Cincinnati Bengals in der Sezierstunde

Zäsur in Cincinnati: Nach 16 Jahren Marvin Lewis, der trotz sieben Playoff-Qualifikationen nie einen Sieg in der Postseason schaffte, übernimmt nun eine neue sportliche Leitung unter der Führung des völlig unbekannten Head Coach Zac Taylor. Weiterlesen

Vorschau Wild Card Playoffs 2015/16: Pittsburgh Steelers @ Cincinnati Bengals

Runde Zwei am heutigen AFC Wild Card Saturday: Pittsburgh Steelers (10-6, #6 Seed) @ Cincinnati Bengals (12-4, AFC North Champion, #3 Seed), Kickoff: 02.15Uhr. Via NFL Gamepass überträgt CBS mit Jim Nantz und Phil Simms; also sollte man unbedingt eine der deutschsprachigen Übertragungen wählen: PULS4 in Österreich oder Sat.1/ran.de mit Frank Buschman und Patrick Esume. Weiterlesen

Cincinnati Bengals in der Sezierstunde

Das einstige hässliche Entlein der Liga, die Cincinnati Bengals, hat sich in den letzten Jahren zu einer der bestgeführten Franchises entwickelt – ein Wahnsinn, wenn man sich zurückerinnert an die Zeiten, in denen fünf Saisonsiege gefeiert wurden wie die Weltmeisterschaft. Zu verdanken ist das in erster Linie der ruhigen Hand von Head Coach / GM Marvin Lewis, aber – Cincinnatis Ureinwohner geben das ungern zu – wohl auch dem Franchise-Owner Mike Brown, der es in der letzten schweren Krise vor drei Jahren vermied, Lewis zu feuern, und ihm sogar zusätzliche Komptenzen zuschusterte. Das Resultat kann sich sehen lassen: Drei Playoff-Qualifikationen en suite für die Bengals und ein Kader, der minimum 25 Kontrahenten vor Neid erblassen lässt – allein, der letzte Durchbruch wurde noch nicht geschafft: Lewis hat noch immer keinen Playoffsieg vorzuweisen.

In dieser Offseason musste Lewis dann auch erstmals seit Jahren seinen Trainerstab größer umbauen: OffCoord Jay Gruden wurde Headcoach in Washington, DefCoord Mike Zimmer in Minnesota. Beide gelten als ersetzbar, aber ein Coordinatorwechsel in beiden großen Units ist nie zu unterschätzen. Vermutlich wird Marv, der Defensiv-Guru, wieder mehr Hand in der Tagesarbeit anlegen müssen. In der Offense kann man nur hoffen, dass der neue OffCoord Hue Jackson besser ist als sein Ruf: Jacksons bisherige Positionen mit viel Verantwortung (OffCoord Atlanta, Headcoach Oakland) gingen beide eher in die Hosen, auch weil beide Male unter zugegeben fast unmöglichen Umständen.

Überblick 2013

Record        11-5    WC
Enge Spiele    5-3
Pythagorean   11.2     5
Power Ranking  0.711   4
Pass-Offense   6.7     9
Pass-Defense   5.1     2
Turnovers       +1

Management

Salary Cap 2014.

Dass der Bengals-Kader eine Wucht ist, muss nicht mehr öfters betont werden. Er wird auch gleich anschließend noch in aller Länge und Breite diskutiert, aber widmen wir uns gleich dem wichtigsten Thema bei den Bengals in dieser Offseason: Quarterback. Der Rotschopf Andy Dalton, Zweitrundenpick von 2011, hat mittlerweile drei Jahre Erfahrung als Stamm-QB auf dem Buckel – drei Jahre, die nicht jeden – besser: Nur wenige – überzeugt hinterließen.

Dalton hat immer wieder gute Momente. Er sieht bei gegebenen Rahmenbedingungen sogar wie ein richtig Guter aus, aber dann lässt er wieder Spiele zum Haareraufen folgen. Dalton ist kein mittelmäßiger boom or bust-QB. Dalton ist eher der Typ Quarterback, der wegen seines limitierten Wurfarms zwar sehr effizient sein kann, wenn der Gegner den GamePlan nicht überreißt, aber der keine Antworten mehr weiß, wenn der Gegner ihm seine paar Routen wegnimmt, die er werfen kann. So geschehen zuletzt in der seelenlosen Playoffpleite gegen San Diego, als Dalton sogar gegen die mittelmäßige Chargers-Defense kein Bein in den Boden bekam.

Es ist das stuck in the middle-Phänomen, das BWL-Studenten aus dem Erstsemesterkurs kennen, und das auch für die NFL in ihrer heutigen Struktur gilt: Wenn der Quarterback gut, aber nicht hervorragend ist, riskierst du, immer und immer wieder auf dreiviertel Weg stecken zu bleiben. Zu gut, um per Absturz den Umbau zu probieren, zu schlecht, um ohne viel Glück die Lombardi Trophy zu holen.

Aus meiner Sicht ist es unerlässlich, dass Cincinnati einen Quarterback draften muss. Mike Tanier von Sports on Earth hat in einem sehr stimmigen Eintrag den Standpunkt vertreten, wieso Zach Mettenberger die Wahl der Bengals sein muss: Mettenberger gilt mit seiner Rakete von Wurfarm als großes Talent, kommt aber von einer schweren Verletzung und ist möglicherweise für 2014 keine gute Option für Teams mit dringendem QB-Need.

Mettenberger würde es Cincinnati erlauben, Dalton noch ein Jahr Zeit zu geben ohne den Druck, ihn nach dem nächsten schwachen Spiel ersetzen zu müssen, wie es bei einem großen Namen wie Bridgewater der Fall wäre. Mettenberger böte aber gleichzeitig die Option an, ihn ein Jahr Lernen zu lassen und im Falle eine Scheiterns Daltons nächstes Jahr nicht auf einen komplett grünen Rookie angewiesen zu sein.

Soweit alles stimmig. Cincinnati hat keine dringenden Löcher im Kader, die man mit dem Erstrundenpick angehen muss. Es ist bloß der Fakt, dass das Management, sprich Lewis, schon verlauten ließen, mit Dalton möglicherweise schon im Sommer den Vertrag zu verlängern um ihm das volle Vertrauen zu schenken.

Das kann gut gehen – auch ein Flacco explodierte zum rechten Zeitpunkt, auch wenn er ein anderer Spielertyp ist. Aber Punkt ist: Auf eine Explosion bei Dalton zu hoffen, ist Hoffen auf den Zufall. Den Zufall, dass er genau im kritischen Moment den Durchbruch schafft.

Der Rest im Kader passt. Der Schlüsselspieler der Offense ist WR A.J. Green, der sich innerhalb kürzester Zeit zum Mega-Wideout entwickelt hat. Den fantastischen Green kannst du jederzeit 1-gegen-1 gegen die besten Cornerbacks der Liga schicken. Er sieht 30% der Anspiele der Bengals, und davon 30% tief. Er fabrizierte zuletzt wieder 101 Catches für 1460yds und 11 Touchdowns, und das als oft isolierte Waffe downfield.

Auf der anderen Seite konnte sich WR Marv Jones (59 Catches, 842yds, 10 TD) als Mitteldistanzwaffe etablieren, während der geschwindige WR Sanu ganz gerne im Slot operiert. Als zusätzliche Waffe für die Spielfeldmitte wurde der wenige WR Hawkins ausfindig gemacht, während der junge TE Eifert nach seniem Rookiejahr auch schon auf 39 Catches und 445yds zurückblicken kann.

Etwas umstritten ist TE Jermaine Gresham, der jedes Jahr um die 50 Catches macht, aber mit seiner Anfälligkeit für Fumbles, seinem schlamigen Routenlaufen und seiner gelegentlichen Faulheit, Blocks zu setzen, ein Ärgernis ist. Gresham passt aber als Hüne für die Spielfeldmitte auch wie Arsch auf Eimer in das bisherige Spielsystem in Cincinnati.

Von „hinten“ soll künftig verstärkt der extrem explosive RB Gio Bernard kommen, als Rookie mit 182 Carries und 63 Catches für insgesamt 1327yds und 8 TD in Erscheinung getreten. Es sind Zweifel angebracht, ob es Bernard als Arbeitstier schaffen kann, aber sollte das nicht der Plan sein, kannst du immer noch einen Back in den mittleren bis späten Runde als Ergänzung draften. Sollte das passieren, ist der komplett durchschnittliche Green-Ellis wohl weg vom Fenster.

Sie alle werden hinter einer sehr soliden Offensive Line operieren können. Der „Swing-Tackle“ Collins, der so ziemlich alles spielen konnte, musste zwar ziehen gelassen werden, aber es bleibt immer noch eine rundum komplette Line ohne die ganz großen Schwachpunkte: LT Whitworth und RT Andre Smith gelten als Pro-Bowl Kaliber, während die beiden Guards Zeitler und Boling durchaus gehobenen Ansprüchen genügen – und beide sind noch jung und entwicklungsfähig.

Bleibt eine Offense, die insgesamt ihr Potenzial nicht ganz ausschöpfen kann, weil der Quarterback zwar ein Sympath zum Knuddeln ist, aber eben zu limitiert für das ganze Arsenal. Dalton hat noch eine Chance verdient. Dalton kann, wenn er seine guten Tage hat, durchaus diesen Kader zum Titel führen. Aber es ist wahrscheinlicher, dass er sich als zu durchschnittlich entpuppt, und in diesem Fall wäre es nicht schlecht, eine Notfalloption in der Hinterhand zu halten.

Die Defense war letzte Saison eine Offenbarung: Obwohl sie mit DT Geno Atkins und CB Leon Hall die beiden wichtigsten Verteidiger fast das ganze Jahr lang vermisste, sprangen überragende 5.1 NY/A heraus – Werte, für die viele DefCoords killen würden. Zimmer ist nun eben abgesprungen und was sein Nachfolger Guenther draufhat, ist nicht ganz klar, aber es ist immer noch Marv Lewis da, und es ist immer noch eine fast kompletter Abwehrkader da.

Die potenziellen Lücken sind „up front“. DE Michael Johnson folgte dem Ruf des Geldes und unterschrieb für 8.5 Mio/Jahr in Tampa, weswegen möglicherweise Defensive End eine Position auf dem Wunschzettel wird. Man hält dort in Carlos Dunlap zwar einen sehr brauchbaren Passrusher, aber ansonsten ist wenig geprüftes Material vorhanden. Letztes Jahr wurde der estnische Bär DE Margus Hunt (2.03m, 127kg) gedraftet, aber Hunt ist bald 27 und möglicherweise nicht mehr so entwicklungsfähig. DE Gilberry hat sich in seiner Karriere bisher als eher situativ gebräuchlicher Spieler erwiesen, und nicht als einer, den zu 800 Snaps spielen lassen willst.

DT Atkins ist nicht der allerschwerste, allerbreiteste Tackle für heutige Standard-NFL Körpermaße, aber er ist so quick, so beweglich, dass er damit alles wettmacht und für unerlässlichen Passrush über die Mitte zu haben ist. Er spielt meistens den 3-technique Tackle, und man versucht, ihm 1-vs-1 Situationen zu geben. Das heißt wiederum viel Arbeit für seinen Nebenmann, der in den letzten Jahren der struwwelige Domata Peko war – Peko gilt als allerdings durchaus upgradewürdiger Stammspieler. Ist der kürzlich gedraftete DT Brandon Thompson eine alternative Option?

Dahinter war der junge LB Vontaze Burfict zuletzt eine Offenbarung: Burficts spielerische Klasse war nur von wenigen jemals ernsthaft bestritten worden; bei ihm hatte man stets mehr Angst ob seiner Unkontrollierbarkeit: Burfict galt stets als unbeherrscht nach Spielzugende, immer eine Tätlichkeit vom 15yds-Penalty oder Spielausschluss entfernt, und auch im Privatleben ein Mensch, der seine Vita nicht unter Kontrolle bekam. Solche Leute waren für Cincinnati noch nie ein Hindernis, und auch Burfict konnte allem Anschein nach hingebogen werden. Burfict hatte von einer schwierigen Position aus sensationelle 92 Successes (Success = Sacks, Tackle für EPA-Verlust, Interceptions, Fumbles).

Er dürfte als Fixstern eingeplant sein. Sein Nebenmann ILB Maualuga tut es gerade, auch wenn man seine Hüftsteifheit schon seit Jahren versucht zu ersetzen. Der 36jährige OLB Harrison wurde trotz guter Saison entlassen – sofern der junge DE/OLB Dontay Moch aus Arizona als sein direkter Nachfolger gekauft wurde, gut. Ansonsten wird es hier für Cincinnati Nachhilfe brauchen.

In der Secondary ist zu hoffen, dass CB Hall sich nicht erneut verletzt; Hall ist der Mann, der als eine Art „Standard-Nickelback“ im Slot operiert. Die Außen-Cornerbacks sind mit Pacman Jones und Terrance Newman ansprechend besetzt – immer im Hinterkopf zu halten, dass diese Jungs einen funktionierenden Passrush brauchen. Vielleicht sieht der vom Runningback zum CB umgeschulte junge Onterrio McCalebb (Sprintstar bei Auburn) auch erste Snaps im regulären Spielbetrieb. Die Safetys waren in Cincinnati noch nie ein großes Problem: Iloka, Reggie Nelson und der junge Shawn Williams (galt als gute Führungsfigur an der University of Georgia) dürften Arbeitsteilung betreiben.

Zusammenfassend: Quarterback ist die Position, die für die Bengals über Wohl und Wehe entscheidet. Dalton ist keine zwingende Katastrophe, aber er ist trotzdem einer der wenigen unterdurchschnittlichen Stammspieler in Cincinnati auf der Position, auf der man es sich am wenigsten leisten kann. Die Mettenberger-Lösung gefiele mir außerordentlich von der Idee.

