Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

Die heutige Sezierstunde beschäftigt sich mit den Kansas City Chiefs, letztes Jahr mit 12-4 Bilanz und knapper Overtime-Pleite im AFC-Finale gegen die New England Patriots nur ganz knapp am großen Wurf gescheitert. Jetzt folgt der nächste Anlauf. Weiterlesen

Werbeanzeigen

Der große Abschlussbericht | NFL 2018/19 in der Sezierstunde

Ein Monat ist seit der Superbowl 2019 vergangen – Abstand genug um einen ausführlichen letzten Blick auf die abgelaufene NFL-Saison zu werfen und schon erste Blicke in den kommenden Herbst schweifen zu lassen.

Das gewählte Format dafür ist ein mehrfach erprobtes: Ich frage, Experte antwortet. Der Gefragte ist heute der Co-Autor auf dem Sideline Reporter, Herrmann. Bitte einmal kurz Luft holen, Viertelstunde reservieren – und ein letztes Mal eintauchen in die großartige letzte NFL-Saison 2018/19. 20 Fragen, 20 Antworten. Weiterlesen

NFL Championship Games 2018/19 – Preview

Football!

Heute in der aufwendig gestalteten Collector’s Edition aus dem obersten Regal: Die vier besten Mannschaften des Power Rankings, die vier Mannschaften mit den meisten Punkten – und vor allem vier der besten Head Coaches aktuell (oder ist Andy Reids Clock Management still a thing?)

21.05Uhr: LA Rams (14-3) @ NO Saints (14-3)

00:40Uhr: NE Patriots (12-5) @ KC Chiefs (13-4)

Weiterlesen

Vorschau Divisional Playoffs 2015/16 – Kansas City Chiefs @ New England Patriots

Football!

Das schönste Wochenende des Jahres: die acht besten Teams an zwei Tagen gegeneinander – besser geht’s nicht. Sieben der acht verbliebenen Teams sind in korsakoffs Power Ranking in den Top-8. Bei den Football Outsiders sind nach DVOA alle acht Teams in den Top-10. Wir fangen an im Nordosten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und wohl zumindest zeitweise auch Niederschlag, bei diesen Temperaturen kann das alles mögliche sein von Regen über Eisregen bis hin zu echtem Schnee.

22.35 Uhr: Kansas City Chiefs (12-5, #5 Seed) @ New England Patriots (12-4, AFC East Champions, #2 Seed). Im Gamepass mit The Bird & The Beard, Ian Eagle und Dan Fouts. Bei Pro7Maxx und ran.de ab 22.10 mit ? (steht auf der ran.de Seite leider nicht) und natürlich bei PULS4. Weiterlesen

Vorschau Wild Card Playoffs 2015/16: Kansas City Chiefs @ Houston Texans

Playoffs!

Wie so oft in den letzten Jahren macht das vermeintlich langweiligste Spiel den Anfang. Die Kansas City Chiefs (11-5, #5-Seed) besuchen die Houston Texans (9-7, AFC South Champions, #4-seed); Kickoff 22.35Uhr. Via NFL Gamepass übertragt ESPN mit Mike Tirico und Jon Gruden am Mic; in Deutschland ist ab 22.10 Pro7 Maxx beziehungsweise ran.de dabei mit Florian Schmidt-Sommerfeldt und Jan Stecker nehme ich mal an, steht bei ran.de aber nicht explizit. In Österreich wie immer bei PULS4 mit Eschlböck und Reiterer.

Also: ist das wirklich so ein langweiliges Matchup, wie es sich anhört?

Weiterlesen

Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

Die Saison 2013/14 ist für die Kansas City Chiefs in der Geschmacksrichtung best case scenario abgelaufen, es gibt kein Drumherum-Reden: Die Debütsaison des Head Coaches Andy Reid führte ein Jahr nach dem Absturz an den Bodensatz sofort in die Playoffs, wo man allerdings einen schon sicher geglaubten Sieg gegen die Colts noch aus der Hand gab. Die Chiefs hatten als dark horse gegolten, und sie wurden diesem Status mit 11-5 Siegen gerecht. Können sie das noch einmal so hinbiegen?

Kansas City ist ein Paradebeispiel für die Wichtigkeit, aber auch die Zufälligkeit von Turnovers: 2012 war man -24 nach Ballverlusten und holte nur zwei Saisonsiege. Man war Bodensatz nach Turnovers Ein Jahr später hatte man eine Turnover-Ratio von +18, eine der besten der Liga, und holte entsprechend 11 Siege. Die Defense kreierte 36 Stück, die risikoscheue Offense verlor den Ball nur marginale 18 Mal. Turnovers verhalten sich sehr zufällig, deswegen bin ich skeptisch, was einen erneuten Durchmarsch der Chiefs durch die Regular Season angeht.

Überblick 2013

Record        11-5    WC
Enge Spiele    3-3
Pythagorean   11.2     5
Power Ranking  0.484  19
Pass-Offense   5.8    21
Pass-Defense   6.4    18
Turnovers      +18

Management

Salary Cap 2014.

Es waren aber nicht bloß die Turnovers: Die Chiefs hatten zudem einen recht außergewöhnlichen Lauf in der ersten Saisonhälfte, in dem sie auf eine ganze Latte an Backup-QBs trafen, eindimensionale Offenses, gegen die sie nicht viel ausrichten mussten; der Schedule der Chiefs war auch nicht so besonders schwierig, und trotzdem beendete man das Jahr „nur“ mit 6.4 NY/A gegen den Pass in der Defense – ein leicht unterdurchschnittlicher Wert. Nichts nervös zu werden, aber auch wenn man Luck, Manning, Rivers und Romo sah: Gegen den 16-Spiele Schedule hätte man da eigentlich mehr erwartet, zumindest verglichen mit dem, wie die großen Medien die Chiefs-Defense 2013 wahr nahmen.

Im Angriff ist man so banal wie erwartet. Ein QB Alex Smith wird nicht mehr der große Gunslinger vor dem Herrn, sondern bringt dir genau das Erwartete: 5.7 NY/A und zehn oder weniger Interceptions übers Jahr. Er schmeißt dir die Partie nicht aus dem Fenster, aber wenn es kritisch wird, bitte erwarte von Smith keine Wunderdinge und großen Comebacks. Eigentlich wären die Chiefs ja reif, schön langsam an Smiths Nachfolger zu denken um das „Ceiling“ der Mannschaft zu heben, aber es sprechen mehrere Dinge dagegen: Die Investition, die man erst letztes Jahr in Smith tätigte (2nd-Round Pick) und die himmelschreienden Lücken auf Wide Receiver und in der Offense Line.

Letztere Löcher könnten Kansas hinunter reißen: LT Albert wurde wie lange erwartet nach Miami ziehen gelassen, der OG Asamoah ging nach Atlanta, der G Geoff Schwartz nach New York. Übrig bleibt ein grünschnäbeliger Kern an ungeprüften Vorblockern.

Als neuer Left Tackle wird Eric Fisher eingestellt, letztes Jahr der Top-Pick im Draft. Fishers Rookie-Saison enttäuschte die Erwartungen. Angeblich war er weder im Laufspiel noch im Passspiel gebräuchlich, und das auf der rechten Seite, die im Vergleich zur linken Seite als die einfachere gilt. Es ist aber zu früh, Fisher abzuschreiben: Viele junge Offense Liner haben anfangs Probleme, sich auf das Tempo und die komplexeren Schemen in der NFL einzustellen, zumal wenn man wie Fisher von einem sehr kleinen College in die NFL kam. Und dann ist Andy Reid ja auch noch ein Zauberer wenn es darum geht, Offense Liner aufzubauen.

Lassen wir Fisher mal Fisher werden. Center ist mit dem jungen Rod Hudson (ehemals FSU) auch noch eine Position, die mit viel Gutdünken durchgewunken werden kann, aber dann wird es dünn. Ein jahrelanger Backup und OL-Springer wie Stephenson könnte temporär einen der Guard-Positionen übernehmen, aber dann braucht es immer noch wenigstens einen Tackle und einen Guard im Draft.

Reid liebt es, junge Offense Liner zu draften, bloß war seine Erfolgsbilanz dort in den letzten Jahren ziemlich unterirdisch. Nicht ausgeschlossen, dass Reid darauf vertraut, sich dieser Positionen erst in späteren Runden zu bedienen um da ein paar unbekannte Leute hoch zu ziehen.

Wo auch nachgebessert werden muss: Wide Receiver. Dort spielt Dwayne Bowe seit vielen Jahren den Alleinunterhalter, so auch 2013 mit 116 Anspielen (20% der Pässe der Mannschaf). Bowe fing davon nur etwas mehr als die Hälfte für 822yds und 6 TD, aber was willst du schon machen, wenn deine komplette Pass-Offense auf einen Mann zugeschnitten ist. OK, du hast noch deinen RB Jamaal Charles, der alles macht, von fangen, laufen und vorblocken, aber dann verheizt du Charles endgültig…

Fakt ist: Hinter Bowe muss dringend neues Spielermaterial her. Wenn man sich so durch die Chiefs-Foren klickt, fordern alle ohne Umschweife wenigstens einen „schnellen“ Wide Receiver, sprich einen Sprintertypen, der eine Defense auseinander ziehen kann. Wie das mit einem notorisch wurfschwachen Quarterback wie Smith gut gehen soll, ist mir schleiferhaft, aber wenn die Ausschreibung ein Sprinter ist, dann könnte durchaus ein Mann wie Oregon States Brandin Cooks gemeint sein, der überall eingesetzt werden kann: Innen, außen, im Slot. Cooks oder ähnlich als Ergänzung zu einem Bowe läse sich nicht übel.

Zumal die Chiefs kaum mehr auf den Durchbruch des als Bust abgeschriebenen A.J. Jenkins warten wollen; Jenkins, erst vor zwei Jahren ein Erstrundenpick in San Francisco, hatte erneut nur wieder 9 Catches und dürfte maximal als dritte oder vierte Option im Kader verbleiben.

In der Defense beschränken sich die größeren Lücken auf die Secondary: SS Eric Berry hat seinen Durchbruch mittlerweile geschafft, der Slot-CB Brandon Flowers gilt als verlässliche Fachkraft, aber alle anderen Besetzungen sind upgrade-würdig. Der junge CB Marcus Cooper, letztes Jahr wochenlang als Sensation gefeiert bis eben nach all den Backup-QBs die ersten ernsthaften NFL-QBs kamen, wurde von Peyton Manning und Co. Spielzug für Spielzug in seine Einzelteile zerlegt und wurde hernach heulend auf die Bank gesetzt; Coopers Selbstvertrauen gilt erstmal als angeknackst genug, dass die Chiefs ihn wohl nicht mehr so schnell die Stamm-Position überlassen.

In der Front-Seven tummeln sich dagegen die hochklassigen Talente: Der NT Dontari Poe, 2012 als Workout Warrior verspottet und mit einem schlechten Einstand als Rookie, hatte 2013 sein Coming-Out und wurde verdientermaßen in der Nähe des All-Pro Teams verortet; Poe ist ein Monster und neben einem Dareus und Wilfork so ziemlich der prototypische Nose Tackle der Gegenwart: Beschäftigt permanent zwei Gegenspieler, und kommt zwischendurch immer mal wieder durch zum Quarterback um ihm einen Schlag zu verpassen oder ihn gar zu sacken. Poes Bilanz liest sich wie J.J. Watt für Arme: 5 Sacks, 7 QB-Hits, 4 Pass-Deflections, 5 Run-Tackles für Raumverlust – und nicht vergessen: Ein Watt sieht häufiger Einzel-Deckung, während Poe fast immer gedoppelt wird.

