Notizblock Super Bowl LIV

Zwei Fumbles, zwei Interceptions, ein Dropped Pick-6 – über wen reden wir?

  • Daniel Jones in seinem ersten NFL-Start
  • Patrick Mahomes in seinem ersten Super Bowl

Zugegeben: wir wissen nicht, ob Kwon Alexander bis in die Endzone kommt, wenn er diesen Ball fängt. Das war Mahomes’ erster Paß im vierten Viertel, hier aus anderer Perspektive.

Dieses vierte Viertel von Mahomes wird in Erinnerung bleiben als legendäres Comeback von Mahomes. Komischerweise. So oft die klugen Pundits auch die gesamte Saison über schreiben, daß man nicht vom Ergebnis her analysieren sollte, so ist es doch genau das, was jetzt passiert („QBWINZ“). In Erinnerung bleiben sollte Super Bowl LIV eher als kollektives Fehlerfestival sondergleichen der 49ers. Von diesem Fehlerfestival haben die Chiefs profitiert. Und von einem grandiosen Chris Jones. Aber hier für den Notizblock liegt der Fokus wieder auf dem Verlierer. Weiterlesen

Super Bowl LIV Preview: Chiefs-Offense vs 49ers-Defense

Bei der Chiefs-Offense weiß man immer gar nicht, wo man anfangen soll. Sie sind dank Andy Reids superben Maßschneidern von Schemes für die individuellen Stärken seiner exzellenten individuellen Talente im Kader so komplex, daß man Bücher darüber schreiben könnte. Korsakoff hat hier einige detaillierte In-depth Analysen zusammengetragen. Hier nun der Versuch von der defensiven Seite her zu denken und dabei von hinten nach vorne zu gehen. Weiterlesen

Kansas City Chiefs 2019/20 – Vorher und nachher

Eine der schönen Sachen am Bloggen ist die Möglichkeit, Erwartung mit Realität zu vergleichen. Ich hatte im Vorfeld der Saison 2019 mehrfach detailliert über die Kansas City Chiefs geschrieben. Sie waren eines der interessantesten Teams gewesen:

  • Sensations-QB, dessen Effizienz bei aller Klasse nach Regression schrie
  • Einige Fragezeichen im Support-Cast, namentlich auf Receiver, Runningback und Offensive Line
  • Verlust der beiden besten Pass-Rusher
  • Ein total unbekannter Cornerback-Corps
  • Einer der schwierigsten Schedules vor der Brust

Lass uns also man den Soll/Ist Vergleich wagen. Weiterlesen

Superbowl 2020 Preview: Andy Reid und sein Quarterback-Superstar – Ein Sieg bis zur Vollendung

Der Head Coach der Kansas City Chiefs, Andy Reid, ist seit 21 Jahren Headcoach in der NFL. Er hat mehr als 60% seiner Spiele gewonnen, was einer durchschnittlichen Saisonbilanz von 10-6 gleichkommt, und als Chiefs-Coach sogar fast 70% seiner Spiele – doch er ist ein Unvollendeter: Trotz aller Innovationen und Lobeshymnen hat er noch nie die Super Bowl gewonnen.

Am Sonntag soll sich das ändern. Weiterlesen

Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

Die heutige Sezierstunde beschäftigt sich mit den Kansas City Chiefs, letztes Jahr mit 12-4 Bilanz und knapper Overtime-Pleite im AFC-Finale gegen die New England Patriots nur ganz knapp am großen Wurf gescheitert. Jetzt folgt der nächste Anlauf. Weiterlesen

Der große Abschlussbericht | NFL 2018/19 in der Sezierstunde

Ein Monat ist seit der Superbowl 2019 vergangen – Abstand genug um einen ausführlichen letzten Blick auf die abgelaufene NFL-Saison zu werfen und schon erste Blicke in den kommenden Herbst schweifen zu lassen.

Das gewählte Format dafür ist ein mehrfach erprobtes: Ich frage, Experte antwortet. Der Gefragte ist heute der Co-Autor auf dem Sideline Reporter, Herrmann. Bitte einmal kurz Luft holen, Viertelstunde reservieren – und ein letztes Mal eintauchen in die großartige letzte NFL-Saison 2018/19. 20 Fragen, 20 Antworten. Weiterlesen

NFL Championship Games 2018/19 – Preview

Football!