Andere Stellen, die man angehen könnte: Defensive End, Outside Linebacker, Center, Tiefe bei den Cornerbacks, Wide Receivers und Runningbacks. Viele eklatante Lücken gibt es nicht. Prinzipiell ist man wie Seattle, San Francisco oder Tampa Bay aufgestellt, was die Qualität der Positionen abseits der Quarterbacks angeht, sprich: Man ist schon wieder einer der Superbowl-Anwärter in der AFC. Dalton oder sein Nachfolger müssen es halt überreißen. Und die Coordinator-Wechsel dürfen sich nicht als zu große Umstellung herausstellen…

NFL-Power Ranking 2013/14 nach dem Wild Card Weekend

Vom Gefühl her war das Wild Card Weekend 2013/14 das unterhaltsamste seit langer Zeit. Das Wochenende, das so oft durch maue spielerische Leistungen aufgefallen ist, bot diesmal drei enorm unterhaltsame Spiele. Das vierte, Cincinnati vs San Diego, endete wenigstens in einem standesgemäßen Upset, über das man sich das Maul fusselig reden kann.

NFL-Power Ranking 2013/14, Wildcard Weekend

NFL-Power Ranking 2013/14, Wildcard Weekend

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende des Wildcard Weekends.


Den großen Sprung machten die San Diego Chargers nach dem Auswärtssieg in Cincinnati. Die Chargers lieferten optisch nicht einmal eine fantastische Vorstellung, aber man muss bedenken, dass dieses Power-Ranking die Bengals sehr hoch einstuft. Lass dich nur mal nicht von diesem einen Spiel täuschen: Die Bengals 2013/14 waren ein legitimer Superbowl-Kandidat.

Die Bengals machten auch kein unterirdisches Spiel. Sie verloren primär wegen der Turnover-Ratio, die sie mit 0:4 verloren. Vier Turnovers, und es waren die ganz fetten Dinger: Ein Fumble des RBs #25 Bernard an der 8yds-Line in einem Play, der mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit in einem TD geendet hätte. Dann ein weiterer Turnover in der eigenen Hälfte, der an die 1yds Line returniert wurde. Cincinnati kassierte nach diesem Return keinen TD, trotz 1yds-Line und obwohl der OLB Harrison sogar noch ein sturzdummes Personal-Foul beging! Und das gegen eine der drei besten Offenses des Landes!

Über QB Andy Dalton ist gewiss zu reden. Zuerst was Dalton in Teilen entschuldigt: Die Pass-Protection der Bengals war diesmal nicht wie gewohnt souverän, sondern ließ viele Sacks, Hits und Hurries zu. Im ersten Spiel gegen San Diego in Week 13 wurde Dalton nicht gesackt, und mit einem Hurry. Diesmal: 3 Sacks und mehrere Hits und Hurries.

Dalton war aber trotzdem nicht gut. Minimum eine INT war ein Katastrophenpass. Dalton zudem mit einigen over– und underthrows im Kurzpassspiel. Einige der Pässe wurden von den Bengals-Receivern sogar akrobatisch gefangen, aber das sollte einfacher gehen. Ein tiefer Ball für WR Green hätte ein TD sein können; kein überragender Wurf Daltons, aber einen, den ein Green schon mal machen kann. Dalton beendete das Spiel mit okayen Zahlen (29/51 für 334yds, 1 TD, 2 INT, 3 Sacks, 6.4 NY/A, 5 Scrambles für 26yds, 1 fumble).

Es hätte für die Bengals trotzdem reichen können, aber letztlich kosteten die Turnovers die Partie. Jetzt wird Dalton nicht zu Unrecht schärfer denn je in der Kritik stehen, auch wenn Marv Lewis in der PK jegliche Schuld von Dalton wies. Man kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass die Bengals in der Offseason an ihrer QB-Position schrauben werden. Die Frage ist, ob man einen erfahrenen Recken der Güteklasse Vick oder Freeman holt oder via Draft ein zu entwickelndes High-End Prospect. Dalton ist mitnichten ein Fixkandidat zum Absägen, aber man kann drauf wetten, dass zumindest jemand kommt um ihm Feuer unterm Arsch zu machen.

San Diego ist nun nicht unberechtigt ein dark horse: Die Chargers geistern schon seit vielen Wochen nahe an den Top-12 in diesem Power-Ranking, und drangen mit der insgesamt sehr guten Leistung in die Top-10 ein, überholten sogar die Patriots. San Diego stellt übrigens auch nach der famosen Abwehrleistung in Cincinnati die #32-Defense der NFL, auch wenn sich die Defense um 2% verbesserte.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für die Divisional Playoffs

Das Wild-Card Wochenende endete mit 2-2 Bilanz für das Power-Rank, und es hätte mit drei extrem engen Spielen ebenso gut ein 3-1 oder 0-4 sein können. Damit ist es nun 123-72 über die Saison. Für das Divisional-Playoffs werden übrigens folgende Tipps ausgespuckt:

HOME                 %   AWAY                  %
Seattle             60   New Orleans          40
New England         59   Indianapolis         41
Carolina            52   San Francisco        48
Denver              71   San Diego            29

Dreimal extreme enge Matchups, und das klarste von allen, Denver vs San Diego, hatten wir schon zweimal dieses Jahr. Beide Male war Denver nicht allzu souverän: In San Diego gewannen die Broncos noch 28-20, aber zuhause kassierten die Broncos eine peinliche 20-27 Schlappe. Ich weiß, selbst gewählte Endpunkte, aber: Der Top-Seed hat fünf der letzten Playoffspiele gegen einen sechsten Seed verloren (die ersten 10 dieser Duelle wurden vorher alle vom Top-Seed gewonnen).

Nach Spreads würde dieses Power-Ranking Seattle mit 3.5 Punkten gegen die Saints favorisieren. New England mit 3 Punkten gegen Indianapolis. Carolina mit 0.5 Punkten gegen San Francisco. Denver mit 7 Punkten gegen San Diego.

Die Opening-Lines in den Wettbüros lauten wie folgt: Seattle mit 7.5 bis 8 gegen die Saints. New England mit 7 gegen Indianapolis. Carolina mit 1 oder 2 gegen San Francisco. Denver mit 9.5 bis 10 gegen San Diego. Nach ATS empfiehlt mein Power-Ranking also, viermal auf den Außenseiter zu setzen.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Sonntag: Cincinnati Bengals – San Diego Chargers Preview

Fortsetzung des Wildcard-Weekends heute Abend ab 19h MEZ (live SPORT1 US und NFL-Gamepass) mit der AFC-Ansetzung zwischen den Cincinnati Bengals (11-5, Sieger AFC North) und den San Diego Chargers (9-7, Dritter der AFC West) aus dem Paul Brown Stadium in Cincinnati. Es ist das vierte Mal in den letzten fünf Jahren, dass sich die Bengals vom sympathischen Head Coach Marvin Lewis für die Playoffs qualifiziert haben, aber ein Spiel dort gewonnen? Haben sie noch nie, und die Begeisterung in Cincinnati ist dann auch so groß, dass man Probleme hatte, die Hütte voll zu bekommen.

Es ist überhaupt das Spiel zwischen zwei ewigen Underdogs in der NFL-Geschichte. Beide Franchises wurden in den 60er Jahren als ursprüngliche AFL-Teams (AFL = damalige Konkurrenzliga zur NFL) gegründet, und beide hatten ihre Blütezeiten in den 80er Jahren: Cincinnati war dort zweimal in der Superbowl, während es die Chargers zwar erst 1994 dorthin schafften, aber das war eher Zufall; die großen Chargers-Mannschaften waren jene aus den frühen 80ern. Damals spielten diese beiden Franchises auch schon einmal gegeneinander um den Superbowl-Einzug, damals in der „Freezer Bowl“ bei minus 20 Grad ohne Windchill. Heute wird es etwas gesitteter.

Bengals gegen Chargers, das ist eine klassische Ansetzung zwischen einer starken Defense (Cincinnati, Defense-Ranking bei mir: #3) gegen eine starke Offense (San Diego, #3).

Wenn die Cincinnati Bengals den Ball halten

Dass die Bengals defensivstark sind, heißt nicht, dass sie in der Offense nix zu bieten haben, im Gegenteil: Viele Mannschaften wären froh, ein solches Offense-Arsenal zu besitzen wie die Bengals, die momentan von ihren exzellenten Drafts in den letzten Jahren leben.

Die Offense Line gilt trotz Verletzungsproblemen als eine der besten im Lande mit zwei massiven Ankermännern in RT #76 Smith und LT/LG #77 Whithworth. Die Runningbacks dahinter gelten als komplett unterschiedliche Spielertypen: Der parasitäre RB #42 Green-Ellis gilt als Power-Back, der zwar keine Fehler begeht, aber auch nicht viel mehr an Raumgewinn kreieren kann als das, was ihm die Offense Line bietet (nur 3.4yds/Carry). Ellis’ Backup ist der Rookie #25 Gio Bernard, der mit seiner spektakulären Spielweise schnell eingeschlagen hat und sowohl als Speed-Back als auch als Ballfänger für das gefährliche Screen-Passspiel der Bengals einsetzbar ist (56 Catches, 514yds, 3 TD).

Der Star im Angriff ist WR #18 A.J. Green, ein Schlaks von Receiver in seinem dritten Jahr. Green wurde heuer 178x angespielt, in 30% der Fälle davon downfield. Er machte 98 Catches für 1462yds und 11 TD. Von einem Manndecker allein ist er quasi nicht aus dem Spiel zu nehmen. Green wird flankiert von Leuten wie TE Gresham (soll heute fit sein), WR Sanu, WR Jones und Rookie-TE Eifert (alle zwischen 39 und 51 Catches).

Cincinnatis Problem liegt in der Quarterback-Position, wo der blässliche Rotschopf QB #14 Andy Dalton sehr schwankende Vorstellungen hat. Dalton hat immer wieder starke Phasen, aber dann kollabiert er wieder und reißt sein Team mit 3 INTs und 2 Fumbles in die Scheiße. Alles schon passiert – mehrfach, und das in einer einzigen Saison. Dalton ist mobil, er bringt 62% der Pässe an den Mann, trifft eigentlich gute Entscheidungen, aber er fabrizierte trotzdem mal wieder 20 INTs. Das liegt u.a. in Daltons Präzisionsschwierigkeiten. Den ganz großen Wurfarm hat er nicht.

OffCoord Jay Gruden versucht, Dalton und der Bengals-Offense seit Jahren mit restriktivem PlayCalling zu helfen, und viele Screen-Pässe anzusagen. Dieses Spiel funktioniert auch ganz gut, aber immer wenn es tief geht, kannst du bei Dalton nur hoffen, dass er dir deine Receiver nicht meterweit überwirft (so geschehen z.B. im „Hinspiel“ zwischen Chargers und Bengals in San Diego, als er Green gut fünf Meter (!) überfeuerte; Resultat: INT). Dalton macht 6.7 NY/A, was ein eigentlich recht guter Wert ist, aber diese 6.7 NY/A kommen relativ unkonstant. Mal Bombenspiele, mal Graupen. Cincinnati hofft heute besser, dass es die Bombe ist.

Cincinnatis Vorteil: San Diegos Abwehr ist eine einzige Baustelle. Schlechte Drafts in den letzten Jahren machten aus der Charger-D einen Trümmerhaufen. Dieses Jahr kassierte man 7.1 NY/A im Passspiel und ließ sich vom Laufspiel „überlaufen“. 46% Success-Rate ist der schlimmste Wert in der Liga, noch unter Chicago und Green Bay.

Da kann sich Gruden aussuchen, ob er den Lauf oder den Pass als Giftmittel wählt. Absoluter Schwachpunkt bei den Chargers ist gewiss die Cornerback-Position: CB Marshall und CB Wright gelten als nicht NFL-tauglich, aber die Bolts haben nix besseres. Ohne Hilfe vom brauchbaren S #32 Weddle geht das gegen einen Green oder ein Set mit 2 TE nicht.

Pass Rush bei den Chargers gilt ebenso als mau. Die besten Hoffnungen hat man, wenn man bend but don’t break spielt und darauf hofft, dass Dalton in den 8-Plays langen Drives irgendwann einen Bock einschiebt, einen Sack zu viel kassiert, eine INT wirft, oder beim Sack fumbelt. Ansonsten sehen zumindest 24-28 Punkte für die Bengals unvermeidlich aus.

Wenn die Chargers den Ball haben

San Diegos Offense 2013/14 ist nicht nur eine der größten Überraschungen des Jahres, sondern eine schlichte Augenweide. Was Head Coach Mike McCoy und OffCoord Ken Whisenhunt innerhalb eines Jahres aus einer Offense gemacht haben, die zuletzt nichtmal mehr Norv Turner im Griff hatte, stellt vieles in den Schatten, was Coaches dieses Jahr an Aufbauarbeit geleistet haben.

QB #17 Philip Rivers, von vielen schon abgeschrieben, läuft plötzlich als ganz neuer Mann über den Rasen und spielte eine begeisternde Saison: Rivers geht mit 19% der Würfe nicht mehr so oft tief wie früher, aber das Kurzpassspiel funktioniert reibungsfrei mit sensationellen 69.5% Completions-Rate für 4478yds (7.5 NY/A, #2 der Liga) und nur 11 INTs.

Sogar die Pass-Protection erwies sich nicht als das ganz große Problem: Der fußsteife LT Dunlap und der nicht minder als fußsteif bezeichnete Rookie-RT Fluker sollen richtig gute Saisons gespielt haben. Allerdings geht es heute für die beiden gegen gefährliche Passrusher: DE #93 Michael Johnson und #96 Carlos Dunlap haben zwar nicht viele Sacks, aber dafür umso mehr Hits und Hurries. Dahinter operiert in den Flat-Zonen mit OLB #55 Vontaze Burfict ein Kandidat für den Award zum Defensivspieler des Jahres. Da könnte Rivers früher unter Druck geraten als ihm lieb wird.

Gegenmittel könnte der fantastische Rookie-WR #13 Keenan Allen sein, der auf den Mitteldistanzen alles abräumt, was an Bällen in seine Richtung fliegt. Allen ist mit 71 Catches für 1046yds und 8 TD ein Mitfavorit auf den Rookie-des-Jahres Preis. Im ersten direkten Duell fing Allen Anfang Dezember 8 Pässe für über 100yds und war der Alleinunterhalter. Dazu gesellt sich der alte TE #85 Antonio Gates, der allerdings im ersten Spiel gegen die Bengals komplett abgemeldet war.

Was Whisenhunt und McCoy dieses Jahr nie gemacht haben: Das Laufspiel vernachlässigen. RB #24 Ryan Mathews kriegt immer seine Carries, egal ob effizient oder nicht (285 Carries für 1255yds, 4.4yds/Carry, 6 TD). Zwischendurch werden die klassischen Draws eingestreut, die der schmächtige weiße RB #39 Woodhead ausspielt. Woodhead kann dir die Offense nicht allein tragen, aber er ist so vielseitig und effizient, dass man ihn dringend beachten muss: 106 Carries für 425yds, 76 Catches für 605yds, 6 TD, und am gefährlichsten ist dieser wendige Wusler in 3rd-Downs.