Poes grundsolide Nebenleute in der Dreimann-DL der Chiefs haben ein vergleichsweise einfaches Leben. Die Passrusher an den Flanken, OLB Justin Houston und OLB Tamba Hali, nutzten das zu gemeinsam 25 Sacks (13 in 15 Einsätzen für Hali, 12 in 11 Einsätzen für Houston) und konstantem Dampf. Hali ist eher die eindimensionale Variante vom Outside Linebacker, aber der junge Houston ist mehr, ein kompletter Spieler, der den Chiefs noch große Freude bereiten wird, sofern er sich nicht wieder dem brennenden Gras zuwendet. Und Inside-Linebacker Derrick Johnson ist mittlerweile eh über jeden Zweifel erhaben.

Merkwürdiges Konstrukt, die Chiefs. Die Schwachstellen sind klar identifizierbar:

  1. Wide Receiver
  2. Offensive Tackle
  3. Offensive Guard
  4. Cornerback

Quarterback ist zwar keine “Schwachstelle” im Sinne, dass Smith das Team in die Scheiße reitet, aber er hindert die Chiefs in ihrer mittelfristigen Entwicklung. Allein, Reid machte immer deutlich, dass er an Smith glaubt und ihn nicht zu ersetzen gedenkt.

Trotz dieser klar ersichtlichen Schwachstellen und der deutlich erkennbaren Stärken muss man aufpassen, Kansas erneut wieder per Knopfdruck in die Playoffs zu wählen. Die AFC ist keine starke Conference, und so viele andere Alternativen drängen sich momentan nicht auf, aber aufgepasst: Vieles in unserer Wahrnehmung der Chiefs hängt an dem dramatischen Schwingen der Turnover-Werte, und dass die Defense nächstes Jahr statt 36 nur noch – sagen wir – 24 Ballverluste erzwingt, ist gut möglich. Dann hast du anstatt 11 Siegen schnell nur noch 8 übrig, wenn dein Passspiel weiterhin so leblos bleibt.

Ein Wechsel wird nicht passieren, aber prinzipiell führt uns jede Chiefs-Analyse immer wieder zur Spielmacher-Frage zurück…

Wer sollte Coach des Jahres 2013/14 werden?

Der Award „Coach des Jahres“ verhält sich in der NFL anders als alle anderen Awards. Denn während der NFL MVP oder Rookie-des-Jahres Preis tatsächlich an den Spieler vergeben werden, der nach common sense die beste Saison hatte (wie auch immer das definiert sein mag), so wird der Coach-Preis für gewöhnlich an den Coach gegeben, der an ihn gehegten Erwartungen vom Sommer am meisten übertrifft.

Die Wildcard gleich zu Beginn geht an John Fox von den Denver Broncos. Fox ist manchmal etwas nervtötend, weil er so konservativ ist, aber man kann ihm eines nicht absprechen: Dass seine Mannschaften nicht souverän spielen. Sie tackeln sicher. Sie begehen zwar Strafen, aber nicht viele Phantom-Tackles. Trotzdem spricht es Bände, dass der Coach, der seine Mannschaft dieses Jahr in die Superbowl geführt hat (Fox schaffte das schon vor zehn Jahren mit den Panthers), eigentlich kaum Presse. Denver wird als Peyton Mannings Team wahrgenommen. Aber allein mit Manning fährst du nicht in die Superbowl. Was Fox allerdings in dieser Liste knapp raus schießt: Er verpasste vier Spiele im November mit Herzproblemen. Klingt makaber, aber es gibt heuer genügend gute Coaching-Leistungen, dass ich das mal als Entschuldigung her ziehe. Ebenso knapp draußen: Sean Payton und Jim Harbaugh. Würde ich eine Top-10 Liste machen, zwei dieser drei hätten sie komplettiert.

#8 Andy Reid (Kansas City Chiefs)

Die Chiefs drehten ihre Bilanz innerhalb eines Jahres von 2-14 und Top-Draftpick auf 11-5 und Playoff-Qualifikation. Sie sind damit das zweite Team in Folge, dem das gelang (2012 schaffte es Indianapolis), und damals gewann der Colts-Headcoach den offiziellen Award. Andy Reid ist einer der Topfavoriten in diesem Jahr. Aber Hand aufs Herz: Reids Job war relativ einfach. Er fand zu seiner Einstellung vor einem Jahr einen Kader mit etlichen Pro Bowlern und vielen ehemals hohen Draftpicks vor, dem nur zwei Dinge abgegangen waren: Quarterback und Coaching. Zufällig sind das die wichtigsten Dinge im Football. Zufällig waren die Chiefs in diesen Bereichen nicht bloß schlecht, sondern unterirdisch.

Reid kam, und musste „nur“ zwei Dinge verändern. Er holte sich QB Alex Smith aus Kansas City. Es war wie erwartet das einflussreichste QB-Upgrade des Jahres. Und natürlich Reid selbst. Die Chiefs waren nicht besonders effizient nach Downs (Power-Ranking: untere Tabellenhälfte), aber weil sie mit der risikolosen Spielweise kaum Turnovers begingen, landeten sie doch bei 6.1 Punkten über Durchschnitt im SRS (#7 der Liga) und bei einem hervorragenden Pythagorean von 11.2 Siegen (#5 der Liga).

#7 Mike McCoy (San Diego Chargers)

Die Auswahl von Mike McCoy ist weniger ergebnisgetrieben als sie nach dem kurzen, aber doch überraschenden Playoff-Lauf aussieht. Ich hatte McCoy schon Ende November ganz weit oben auf meiner Short-List, und ich glaube, dass er einen echt guten Job als Rookie-Coach bei den Chargers gemacht hat.

Das Auffälligste an seinem Wirken war die Revitalisierung einer Chargers-Offense, die zuletzt nichtmal mehr Norv Turner formen konnte. Es war nicht bloß eine „gute“ Chargers-Offense 2013/14. Es war eine fantastische. Eine Offense Line bestehend aus Rookies und längst abgeschriebenen Altstars war gut genug um landesweit Aufmerksamkeit zu erregen. Ein QB Rivers blühte auf. Leute wie RB Mathews, der schon als Bust abgeschrieben war, gehörten plötzlich zu den ligaweit besten auf ihren Positionen. Rookie-WR Keenan Allen kam aus der dritten Runde und war per Knopfdruck einer der besten Wide Receivers in der NFL.

Ich glaube, man kann McCoy nicht daran aufhängen, dass die Defense so lange so absurd war; sie war schließlich unterirdisch besetzt. Es gibt personell keine NFL-Defense, die weniger an Spielermaterial hatte. Der einzige Verteidiger von NFL-Format, OLB Ingram, war fast die ganze Saison auf der Verletztenliste. Trotzdem wurde um dieses Problem herum gewerkelt, und in den letzten Wochen hatte San Diego dann sogar eine zumindest brauchbare Defense, und prompt ging es in die Playoffs.

Ein insgesamt sehr guter Job von McCoy, dessen Mannschaft momentan in den Top-10 des Power-Rankings rangiert. Die nach SRS 2.7 Punkte besser als der Liga-Durchschnitt ist. Der mit einem guten GamePlan auswärts ein Superbowl-Kaliber schlagen konnte (Cincinnati). Der am Ende aber ein Playoffspiel in Denver abschenkte, weil man zu lange zu starr an seinem längst gescheiterten Plan fest hielt.

#6 Bruce Arians (Arizona Cardinals)

Der amtierende Coach des Jahres. Arians gewann 2012 in Indianapolis als Interimscoach, ging aber im Anschluss daran zu den Arizona Cardinals um sich ca. 60jährig doch noch erstmals als Head Coach zu versuchen. Ich geben zu, ich war skeptisch. Aber Arians schaffte das, wofür er geholt wurde: Die Offense um QB Palmer beging zwar viele Turnovers, aber sie war immerhin wettbewerbsfähig genug um den schlafenden Riesen Arizona zu wecken.

Remember: Die Cards-Defense war schon in den letzten Jahren großartig gewesen; Arians‘ Coaching-Stab konnte den Level auch nach Abgang von DefCoord Horton sogar noch eine Stufe höher schrauben. Der Schlüssel aber war die Offense: QB Palmer warf zwar 22 INTs, aber er erlebte zumindest annähernd sowas wie einen dritten Frühling, als dass er Pässe für mehr als 6.5 NY/A an den Mann brachte – ein Wert, der Welten besser ist als alles was die Cards die letzten Jahre hatten.

Arizona war eines der besten und gefürchtetsten Teams der Liga in den letzten Wochen; niemand hätte gerne gegen die Cards in den Playoffs gespielt (sie verpassten diese trotz 11-5 Bilanz in der bockstarken NFC-West). Platz 7 im Power-Ranking, Platz neun im Pythagorean, Platz sechs im SRS: Das war ein komplettes Team.

Er formte WR Michael Floyd zur NFL-Tauglichkeit. Er machte die Offense zumindest glaubwürdig. Allein die viel zu geringe Einsatzzeit für den sensationellen Rookie-RB Ellington sowie ein katastrophales Game-Management (Field Goal bei -18?) gegen Seattle ziehen das Gesamtbild Arians‘ runter.

#5 Marv Lewis (Cincinnati Bengals)

Marv Lewis ist die graue Maus unter den NFL-Coaches: Ein stilles, schwarzes Männlein im leisesten Markt der Liga in Cincinnati, wo sich die eigene Bevölkerung nicht um die Mannschaft schert, weil sie den Owner hasst. Dieser Owner ist Mike Brown, und Mike Brown war vor drei Jahren nach dem Ende eines 4-12 Kollapses und zerbrochener Träume schlau genug um Marv Lewis nicht bloß nicht zu entlassen, sondern ihm sogar eine Vertragsverlängerung mit Kompetenzen-Zuwachs zu verschaffen. Als Resultat gibt es seither bis auf vielleicht Belichick in New England keinen Head Coach in der Liga, der ein breitere Themenfeld abdeckt als Marv.

Marv hatte 2013 sein bisher bestes Produkt auf dem Feld: Die Bengals gewannen mit 11-5 Siegen die AFC North und beendeten die Regular Season an #4 im Power-Ranking. Sie beendeten das Jahr mit nur 305 Gegenpunkten, fünftbester Wert der Liga. Und das, obwohl die beiden wichtigsten Spieler der Abwehr, DT Geno Atkins und CB Leon Hall, sich beide schon in den ersten zwei, drei Wochen verletzt in den Winter verabschiedeten. Einiges an der Defense-Arbeit mag an DefCoord Mike Zimmer liegen, und Zimmer konnte das kürzlich in seinen verdienten ersten Cheftrainerposten (in Minnesota) ummünzen.

Marv Lewis hat sich als quasi-GM einen famosen Kader zusammengestellt – und das ohne echte Free-Agency Aktivität. Er hatte das Team in hohen Höhen trotz eines mittelmäßigen QB um den herum gebastelt werden musste. Schade, dass die Saison letztlich so seelenlos gegen San Diego zu Ende ging.

#4 Chip Kelly (Philadelphia Eagles)

Die größten Befürchtungen erwiesen sich als nicht angebracht, zumindest nicht im ersten Jahr: Chip Kellys Offense hatte einen guten Einstand in der NFL. Er schaffte es, viele Konzepte seiner äußerst ansehnlichen Oregon-Ducks Offense in der NFL erfolgreich zu implementieren, und er schaffte es, obwohl er seinen Quarterback wechseln musste.

