde ich ungern mit Landry/Brown und einem Haufen Unbekannter in die Saison gehen.

Generell sehe ich in der Colts-Defense das Mittelmaß grassieren. Hier wurde ein Haufen an Durchschnittsspielern eingekauft, die in spätestens 1-2 Jahren das Potenzial der Abwehr begrenzen könnten. Dazu der dumme Move, seinen 1st-Rounder für einen Runningback wegzugeben, der den Handungsspielraum einschränkt. Dazu kannst du dich nicht auf erneutes Turnoverglück verlassen (2012 hatten die Colts -12 Turnovers, ein Jahr später +13).

Es ist nicht alles schlecht in Indianapolis, weil man den Quarterback hat und in der einfachsten Division der Liga spielt, aber zur AFC-Spitze fehlt trotz teilweise guter Ansätze noch ein ganzes Stück.

Divisional-Playoffs 2013/14 am Samstag

Das Gute nach einführenden Artikeln wie jenen von Herrmann am Donnerstag: Es ist fast alles gesagt. Das schlechte: Ich bin arbeitslos. Es gibt nicht mehr viel zu sagen. Alle relevanten Matchups sind bereits bekannt, also bleibt mir nur noch die Aufgabe, ein paar verstohlene Blicke auf die Profile der beiden Mannschaften und ein paar versteckte bzw. zu offen diskutierte Punkte zu werfen.

Seattle Seahawks – New Orleans Saints

  • Kickoff 22h35
  • Live bei SPORT1 US und im NFL-Gamepass, Zusammenfassung und Live-Einstieg bei SAT.1 und im ran.de-Stream ab 0h05
  • US-Kommentatoren: Kevin Burkhardt/John Lynch
  • Vorschau Herrmann: Seahawks vs Saints.

Die yadda yadda-Talking Points vor dem Spiel sind schnell abgearbeitet:

1) Heimvorteil: Das beste Heimteam seit Erfindung der Bockwurst, die Seattle Seahawks, treffen auf die nicht mehr so auswärtsschwachen auswärtsschwachen Saints. Seattle gewann diese Saison seine Heimspiele im Schnitt mit 15.4 Punkten, und erst eine überraschende Pleite kurz vor Weihnachten gegen Arizona erweckte landesweit den Eindruck, dass die Hawks ja völlig überraschend doch in ihrem Heimstadion schlagbar sind. Es war übrigens nicht das erste Wackelspiel der Hawks zuhause: Auch gegen Tennessee (+7) und Tampa Bay (+3/OT) war es eng. Trotzdem natürlich: Seattle in Seattle, das ist schon eine Macht.

Auf der anderen Seite kommen die Saints immer noch mit dem Image der auswärtsschwachen Mannschaft daher; letzte Woche habe ich schon geschildert, dass ihre Pass-Offense dieses Jahr auswärts nur 6.2 NY/A zustande bringt (vs 8.3 NY/A zuhause) – aber das hielt die Jungs nicht von einem Auswärtssieg bei den hoch eingeschätzten Philadelphia Eagles ab.

Bei den Seahawks ist diese Statistik – Passoffense – übrigens deutlich ausgeglichener: Zuhause bringt Russell Wilson Passversuche für 7.5 NY/A an den Mann, auswärts nur für 6.5 NY/A. Die Defense ist allerdings im eigenen Stadion um ein Zipperlein schwächer als in fremden Stadien.

Trotzdem wird viel Tamtam um die Tatsache gemacht, dass die Seahawks in ihrem Stadion auch von New Orleans nicht zu stoppen sind.

2) Das liegt wohl unter anderem auch im Verlauf des „Hinspiels“. Das Monday Night Game Anfang Dezember zwischen diesen beiden Teams wurde von den Seahawks klar 34-7 gewonnen, und das überraschende daran: Man hatte quer durch die US-Medien nicht den Eindruck, dass es als überraschend klar wahrgenommen wurde.

Auch ich selbst hatte in der Preview den Saints wenig Chancen auswärts eingeräumt. Das Spiel selbst war dann eine regelrechte Schlachtung der Saints ohne Opferung. Sie wurden niedergemacht. Ein 34-7 ist in der aber NFL fast immer ein Ergebnis, das ohne die eine oder andere Zufallskomponente nicht zustande kommt: Seattle war besser, aber Seattle hatte auch einen günstigen Spielverlauf, machte zwei frühe Fumbles der Saints blitzschnell zu eigenen Punkten und hatte in der Folge gegen eine eindimensionaler werdende Saints-Offense leichtes Spiel.

Also: Ein 27pts-Sieg über die nach Power-Ranking zweitbeste Mannschaft der Liga klingt massivst, aber er spiegelte nicht die wahren Kräfteverhältnisse wieder, zumindest nicht ganz.

3) Passspiel. Es ist eines der besten Matchups des Jahres: Saints-Offense mit ihren 7.2 NY/A und ihrem Arsenal an Superspielern gegen die Hawks-Passabwehr, die nach mehreren Metriken als eine der allerbesten aller Zeiten gehandelt werden darf.

Die Seahawks haben eine unglaubliche Pass-Defense. Die ersten Jungs, die dir einfallen, sind der unbezwingbare CB #25 Richard Sherman, der fassungslos dynamische Safety #29 Earl Thomas und der Kopfjäger #31 Chancellor, aber sie allein machen nur den Unterschied in der Secondary aus. Vorne gibt es einen Pool an Passrushern, die keine andere NFL-Mannschaft aufweisen kann: DT MeBane, DE Clemons, DE Avril, DE Bryant, DE Bennett, OLB Irvin und und und. Diese Jungs machten 44 Sacks (7.7% Sack-Quote) – ein überdurchschnittlicher Wert. Und hinten halten die Defensive Backs um Sherman/Thomas, obwohl mit CB Browner der eigentlich vierte Mann der Legion of Boom wegen Drogensperre sitzt.

Browner hin, Browner her: Ein tief besetztes Defensive Backfield und flinke Linebackers sind gegen die Saints immer ein probates Mittel, denn New Orleans kann dich mit Drew Brees nicht nur via 1-2 Receivers schlagen, sondern über fünf bis sechs. Sofern Brees die Zeit bekommt. Rookie-LT #72 Armstead gegen einen ausgewählten Seahawks-Passrusher klingt nach Mismatch hoch drei.

Wie wichtig ist die Passspiel-Qualität beider Teams „auf beiden Seiten des Balles“ dieses Jahr? Nun: Diese beiden Teams sind die #1 und #2 in „Net Yards Differential“ in der NFL dieses Jahr.

Rk Team          NY/A Off  NY/A Def   NY/A-Differenz
 1 Seattle       7.0       4.8        2.2
 2 New Orleans   7.1       5.6        1.5

Das sind sensationelle Zahlen für beide Teams. Die Seahawks bringen pro Passversuch 2.2 Yards mehr zustande als sie mit ihrer Defense zulassen. Viel besser geht nicht.

4) Turnovers. Die Saints-Offense ist dieses Jahr erstaunlich turnover-frei. Brees, bekannt für sein risikoreiches Spiel und dafür, häufig auch über 18-20 INTs/Jahr zu fabrizieren, kam dieses Jahr mit 12 INTs durch die Regular Season. Letztes Woche warf er zwar Fehlpässe in Philadelphia, aber: Brees ist trotz des Philly-Spiels mit nur 1.8% INT-Quote noch immer der viertbeste QB der Liga. Allerdings: Seattles Secondary ist nicht bloß eine Mauer gegen die Yards; sie ist auch voller „Ballhawks“. Sherman (8 INT), Thomas (5), Maxwell (4) und Co. fangen sensationell viele Pässe ab: 5.3% INT-Quote ist, als wenn du jede Woche gegen Eli Manning oder Geno Smith spielen würdest, die aber gleichzeitig so effizient werfen würden wie Peyton Manning. Das ist Wahnsinn.

New Orleans braucht ein perfektes Spiel in Seattle; wirft aber Brees gegen diese turnoverhungrige Defense den einen oder anderen Fehlpass, ist es um die Saints wohl geschehen.

5) Das Wetter. Es soll nicht gefrieren, aber es soll regnen, nein, schütten in Strömen. Die Rede in den letzten Tagen war von 100% Regen-Wahrscheinlichkeit. Die Saints im Regen? Das spräche vom Gefühl her schon wieder gegen sie, aber Passspiel ist generell eher schwer im strömenden Regen. Das wiederum spricht vor allem gegen die Mannschaft, die zuerst (oder längere Zeit) in Rückstand liegt. Andererseits: Die Saints können durchaus auch laufen, und erfolgreich laufen. Ihre 43% Success-Rate ist die #10 der Liga.

6) X-Faktoren. Wir kennen Percy Harvin, aber wir wissen nicht, wie fit Harvin wirklich ist, und in welchem Zustand er auflaufen wird. Ist er fit, ist er der Baustein, der die Hawks-Offense von „effizient“ auf grandios heben kann.

Ein anderer Faktor ist Saints-DefCoord Rob Ryan: Seine Blitz-Taktiken gehen gegen den einzigen als angreifbar auszumachenden Mannschaftsteil der Hawks, die Offensive Line. Kommen seine Blitzes durch, wird Russell Wilson in der Pocket unter Druck kommen.

Special Teams. Notorisch unvorhersagbar. Notorisch spiel-mitenscheidend. In strömendem Regen wird das Kicken schwieriger, gehen Punts gern mal einen Schlapfen daneben, werden Returns schneller mal gefumbelt.


Machen wir uns nix draus: Die Seahawks sind der Favorit. Sie sind Favorit, weil sie die bessere Gesamt-Mannschaft haben, und vor allem auch, weil sie im extrem lauten heimischen CenturyLink Field spielen. Aber die Saints sind nicht zu unterschätzen. Sie sind immer noch die zweiteffizienteste Mannschaft der NFL-Saison. Sie haben immer noch Brees. Sie sind immer auch noch auswärts eine gute Mannschaft. Seattle ist nach Power-Ranking nur mit 60% (3.5 Punkten) favorisiert.