Die Chargers halten die Balance, dass es manchmal fast zu viel wirkt. Aber eine suspekte Offense Line willst du nicht zu schnell dem Druck des Passrushes aussetzen, schon gar nicht gegen jenen der Bengals.

Ehre und Respekt für das, was die Bolts-Offense drauf hat. Ehre und Respekt aber auch für das Werk des Bengals-DefCoords Mike Zimmer, der seine beiden besten Verteidiger (DT Atkins, CB Hall) früh in der Saison verlor, ohne dass seine Defense hernach nennenswerte Leistungseinbrüche hinnehmen hätte müssen. Die Bengals kassieren nur 5.1 NY/A im Passspiel, die zweiteffizienteste Pass-Defense der Liga, obwohl dort hinten in der Secondary mit Pacman Jones, Dre Kirkpatrick (hatte als Rookie 2012 nur 2 Snaps als CB) und dem Oldtimer Newman eher suspekte Leute tummeln.


Cincinnati ist der Favorit, keine Frage. Die Bengals sind laut Power-Ranking mit 8 Punkten zu favorisieren; die Wettbüros sagen 7 Punkte. Eine Chance haben die Chargers, wenn ihre Defense so zeckig spielt wie in manchen Partien wie z.B. gegen die Broncos. Aber bei aller Liebe, man sieht es nicht kommen. Erstens hat Cincinnati wohl einen klaren Vorteil auf beiden Seiten der Anspiellinie – Offense Line und Defense Line – und dass diese Defense ein deep threat wie AJ Green kaltstellen kann und gleichzeitig die Flat-Zonen und Screenpässe lange genug abdecken kann… nein, schwer zu glauben.

Monday Night Football, #2: Cincinnati Bengals – Pittsburgh Steelers Preview

Wer den Gamepass besitzt und noch keine Ergebnisse kennt: Unbedingt das eine oder andere 19h-Spiel anschauen. Es strotzt nur so an engen Spielen mit spektakulären Entscheidungen. Der spannende zweite Spieltag wird heute mit dem Monday Night Game aus der AFC North abgeschlossen: Cincinnati BengalsPittsburgh Steelers lautet die Ansetzung, die heute ab 02h30 bei SPORT1 US übertragen wird. Es ist das Wiedersehen von OLB James Harrison mit seinen ehemaligen Kameraden aus Pittsburgh. Harrison war in der Offseason in einem nicht wenig beachteten Move die paar Meilen nach Westen gezogen.

Die Auftaktniederlage der Steelers zuhause gegen Tennessee war dabei so verheerend wie überraschend, verursachte sie doch allerhand Kollateralschäden, u.a. die schwere Verletzung von C Maurkice Pouncey, einen der besten seines Fachs. Die jahrelangen Offense Line Probleme der Steelers schienen dieses Jahr endgültig als so was wie gelöst, aber Pounceys Ausfall reißt ein gewaltiges Loch in die Protection für QB Ben Roethlisberger. Der Ersatzmann C Fernando Velasco ist einer, der zuletzt bei den Titans spielte, aber in der Offseason nur wenig Interesse auf dem Transfermarkt generierte.

Velasco wird es gleich zu Beginn mit dem schwerstmöglichen direkten Gegenspieler zu tun bekommen: DT #97 Geno Atkins, eine Naturgewalt von Tackle, der die überragende Defense Line der Bengals anführt. Diese Line erzielte letzte Woche genau null Sacks in Chicago, aber man sollte sich nicht blenden lassen: Wer das Spiel gesehen hat, sah wie Cincinnati immer und immer wieder mit bloß den vier Line-Männern Druck auf die Pocket generierte.

Überhaupt war Cincinnatis Auftaktspiel im Vergleich zum aseptischen Auftritt der Steelers eine ganz andere Klasse: Man kann glaube ich mit Fug und Recht behaupten, dass die Bengals als klar bessere Mannschaft ihr Auswärtsspiel gegen einen nicht schwachen Gegner Chicago verloren. Mitverantwortlich für die Niederlage waren etwas unglückliche Turnovers (u.a. abgefälschte INT), ein freakiges 58yds-Fieldgoal gegen sich sowie zwei tödliche Penaltys (Personal Fouls in kritischen Situationen).

Ansonsten war die Marschrichtung der Bengals klar: Trotz des Ausfalls vom LT Withworth funktionierte die Protection für den jungen QB Andy Dalton einwandfrei, und Dalton wirkte auch um Welten besser als seine verunsicherte Vorjahresversion. Dalton konnte sich seine Männer meist schnell ausgucken und hatte auch bei langen Bällen nicht mehr die eklatanten Präzisionsschwierigkeiten. Die neu angedachte TE-Combo #84 Gresham und Rookie #85 Tyler Eifert sah IMHO vielversprechend aus, aber es gibt immer noch eine nicht zu negierende große Abgängigkeit von WR #18 A.J. Green. Diesen muss Pittsburgh heute Nacht ausschalten, oder es droht die zweite Pleite. Haste Green ausm Spiel genommen, droht nur noch von den Tight Ends Gefahr im Passspiel.

Es spricht einiges für Cincinnati. Sie haben mehr Power im Angriff und eine solidere Defensive Line. Für die Steelers wird es allerdings dann eine Chance geben, wenn einer ihrer oft übersehenen Cornerbacks den WR Green aus dem Spiel nehmen kann. Dann krankt das Offensivspiel immer noch herum. Tja, und vielleicht können die Steelers erneut auf dumme und dümmste Fouls der Bengals hoffen, und eventuell daraus ähnlich wie die Bears Kapital schlagen.

Glaskugel 2013: Cincinnati Bengals

Wer schon immer mal einen erfolgreichen NFL-Kader backen wollte, kann dafür getrost zum Rezept der Cincinnati Bengals der letzten Jahre greifen. Man nehme zwei starke Linien, garniere diese mit jeweils ein, zwei herausragenden pass rushers und Offensive Tackles. Das verührere man mit sehr viel Talent und Tiefe auf der Cornerback-Position. Anschließend erhitzt man das alles mit einem jungen Quarterback und serviert das ganze zum Schluß mit einem A.J. Green – fertig.

Was die Bengals in den letzten drei, vier Jahren in Sachen Kaderplanung gemacht haben ist ganz großer Sport: nebenbei mal fast das gesamte Team umgekrempelt, deutlich verjüngt und einen neuen Quarterback verpflichtet. Und die Ergebnisse dieses Teams sind gut, wirklich gut: drei Playoffteilnahmen in den letzten vier Jahren. Aber mittlerweile ist man fast geneigt zu sagen: nur gut.

Defense

Das Prunkstück der Bengals ist ihre Defensive Line, die getragen wird von jeder Menge junger Athletik. In der alten Warren-Sapp-Rolle als 4-3-Under-Tackle terrorisiert Geno Atkins gegnerische Linienspieler und Quarterbacks. Er war in der vergangenen Saison der ligaweit beste Defensive Linemen (wenn man nur menschliche Footballspieler nimmt und J.J. Watt ausspart).

Stats 2012

record: 10-6
WC PO @HOU 13-19
Pythagorean: 9.9 wins
DVOA O: -1,8% (17)
DVOA D: -3,8% (10)
Sezierstunde korsakoff

Die undankbare Position des Nose Tackles bemannt der zottelige Domata Peko unauffälig zuverlässig. Man wartet aber noch darauf, daß der letztjährige 2nd-rd pick Devon Still mehr aus seinem Talent macht. Als Vierter die Rotation in der Mitte vervollständigt Pat Sims, ebenfalls unspektakulär zuverlässig.

Noch mehr Tiefe bieten die Defensive Ends. Auf der einen Seite spielt der lange Michael Johnson, der manchmal eine besenstielverschluckte Körperhaltung wie der große Sprinter und Namensvetter an den Tag legt, fast durch. Johnson hat die Explosivität eines Sprinters, aber er lebt nicht nur von seiner Physis, sondern auch von seinem hohen “Football-IQ”, der nach vier Jahren in Mike Zimmers Schule ausgezeichnet ist.

Den Platz auf der anderen Seite teilen sich Robert Geathers und Carlos Dunlap. Geathers geht nunmehr in seine zehnte Bengals-Saison und hat ganz klar den Auftrag, sich von Dunlap ablösen zu lassen. Da muß jetzt nur noch Dunlap mitspielen. Um ihm den Ernst der Lage zu verdeutlichen, hat dieser vor der Saison auch keinen neuen Vertrag bekommen, sondern das Franchise Tag. Dunlap hat alles Talent der Welt, aber nun muß ihm in Jahr vier auch der Durchbruch gelingen.

[Korrektur: Michael Johnson hat das Franchise Tag bekommen. Dunlap hat seinen noch ein Jahr lang laufenden Vertrag um fünf Weitere verlängert.  $11,7M sind garantiert; in den ersten drei Jahren des Vertrages bekommt er – sofern er nicht gecuttet wird – $21,4M plus jeweils 300k in 21015 und 2016 als workout bonus + potentiell $4,5 weitere Millionen durch escalators. Insgesamt könnte Dunlap mit diesem Vertrag $40M verdienen.]

Als Nummer vier in der DE-Rotation kommt Wallace Gilberry, der letztes Jahr mehr Sacks hatte als Dunlap (6,5 v 6). Um auch noch das letzte gegnerische Team neidisch zu machen, hat DC Zimmer in der zweiten Runde der Draft den baltischen Kolossus Margus Hunt geschenkt bekommen (auch um Dunlap noch ein bißchen mehr Feuer zu machen und zur Not gleich seinen Nachfolger im Haus zu haben). Hunt ist ein interessantes prospect, der mal den Juniorenweltrekord im Diskuswerfen innehatte, noch nicht viel von Football versteht, dafür aber 2,05m groß ist, in seinen ersten 14 Collegespielen acht Kicks geblockt und bestimmt auch schon mal einen Bären mit seinen Händen erlegt hat.

Secondary & Linebackers

Den Durchbruch schon geschafft hat Leon Hall. Hall ist unter den vielen guten Cornerbacks die Nummer Eins. Er muß sich vor keinem Wide Receiver an der Außenlinie fürchten; was ihn aber besonders wertvoll macht, ist, daß er das auch im Slot erstklassig ist. Das gibt Zimmer den Luxus, in Nickel-Situationen von dem überraschend guten Jungen Pacman Jones, dem letztjährigen 1st-rd pick Dre Kirkpatrick und I´ve-seen-it-all-veteran Terrence Newman die zwei mit der besten Tagesform aufzustellen. Definiere: depth.

Schedule

WK1 @ CHI
Wk2 vs PIT (MNF)
Wk3 v GB
Wk4 @ CLE
Wk5 v NE
Wk6 @ BUF
Wk7 @ DET
Wk8 v NYJ
Wk9 @ MIA (TNF)
Wk10 @ BAL
Wk11 v CLE
Wk12 BYE
Wk13 @ SD
Wk14 v IND
Wk15 @ PIT (SNF)
Wk16 v MIN
Wk17 v BAL

Aber auch bei den Bengals ist nicht alles Freibier und Blowjobs. Bei den Safeties dürfte Reggie Nelson seinen Stammplatz sicher haben. Er bekommt von Leuten wie PFF auch stets gute Noten, aber immer wenn ich die Bengals gesehen habe, sah er manchmal aus wie ein Patriots-Safety circa 2010. Um den anderen Platz streiten sich Taylor Mays, der seit 2011 bei mir das Label “heillos verloren in der Tiefe des Raumes” weghat; 3rd-rd pick Shawn Williams und George Iloka, den man noch aus glorreichen Boise-State-Zeiten kennt.

Und eine richtige Resterampe findet schließlich man auf der LB-Position. Problemkind Vontaz Burfict immerhin scheint in seiner Rookiesaison sein Leben umgekrempelt zu haben. Vom hochtalentierten troublemaker bei Arizona State, den vor lauter red flags niemand draften mochte, hat er sich zu Trainers Liebling gemausert. Aber erstklassig ist er nicht. MLB Ray Maualuga ist so beweglich wie ein Kühlschrank. Er ist einer der wenigen NFL-Spieler, mit denen ich manchmal Mitleid habe, wenn man wieder ein mittelmäßiger Tight End an ihm vorbeirauscht. Als dritten im Bunde finden wir hier den ehemaligen Defensive Player of the Year James Harrison. Der 35-Jährige kam aus Pittsburgh und soll jetzt 4-3-OLB spielen. Mmh. Harrison war mal einer meiner absoluten Lieblingsspieler, nur hab ich wenig Vertrauen, daß er nochmal groß aufspielen kann.

Dahinter kommen im depth chart noch ein paar Rookies und einer der größten 1st-rd busts aller Zeiten: Aaron Maybin. Hier sind die Bengals verwundbar.

Offense

Auch auf der offensive Seite überzeut Cincinnati mit einer starken Linie. Left Tackle Andrew Whitworth läßt nur in Schaltjahren mal einen Sack zu und ist wohl nur noch under the radar, weil sein Name so schwierig zu buchstabieren ist. Auf der anderen Seite ist Andre Smith dermaßen überzeugend, daß er sich schon seit seinem Willkommensholdout  ein paar Sperenzchen und Übergewicht im Sommer erlauben darf.

Wenn die Jungs von Pro Football Focus über die Rookiesaison des Right Guards Kevin Zeitler schreiben, müssen sie danach die Unterhose wechseln. Mit Whitworth, Smith und Zeitler fällt mir aus dem Stegreif auch kein anderes Team ein, daß drei blue chipper in der Offensive Line hätte.

Dazu kommen noch die erfahrenen Kyle Cook und Clint Boling, die mit dem 23-jährigen Trevor Robinson nun angeblich auch noch hochtalentierte Konkurrenz haben. Positiv untypisch ist auch, daß mit Dennis Roland, Travelle Wharton und Mike Pollak vergleichsweise alte Recken, die alle schonmal irgendwo starter waren, die Kadertiefe sicherstellen. Again – define: depth.