Heute in der aufwendig gestalteten Collector’s Edition aus dem obersten Regal: Die vier besten Mannschaften des Power Rankings, die vier Mannschaften mit den meisten Punkten – und vor allem vier der besten Head Coaches aktuell (oder ist Andy Reids Clock Management still a thing?)

21.05Uhr: LA Rams (14-3) @ NO Saints (14-3)

00:40Uhr: NE Patriots (12-5) @ KC Chiefs (13-4)

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Vorschau Divisional Playoffs 2015/16 – Kansas City Chiefs @ New England Patriots

Football!

Das schönste Wochenende des Jahres: die acht besten Teams an zwei Tagen gegeneinander – besser geht’s nicht. Sieben der acht verbliebenen Teams sind in korsakoffs Power Ranking in den Top-8. Bei den Football Outsiders sind nach DVOA alle acht Teams in den Top-10. Wir fangen an im Nordosten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und wohl zumindest zeitweise auch Niederschlag, bei diesen Temperaturen kann das alles mögliche sein von Regen über Eisregen bis hin zu echtem Schnee.

22.35 Uhr: Kansas City Chiefs (12-5, #5 Seed) @ New England Patriots (12-4, AFC East Champions, #2 Seed). Im Gamepass mit The Bird & The Beard, Ian Eagle und Dan Fouts. Bei Pro7Maxx und ran.de ab 22.10 mit ? (steht auf der ran.de Seite leider nicht) und natürlich bei PULS4. Weiterlesen

Vorschau Wild Card Playoffs 2015/16: Kansas City Chiefs @ Houston Texans

Playoffs!

Wie so oft in den letzten Jahren macht das vermeintlich langweiligste Spiel den Anfang. Die Kansas City Chiefs (11-5, #5-Seed) besuchen die Houston Texans (9-7, AFC South Champions, #4-seed); Kickoff 22.35Uhr. Via NFL Gamepass übertragt ESPN mit Mike Tirico und Jon Gruden am Mic; in Deutschland ist ab 22.10 Pro7 Maxx beziehungsweise ran.de dabei mit Florian Schmidt-Sommerfeldt und Jan Stecker nehme ich mal an, steht bei ran.de aber nicht explizit. In Österreich wie immer bei PULS4 mit Eschlböck und Reiterer.

Also: ist das wirklich so ein langweiliges Matchup, wie es sich anhört?

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Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

Die Saison 2013/14 ist für die Kansas City Chiefs in der Geschmacksrichtung best case scenario abgelaufen, es gibt kein Drumherum-Reden: Die Debütsaison des Head Coaches Andy Reid führte ein Jahr nach dem Absturz an den Bodensatz sofort in die Playoffs, wo man allerdings einen schon sicher geglaubten Sieg gegen die Colts noch aus der Hand gab. Die Chiefs hatten als dark horse gegolten, und sie wurden diesem Status mit 11-5 Siegen gerecht. Können sie das noch einmal so hinbiegen?

Kansas City ist ein Paradebeispiel für die Wichtigkeit, aber auch die Zufälligkeit von Turnovers: 2012 war man -24 nach Ballverlusten und holte nur zwei Saisonsiege. Man war Bodensatz nach Turnovers Ein Jahr später hatte man eine Turnover-Ratio von +18, eine der besten der Liga, und holte entsprechend 11 Siege. Die Defense kreierte 36 Stück, die risikoscheue Offense verlor den Ball nur marginale 18 Mal. Turnovers verhalten sich sehr zufällig, deswegen bin ich skeptisch, was einen erneuten Durchmarsch der Chiefs durch die Regular Season angeht.

Überblick 2013

Record        11-5    WC
Enge Spiele    3-3
Pythagorean   11.2     5
Power Ranking  0.484  19
Pass-Offense   5.8    21
Pass-Defense   6.4    18
Turnovers      +18

Management

Salary Cap 2014.

Es waren aber nicht bloß die Turnovers: Die Chiefs hatten zudem einen recht außergewöhnlichen Lauf in der ersten Saisonhälfte, in dem sie auf eine ganze Latte an Backup-QBs trafen, eindimensionale Offenses, gegen die sie nicht viel ausrichten mussten; der Schedule der Chiefs war auch nicht so besonders schwierig, und trotzdem beendete man das Jahr „nur“ mit 6.4 NY/A gegen den Pass in der Defense – ein leicht unterdurchschnittlicher Wert. Nichts nervös zu werden, aber auch wenn man Luck, Manning, Rivers und Romo sah: Gegen den 16-Spiele Schedule hätte man da eigentlich mehr erwartet, zumindest verglichen mit dem, wie die großen Medien die Chiefs-Defense 2013 wahr nahmen.