Nick Foles hatte ein extrem gutes Jahr als QB-Notnagel und als QB-Typ, der eigentlich alles andere als zum „klassischen“ Chip-QB taugte. Foles hat Limitierungen, die ihn möglicherweise eine Karriere als legitimer Franchise-QB kosten werden, aber Chip baute um ihn herum eine doch sehr ansehnliche Offense. Die Offense wurde nach seinen Vorstellungen zusammengestellt: Draften von massiven Offense Tackles, Draften von groß gewachsenen Tight Ends usw. Das ist Chip-Football par excellence, und es funktionierte.

Die Defense war bestenfalls unteres Mittelmaß, aber Chip musste auch erstmal mit einem Spielermaterial arbeiten, das für eine andere Art von Abwehr (die 4-3 Defense) gebaut war. Via Free-Agency wurden einige bessere Backups wie Sopoaga oder Cary Williams verpflichtet, aber mehr war in einer einzigen Offseason noch nicht drin.

Kellys Eagles sind im Efficiency-Ranking (Power-Ranking) die #5 der Liga. Das SRS ist okay, aber nicht überragend (1.9 Punkte über NFL-Schnitt). Die 10-6 Bilanz in der Regular Season ist es – zumindest gemessen an den Erwartungen, die den Eagles ca. ein 7-9 oder 8-8 prognostiziert hatten. Mische Kellys vergleichsweise aggressives Coaching in 3rd-Downs und 4th-Downs mit rein, wird die Coaching-Leistung noch besser. Verbesserungswürdig ist sein Handling mit der roten Flagge sowie war das eine oder andere Auszeiten-Ziehen suboptimal, aber es reicht locker für einen verdienten vierten Platz – aber nicht zu einer Medaille.

#3 Pete Carroll (Seattle Seahawks)

Pete Carroll hat in Seattle eine Mannschaft nach seinem Antlitz geformt. Das ist bemerkenswert, weil es so wenigen Coaches gelingt. Das geht nicht ohne ein Quäntchen Glück (wie z.B. die Glücksgriffe wie Chancellor oder Sherman, oder aber auch QB Wilson), aber du musst trotzdem eine funktionierende Einheit basteln.

Carrolls Seahawks von 2013 strahlen nicht mehr diesen Begeisterungsfaktor aus, der sie letztes Jahr berühmt machte, aber dafür sind sie insgesamt noch solider, tiefer besetzt und gehen zumindest nicht als Außenseiter in die Super Bowl.

Seattle beendete die Regular Season mit 13-3 Bilanz. Normalerweise ist eine 13-3 Bilanz ohne etwas Glück nicht leicht erreichbar, aber der Pythagorean behauptet, Seattle habe die Performance einer Mannschaft erbracht, die im Schnitt 12.9 Spiele gewinnt. Das ist nur ein Jota unter der schwarzen Zahl. Seattle ist die #1 im Power-Ranking. Seattle ist die #1 im Simple Ranking System mit 13.0 Punkten über NFL-Schnitt.

Die Seahawks waren das dominanteste Team des Jahres, und sie sind nach dem Abbild des ehemaligen Defensive-Backs Coaches Pete Carroll gebaut. Die große Stärke ist die Legion of Boom, die Secondary, in der Carrolls Schützlinge Earl Thomas und Richard Sherman Angst und Schrecken verbreiten.

Carroll hätte zwingend schon im letzten Jahr den Coach-des-Jahres Preis gewinnen müssen. Dieses Jahr gibt es aber zwei Kandidaten, die ich knapp vor Carroll sehe.

#2 Bill Belichick (New England Patriots)

Letzte Woche wurde ich im Podcast bei den Sofa-Quarterbacks um eine Einschätzung zu Bill Belichick gefragt, und ich kann das, was ich dort verzapfte, nur noch einmal wiederholen: Man hat sich an die Größe Bill Belichicks gewöhnt, so sehr, dass eine erneute 12-4 Saison des alten Mannes keine Sensation mehr ist. Es gibt keinen besseren Coach da draußen. Vielleicht gab es noch nie einen so guten Coach da draußen. Vielleicht ist Belichick der beste NFL-Headcoach aller Zeiten. Aber man registriert es gar nicht mehr. Belichick ist ein Opfer seines eigenen Erfolgs geworden.

Drei Superbowl-Siege sind das eine. Viel bemerkenswerter ist die Tatsache, dass es Belichick in einer Ära, in der alles auf Gleichheit getrimmt wird, jedes verdammte einzelne Jahr ein Produkt aufs Feld schickt, das um den Titel mitspielt. Ohne Unterbrechung. Belichick verpasste seit seinem ersten Titel 2001/02 nur zweimal die Playoffs – beide Male mit Winning-Record. Einmal davon mit 11-5 Bilanz und Durchwursteln mit einem Quarterback, von dem nie zuvor jemals jemand was gehört hatte (Matt Cassel war sogar am College nur Backup gewesen).

Belichick erfindet sich jedes Jahr von neuem. Aber 2013 mag sein bisher markantestes gewesen sein. Eine Offense, die nach einer Lawine an schlechten Nachrichten in der Offseason und anfänglichen Schwierigkeiten durchaus wieder phasenweise exzellente Spiele hatte. Eine Defense, die bis zum Zuschlagen des Verletzungsteufels mit einem Male wieder Top-Team würdig war. Ein konstant wandelnder GamePlan, der um diese Probleme herum dokterte.

Am Ende war New England ein Top-10 Team nach Effizienz, was angesichts der Kaderqualität bemerkenswert ist. New England war 5.9 Punkte besser als der Durchschnitt nach SRS (#8der Liga). #8 nach Pythagorean. 12-4 Siege, und es hätten je nach Ausgang einiger Zufalls-Plays in den letzten Sekunden auch 10 oder sogar 14 sein können. Das müsste eigentlich reichen für den COTY, aber…

#1 Ron Rivera (Carolina Panthers)

Ich löse mein Versprechen ein und küre den Coach, der wie kein anderer für die neue Welle an aggressiven (besser: rational richtigen) 4th-Down Calls stand: Riverboat Ron. Ron Rivera ist mehr als die paar 4th-Downs. Ron Rivera war der Hauptgrund, weswegen die Carolina Panthers in der vorangegangenen Saison 2012 so „schlecht“ abschnitten: Wegen seines üblen „in-Game Managements“. Dass Rivera aus einem Schrotthaufen von Mannschaft, die er 2011 übernommen hatte, innerhalb von kürzester Zeit eine titelfähige Mannschaft gebastelt hat, habe ich nie abgestritten; Carolina hatte schon 2012 eine Superbowl-fähige Mannschaft, aber einen Top-Draftpick würdigen Coach.

Rivera war der Hauptgrund, besser: der alleinige Grund, weswegen ich Carolina im Sommer knapp außerhalb der Playoffs gesehen hatte. Bei allem Respekt für seine sicherlich exzellente Trainings- und Vorbereitungsarbeit, aber er hatte sie so oft mit inaktzeptablen in-Game Entscheidungen negiert, dass diese kein Zufall sein konnten. Weil Menschen Gewohnheitstiere sind und sich – wenn überhaupt – nur seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr langsam ändern, hatte ich Rivera bereits als hoffnungslosen Fall abgeschrieben.

Woche 2 gegen Buffalo, und Rivera machte nahtlos weiter mit seinem „Punt in 4th-und-kurz“. Resultat: Zwei Saison-Pleite im zweiten Spiel.

Aber dann muss sich etwas bei Rivera getan haben, denn quasi über Nacht mutierte Rivera vom konservativsten Head Coach der NFL zu einem, der 4th-Down auf 4th-Down auf 4th-Down ausspielen ließ und damit mehr als eine Partie zu Gunsten seiner Mannschaft drehte. Carolina war am Ende 12-4, in etwa die Bilanz, die die Panthers schon 2012 hätten einfahren müssen. Man war ein Top-8 Team nach Effizienz-Stats. Man war die #4 der Liga im SRS mit 9.1 Punkten über Liga-Schnitt. Man stellt mit 11.7 Siegen das drittbeste Team nach Pythagorean.

Und mehr: Die Panthers funktionieren mittlerweile wie eine Mannschaft nach Riveras Vorstellungen: Massive Front-Seven, okayes Defensive Backfield. Rivera und sein Staff machten in der Offseason genau die richtigen Moves um den letztjährigen Underachiever zu upgraden. Das größte Upgrade aber war Rivera selbst – und das verdient ihm den Sideline Reporter Coach oft he Year 2013/14 Award.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Samstag: Indianapolis Colts – Kansas City Chiefs Preview

Die NFL-Playoffs haben uns wieder! Heute Abend ab 22h35 geht es los mit dem ersten Wildcard-Spiel. Die NFL-Playoffs sind jedes Jahr ein absolutes Highlight des Sportjahres. Sie laufen nach dem Prinzip do or die ab. Keine best of-Serie, kein Rückspiel. Verliere und fahre heim. Und das nicht in langweiligen Runden wie Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, sondern in Wildcard Weekend, Divisional Playoffs, Conference-Championships und Super Bowl.

Den Auftakt dieses Jahr machen die Sieger der AFC South, die Indianapolis Colts (11-5) und die Kansas City Chiefs (11-5), Zweite der AFC West. Spielstätte ist das Lucas Oil Stadium in Downtown Indy, eine Halle mit verschließbarem Dach, die eigentlich immer voll ist, aber ausgerechnet im Vorfeld dieses Playoff-Auftakts hatten die Colts Probleme, all ihre Tickets loszuwerden um einen Blackout im heimischen Markt zu verhindern.

Colts gegen Chiefs klingt nicht unbedingt nach einer Top-Paarung. Hier treffen die Teams aufeinander, die in den letzten beiden NFL-Drafts jeweils einen #1-Draftpick hatten, was nix anderes bedeutet, dass sie 2011 (Colts) und 2012 (Chiefs) jeweils die schlechteste Bilanz der Liga gehabt hatten. Die Partie hat aber ihre Reize.

Da wäre zum einen der voluminöse Head Coach der Chiefs, Andy Reid, letztes Jahr mit Schimpf und Schande aus Philadelphia fortgejagt, und nun das (nach Siegen) schlechteste Team der Liga innerhalb eines Jahres in die Playoffs geführt. Reid musste prinzipiell nicht viel mehr anstellen als einen Quarterback einzukaufen (das machte er: Alex Smith) und seiner Offense solideres Spiel einzubläuen (tat er: Nur 18 Turnovers für die Offense). Das reichte gegen einen nicht allzu schweren Schedule für den schnellen Turnaround.

Auf der anderen Seite steht Chuck Pagano den Colts vor. Pagano bestritt sein zweites Jahr als Headcoach, aber 2012 hatte er großteils wegen einer Leukämie-Erkrankung verpasst. 2013 war sein erstes „volles Jahr“, und er beging keine auffälligen Fehler. Vielmehr kann man ihm attestieren, aus einem limitierten Kader nahezu das Optimum herausgewringt zu haben.

Wenn die Colts den Ball halten

Indianapolis erreichte schon im letzten Jahr die Post-Season. Damals spielte die Mannschaft um ihren QB-Grünschnabel #12 Andrew Luck einen risikoreichen Ball mit sehr viel vertikalem Passspiel in der Offense. Das führte zu besseren Ergebnissen als befürchtet, aber man war auch extrem anfällig gegen Turnovers. Als Konsequenz wurde nach dem Abgang des OffCoords Bruce Arians (wurde Headcoach in Arizona) dazu, dass man einen OffCoord Pat Hamilton einstellte, der vor allem dafür bekannt ist, dass er physische Spielweise und Kurzpassspiel bevorzugt.