Mit dieser OLine hat das Paßspiel ein bombensicheres Fundament. Selbst wenn QB Andy Dalton nicht den berüchtigten “nächsten Schritt” macht, ist ein völliges Einbrechen ausgeschlossen (solange kein schwarzer Schwan im Paul Brown Stadium nistet). Der Angriff war letztes Jahr NFL-weit gutes Mittelfeld – und das in einer Division mit Steelers und Ravens.

Skill Positions

Allerdings ist der Paßangriff extrem abhängig von einem Wide Receiver (das ist gemeinhein ein beliebtes Brutgebiet der schwarzen Schwäne). Solange A.J. Green fit ist, wird er wieder seine 100 Bälle fangen und hin und wieder ein Spiel mit überragenden Sololeistungen alleine entscheiden können.

Daneben sind im WR-Corps nur Jungs, die erst seit wenigen Monaten das Wunder des legalen Alkoholkonsums genießen dürfen. Mohamed Sanu hat in seinen acht Spielen explosive Ansätze gezeigt, macht aber nicht den Eindruck, mal Pro Bowler zu werden wenn er groß ist. Der kleine Andrew Hawkins ein Randall-Cobb-Typ, nur ohne das ganz große WOW!. Dann wirds dünn: Marvin Jones, 22 Jahre alt und 18 catches in 11 Spielen, und Brandon Tate, Special-Teams-Ass, aber WR-Krücke, werden wahrscheinlich im Kader bleiben. Man hofft in Ohio noch, daß ein Rookie im Camp groß aufspielt und hat auch wieder Dane Frikkin´ Sanzenbacher im Trainings Camp.

Stabilität sollen die Tight Ends in das Paßspiel bringen. Der große Jermaine Gresham ist zwar in seinen drei Jahren in der Liga nicht der neue Jimmy Graham geworden, aber für 60 catches pro Jahr ist er konstant gut. Als weitere Hilfe für QB Dalton wurde dieses Jahr Tyler Eifert in der ersten Runde gedraftet. Eifert wurde weithin als bester Tight End der letzten NCAA-Saison gesehen. Als dritter Tight End ist Orson Charles dabei. Der letztjährige 4rd-rd pick gilt weiterhin als Geheimtip. Was auch immer das heißen mag.

Um Daltons Rundumwohlfühlpaket komplett zu machen, bekam er in der diesjährigen Draft einen Running Back in der zweiten Runde. Giovani Bernard soll das workhorse werden, wird sich wahrscheinlich aber erst mal die carries mit dem durchschnittlichsten aller Durchschnitts-RBs, Ben Jarvus Green-Ellis, und dem alten 3rd-down back Brian Leonard teilen.

Ausblick

Das erste Mal seit 30 Jahren haben die Bengals in zwei aufeinanderfolgenden Saisons die Playoffs erreicht. Neben dem sehr guten Kader ist dafür auch Stabilität auf der Position des Cheftrainers grundlegend. Marvin Lewis ist seit nunmehr 10 Jahren am Ohio River.

Nach drei Playoffteilnahmen in vier Jahren wäre alles andere als ein erneuter Platz in der Endrunde eine Enttäuschung. Die Aussichten sind rosig in Cincinnati: entweder zeigen die Bengals einmal mehr, daß man auch ohne guten QB eine starke Division wie die AFC North gewinnen kann. Oder Dalton macht den “nächsten Schritt” – dann ist noch viel mehr drin.

Cincinnati Bengals in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        10-6    WC
Enge Spiele    5-4  
Pythagorean    9.9   (10)
Power Ranking   .520 (15)
Pass-Offense   6.1   (19)
Pass-Defense   5.6    (6)
Turnover        +4

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Sie sind wieder da! Die Sezierstunden 2012/13 beginnen mit den Cincinnati Bengals, die zum zweiten Mal in Serie in den Wildcardplayoffs gegen Houston scheiterten. Obwohl die Bengals damit für ihre Franchise schier Historisches leisteten (aufeinanderfolgende Playoffqualifikation gab es zum letzten Mal vor 30 Jahren), warf das enttäuschende Ausscheiden altbekannte Fragen auf. Die Kritik fokussierte sich einmal mehr auf Head Coach Marvin Lewis (viermal Playoffs, noch kein Sieg) und den jungen Quarterback Andy Dalton.

Insbesondere Dalton lieferte eine bedenkliche Vorstellung ab und zeigte, wie aufgeschmissen er sein kann, wenn man ihm seinen Go-To Guy WR A.J. Green wegnimmt. Der Schlaks Green ist eine sensationelle Waffe, wird in jedem dritten Passversuch Daltons angespielt (31.3% um genau zu sein), kann den Angriff aber nicht im Alleingang tragen: Von 175 Anspielen fing Green 102 Bälle für 1430yds und 11 Touchdowns – starke Werte, die aber zeigen: Cincinnati braucht Entlastung.

Der TE Jermaine Gresham und der junge Slot-WR Artrell Hawkins gelten als gute Optionen für die Spielfeldmitte, sind aber keine Leute, die eine Defense auseinander ziehen können. Da würde man eher an den WR Marvin Jones denken (32% Bälle über 20yds), der in der zweiten Saisonhälfte Potenzial andeutete und den ebenso jungen WR Mohamed Sanu nach dessen Verletzung mehr als würdig vertrat. Es sind Leute da, aber ich weiß nicht, ob man zu diesem Bulk an Receivern das allergrößte Vertrauen hegen oder nicht doch noch den einen oder anderen groß gewachsenen Receiver für die Außen einkaufen sollte.

Nicht schaden würde auch ein fangstarker Running Back für die Screenpässe, nachdem die Bengals mit „Law Firm“ RB BenJarvus Green-Ellis nur einen parasitären Back besitzen, der nicht imstande ist, aus eigener Kraft Yards zu produzieren und Hände aus Butter besitzt.

Ob mit oder ohne Frischblut: Dalton ist nach einem durchwachsenen zweiten Jahr angezählt. Es ist nicht nur die extreme Fokussierung auf Green, es sind auch die vielen Sacks, die Dalton kassiert (48 an der Zahl), obwohl es an der Offensive Line anerkannt wenig auszusetzen gibt. Dalton wird die Entwicklung hin zu einem etwas komplizierteren und weniger durchschaubaren Spielsystem schaffen müssen, oder wir reden in einem Jahr über seine Nachfolge.

Die Defense vermittelt ein ähnliches Bild: Gut, aber es fehlt der eine „difference maker“. DT Geno Atkins gilt unisono als Naturgewalt und Ankermann, aber sein Einfluss als Tackle kann eben nur so weit gehen. Es fehlt an wirklich dominanten Defensive Ends als Passrush-Entlastung für Atkins; DE Michael Johnson ist Free Agent und dürfte teurer werden als gewünscht. DE Dunlap sagte man ein eher durchwachsenes Jahr nach und fehlende Disziplin gegen den Lauf. Und hinter diesem Duo wird es schnell ganz dünn.

Größter Handlungsbedarf dürften die Linebackers sein: MLB Maualuga sagte man zu steife Hüften und einen schwachen Herbst nach und man geht gemeinhin davon aus, dass Maualugas auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. An dessen Stelle könnte der unerfahrene Vontaze Burfict treten, jene Knalltüte von Arizona State, die Cincinnati vor einem Jahr als ungedrafteten Free Agent von der Straße holte und der sofort zum Starter wurde. Ob allerdings Burfict die Spielintelligenz für Mike Zimmers Defense besitzt? Und wer gibt dann den OLB, nachdem Lawson gefeuert wurde?

Schließlich die Deckung: Die Cornerbacks sollten mit Leuten wie Hall, Newman und dem jungen Kirkpatrick passen und maximal in der Breite verstärkt werden, aber auf Safety klafft dann doch ein großes Loch: Clements und Crocker werden wohl ziehen gelassen, aber die Alternativen lauten Mays, Reggie Nelson und Iloka: Das abgelaufene Jahr zeigte, wie aufgeschmissen die Defense ohne Nelson sein kann – ich erwarte den einen oder anderen Move in der Offseason.

Das Gesamtbild der Bengals über die letzten beiden Jahre war stets ein gutes, aber kein wirklich großartiges. Der Kern des Kaders steht, aber die Fragezeichen sind vertrackte: Ist der Quarterback for real? Kann die Defense jemals über Mehltauniveau hinauswachsen?

Nachdem davon ausgegangen werden kann, dass der Vertrag mit RT Andre Smith ohne größere Umstände verlängert werden wird, dürfte sich der Fokus eindeutig auf die zweite WR-Position, auf einen Outside Linebacker und einen Safety richten. Platz unter der Gehaltsobergrenze ist locker gegeben, aber wird der notorisch geizige Owner Mike Brown die Schatulle öffnen? Oder beschränkt man sich wieder „nur“ auf billige Problemcharaktere und hofft, dass die good guys Lewis, Zimmer und OffCoord Gruden die Jungs hinbiegen?

NFL Woche 3, Notizblock Bengals@Redskins

Die Washington Redskins (1-1) empfingen zu ihrer Heimspielpremiere 2012 die Cincinnati Bengals (1-1). Warum das wirklich sehenswert war, gibts after the jump.

Bei diesem Spiel sind zwei Philosophien aufeinandergetroffen. Auf der einen Seite die vergleichsweise langweiligen Bengals, die vor allem in der Defense sehr diszipliniert sind; und auf der anderen Seite die Redskins, die im Angriff aussehen wie eine College-Mannschaft und in der Defense unter DC Jim Haslett wilde Sau spielen und mehr blitzen als jedes Sommergewitter.

Die Defense der `Skins ging schon enorm geschwächt ins Spiel, nachdem OLB Brian Orakpo und DE Adam Carriker sich letzte Woche auf IR verabschiedet haben. In dieser Woche fehlte auch noch Safety Brandon Meriweather verletzt. Cincys OC Jay Gruden wollte gleich mit dem ersten Play mal versuchen, Hasletts Aggressivität gegen ihn zu wenden – und war sehr erfolgreich: WR Mohamed Sanu steht als QB in der wildcat, Washington spielt ohne tiefe Absicherung; WR A.J. Green hat ein 1-on-1 gegen einen Backup-Safety, läßt diesen natürlich locker hinter sich und Sanu, der zu Highschoolzeiten QB gespielt hat und auch im College einige Pässe geworfen, schleudert den Ball einfach so weit wie er kann und Green erläuft ihn sich – 73-Yard-TD. Nach 17 Sekunden steht es 7-0.

Später im ersten Viertel macht Haslett das, was Haslett eben so macht: all out blitz on 2nd&20. Ich werde nie verstehen, warum man so etwas macht. Will er unbedingt ein 3rd&30? In der Regel ist das eine Einladung für jeden einigermaßen fähigen QB. So ein Himmelfahrtskommando funktioniert vielleicht, wenn man einen Darelle Revis hat. Aber ganz sicher nicht mit Leuten wie DeAngelo Hall. Nach 11 Minuten also gibts den zweiten langen Touchdown-Paß der Bengals: Andy Dalton über 48 Yards zu Rookie Armon Binns.

Washingtons-D hatte dazwischen auch ein Big Play, was aber mehr ein Geschenk von Dalton war, der völlig blind eine Interception in der eigenen Endzone zu Back-up OLB Rob Jackson geworfen hat.

Das war aber noch nicht genug Action für den Geschmack aller Beteiligten. Mitte des zweiten Viertels, nachdem Dalton wie fast gesamte Spiel über seine Mannen zu einem 1st Down nach dem anderen dirigiert hat, entscheidet sich HC Marvin Lewis für ein fake field goal attempt von Washingtons 6-Yard-Linie aus – und scheitert. Ein Field Goal später, es steht nun 17-7 Cincinnati, erlebt Washingtons Laufspiel seinen absoluten Tiefpunkt des Tages, als QB Robert Griffin bei einem read option play den Ball saudämmlich fumblet. Drei Minuten vor dem Halbzeitpfiff steht es 24-7 Bengals.

Überhaupt war Griffin den ganzen Nachmittag lang völlig überfordert. Die Bengals haben einfach das alte Rezept gegen Option-Offenses angewendet: alle Spieler, besonders die der Front-7, haben diszipliniert ihre jeweilige Aufgabe erledigt und niemand hat versucht, total spektakulär den Helden zu markieren und Griffin einen Denkzettel zu verpassen. So kamen die Redskins in der ersten Hälfte nur auf sechs passing Yards (6!) bei vier Sacks; 62 rushing yards nur sechs First Downs und drei Punkte. Die Offensive Line (die gleich im ersten Drive LT Trent Williams verloren hat) hatte dabei die größten Schwierigkeiten, gerade gegen die DEs Michael Johnson und Carlos Dunlap.

Hälfte zwei begann Washington dann wie verwandelt. OC Kyle Shanahan verlegte sich viel mehr aufs „richtige“ Laufspiel, vor allem um Griffin aus der Schußlinie zu nehmen, und zwei Drives später, einmal über 9 Plays und einmal über 10, steht es plötzlich 24-24. Das Spiel steht völlig Kopf, als Ben-Jarvus Green-Ellis das erste Mal in seiner NFL-Karriere fumblet. Das war Ende des dritten Viertels und da entschieden sich die Bengals, mal wieder vernünftigen, disziplinierten Football zu spielen.

Dalton steht das ganze Spiel über sehr selbstbewußt in der Pocket, einige Male auch zu selbstbewußt bei den wilden Blitzes und mußte das lange Ballfesthalten mit einigen blauen Flecken bezahlen. A.J. Green zerstört CB Hall in Mannverteidigung ein ums andere mal, aber weil Washingtons DC Haslett ein „my-way-or-the-highway“-Typ zu sein scheint, bleibt es bei man coverages und blitzes und es bleibt dann schließlich auch bei den selben Ergebnissen wie in der ersten Hälfte. TE Gresham macht den TD zum 31-24 und den Schlußpunkt setzt WR Andrew Hawkins mit einem 59-Yard-TD, bei dem er erst seinen Verteidiger schlägt und schließlich im Playstadion-Modus zickzack zwischen einigen anderen Veteidigern hindurch zum 38-24 wuselt. Überhaupt dieser Hawkins! Zuweilen erinnert der kleine Irrwisch an einen Percy Harvin. Er könnte die zweite, dringend benötigte Waffe neben Green sein.