Im Angriff ist man so banal wie erwartet. Ein QB Alex Smith wird nicht mehr der große Gunslinger vor dem Herrn, sondern bringt dir genau das Erwartete: 5.7 NY/A und zehn oder weniger Interceptions übers Jahr. Er schmeißt dir die Partie nicht aus dem Fenster, aber wenn es kritisch wird, bitte erwarte von Smith keine Wunderdinge und großen Comebacks. Eigentlich wären die Chiefs ja reif, schön langsam an Smiths Nachfolger zu denken um das „Ceiling“ der Mannschaft zu heben, aber es sprechen mehrere Dinge dagegen: Die Investition, die man erst letztes Jahr in Smith tätigte (2nd-Round Pick) und die himmelschreienden Lücken auf Wide Receiver und in der Offense Line.

Letztere Löcher könnten Kansas hinunter reißen: LT Albert wurde wie lange erwartet nach Miami ziehen gelassen, der OG Asamoah ging nach Atlanta, der G Geoff Schwartz nach New York. Übrig bleibt ein grünschnäbeliger Kern an ungeprüften Vorblockern.

Als neuer Left Tackle wird Eric Fisher eingestellt, letztes Jahr der Top-Pick im Draft. Fishers Rookie-Saison enttäuschte die Erwartungen. Angeblich war er weder im Laufspiel noch im Passspiel gebräuchlich, und das auf der rechten Seite, die im Vergleich zur linken Seite als die einfachere gilt. Es ist aber zu früh, Fisher abzuschreiben: Viele junge Offense Liner haben anfangs Probleme, sich auf das Tempo und die komplexeren Schemen in der NFL einzustellen, zumal wenn man wie Fisher von einem sehr kleinen College in die NFL kam. Und dann ist Andy Reid ja auch noch ein Zauberer wenn es darum geht, Offense Liner aufzubauen.

Lassen wir Fisher mal Fisher werden. Center ist mit dem jungen Rod Hudson (ehemals FSU) auch noch eine Position, die mit viel Gutdünken durchgewunken werden kann, aber dann wird es dünn. Ein jahrelanger Backup und OL-Springer wie Stephenson könnte temporär einen der Guard-Positionen übernehmen, aber dann braucht es immer noch wenigstens einen Tackle und einen Guard im Draft.

Reid liebt es, junge Offense Liner zu draften, bloß war seine Erfolgsbilanz dort in den letzten Jahren ziemlich unterirdisch. Nicht ausgeschlossen, dass Reid darauf vertraut, sich dieser Positionen erst in späteren Runden zu bedienen um da ein paar unbekannte Leute hoch zu ziehen.

Wo auch nachgebessert werden muss: Wide Receiver. Dort spielt Dwayne Bowe seit vielen Jahren den Alleinunterhalter, so auch 2013 mit 116 Anspielen (20% der Pässe der Mannschaf). Bowe fing davon nur etwas mehr als die Hälfte für 822yds und 6 TD, aber was willst du schon machen, wenn deine komplette Pass-Offense auf einen Mann zugeschnitten ist. OK, du hast noch deinen RB Jamaal Charles, der alles macht, von fangen, laufen und vorblocken, aber dann verheizt du Charles endgültig…

Fakt ist: Hinter Bowe muss dringend neues Spielermaterial her. Wenn man sich so durch die Chiefs-Foren klickt, fordern alle ohne Umschweife wenigstens einen „schnellen“ Wide Receiver, sprich einen Sprintertypen, der eine Defense auseinander ziehen kann. Wie das mit einem notorisch wurfschwachen Quarterback wie Smith gut gehen soll, ist mir schleiferhaft, aber wenn die Ausschreibung ein Sprinter ist, dann könnte durchaus ein Mann wie Oregon States Brandin Cooks gemeint sein, der überall eingesetzt werden kann: Innen, außen, im Slot. Cooks oder ähnlich als Ergänzung zu einem Bowe läse sich nicht übel.

Zumal die Chiefs kaum mehr auf den Durchbruch des als Bust abgeschriebenen A.J. Jenkins warten wollen; Jenkins, erst vor zwei Jahren ein Erstrundenpick in San Francisco, hatte erneut nur wieder 9 Catches und dürfte maximal als dritte oder vierte Option im Kader verbleiben.