Das sieht dann so aus: Während Luck 2012 noch in 27% der Pässe mehr als 15yds warf, sind es heuer nur noch 20%. Entsprechend steigerte Luck seine Completion-Rate auch von 54% auf 60%, senkte seine Sack-Quote von 6% auf 5.2% und vor allem: Er warf dieses Jahr nur noch 9 Interceptions im Vergleich zu 19 in der vergangenen Saison.

Luck ist der Mann, der diese Offense definiert. Es laufen zwar nicht mehr so viele Spielzüge durch die Luft, aber zu behaupten, dass Indys Laufspiel effizient wäre, ist eine glatte Übertreibung. RB #34 Trent Richardson wurde nach zwei Wochen teuer aus Cleveland eingekauft, erwies sich aber als gigantischer Bust und hinderte die Offense mit immerhin 157 Carries bei nur 2.9yds/Carry mehr als er ihr geholfen hätte. Richardson ist ein Back, der eigentlich optisch wie ein Star aussieht, allein… der Output ist nicht da.

Indys Offense Line ist trotz einiger teurer Offseason-Einkäufe wie LG Thomas oder RT Cherilus nicht allzu stark besetzt, aber 2.9yds/Carry sind dennoch unterirdisch für NFL-Verhältnisse. Zumal Richardsons Backup, der schmächtig gebaute Donald Brown, mit 5.3yds/Carry und null (!) Fumbles eh die bessere, sicherere Alternative zu sein scheint. Aber das ist kein Laufspiel, das dich tragen kann.

Luck ist meistens gefragt, und er macht seine Sache gemessen an dem Material, mit dem er arbeiten muss, hervorragend: 6.1 NY/A im Passspiel mit Leuten wie WR #13 Hilton (83 Catches, 1086yds, 5 TD, wird in 32% der Fälle tief angespielt), TE #80 Fleener (52 Catches, 608yds, 4 TD) oder Lucks College-Teamkollege WR #17 Whalen (kam vom Practice-Squad) sind eine Hausnummer. Der beste Wide Receiver ist möglicherweise der ungedraftete Rookie #16 Da’rick Rogers, der aber nur in vier Spielen Action sah.

Die Colts-Offense sah vor zwei Wochen im Regular-Season Spiel gegen diese Chiefs recht dominant aus, aber es gibt auf Chiefs-Seite einen großen Neuling im Vergleich zu jenem Spiel: OLB #50 Justin Houston, der in der ersten Saisonhälfte der vermutlich beste Abwehrspieler der Liga war, und danach nach Woche 10 mit diversen Verletzungen ausfiel. Houston soll heute Abend wieder fit sein, und auch ein halbfitter Houston ist ein massives Upgrade für die Chiefs. Am augenscheinlichsten wird das im Passrush zu spüren sein, wo die Chiefs im „Hinspiel“ heftig blitzen mussten und dabei ihr Defensive-Backfield ein ums andere Mal in Bedrängnis brachten.

Wenn du vorne den begnadeten und optisch so einzigartigen OLB #91 Tamba Hali (11 Sacks) mit Houston (11 Sacks in 11 Spielen) mischen kannst, dann wird Luck in der Pocket schneller in Bedrängnis kommen als ihm lieb ist. Luck ist ein fantastischer Quarterback, aber auch er kriegt nasse Füße, wenn die Offense Line ein ums andere Mal zerbröselt wird. Hali soll allerdings „questionable“ sein, könnte, wenn er überhaupt spielt, nur mit halber Kraft auflaufen.

Die Chance für die Colts ist das nur durchschnittlich besetzte Defensive Backfield der Chiefs. Kansas City machte zwar bockstarke 21 Interceptions im Saisonverlauf, aber bis auf den Super-Safety #29 Berry („The Fifth Dimension“) spielt kein DB eine wirklich gute Saison: Bei dem Rookie #31 Cooper dachte man, einen ganz großen Fang gemacht zu haben, bis Cooper von Peyton Manning zweimal hintereinander in Fetzen zerrissen wurde und seither als Nervenbündel auf der Bank hockt.

Fix ist nur: Luck wird das Spiel tragen müssen. Laufspiel geht keine eine Defensive-Front mit einem NT-Monster wie #92 Dontari Poe (346 Pfund, gilt unisono als All-Pro Kandidat) und einem DE #94 Tyson Jackson (spielt sein bestes Profijahr) nicht.

Wenn die Chiefs den Ball halten

Die Chiefs-Offense ist relativ einfach erklärt: Gib RB #25 Jamaal Charles den Ball und bläue QB #11 Alex Smith so lange ein, ja keine Turnovers zu begehen, dass Smith sich nicht mehr traut, das Ei weiter als 10yds zu werfen. Eine Strategie, die funktioniert, solange die Chiefs in engen Spielen oder mit Führung spielen. Die Offense ist nicht explosiv, sie ist sogar ziemlich ineffizient (5.7 NY/A Passspiel ist unteres NFL-Drittel), aber sie vermeidet die Ballverluste: 18 Turnovers in 16 Spielen sind ein sehr guter Wert.

Charles ist der Schlüsselspieler: Das ist ein Runningback, der in seinen ersten Profijahren vorwiegend als change of pace-Back eingesetzt wurde und als solcher Berühmtheit erlangte, weil er jedes Jahr 5-6yds/Carry erzielte – Werte, die kein anderer NFL-Back über so lange Zeiträume annähernd einhalten konnte. Charles lieferte auch heuer wieder: 259 Carries, 1287yds (5.0yds/Carry) für 12 TD, und 70 Catches für 693yds und 7 TD. Das sind erstklassige Zahlen, noch dazu für einen Back, der ohne ernst zu nehmende Passspiel-Entlastung auskommen muss, und dessen Offense Line… hm… banal ist. Allerdings setzen die Chiefs fast zu oft auf Laufspiel und Charles: In EPA-Zahlen liest sich Charles’ Saison eher ineffizient.

Gegen Indianapolis könnte es jedoch eine gute Idee sein, viel Charles einzusetzen, denn die Colts-Abwehr strahlt eigentlich nur im Passrush Gefahr aus: Hier wäre OLB #98 Mathis zu nennen, der aktuelle Sack-Champion der NFL mit 19.5 Stück. Man hat Mathis wohl lange Zeit unterschätzt, aber dieses Jahr war er als Alleinunterhalter durchaus ein wichtiger Faktor für eine andernfalls recht unzuverlässige Defense.

Indys Lauf-Defense ist in Run-Success Rate (55%) und Y/A (4.5) jeweils recht weit unterdurchschnittlich. Die Offense Line der Chiefs ist keine Elite-Einheit, aber sie bekommt im Vergleich zum ersten Spiel diesmal in LT Brandon Albert eine Verstärkung zurück. Dafür fällt heute Abend RT Eric Fisher (#1-Draftpick 2013) aus.


Es ist das gefühlt engste Matchup vor diesem Wildcard-Weekend. Eine Prognose ist eigentlich qua Design zum Scheitern verurteilt. Es ist das Spiel eines QB-Jungstars Luck gegen eine potenziell hervorragende Defense, und das Spiel einer „Alte-Schule“ Offense gegen ein one trick pony an Defense. Kurz gesagt wird für die Chiefs viel davon abhängen, ob Charles in Gang kommt und Smith ohne Turnovers auskommt. Geschieht das, haben die Chiefs eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen. Gehen die Colts aber früh in Führung, könnte das Spiel ähnlich laufen wie das „Hinspiel“.

Alle Faktoren zusammengerechnet, sehe ich Indianapolis zuhause leicht im Vorteil. Es ist aber kein Tipp, auf den ich Geld setzen würde.

AFC Wild Card Preview: Kansas City Chiefs @ Indianapolis Colts

Jede Party beginnt mit einem ersten Drink und einem Smalltalk, an die sich schon zwei Stunden später niemand mehr erinnert. Das ist nicht schlimm, das gehört dazu. Bevor die richtig coolen Leute kommen und der teure Schnaps ausgepackt wird, muß man ja erstmal mit irgendetwas anfangen. Bei der diesjährigen Party „NFL Playoffs“ sind die beiden ersten Gäste die Langweiler aus Kansas City und die Streber aus Indianapolis.

Die Kansas City Chiefs (11-5) sind das am meisten überschätzte Team, während die Indianapolis Colts (11-5) die Mannschaft ist, die am deutlichsten über ihre Verhältnisse spielt. Nach korsakoffs ranking sind das die zwei schlechtesten Mannschaften in den Playoffs; und das deckt sich auch mit dem eyeball test.

Die Chiefs haben von ihren 11 Siegen nur einen gegen ein Team mit positiver Siegbilanz geholt – in Woche 3 gegen Michael Vick und seine Eagles. Sechs der Siege gab es gegen die fünf schlechtesten Mannschaften der Liga: Houston, Washington, Jacksonville, Cleveland und zweimal Oakland. Dazu gesagt werden muß aber, daß auch diese Spiele letzte Saison meistens in die Hose gegangen sind. Der neue Head Coach Andy Reid hat einen erstklassigen Job gemacht. Er hat die Prügelknaben (2 Siege, 14 Niederlagen in 2012) aufgerichtet, ein neues taktisches Korsett verpaßt, ihnen ihr Selbstvertrauen wiedergegeben und ganz plötzlich sind die Chiefs wieder so respektiert und respektabel wie zuletzt anfangs des letzten Jahrzehnts unter Dick Vermeil.

Aber langweilig sind sie. Furchtbar langweilig. Korsakoff hat ihr immer wieder darauf hingewiesen, daß diese Chiefs den 49ers der Saison 2011 sehr ähnlich sind. Aber mittlerweile würde ich das fast schon für eine Beleidigung der Niners halten. Die Chiefs haben die gleichen Charakteristika, aber die Umsetzung ist nicht so gut wie San Frans.

Chiefs Offense vs Colts Defense

Am besten klappt das noch mit der Field Position. Der Angriff um QB Alex Smith startet durchschnittlich an der eigenen 34-Yard-Linie. Das ist zwei Yards besser als der zweitplazierte – die San Francisco 49ers, natürlich. Dazu kommen völlig absurde 11 Touchdowns durch Special Teams und die Defense. Zum Vergleich: die Colts hatten derer zwei.

Auf die TDs kann man natürlich nicht regelmäßig zählen, weil da immer viel Zufall dabei ist. Aber Kansas Citys Special Teams sind erstklassig. Ohne deren Hilfe würde der Angriff auch zu fast nix kommen.

Alex Smith ist kein guter Quarterback. Nachdem bereits sein Vorgänger Matt Cassel einen 2nd-rd pick kostete und immer mal wieder Hoffnung machte, letztendlich aber doch nur die Chance nahm, einen jungen QB zu entwickeln, macht man es mit Smith genauso. 2nd-rounder abgegeben und durch die Hoffnung, daß er etwas reißt, nimmt man sich auch die Möglichkeit, einen jungen Typen hoch zu draften. Die Colts sind nun auch noch ein einigermaßen blödes matchup. Die Defense von Greg Manusky spielt sehr oft press man coverage. Mit CB Vontae Davis haben sie auch einen Idealtypus für diesen Stil. Er wird Dwayne Bowe aus dem Spiel nehmen, Kansas Citys einzigen WR für die Seitenlinie und die tiefen Bälle.