Gegen ganz softe Zonenverteidigung, fast schon prevent defense, kommt Washington zwar nochmal auf einen TD heran, aber weil auch HC Mike Shanahan von den Blödsinnigkeiten seines DCs genug hat (zu seiner Verteidigung sei gesagt, daß sein Personal im Defensive Backfield auch nur Regionalliganiveau hat), versuchen die `Skins mit noch 3:35 Minuten (!) einen Onside Kick. Game Over. Zum Schluß hat Kyle Shanahan dann noch die Referees verfolgt und sie aufs Übelste beleidigt, aber das gehört ja mittlerweile zum guten Ton.

Spieler des Spiels sind die DEs Dunlap und Johnson auf der defensiven Seite. Und der kleine Andy Dalton auf der anderen Seite, der mit der aggressiven Defense umgegangen ist wie ein Großer.

Glaskugel 2012: Cincinnati Bengals

 

Die Quote für einen Super-Bowl-Sieg der Cincinnati Bengals liegt derzeit bei 41,00. Wenn man vor der Saison nur zum Spaß mal einen Zehner setzen will, gibt es keine bessere Wette. Nach dem Preseason-Spiel gegen die Falcons bin ich mir sicher, daß diese Bengals ein Playoff-Team sind. Man sieht in Preseason-Spielen ja nicht viel, aber in diesem Spiel und auch schon in den zwei Serien vorher gegen die Jets war deutlich zu erkennen, daß Andy Dalton offensichtlich in einen Eimer voller Selbstvertrauen und Toughness gefallen ist; daß A.J. Green nicht mehr ein junger College-Star, der sich bei den Großen versucht und dabei ganz gut aussieht, sondern (jetzt schon) ein echter Nr.1 WR; und daß die Defense eine der besten ligaweit sein wird: hochtalentierte und ambitionierte junge Wilde, beeindruckende Tiefe auf allen Positionen und ein erstklassiger Defensive Coordinator in Mike Zimmer.

In der letzten Saison haben die Bengals einen Neustart um die Rookies Dalton und Green versucht und dabei sogar die Playoffs erreicht. Das war einerseits ein wenig glücklich, da alle sieben Spiele gegen Playoff-Mannschaften verloren wurden. Andererseits hatten die Bengals selber recht viele Turnovers (nur vier Spiele ohne TO) und in der Defense kaum Bälle erobert. Das Pendel sollte 2012 in die andere Richtung ausschlagen, da 1) der neue RB Ben-Jarvus Green-Ellis niemals fumblet und 2) die Defense stärker sein wird und aller Voraussicht nach auch die regression to the mean zuschlagen wird.

Ebenso vorteilhaft sollte der Schedule sein: nach der Monday-Night-Eröffnung in Baltimore spielt Cincinnati gegen Cleveland, Washington, Jacksonville, Miami und wieder Cleveland. (Wo kann ich auf einen 6-0-Start wetten?) Nach einem Sunday Night Game gegen Pittsburgh und der Bye-Week sind vier der folgenden fünf Spiele gegen die mittelmäßige AFC West. Wer soll die Bengals auf dem Weg in die Playoffs stoppen?

Aber genauer: warum der Optimismus?

Defense Bengals

Cincinnati hat eine sehr tief besetzte Defense mit vielen jungen Spielern. Das geht schon in der Defensive Line los – wie es das gute alte Lehrbuch verlangt. DE Carlos Dunlap, der aussieht wie Jason Pierre-Paul, aber ein bißchen länger in seiner Entwicklung gebraucht hat, war eh schon stark und sollte in seiner vierten Saison endgültig ein breakout year haben, nachdem er schon 2011 kaum einen Vergleich in der AFC zu fürchten brauchte. Noch besser sollte DT Geno Atkins sein. Atkins ist einer der besten Pass Rusher, die man in der Mitte einer Linie finden kann. Neben Atkins stehen mit Domata Peko und Pat Sims zwei zuverlässige und solide Ergänzungen. Weil DC Mike Zimmer niemals genügend Linemen sein eigen nennen kann, hat man dieses Jahr in den Runden zwei und drei mit Devon Still und Brandon Thompson noch weiter nachgerüstet. Als Defensive Ends stehen neben dem 2,00m-Mann Dunlap Michael Johnson (2,02m) und Jamaal Anderson (1,98m). Der älteste aller bis jetzt genannten ist Peko mit jugendlichen 27 Lenzen.

Das LB-Corps wird angeführt vom ehemaligen 1st-rd pick Ray Maualuga. Maualuga ist keine Weltklasse, aber hinter dieser Linie reicht auch ein solider, aber energiegeladener Typ wie er. Daneben stehen Thomas Howard, einer der besseren Verteidiger in Zone Coverages und und Manny Lawson, gut gegen den Lauf und mit seinem 1,95m-Körper auch wild auf Quarterbacks.

Schedule

Wk1 @ BAL (MNF)
Wk2 V CLE
Wk3 @ WAS
Wk4 @ JAX
Wk5 v MIA
Wk6 @ CLE
Wk7 v PIT (SNF)
Wk8 BYE
Wk9 v DEN
Wk10 v NYG
Wk11 @ KC
Wk12 v OAK
Wk13 @ SD
Wk14 v DAL
Wk15 @ PHI (TNF)
Wk16 @ PIT
Wk17 v BAL

Die Cornerbacks werden angeführt von Leon Hall. Der erfahrene und doch erst 27 Jahre alte Hall hat letztes Jahr schon so gut gespielt, daß man Jonathan Joseph fast gar nicht mehr vermißt hat. Auf der anderen Seite steht Nate Clements. Einstmals mit dem größten CB-Vertrag aller Zeiten in San Francisco gesegnet, hat er sich nunmehr in seinem 33. Lebensjahr mit der Rolle als sichere Bank zufrieden gegeben – füllt diese aber auch gut aus.

Weil Mr Adam Jones, genannt Pacman, daneben zwar immer noch unglaublich talentiert ist, aber mit diesem Talent gerne Roulette spielt, hat man einerseits mit Terrence Newman einen alten Liebling von Zimmer verpflichtet und andererseits mit Dre Kirkpatrick den Pfeiler von Alabamas Meisterschafts-Secondary in der ersten Runde gedraftet. Newman sah erstaunlich gut aus in den ersten beiden Spielen. Er könnte einer dieser Spieler sein, die mit einer neuen Herausforderung und einem Coaching Staff, bei dem man sich richtig wohlfühlt, noch mal durchstarten. Newman kam aus Dallas, wo er in den letzten Jahren von Fans und Trainern madig gemacht wurde (durchaus zu Recht), aber Zimmer, sein ehemaliger DC bei den Cowboys, hält ganz große Stücke auf ihn und meint zu wissen, wie man ihn einsetzen muß. Kirkpatrick vertreibt sich derzeit die Tage noch lieber mit Ärzten und Masseusen, aber wenn er wieder fit ist, hat Cincy einen starken und vier gute CBs. Mehr als fast alle anderen Teams.

Dünn sieht es nur bei den Safeties aus. Reggie Nelson ist gesetzt. Bei Nelson denke ich immer an „Oh-sorry-das-war-ja-mein-Mann-der-da-gerade-wegläuft“-Plays, aber Leute wie Andy Benoit oder PFF halten ihn für ganz solide. Daneben spielt dann wahrscheinlich Taylor Mays. Den physischen Voraussetzungen nach der beste Safety der Liga; aber wenn man ihn spielen sieht denkt man manchmal, der hat vorgestern das erste Mal auf einem Footballplatz gestanden. Eine Wildcard hat hier noch Rookie George Iloka, der bei Boise State für großes Aufsehen gesorgt hat, aber im Camp und in den Spielen ist er bis jetzt noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten.

Offense Bengals

Nach der enttäuschenden Saison 2010 mit nur vier Siegen, sollte der Umbruch her. QB Carson Palmer und WR Chad Ochocinco spielten keine Rolle mehr in den Planungen und wurden in der Draft 2011 durch die 1st- und 2-nd round picks A.J. Green und Andy Dalton ersetzt. Außerdem wurde Jay „ja, der Bruder von Jon“ Gruden als Offensive Coordinator verpflichtet. Es sollte eigentlich nur ein Übergangsjahr werden, aber dann hat die Defense getragen und die Dalton-Green-Offense hat ganz solide gespielt und nichts kaputt gemacht. Dalton ist klein und schmächtig und ihm fehlt auch der ganz große Arm, aber er macht es weg durch gutes decision making und akkuraten Pässen, wenn er nicht gerade quer zur gegenüberliegenden Seitenlinie werfen muß. Gruden hat ihm auch eine recht simple, aber einigermaßen effektive Offense geschneidert, die ihn nicht überfordert. Nun traut er ihm etwas mehr zu und Dalton stand in den Preseason Games mit einer fast schon arroganten Coolness in der Pocket und hat sich von 300 Pfund Mensch in seinem Gesichtsgitter gar nicht weiter irritieren lassen.  Pocket awareness ist eine der wichtigsten Eigenschaften für einen QB, aber man kann es auch übertreiben – dann steckt man zu viele harte Hits ein und risikiert Ballverluste. Wir haben also einen jungen, talentierten QB mit Schwächen, die sein OC überdecken hilft und der sich in der Offseason merklich weiterentwickelt hat. Wenn er jetzt auch noch einen 1,92m Hünen mit sicheren Händen hätte auf den er sich immer verlassen kann…

…enter A.J. Green. Gepriesen als eines der größten WR-Talente der letzten Jahre, konnte er die hohen Erwartungen mit mehr 1000 Receiving Yards tatsächlich erfüllen – und er hat noch viel Raum nach oben. Problematisch wird es nur hinter Green. Jerome Simpson ist jetzt in Minnesota und im Kader ist nur noch Mittelmaß à la Brandon Tate und Andrew Hawkins.  Angeblich ist man mit 2nd-year man Armon Binns hochzufrieden und hält auch ganz große Stücke auf Rookie Mohamed Sanu.

Komplettiert wird Daltons Spielzeugkiste von TE Jermaine Gresham. Mit seinen 1,95m ist Gresham auch einer dieser „neuen“ Tight Ends und hat mit seinen erst 24 Jahren auch noch massig Entwicklungspotential. Daneben stehen dann noch der erfahrene Donald Lee und der Rookie Orson Charles.

Geschützt wird das Paßspiel auf den äußeren Positionen von LT Andre Whitworth und RT Andre Smith. Smith war mal 6th overall pick, bekam dann aber schnell das Bust-Label auf seinen übergewichtigen Wanst geknallt, während Whitworth wohl der unbekannteste Top-5-Tackle ist. Gemeinsam bilden sich eines der besten Tackle-Paare der Liga.  Den Center gibt der weder positiv noch negativ auffällige Kyle Cook. Die Guard-Positionen sollten aufgewertet werden und zumindest mit Rookie-RG Kevin Zeitler (WISCONSIN!) hat das auch geklappt. Links sollte FA Travelle Wharton spielen, der hat sich aber schon ins Lazarett verabschiedet. Der 23-jährige Clint Boling wird ihn wohl ersetzen.

Man steckt große Hoffnungen in Zeitler und Boling. Die Mitte der Linie war ein wenig das Sorgenkind der Bengals, da nur selten große Lücken für die RBs gerissen wurden. Wobei man auch zugeben muß, daß Cedric Benson schon lange nicht mehr der Fitteste war. Als jüngeres Upgrade kam The Law Firm Ben-Jarvus Green-Ellis von den Patriots. BJGE ist kein großer Brecher und auch nicht der Schnellste, aber er ist solide und ungemein sicher im Umgang mit dem Ball. Nach vier Jahren und mehr als 500 Touches in der NFL steht bei ihm immer noch kein Fumble im Resumee. Ein bißchen explosiver sollten Bernard Scott und Rookie Boom Herron sein.

Ausblick Bengals

Die Bengals sind kein Favorit auf den Super Bowl. Aber die Bengals sind ganz sicher eines der besseren Teams in der AFC. Ich würde sogar behaupten, daß Cincinnati in der AFC-North-Hackordnung an Baltimore vorbeigezogen ist. Die Verteidigung hat Top-5-Potential und durch die Tiefe auf beinahe allen Positionen sollten auch Verletzungen sie nicht allzuweit zurückwerfen.

Die Offense braucht den nächsten Schritt von Dalton nach vorne und ein gutes Laufspiel. Die Ingredenzien sind alle vorhanden und Zeit wirds, daß Cincy mal wieder zwei positive Saisonbilanzen in Folge hat. Das letzte Mal gab es das in den Jahren 1976 und ´77.

Cincinnati Bengals in der Sezierstunde

Die Cincinnati Bengals waren 2011/12 eine mittelmäßige Mannschaft. Das ist ein Kompliment, da ich dieser Mannschaft nach einer chaotischen Offseason mit unklaren Machtverhältnissen zwischen Besitzer und sportlicher Leitung nichts zugetraut hatte. So liest sich die 9-7 Bilanz mit der klaren Playoffniederlage in Houston am Ende wie ein Erfolg.

Die Geheimnisse liegen weniger in den Zahlen der Offense (Overall Y/A #23, Lauf #26, Pass #26), dafür mehr in der Defense (Overall Y/A #9, Lauf #6, Pass #7), aber vor allem auch bei den Special Teams. Die Bengals waren die 49ers für Arme.

Starting Field Position Offense:  30.1    #5
Starting Field Position Defense:  25.9    #6

Dazu verschenkte die Offense bei aller sonstiger Mittelmäßigkeit nur einmal pro zehn Drives den Ball – fertig ist eine unspektakuläre, aber effiziente Saison. Und es gibt einfaches Steigerungspotenzial: Die Defense zum Beispiel fing schwache zehn Interceptions ab – eine Quote von 1.9 Interceptions pro 100 Passversuchen. Die Bengals tendieren unter Marvin Lewis überhaupt dazu, nur wenige Bälle abzufangen, aber als es zum letzten Mal vergleichbar so wenige INTs waren, kassierte man ein 4-11-1 im Jahr 2008/09 und startete eine Saison später prompt durch. Die INT-Quote in der Defense ist eine Statistik, die sich historisch bewiesen „zufällig“ verhält und somit in der nächsten Saison ein paar „Gratis-Turnovers“ für die Bengals bringen sollte.