Ich schrieb nach dem „Hinspiel“, wenn Seattle scheitert, steht die Storyline bereits: “Zu früh gepeaked”. Was würde den Saints besser passen als diese bereits fertige Storyline auf die Titelseiten zu bringen?

Leichter Favoritenstatus für Seattle. Von einem Upset glaube ich wäre ich aber weniger überrascht als die meisten.

New England Patriots – Indianapolis Colts

  • Kickoff 02h10
  • Live bei SPORT1 US, im NFL-Gamepass und bei SAT.1 und im ran.de-Stream
  • US-Kommentatoren: Greg Gumbel/Dan Dierdorf
  • Vorschau Herrmann: Patriots vs Colts.

New England Patriots gegen Indianapolis Colts war die größte NFL-Rivalität der 2000er Jahre. Sie lebte von Leuten wie Belichick/Brady auf Pats-Seite und Dungy/Manning auf Colts-Seite, und von den Medien und von mehreren epischen Spielen. In New England ist immer noch selbiges Duo am Ruder, aber in Indianapolis konzentriert sich mittlerweile alles um den „neuen Peyton“, QB #12 Andrew Luck.

Chris Brown hat letzte Woche eine ganz gute Beschreibung zum Status des Wunderspielers Luck abgegeben:

Ich glaube, das trifft’s. Zeitweise ist Luck bereits das, was man sich von ihm schon lange verspricht. Aber dann ist Luck auch wieder die „2.0-Version“ von Favre oder Romo, ein Spaßfootballer, der mehr Risiko eingeht als es die Situation erfordert. Wie bei der überhaspelten zweiten INT letzte Woche gegen die Chiefs – bei hohem, aber nicht aussichtlosem Rückstand gegen die Chiefs. Ein Zeitpunkt, der noch zu früh war für eine echte Panikreaktion. Aber Luck revanchierte sich ja…

Die wichtigere Geschichte zu dem Spiel ist für mich aber das Verletzungspech beider Teams, die komplett auf dem Zahnfleisch daher kommen. Die Colts-Geschichte ist bekannt: Leute wie WR Wayne oder TE Allen sind seit Monaten draußen. Jede Woche ist man mit anderen Mannschaften aufgelaufen. Aber mittlerweile ist man so „gesund“ wie lange nicht mehr.

Nicht so die Patriots, die mittlerweile wieder eine „würdige Patriots-Defense“ aufwarten. Die Defensive-Tackles werden vom mir völlig unbekannten DT Siliga und vom ungedrafteten Rookie-DT Jones gebildet, dahinter laufen mit LB Fletcher und LB Collins (Rookie) ebenso unbekannte Leute auf, und in der Secondary setzt Belichick auf Grünschnäbel wie CB Ryan, S Gregory oder CB Dennard, der auch nur spielt, weil er der am wenigsten Verletzte ist.

Belichick ist ein Magier. Diese Defense ist mittlerweile personell auf 2011er-Niveau, aber sie keucht und fleucht sich doch noch zu halbwegs herzeigbaren Zahlen. Allerdings ist die Lauf-Abwehr mittlerweile eine Katastrophe: 53% Success-Rate als #29 der Liga – welch Wunder mit so dünn und unbekannt besetzter Front-Seven. Das Gute: Der nächste Runningback, den man treffen wird, ist Trent Richardson

Die Pats-Offense um den QB-Oldie Brady ist eine Wundertüte. Sie bringt im Schnitt ähnlich viel wie Indianapolis auf die Beine, nämlich 6.1 NY/A, aber kann man eine Effizienzmessung bei den Pats wirklich ernst nehmen? Diese Offense hat in den letzten 12 Monaten so viele Wandlungen durchgemacht wie andere in zehn Jahren. Hernandez, Gronkowski, Welker, Vereen, Ridley, Dobson, Thompkins, Amendola und wie sie alle heißen und hießen: Alles Leute, die rein- und rausrotiert wurden aus den unterschiedlichsten Gründen: Morde, Kreuzbandrisse, Zipperlein, Entlassungen, Fumbelitis… die Liste ist lang.

Aber einer steht seinen Mann: Die Legende Brady. Brady war teilweise unansehnlich im ersten Saisonabschnitt, teilweise on fire in der Saisonmitte, als er das StammpersonaL größtenteils zur Verfügung hatte, dann wieder Mittelmaß. Er war ein Sekundengenie und Choker. Er erlebte seine bisher bizarrste Saison. Aber es reichte. In einer schwachen AFC und einer noch schwächeren AFC East reichte es für Brady und die Pats für eine 12-4 Bilanz. Und OffCoord McDaniels, der für alle einen famosen Job gemacht hat, gilt schon wieder als heißer Headcoach-Kandidat (vielleicht in Cleveland), trotz seiner Vorgeschichte in Denver, die andere Leute auf alle Zeiten untragbar gemacht hätte.


Eine Analyse, die mir Chase Stuart erspart hat: Die Beständigkeitsanalyse. Es ist mir auch aufgefallen, dass die Patriots in bestimmten Messmetriken als ein Team mit mitunter der geringsten Varianz und Standardabweichung aufschienen – eine Erkenntnis, die beim Blick auf die vielen Wandlungen dieser Mannschaft allein dieses Jahr völlig überraschend kommt. Auf der anderen Seiten: Die Pats waren konstant relativ mittelmäßig. Das spiegelt sich auch in den 11 knappen Spielen wieder. Viermal, fünfmal, sechsmal kam es auf den allerletzten Pass in die EndZone hinein, oder auf ein Fieldgoal in letzter Sekunde an.


Die Wettbüros sehen in den Pats einen 7pts-Favorit. Das Power-Ranking gibt den Pats nur eine 59%-Chance. Auf neutralem Feld sähe es die Patriots nur minimal vorn. Ich kann verstehen, warum. Man muss auch beachten, wie unvorhersehbar die Colts dieses Jahr waren: Sie sahen teilweise wie kommende Superbowl-Champs aus, verloren dann aber wieder Spiele der Marke „wir wurden abgeschlachtet“.

Zwei im Kern junge Teams. Zwei herausragende Quarterbacks. Ein Headcoach-Zauberer. Zwei Teams, die dieses Jahr 7-4 (Patriots) und 7-1 (Colts) in engen Spielen sind. Ein weiteres enges Spiel ist alles andere als ausgeschlossen. Zumal beide genügend Flauseln haben. Zumal beide ausreichend Quarterbacks haben. Zumal es im Regen von Foxboro durchaus viele Unwägbarkeiten gibt.

Mein Gefühl sagt mir: Colts, aber der Verstand sagt „Patriots“, also werde ich mit dem Verstand gehen.

AFC Divisional Playoffs Preview: Indianapolis Colts @ New England Patriots

Für alle, die es noch nicht glauben wollten, hat Andrew Luck es letzte Woche bewiesen: er ist der talentierteste junge Profisportler seit Steffi Graf. Mit seinen Indianapolis Colts (12-5) besucht er am Sonnabend Bill Belichicks New England Patriots (12-4) im kalten und windigen Foxboro Stadium und spielt um den Einzug ins AFC Championship Game. Diese haben mehr „große Namen“ auf der Verletztenliste als auf dem Feld.

Colts Offense vs Patriots Defense

Nachdem Jerod Mayo schon länger sein Dasein auf IR fristet, ist nun auch Brandon Spikes einigermaßen überraschend dort gelandet. Mit Dont´a Hightower, Rookie Jamie Collins und Dane Fletcher haben die Pats auf der Linebacker Position viel besseren Ersatz, als die Namen befürchten lassen. Collins und Fletcher waren eh schon seit einigen Wochen das LB-Duo in der Nickel-D, weil sie viel besser Paßempfänger verteidigen können als Spikes, der nur den Vorwärtsgang kennt. Mit dem Wechsel von Spikes zu Fletcher allerdings fehlt der wichtigste Mann gegen den Lauf; Spikes kann zwar nur Vorwärtsgang, aber das macht er mit 180.

Auf der anderen Seite allerdings haben die Colts kein besonders gutes Laufspiel. Und durch die fast schon legendäre Disziplin von New Englands edge players – hier Rob Ninkovich und Chandler Jones – und den OLBs (wahrscheinlich Hightower und Collins), die Bill Belichick seinen Spielern einhämmert, kommen die RBs oft durch die Mitte direkt in die Arme der LBs, die nur noch zugreifen müssen.

Man macht sich ja oft lustig über Belichicks eintöniges Mantra „Do Your Job!“, aber in der gap discipline seiner Spieler sieht man, was es bedeutet und wie wertvoll das ist. Jeder Spieler hat genau einen „Job“: der äußerste Verteidiger zum Beispiel die Aufgabe, keinen Ballträger außen vorbeizulassen, sondern stattdessen ihm nur den Weg über die Mitte zu geben. „Do Your Job“ heißt außerdem noch „Don´t do something else and don´t try to be the hero!“. Das kann ziemlich langweilig sein, weil selten ganz doll spektakuläre splash plays dabei rumkommen. Aber was passiert, wenn der edge player versucht, den Helden zu spielen, sieht man in jedem Spiel der Packers-D gegen die Niners-O.

In der Mitte, wo sonst Vince Wilfork steht wie die Alpen, teilen sich jetzt die Rookies Chris Jones und Joe Vellano die Spielzeit mit einem gewissen Sealver Siliga, der im November von der Straße aufgelesen wurde. Aber gerade dieser Siliga spielt richtig gut gegen den Lauf und darum hat er auch den Stammplatz in der Base-D und bekommt auch viele snaps in der Nickel-D (allerdings auch mit Hauptaufgabe „Lauf verhindern“, ein pass rusher ist er nicht).