In der Defense beschränken sich die größeren Lücken auf die Secondary: SS Eric Berry hat seinen Durchbruch mittlerweile geschafft, der Slot-CB Brandon Flowers gilt als verlässliche Fachkraft, aber alle anderen Besetzungen sind upgrade-würdig. Der junge CB Marcus Cooper, letztes Jahr wochenlang als Sensation gefeiert bis eben nach all den Backup-QBs die ersten ernsthaften NFL-QBs kamen, wurde von Peyton Manning und Co. Spielzug für Spielzug in seine Einzelteile zerlegt und wurde hernach heulend auf die Bank gesetzt; Coopers Selbstvertrauen gilt erstmal als angeknackst genug, dass die Chiefs ihn wohl nicht mehr so schnell die Stamm-Position überlassen.

In der Front-Seven tummeln sich dagegen die hochklassigen Talente: Der NT Dontari Poe, 2012 als Workout Warrior verspottet und mit einem schlechten Einstand als Rookie, hatte 2013 sein Coming-Out und wurde verdientermaßen in der Nähe des All-Pro Teams verortet; Poe ist ein Monster und neben einem Dareus und Wilfork so ziemlich der prototypische Nose Tackle der Gegenwart: Beschäftigt permanent zwei Gegenspieler, und kommt zwischendurch immer mal wieder durch zum Quarterback um ihm einen Schlag zu verpassen oder ihn gar zu sacken. Poes Bilanz liest sich wie J.J. Watt für Arme: 5 Sacks, 7 QB-Hits, 4 Pass-Deflections, 5 Run-Tackles für Raumverlust – und nicht vergessen: Ein Watt sieht häufiger Einzel-Deckung, während Poe fast immer gedoppelt wird.

Poes grundsolide Nebenleute in der Dreimann-DL der Chiefs haben ein vergleichsweise einfaches Leben. Die Passrusher an den Flanken, OLB Justin Houston und OLB Tamba Hali, nutzten das zu gemeinsam 25 Sacks (13 in 15 Einsätzen für Hali, 12 in 11 Einsätzen für Houston) und konstantem Dampf. Hali ist eher die eindimensionale Variante vom Outside Linebacker, aber der junge Houston ist mehr, ein kompletter Spieler, der den Chiefs noch große Freude bereiten wird, sofern er sich nicht wieder dem brennenden Gras zuwendet. Und Inside-Linebacker Derrick Johnson ist mittlerweile eh über jeden Zweifel erhaben.

Merkwürdiges Konstrukt, die Chiefs. Die Schwachstellen sind klar identifizierbar:

  1. Wide Receiver
  2. Offensive Tackle
  3. Offensive Guard
  4. Cornerback

Quarterback ist zwar keine “Schwachstelle” im Sinne, dass Smith das Team in die Scheiße reitet, aber er hindert die Chiefs in ihrer mittelfristigen Entwicklung. Allein, Reid machte immer deutlich, dass er an Smith glaubt und ihn nicht zu ersetzen gedenkt.

Trotz dieser klar ersichtlichen Schwachstellen und der deutlich erkennbaren Stärken muss man aufpassen, Kansas erneut wieder per Knopfdruck in die Playoffs zu wählen. Die AFC ist keine starke Conference, und so viele andere Alternativen drängen sich momentan nicht auf, aber aufgepasst: Vieles in unserer Wahrnehmung der Chiefs hängt an dem dramatischen Schwingen der Turnover-Werte, und dass die Defense nächstes Jahr statt 36 nur noch – sagen wir – 24 Ballverluste erzwingt, ist gut möglich. Dann hast du anstatt 11 Siegen schnell nur noch 8 übrig, wenn dein Passspiel weiterhin so leblos bleibt.

Ein Wechsel wird nicht passieren, aber prinzipiell führt uns jede Chiefs-Analyse immer wieder zur Spielmacher-Frage zurück…

Wer sollte Coach des Jahres 2013/14 werden?

Der Award „Coach des Jahres“ verhält sich in der NFL anders als alle anderen Awards. Denn während der NFL MVP oder Rookie-des-Jahres Preis tatsächlich an den Spieler vergeben werden, der nach common sense die beste Saison hatte (wie auch immer das definiert sein mag), so wird der Coach-Preis für gewöhnlich an den Coach gegeben, der an ihn gehegten Erwartungen vom Sommer am meisten übertrifft.