Wenn Smith paßt, dann alles kurz zu RB Jamaal Charles, Allzweckwaffe Dexter McCluster und slot guy Donnie Avery. Das wird ein Duell auf Augenhöhe, denn die Colts haben in der Mitte ganz passende Leute für dieses Kurzpaßgeschmeiße. LB Jerrell Freeman ist lange nicht über jeden Zweifel erhaben, aber er ist schnell, verdammt schnell. Eher daneben als dahinter (durch die fehlenden tiefen Waffen) werden die Safeties Antoine Bethea und LaRon Landry spielen. Bethea ist einer der zuverlässigsten space eater, derweil Landry einen fast einzigartigen Körper hat: gebaut wie ein LB, schnell wie ein RB. Nur macht er gerne mal einen Schritt in die falsche Richtung oder versucht spektakulär zu sein, anstatt den sicheren Lehrbuch-Tackle zu machen.

Mit diesem Trio in der Mitte muß auch kein Indy-Fan Angst haben, von KCs Laufspiel zerstört zu werden. Im Gegensatz zu Greg Romans Laufspiel in San Francisco, das eines der kreativsten und vielfältigsten und überhaupt schönsten ist, die man sich vorstellen kann, bekommt bei den Chiefs einfach Charles den Ball und alle gucken, was dann passiert. Das funktioniert auch regelmäßig, aber die ganz großen Sprünge macht man damit nicht. Fun Fact: sowohl die Jets, als auch die Patriots und Packers hatten in der Regular Season mehr Laufyards als die Chiefs.

Das entscheidende matchup ist hier ganz klar: Jamaal Charls in space gegen die edge players der Colts. Können Robert Mathis, Björn Werner und Erik Walden Charles bei Laufspielzügen diszipliniert die Außenseite zumachen? Und vor allem: können sie Charles auf Paßrouten decken und ihn zu Fall bringen, wenn er ihnen im 1-gegen-1 gegenübersteht? Daß es zu diesen Aufeinandertreffen kommt, dafür wird Andy Reid garantiert sorgen. Wenn Reid etwas kann, dann seine Westbrooks und McCoys und Charlesens per design in 1-vs-1-Situationen gegen überforderte Linebackers zu bekommen.

Colts Offense v Chiefs Defense

Auf der anderen Seite sieht es ähnlich aus. Nur daß die Colts einen richtigen Quarterback haben. Und was für einen! Die Colts verlangen von Andrew Luck unglaublich viel, vor allem, daß er immer wieder hinter einer schrecklichen Offensive Line lange 3rd Downs verwandelt.

Der Angriff unter dem neuen Offensive Coordinator Pep Hamilton (war bei Stanford auch Lucks OC) ist old school. Laufen, laufen und dann „Hau uns raus, Quarterback!“. Und auch hier ist es kein kreatives Laufspiel, sondern einfach Power, ab-durch-die-Mitte, three two yards and a cloud of dust. Allein die Offensive Line ist dafür nicht gebaut. Mann kann den RBs Donald Brown und Trent Richardson kaum einen Vorwurf machen, daß da nicht viel bei rumkommt.

So muß Andrew Luck immer wieder lange 3rd Downs verwandeln. Das kann er auch immer wieder, weil er eine unglaubliche pocket awareness und eine Cam-Newton-hafte Athletik besitzt. Er hat ein untrügliches Gespür dafür, wann von hinten links der pass rusher nur einen Schritt entfernt ist, er weiß instinktiv, wo der kleine Quadratztentimeter ist, wo er noch einen Schritt hin setzen kann. Und in der Not kann er auch immer einen 300-Pfund-Typen von seiner Schulter schütteln und auch mal für ein First Down laufen. Da er sich immer wieder Zeit „kaufen“ kann, haben auch seine mittelmäßigen WRs Zeit, sich freizulaufen.

Aber dieses Spiel, Lauf-Lauf-Paß, ist denkbar schlecht geeignet gegen diese Chiefs. Mit ihren dicken Jungs Dontari Poe, Mike DeVito und Tyson Jackson plus einer erstklassigen Absicherung in LB Derrick Johnson würde es zwangsläufig zu den langen dritten Versuchen kommen. Und dann können KCs bombige pass rusher Tamba Hali und Justin Houston (falls er denn wieder spielen kann) auf Teufel komm raus Luck attackieren. Hamilton muß hier etwas ausprobieren. Viel play action und shot plays mit sieben- oder acht-mann-protection bei ersten und zweiten Versuchen vielleicht. Darius Heyward-Bay, T.Y. Hilton und LaVon Brazil müssen dann die CBs schlagen und die Bälle auch fangen. Oder etwas ganz anderes. In den Playoffs werden die Stars geboren – nicht nur die Spieler, sondern auch die Coaches.

Also Charles gegen die OLBs und die Special Teams auf Seiten der Chiefs gegen den gameplan von Hamilton und die play making abilities von Luck auf der anderen Seite. Das heißt, es ist im Grunde so wie immer: Special Teams, Big Plays und Turnovers werden das Spiel entscheiden.

Es ist nur der erste Drink auf der Party, aber hey: die Party beginnt!

Thursday Night Game, #3: Philadelphia Eagles – Kansas City Chiefs live

[05h45] Endstand Philadelphia Eagles 16, Kansas City Chiefs 26.

Die Chiefs haben damit im dritten Saisonspiel mehr Siege als im ganzen letzten Jahr. „Andy Reid“-Schlachtrufe bei den wenigen verbliebenen Zuschauern im Stadion. Schwache Vorstellung der Eagles, die ihre Offense heute auch unabhängig von den Turnovers nie wirklich ins Rollen brachten. Superstar bei den Chiefs war heute der unten eingangs gelobte OLB #50 Justin Houston: 4.5 Sacks, 2 Fumble-Recoveries. Auch OLB Hali mit einem Sack. Starke Abwehrvorstellung für Kansas City.

Die Chiefs 2013 sind die 49ers von 2011:

Offense: wackelige Offense Line mit lichten Momenten, in denen sie wie Weltklasse aussieht, kaum Anspielstationen, ein sensationeller Running Back und ein anämisches, auf reine Fehlervermeidung bedachtes Passspiel. Zufällig ist auch der Quarterback beider Teams in #11 Alex Smith ein und dieselbe Person.

Defense: 3-4 Defense, ein bärenstarker Nose Tackle (Poe 2013 = Aubrayo Franklin 2011), starker Defense End (Jackson 2013 = J.Smith 2011), sensationelle Linebacker-Crew, okayes Defensive Backfield (ok, Chiefs-Version 2013 ist besser)

Special-Teams: steuert den Rest dazu bei, dass die Mannschaft exzellente Feldpositionen bekommt (KC 2013 ist #1, SF 2011 war #1).

Schön anzuschauen ist das nur dann, wenn der Runningback den Ball bekommt. Aber solange du wirklich die Bolzen verhinderst und deine Defense 1-2 Turnovers zustande kriegt, kannst du damit weit kommen.

[05h36] 1:56 vor Schluss wird RB Jamaal Charles im 4th-Down an der PHI 2 gestoppt.

[05h30] Schlechte Angriffsserie der Eagles, die im Turnover on Downs endet. Massenexodus im Stadion, 2:41 to go.

[05h25] PHI 16, KC 26/Q4 3:21. Jetzt endlich mal ein ordentlicher Chiefs-Drive: Brutal viel Laufspiel, viele kritische 3rd-Downs verwertet und eine Offense Line, die für einmal richtig gut vorblockt. Am Ende nimmt der Drive viele Minuten von der Uhr (über acht!) und erhöht auf zwei Scores Differenz. Besser geht’s fast nicht.

[05h08] PHI 16, KC 23/Q4 11:36. Und dann geht es ganz schnell: Vick für WR Avant, athletischer Catch mit einer Hand. Chiefs trauen sich nach einer Verletzung von CB Flowers zwei Plays vorher nicht, eine Verletzung zu faken, Play-Clock runter auf 26sek, RB McCoy hinter der Line mit großem Loch durch zum 41yds TD-Run. Mayock fragte vorhin, ob die Chiefs nicht bald zwei Safetys nach hinten stellen würden: Nope. Der zweite war vorne rechts, um gegen den Lauf zu arbeiten – und hatte ironischerweise nie Zugriff drauf.

[04h59] PHI 9, KC 23/Q4 12:57. Ein grundsolider Drive der Chiefs mit sehr viel RB Jamaal Charles in Pass und Lauf, abgeschlossen per 2yds-Carry für Charles.

Drittes Viertel

[04h48] Langer 40yds-Pass für den enteilten WR Jackson, aber danach geht nix mehr. K Henery versäbelt aus ca. 49yds.

Erneut gab es Vorwürfe einer gefaketen Verletzung bei den Chiefs, diesmal war CB #24 Flowers der Angeklagte. Da fällt mir immer wieder ein: Warum versucht man solchen Vorwürfen nicht Einhalt zu gebieten, indem man verletzte Spieler für den kompletten Drive aus dem Spiel nimmt? Dann überlegt sich der Verteidiger das zweimal und wir sehen, wer wirklich faked.

[04h40] Jetzt geigt die Eagles-Defense auf: Sack-Sack-Incompletion (und dabei sogar noch ein Holding gegen DT #75 Vinny Curry) und schneller Punt der Chiefs. Curry mit einer gigantischen Serie diesmal. Aber auch alles andere als überzeugend, was die hoch gelobte Offense Line der Chiefs da anstellte.

[04h33] PHI 9, KC 16/Q3 6:30. Für Momente sieht es so aus, als käme Philadelphia in Schwung (RB McCoy, WR Jackson) und innerhalb von Sekundenbruchteilen ist man in der RedZone. Nach einer Verletzungsunterbrechung wegen eines Krampfes von CB #27 Sean Smith (warum musste Smith eigentlich unbedingt die zwei Schritte ins Feld zurückgehen, um sich mit Krampf auf den Boden zu setzen?) sieht die Offense wieder wie der gleiche Murks aus. Trotz eines geschenkten 1st-Downs wegen Illegal-Contact braucht es am Ende das FG.

[04h22] Wieder eine verpasste Chance für KC: 3rd-und-1, und wieder werden Offense Line und Laufspiel schon im Backfield niedergemacht.

[04h18] Mit einem weiteren verunglückten Snap eröffnen die Eagles die zweite Halbzeit. Drei Plays später schrammt Vick nach abgefälschtem Ball von #94 Tyson Jackson haarscharf an einer weiteren INT vorbei. Punt, aber die gute Nachricht: #25 McCoy ist wieder zurück im Spiel.

[04h09] Die #5 von QB Donovan McNabb wurde eben zur Ruhe gelegt. Die Ansage machte Brian Dawkins, Safety und ehemaliger Teamkollege McNabbs – Dawkins war einst einer der Kopfjäger, in der Kopfjäger noch von der NFL glorifiziert wurden.

Zweites Viertel

[03h58] Halbzeit Philadelphia Eagles 6, Kansas City Chiefs 16.

Ganz schlimme Hälfte aus Sicht der Eagles, die kein einziges Bein in den Boden bekommen und Zillionen an Turnovers begehen. Die beiden Fumbles waren Individualfehler (PR, C), eine INT war abgefälscht, die andere schlicht ein horrender Wurf Vicks. Man könnte drauf vertrauen, dass das in der zweiten Halbzeit klar besser wird, aber auch ohne die Turnovers bewegen die Eagles das Ei nicht wirklich gut. Die beiden Offensive Tackles #71 Peters und #68 Johnson haben üble Probleme gegen die fantastischen OLBs der Chiefs, Hali und Houston. Der beste ist noch RB #25 Shady McCoy, und der verletzte sich kurz vor der Pause und griff sich sofort ans Knie (McCoy soll im Kabinengang einen Weinkrampf bekommen haben).