Stellschrauben

Die Bengals haben einen jungen Quarterback Andy Dalton, der gut und interessant genug ist, dass OffCoord Jay Gruden trotz attraktiver Anfragen erstmal mit dem Rotschopf weiterarbeiten möchte. Dalton versteht sich exzellent mit dem ebenso jungen WR A.J. Green, einem spektakulären deep threat, und kann zudem auf den jungen TE Jermaine Gresham (56 Catches ,596yds, 6 TD) und eine – erraten – junge Offensive Line mit Potenzial für mehr bauen. Vor allem die beiden Tackles, LT Whitworth und RT Smith, werden mittlerweile zu den besten ihres Fachs gezählt. Wo Blutauffrischung helfen könnte: Guard.

Dort sind beide Starter vertraglos. Livings ist der jüngere, gilt aber als Enttäuschung, während Bobbie Williams schon bei bei meinen Superbowlsiegen mit Madden 2004 ein Routinier war und entsprechend mit Mitte 30 keine fünf Jahre mehr im Tank haben dürfte. Glücklicherweise ein guter Jahrgang für Guards im Draft.

Free Agents sind die beiden Wide Receiver mit Bigplay-Anlagen: Jerome Simpson und Andre Caldwell – wenn das Playoffspiel eines gezeigt hat, dann, dass die Bengals sich von ihrer Abhängigkeit von Green lösen werden müssen. Simpson wäre noch vor eineinhalb Jahren mit seiner beachtlichen polizeilichen Akte ein 100%iger für die Bengals gewesen, aber nach dem Brown’schen Sinneswandel würde ich auf einen Verbleib nimmer allzu viel wetten.

Einen Sophomore-Slump Daltons abgesehen, kann man bei den Bengals im Angriff also neben „Guard“ auch die Notwendigkeit nach einem weiteren verlässlichen Wide Receiver und einem agileren Running Back, der auch mal einen 50yds-Lauf auf die Reihe bekommt, verorten.

Da liest es sich fast wie ein „Glücksfall“, dass der fleißige, aber unexplosive RB Cedric Benson auslaufenden Vertrag hat. Gefährlichere, billigere und vor allem jüngere Backs sollte der Markt zuhauf hergeben (Benson 3,9yds/Carry).

Die Defense ist um eine exzellente Defensive Line gebaut, deren Tackles „Stubbelhaar“ Peko und Geno Atkins sowie DE Carlos Dunlap unbekannte, aber – erraten – junge Kaliber sind und der vielversprechende DT Nick Hayden dürfte als RFA einfach zu halten sein. Manny Lawson, ein unspektakulärer, aber athletischer und vielseitiger OLB, hat auslaufenden Vertrag und sollte gehalten werden.

Wo es hapert, ist die Pass-Defense: Ein zweiter starker Cornerback neben dem großartigen Leon Hall täte Not, vor allem, wenn Pac-Man Jones wider Erwarten gehen sollte.

Die wichtigste Person bleibt der Defense aber auf alle Fälle erhalten: DefCoord Mike Zimmer, einer der Sympathieträger schlechthin, und der Architekt hinter dieser wenig aufregenden, aber nicht zu unterschätzenden Defense.

Ausblick

Das Gerüst der Bengals steht. Und dank Palmer und Hue Jackson (der nun ausgerechnet in Cincy als verkappter Assistenz-OffCoord offiziell den Defensive Backs-Stift gibt) gibt es im Draft gleich zwei Draftpicks in der ersten Runde (#17 und #21), die sich zu den Picks #53 und #84 gesellen. Befürchtungsweise werden die Bengals unter dem abgrundtief vertrauensunwürdigen Owner/GM Mike Brown eine Dummheit veranstalten und einen der Top-Picks für einen großen Namen wie RB Richardson verkaufen. Sollte man jedoch in Punkto Guard, Defensive Back und Wide Receiver punkten, wird die Mannschaft einen Schub erleben.

Es sieht insgesamt also nach Work in Progress aus, aber ein ein erneuter schwerer Rückfall der Bengals wäre eine Überraschung – diese Mannschaft ist definitiv eine, die ich trotz ermutigender Anzeichen zu wenig auf dem Zettel gehabt hatte. Wird diesmal nicht mehr passieren.

Wild Card Weekend 2011/12 am Samstag

Playoff-Zeit in der NFL! Alle Jahre wieder eines der Highlights des Sportjahres, und heuer im Vergleich zu anderen Jahren sogar mit einer sich ordentlich anhörenden Aufwärmrunde im Wildcard-Wochenende. Heute Nacht finden die ersten beiden Spiele statt, und eines ist ein echter Leckerbissen von einem Matchup.

Houston Texans – Cincinnati Bengals

Sa, 22h30 LIVE bei ESPN America
Aufzeichnung: So, 8.1. um 9h30 bei ESPN America

Ganz großes Underdog-Duell mit einigen interessanten Facetten im wunderschönen Reliant Stadium: Die Playoffdebütanten Houston Texans und die schnell wieder aus der Versenkung emporgestiegenen Cincinnati Bengals spielen heute Abend einen unerwarteten Playoff-Viertelfinalisten unter sich aus.

Die Houston Texans sind seit Jahren ein schlafender Gigant, eigentlich seit Gary Kubiak dort vor fünf Jahren als HeadCoach installiert wurde. Kubiak gilt als exzellenter Talentevaluator und Offensivgeist, jedoch auch als abgrundtief unzuverlässiger Michel in der Crunch Time, weswegen Houston immer wieder vielversprechende Spiele und Spielzeiten verschenkte. Nicht so heuer. Trotz großem Lazarett (QBs Schaub und Leinart, OLB Williams auf der IR, RB Foster und WR Johnson lange ausgefallen) und mit einer nach Systemumstellung unter dem neuen DefCoord Wade Phillips schlagartig verbesserten Defense sprang der Seed #3 heraus.

Die Cincinnati Bengals erleben in den neun Jahren unter HeadCoach Marv Lewis ein Auf und Ab, waren letzten Winter mal wieder ganz unten angekommen. Lewis durfte damals völlig überraschend bleiben, rückte mit der Mistgabel an, draftete sich zwei Monate später mit QB Andy Dalton und WR A.J. Green einen neuen Offensivkern und schnappte sich die letzte AFC-Wildcard, die weder Titans, noch Raiders, noch Jets haben wollten.

Beiden Teams wird blankes Mittelmaß nachgesagt. Den Bengals wird fein säuberlich unter der Nase zerrieben, dass alle ihre sieben Spiele gegen Playoffgegner verloren gingen und nur der Sieg über die Titans (9-7) als so was Ähnliches wie ein „Qualitätssieg“ einzustufen ist. Damit haben die Bengals nur einen Sieg über eine Mannschaft mit positiver Saisonbilanz und ergo auch nur einen solchen Sieg mehr als die New England Patriots. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass die Bengals nur einen „Blowout“ kassierten (7-35 vs Pittsburgh) und alle anderen Spiele mit maximal einem Score Differenz verloren gingen (5-6 in engen Spielen). Dem gegenüber steht ein suspekter Spielplan der Texans: Zwei respektable Siege über Pittsburgh (Wk 4) und Atlanta (Wk 13), aber nach weiteren Big Points sucht man vergeblich und zuletzt sagte man den Texans nach, nur noch lustlos die letzten heilen Knochen über die Regular Season gerettet haben zu wollen.

Dabei hatte Houston mal einen phänomenalen Angriff, bis ein Quarterback nach dem anderen auf die IR wanderte, weswegen die Offense immer mehr zur Show der beiden Running Backs Arian Foster/Ben Tate mutierte, die hinter einer der besten Offensive Lines in der NFL ganz in der Tradition von Kubiaks laufstarken Maschinen zu Broncos-Zeiten stehen. Foster/Tate gegen Cincinnatis hochgelobte Front Seven – ein Matchup aus der obersten Schublade.

Freilich wird es nicht ganz ohne Werfen gehen. QB T.J. Yates ist ein Grünschnabel, dem man eine gehörige Portion Selbstvertrauen, aber auch ein allzu lockeres Abzugshändchen nachsagt. Es deutet alles darauf hin, dass Yates auch heute Abend trotz Schulterproblemen zumindest zu Beginn den Vorzug gegenüber dem neu geholten Jungstar©Walter Reiterer Jake Delhomme erhalten wird. Delhomme hätte reichlich Playofferfahrung aus seinen Tagen in Carolina, gehört aber wie Yates nicht zu den sichersten Kandidaten unter Passrush-Bedrohung. Nicht zu vergessen: Der Mann, um den die Texans-Offenses der letzten fünf Jahre gebaut waren, ist wieder mit von der Partie: WR Andre Johnson, der 1,91m-Mann, der nicht 100%ig fit sein wird, aber zumindest als Ablenkungsmanöver fungieren kann.

Auf der anderen Seite ist auch Cincinnatis Angriff limitiert: Das Laufspiel um RB Cedric Benson ist nicht explosiv (nur 3.9yds/Carry), und so achtbar Dalton seinen Job erledigt: Mehr als 20-23 Punkte serviert Cincinnati nur selten:

27-22-8-23-30-27-34-24-17-24-31-23-7-19-20-23-16

Auf der anderen Seite sind die negativen Ausreißer nur knackigen Gegnern wie San Francisco (8) oder Pittsburgh (7) verschuldet. Dalton ist wie Yates ein Rookie-Quarterback und dürfte trotz des immer noch eher simpel gestrickten GamePlans bereits die zweite Stufe der QB-Hierarchie erklommen haben. Mit Rookie-WR Green (65 Catches, 1047yds, 7 TD) hat Dalton ein spektakuläres deep threat zur Seite, dessen Privatduell mit dem ex-Bengals CB Jonathan Joseph von mitentscheidender Bedeutung sein wird. Wird Green seinem Status als „Bedrohung“ gerecht, werden unweigerlich Räume für Cincinnatis restliche Flotte um TE Gresham frei.

Mit einer Defense, die analog zur Offense außerordentliche Konstanz an den Tag legt, dürfte es dann nichtmal ein Punktefeuerwerk benötigen.

17-24-13-20-20-17-12-17-24-31-20-35-20-13-16-24

Das sind die kassierten Punktzahlen der Bengals pro Partie. Die Defensive Front Seven der Bengals gilt als exzellent, erzwingt nicht viele Turnovers, aber legt sich wie Mehltau über die Offenses und macht die Schotten dicht genug, um eine Offense mit mäßiger Oktanzahl bei rund 17 Punkten zu halten.

Eine Prognose für dieses Spiel abgeben zu müssen fühlt sich wie ein Besuch beim Doktor an: Mal sehen, wie es dem Patienten geht. Houstons letzter Sieg datiert vom 14. Dezember 2011 – als ausgerechnet in Cincinnati die Playoff-Qualifikation eingetütet wurde – in einem Spiel, in dem man unisono den Texans aberwitzig viel „Glück“ nachsagte. Cincinnati würgte sich seinerseits nur auf den Felgen in die Playoffs. Beide wurden damit belohnt, nun auf einen Gegner auf Augenhöhe zu treffen – remember? Gutklassige Gegner sind gegen beide in Gefahr, hochklassige werden in Ruhe gelassen.

Knapper Heimsieg der Texans, die sich vom Kubiak-Trauma lösen und mit wehenden Fahnen in Baltimore untergehen werden.

New Orleans Saints – Detroit Lions

Sa/So, 02h LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Aufzeichnung: So, 8.1. um 12h bei ESPN America und um 12h25 bei SPORT1+

Ich machte nie einen Hehl daraus, Fan der Detroit Lions zu sein – heute Abend wird diese Mannschaft zum ersten Mal seit ich Football verfolge ein Playoffspiel bestreiten. Der Gegner ist mit den New Orleans Saints ein Traumlos: Wenig „Downside“, viel „Upside“ in einer Partie, in der die Lions im Prinzip nur gewinnen können. Und ein Sieg würde im Gegensatz zu einem Erfolg über sagen wir die New York Giants auch sofort Aufsehen stiften.

Ich habe bei Spox bereits eine ausführliche, weniger analytisch veranlagte Vorschau gegeben, auf die ich hier verweisen möchte. In diesem Eintrag stellte ich die Behauptung auf, die Lions seien an einem guten Tag ein Äquivalent von „Saints für Arme“. Die Ähnlichkeiten zwischen beiden Mannschaften sind in der Tat frappierend.

Beide Offenses setzen in Ermangelung eines vertrauenswürdigen Laufspiels auf passgewaltige Quarterbacks hinter einer ordentlichen, aber nicht dominanten Offensive Line und müssen daher mit möglichst vielen Anspielstationen in der Formation versuchen, die Defense auseinanderzuziehen. Das sieht dann auf der Tafel so aus: Saints-QB Drew Brees stellte mit 5476yds einen neuen Passrekord auf, während Lions-QB Matthew Stafford eine Woche später nachzog und als vierter Quarterback der NFL-Geschichte die 5000er-Marke knackte: 5038 Pass-Yards für Stafford. Beide Quarterbacks mit mehr als 40 geworfenen Touchdowns (Brees 46, Stafford 41), beide mit in etwa gleich vielen Interceptions (Brees 14, Stafford 16). Beide mit frappierend gleich vielen Passversuchen (Brees 657, Stafford 663), allerdings ist Brees mit seiner unglaublichen Completions-Rate von 71.2% eine Ecke über den nicht immer konzentrierten Stafford (63.5%) zu stellen.

Auch die Ballfänger schenken sich nicht viel. Die Yard-Zahlen der besten Receivers, Running Backs und Tight Ends:

Saints: 1310-1143-710-627-620-503-425
Lions:  1681- 777-757-607-347-287-230

Beide Offenses vertrauen mächtig auf einen Tight End (NO Graham 1310yds, DET Pettigrew 777yds), allerdings ist Detroit Angriff eine Spur mehr „top-heavy“ besetzt, hängt völlig überraschend recht stark am Tropf von WR Calvin Johnson, der nach Flaute zur Saisonmitte in den letzten Wochen wieder zu absoluter Hochform auflief.

Beide setzen auf Laufspiel nur als Ablenkungsmanöver. New Orleans bringt 4.9yds/Carry zustande, während Detroit nur 4.3yds/Carry macht. Beide Offenses sind fast gleich effektiv: New Orleans bewegt das Ei 6.8yds/Spielzug, Detroit 6.2yds/Spielzug. Die Lions sind minimal effizienter, brauchen nur 13.4yds Offense, um einen Punkt zu erspielen, während die Saints 13.7yds zurücklegen müssen (#5 und #6 der Effizienzliste). Man sieht: Die Teams sind eng beisammen, prinzipiell ähnlich gebaut, aber in jeder statistischen Kategorie sind die Saints noch einen Tick besser, reifer als die Detroit Lions.