Die Wildcard gleich zu Beginn geht an John Fox von den Denver Broncos. Fox ist manchmal etwas nervtötend, weil er so konservativ ist, aber man kann ihm eines nicht absprechen: Dass seine Mannschaften nicht souverän spielen. Sie tackeln sicher. Sie begehen zwar Strafen, aber nicht viele Phantom-Tackles. Trotzdem spricht es Bände, dass der Coach, der seine Mannschaft dieses Jahr in die Superbowl geführt hat (Fox schaffte das schon vor zehn Jahren mit den Panthers), eigentlich kaum Presse. Denver wird als Peyton Mannings Team wahrgenommen. Aber allein mit Manning fährst du nicht in die Superbowl. Was Fox allerdings in dieser Liste knapp raus schießt: Er verpasste vier Spiele im November mit Herzproblemen. Klingt makaber, aber es gibt heuer genügend gute Coaching-Leistungen, dass ich das mal als Entschuldigung her ziehe. Ebenso knapp draußen: Sean Payton und Jim Harbaugh. Würde ich eine Top-10 Liste machen, zwei dieser drei hätten sie komplettiert.

#8 Andy Reid (Kansas City Chiefs)

Die Chiefs drehten ihre Bilanz innerhalb eines Jahres von 2-14 und Top-Draftpick auf 11-5 und Playoff-Qualifikation. Sie sind damit das zweite Team in Folge, dem das gelang (2012 schaffte es Indianapolis), und damals gewann der Colts-Headcoach den offiziellen Award. Andy Reid ist einer der Topfavoriten in diesem Jahr. Aber Hand aufs Herz: Reids Job war relativ einfach. Er fand zu seiner Einstellung vor einem Jahr einen Kader mit etlichen Pro Bowlern und vielen ehemals hohen Draftpicks vor, dem nur zwei Dinge abgegangen waren: Quarterback und Coaching. Zufällig sind das die wichtigsten Dinge im Football. Zufällig waren die Chiefs in diesen Bereichen nicht bloß schlecht, sondern unterirdisch.

Reid kam, und musste „nur“ zwei Dinge verändern. Er holte sich QB Alex Smith aus Kansas City. Es war wie erwartet das einflussreichste QB-Upgrade des Jahres. Und natürlich Reid selbst. Die Chiefs waren nicht besonders effizient nach Downs (Power-Ranking: untere Tabellenhälfte), aber weil sie mit der risikolosen Spielweise kaum Turnovers begingen, landeten sie doch bei 6.1 Punkten über Durchschnitt im SRS (#7 der Liga) und bei einem hervorragenden Pythagorean von 11.2 Siegen (#5 der Liga).

#7 Mike McCoy (San Diego Chargers)

Die Auswahl von Mike McCoy ist weniger ergebnisgetrieben als sie nach dem kurzen, aber doch überraschenden Playoff-Lauf aussieht. Ich hatte McCoy schon Ende November ganz weit oben auf meiner Short-List, und ich glaube, dass er einen echt guten Job als Rookie-Coach bei den Chargers gemacht hat.

Das Auffälligste an seinem Wirken war die Revitalisierung einer Chargers-Offense, die zuletzt nichtmal mehr Norv Turner formen konnte. Es war nicht bloß eine „gute“ Chargers-Offense 2013/14. Es war eine fantastische. Eine Offense Line bestehend aus Rookies und längst abgeschriebenen Altstars war gut genug um landesweit Aufmerksamkeit zu erregen. Ein QB Rivers blühte auf. Leute wie RB Mathews, der schon als Bust abgeschrieben war, gehörten plötzlich zu den ligaweit besten auf ihren Positionen. Rookie-WR Keenan Allen kam aus der dritten Runde und war per Knopfdruck einer der besten Wide Receivers in der NFL.

Ich glaube, man kann McCoy nicht daran aufhängen, dass die Defense so lange so absurd war; sie war schließlich unterirdisch besetzt. Es gibt personell keine NFL-Defense, die weniger an Spielermaterial hatte. Der einzige Verteidiger von NFL-Format, OLB Ingram, war fast die ganze Saison auf der Verletztenliste. Trotzdem wurde um dieses Problem herum gewerkelt, und in den letzten Wochen hatte San Diego dann sogar eine zumindest brauchbare Defense, und prompt ging es in die Playoffs.