Mit dem Lauf wird Indy dieses Spiel nicht gewinnen, aber dafür haben sie ja Andrew Luck. Dumm nur, daß gerade jetzt New England ihre beste secondary seit etlichen Jahren hat. Getragen wird die gesamte unit von Cornerback Aquib Talib und Safety Devon McCourty. Beiden gehören zu den Besten auf ihren jeweiligen Positionen. Talib nimmt in jedem Spiel den besten gegnerischen WR in Manndeckung und meistens ganz aus dem Spiel (wenn er fit ist, so wie wahrscheinlich jetzt). McCourty fühlt sich sauwohl in der tiefen Mitte des Feldes. Was ein Earl Thomas ihm an speed voraushat, macht er an Spielverständnis wett. McCourty ist auch einer dieser Musterschüler in Sachen „Do Your Job!“: in der Regel hat er den Job, alle anderen Spieler vor sich zu haben und zu behalten. Das ist in der Regel nicht besonders spektakulär, aber genau das, was ein tiefer Safety eben machen sollte.

Talib wird sich herzlichst um T.Y. Hilton kümmern, so ein Spiel wie letzte Woche gegen Kansas City wird ihm damit nicht vergönnt sein. Bleiben für die Herren Griff Whalen, Darius Stonehands-Bey, LaVon Brazil und Da´Rick Rodgers noch die CBs Logan Ryan, Alfonzo Dennard und Kyle Arrington übrig. Arrington macht seine Sache im Slot immer recht zuverlässig. Spannend wird, wer an der Seitenlinie gegenüber von Talib verteidigt. Dennard hatte sich zu einem richtig guten CB entwickelt, bis er dann aufgrund kleinerer Verletzungen immer mal wieder aussetzen mußte. In dieser Zeit hat sich Rookie Logan Ryan anscheinend den Stammplatz erkämpft. Das erste Mal seit Menschengedenken hat Belichick einen CB gedraftet, der sofort positiv auffällt!

So wird es denn auch schwer für Andrew Luck und den Paßangriff. Helfen sollte ihm der lahme pass rush der Patriots – Chandler Jones spielt nur manchmal wirklich gut, Ninkovich war noch nie ein großer Quarterbackjäger – und seine traumwandlerische Fähigkeit, sich in einer unruhigen pocket „Zeit zu erkaufen“, bis ein WR endlich frei ist. New Englands-D wird sich ganz auf Hilton konzentrieren; wenn Indy eine Chance haben will, müssen die Typen wie WR Rodgers und Brazil was reißen. Manchmal haben sie schon angedeutet, daß Großes in ihnen steckt.

Patriots Offense vs Colts Defense

In der Defense fehlen etliche Stammspieler – in der Offense noch mehr. RT Sebastian Vollmer ist auf IR, der Gronk verletzt, Hernandez im Knast und die (fast alle) neuen WRs und TEs heißen Edelman, Amendola, Collie, Thompkins, Boyce, Dobson, Hoomanawanui, Develin und Mulligan.

Edelman, Amendola, Collie, Thompkins, Boyce, Dobson, Hoomanawanui, Develin und Mulligan. Echt jetzt! Es macht fast den Eindruck, als würden sich Bill Belichick, Josh McDaniels und Tom Brady über den Rest der Liga lustig machen wollen.

Ich würde zwar immer noch behaupten, daß Brady nicht mehr gaaanz so gut ist, wie 2007 oder 2010-12, aber er ist der beste Quarterback in 2-minute-drives. Es gab Spiele in dieser Saison, da ging im Paßspiel gar nichts zusammen – bis auf den letzten drive jeweils zum Ende der ersten Halbzeit und zum Ende des Spiels.

Mittlerweile scheinen sie sich alle irgendwie gefunden zu haben. Julian Edelman ist der Nr.1-WR, Amendola bespielt die zweite slot position, Thompkins und Dobson spielen an der Seitenlinie (Boyce ist auf IR). Die Tight Ends fangen in der Regel kaum Bälle, aber wenn, dann ist es sehr überraschend und führt oft zu wichtigen 1st Downs. Gekennzeichnet ist das Paßspiel von nicht enden wollendem Kurzpaßgedödel von Brady auf Wes Welkers drei kleine Brüder Amendola, Edelman und ex-Colt Austin Collie, der spielt meistens nur im vierten Viertel, wenn Brady genug hat von seinen unzuverlässigen Rookies Thompkins, Dobson und Boyce, die alle mal hin und wieder starke catches einstreuen können, aber manchmal sogar einen Luftballon auf den Boden fallen lassen würden.

Dieses vielen kurzen Pässe erlauben den Pats zwei Dinge. Einerseits gehen sogar die kleinen Wuseler manchmal überraschend tief, was Defensive Backs auf dem falschen Fuß erwischt. Zweitens wirft Brady den Ball so schnell, daß der pass rush keine Chance hat.

Was auch immer big plays erlaubt, ist das starke Laufspiel. Die Angriffs-Philosophie der Patriots ändert sich mit jedem Jahr so stark wie bei keiner anderen Mannschaft. Es ist noch nicht lange her, da haben sie die Gegner mit empty formations aus der shotgun attackiert; dann haben sie von jetzt auf gleich immer zwei Tight Ends auf dem Feld gehabt, die auch gleichzeitig die beiden besten Paßempfänger waren. Und dieses Jahr sind sie ihrer eigenen 2007er Version sehr ähnlich. Leider minus Randy Moss. Aber wie 2007 haben sie viel Erfolg mit play-action passes, ermöglicht durch das Laufspiel.

New England hat ein ungemein starkes Laufspiel. Eine gute Offensive Line haben sie eh immer, egal wer da gerade spielt, aber dieses Jahr haben sie gleich drei starke RBs mit sehr unterschiedlichen Stärken. Stevan Ridley ist der klassische Typ Running Back: kräftig genug, um durch die Mitte laufen zu können, kann aber auch über außen ausbrechen. LaGarrette Blount ist ein besserer Brandon Jacobs: he just runs over people. Und Shane Vereen läuft um Leute herum. Vereen ist oft der X-Factor. Er kann klassisch aus dem Backfield heraus laufen, am liebsten außen herum. Vor allem ist er aber auch ein hervorragender Ballfänger. McDaniels und Brady stellen ihn gerne als WR auf, vor allem, wenn die Defense in man coverage ist und Vereen einen Linebacker gegen sich hat.

So. Und hier liegt nun der Hund begraben für die Colts – man coverage. Indy spielt liebend gerne in „press man„, das heißt, die CBs stehen beim snap mit ihren Zehennägeln im Gesichtsgitter ihres direkten Gegenspielers und schubsen sie erstmal fünf Yards rum, bevor diese in ihre Paßroute „entlassen“ werden. Das ist einerseits am Sonnabend blöd wegen Vereen. Jedes Mal, wenn Brady man coverage sieht, wird er Vereen an die Seitenlinie schicken und zusehen, wie dieser einen LB vernascht. Da kann Jerrell Freeman noch so schnell sein, er kann dieses zu groß gewachsenen Darren Sproles nicht lange covern.

Und zweitens war „press man“ für kurze Zeit mal das Zaubermittel gegen die Pats. In der Saison 2011, als die pass happy offense um Gronk/Hernandez/Welker alles zerstörte, kamen die Steelers und die Giants um die Ecke und haben einfach mal so „press man“ gespielt. Siehe da: Pats Offense war tot. Die potentiellen Paßempfänger operierten fast ausschließlich in den 5-10 Yards hinter der Line of Scrimmage und die Pässe waren meistens „timed„, sprich: Brady macht drei Schritte nach hinten und guckt nach rechts zu Welker, der eine auf einen three step drop „getimete“ Route läuft, ist der nicht frei, macht er zwei weitere Schritte und guckt in der Zeit bereits nach links, wo Gronk just in dem Moment am „Ende seiner Route“ ist usw. Gegen Zonenverteidigung ist das easy (nicht generell, aber mit Brady/Welker/Gronk/Hernandez schon), gegen sehr physische Mannverteidigung dagegen geht die zeitliche Abstimmung völlig flöten, vor allem weil die Verteidiger bis zu fünf Yards hinter der Anspiellinie den Angreifer wie einen punching ball behandeln dürfen. Daraufhin haben die Pats aber Konzepte in ihr playbook aufgenommen, die man coverage vor große Probleme stellen.

Vor allem zwei Dinge: „stack“ oder „trips“ Formationen einerseits und „pick plays“ andererseits. Stack und Trips spielen auch die Colts sehr gerne. Dabei stehen zwei Angreifer leicht versetzt oder direkt hintereinander („stack“) oder gar drei Angreifer stehen (vertikal versetzt) nebeneinander. Damit mit man dem „press man„-Konzept seinen Kern: durch die räumliche Nähe kann nicht jedem WRs ein DBs direkt gegenüberstehen, damit können die WRs nicht rumgeschubst werden und damit wiederum stimmt das timing wieder zwischen QB und WR. Außerdem führen stack und trips formations oft zu Verwirrung, wer jetzt wen übernimmt, vor allem wenn die WRs nach dem snap kreuzen.

Bei pick plays laufen die WRs Routen, bei denen die DBs, während sie einem WR in man coverage folgen, entweder an einem anderen WR oder gar an einem Mitspieler hängenbleiben („pick“ wie in pick´n´roll beim Basketball).

Wenn die Colts-D von Greg Manusky am Sonnabend einfach so spielt, wie sie am liebsten spielt, nämlich in „press man“, wird Vereen 10 Bälle fangen und Manusky zur Strafe hundertmal „Hoomanawanui“ auf seine Taktiktafel schreiben müssen. Was sie stattdessen machen sollten? Puh. Keine Ahnung. Aber immerhin haben sie einen guten pass rusher in Robert Mathis; einen pfeilschnellen und explosiven LB in Freeman; einen sehr guten CB in Vontae Davis und einen zuverlässigen Safety in Antoine Bethea. Mit diesen Leuten kann man auch mal ganz andere Konzepte einstreuen. Alles in allem würde ich das over/under für den Pats-Angriff zwischen 27 und 30 Punkten setzen.