Enger liegen die Defenses beieinander, wobei die Lions dem Gegner deutlich mehr Turnovers (#4) abjagen, während die Saints aufgrund sehr guter Feldposition (#5) zwar mehr Yards (#25/Drive) kassieren, aber den Gegner tendenziell bei eher wenigen Punkten halten. Wobei die Saints-Defense bei mir aus Prinzip im Verdacht steht, zu abhängig von den aggressiven Blitzformationen von DefCoord Gregg Williams zu sein – und Williams ist dafür bekannt, in den Playoffs noch einen Tick rücksichtsloser zu Werk zu gehen. Das kann gut gehen, aber wenn der Pass Rush mal nicht zündet…

Trotzdem sind die formstarken Saints für mich klar favorisiert, zumal zu Hause. Die völlig unerfahrenen, noch immer sehr jungen Lions dürften mit Hormonschwankungen im lautesten NFL-Dome zu kämpfen haben und riskieren, als Langsamstarter gegen Brees’ Passfeuerwerk schnell hoch in Rückstand zu geraten. Lions-Comebacks sind schön und gut, aber bis dato zeichnete sich ein weiterer Trend ab: Detroit besiegt Gegner bis hinauf in die obere NFL-Mittelklasse, aber gegen die wirklichen Top-Teams wurde heuer samt und sonders verloren, wenn auch knapp:

-3  vs San Francisco
-7  vs Atlanta
-24  @ Chicago (mit Cutler/Forté)
-12 vs Green Bay
-14  @ New Orleans
-4   @ Green Bay

Statistiken eines gigantischen Sleepers für die kommenden Jahre, und auch die SNF-Niederlage bei den Saints vor einigen Wochen war unter unglücklichen Umständen zustande gekommen knapper als gedacht, als die Lions nach schnellem hohem Rückstand irgendwann sogar die Chance zum Ausgleichen hatten. Die Mannschaft ist von HeadCoach Jim Schwartz so gebaut, dass sie bereits jetzt gegen einen grundsoliden Gegner in den Playoffs Rabatz machen könnte. Aber sie ist vermutlich noch nicht weit genug und noch 1-2 Bausteine davon entfernt, einen Giganten wie Sean Paytons Saints in dessen Superdome auszuschalten.

14pts-Sieg für die Saints.

Notizblock NFL Woche 11: CIN/BAL & PHI/NYG

Cincinnati Bengals (6-3) @ Baltimore Ravens (6-3) [Gamecenter] [Gamebook]

[inactives: Ray Lewis, Ray Lewis, Ray Lewis]

TD Drive CIN: zwei big plays + DPI

TD Drive BAL: blown coverage nach roll out Flacoo

– Q2/10:10: BAL wirft jetzt immer öfter aus I-Formation; WR Torrey Smith viel zu schnell für CB Clements und Flacco wirft perfekten Paß

– es geht nur über Big Plays; keine Offense bringt mal einen längeren Drive zustande

– furchtbare INT von Flacco gegen Nate Clements w/1:24 in CIN territority

– und dann nach zwei First Downs wirft Dalton einen schrecklichen Ball mitten in die Endzone, wo Ed Reed in natürlich findet (Hey Dalton, lerne bitte Ed Reed vor dem Spiel gegen Baltimore kennen!)

– beiden Verteidigungsreihen spielen das sehr gut und diszipliniert; vor allem von der Ravens-D ist immer einer da, wo der Ball ist und kein Tackle wird verpaßt; Laufspiel geht gar nicht bei beiden; 7 3&outs in der ersten Hälfte; 14-7 Ravens

Das war tatsächlich alles Wichtige aus der ersten Hälfte.

– Q3/13:12 dann aus dem Nichts rennt Ray Rice über 60 Yards, weil Safety Chris Crocker einen völlig falschen Winkel nimmt und den Tackle verpaßt; es wird aber doch nur ein FG; 17-7 BAL (Q3/10:50)

– Q3/6:51 nach einem starken Play, bei dem er zwei fast-Sacks entkommt und seinen FB tief ganz offen findet und einer blown coverage gegen TE Gresham ist Ciny plötzlich in der EZ und es steht 14-17

Ravens D spielt fast aussschließlich Base-D gegen CIN; CIN ohne deep threat, weil A.J. Green verletzt draußen sitzt, versucht im 3ten Viertel mal einen Flea Flicker und RB Benson schafft nicht mal den Paß zu Dalton

– Q3/0:40: Dalton mit fürchterlicher INT bei einem Slant; Jimmy Smith fumblet den Ball, der fliegt durch die gesamte Redzone und die Ravens sichern den Ball an der 2-Yd-Linie, next play TD Rice 24-14

– Dalton dann wieder mit schlechtem Paß und INT von CB Webb; Q4/ 14:02; nächster Spielzug Playaction Flacco tief auf WR Smith; 31-14

– Jimmy Smith läßt Andre Caldwell einfach so vorbeilaufen; 10:59, starker Paß von Dalton, Cincy gibt nicht auf 21-31

– über die Mitte wirft Dalton richtig gut; aber bei Pässen an die Seitenlinie und bei Slants hat er immer wieder accuracy Probleme; kaum hab ich das aufgeschrieben, wirft er eine out-route zum TD (Gresham) nach anständigem hurry-up-drive 28-31; 5:35, der dann aber doch nicht zählt nach Calvin-Johnson-Catch-Rule-Overturning; FG zum 24-31; Cin jetzt fast ständig mi 7 Mann in Protection und nur 3 Recivers auf Routen, um es einfacher für Dalton (und die OLine) zu machen

– kurz vor der 2-min-warning stoppen die Bengals die Ravens bei 3rd&1 und bekommen nochmal einen Drive

– Dalton starts on own 13 w/ 2:27; WR Jerome Simpson macht das Spiel seines Lebens; Dalton mit starker 45yd-Bombe und Riesencatch von Simpson

– in der RZ dann wieder der schlechte Dalton: schlechter Paß on kurzer Out-route und intentional grounding (der horse-collar tackle von Suggs wird komischerweise einfach ignoriert); 3rd&goal from BAL17; die O-Line bricht total zusammen bei den vier Downs and Goal to go gegen 3-Man-Rush

– CIN hat wirklich tough gegen BAL und PIT gespielt, aber verloren; die Bengals haben ein gutes, junges Team, sind aber noch nicht da wo die anderen beiden Hausnummern der AFC North sind

– Flacco und Dalton haben beiden wie Rookies gespielt: mal gute Pässe, mal schlechte, aber insgesamt enttäuschend inkonsistent, wobei aber auch beide Defenses ziemlich stark gespielt haben; es gab keine guten, langen Drives, sondern alle Punkte basierten auf Big Plays, wobei die Ravens einfach mehr (vor allem in der Defense) davon gemacht haben und am Ende die drei INTs von Rookie Dalton der Unterschied waren. Baltimore ist jetzt mit 7-3 und Tiebreakers gegen Pittsburgh und Cincinnati in guter Position in der AFC North.

Philadelphia Eagles (3-6) @ New York Giants (6-3) [Gamcenter] [Gamebook]

[inactives: QB Vick, WR Maclin, CB Rodgers- Cromartie; LB Michael Boley – Herzlich starts]

– LT Will Beatty bekommt von Anfang an TE/RB-Hilfe gegen DE Trent Cole

– im zweiten Drive wirft QB Vince Young einen furchtbaren Paß zu Jackson, der schon an Amukamara vorbei war und schenkt dem Rookie im ersten Spiel seine erste INT

– anschließend wirft Eli Manning eine INT wie in seinen schlechtesten Tagen; danach gibts auch gleich gute alte Rivalry-Kloppe und mehrere personal-foul-flags, nach der INT gibts aber auch keine Punkte, weil der oft so hochgelobte LG Evan Mathis schläft und bei 3rd-&1 an NYG 38 einfach so DT Chris Canty nicht blockt

– schon im ersten Viertel gibts ständig mehr oder weniger ernsthafte Rudelbildung; es gibt aber auch nicht schöneres, als Rivalry-Games im November

– die Eagles sind schon seit einigen Wochen dazu übergegangen, nicht mehr beide DE so ganz weit außen an der LOS zu plazieren (die so berühmt gewordene 9 technique), sondern nur noch einen, und der andere ist meistens in recht traditioneller DE-Aufstellung, das klappt auch viel besser

Vince Young wirft den Ball wie eine schlechte Mischung aus Tim Tebow und Philip Rivers

– die Giants D-Line spielt mit vielen „seltenen“ Aufstellungen: 3DE und 1DT; 3 DLiner sogar on 1st Down; on 3rd Down auch ihre Nascar-Defense (4DEs); und sehr oft spielt Deon Grant den dritten LB neben Herzlich und Kiwanuka, weil nach den ganzen Verletzungen nur noch der andere Rookie-LB Spencer Paysinger spielen kann

– die beiden Eagles-Offensive-Tackles Jason Peters und Todd Herremanns sehen ganz gut aus, aber die drei in der Mitte (LG Mathis, C Kelce, RG Watkins) haben immer wieder Probleme, vor allem im Laufspiel

– Q2/11:36: FG Eagles, die ersten Punkte zum 3-0

– Q2/8:49 nach abgefälschtem, schlechtem Paß holt sich S Phillips die INT; Giants spielen nach der Verletzung von WR Jackson mit 8 „Man in the box“ und wollen einzig RB McCoy aus dem Spiel nehmen und Young kann nicht mal daraus Kapital schlagen

– die Eagles-D spielt ziemlich gut; auch die (auch von mir immer böse gescholtenen) LB Akeem Jordan und Brian Rolle; Giants leiden vor allem darunter, daß sie überhaupt kein bißchen Laufspiel auf die Reihe kriegen

Jackson kommt schon Mitte des 2ten Viertels zurück und macht ein Big Play über 50 yards nach 1st Down from PHI2; der dann aber nach unfaßbar dummer Taunting-Strafe gegen Jackson overturned wird, wow….

– nachdem Philly dann tatsächlich von der eigenen 2-Yd-Linie bis in New Yorks Hälfte kommt, fehlen CB Webster nur Millimeter, um Youngs dritte INT komplett zu machen

– die Eagles haben keine Offense, weil Young ihr QB ist und die Giants mit 8 Mann McCoy aus dem Spiel nehmen; und die Giants haben keine Offense, weil sie überhaupt nicht laufen könnnen und Eli gegen viel Pressure und gute Coverage alleine auch nicht viel machen kann:

– nach dem vierten 3&out, diesesmal in der eigenen Redzone, läuft Jackson mit dem gefangenen Punt mal wieder durch die halben Meadowlands und kann erst an der NYG14 gestoppt werden und im nächsten Spielzug möchte keiner der alten Teamkollegen Steve Smith verteidigen, TD Eagles 10-0; Q2/1:22

– neben der wirklich guten Defense haben TE Jake Ballard und WR Victor Cruz mit schlimmen Drops die Giants behindert

K Lawrence Tynes hat in dieser Saison erst zwei Field Goal Versuche von mehr als 30 Yards gehabt (?!) und die beiden wurden auch noch geblockt (!?!); den 49-Yd-Versuch zum Schluß der ersten Hälfte macht er aber sicher rein, 10-3

– Drives erste Hälfte: Eagles: Punt, INT, Punt, 3&out, FG, INT, Punt, TD; Giants: 3&out, INT, Punt, 3&out, Punt, 3 &out, Punt, 3&out, FG

2nd half:

– Kevin Booth startet die zweite Hälfte an Stelle Chris Snees (Verletzung)

– das Laufspiel der Giants ist so furchtbar, daß sogar CB Samuel den RB tacklet; NYG RB D.J. Ware ist jetzt auch draußen mit Concussion

OT Peters und Herremanns nehmen den Giants Pass Rush völlig aus dem Spiel und trotzdem hätten die Eagles ohne den Punt Return gerade mal 3 Punkte

– im dritten Viertel werfen die Eagles nur noch und sagen: mit 8 Mann „in the box“ kann sogar Young Spiele gewinnen, und New York sagt: glaub ich nicht, soll Young erstmal zeigen; und nachdem Philly in die Redzone gekommen ist, wirft Young natürlich die INT zu Aaron Ross (Q3/5:00)

– Snee is back

– die Giants versuchen es einfach weiter mit dem Lauf, was nicht funktioniert und die Crowd buht

– dann macht Manning mal nene langen Paß zu Nicks – weil er nicht von Asomugha oder Samuel verteidigt wird, sondern vom jungen Safety Nate Allen. So wie letzte Woche, als Fitzgerald von irgendeinem Safety verteidigt wurde, ich versteh das nicht; und im nächsten Play schlägt Victor Cruz Asomugha zum TD, Asomugha sah dabei aus wie einer der undrafted Rookies, die bei den Patriots versuchen CB zu spielen, 10-10 Q4/11:36

– die Giants haben große Probleme mit ihren jungen LBs Herzlich, Paysinger und Williams; aber Kiwanuka macht im vierten Viertel play after play

– McCoy sitzt im vierten Viertel verletzt auf der Bank und Ronnie Williams spielt

– irgendwie bekommen die Eagles im vierten Viertel einen langen Drive auf die Reihe mit Läufen von RBs und Young und Screen Passes; nachdem sie auf unerklärliche Weise 18 Plays über 80Yards in 9 Minuten übers Feld marschiert sind, wirft Young auch noch einen TD zu Riley Cooper; ich kann gar nicht erklären, wie Philly das gemacht hat, aber irgendwie waren es immer 3 und dann 3 und dann 4 yards und immer wieder 1st Downs, 17-10 Philly Q4/2:45

– nach Holding beim KO-Return starten Eli und die Giants an der eigenen 9 mit 2:39 Minuten auf der Uhr (und mit RG Snee wieder auf der Bank)

– beim letzten drive schläft wieder irgendwer der Eagles (wahrhscheinlich LB Chaney ) und Victor Curz läuft bis an die 22

– im nächsten Play sackt Jason Babin Eli Manning von hinten und DT Landri holt sich den Fumble; Q4/1:17; Giants mit letzter Chance, aber niemand kann Shady McCoy tacklen – 1st down, game over

Insgesamt ein komisches Spiel, in dem vor allem die D-Line der Eagles und die furchtbaren LBs der Giants den Ausschlag gegeben haben. Jeder halbwegs vernünftige Quarterback hätte die Giants von vorne bis hinten zerlegt, aber weil New York überhaupt kein Laufspiel hatte und Manning ständig under pressure war, haben 17 irgendwie ergaunerte Punkte zum Sieg gereicht.