Ein insgesamt sehr guter Job von McCoy, dessen Mannschaft momentan in den Top-10 des Power-Rankings rangiert. Die nach SRS 2.7 Punkte besser als der Liga-Durchschnitt ist. Der mit einem guten GamePlan auswärts ein Superbowl-Kaliber schlagen konnte (Cincinnati). Der am Ende aber ein Playoffspiel in Denver abschenkte, weil man zu lange zu starr an seinem längst gescheiterten Plan fest hielt.

#6 Bruce Arians (Arizona Cardinals)

Der amtierende Coach des Jahres. Arians gewann 2012 in Indianapolis als Interimscoach, ging aber im Anschluss daran zu den Arizona Cardinals um sich ca. 60jährig doch noch erstmals als Head Coach zu versuchen. Ich geben zu, ich war skeptisch. Aber Arians schaffte das, wofür er geholt wurde: Die Offense um QB Palmer beging zwar viele Turnovers, aber sie war immerhin wettbewerbsfähig genug um den schlafenden Riesen Arizona zu wecken.

Remember: Die Cards-Defense war schon in den letzten Jahren großartig gewesen; Arians‘ Coaching-Stab konnte den Level auch nach Abgang von DefCoord Horton sogar noch eine Stufe höher schrauben. Der Schlüssel aber war die Offense: QB Palmer warf zwar 22 INTs, aber er erlebte zumindest annähernd sowas wie einen dritten Frühling, als dass er Pässe für mehr als 6.5 NY/A an den Mann brachte – ein Wert, der Welten besser ist als alles was die Cards die letzten Jahre hatten.

Arizona war eines der besten und gefürchtetsten Teams der Liga in den letzten Wochen; niemand hätte gerne gegen die Cards in den Playoffs gespielt (sie verpassten diese trotz 11-5 Bilanz in der bockstarken NFC-West). Platz 7 im Power-Ranking, Platz neun im Pythagorean, Platz sechs im SRS: Das war ein komplettes Team.

Er formte WR Michael Floyd zur NFL-Tauglichkeit. Er machte die Offense zumindest glaubwürdig. Allein die viel zu geringe Einsatzzeit für den sensationellen Rookie-RB Ellington sowie ein katastrophales Game-Management (Field Goal bei -18?) gegen Seattle ziehen das Gesamtbild Arians‘ runter.

#5 Marv Lewis (Cincinnati Bengals)

Marv Lewis ist die graue Maus unter den NFL-Coaches: Ein stilles, schwarzes Männlein im leisesten Markt der Liga in Cincinnati, wo sich die eigene Bevölkerung nicht um die Mannschaft schert, weil sie den Owner hasst. Dieser Owner ist Mike Brown, und Mike Brown war vor drei Jahren nach dem Ende eines 4-12 Kollapses und zerbrochener Träume schlau genug um Marv Lewis nicht bloß nicht zu entlassen, sondern ihm sogar eine Vertragsverlängerung mit Kompetenzen-Zuwachs zu verschaffen. Als Resultat gibt es seither bis auf vielleicht Belichick in New England keinen Head Coach in der Liga, der ein breitere Themenfeld abdeckt als Marv.

Marv hatte 2013 sein bisher bestes Produkt auf dem Feld: Die Bengals gewannen mit 11-5 Siegen die AFC North und beendeten die Regular Season an #4 im Power-Ranking. Sie beendeten das Jahr mit nur 305 Gegenpunkten, fünftbester Wert der Liga. Und das, obwohl die beiden wichtigsten Spieler der Abwehr, DT Geno Atkins und CB Leon Hall, sich beide schon in den ersten zwei, drei Wochen verletzt in den Winter verabschiedeten. Einiges an der Defense-Arbeit mag an DefCoord Mike Zimmer liegen, und Zimmer konnte das kürzlich in seinen verdienten ersten Cheftrainerposten (in Minnesota) ummünzen.

Marv Lewis hat sich als quasi-GM einen famosen Kader zusammengestellt – und das ohne echte Free-Agency Aktivität. Er hatte das Team in hohen Höhen trotz eines mittelmäßigen QB um den herum gebastelt werden musste. Schade, dass die Saison letztlich so seelenlos gegen San Diego zu Ende ging.

#4 Chip Kelly (Philadelphia Eagles)

Die größten Befürchtungen erwiesen sich als nicht angebracht, zumindest nicht im ersten Jahr: Chip Kellys Offense hatte einen guten Einstand in der NFL. Er schaffte es, viele Konzepte seiner äußerst ansehnlichen Oregon-Ducks Offense in der NFL erfolgreich zu implementieren, und er schaffte es, obwohl er seinen Quarterback wechseln musste.