„Gut“ für die Eagles ist die katastrophale Chancenverwertung der Chiefs, deren einziger TD aus dem INT-Return #29 Berrys resultierte. Der Rest war Angsthasenfootball der schlimmsten Sorte. Mickrige 3 von 11 3rd-Downs wurden verwertet, und zwei davon waren Checkdowns, die #17 Avery dank ganz schwacher Defense mit langen Läufen nach dem Catch verwertete.

Bis auf diese beiden und drei, vier weitere Plays ist der Eagles-Defense aber kein Vorwurf zu machen: Sie sind effektiv, wenn sie nur 3 Mann vorne schicken und mit 8 Mann decken (QB Smith ist dann hoffnungslos überfordert), und die wenigen heftigeren Blitzes endeten glaube ich alle in Sacks oder Offensive-Holdings.

[03h45] PHI 6, KC 16/Q2 2:26. Auch die Chiefs-Offense macht eigentlich nix weiter als von den Fehlern der Eagles zu schmarotzen: Es gab im vorigen Drive mal ein verwertetes 3rd-und-15 von WR Avery bei einem Kurzpass; diesmal ist es gar ein 3rd-und-19, das Avery aus einem Kurzpass macht, weil die Defense ungeordnet rumläuft. Kurz danach ein Griff ins Nix von LB #95 Kendricks gegen RB #25 Charles. Gut nur, dass QB Smith heute die Hosen noch voller hat als gewohnt, und K Succop ein weiteres Mal raus muss.

[03h36] Das ist ja unglaublich! QB Vick mit einem Wurf in gute Deckung, und dann noch ein extrem ungenauer Pass – sehr lasch – und CB #27 Sean Smith fängt den Ball ab – vierter Turnover der Eagles in der ersten Halbzeit! Chip Kelly muss da draußen das Grausen bekommen, und die ersten Boo-Birds von den Rängen fliegen aufs Feld.

[03h30] PHI 6, KC 13/Q2 8:22. Die Chiefs-Offense ist noch konservativer als es die ersten beiden Spiele angedeutet hatten. Smith wirft seine Männer nur an, wenn sie 3m offen sind. WR #17 Avery ist das in einem dritten Down und machte den langen Schlüsselspielzug, aber in der RedZone, wo die Räume eng werden, geht wieder nix. K Succop macht diesmal wieder das FG aus 31yds.

[03h23] Starke Einzelleistungen von den Jungs, die ich eingangs lobend erwähnt hatte: OLB #50 Houston mit einem angetippten Pass, OLB #91 Hali mit einem Sack, in dem er LT #71 Peters umläuft. Punt.

[03h18] Die Chiefs machen viel zu wenig aus ihren Chancen. Im dritten Down und 3 kommen die Eagles mit einem starken Blitz, und Rookie-RT #72 Fisher muss ein Holding begehen, das die Chiefs außer FG-Reichweite bringt (sensationelles Blitz-Blocking übrigens vom RB-Schmächtling #25 Charles in diesem Play!). Zehn Yards weiter hinten muss Smith mal wieder scrambeln (heute schon 5 Läufe für Smith), aber zu kurz. K Succop verschießt aus 51yds.

Erstes Viertel

[03h11] Was machen die Eagles? QB Vick eröffnet mit einem 24yds-Scramble, und dann fumbelt C #62 Kelce den Ball bei einem furchtbaren Snap. Dritter Turnover von Philadelphia, und wir sind noch im ersten Viertel!

[03h09] Der dritte Chiefs-Drive bringt interessante Eindrücke von Seiten der Eagles-Defense: Sie blitzen nicht wild, sie kommen oft gar nur mit 3 Mann (DL) und schicken die Linebackers sofort zurück in die Deckung. QB Alex Smith verweigert jeden etwas schwierigen Wurf und muss häufig scrambeln – reicht nicht. Punt.

[02h58] PHI 6, KC 10/Q1 5:06. 3 Plays, 87yds für Quick-Strike Philly: Vick eröffnet mit einem sensationellen 61yds-Scramble über die Spielfeldmitte, nach QB-Keeper (angetäuschte Ballübergabe für RB #34 Brown). Zwei Plays später ein wunderbarer Pass „halblinks“ in die Endzone rein für den 22yds-TD für WR #81 Avant. Kelly probiert danach sofort die 2pts-Conversion aus einer bizarren Formation raus – beides bis dato quasi ungesehen für die NFL!

[02h48] Zweiter Eagles-Drive, diesmal kein Turnover, sondern ein Punt: Die Eagles haben die gefürchteten DL #92 Poe und #94 Jackson bisher soweit unter Kontrolle, aber Vick noch zu zögerlich und bei einem 3rd-Down Pass eine Spurz zu unpräzise, WR #14 Cooper kann den minimal überworfenen Ball nicht festhalten.

[02h41] PHI 0, KC 10/Q1 11:12. Vick vergisst in der Eile, wie lange er schon auf seinen Tight End starrt, wirft trotzdem, LB #56 Johnson springt in den Ball und tippt ihn genug an, dass FS #29 Eric Berry den abgefälschten Ball locker aufnehmen und unbedrängt 38yds zum Touchdown returnieren kann. Dreckiger Beginn für Philly, die den Chiefs mit zwei Turnovers zehn Punkte quasi schenken und noch gedanklich nicht im Spiel sind.

[02h37] PHI 0, KC 3/Q1 12:08. Zwei größere Fehler der Special Teams der Eagles, die erst S #43 Demps einen langen Kickoff gestatten und dann, nach dem schnellen Punt, den Ball zu den Chiefs zurückfumbeln, weil der Returner #13 Johnson den Ball nicht festhalten kann. Chiefs schlagen mit schwacher Offense nur das minimalste Kapital draus, K Succop muss nach einem Sack aus kurzer Distanz einkicken.

[02h29] Andy Reid wurde im Stadion mit Standing-Ovations begrüßt.

[02h14] Guten Morgen zum Donnerstagsspiel Philadelphia EaglesKansas City Chiefs. Es ist die Rückkehr von Chiefs-Coach Andy Reid an alte Wirkungsstätte. Eine Vorschau habe ich schon verfasst, und es sei mit gestattet, noch ein paar Dinge zu ergänzen, denn ich habe am Abend noch einmal das Condensed-Spiel der Eagles gegen San Diego durchgespult.

Die Eagles zeigten noch eklatantere Deckungsprobleme als ich es vom Livespiel in Erinnerung hatte. Der Passrush war minimal, und die Chargers verstärkten den Eindruck mit vielen schnellen Pässen, aber es ist nicht wegzuleugnen, dass Linebackers und Cornerbacks oft schlicht nicht wussten, wen sie decken sollten. Vor allem #95 Kendricks sah gegen seinen Gegenspieler (häufig der TE) kein Land. CB Williams‘ Pass Inferferences waren nicht alle Notwendigkeiten, sondern schlicht Dummheiten. Gut für Philly: Kansas hat keinen ernst zu nehmenden Tight End.

Bei den Chiefs fiel mir erst mit Blick auf die Statistiken auf, wo deren Geheimnis lag: Starting Field Position, die in beiden Spielen wirklich erstklassig war. Ist das zu halten? Die Geschichte sagt nein. Optisch hatte ich den Eindruck, dass QB #11 Alex Smith fürchterlich gegen Blitzes aussah. Das ist nix Neues bei Smith. Was haben die Eagles da zu bieten? Gegen San Diego verbrannten sich die Iggles mit Blitzes zumeist selbst.

In der Defense der Chiefs ragte in beiden Spielen die Front-Seven heraus. Der noch im letzten Jahr arg kritisierte NT Poe wird hymnisch besungen und hat auch eine ganze Latte an auffälligen Big-Plays. DE #94 Tyson Jackson soll endlich im fünften Jahr beginnen zu zeigen, weswegen er einst der dritte Draftpick overall war. OLB Hali ist uns allen bekannt. Aber noch um einiges besser, kompletter, fand ich den anderen OLB der Chiefs, Houston: Der Mann hat Potenzial zum nächsten großen Defense-Superstar, sofern er nicht wieder in der Entzugsklinik landet.

Kommentator Philipp S. hat auch eine etwas detailliertere Analyse zu Chiefs und Eagles verfasst.

Mein Tipp Eagles wackelt mehr als heute morgen, aber ich lasse ihn aufgrund des Heimvorteils stehen.

Date am Donnerstag, #3: Philadelphia Eagles – Kansas City Chiefs beim Knutschen mit Andy

Heute Nacht, 02h30 gibt es bei SPORT1 US das Thursday Night Game von Woche 3, Philadelphia Eagles (1-1) vs Kansas City Chiefs (2-0). Es ist die Rückkehr von Chiefs-Headcoach Andy Reid an alte Wirkungsstätte. Man darf auf die Reaktionen im Publikum gespannt sein. Ein relaxter Andy Reid im roten Overall ist immer noch ein Bild, an das ich mich gewöhnen muss, nach vielen Jahren steinerner Miene in dunkelgrünem Iggles-Hemd. Es ist auch das Spiel, in dem der beste Quarterback der Franchise-Geschichte, Donovan McNabb, von den Eagles offiziell verabschiedet wird. Eine Ode an „Donnie Mac“ hab ich schon gestern geschrieben; heute konzentrieren wir uns auf das Sportliche.

So ganz ohne Sentimentalitäten geht es vielleicht auch nicht. Reid war der erfolgreichste Eagles-Headcoach der letzten 50-60 Jahre. Seit seinem Amsantritt 1999 bis zur Entlassung Ende 2012 baute er die Eagles von einer Lachnummer zu einem alljährlichen NFC-Anwärter auf. Zugegeben, die NFC war um die Jahre 2003-2005 qualitativ ein Scherz und der AFC meilenweit unterlegen, aber trotzdem musst du erstmal vier Conference-Finals en suite schaffen. Die Eagles unter Reid erlebten nach den anfänglichen Aufbauschwierigkeiten (Rookie-QB McNabb, talentfreier Kader) nur zwei richtige Scheißjahre (2005, 2007), in denen alles schief gehen musste, dass Philly unter .500 fiel. So lange und so konstant schaffen es nur wenige Teams, oben dabeizubleiben.

Zuletzt wirkte Reid bei den Eagles jedoch verbraucht und ausgelaugt. Ich hätte ehrlicherweise nicht gedacht, dass Reid in diesem Jahr coacht, ihm eher ein Sabbatical geraten. Aber der „rote Reid“ kommt als neuer Mensch daher, lächelnd, locker an der Sideline, zwischendurch immer einen guten Spruch auf den Lippen.

Er hat gute Gründe dafür: Die Chiefs können ein Jahr nach dem Kollaps auf 2-14 nur besser werden. Reid kann Däumchen drehen, und die Chiefs werden minimum fünf Siege mit dieser Qualität in der Mannschaft holen. Wenn Reid aber ordentlich arbeitet, sind sogar die Playoffs drin – das wäre eine Genugtuung für den Mann, den sie bei den Eagles mit chimpf und Schande feuerten.

Der Anfang ist gemacht: Mit dem neuen QB #11 Alex Smith hat die Offense halbwegs ein Gesicht, und sei es nur das der Sicherheitspässe im Mittelfeld, ohne richtigen Drang nach vorne. Das ist ein Riesen-Upgrade gegenüber der turnoveranfälligen Rückwärtsoffense der letzten zwei Jahre. Damit sind die Chiefs 2-0 und genau bei der Bilanz, mit der Reid an alte Wirkungsstätte zurückkehren wollte.

Die Eagles zeichnen sich unter dem neuen Wundercoach Chip Kelly bisher wenig überraschend wie folgt aus: Brutal schnelle Offense zwischen den Plays, Fokus auf Wucht in der Offense Line, Nutzen des Speeds, den dir Sprinter wie QB Vick oder WR Jackson geben. Im Angriff haben die Eagles etliche Waffen, mit denen sie dich schlagen können, aber das Problem liegt in Philly in der Defense, die vorne nur sanfte Lüftchen zustande bringt, und im Backfield accident waiting to happen ist.