Cincinnati Bengals in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#4 WR A. J. Green (Georgia)
#35 QB Andy Dalton (TCU)
#66 LB Dontay Moch (Nevada)
#101 OG Clint Boling (Georgia)
#134 S Robert Sands (West Virginia)
#167 WR Ryan Whalen (Stanford)
#207 CB Korey Lindsey (Southern Illinois)
#246 RB Jay Finley (Baylor)

 Sanfte, frische Brise in Cincinnati. Die Bengals mit einer Draftklasse, die mit „Wertewandel“ umschrieben werden kann.

 WR A. J. Green an #4 ist der neue angedachte Top-Receiver, kein egomanischer Lautsprecher der Kategorie 85/Owens. Allein das sollte positiv stimmen, auch wenn hoch gedraftete Wide Receivers sportlich langfristig nur allzu gern praktisch ohne entsprechenden Output bleiben und entsprechend bei mir als eher verschenkte Picks durchgehen.

 Zweiter Pluspunkt: Greens Präsenz dürfte dem Pick der Picks der Bengals überproportional helfen: QB Andy Dalton. Die Aussage hinter Daltons Einberufung: Carson Palmers Rübe ist geschält. Kann sein, dass Dalton sofort ins kalte Wasser geworfen wird, wofür brauchbare Receivers essentiell sind.

 Dalton/Green gegen Palmer/Ochocinco: Da weiß man dann, woher dieser frisch Südwind bläst…

Alles, was danach kommt, ist fast Makulatur: LB Dontay Moch zum Beispiel, der als Freak gilt, aber wir haben zu viele dieser reinen Monster-Athleten floppen sehen. Marv Lewis ist ein Defensiv-Spezialist und sollte Moch wenigstens halbwegs adäquat einsetzen können.

Der Rest der Klasse dürfte aus Ergänzungsspielern bestehen, für Offense Line, Defensive Backs und Skill Positions.

Summa summarum

Wohl und wehe der Draftklasse werden an Green und vor allem Dalton hängen. Die Hauptaussage hinter diesem Draft ist der Image-Wandel: Die beiden langjährigen Franchise-Gesichter werden abgesägt und durch frische Leute ersetzt. Sportlich halte ich den Bengals-Kader für deutlich besser als „4-12“, aber 2011/12 könnte man ein schwaches Jahr mit einem unerfahrenen QB erklären. Cincinnati darf nur nicht wieder den Fehler machen, sich intern zu zerfleischen.

NFL Draft 2011 Countdown T-minus 8 – Die Quarterbacks

Quarterbacks stehen in Amerika im Fokus wie keine andere Position. Und das sportartübergreifend. Quarterbacks sind Halbgötter oder Versager, Sieggaranten oder Schuldige am Scheitern. Sie sind diejenigen, die einer Mannschaft ein Gesicht geben.

Das Gesicht des NFL Drafts 2011 ist schon vor Monaten verschwunden. Ausgerechnet im Jahr des Quarterbacks (kein Witz) hat sich QB Andrew Luck von der Stanford University frühzeitig gegen die NFL und für ein weiteres Jahr College entschieden. Lucks Rückzieher hat die Tore für eine ganze Horde unterschiedlichster QB-Typen geöffnet.

Die im Rampenlicht

Die Katze – Statt des meistgehypten QB-Anwärters seit Jahren gilt nun QB Cam Newton von der Auburn University als aufregendster Mann. Über Cam Newton ist vieles gesagt und geschrieben worden. Großgewachsen wie ein Wide Receiver, athletisch wie ein verkappter Running Back, geschmeidig wie eine Katze. Ein Wurfarm, der in manchen Polizeirevieren unter die Waffenscheinpflicht fallen würde. Aber auch ein Senkrechtstarter, gekommen aus dem Nichts und völlig unerfahren in NFL-ähnlichen Spielsystemen.

Ich wurde auf Newton aufmerksam in einer Samstagnacht im letzten Oktober. Augen nach durchzechter Nacht inklusive Samstags-Seminar nur noch dank Zahnstocher auf Halbmast. Und dann, irgendwann im ersten oder zweiten Viertel gegen die LSU Tigers zündete irgendwo auf dem Spielfeld ein Turbo – der Co-Kommentator spritzt sich fast einen ab mit seiner acceleration, obwohl… oh my gosh trifft es schon recht genau.

In der Combine glänzte Newton durch eine Serie an Fehlwürfen und sorgte später für aufjaulende Alarmsirenen, als er seine Vision vom Helden und Werbesuperstar preisgab. Wer solches von sich gab, ist meist schnell von der Bühne „NFL“ verschwunden – sagt die Erfahrung.

Ein wenig euphorisches Bild von Newton zeichnet Nolan Nawrocki (Pro Football Weekly):

Very disingenuous — has a fake smile; comes off as very scripted and has a selfish, me-first makeup; Always knows where the cameras are and plays to them.  Has an enormous ego with a sense of entitlement that continually invites trouble and makes him believe he is above the law; Lacks accountability, focus and trustworthiness; Not dependable.

Starker Tobak. Aber der Beobachter dieser Macken hat einst ein überraschend präzises „Gutachten“ zu Jabustus Russell geschrieben.

Der Profiteur – Ebenso scheinbar aus dem Nichts ist Mizzous Blaine Gabbert geschossen. Gabbert ist ein Hüne von einem Mann. Entscheidungsfreudig, aber profillos und mit seinen traurig dreinblickenden Augen stets im Halbschlaf wirkend. Aus Gabberts College-Zeit bleibt das Eli-Fieber übrig (Stichwort aufgescheuchtes Huhn unter Druck). Und Bälle, die zwei Meter links oder einskommasieben Meter rechts am Receiver vorbeisegelten. Gabbert ist IMHO ein Produkt des Medienhypes, der auflagenbedingt nach Lucks Rückzieher einen „Nachfolger“ als #1-QB aufbauen musste.

Positiv: Es wird nicht lange über Blaine Gabberts Arbeitmoral debattiert. Gabbert – gefühlt der Typus QB, der Ende der 1. Runde gedraftet wird, die letzten 2-3 Spiele im ersten Jahr startet und dann leise, ganz leise, die Offense übernimmt. Aber als #1-Pick?

Ick weiß nicht. Ich würde die Finger von Newton und/oder Gabbert lassen.

Gabbert/Newton gelten als die beiden Top-QBs im Draft. Nicht ausgeschlossen, dass Carolina einen an #1 draftet. Aber auch nicht unmöglich, dass nur einer oder gar keiner von beiden in den Top 10 weggeht – obwohl, es draften immer noch Amerikaner.

Die Garde eins b bis zwei

Das dunkle Pferd – Der Hinter dem Spitzen-Duo hat sich als #3 Washingtons Jake Locker positioniert. Locker galt vor einem Jahr als Top-Pick, entschied sich aber für ein weiteres Jahr am College. Keine gute Entscheidung. Locker hat seit einer faden Vorstellung gegen Nebraska Ende September immer schwächere Leistungen gezeigt und ist in sämtlichen Big Boards abgestürzt. Großartige Athletik zeichnen Locker im positiven Sinne aus. Aber Locker hat die Tendenz, in schöner unregelmäßiger Regelmäßigkeit sehr ungenaue Würfe einzustreuen. Gilt als zu entwickelnder Risiko-Pick für die erste oder frühe zweite Runde, vielleicht Seattle, die einen Nachfolger für Matt Hasselbeck brauchen. Damit könnte Locker auch gleich in der Stadt bleiben.

Hm. System- und Coachingfragen mal zur Seite geschoben. Ich bin bei allen dreien sehr skeptisch. Als Einschub: Auch bei Herrmann/Vier Viertel ist die QB-Frage schon thematisiert worden. Subjektiv und analytisch:

Subjektiv (in den Kommentaren)
Analytisch

Hinter den Top 3 folgen eine Reihe QBs, die es unter Umständen in die erste Runde schaffen könnten. Auffallend ist die breite Vielfalt.

Der Kokser – Da wäre zum ersten QB Ryan Mallett, der ehemalige QB der Arkansas Razorbacks und Michigan Wolverines. Mallett ist gesegnet mit einem Wurfarm, der Freunde des „vertikalen Spiels“ die Höschen nässt, aber auch umrankt von zwiespältigen Gerüchten. Mallett ist ein Produkt einer Bobby-Petrino-Offense und fast alle Bobby-Petrino-Quarterbacks gelten als NFL-Flops. Da wird man schnell mal in Sippenhaft genommen. Schlimmer noch: Mallett gilt als eigensinniger und lernresistenter junger Mann und ist umweht von Koks-Geschichten. Nichts Genaues erfährt man nicht, aber auch wenn niemand konkret wird, so soll Mallett einen verheerenden Ruf unter dem Großteil der Scouts genießen. Für Mallett zeigt der Pfeil nach unten.

Scout: Mallett ist so beweglich wie eine Scheibe Schüttelbrot.
Malletts Reaktion: Ich bin eben kein Vick.

Eigentlich keine schlimme Reaktion. „Eigentlich“, aber wenn du mal in der Schublade steckst…

Der Ruhige – Auf dem aufsteigenden Ast ist dagegen QB Christian Ponder von der Florida State University. Ich habe Ponder dank einer befreundeten FSU-Studentin seit Jahren etwas genauer verfolgt und muss sagen: Ich verstand nie, was man (bzw. frau) an Ponder so großartig fand. Statur und Anlagen passen, Ponder soll ein Leadertyp par excellence sein und ein helles Köpfchen, aber im Spiel selbst war Ponder nie der dominante Mann. Fand ich. Nun stand Ponder bei mir dank der Bodyguard-Geschichte auch im Ruf des Schnösels, aber mittlerweile finde ich ihn immer mehr angenehm bescheiden und bin immer mehr Fan geworden. Kandidat für die zweite Runde, der mit ein, zwei Jahren Aufbauarbeit vielleicht wirklich irgendwann mal das Franchise-Gesicht in einer quicken Kurzpass-Offense geben kann. Größtes Fragezeichen sind seine anhaltenden Schulterprobleme (Matt Stafford, anyone?).

Der Schotte – Seit der begeisternden Rose Bowl ist auch Andy Dalton bei mir hoch im Kurs. Dalton hat dank Sommersprossen und roten Stoppelhaaren ein eher „britisches“ Äußeres und erinnert eher an einen schottischen Säufer denn einen Franchise-QB, aber man sollte den TCU-Abgänger Andy Dalton ernst nehmen. Obwohl nicht der größte QB, hat Dalton keinen Schiss vor schneller Entscheidungsfindung und ich unterstelle ihm jetzt einfach mal eine satte Portion Arbeitsmoral.

Die lange Nase – Glaubt man einigen wenigen Fachmedien, so könnten auch noch Colin Kaepernicks Aktien im letzten Moment steigen. Der lange Schlacks mit dem Kanonenarm hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Geboren als Mischlingskind in Wisconsin, aufgewachsen und gehänselt von seinen Klassenkameraden als adoptierter Trabant in Kalifornien. Auf der Suche nach einem geeigneten College wurde Kaepernick von Boise State abgewiesen. Auf dem Rückweg nach Hause machte Kaepernick kurzentschlossen einen schnellen Zwischenstopp in Reno, Nevada. Resultat: Kaepernick ist heute einer der besten Wolfpack-Spieler ever. Im vergangenen Herbst putzte Kaepernick in einem denkwürdigen Spiel Boise State 34-31 in der Verlängerung. Über dieses und jenes und einen coolen Zwischenfall in einem Sportladen hat die New York Times im vergangenen Sommer geschrieben.

Best of the Rest

Wir kommen zum Rest. Zu den Spielern, wo Scouts Jahr für Jahr den „nächsten Tom Brady“ suchen.

Greg McElroywelcome back. Ich mag McElroy, obwohl ich in ihm keinen Mann für die ganz große Verantwortung sehe. Wenn es eng wurde, tendierte mir McElroy stets zu eher unüberlegten Leistungen. Aber McElroy ist ein hoch intelligenter Knabe (Wonderlic: 48 ist nicht überraschend), sehr gebildet und bescheiden. Der nette Typ von nebenan. Ein Backup, der keinen Stunk macht und den du für zwei Viertel für deinen verletzten Starter einwechseln kannst.

Pat Devlin galt vor drei Monaten als potenzieller Überraschungs-QB, aber aus nicht ganz klaren Gründen hat die Delaware/Joeflacco-Magie nicht bis zum Draft durchgehalten und Devlin wird allenfalls eine Chance für die Runden 5-7 eingeräumt.

Iowas Ricky Stanzi ist zu ungeschliffen für einen hohen Pick. VTs Tyrod Taylor ist zwar der vermutlich beweglichste aller Quarterbacks, steht aber neben den Schuhen, wenn es um tiefe Bälle geht. Vielleicht wird er umgeschult. North Carolinas T.J. Yates gilt als recht beschränkt, aber als potenzieller ruhiger Backup-QB, als Teamplayer. Ob es überhaupt reicht, um gepickt zu werden?

Von einem absurd kleinen College kommt QB Joshua Portis, der auf diesem Blog schon gelobt wurde. Portis hat in der Division II gespielt, an der California University of Pennsylvania. Wer das College nun in Kalifornien sucht, wird rund 2000 Meilen daneben liegen. Das College liegt in California, PA, nicht in Kalifornien. Portis selbst war einst Backup von Tim Tebow (wie übrigens auch Cam Newton) an der University of Florida und hat später mit Ladendiebstählen für Action gesorgt.

Völlig unbekannt ist QB Mike Coughlin, ein ehemaliger Boise State Bronco. Coughlin stand in Boise im Schatten von Kellen Moore, und soll einer der meistunterschätzten Leute des Drafts sein.

Um es am Ende mal geschrieben zu haben: Ich wäre als GM tatsächlich nur an Ponder und Dalton interessiert. Newton nur dann, wenn ich einen intelligent/kreativen Coach in einer beschaulichen Umgebung mit geduldigen Fans habe – bloß, wo in der NFL-Welt kriege ich sowas?