Das ist die bottom line: Können die Indianapolis Colts 30 Punkte im Foxboro machen, in den Playoffs, im Januar, gegen Bill Belichick und rocket scientiest Matt Patricia?

Es hängt alles an Andrew Luck. Ist er in seiner Entwicklung schon so weit, daß er nach dem Hammer letzte Woche gegen Chiefs jetzt ganz locker im Foxboro noch mal so eine Show abzieht? Und vergessen sollte man dabei auch nicht die drei INTs. Auf der anderen Seite kann Bill Belichick zum lebenden Gott werden, wenn er mit zehn neuen Starters (!) verglichen mit letzter Saison zum dritten Mal in Folge (!) ins AFC Championship Game marschiert. Welche Mannschaft war zuletzt drei Mal in Folge in einem Championship Game? Die 49ers in den Neunzigern? Januarfootball, draußen im Foxboro, mit diesen Storylines: besser geht´s nicht.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Samstag: Indianapolis Colts – Kansas City Chiefs Preview

Die NFL-Playoffs haben uns wieder! Heute Abend ab 22h35 geht es los mit dem ersten Wildcard-Spiel. Die NFL-Playoffs sind jedes Jahr ein absolutes Highlight des Sportjahres. Sie laufen nach dem Prinzip do or die ab. Keine best of-Serie, kein Rückspiel. Verliere und fahre heim. Und das nicht in langweiligen Runden wie Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, sondern in Wildcard Weekend, Divisional Playoffs, Conference-Championships und Super Bowl.

Den Auftakt dieses Jahr machen die Sieger der AFC South, die Indianapolis Colts (11-5) und die Kansas City Chiefs (11-5), Zweite der AFC West. Spielstätte ist das Lucas Oil Stadium in Downtown Indy, eine Halle mit verschließbarem Dach, die eigentlich immer voll ist, aber ausgerechnet im Vorfeld dieses Playoff-Auftakts hatten die Colts Probleme, all ihre Tickets loszuwerden um einen Blackout im heimischen Markt zu verhindern.

Colts gegen Chiefs klingt nicht unbedingt nach einer Top-Paarung. Hier treffen die Teams aufeinander, die in den letzten beiden NFL-Drafts jeweils einen #1-Draftpick hatten, was nix anderes bedeutet, dass sie 2011 (Colts) und 2012 (Chiefs) jeweils die schlechteste Bilanz der Liga gehabt hatten. Die Partie hat aber ihre Reize.

Da wäre zum einen der voluminöse Head Coach der Chiefs, Andy Reid, letztes Jahr mit Schimpf und Schande aus Philadelphia fortgejagt, und nun das (nach Siegen) schlechteste Team der Liga innerhalb eines Jahres in die Playoffs geführt. Reid musste prinzipiell nicht viel mehr anstellen als einen Quarterback einzukaufen (das machte er: Alex Smith) und seiner Offense solideres Spiel einzubläuen (tat er: Nur 18 Turnovers für die Offense). Das reichte gegen einen nicht allzu schweren Schedule für den schnellen Turnaround.

Auf der anderen Seite steht Chuck Pagano den Colts vor. Pagano bestritt sein zweites Jahr als Headcoach, aber 2012 hatte er großteils wegen einer Leukämie-Erkrankung verpasst. 2013 war sein erstes „volles Jahr“, und er beging keine auffälligen Fehler. Vielmehr kann man ihm attestieren, aus einem limitierten Kader nahezu das Optimum herausgewringt zu haben.

Wenn die Colts den Ball halten

Indianapolis erreichte schon im letzten Jahr die Post-Season. Damals spielte die Mannschaft um ihren QB-Grünschnabel #12 Andrew Luck einen risikoreichen Ball mit sehr viel vertikalem Passspiel in der Offense. Das führte zu besseren Ergebnissen als befürchtet, aber man war auch extrem anfällig gegen Turnovers. Als Konsequenz wurde nach dem Abgang des OffCoords Bruce Arians (wurde Headcoach in Arizona) dazu, dass man einen OffCoord Pat Hamilton einstellte, der vor allem dafür bekannt ist, dass er physische Spielweise und Kurzpassspiel bevorzugt.

Das sieht dann so aus: Während Luck 2012 noch in 27% der Pässe mehr als 15yds warf, sind es heuer nur noch 20%. Entsprechend steigerte Luck seine Completion-Rate auch von 54% auf 60%, senkte seine Sack-Quote von 6% auf 5.2% und vor allem: Er warf dieses Jahr nur noch 9 Interceptions im Vergleich zu 19 in der vergangenen Saison.

Luck ist der Mann, der diese Offense definiert. Es laufen zwar nicht mehr so viele Spielzüge durch die Luft, aber zu behaupten, dass Indys Laufspiel effizient wäre, ist eine glatte Übertreibung. RB #34 Trent Richardson wurde nach zwei Wochen teuer aus Cleveland eingekauft, erwies sich aber als gigantischer Bust und hinderte die Offense mit immerhin 157 Carries bei nur 2.9yds/Carry mehr als er ihr geholfen hätte. Richardson ist ein Back, der eigentlich optisch wie ein Star aussieht, allein… der Output ist nicht da.

Indys Offense Line ist trotz einiger teurer Offseason-Einkäufe wie LG Thomas oder RT Cherilus nicht allzu stark besetzt, aber 2.9yds/Carry sind dennoch unterirdisch für NFL-Verhältnisse. Zumal Richardsons Backup, der schmächtig gebaute Donald Brown, mit 5.3yds/Carry und null (!) Fumbles eh die bessere, sicherere Alternative zu sein scheint. Aber das ist kein Laufspiel, das dich tragen kann.

Luck ist meistens gefragt, und er macht seine Sache gemessen an dem Material, mit dem er arbeiten muss, hervorragend: 6.1 NY/A im Passspiel mit Leuten wie WR #13 Hilton (83 Catches, 1086yds, 5 TD, wird in 32% der Fälle tief angespielt), TE #80 Fleener (52 Catches, 608yds, 4 TD) oder Lucks College-Teamkollege WR #17 Whalen (kam vom Practice-Squad) sind eine Hausnummer. Der beste Wide Receiver ist möglicherweise der ungedraftete Rookie #16 Da’rick Rogers, der aber nur in vier Spielen Action sah.

Die Colts-Offense sah vor zwei Wochen im Regular-Season Spiel gegen diese Chiefs recht dominant aus, aber es gibt auf Chiefs-Seite einen großen Neuling im Vergleich zu jenem Spiel: OLB #50 Justin Houston, der in der ersten Saisonhälfte der vermutlich beste Abwehrspieler der Liga war, und danach nach Woche 10 mit diversen Verletzungen ausfiel. Houston soll heute Abend wieder fit sein, und auch ein halbfitter Houston ist ein massives Upgrade für die Chiefs. Am augenscheinlichsten wird das im Passrush zu spüren sein, wo die Chiefs im „Hinspiel“ heftig blitzen mussten und dabei ihr Defensive-Backfield ein ums andere Mal in Bedrängnis brachten.

Wenn du vorne den begnadeten und optisch so einzigartigen OLB #91 Tamba Hali (11 Sacks) mit Houston (11 Sacks in 11 Spielen) mischen kannst, dann wird Luck in der Pocket schneller in Bedrängnis kommen als ihm lieb ist. Luck ist ein fantastischer Quarterback, aber auch er kriegt nasse Füße, wenn die Offense Line ein ums andere Mal zerbröselt wird. Hali soll allerdings „questionable“ sein, könnte, wenn er überhaupt spielt, nur mit halber Kraft auflaufen.

Die Chance für die Colts ist das nur durchschnittlich besetzte Defensive Backfield der Chiefs. Kansas City machte zwar bockstarke 21 Interceptions im Saisonverlauf, aber bis auf den Super-Safety #29 Berry („The Fifth Dimension“) spielt kein DB eine wirklich gute Saison: Bei dem Rookie #31 Cooper dachte man, einen ganz großen Fang gemacht zu haben, bis Cooper von Peyton Manning zweimal hintereinander in Fetzen zerrissen wurde und seither als Nervenbündel auf der Bank hockt.

Fix ist nur: Luck wird das Spiel tragen müssen. Laufspiel geht keine eine Defensive-Front mit einem NT-Monster wie #92 Dontari Poe (346 Pfund, gilt unisono als All-Pro Kandidat) und einem DE #94 Tyson Jackson (spielt sein bestes Profijahr) nicht.

Wenn die Chiefs den Ball halten

Die Chiefs-Offense ist relativ einfach erklärt: Gib RB #25 Jamaal Charles den Ball und bläue QB #11 Alex Smith so lange ein, ja keine Turnovers zu begehen, dass Smith sich nicht mehr traut, das Ei weiter als 10yds zu werfen. Eine Strategie, die funktioniert, solange die Chiefs in engen Spielen oder mit Führung spielen. Die Offense ist nicht explosiv, sie ist sogar ziemlich ineffizient (5.7 NY/A Passspiel ist unteres NFL-Drittel), aber sie vermeidet die Ballverluste: 18 Turnovers in 16 Spielen sind ein sehr guter Wert.