Die Frage heute ist nur, ob „Checkdown“ Smith überhaupt soweit kommt, diese Anfälligkeit auszutesten. Vom Gefühl her würde ich mit den Eagles gehen, obwohl man von Reid einige gefinkelte Züge erwarten kann, mit denen er sich am alten Arbeitgeber „rächen“ will. Also: Ab 2h, heute vielleicht mit Liveblogging.

Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         2-14   --
Enge Spiele    2-4  
Pythagorean    2.5   (32)
Power Ranking   .300 (31)
Pass-Offense   5.3   (30)
Pass-Defense   7.2   (29)
Turnover       -24

Management

Salary Cap.
Free Agents.

2012 war ein Scheißjahr für die Chiefs, die mit einem eigentlich recht gut besetzten und vor allem im Kern jungen Kader derbe abschmierten und mit 2-14 die schlimmste Bilanz ihrer Geschichte einfuhren und zum ersten Mal den #1-Draftpick halten. Das schlechte Bild wurde durch ein Doppelmord des Linebackers Jovan Belcher und schwelende Geschichte um das Horroregime des GMs Scott Pioli „abgerundet“.

Es folgt der Reset-Button in Kansas City: Nach zuletzt drei eher laxen Coaches in Herm Edwards, Todd Haley und Romeo Crennell und der „Rasur“ (harhar) Piolis wurde mit dem eben in Philadelphia entlassenen Andy Reid einer der bekanntesten Coaches quer durch die Lande installiert, um eine der verdienstvollsten Franchises wieder auf Vordermann zu bringen.

Reid bringt einen komplett neuen Trainerstab ins Haus, u.a. im ehemaligen NFL-Quarterback Doug Pederson einen Ziehsohn als OffCoord, und DefCoord Bob Sutton, der zuletzt bei den Jets lernen durfte, wie Verteidigung geht.

Die Defense ist nicht das zentrale Problem der Chiefs, trotz der mit 7.2 NY/A drittmeisten aufgegebenen Passyards pro Spielzug. Es gibt in OLB Tamba Hali einen immer noch extrem potenten Passrusher, der Unterstützung von der „anderen“ Seite in OLB Justin Houston bekommt. Das Defensive Backfield ist mit der jungen Granate S Eric Berry und CB Brandon Flowers hoffnungsvoll besetzt, wobei durchaus ein zweiter akzeptabler Manndecker und etwas mehr Tiefe nicht schaden würde (CB Routt wurde schnell aufgegeben).

Die größte Baustelle ist weiterhin die Defensive Line, die aus drei Leuten mit großen Namen, weil allesamt extrem hohe Draftpicks, bestand. DE Glenn Dorsey, der Free Agent wird und nicht billig werden dürfte. Dorsey gilt seit Jahren eher als leichte Enttäuschung und konnte nie das halten, was man sich von ihm versprochen hatte. Auf eine Vertragsverlängerung würde ich nicht wetten.

Wie Dorsey war auch DE Tyson Jackson von LSU zu den Chiefs gekommen, aber im Gegensatz zu Dorsey hängt Jackson das bust-Schildchen schon sehr deutlich um, obwohl die Leistungskurve in den letzten beiden Jahren leicht nach oben gegangen sein soll. Jackson wiegt diese Saison 14.3 Mio. Dollar gegen die Salary Cap, und sollte der Vertrag nicht erneut umstrukturiert werden, kann man von einem Rauswurf Jacksons ausgehen.

Bliebe NT Dontari Poe, einer der workout warriors der Combine 2012. Poe wird ein durchwachsenes Rookiejahr nachgesagt: Bei Zeiten explosiv gegen den Lauf, aber insgesamt sehr unbeständig und im Passrush ein Nullfaktor.

Zusammenfassend: Kansas Citys Defense Line war nicht bodenlos schlecht, aber der Hauptgrund dafür, dass diese Defense seit Jahren nicht ihr volles Leistungspensum erreichen kann. Ein Weltklasse-DE würde dieser 3-4 Defense wie keiner anderen helfen – allein: Er ist in der heurigen Offseason wohl kaum zu bekommen.

Die Offense: Ein Quarterback!

Ein Problem, längst erkannt und trotzdem hatte ich bis zum Saisonstart 2012/13 Hoffnung, dass es sich wenigstens in Anflügen lösen würde: Quarterback. Mit zumindest durchschnittlichem Offensiv-Passspiel wären die Chiefs trotz ihrer zuletzt einbrechenden Abwehr ein wenigstens durchschnittliches Team gewesen. Aber es wollte nicht sein. Matt Cassell entpuppte sich endgültig als one year wonder von 2008 und war letzten Endes vielleicht der wichtigste Grund, weshalb aus dieser Chiefs-Mannschaft nie mehr als unterer Ligadurchschnitt wurde. Weil Cassell selbst nur unterer Ligadurchschnitt ist.

Cassell machte sich zum Hassobjekt im Arrowhead Stadium, weil er zu viele Interceptions (4.3% INT-Quote) und Fumbles produzierte; aber auch Backup Quinn entpuppte sich als keinen Deut besser. Das Rätselraten, wie Andy Reid die Quarterback-Position angehen will, dürfte seit gestern ein Ende haben: Die Chiefs scheinen für den 49ers-QB Alex Smith getradet zu haben (Gegenwert: Pick 2nd round/2013 und ein mir noch unbekannter Draftpick nächstes Jahr; Trade wird erst in zwei Wochen offiziell).

Smith… der Mann lebt von seiner blanken Angst, Turnovers zu begehen, und dürfte als vorsichtiger QB schon mal ein Gegenentwurf zu Cassell sein. Aber Smith, ehemals #1-Pick, entwickelte sich in San Francisco auch nie über die Rolle des Verwalters hinaus. Auch in der abgelaufenen Saison, seiner mit Abstand besten seiner Karriere (wo er ironischerweise auf die Bank gesetzt wurde), warf Smith nur 13.8% seiner Pässe downfield; über seine Karriere sind es nur 17.4% – ein niedriger Wert. Als gemeinhin anerkannt gilt: Man erlege Smith bloß nicht zu viel Verantwortung auf.

Positiv: Reid gilt durchaus als QB-affiner Coach, und das Gerüst in der Chiefs-Offense steht. Mit RB Jamaal Charles hat man einen dynamischen, explosiven Back zur Entlastung. Die Offensive Line gilt als nicht unterirdisch. Die Ballfänger-Crew könnte auf etwas sichereren Beinen stehen, aber immerhin:

  • WR Dwayne Bowe ist zwar Free Agent, aber man könnte sich den Luxus der Franchise Tag erlauben. Bowe ist ein sehr gutes deep threat.
  • TE Moeaki ist jung und verletzungsanfällig, aber sollte er annähernd die Form seiner Rookie-Saison von vor zwei Jahren erreichen und fit bleiben, passt die Position.
  • WR Jon Baldwin ist jung und mehr als unkonstant, aber gebaut wie sich NFL-Coaches einen Wide Receiver wünschen – und Baldwin hat auch bewiesen, dass er in der Lage zu unmöglichen Catches ist.

TE Boss und WR Breaston wurden gefeuert. Die Gruppe braucht Tiefe und es sollte dringend der eine oder andere Draftpick in die Receiver gesteckt werden. Es gibt Teams, die deutlich weniger zum Operieren haben, und die WR-Klasse 2013 gilt als breit aufgestellt.

Das kleinste Problem: Offense Line. Viele Pundits sehen OT Joeckel nach Kansas gehen, obwohl die Position eigentlich nicht schlecht besetzt wäre: RT Winston und LT Albert – geht noch besser, aber viele Teams wären froh über so ein Duo. Albert ist Free Agent und verletzungsgeplagt und wenn er deswegen ziehen gelassen wird, könnte das ein Indiz sein für eine Einberufung eines Offense Tackles mit dem Top-Draftpick.

All in all: Haste Scheiße… kriegste die Scheiße

So beschissen die Saison war, so unter Wert wurde Kansas City mit 2-14 letztendlich geschlagen. Viele Mannschaftsteile sind mit fantastischen Einzelspielern besetzt und etliche Schlüsselspieler sind noch relativ jung. Die QB-Position dürfte mit Smith adäquat, wenn auch nicht spektakulär oder gar wirklich langfristig besetzt worden sein.

Kacke ist allerdings, dass die Chiefs genau jetzt 2-14 gehen mussten. Die Draftklasse 2013 ist an den Needs der Chiefs komplett vorbeikonzipiert. Kein Highend-QB, kein Highend-WR, kein Highend-DE, dafür viel Breite. Die Chiefs werden den Top-Pick per Trade kaum los und haben in der Breite nach dem Smith-Trade auch kaum mehr Draftpicks (#34 iss weg).

Als GM würde ich die Defensive Line draften. Reid wird die 3-4 Defense behalten, aber vielleicht gibt es bei einem der vielen Tackles tatsächlich das Potenzial, ihn mittelfristig auf 3-4 End abzustellen – das ist die Position, die die kritischste verbliebene ist. Mit den beiden guten Nose-Tackle-Prospects von heuer im Hinterkopf kann man sich für den Poe-Pick vom letzten Jahr schon mal gepflegt in den Arsch beißen. Zweitgrößte Baustelle IMHO: Cornerback. Dee Milliner an #1? Eigentlich unerhört, aber in der Chiefs-Konstellation nicht Idiotie. Dann Wide Receiver. Entweder ein Topmann für den Slot, oder zwei mittelprächtige Dinger für mehr Breite.

Offense Line halte ich für Luxus. Anyhow: Kriegt Reid aus Smith ein Quäntchen mehr raus als Smith bisher von sich gezeigt hat, werden die Chiefs diesen Herbst zumindest 6-8 Siege einfahren.

NFL 2012/13, TV-Guideline #8 abseits von allem Trara in London-Wembley

Wembley_CHI_TB_156

NFL in Wembley 2011 – Foto: Steve (danke!)

Noch einmal die Vorwarnung: Nach der Winterzeitumstellung von heute Nacht werden die NFL-Spiele am heutigen Sonntag um 18h und 21h25 MEZ beginnen; die Amerikaner stellen wie gewohnt eine Woche später um.

Der heutige achte Spieltag wird aus europäischer Sicht „überschattet“ vom WembleySpiel zwischen New England und St Louis, worauf wir bereits am Morgen eine Vorschau von Herrmann lesen durften, der die Partie live im Stadion verfolgen wird. Es gibt aber noch weitere Spiele.