Nick Foles hatte ein extrem gutes Jahr als QB-Notnagel und als QB-Typ, der eigentlich alles andere als zum „klassischen“ Chip-QB taugte. Foles hat Limitierungen, die ihn möglicherweise eine Karriere als legitimer Franchise-QB kosten werden, aber Chip baute um ihn herum eine doch sehr ansehnliche Offense. Die Offense wurde nach seinen Vorstellungen zusammengestellt: Draften von massiven Offense Tackles, Draften von groß gewachsenen Tight Ends usw. Das ist Chip-Football par excellence, und es funktionierte.

Die Defense war bestenfalls unteres Mittelmaß, aber Chip musste auch erstmal mit einem Spielermaterial arbeiten, das für eine andere Art von Abwehr (die 4-3 Defense) gebaut war. Via Free-Agency wurden einige bessere Backups wie Sopoaga oder Cary Williams verpflichtet, aber mehr war in einer einzigen Offseason noch nicht drin.

Kellys Eagles sind im Efficiency-Ranking (Power-Ranking) die #5 der Liga. Das SRS ist okay, aber nicht überragend (1.9 Punkte über NFL-Schnitt). Die 10-6 Bilanz in der Regular Season ist es – zumindest gemessen an den Erwartungen, die den Eagles ca. ein 7-9 oder 8-8 prognostiziert hatten. Mische Kellys vergleichsweise aggressives Coaching in 3rd-Downs und 4th-Downs mit rein, wird die Coaching-Leistung noch besser. Verbesserungswürdig ist sein Handling mit der roten Flagge sowie war das eine oder andere Auszeiten-Ziehen suboptimal, aber es reicht locker für einen verdienten vierten Platz – aber nicht zu einer Medaille.

#3 Pete Carroll (Seattle Seahawks)

Pete Carroll hat in Seattle eine Mannschaft nach seinem Antlitz geformt. Das ist bemerkenswert, weil es so wenigen Coaches gelingt. Das geht nicht ohne ein Quäntchen Glück (wie z.B. die Glücksgriffe wie Chancellor oder Sherman, oder aber auch QB Wilson), aber du musst trotzdem eine funktionierende Einheit basteln.

Carrolls Seahawks von 2013 strahlen nicht mehr diesen Begeisterungsfaktor aus, der sie letztes Jahr berühmt machte, aber dafür sind sie insgesamt noch solider, tiefer besetzt und gehen zumindest nicht als Außenseiter in die Super Bowl.

Seattle beendete die Regular Season mit 13-3 Bilanz. Normalerweise ist eine 13-3 Bilanz ohne etwas Glück nicht leicht erreichbar, aber der Pythagorean behauptet, Seattle habe die Performance einer Mannschaft erbracht, die im Schnitt 12.9 Spiele gewinnt. Das ist nur ein Jota unter der schwarzen Zahl. Seattle ist die #1 im Power-Ranking. Seattle ist die #1 im Simple Ranking System mit 13.0 Punkten über NFL-Schnitt.

Die Seahawks waren das dominanteste Team des Jahres, und sie sind nach dem Abbild des ehemaligen Defensive-Backs Coaches Pete Carroll gebaut. Die große Stärke ist die Legion of Boom, die Secondary, in der Carrolls Schützlinge Earl Thomas und Richard Sherman Angst und Schrecken verbreiten.

Carroll hätte zwingend schon im letzten Jahr den Coach-des-Jahres Preis gewinnen müssen. Dieses Jahr gibt es aber zwei Kandidaten, die ich knapp vor Carroll sehe.

#2 Bill Belichick (New England Patriots)

Letzte Woche wurde ich im Podcast bei den Sofa-Quarterbacks um eine Einschätzung zu Bill Belichick gefragt, und ich kann das, was ich dort verzapfte, nur noch einmal wiederholen: Man hat sich an die Größe Bill Belichicks gewöhnt, so sehr, dass eine erneute 12-4 Saison des alten Mannes keine Sensation mehr ist. Es gibt keinen besseren Coach da draußen. Vielleicht gab es noch nie einen so guten Coach da draußen. Vielleicht ist Belichick der beste NFL-Headcoach aller Zeiten. Aber man registriert es gar nicht mehr. Belichick ist ein Opfer seines eigenen Erfolgs geworden.