Charles ist der Schlüsselspieler: Das ist ein Runningback, der in seinen ersten Profijahren vorwiegend als change of pace-Back eingesetzt wurde und als solcher Berühmtheit erlangte, weil er jedes Jahr 5-6yds/Carry erzielte – Werte, die kein anderer NFL-Back über so lange Zeiträume annähernd einhalten konnte. Charles lieferte auch heuer wieder: 259 Carries, 1287yds (5.0yds/Carry) für 12 TD, und 70 Catches für 693yds und 7 TD. Das sind erstklassige Zahlen, noch dazu für einen Back, der ohne ernst zu nehmende Passspiel-Entlastung auskommen muss, und dessen Offense Line… hm… banal ist. Allerdings setzen die Chiefs fast zu oft auf Laufspiel und Charles: In EPA-Zahlen liest sich Charles’ Saison eher ineffizient.

Gegen Indianapolis könnte es jedoch eine gute Idee sein, viel Charles einzusetzen, denn die Colts-Abwehr strahlt eigentlich nur im Passrush Gefahr aus: Hier wäre OLB #98 Mathis zu nennen, der aktuelle Sack-Champion der NFL mit 19.5 Stück. Man hat Mathis wohl lange Zeit unterschätzt, aber dieses Jahr war er als Alleinunterhalter durchaus ein wichtiger Faktor für eine andernfalls recht unzuverlässige Defense.

Indys Lauf-Defense ist in Run-Success Rate (55%) und Y/A (4.5) jeweils recht weit unterdurchschnittlich. Die Offense Line der Chiefs ist keine Elite-Einheit, aber sie bekommt im Vergleich zum ersten Spiel diesmal in LT Brandon Albert eine Verstärkung zurück. Dafür fällt heute Abend RT Eric Fisher (#1-Draftpick 2013) aus.


Es ist das gefühlt engste Matchup vor diesem Wildcard-Weekend. Eine Prognose ist eigentlich qua Design zum Scheitern verurteilt. Es ist das Spiel eines QB-Jungstars Luck gegen eine potenziell hervorragende Defense, und das Spiel einer „Alte-Schule“ Offense gegen ein one trick pony an Defense. Kurz gesagt wird für die Chiefs viel davon abhängen, ob Charles in Gang kommt und Smith ohne Turnovers auskommt. Geschieht das, haben die Chiefs eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen. Gehen die Colts aber früh in Führung, könnte das Spiel ähnlich laufen wie das „Hinspiel“.

Alle Faktoren zusammengerechnet, sehe ich Indianapolis zuhause leicht im Vorteil. Es ist aber kein Tipp, auf den ich Geld setzen würde.

AFC Wild Card Preview: Kansas City Chiefs @ Indianapolis Colts

Jede Party beginnt mit einem ersten Drink und einem Smalltalk, an die sich schon zwei Stunden später niemand mehr erinnert. Das ist nicht schlimm, das gehört dazu. Bevor die richtig coolen Leute kommen und der teure Schnaps ausgepackt wird, muß man ja erstmal mit irgendetwas anfangen. Bei der diesjährigen Party „NFL Playoffs“ sind die beiden ersten Gäste die Langweiler aus Kansas City und die Streber aus Indianapolis.

Die Kansas City Chiefs (11-5) sind das am meisten überschätzte Team, während die Indianapolis Colts (11-5) die Mannschaft ist, die am deutlichsten über ihre Verhältnisse spielt. Nach korsakoffs ranking sind das die zwei schlechtesten Mannschaften in den Playoffs; und das deckt sich auch mit dem eyeball test.

Die Chiefs haben von ihren 11 Siegen nur einen gegen ein Team mit positiver Siegbilanz geholt – in Woche 3 gegen Michael Vick und seine Eagles. Sechs der Siege gab es gegen die fünf schlechtesten Mannschaften der Liga: Houston, Washington, Jacksonville, Cleveland und zweimal Oakland. Dazu gesagt werden muß aber, daß auch diese Spiele letzte Saison meistens in die Hose gegangen sind. Der neue Head Coach Andy Reid hat einen erstklassigen Job gemacht. Er hat die Prügelknaben (2 Siege, 14 Niederlagen in 2012) aufgerichtet, ein neues taktisches Korsett verpaßt, ihnen ihr Selbstvertrauen wiedergegeben und ganz plötzlich sind die Chiefs wieder so respektiert und respektabel wie zuletzt anfangs des letzten Jahrzehnts unter Dick Vermeil.

Aber langweilig sind sie. Furchtbar langweilig. Korsakoff hat ihr immer wieder darauf hingewiesen, daß diese Chiefs den 49ers der Saison 2011 sehr ähnlich sind. Aber mittlerweile würde ich das fast schon für eine Beleidigung der Niners halten. Die Chiefs haben die gleichen Charakteristika, aber die Umsetzung ist nicht so gut wie San Frans.

Chiefs Offense vs Colts Defense

Am besten klappt das noch mit der Field Position. Der Angriff um QB Alex Smith startet durchschnittlich an der eigenen 34-Yard-Linie. Das ist zwei Yards besser als der zweitplazierte – die San Francisco 49ers, natürlich. Dazu kommen völlig absurde 11 Touchdowns durch Special Teams und die Defense. Zum Vergleich: die Colts hatten derer zwei.

Auf die TDs kann man natürlich nicht regelmäßig zählen, weil da immer viel Zufall dabei ist. Aber Kansas Citys Special Teams sind erstklassig. Ohne deren Hilfe würde der Angriff auch zu fast nix kommen.

Alex Smith ist kein guter Quarterback. Nachdem bereits sein Vorgänger Matt Cassel einen 2nd-rd pick kostete und immer mal wieder Hoffnung machte, letztendlich aber doch nur die Chance nahm, einen jungen QB zu entwickeln, macht man es mit Smith genauso. 2nd-rounder abgegeben und durch die Hoffnung, daß er etwas reißt, nimmt man sich auch die Möglichkeit, einen jungen Typen hoch zu draften. Die Colts sind nun auch noch ein einigermaßen blödes matchup. Die Defense von Greg Manusky spielt sehr oft press man coverage. Mit CB Vontae Davis haben sie auch einen Idealtypus für diesen Stil. Er wird Dwayne Bowe aus dem Spiel nehmen, Kansas Citys einzigen WR für die Seitenlinie und die tiefen Bälle.

Wenn Smith paßt, dann alles kurz zu RB Jamaal Charles, Allzweckwaffe Dexter McCluster und slot guy Donnie Avery. Das wird ein Duell auf Augenhöhe, denn die Colts haben in der Mitte ganz passende Leute für dieses Kurzpaßgeschmeiße. LB Jerrell Freeman ist lange nicht über jeden Zweifel erhaben, aber er ist schnell, verdammt schnell. Eher daneben als dahinter (durch die fehlenden tiefen Waffen) werden die Safeties Antoine Bethea und LaRon Landry spielen. Bethea ist einer der zuverlässigsten space eater, derweil Landry einen fast einzigartigen Körper hat: gebaut wie ein LB, schnell wie ein RB. Nur macht er gerne mal einen Schritt in die falsche Richtung oder versucht spektakulär zu sein, anstatt den sicheren Lehrbuch-Tackle zu machen.

Mit diesem Trio in der Mitte muß auch kein Indy-Fan Angst haben, von KCs Laufspiel zerstört zu werden. Im Gegensatz zu Greg Romans Laufspiel in San Francisco, das eines der kreativsten und vielfältigsten und überhaupt schönsten ist, die man sich vorstellen kann, bekommt bei den Chiefs einfach Charles den Ball und alle gucken, was dann passiert. Das funktioniert auch regelmäßig, aber die ganz großen Sprünge macht man damit nicht. Fun Fact: sowohl die Jets, als auch die Patriots und Packers hatten in der Regular Season mehr Laufyards als die Chiefs.

Das entscheidende matchup ist hier ganz klar: Jamaal Charls in space gegen die edge players der Colts. Können Robert Mathis, Björn Werner und Erik Walden Charles bei Laufspielzügen diszipliniert die Außenseite zumachen? Und vor allem: können sie Charles auf Paßrouten decken und ihn zu Fall bringen, wenn er ihnen im 1-gegen-1 gegenübersteht? Daß es zu diesen Aufeinandertreffen kommt, dafür wird Andy Reid garantiert sorgen. Wenn Reid etwas kann, dann seine Westbrooks und McCoys und Charlesens per design in 1-vs-1-Situationen gegen überforderte Linebackers zu bekommen.

Colts Offense v Chiefs Defense

Auf der anderen Seite sieht es ähnlich aus. Nur daß die Colts einen richtigen Quarterback haben. Und was für einen! Die Colts verlangen von Andrew Luck unglaublich viel, vor allem, daß er immer wieder hinter einer schrecklichen Offensive Line lange 3rd Downs verwandelt.

Der Angriff unter dem neuen Offensive Coordinator Pep Hamilton (war bei Stanford auch Lucks OC) ist old school. Laufen, laufen und dann „Hau uns raus, Quarterback!“. Und auch hier ist es kein kreatives Laufspiel, sondern einfach Power, ab-durch-die-Mitte, three two yards and a cloud of dust. Allein die Offensive Line ist dafür nicht gebaut. Mann kann den RBs Donald Brown und Trent Richardson kaum einen Vorwurf machen, daß da nicht viel bei rumkommt.

So muß Andrew Luck immer wieder lange 3rd Downs verwandeln. Das kann er auch immer wieder, weil er eine unglaubliche pocket awareness und eine Cam-Newton-hafte Athletik besitzt. Er hat ein untrügliches Gespür dafür, wann von hinten links der pass rusher nur einen Schritt entfernt ist, er weiß instinktiv, wo der kleine Quadratztentimeter ist, wo er noch einen Schritt hin setzen kann. Und in der Not kann er auch immer einen 300-Pfund-Typen von seiner Schulter schütteln und auch mal für ein First Down laufen. Da er sich immer wieder Zeit „kaufen“ kann, haben auch seine mittelmäßigen WRs Zeit, sich freizulaufen.