Wembleybegleitprogramm

TV-Programm

ESPN America LIVE

So, 18h   STL - NE
So, 21h25 DAL - NYG
Mo, 01h30 ARI - SF

ESPN America Tape

Mo, 11h30 PHI - ATL
Mo, 14h   PIT - WAS
Mo, 16h30 DEN - NO
Mo, 05h   DEN - NO
Di, 16h30 ARI - SF
Di, 04h30 ARI - SF

SPORT1+ LIVE

So, 18h   STL - NE
So, 21h25 DAL - NYG
So, 01h20 DEN - NO
Mo, 01h30 ARI - SF

PULS4 LIVE

So, 22h30 DAL - NYG

Bei Chicago – Carolina steht der junge QB Cameron Newton im Fokus, der in den vergangenen Wochen erstaunlich wüst in die Kritik gekommen ist, obwohl die Zahlen eigentlich a) gar nicht so übel sind und b) auch nicht wirklich einen Leistungsabsturz im Vergleich zum Vorjahr vermuten lassen. Newton leidet derzeit IMHO an vor allem zwei Dingen:

  1. Die extrem vielen langen dritten Downs, die er nicht verwerten kann.
  2. Die Reputation, „Cam Newton“ zu sein.

Ersteres hängt mit Carolinas Offensivsystem zusammen: Ähnlich den Tampa Bay Buccs muss hier um einen nur mäßig präzisen Quarterback gebastelt werden, was zu vielen tiefen Spielzügen führt, aber eben auch zu vielen langen dritten Downs – Carolina muss die längsten dritten Downs im Schnitt ausspielen (9.4yds im Schnitt). Zweiteres hängt mit der öffentlichen Meinung über Cameron Newton zusammen, der schon seit College-Zeiten kein Sympathieträger war und nun im Zweifelsfall eben von Medien und Fans mehr auf die Fresse bekommt als es ein RG3 jemals bekommen würde. Newton muss aufpassen, sich dadurch nicht in ein zu tiefes mentales Loch zu graben. Die Waffen für Brillanz hätte er.

In Philadelphia werden die Eagles beim Wiedersehen Vick/Falcons zum 14ten Mal im 14ten Versuch in der Ära Andy Reid nach der Bye Week einen Sieg einfahren und die letzte ungeschlagene NFL-Franchise (Atlanta) putzen, oder es werden sämtliche erwiesenen Naturgesetze außer Kraft gesetzt und die Pferde kotzen doch noch vor den Apotheken.

Bei NY JetsMiami geht es neben dem Zählen der Tebow-Einspieler vor allem darum, inwiefern die bärenstarke Lauf-Defense der Dolphins die prinzipiell vor allem um den Lauf gebaute Jets-Offense in Kalamitäten bringen kann. Die Jets zuletzt mit einer überraschend knappen Niederlage in New England (wie schon zuvor auch gegen ein anderes AFC-Topteam, Houston) fühlen sich schon wieder an der Schwelle zur AFC-Favoritenstellung.

Zum Thema des Spiels werden auch die pinken Flaggen der Refs gehören, die auf Wunsch eines Jungen eingeführt werden; es ist BTW auch das letzte pinke Wochenende in der NFL für dieses Jahr.

Und schließlich bleibt aufzuwarten, was die Detroit Lions Offense, a.k.a. Megatron, gegen eine blutjunge, aber nicht zu unterschätzende Seahawk-Secondary aufstecken wird können. Spielt Seattles Defense auf einem Niveau, das ihr selbst gerecht wird (wäre so zirka Bears-Niveau), werden wir einen QB Stafford mit 35% Completion Rate erleben. Auf der anderen Seite wird mir die Lions-Abwehr bis dato zu schlecht gemacht, sollte das Spiel zumindest lange eng halten können.

Nachtisch

Erneut nur zwei Spätspiele. Kansas City – Oakland hat die Ingrendienzien, zu den unterirdischsten Ansetzungen des Jahres zu gehören. Die Chiefs haben QB Cassel durch QB Brady Quinn ersetzt, aber sofern da nicht irgendwo ein Phönix aus der Asche steigt, erleben die Chiefs spätestens im Jänner ein erneutes Hausreinemachen.

Schon sehr viel spannender ist das Duell in der NFC East, Dallas CowboysNew York Giants, das „Rückspiel“ des Season Openers. Dallas gewann damals verdient eine Partie, die von vielen Drops der Giants (CRUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUZ) gekennzeichnet war, verlor danach aber drei von fünf Spielen gegen harte Konkurrenz. Die Giants sind 5-2 und Leader der Division, aber auch ihre Leistungen sind noch nicht über alle Zweifel erhaben. QB Eli Manning muss ein Comeback nach dem anderen iniziieren, um die tiefen Löcher, in die sich die Giants graben, zu füllen.

X-Faktoren: Strafen, (fehlende) Defensive Interceptions Cowboys, Verletzung Dallas-LB Lee.

Nachtrunde

Das Sunday Night Game ist bei ESPNA nicht zu sehen, weil dort die World Series Vorrang hat. Interessant werden in den Staaten die Quoten sein, nachdem die ersten beiden Partien der MLB-Finalspiele enttäuschende Quoten eingefahren haben, und dabei war die Konkurrenz noch nicht das Premiumprodukt der NFL, Sunday Night Football…

Diesmal erleben wir das „Wiedersehen“ der beiden Quarterbacks aus Superbowl 44, Peyton Manning und Drew Brees. Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher kaum sein: Denver geigte bisher gegen einen hammerharten Schedule ziemlich stark auf und dürfte in der zweiten Saisonhälfte gegen seine eigene, einfache Division ein lockeres Einspielen auf die Playoffs bestreiten können.

Die Saints dagegen gruben sich mit vier knappen Niederlagen zu Saisonbeginn in ein tiefes Loch und müssen nun „von hinten“ das Feld aufrollen – ab diesem Spieltag mit einem halbneuen Interims-Chefcoach Joe Vitt, der nach Sperre das Zepter von Kromer übernehmen wird. Ob das der schlechtesten Pass-Defense in der National Football League helfen wird, zumal wenn es gegen PEYTON MANNING geht?

Tipps

Siegertipps in Großbuchstaben. Bisherige Bilanz: Enttäuschende 64-41.

CHICAGO – Carolina
CLEVELAND – San Diego
Detroit – SEATTLE
St Louis – NEW ENGLAND
NY JETS – Miami
PHILADELPHIA – Atlanta
PITTSBURGH – Washington
GREEN BAY – Jacksonville
TENNESSEE – Indianapolis
Kansas City – OAKLAND
DALLAS – NY Giants
DENVER – New Orleans
Arizona – SAN FRANCISCO

Notizblock NFL Woche 12: Patriots@Eagles, Giants@Saints

New England Patriots (7-3) @ Philadelphia Eagles (4-6) [Gamecenter][Gamebook]

Komprimierte nachträgliche Betrachtungen zum Spiel:

Julian Edelman ist jetzt ganz offiziell der Nachfolger von Troy Brown. Er startete wieder als Nickel-Corner, spielt WR in der Offense und Punt Returner. Das größte Problem für die Eagles war die Mitte der Verteidigung. Beinahe jeden Paß hat Brady zu Welker/Gronk/Branch/Hernandez geworfen, wenn sie von einem LB oder Safety verteidigt wurden. Es fehlt natürlich das individuelle Talent auf diesen Positionen, aber individuelle Schwächen kann man immer mit taktischen Mitteln ausgleichen; aus irgendeinem Grund sind die Eagles dazu nicht willens oder in der Lage, das trifft den DC Juan Castillo genauso wie HC Andy Reid (dessen Kopf von den Fans schon im Stadion gefordert wurde). CB Nnamdi Asomugha hat nicht mal jeden zweiten Snap gespielt (angeschlagen) und dann meistens im Slot gegen Gronkowski. Bei den Patriots hat mit Ryan Wendell jetzt schon der 3rd-string Center gespielt (nach Koppen ist jetzt auch Connolly verletzt) und in der zweiten Hälfte hat Nate Solder als RT Sebastian Vollmer ersetzt, der – mal wieder – viel schwächer gespielt hat als letztes Jahr. Das wird aber wahrscheinlich mit seinen Rückenproblemen zusammenhängen. Später, als das Spiel gelaufen war, hat auch Rookie Marcus Cannon (der mit dem Tumor) als RT gespielt und Solder auf links.

Auf der anderen Seite hatte Vince Young zwar am Ende irgendwie für 400 Yards gepaßt, aber trotzdem ein schlechtes Spiel gemacht. In einigen Situationen hatte WR Jackson seinen Verteidiger klar geschlagen, aber durch furchtbare Pässe wurde das nicht ausgenutzt und führte in einem Fall sogar zu einer Interception, in einem anderen zu einem FG statt TD. Die Interception hatte Antwaun Molden, der mit CB Kyle Arrington, DB Julian Edelman, S Sterling Moore und S James Ihedigbo das bildete, was bei anderen Teams die Secondary ist. Die Verteidigung der Patriots scheint unter der Woche nichts anderes zu trainieren als 3rd-Down- und Red-Zone-Defense. „Between the 20s“ könnten sie wahrscheinlich nicht mal ein Lingerie Football Team stoppen, aber irgendwie schaffen sie es immer wieder keine Punkte zuzulassen. Nur zehn Teams in der ganzen NFL haben weniger Punkte zugelassen als New England. Really. Völlig unverständlich war, daß RB McCoy nur zehn Carries bekommen hat. Angeblich kam es an der Seitenlinie dann auch zu einer Auseinandersetzung zwischen OC Marty Mornhinweg und DL-Coach Jim Washburn, der ersteren gefragt hat, ob er noch ganz dicht ist (sinngemaß), dann gabs wohl ´ne kleine Kabbelei und die beiden mußten getrennt werden.

New York Giants (6-4) @ New Orleans Saints (7-3) [Gamecenter] [Gamebook]

[inactives: RB Bradshaw, WR Manningham, LT Beatty, LB Boley; RB Ivory, LB Vilma]

– erster Drive Saints: Fake-FG-Versuch; der Paß von QB Chase Daniel kommt zwar an, reicht aber nicht für ein 1st Down, weil zu viele Giants aufmerksam genug waren

– erster Drive Giants: Eli Manning führt NY recht problemlos das Feld runter, aber in der Endzone macht Backup-LB Will Herring eine großartige Interception gegen TE Jake Ballard

– die Giants-D hat mit NOs Pass Attack alle Hände voll zu tun und vergißt darüber, die RBs zu verteidigen; 2nd Drive: TD Lance Moore

– auch der zweite Giants-Drive ist lang und zeitfressend, aber bis jetzt sind nur 3 Punkte dabei rausgesprungen; beide Verteidigungsreihen finden kein Mittel gegen die starken Angriffe

– NO spielt in der ersten Hälfte fast ausschließlich (außer in Nickel-/Dime-Situationen) ihre 3-4-Base-Defense; nicht, daß man das noch nie gesehen hätte, aber komisch, weil sie in den Spielen, die ich bis jetzt gesehen habe, immer locker durchgewechselt haben zwischen 3-4 und 4-3

– Q2/2:21: im vierten Drive macht NO den zweiten TD; NY findet kein Mittel gegen Brees und RB Daren Sproles

– Q2/0:35: TD Lance Moore, dritter TD von Brees; am Ende zählen nur die Punkte auf dem Scoreboard: die Saints hatten vier gute Drives und 21 Punkte; Giants kamen mit allen fünf Drives bis in New Orleans´ Hälfte und haben nur 3 Punkte

2nd Half

– Q3/10:49: Eli spielt jetzt auch noch ohne WR Nicks (Manningham vor schon vorher raus); das macht ihm aber gar nichts und schon in der ersten Serie der zweiten Hälfte kommt NY nochmal ran auf 10-21

– die Giants-D ist völlig hilflos: die Safeties können nicht tacklen, die LBs können Pässe über die Mitte/kurz hinter die LOS nicht verteidigen und die DL kann Brees nicht unter Druck setzen; nach dem Anschlußtouchdown von NY marschiert Brees mit seiner Offense genauso problemlos wie in der ersten Hälfte übers Feld zum TD (Q2/5:48)

– direkt im Anschluß daran fumblet Backup-RB Scott bei einem 3rd&1; Coughlin challenges, but play stands; sah aber in der Wiederholung nach einer Fehlentscheidung aus, weil Scotts linker Ellenbogen down war; wie auch immer: zwei Spielzüge später stehts 35-10 – game over.