Drei Superbowl-Siege sind das eine. Viel bemerkenswerter ist die Tatsache, dass es Belichick in einer Ära, in der alles auf Gleichheit getrimmt wird, jedes verdammte einzelne Jahr ein Produkt aufs Feld schickt, das um den Titel mitspielt. Ohne Unterbrechung. Belichick verpasste seit seinem ersten Titel 2001/02 nur zweimal die Playoffs – beide Male mit Winning-Record. Einmal davon mit 11-5 Bilanz und Durchwursteln mit einem Quarterback, von dem nie zuvor jemals jemand was gehört hatte (Matt Cassel war sogar am College nur Backup gewesen).

Belichick erfindet sich jedes Jahr von neuem. Aber 2013 mag sein bisher markantestes gewesen sein. Eine Offense, die nach einer Lawine an schlechten Nachrichten in der Offseason und anfänglichen Schwierigkeiten durchaus wieder phasenweise exzellente Spiele hatte. Eine Defense, die bis zum Zuschlagen des Verletzungsteufels mit einem Male wieder Top-Team würdig war. Ein konstant wandelnder GamePlan, der um diese Probleme herum dokterte.

Am Ende war New England ein Top-10 Team nach Effizienz, was angesichts der Kaderqualität bemerkenswert ist. New England war 5.9 Punkte besser als der Durchschnitt nach SRS (#8der Liga). #8 nach Pythagorean. 12-4 Siege, und es hätten je nach Ausgang einiger Zufalls-Plays in den letzten Sekunden auch 10 oder sogar 14 sein können. Das müsste eigentlich reichen für den COTY, aber…

#1 Ron Rivera (Carolina Panthers)

Ich löse mein Versprechen ein und küre den Coach, der wie kein anderer für die neue Welle an aggressiven (besser: rational richtigen) 4th-Down Calls stand: Riverboat Ron. Ron Rivera ist mehr als die paar 4th-Downs. Ron Rivera war der Hauptgrund, weswegen die Carolina Panthers in der vorangegangenen Saison 2012 so „schlecht“ abschnitten: Wegen seines üblen „in-Game Managements“. Dass Rivera aus einem Schrotthaufen von Mannschaft, die er 2011 übernommen hatte, innerhalb von kürzester Zeit eine titelfähige Mannschaft gebastelt hat, habe ich nie abgestritten; Carolina hatte schon 2012 eine Superbowl-fähige Mannschaft, aber einen Top-Draftpick würdigen Coach.

Rivera war der Hauptgrund, besser: der alleinige Grund, weswegen ich Carolina im Sommer knapp außerhalb der Playoffs gesehen hatte. Bei allem Respekt für seine sicherlich exzellente Trainings- und Vorbereitungsarbeit, aber er hatte sie so oft mit inaktzeptablen in-Game Entscheidungen negiert, dass diese kein Zufall sein konnten. Weil Menschen Gewohnheitstiere sind und sich – wenn überhaupt – nur seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr langsam ändern, hatte ich Rivera bereits als hoffnungslosen Fall abgeschrieben.

Woche 2 gegen Buffalo, und Rivera machte nahtlos weiter mit seinem „Punt in 4th-und-kurz“. Resultat: Zwei Saison-Pleite im zweiten Spiel.

Aber dann muss sich etwas bei Rivera getan haben, denn quasi über Nacht mutierte Rivera vom konservativsten Head Coach der NFL zu einem, der 4th-Down auf 4th-Down auf 4th-Down ausspielen ließ und damit mehr als eine Partie zu Gunsten seiner Mannschaft drehte. Carolina war am Ende 12-4, in etwa die Bilanz, die die Panthers schon 2012 hätten einfahren müssen. Man war ein Top-8 Team nach Effizienz-Stats. Man war die #4 der Liga im SRS mit 9.1 Punkten über Liga-Schnitt. Man stellt mit 11.7 Siegen das drittbeste Team nach Pythagorean.

Und mehr: Die Panthers funktionieren mittlerweile wie eine Mannschaft nach Riveras Vorstellungen: Massive Front-Seven, okayes Defensive Backfield. Rivera und sein Staff machten in der Offseason genau die richtigen Moves um den letztjährigen Underachiever zu upgraden. Das größte Upgrade aber war Rivera selbst – und das verdient ihm den Sideline Reporter Coach oft he Year 2013/14 Award.