Aber dieses Spiel, Lauf-Lauf-Paß, ist denkbar schlecht geeignet gegen diese Chiefs. Mit ihren dicken Jungs Dontari Poe, Mike DeVito und Tyson Jackson plus einer erstklassigen Absicherung in LB Derrick Johnson würde es zwangsläufig zu den langen dritten Versuchen kommen. Und dann können KCs bombige pass rusher Tamba Hali und Justin Houston (falls er denn wieder spielen kann) auf Teufel komm raus Luck attackieren. Hamilton muß hier etwas ausprobieren. Viel play action und shot plays mit sieben- oder acht-mann-protection bei ersten und zweiten Versuchen vielleicht. Darius Heyward-Bay, T.Y. Hilton und LaVon Brazil müssen dann die CBs schlagen und die Bälle auch fangen. Oder etwas ganz anderes. In den Playoffs werden die Stars geboren – nicht nur die Spieler, sondern auch die Coaches.

Also Charles gegen die OLBs und die Special Teams auf Seiten der Chiefs gegen den gameplan von Hamilton und die play making abilities von Luck auf der anderen Seite. Das heißt, es ist im Grunde so wie immer: Special Teams, Big Plays und Turnovers werden das Spiel entscheiden.

Es ist nur der erste Drink auf der Party, aber hey: die Party beginnt!

NFL Notizblock, Week 5: Seattle Seahawks (4-0) @ Indianapolis Colts (3-1)

In diesem ominösen „Früher“, so geht die Legende, baute man sich eine erfolgreiche Mannschaft von innen nach außen. Das heißt, man draftete sich möglichst gute Linienspieler und hoffte dann, daß skill players hinter/vor diesem Schutzwall gar nicht mehr schlecht aussehen konnte. Mit dem neuen CBA gibt es einen viel besseren Weg. Man draftet einfach einen Top-Quarterback, bezahlt ihm ungefähr so viel wie dem back-up Running Back und kauft sich für die gesparten $20 Millionen  jede Menge erfahrener Veteranen. Zwei dieser Exemplare, nämlich die ungeschlagenen Seattle Seahawks (4-0) und die Indianapolis Colts (3-1), trafen am Sonntag im RCA Dome Lucas Oil Stadium aufeinander. Indys QB Andrew Luck, der in der öffentlichen Wahrnehmung immer ein wenig hinter dem gut bebeinten Trio Russel Wilson, Colin Kaepernick und RG Three Minus zurücksteht, hatte jetzt mal die Chance, ein Ausrufezeichen zu setzen.

Und wie er das machte! Das war eine der besten Quarterback-Leistungen, die ich je gesehen habe. Es hatte schon etwas Unheimliches, wie souverän, ruhig und in den richtigen Momenten aggressiv Andrew Luck war – und das gegen eine der besten Verteidigungsreihen der letzten Jahre. Luck war Seattles-D überlegen. Und es war nicht so, daß er irgendwelche Unterstützung von seiner Offensive Line, seinem Laufspiel oder gar seiner Verteidigung bekommen hätte.

Stats / Gamebook

Gamebook Seahawks@Colts

Die Defense hat sich zum Fußabtreter von Seattles neu zusammengewürfelter O-Line degradieren lassen (Mit RG Sweezy hat nur einer der nominellen starters gespielt): mehr als 200 rushing yards am Ende. Zu Beginn stampfen die Hawks breitbeinig durch die Colts-D für zehn Punke. Einen Safety nach geblocktem Punt später steht es nach nur zehn Minuten schon 12-0; es ist mucksmäuschenstill.

Danach begann die Luck-Show. Starker Paß zu Hilton, der sich mit bis in die Endzone kämpft. Der anschließende Hawks-Drive endet mit einem geblockten Field-Goal-Versuch, den Safety Howell zum 14-12 trägt. Den nächsten Drive über mehr als 90 Yards schließt Jermaine Kearse mit dem obligatorischen Zirkuscatch ab, den er in jedem Spiel hat und bei dem sofort fünfmal auf den „10-sec-back“-button drückt.

Aber zurück zu Luck. Das ging schon los mit seinem snap count. Mehrmals provoziert er offside penalties und nicht nur das: sieht er das offside, nimmt er sofort und snap und feuert die Dinger tief in dem Wissen, ein free play zu haben, also volles Risiko gehen zu können. Dann under pressure: er kann nicht einfach nur dem Druck entkommen, er kann es auf drei verschiedene Arten. 1) pocket movement: wie Tom Brady macht er bei zusammenbrechender pocket nur zwei, drei kleine Schritte und steht prompt auf dem Quadratmilimeter Fleckchen, wo ihn kein Verteidiger beim Passen stört. 2) mit seinem Cam-Newton-Körper schüttelt er an ihm hängende pass rushers einfach weg wie Schmeißfliegen. 3) Wenn es mal nicht in der pocket und auch nicht mit Power geht, bricht er einfach aus und sucht sich einen Platz außerhalb der pocket zum Werfen oder läuft gleich selbst für das First Down. Währenddessen sieht er wie selbstverständlich auch immer, was seine Receivers machen und ob da nicht einer frei ist. Wenn er dann paßt, sitzen die Dinger beinahe immer, auch die tiefen Bälle. Das alles unter den erschwerten Bedingungen des Rückstandes und des schlechten Laufspiesl. Viel besser kann man nicht Quarterback spielen als Luck am Sonntag.

Taktisch hat Indys Offense aber auch ziemlich gut die Schwachstellen Seattles attackiert. Reggie Wayne hat einfach nicht an der rechten Seitenlinie gespielt, wo CB Richard Sherman immer rumhängt, so konnte er im slot recht locker mit Walter Thurmond spielen. Daß die Colts schon von Haus aus sehr viel mit stack– und trips– Formationen spielen, kam ihnen gegen die man coverage von Seattle sehr entgegen, Wenn die WRs sehr eng zusammenstehen, führt das nach dem snap oft zu Verwirrung und natürliche picks entstehen. Und wenn das alles mal nicht funktionierte, hat Luck einfach so lange Zeit erkämpft, bis irgendwer frei war. Hilton zum Beispiel.

T.Y. Hilton macht mittlerweile ganz klar Anstalten, später mal den Posten NR.1 WR zu übernehmen und da kann man sich jetzt schon darauf freuen, der Kleine macht Spaß und hat richtig was auf´m Kasten. Aber irgendwer sollte dringend mal erklären, welche Berechtigung Darius Heyward-Bey hat. Und irgendwie scheint Coby Fleener in seiner Entwicklung keine großen Fortschritte zu machen.

Seattles Angriff hat das ganz solide gespielt. Bei elf Drives waren es nur zwei Punts. Nur haben sie zuviele Chance liegen lassen. Da war das geblockte Field; Fumble und Interception von Wilson und im dritten Viertel waren sie dreimal tief in Indys Hälfte und mußten sich jedes Mal mit einem Field Goal zufrieden geben.

Während Seattle immer noch zum engsten Favoritenkreis der NFC gehört, schicken sich die Colts mit diesem Andrew Luck an, in den Favoritenkreis der AFC vorzustoßen. Laufspiel schlecht, Defense doof, Team trotzdem erfolgreich? Kennt man ja in Indy…

NFL 2013-14, Gameday #3 am Sonntag

Bitte nicht erschrecken. Ich muss diesen Sonntag für den urlaubenden korsakoff einspringen, der mir noch das Sendeprogramm der deutschsprachigen TV-Sender mit auf den Weg gegeben hat:

19h    Baltimore - Houston
19h    Washington - Detroit (*)
22h05  Miami - Atlanta (*)
22h25  San Francisco - Indianapolis
02h25  Pittsburgh - Chicago

Die mit (*) markierten Spiele laufen bei SPORT1 US auf SKY via Multifeed.

PULS4 in Österreich bringt ab 22h30 San FranciscoIndianapolis mit dem neu akquirierten Runningback der Colts, Trent Richardson.

Im NFL Gamepass gibt es heute ein Gratis-Spiel New Orleans SaintsArizona Cardinals. Man muss sich aber anmelden, und dann rechtzeitig wieder kündigen.


Zuerst zu den Spielen, die MESZ ab 19:00 Uhr ausgetragen werden. Ich hoffe, meine „Expertise“ reicht für das lesende Publikum aus.

Cincinnati Bengals – Green Bay Packers

Bei diesem Spiel muss ich immer an meinen Host Daddy aus der Schulzeit als Austauschschülerin in Pennsylvania denken: Glühender Bengals-Fan, der nach vielen Jahren Seuche zum ersten Mal so etwas wie Hoffnung spürte. Cincinnati qualifizierte sich in jenem Herbst zum ersten Mal seit 15 oder so Jahren für die Playoffs, und es waren selige Weihnachten, aber dann riss sich der Franchise-Quarterback alle Bänder und die Seuche ging weiter. Bis jetzt. 2013 treten die Bengals nach langen Jahren wieder mit echten großen Hoffnungen an. Überwiegende Meinung: Es fehlt ihnen nur noch eins, und das ist ironischerweise ein richtiger „Franchise-Quarterback“. QB Andy Dalton ist zwar ein Guter, aber nicht einer der besten. Das sah beim Monday Night Game gegen Pittsburgh in Week 2 dann so aus: Jeder längere Wurf segelte viele Meter am Ziel vorbei, oder drüber.

Tipp: Wenn wir schon über Franchise Quarterbacks sprechen, dann hat Green Bay nicht nur einen den besseren, sondern den Besten. Green Bay gewinnt.

Tennessee Titans – San Diego Chargers

Gäbe es Punkte für Attraktivität, dann hätten diese beiden Teams im Sommer nicht bloß keine bekommen, sondern Punktabzüge. Und dann starten beide mit 1-1 in die Saison und lehren dabei die Großen das Fürchten: Tennessee mit Auswärtssieg in Pittsburgh und nur knapper Auswärtsniederlage in Houston, San Diego verlor auch haarscharf gegen Houston und gewann auswärts in Philadelphia. Die besseren Impressionen hinterließ San Diego, die schon wieder von den Playoffs träumen.

Tipp: San Diego Chargers.

Washington Redskins – Detroit Lions

RGIII ist noch längst nicht wieder der Alte und humpelt zähnefletschend über das Feld, aber der einzige Weg, einen gesunden RGIII zu einem fitten RGIII zu einem _spielfitten_ RGIII hochzuziehen, ist es, RGIII spielen zu lassen. Deswegen werden sich die Schreie nach seinem Ersatzmann schnell einstellen. Der einzige Grund, ihn gegen Detroit keine Spielpraxis sammeln zu lassen, ist der gemeingefährliche Ndamukong Suh von den Lions, vor dem selbst die eigenen Mitspieler im Training Angst haben, weil er seine Energie nicht im Zaume halten kann.

Tipp: Detroit.

New England Patriots – Tampa Bay Buccaneers

Es war die erste Saison, in der ich rechte Hoffnungen hatte, dass es mit Evil B.B. und dem Modelficker (*) abwärts geht, und nix: Zwei Spiele, zwei Siege. Ja, es war zweimal knapp und gegen zwei der schlechtesten Teams (sagen zumindest alle über Buffalo und Jersey-B), aber das gehört alles zu B.B.s Plan. B.B. hat den ganzen Sommer damit verbracht, den Schedule zu studieren und kam zum Schluss, dass die ersten Games der Pats so einfach seien, dass sie selbst mit der B-Reserve zu gewinnen sind. Besser erstmal auf die richtigen Gegner einspielen und die schmutzigen Wins mitnehmen. Klappte ja hervorragend, auch wenn der Modelficker das in seinen Wutausbrüchen wohl nicht so sah, Aaron Dropson und Kenbrell Dropkins sei Dank.

Heute folgt Stufe zwei des B.B. Plans, und sehr zur Freude geht es gegen den besten Kumpel, Greg Schiano, den einzigen NFL Coach, der noch unsympathischer ist ohne B.B.s Kultigkeit zu besitzen. Die halbe Mannschaft des B.B. besteht aus Jungens, die Schiano am College in Rutgers unter seinen Fittichen hatte. Das ist kein Zufall. B.B. weiß, dass alle Menschen, die schonmal unter Schiano arbeiten mussten, dankbar sind, unter B.B. arbeiten zu dürfen. Um das zu verdeutlichen, hält B.B. gemeinsame Trainings mit Schiano ab.

Schiano steht nach dem missglückten Auftakt der Bucs (0-2) schon mit dem Rücken zur Wand. Dass Schiano ein menschliches A****loch ist, verheimlicht niemand. Wichtige Spieler wie Darrelle Revis kritisieren Schiano öffentlich oder denken an einen schnellen Abgang wie Josh Freeman. Dieser ist der Quarterback, und der spürt von Schiano so viel Rückhalt, dass er bei der Heimniederlage gegen New Orleans nicht einmal 3 Yards in der letzten Minute ausspielen durfte.

Tipp: New England.

[Update] (*) Um der Entrüstung Einhalt zu gewähren, ein Verweis auf die eine oder andere Stelle aus den Tiefen der Vergangenheit dieses Blogs. – korsakoff[/Update]

Die anderen Spiele

St. Louis Rams – Dallas Cowboys. Wenn es nicht so egal wäre: Cowboys gewinnen das.

Minnesota Vikings – Cleveland Browns. Das Duell der großen Running Backs ist nach dem Abgang von Trent Richardson in Cleveland zu einem Rohrkrepierer geworden. So wird es zum Duell der QB Chris Ponder gegen Brian Hoyer. Chris Ponder wuppt das. Tipp: Vikings.

New Orleans – Arizona Cardinals. Tipp ist nicht schwierig: New Orleans.

Carolina Panthers – New York Giants. Spielen hier die beiden unsympathischsten Quarterbacks gegeneinander? Nein, New England ist nicht mit von der Partie. Tipp: New York Giants.

Baltimore Ravens – Houston Texans. Hier sind die Namen größer als die Leistung. Baltimore ist weniger Not als Houston Elend. Deswegen: Ravens gewinnen und schicken Ed Reed nachher einen Blumenstraß mit nach Houston.


Weiter mit den Spielen, die zwischen 22:05 Uhr und 22:25 Uhr MESZ angestoßen werden.

New York Jets – Buffalo Bills

Zweimal schwarze Rookie-Quarterbacks. E.J. Manuel für die Bills war der erste 2013 genommene Quarterback im Draft, Geno Smith für die Jets der zweite. Beide Teams stehen bei 1-1. Beide gewannen ein Heimspiel gegen einen vermeintlich überlegenen Gegner mit einem Punkt. Beide profitierten dabei von haarsträubenden Fehlern beim Gegner, Strafen und schlechte Coach-Entscheidungen. Beide spielten schon gegen die Patriots, und beide verloren trotz guter Leistung knapp. Die Bills verloren mit 2 Punkten, die Jets mit 3, aber die Jets spielten auswärts gegen die Pats. Nach dieser Logik müsste es ein ausgeglichenes Spiel werden.

Tipp: Jets haben Heimvorteil, Jets gewinnen.

San Francisco 49ers – Indianapolis Colts

Es gibt bei diesem Spiel nur eine Storyline, und die ist das Wiedersehen von Colts-QB Andrew Luck mit seinem ehemaligen Head Coach am College, nun Head Coach in San Francisco: Jim Harbaugh. Für das breitere Verständnis ist hier ein wenig Kontext angebracht. Die beiden arbeiteten an der Stanford University zusammen. Diese Uni war für alles bekannt, nur nicht für hohe Ambitionen im Football. Bis Jim Harbaugh kam, der früher mal NFL-Quarterback gewesen war bei den *pling* Indianapolis Colts. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte Harbaugh Stanford von einem der schlechtesten Teams zu einem der besten.

Mit half die von ihm gepredigte Disziplin. Aber ebenso half Andrew Luck, der Quarterback, den Harbaugh rekrutiert hatte. Ich war damals Auslandsstudentin in den Vereinigten Staaten und nur nur periphär am Football interessiert, aber ich erinnere mich an ein Spiel zurück, das an der Westküste stattfand, aber auch bei „uns“ im Südosten Wellen schlug: Stanford mit Harbaugh und Luck schlug auswärts als Wett-Underdog von 41 Punkten die landesweite #1 Southern Cal! Die Geburtsstunde der Legende von Stanford, Harbaugh und Luck. Gemeinsam gewannen sie nie den National Title, aber sie spielten wenigstens zu Harbaughs Abschied in der Orange Bowl und gewannen deutlich. Jim Harbaugh ging 2011 in die National Football League und machte in San Francisco aus einem der schlechtesten Teams eines der besten. Luck folgte 2012 und half in Indy mit, das schlechteste Team zu einem Playoff-Team zu machen.

Über die Connection Harbaugh-Colts, Colts-Luck, Luck-Harbaugh tummeln sich viele weitere Gestalten aus dem damaligen Umfeld von Stanford in den beiden Mannschaften. Harbaugh hat beispielweise seinen Offensive Coach Greg Roman mit in die N.F.L. genommen. In Indy spielt mit TE Coby Fleener ein ehemaliger Stanford Cardinal, und Offensive-Coordinator Pep Hamilton war auch Lucks Positionscoach an der Uni.

Tipp: San Francisco gewinnt klar und deutlich.

Seattle Seahawks – Jacksonville Jaguars

Wiedersehen war das Thema, Wiedersehen ist das Thema: Bei diesem Spiel geht es um Gus Bradley, formerly Defensive Coordinator bei Seattle, und jetzt Head Coach bei Jacksonville. Für ihn ist es die Rückkehr in sein altes Stadion, wo er den Grundstein legte für die Defense der ‘Hawks, die jetzt die beste der N.F.L. ist. Überhaupt ist Seattle eines der besten Teams und ein Super Bowl Favorit. Da muss es für Bradley ein Kulturschock gewesen sein, denn Seattle und Jacksonville sind nicht bloß geographisch tausende Meilen entfernt – vom äußersten Nordwesten in den (fast) äußersten Südosten – sondern auch footballerisch. Die Jags sind das schlechteste Team der Liga! So schlecht, dass sich letztens sogar der lokale Broadcast-Ableger von CBS in Florida entschuldigte, das Jaguars-Spiel vertraglich übertragen zu müssen.

Jacksonville hat bisher gegen zwei der drei schlechtesten Teams von 2012 gespielt. Das dritte im Bunde waren sie übrigends selbst. Dabei haben die Jags insgesamt ganze elf Punkte erzielt. Zum Vergleich: Seattle hat gegen zwei der besseren Teams gespielt, und insgesamt ganze zehn Punkte ZUGELASSEN!

Die einzige Gefahr vor einem solchen Spiel ist der „Hangover“, das Unterschätzen des Gegners. Genau über diese Gefahr und wie er damit umgeht, hat der Cornerback Richard Sherman bei Sports Illustrated geschrieben. Sherman mag ein Lautsprecher sein, aber er hatte mal ein Scholarship bei Stanford. Richard Sherman ist nicht dumm.

Tipp: Die Jaguars sind mein Lieblingsteam in der NFL, aber nichts liegt heute ferner als ein weiteres Debakel. Das ist vielleicht auch gut so, denn es vergrößert die Chancen auf hohe Draftpicks 2014. Seattle gewinnt mit wenigstens vier Touchdowns Differenz.

Miami Dolphins – Atlanta Falcons. Atlantas Schönwetterspieler kriegen schönes Wetter in Miami. Tipp: Falcons.


Und schließlich das Sunday Night Game um 2:20 Uhr MESZ.

Pittsburgh Steelers – Chicago Bears

Das Sunday Night Game lebt mehr von den großen Namen als von der Qualität der beiden Mannschaften. Mal ehrlich: Die Steelers sind 0-2, und sie sind verdient 0-2. Die Bears sind 2-0, aber es waren die sprichwörtlichen engen Spiele, die ihnen dazu verhalfen: Touchdowns in den letzten Sekunden und Fehler beim Gegner ohne Ende. Der gemeinsame Nenner zwischen den beiden ist Cincinnati: Beide haben schon gegen die Bengals gespielt. Chicago gewann daheim glücklich mit +3, Pittsburgh verlor auswärts verdient mit -10. Wenn wir die Heimvorteile in allen drei Spielen berücksichtigen, ist Chicago trotz Auswärtsspiel mit 4 Punkten favorisiert, und in etwa so ist die gefühlte Ausgangslage auch vor diesem Spiel. Jay Cutler wird es richten.

NFL-Recap, Week 1: Indianapolis Colts – Oakland Raiders

Das Spiel wäre um ein Haar in einer Riesensensation geendet, aber am Ende konnten sich die Indianapolis Colts gerade so retten und würgten ein 21-17 gegen die Oakland Raiders heraus. Das Spiel war relativ spektakulär, und ich bin mir nicht ganz sicher, welche Folgerungen ich daraus ziehen soll. Weiterlesen

Indianapolis Colts in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        11-5    WC
Enge Spiele    9-1 
Pythagorean    7.2   (20)
Power Ranking   .422 (26)
Pass-Offense   6.2   (16)
Pass-Defense   6.7   (21)
Turnover       -12

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Indianapolis Colts 2012/13 haben zwei rote Fäden. Der erste ist der sentimentale: Die Colts, schlechtestes Team der Vorsaison, marschieren mit einem Rookie-QB, extrem jungen Kern in Offense und Defense und Interimscoach in die Playoffs. Die komplette Saison über weht der Geist des krebskranken „richtigen“ Head Coaches über dem Team, das – kahl rasiert – Woche für Woche in der Crunch Time die ganz dicken Hosen anzieht und Comeback-Sieg auf Comeback-Sieg einfährt. Der sensationelle Lauf wird erst vom späteren Superbowl-Champ gestoppt.

Das ist das, was wir mit unseren Augen gesehen haben. Wer Sideline Reporter regelmäßig verfolgt, weiß aber, dass man sich nicht blenden lassen sollte. Und da kommen wir zum zweiten Faden: Die Colts 2012/13 waren kein besonders gutes Team. Die 11-5 Bilanz täuscht, so respektabel sie ist, über den Leistungsstand der Mannschaft massiv hinweg. Sie ist geschönt durch eine historisch gesehen praktisch nicht wiederholbare 9-1 Bilanz in Spielen mit maximal einem Score Differenz. Sie ist geschönt durch den mit abstand einfachsten Schedule der Liga. Sie übertüncht, dass Indianapolis eine der schwächsten Defenses ligaweit hatte, egal ob gegen Lauf oder Pass. Sie übertüncht das quasi nonexistente Laufspiel der eigenen Offense.

Indianapolis ist mit diesem Leistungsprofil ein Kandidat für einen Einbruch in der kommenden Saison (Stichwort „Regression zur Mitte“). Und es ist nicht schlimm. Denn wie ich schon in der Sezierstunde vom letzten Jahr schrieb: Brutal junge Teams im kompletten Neuaufbau durchleben fast zwangsläufig Wellentäler. Es ist nicht immer schön und manchmal bitter (für die Colts 2013/14: Upcoming). Man warte aber, bis der Kern erstmal steht. Dann kann es schnell rund gehen.

Die Offense

QB Andrew Luck spielte vielleicht das unspektakulärste Rookiejahr der „Big 3“ (RG3, Wilson, Luck), aber gemessen an allen historischen Standards wurde Luck dem Hype sicher gerecht, zumal mit einem Supporting-Cast von hauptsächlich Oldie-WR Reggie Wayne und ansonsten fast nur Rookies. Luck bekam vom mittlerweile abgewanderten OffCoord Arians eine vertikale Offense geschnitzt, in der es in erster Linie downfield ging und erst danach wurde der kurze Checkdown gesucht. Luck spielte nicht immer konstant, bewies aber wiederholt Eier und führte seine Offense notfalls per Scramble ins Getümmel hinein zum nächsten 1st down. Der Mann gilt als spielintelligent genug, um alsbald den nächsten Schritt zu machen.

Bei den Receivers hatte Wayne besagt starkes Jahr, aber der Mann geht auf die Mitte 30 zu und nach allem, was wir über WR-Karrieren wissen, geht es dort meistens innerhalb kürzester Zeit rapide bergab. Hoffnung machen die vielen jungen Wilden: TE Allen von Clemson spielte ein starkes Jahr und TE Fleener, schon am College Lucks Teamkollege, zeigte auch brauchbare Ansätze. Dazu die flinken Rookies Brazill und Hilton, die beide verhältnismäßig oft tief angespielt werden – es sind durchaus Waffen, mit denen man arbeiten kann, selbst nach Donnie Averys Abgang. Die Frage ist höchstens, ob es nicht noch den einen oder anderen Star-Athleten braucht, sollte Wayne bereits heuer einknicken.

Bei den Running Backs wenig Neues: Brown wird kein Arbeitstier mehr, Rookie Ballard ist trotz spektakulärer Touchdownflüge insgesamt ein zu ungeduldiger Back, Carter gilt maximal als brauchbarer short yardage-Back.

Wo es noch grob hakt: Offensive Line. Mit RT Cherilus aus Detroit und G Thomas aus New England wurde immerhin grundsolides NFL-Mittelmaß eingekauft, und auf der linken Seite erhofft man sich von LT Castonzo noch einen Leistungssprung, aber alle anderen Versuche der letzten Jahre, die Offense Line zu verstärkten, scheiterten. Es mag eine nun ungewünschte Nebenwirkung sein, dass es in der Zeit unter Peyton Manning keine wirklich gute Protection gebraucht hatte und man diese Positionen getrost vernachlässigen konnte. Nachbesserung: Wichtig, aber nicht dringendste Baustelle.

Ein unterschätzter Move: Backup-QB Hasselbeck wurde aus Tennessee geholt. Nicht nur, dass damit guter Ersatz für einen eventuellen Ausfall Lucks wäre, nein, man hat einem Divisionskonkurrenten möglicherweise dessen beste QB-Option abgeluchst.

Die Defense

Diese ist die komplette Defense, die in allen erdenklichen Effizienz-Kategorien unter den schwächsten der Liga aufscheint – und da ist Anpassung an der leichten Schedule noch nicht gemacht. Die Moves der Colts konzentrierten sich dann auch fürs erste vor allem auf die Abwehr, wo gleich mehrere bekannte Namen gekauft wurden – und vielleicht etwas teuer gekauft wurden (mehr als 20 Mio. für Jean-Francois? My ass), aber wenn die so jung und so billig bist wie Indy, kannste dir strategisches Überbezahlen auch mal leisten.

Für die Defense Line wurden NT Aubrayo Franklin und eben DE Ricky Jean Francois geholt, womit wenigstens etwas Tiefe im Kader ist. Auf Linebacker konzentriert sich die Suche immer noch nach einem OLB/Passrusher, da man nach Freeneys Abgang nur noch die Herrschaften Robert Mathis und Jerry Hughes besitzt. Mathis ist in Sachen Passrush große Klasse, aber Hughes hat aus irgend einem Grund den Durchbruch in der NFL nicht geschafft, was mich baff hinterlässt: Hughes war vor wenigen Jahren ein absoluter Gigant in einer der sensationellsten Defenses im College Football bei TCU. Da die Colts insbesondere auch gegen das Laufspiel arge Schwierigkeiten hatten, dürfte sich die Suche nach einem vielseitig einsetzbaren Spieler nicht einfach gestalten.

In der Secondary ist mit dem agilen S LaRon Landry ein sehr bekannter Neuzugang zu vermelden. Dazu CB Greg Toler für einen ziemlich massiven Vertrag. Ich hatte in meinem Leben vorher noch nie von Greg Toler gehört. Immerhin: Mit CB Davis, Landry und vermutlich Toler gibt es auch gutes Spielermaterial in der Secondary. Nicht superb, aber es dürfte helfen.

Ausblick

Ich erwarte noch einen defensivlastigen Draft der Colts. Gesucht wird noch ein starker Passrusher (+okayer Mann gegen den Lauf), ein solider Defensive End, ein Running Back und möglicherweise nach all dem Wirbel, den Owner Irsay auf Twitter veranstaltete, auch noch ein Wide Receiver. Am Kader wird noch ein Weilchen zu basteln sein.

2013/14 sehe ich als schwieriges Jahr für die Colts an. Die letzte Saison weckte Erwartungen, die nicht erfüllt werden können. QB Luck muss schon ein sensationelles zweites Jahr spielen, um annähernd in eine Region mit elf Saisonsiegen zu kommen. Ich sehe eher ein 6-10 oder 7-9 oder so kommen.

NFL Notizblock Woche 15 – Colts@Texans

Die Spielplanmacher der NFL haben die beiden matchups zwischen den Indianapolis Colts und den Houston Texans dieses Jahr in die letzten drei Wochen der Saison gelegt. Damit konnten die Überraschungs-Colts (9-4), die bisher in mehr als einem Sinne vom Luck profitierten, mit einem Sieg gegen die Texans (11-2), die Montag nacht von den Patriots grün und blaub geprügelt wurden, weiter im Rennen um die Krone der AFC South bleiben. Was daraus wurde:  Weiterlesen

Überbewertet/Unterbewertet: RGIII, Laufspiel, Clutch

Dies ist ein langer Eintrag. Es geht um Robert Griffin III; Quarterbacks on 3rd Downs; warum Andrew Luck besser ist als RGIII; die angebliche passing league, den Shanaclan und Komplexität; und clutch. Wer dafür bereit ist: lesen nach dem Klick. Weiterlesen